Die Melodie des Meeres - Kritik

Song of the Sea / AT: Le chant de la mer

IE/LU/DK/FR/BE · 2014 · Laufzeit 93 Minuten · FSK 0 · Animationsfilm, Fantasyfilm, Drama · Kinostart
Du
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    'Song of the Sea' erhebt sich wie ein strahlender Leuchtturm aus dem Meer der westlichen Animationsfilme. Das Studio Cartoon Saloon versteht es nicht bloß ein rührendes Familiendrama auf den Bildschirm zu pinseln, sondern schafft es auch dieses mythologisch zu umhüllen und in eigensinnige Bildern zu tauchen.
    Das hier dargestellte Trauma der Familie reicht bis in die kindliche Sprachlosigkeit, denn manchmal muss nichts mehr weiter erklärt werden. In wenigen Handgriffen und vor allem in den Bewegungen der Familienmitglieder untereinander verstehen wir sofort, wie es jeweils um sie bestellt ist.

    Mögen die Charaktere auch scharfkantig gezeichnet sein, so scheinen sie stets von einer weichen Aquarell-Textur überzogen zu sein, die ihnen zusammen mit der kreisrunden Geometrie um sie herum eine warme Sanftmütigkeit verleiht. Gerade wenn wir in den Brunnen der irischen Mythologie gestoßen werden, blitzt im Hintergrund beständig ein Leuchten auf, das unser Auge zum Anlass nimmt die weiten Ebenen im Himmel auf mögliche Formen und Formationen abzutasten - ähnlich wie die Menschen einst nach Erklärungen für ihre Umwelt in mythologischen Geschichten gesucht haben und ähnlich wie die Menschen in diesem Film sich auf die Suche nach dem Sinn für ihren emotionalen Schmerz begeben.

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      Da es noch keine Seite zu Moore´s kommenden Film Wolfwalkers gibt, poste ich das mal hier hin.
      Teaserposter und Konzeptzeichnungen zum kommenden Werk gibt's hier:

      http://www.movieforkids.it/news/wolfwalkers-poster-e-concept-art-del-nuovo-film-del-regista-de-la-canzone-del-mare/47240/

      Sieht schon sehr vielversprechend aus und deutlich düsterer als Song of the sea :-)

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        Wie schon mit "Das Geheimnis von Kells" schafft Tomm Moore mit seinem zweiten Streich ein extrem fantasiereiches irisches Märchen mit unverkennbarem Zeichnungsstil. Das Ganze ist tiefgründig traurig, hat eine tolle Botschaft und lädt zum träumen ein. Emotional hat mich "Das Geheimnis von Kells" ein wenig besser abgeholt. Dennoch zählt "Die Melodie des Meeres" mit seinem erneut grossen Soundtrack für mich zu den Highlights 2016.

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          moviesforlife 27.11.2016, 13:04 Geändert 27.11.2016, 21:01

          Folgender Kommentar ist ein Wichtelkommentar im Rahmen der User-Kommentar-Wichtel-Aktion 2016 und gewidmet an Deusfantasy, den ich hier nicht bloß als einen sehr umgänglichen und angenehmen User mit einem sehr ähnlichen Filmgeschmack erleben durfte, sondern auch als einen interessanten Diskussionspartner, was sich zuletzt in wunderbaren Unterhaltungen zu den beiden Spielen "Life is Strange" und "Journey" oder zu der gar nicht mal so schlechten Serie "The Walking Dead" entäußerte. Und weil es mein Wichtelpartner so wollte: Ab dem sechsten Absatz seien alle Angsthasen unter euch vor kleinen Spoilern gewarnt.

          Doch ich schweife ab. Denn eigentlich soll es in diesem Kommentar nicht um unsere persönlichen Erlebnisse auf "moviepilot" gehen, sondern um einen Film - um einen ganz besonderen Film sogar - der unsere beider Herzen mit einem neckischen Lächeln gestohlen hat, nur um sie für immer fest umschlungen bei sich zu behalten, sie uns nie wieder zurückzugeben und uns in der bittersüßen Gewissheit zurückzulassen, dass es vermutlich nur wenige andere Filme auf diesem Planeten geben wird, die jemals vergleichbar tiefgründige Emotionen in uns wecken könnten. Zumindest empfinde ich das so und will mich nicht erdreisten, an dieser Stelle auch für Janus zu sprechen. Ich bin mir jedoch relativ sicher, dass er über diesen Film sehr ähnlich denkt. Über "Die Melodie des Meeres".

          Jedes Mal, wenn ich in den vergangenen Jahren einen Blick auf die aktuelle Landschaft an Zeichentrick- und Animationsfilmen riskiere, könnte mir glatt ganz schummrig vor Augen werden. Zwischen dem einen oder anderen viel zu unbekannten Geheimtipp, tummelt sich nichts als oberflächlicher, uniformer und maßlos überbewerteter Einheitsbrei von Disney oder Pixar auf dem Markt, der entweder in überzuckertem Kitsch ertrinkt oder verzweifelt versucht, sein Publikum mit vorgegaukelter Emotionalität zu umgarnen, aber auf Grund ebendieses erschreckenden Kalküls nur umso kläglicher scheitert. Schaue ich mir nun die immensen Einspielergebnisse solcher Produktionen und die Myriaden an Zuschauerströmen an, welche Jahr für Jahr die Kinosäle überfluten, nur um sich von dem immer gleichen Strickmuster einlullen zu lassen, frage ich mich ernsthaft, warum ein auf derart heilsame Weise herzlicher, aufrichtiger, zauberhafter und vor künstlerischem Wert nur so strotzender Film wie Tomm Moores "Die Melodie des Meeres" bei der alles abfeiernden Masse kaum bis gar keine Beachtung findet und gnadenlos unter schleimigen Tonnen an animierter Fließbandware begraben wird.

          Es ist hauptsächlich der eben angesprochenen künstlerischen Unbescholtenheit gedankt, dass sich "Die Melodie des Meeres" vom Großteil der aktuelleren Zeichentrickfilme zu emanzipieren versteht. Dies beginnt bereits mit einem von sanfter Frauenstimme melodiös aus dem Off eingeflüsterten Gedicht, begleitet durch leichtfüßige Pinselstrichen, die in ihrer Vollendung einen kunstvollen Prolog zum musikalischen Auftakt des Films bilden. Hier werden Emotionen noch auf subtilem, unterschwelligem Wege transportiert und nicht nur vorgespielt. Alles dreht sich um die Kunst und die Kunst dreht sich um alles, in einem epochalen Taifun aus unvergleichlicher Musik und einer anmutigen, detailverliebten Optik, die Bild für Bild aus einem Märchenbuch stammen könnte, mit unzähligen abstrakten Strukturen im Vorder- und Mittelgrund, sowie Hintergründen und Unterwasser-Szenen im Aquarell-Stil.

          Diesem erfrischend unkonventionellen Zeichenstil steht das wunderbar plastische Figurendesign gegenüber. Verglichen mit den oftmals seelenlosen Pfuschwerken der großen Animationsstudios, agieren und interagieren die Charaktere in "Die Melodie des Meeres" noch durch und durch lebendig; sekündlich spiegeln sich in ihrer Mimik und Gestik die komplexesten Emotionen wieder. Beobachtet man diese Figuren, so sieht man keine lieblos animierten Modelle. Man sieht echte, lebende, empathiefähige Menschen, deren Schicksal den Zuschauer tatsächlich beschäftigt, emotional mitnimmt, ihm an die Nieren geht. Und ich bin mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht der Einzige, der eine ganze Ladung an Taschentüchern benötigt hat, um diesen Film heil zu überstehen. Wobei mir die Taschentücher nur gegen das salzige Brennen in meinen Augen und die kühle, hinabrinnende Feuchtigkeit an meinen Wangen helfen konnten, die gelegentlich während der Sichtung des Films auftauchten und teilweise minutenlang anhielten. Das stille Weinen in meinem Herzen konnten sie jedoch nicht stoppen. Dafür würden wahrscheinlich sämtlich Taschentücher dieser Welt nicht ausreichen.

          Doch nicht allein wegen der lebendigen und feinfühligen Inszenierung oder weil "Die Melodie des Meeres" einer emotionalen Achterbahnfahrt - mit Bergen, Tälern, Kurven und Loopings, die in einem derart halsbrecherischen Affenzahn durchrast werden, dass unweigerlich die Augen zu Tränen beginnen - gleichkommt, wird Tomm Moore immer wieder mit dem populären Anime-Regisseur Hayao Miyazaki verglichen. Genau wie Miyazaki, entführt auch Moore seine Zuschauerschaft in eine fantasievoll gestaltete Zeichentrickwelt, in der ganz besonders die unberührte Natur im Mittelpunkt steht. Auch bewältig Moore in seinen zwei bislang erschienenen Regiearbeiten leichtfüßig den Sprung zwischen kreativen Fantasievorstellungen und tristem Alltagsrealismus. So bedient sich der irische Regisseur großzügig bei der keltischen Mythologie seines Heimatlandes, bringt aber auch Versatzstücke aus der schottischen Sagenwelt mit ein und steht seinem japanischen Kollegen somit in nichts nach. Und nicht anders als Miyazaki, belässt es auch Moore nicht bei reinrassigem Fantasykino, sondern benutzt dieses vielmehr als Parabel für ein überaus ernstes, tragisches und gleichsam wichtiges Thema.

          Denn wo sich bereits Tomm Moores erstes Meisterwerk "Das Geheimnis von Kells" um die Loslösung aus einem konservativen, innovationsfeindlichen System und um einen universellen Appell nach mehr Kreativität und Entdeckerlust dreht, geht es auch in "Die Melodie des Meeres", Moores zweitem und hoffentlich nicht letztem Spielfilm, um die Weiterentwicklung von einer schlechten Situation hin zu einem besseren, erstrebenswerteren Zustand. Verglichen mit "Das Geheimnis von Kells" ist "Die Melodie des Meeres" aber ein Film, der sich in erster Linie auf familiäre Themen festlegt: Der junge Ben und seine kleine Schwester Saoirse - was sich wie ein Zungenbrecher liest, aber wunderbar melodisch als "Sierscha" ausgesprochen wird - leben zusammen mit ihrem Vater in einem alten Leuchtturm auf einer abgeschotteten, von der unendlichen Weite des Meeres umgebenen Insel. Doch seit dem Tod von Bens Mutter geht es mit der einstmals glücklichen Familie immer weiter und weiter bergab. So illustriert "Die Melodie des Meeres" eine zutiefst emotionale Odyssee, in deren Verlauf jede Hauptfigur ihren eigenen Weg finden muss, mit Schmerzen und Verlust umzugehen, diese zu verarbeiten und schließlich über sie hinwegzukommen.

          Die Überwindung dieses Verlustes ist es, die Moore in "Die Melodie des Meeres" als Hauptmotiv behandelt und die sowohl den Weg als auch das Ziel des Films kennzeichnet. Diese Weiterentwicklung gilt es für die zerrissene Familie zu bewältigen; einen Prozess, den Moore nicht nur in einer berührenden Geschichte verpackt, sondern zugleich durch Einsatz eines simplen, aber nicht minder effektiven Kniffs auch optisch erkennbar macht: Immer dann, wenn sich die Charaktere im Film von der linken zur rechten Seite des Bildes bewegen, erleben sie einen Rückschritt in ihrer Entwicklung, während eine Bewegung von rechts nach links das genaue Gegenteil, also einen Fortschritt, dokumentiert.

          Als Saoirse beispielsweise zum ersten Mal mit den Robben schwimmt, läuft sie von rechts nach links in das seichte Meerwasser hinein, erlebt also eine positive Weiterentwicklung - einen Fortschritt. Auch bei Bens erster Begegnung mit den Fabelwesen betritt und verlässt er deren Unterschlupf von rechts nach links. Nicht anders verhält es sich ebenfalls bei der Heimreise von Ben und seiner Schwester, die den Anfangspunkt ihrer Weiterentwicklung kennzeichnet und auf der sich das Geschwisterduo immer nur von der rechten zur linken Bildseite bewegt.

          Als der Bus jedoch an einer Stelle ihrer Reise in die entgegengesetzte Richtung weiterfährt, also von links nach rechts, drängt Saoirse ihren Bruder, umgehend aus dem Bus auszusteigen und zu Fuß weiterzulaufen. Doch selbst hier verirrt sich Ben in einem düsteren Wald, da er den falschen Weg nach rechts, sprich den Rückschritt, einschlägt. Und auch die gesamte Fahrt des Geschwisterpaars von ihrem Zuhause auf der kleinen Insel bis in die fremde, unangenehme und kinderunfreundliche Welt der Großstadt findet von links nach rechts statt, ist also eine negative Entwicklung, der die Kinder nur durch ihre spätere Flucht und ihre Rückkehr zum Leuchtturm entgegenwirken können.

          Das Berührendste an "Die Melodie des Meeres" ist aber ohne Zweifel das Ende, dem es für einen Sekundenbruchteil tatsächlich gelingt, den Glauben an das wahrhaft Gute im Menschen wieder herzustellen. Und spätestens nach dem farbenfrohen Auszug der Fabelwesen in ihre neue Welt - der wohlgemerkt vom rechten zum linken Bildschirmrand stattfindet - bleiben von "Die Melodie des Meeres" nur noch Tränen. Es ist die hier erreichte Erlösung, der kurze Moment unendlichen Glücks und inneren Friedens, den wir uns am liebsten alle in unser eigenes Leben projizieren würden. Und obgleich dies kaum möglich ist, reicht das lebensbejahende Ende von "Die Melodie des Meeres" aus, um uns in einen Zustand unendlicher Glückseligkeit zu befördern. Denn es ist der kleine Hoffnungsschimmer am tristen, grauen Nachthimmel, der letzte Funke in der alles verschlingenden Dunkelheit. Es ist der Beweis dafür, dass wahres Glück, echte Liebe und aufrichtige Versöhnung in unserer Welt existieren können. Und das macht dieses Ende nicht nur zu einem wundervollen Schlusskapitel, sondern auch zu einem der rührendsten und emotional überwältigendsten Filmenden der jüngeren Filmgeschichte.

          "Die Melodie des Meeres" ist, so unscheinbar diese oftmals unterschätzte Perle im ersten Moment wirken mag, ohne Übertreibung einer der größten Filme der letzten Jahre. Es ist ein Film, der in mir ein ähnliches Gefühl weckt, wie es die Umarmung einer geliebten Person tut, an deren Schulter man sich nach monatelangem Kummer endlich mal so richtig ausheulen kann. Es ist ein Film, der mich immer wieder aufs Neue aufgeregt und euphorisch stimmt, ähnlich einem Wiedersehen mit sehr engen Freunden, die man allerdings nur ein einziges Mal im Jahr treffen kann, gemischt mit der schwermütige Traurigkeit, die nach dem unausweichlichen Abschied folgt. Es ist ein Film, dem man ohne zu zögern all seine Sorgen, Ängste, Hoffnungen und Wünsche anvertrauen will, um sich im Schoße seines vertrauten Antlitzes zur Ruhe zu betten und sich im besten Fall vollkommen von seiner zärtlichen Melodie mitreißen zu lassen. Ja, vielleicht werde auch ich eines Tages ganz und gar von dieser Melodie davongetragen.

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          • 9

            Ich hab geheult. Und geheult und geheult und geheult. Vor Berührung, nicht vor Trauer :-)

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            • 8 .5

              Wir sehen wunderbare Wälder , zauberhaft animierte Robben , versteinerte Fabelwesen und seltsame Eulenhexen . Brilliante Charaktere bahnen sich den Weg durch eine wunderschöne Geschichte , die mal lustig ist und oft auch traurig . Und nun habe ich auch noch einen neuen Lieblings-zeichentrickfilm-hund !

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              • 10

                Brillant.

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                • 8

                  Wirkt sehr wie Ponyo auf irisch. Ist dabei etwas besser erzählt, aber auch nicht ganz so wundervoll gezeichnet.

                  • 10

                    Ich hab den Vorgängerfilm noch nicht (zuende) gesehen, aber ich werde das natürlich nachholen.
                    Kinderfilme dieser Art sind selten geworden und es ist schön, dass es sowas noch gibt. :) Die Farben und der gesamte Stil des Films ist der Wahnsinn. Die Story ist unglaublich mitfühlend und das, ohne in viel Kitsch zu verfallen.
                    Das Beste: Ich kann den Film als Erwachsener sehen und mir gefällt er, während ich ihn mit meinem 3-jährigen Sohn gucken kann, der das genauso spannend findet, ihm aber nicht zu gruselig wird, da alle Szenen vollkommen kindgerecht sind.
                    Sowas muss man erstmal hinkriegen.
                    Sehr sehenswert!

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                    • 8

                      Wer "Das Geheimniss von Kells" kennt und ansatzweise mochte, wird auch dieses wunderschöne irische Märchen lieben!

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                      • 10

                        ...das Geheimnis von Kells hatte sich, mit seinem aufwändigen und wundervoll anderen Animationsstil, schon komplett in mein Herz katapultiert aber dieser hier hat mich heulen lassen wie ein Schloßhund. Die Geschichte ist zauberhaft schön, da denkt man direkt an die Schönheit des Seins. Mystisch schöne, meisterhaft filligrane Bilder, dazu noch wundervolle Musik, fertig ist die Herzzereißbombe....
                        Und meine Fresse sind diese Robben niiiiiiiiiiiiiiiieeeedlich :)

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                        • 10

                          Traumhaft schön! Habe selten so einen fantastischen Film gesehen.

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                          • 8

                            Die Animationen sind einfach wunderschön und auch der Soundtrack hat mich absolut überzeugt. Die Geschichte der trauernden Geschwister die wieder zueinander finden müssen wird zwar langsam erzählt aber wird trotzdem nie langweilig. Das Ende ist richtig kitschig und traurig geworden aber genau darum passend. Ein Film der nach dem gucken noch lange in Erinnerung bleiben wird.

                            • 9 .5

                              Es beginnt mit einer Geschichte, die die Mutter ihrem kleinen, vierjährigen Sohn erzählen wird – eine Sage, die dann später wieder aufgenommen, zu neuem, eigenen Leben wird, wenn längst klar geworden ist, dass die Mutter Teil der Welt dieser Geschichten, die Realität also nicht so arm an Magie und Wundern ist, wie allgemein befürchtet. Und zu diesem Zeitpunkt hat dann Regisseur Tomm Moore auch schon seinen eigenen Zauber gesponnen, hat mit Bildern, Worten und Musik (Liedern vor allem!) "Das Lied des Meeres" zu beglückendem Leben erweckt. Ein helles Licht am Firmament des Animationsfilms, das aus der Entfernung ein wenig so aussieht, als sei es niedlich-freundliches Kinderkino.

                              • Visuell grandios, nur die Geschichte wirkt etwas flach. Wie in seinem letzten Film widmet sich Tomm Moore einer irischen Kindergeschichte. Song Of The Sea handelt von der Aufgabe eines Jungen, seine kranke Schwester zu heilen. Technisch ist der Film auf höchstem Niveau. Moore verbindet sehr viel mit wenig , denn seine Figuren sprechen im Grunde nur mit dem Körper. Song Of The Sea ist ein stiller Film, wobei mich diese zurückgenommene Erzählweise teilweise sogar langweilte. Manchmal wirkt die Geschichte so als ob sie aus anderen Märchen geborgt wäre. Es besteht eine gewisse Abhängigkeit zwischen Bens Neugier und der Krankheit seiner Schwester. Nach dem mysteriösen Verschwinden der Mutter sorgen beide füreinander, während der Vater verzweifelt vor sich hin murrt. Es interessiert ihn auch nicht als Ben herausfindet, dass die sich Schwester Saoirse in einen Seehund verwandeln kann (so wie die Legenden des Feenvolkes es beschreiben). Die folgenden Abenteuer der Kinder sind vorbestimmt durch eine Prophezeiung. Schliesslich müssen sie gefangene Fabelwesen aus der Gewalt der bösartigen Gottheit Macha befreien. Im kleinen werden einige sehr schöne Ideen vorgeführt. Oft handelt Ben geradezu exzentrisch (ohne dabei das eigene Märchen zu verraten). Leider sind alle seine Schritte vorausschaubar, worunter die Spannung leidet. Song Of The Sea sieht einzigartig aus. Es scheint als sei die zweidimensionale Ästhetik direkt aus alten Zeichnungen übernommen. Oft kommt der Film auch überaus nett und charmant daher. Ich denke, Moore hat das Zeug zu einem noch wirklich grossen Film! mehr auf cinegeek.de

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                                • 10

                                  Tomm Moore ist, so scheint es, bei Miyazaki in die Lehre gegangen und hat ein märchenhaftes, modernes Drehbuch verfasst. Durch die wunderschönen Illustrationen von Adrien Merigeau und die irischen Märchen, auf denen der Film basiert, zeigt sich einmal mehr, dass der europäische Animationsfilm sich hinter nichts verstecken muss. Ich habe Rotz und Wasser geheult, gestaunt, mich verzaubern lassen und mich an den Bildern und Animationen geweidet. Die kurzen Momente des Kitsch sind verziehen! Volle Punktzahl. Es war mit Sicherheit nicht das letzte Mal, das ich den Film angeschaut habe!

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                                  • 9
                                    Deusfantasy 08.01.2016, 13:00 Geändert 08.01.2016, 13:21

                                    Würde man die Qualität eines Filmes nur anhand der vergossenen Tränen der Zuschauer messen, so wäre „Die Melodie des Meeres“ alleine durch mich bereits einer der stärksten Filme des Jahres.
                                    Diese zuckersüße gute Nacht Geschichte um keltische Mythen, um eine Familie, die wieder zu sich finden muss und um die Bestimmung der eigenen Herkunft strotzt nur so vor Detailreichtum, Magie, Liebe und Wärme.
                                    Die Beziehung der beiden Geschwister, die ihre Mutter so schmerzlich vermissen, wird von der Suche nach Anerkennung, bis hin zu Eifersucht und Herzlichkeit vielschichtig und einfühlsam dargestellt, genauso wie der unterschiedliche Umgang der einzelnen Familienmitglieder mit der Trauer um den Verlust der Mutter. Der Zeichenstil ist einfach nur atemberaubend schön, jedes Bild wirkt fast wie ein Gemälde und ist in einzigartiger Weise gestaltet. Der ausgezeichnete Soundtrack bleibt zudem im Ohr hängen und fügt sich perfekt ein.
                                    Auch wenn der Film zwischendrin ab und an etwas schleppend erzählt wird, wiegen doch alle positiven Seiten diesen Umstand deutlich auf. So bleiben am Ende 93 Minuten herausragende Zeichentrick-Kunst, die für Jung und Alt geeignet ist, sowohl die Sinne als auch das Herz anspricht und mich in Gänze verzauberte. Und mehr vermag ein Zeichentrickfilm bei mir nun wirklich nicht zu erreichen.

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                                    • 8

                                      Das zarte Rauschen einer Welle,
                                      das Rauschen eines Traumes
                                      gefangen
                                      in bittersüßer Verschwiegenheit.

                                      Das Leid durchdringt uns,
                                      wie ein Schwert bohrt es
                                      ein tiefes Loch in unser Herz,
                                      wir weinen, wir schreien,
                                      wir flehen, wir kreischen.

                                      Einen Moment
                                      voller Friedfertigkeit,
                                      voller Freiheit,
                                      voller Seichtheit,
                                      ein Moment als Stein.

                                      Doch wir müssen rufen,
                                      müssen schreien,
                                      um wir zu bleiben,
                                      dürfen uns nicht ergeben,
                                      müssen kämpfen.

                                      Das zarte Rauschen einer Welle
                                      wirft uns gegen die Klippen
                                      der Unerträglichkeit des Seins,
                                      doch wir,
                                      wir müssen ausharren.

                                      Fühlen bedeutet leben,
                                      Emotionen bedeutet Mensch-sein.

                                      Ein Film wie eine Welle,
                                      zart fließend und seicht,
                                      doch dann mit einer Wucht,
                                      die einen zu Boden reißt.

                                      Am Ende fließen die Tränen,
                                      es gewinnt die Menschlichkeit.

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                                        unbedingt sehenswert. eine leicht & überzeugend erzählte geschichte darüber, wie man geschwisterliche rivalität & emotionale bürden überwindet, eingebettet in die phantastische & naturverbundene keltisch-irische mythologie & die poesie eines william butler yeats. dazu eine wahrhaft wunderbare optik, in dem jeder moment des films das potential zum gemälde hat. hier sieht man, was zeichentrick kann!

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                                          Meine Stadt hat 250.000 Einwohner. Trotzdem schafft es dieser nicht in unsere Kinos. Der neue Film von irgendwelchen Youtube Spackos und Oli Pocher ist natürlich wichtiger.

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                                          • 7 .5

                                            […] Moore ist ein überaus fähiger Mann, der hier einen kleinen Filmschatz abliefert. Der Film selbst erinnert von Aufmachung und Erzählstil her vor allem zu Beginn an die gute alte Gute-Nacht-Geschichten, die man von seinen Eltern so gerne gehört hat, sobald man sich unter die warme Decke gekuschelt hat. Eine Sage, vollgestopft mit allerlei mystischen Wesen und dem Geschwisterpaar Saoirse (um Verwirrung zu verhindern; man spricht es „Sirsche“ aus) und Ben. Ben, der seine kleine Schwester nicht zum aushalten findet, der sich ungerecht von seinem allein erziehenden Vater behandelt fühlt, der seine olle Oma nicht mag und der all den Frust, der sich in ihm aufstaut, nach unten weiterleitet - zu Saoirse. Die kann sich schließlich schlecht wehren, sie ist sechs Jahre alt, hat noch nicht ein Wort gesprochen und scheint generell irgendwie hilflos zu sein. Aber halt, da steckt etwas in ihr, der Schein des kleinen machtlosen Mädchens muss trügen. Etwas will aus ihr heraus, sie redet zwar nicht, aber sie niest immerzu. Und während Ben panische Angst vor dem Wasser hat, scheint die kleine Prinzessin vor gar nichts Angst zu haben, außer vor den Gruselgeschichten die Ben erzählt, um sie zu ärgern. […] Das alles wird von Tomm Moore wirklich überwältigend schön visualisiert. Der Zauber und das Wunderbare verschmelzen mit Bildern, die die Magie förmlich real werden lassen. Abseits von Pixars glattgezogenen Animationen überzeugt das Visuelle mit atemberaubender Schönheit und reichlich lustvoller Kreativität. Man wird gebannt sein von den Bildern, man wird in wohler Zufriedenheit dem Geschehen folgen und sich zeitweise selbst wieder wie ein kleines Kind fühlen, dass die Magie der Welt neu für sich entdeckt. Die Musik streichelt die Seele, die unschuldige und sanfte Inszenierung von Moore bettet den Zuschauer ein und nimmt ihn mit auf auf das Abenteuer, das durch die engsten Tunnel und in die weitesten Ozeane führt. […]

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                                            • 8 .5

                                              Mit dem Trickfilm ist dem irischen Regisseur ein Stück gelungen, das folkloristisch im besten Sinne ist. Und kein Kitsch, nirgends.

                                              • 9

                                                Gemälde werden lebendig, nie gekannte Fabelwesen tauchen aus den Tiefen des Wassers auf, und ein kleines Mädchen bewegt sich in der Zwischenwelt der Menschen und des Meeres. Grandios und fantastisch. [Katrin Hoffmann]

                                                • 9

                                                  Das Ergebnis ist ästhetisch herausragend, vor allem aber eine herzerwärmende Geschichte.

                                                  • 7

                                                    Sich rein visuell von diesem Werk einnehmen zu lassen, ist gar nicht mal zu schwierig und erst recht nicht unfair gegenüber dem restlichen Inhalt des Films, welcher die Schönheit von Mythen und Zauberei in die Wirklichkeit überträgt und ein spannendes wie herzliches Narrativ daraus entwickelt. Das Abenteuer um zwei Geschwister, die im Verlauf von allem entrissen werden, was sie ausmacht, dabei aber auch erst zusammenfinden, sehnt sich nach Heimat sowie der Wahrhaftigkeit und Hingabe der Gefühle, wie es einerseits der kindlichen Zielgruppe gerecht werden dürfte, aber sich dafür auch nicht an diese anbiedern muss. Sehr löblich ist auch der runtergeschaltene Gang in Sachen (ich nenne es einfach mal so) "Blödi-Humor", der sonst die Spannweite der Themen und Emotionen mit brachialer Komik niederschmettern würde.

                                                    Nicht, dass "Die Melodie des Meeres" komplett ohne Humor auskommen würde, im Gegenteil, doch der Spaß macht weder einen Witz aus sich selbst noch aus seinen Charakteren. Die sind nämlich in zweierlei Hinsicht so liebevoll gezeichnet, dass sie nicht bloß funktionär für simples Tearjerking oder Comic Relief herhalten oder im Gegenzug übererklärt werden. Die Schicksale besitzen bereits im visuellen Rahmen emotionale Resonanz (toll, das verstärkt über die Bilder allein erzählt wird), werden aber auch zugleich über die farbige Ortssprache zum Leben erweckt und vermeiden zudem im Endeffekt komplett die Aufteilung in Gut und Böse. Dabei gelingt in einfacher Dramaturgie mit durchgängiger Leichtfüßigkeit reichlich Kreativität, die zudem mehrere kleinere Figuren und Geschichten als Teil des Ganzen miteinander verknüpfen kann, ohne überladen zu wirken. Ohnehin blüht darin eine Euphorie für Fantasie auf, die noch von einem dringlichen Gefühl der Wiedererlangung unterfüttert wird.

                                                    Die Spannung basiert sodann erneut auf Muster eines Rettungsplans, eines Countdowns sowie einer Art Prophezeiung, wie sie im modernen Kino nicht mehr wegzudenken sind. Vielleicht schöpft sich die Geschichte da zum Ende hin etwas aus, wenn sich Erwartungen erfüllen, die den eigenständigen Mythos in eine gängige Erzählform bugsieren und sich da in die Länge strecken. Andererseits entschädigt der Film dann wieder mit dem Abschluss einer tragisch schönen Reise, die eine Einigung der Welten zum Tränenfluss einer bittersüßen Katharsis avancieren lässt. Im Klartext: Es war einfach nur sehr schön, eigenständig und aufrichtig, sowohl in der liebevollen Optik als auch im liebevollen Plot. Eine klare Empfehlung für klein und groß zum stilechten Starttermin um Weihnachten herum.

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