Die Reise nach Tokio

Tokyo monogatari (1953), JP Laufzeit 136 Minuten, FSK 12, Drama, Kinostart 09.07.1965


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7.6
Kritiker
8 Bewertungen
Skala 0 bis 10
8.1
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178 Bewertungen
18 Kommentare
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von Yasujiro Ozu, mit Chishû Ryû und Chieko Higashiyama

Die Grosseltern Shukichi und Tomi Hirayama beschliessen, ihre erwachsenen Kinder und deren Familien in Tokyo zu besuchen. Dort angekommen erkennen sie, dass der älteste Sohn Koichi, ein Arzt, und die älteste Tochter Shige, die einen Schönheitssalon betreibt, wenig Zeit für sie haben. Einzig Noriko (Setsuko Hara), die Witwe des im Zweiten Weltkrieg gefallen Sohns, bemüht sich um ihre Schwiegereltern. Nach nur wenigen Tagen in Tokyo schieben Koichi und Shige ihre Eltern in ein Seebad ab. Dort fühlen sie sich aber umgeben von feiernden Jugendlichen auch nicht wohl, so dass sie nach Tokyo zurückkehren. Shukichi verbringt dort einen Abend mit ehemaligen Freunden und Nachbarn in einer Kneipe, während Tomi die Nacht bei Noriko verbringt. Bei der Rückfahrt in den Heimatort erkrankt Tomi schwer, weshalb die Reise bei dem jüngsten Sohn in Osaka unterbrochen werden muss. Zurück in der eigenen Wohnung verschlechtert sich Tomis Zustand, und die Kinder eilen an das Sterbebett ihrer Mutter. Nach der Beerdigung reisen alle Kinder möglichst schnell wieder ab, einzig die Schwiegertochter Noriko und die noch im Elternhaus lebende jüngste Tochter bleiben bei Shukichi zurück.


Cast & Crew

Regie
Schauspieler
Drehbuch
Filmdetails Die Reise nach Tokio
Genre
Drama
Ort
Japan, Tokio
Handlung
Besuch, Eltern, Eltern-Kinder-Beziehung, Elternhaus, Enttäuschung, Japaner, Reise, Sterbebett, Sterben und Tod
Stimmung
Berührend
Tag
BFI 50 Greatest Films of All Time, Time's All TIME Top 100 Movies
Verleiher
Atlas
Produktionsfirma
Shochiku Kinema Kenkyû-jo

Kommentare (17) — Film: Die Reise nach Tokio


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pramble

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Bewertung7.0Sehenswert

Aus historischen Grunden ist er interessant, aber ist er wirklich so gut ? Die Geschichte von einer Familie mit zu wenige Zeit ist nichts neu, aber war damals auch nichts neu.

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brainchild

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Bewertung4.0Uninteressant

Du meine Güte. 3 Tage hab ich für 'Die Reise nach Tokio' gebraucht, 3 Tage voller Ungeduld, Langeweile, teilweise Hass. Der Film hier gilt tatsächlich als einer der besten aller Zeiten. Ich verstehe es nicht. Bei '2001' verstehe ich es, bei 'Citizen Kane' auch, bei 'Vertigo' zumindest ein ganz bisschen. Hier gar nicht. Ich mochte die Handlung nicht, ich mochte die Musik nicht, ich mochte die Kamera und den Schnitt nicht. Ich mochte die Figuren nicht, ich mochte ihre Dialoge nicht, ihre Stimme nicht, ihren Gesichtsausdruck nicht. Zugegeben, vom alten japanischen Kino kenne ich noch nicht viel. Aber bisher hat mir beinahe alles ausgesprochen gut gefallen, ob Kobayashi, Kurosawa, Shindô oder Ichikawa (Suzuki eher nicht). Selbst wenn die Handlung mal zu "japanisch" war, hat mich zumindest die Ästhetik noch begeistert. Hier ist nichts, was irgendwie begeistert, eigentlich nicht mal irgendwas, das wenigstens kurzzeitig die Aufmerksamkeit bannt. Theatertauglich aufbereitetes Palaver aus der Froschperspektive ist 'Die Reise nach Tokio' für mich. Kein schlechter Film, aber komplett "uninteressant".

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Bob Loblaw

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Das sind coole Klassiker:
http://www.moviepilot.de/movies/die-frau-in-den-duenen
http://www.moviepilot.de/movies/ugetsu-erzaehlungen-unter-dem-regenmond8

Und der hier vielleicht noch als Geheimtipp... ist aber starker Tobak:
http://www.moviepilot.de/movies/go-go-second-time-virgin

Und mein liebster moderner japanischer Regisseur:
http://www.moviepilot.de/movies/hana-and-alice


brainchild

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Ugetsu wollte ich tatsächlich als nächstes probieren, Die Frau in den Dünen beizeiten auch. Die anderen beiden Tipps kannte ich noch nicht, vielen Dank :)


VisitorQ

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Ich hasse es ziemlich Fotos zu machen. Aber einen Gruß wollte ich allen MP doch zukommen lassen:
http://imageshack.com/a/img21/9987/3hk0.jpg
also winke winke bis bald. Dann gucke ich auch wieder Filme. Wahrscheinlich das einzige was mich aufmuntern kann wenn ich wieder in Deutschland bin... *schnüff* Will hier nicht weg. :-/

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VisitorQ

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Ich bin seit ner Woche hier und in 2 Tagen gehts schon zurück. :-/ Was hast alles schickes gemacht? Bzw. was hat dir am besten gefallen?


Prechtl

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Mann, ich beneide dich. Meine Schwester war letztes Jahr für zwei Wochen, alles darunter ist zu kurz meint sie, weil die Stadt einfach so unglaublich vielseitig ist.


Don Cerebro

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Bewertung9.0Herausragend

Ich war ja bis zur letzten Sekunde hin skeptisch. Einer der besten Filme aller Zeiten? Für viele sogar DER Beste! Da kann man ja nicht anders als seine Erwartungen ins Unermessliche steigern, auch wenn ich mir unter der Story (zwei alte Menschen, die ihre Kinder und Enkelkinder besuchen) nicht viel vorstellen konnte. Aber was Ozu alles aus diesem einfachen "Plot" herausholt und wie viele Themen und Konflikte er einbaut und dabei jedem einzelnen das gleiche Maß an Beachtung schenkt, ist mehr als beeindruckend und sorgt dafür, dass zu (fast) keinem Zeitpunkt Langeweile aufkommt. Tradition gegen Moderne, Stadt- gegen Landleben, alte gegen neue Werte, die eigenen Bedürfnisse gegen von der Gesellschaft aufgezwungene Verpflichtungen, Verlust, Abweisung, Enttäuschung, Zukunftsängste und und und. All das spiegelt sich in den spärlichen Dialogen und dem zurückhaltenden Spiel der Darsteller wieder und sorgt gänzlich ohne aufdringliche Sentimentalitäten für große Gefühle.

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Roco De Long

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Bewertung9.0Herausragend

Ein seltsames Gefühl. Ich bin nicht überwältigt, im konventionellen Sinn. Und ich weiß trotzdem, dass ich etwas Bedeutsames gesehen habe. Da man auch ein Werk wie "Tokyo Monogatari" an dieser Stelle in die geistigen Schranken dämlicher Zahlen pressen muss, vergebe ich eine 9. Aus dem einfachen - und irgendwie irrationalen - Grund, dass ich mir nicht anmaßen will, alle Details diesen Films gesehen oder seine Essenz vollständig verstanden zu haben. Weil ich Raum lassen will, diesen Film in einiger Zeit nochmal zu sehen. Irgendwie auch aus Respekt (keine Ahnung vor wem oder was). Wie hier Langsamkeit und Zurückhaltung einen konsequenten Stil entfalten, wie sich die ganz großen universellen Dinge des Lebens hinter vermeintlichen Alltags-Banalitäten verstecken - das ist einzigartig. Ich habe mal gelesen, Ozu sei der "Zen-Meister" des Kinos gewesen. Dem kann ich ohne Zweifel zustimmen.

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Pyro 91

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Bewertung10.0Herausragend

Wow, was für ein Traum von einem Film!
Wahrhaftig, ungefiltert und unvoreingenommen betrachtet Ozu seine Figuren und lässt sie für sich selbst sprechen und handeln.
Nachdem am Anfang alles nach "heiler Welt" aussieht, offenbaren sich dann doch kleinere und größere Abgründe im Zusammenspiel zwischen den Eltern und Kindern, doch hier gibt es keinen der nur im Recht oder Unrecht ist, sondern nur feine Zwischenräume, die der Zuschauer mit seiner eigenen Erfahrung und Weltansicht ausfüllen darf.
Mit fortschreitender Laufzeit und einem gewissen dramatischen Ereignis, schnürt es einem immer mehr die Kehle zu und man wird mit einem sanften Gefühl von Melancholie und Endgültigkeit entlassen, mit dem Wissen ein großes Drama gesehen zu haben und tief im Innersten berührt worden zu sein.
Ein universell ansprechendes Meisterwerk, das sicher mit jedem weiteren Lebensjahr ein wenig anders aussehen und wirken wird.

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ProsperDune

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Bewertung7.0Sehenswert

Ich bin mit derart hohen Erwartungen an meinen ersten Film von Yasujiro Ozu herangegangen, dass ich jetzt nach der ersten Sichtung noch keine endgültige Wertung abgeben möchte.

Immerhin erschien mir das nach all dem, was ich im Vorfeld über die Filme dieses japanischen Regisseurs gelesen habe, ohne jegliches Bedenken ein Total-Match zu werden, zwischen dem, was ich im Kino suche, und dem, was ich nun hier in "Die Reise nach Tokio" zu finden gedachte...

Ein bisschen ernüchtert bin ich jetzt natürlich. Während erst gegen Ende des Films angesichts von bezaubernden Dingen wie das absolut simple, aber rhythmische, beruhigende Tuckern eines Bootes im Hintergrund so was wie Entzückung in mir aufkeimte, war ich den ganzen Film über zum Beispiel nicht davon begeistert, dass mir viele Dialoge und Verhaltensweisen der Figuren gestelzt vorkamen.

Mit Enttäuschungen muss man natürlich immer rechnen. Allerdings macht es für mich einen großen Unterschied aus, wenn meine Erwartungen extrem enttäuscht werden und ich damit leben kann im Vergleich zu dem Fall, dass ich enttäuscht werde, aber nicht enttäuscht sein möchte und um jeden Preis dagegen an zu arbeiten versuche, weil ich glaube, etwas Entscheidenes verpasst zu haben... oder einfach weil ich der Wahrheit und Schönheit eines Filmes erst im Nachhinein bewusst werde.

Liebe auf den ersten Blick ist es nicht geworden. Aber so was passiert einem auch nicht, wenn man sich schon Tage zuvor wie ein Kind auf den Kuchen freut.
So was geschieht nur den Anungslosen wie ein guter Blitz vom Himmel.
Und wenn nicht muss die Zeit entscheiden...

Die Zweitsichtung kommt irgendwann. Ich werde die Liebe nicht aufzwingen. Und ich darf nicht wütend sein, wenn dafür noch ein paar bis sehr viele Jahre vergehen müssen... (auch wegen Lebenserfahrung und so)

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ProsperDune

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@Yadokari: Ich möchte nicht abstreiten, dass da irgendwie der Wunsch mitspielt, "komfort zu gehen".
Allerdings basieren meine Erwartungen, glaube ich, eher weniger darauf, dass andere User den Film in den Himmel loben, als lediglich auf deren nicht (zwangsläufig) wertenden Beschreibungen des Stils. Jemand schreibt vielleicht: "Die Reise nach Tokio" ist "langatmig erzählt", "legt Wert auf Stille", "transportiert seine Ideen lieber über kleine, nebensächliche Dinge" usw. Ich habe genug Filme gesehen, um zu wissen, dass mir Filme mit solchen Charakteristika einfach sehr liegen, und daraus resultiert meine Erwartung.
Bestimmt hört es sich seltsam an, einen Film unbedingt lieben zu wollen. Doch ich bin mir sicher, dass das nicht durch andere Meinungen beeinflusst wird.
Vielleicht habe ich das nicht so deutlich gemacht im Kommentar. Aber auch du musst wohl zugeben, dass man voreingenommen einfach anders an einen Film herangeht, evtl. ungerechtfertigt, und deswegen möchte ich die Erstsichtung nicht geltend machen.


ProsperDune

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@onauratoutvu: Habe ich mir schon gedacht, dass das schlichtweg ein kulturelles und deshalb schwer überwindbares Problem sein kann. Ich habe bloß versäumt, das im Kommentar zu erwähnen.


Martinmartin

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Bewertung9.5Herausragend

Es lohnt sich, sich auf die Reise nach Tokio einzulassen. So gewöhnungsbedürftig die generelle Langsamkeit des Films, die Untersicht-Ästhetik und Ozus Schuss-/ Gegenschuss Dialoge in Großaufnahme zunächst sind, so vertraut ist man doch mit den großen und kleinen Themen, die hier - wenn auch in einem völlig fremden Kulturkreis - angesprochen werden. Man könnte die Handlung und die Dialoge eins zu eins ins 21. Jahrhundert übertragen (was Doris Dörrie in ihrem Semi-Remake ganz gut gelang), denn die Konflikte die Ozu hier thematisiert sind so alt wie die Menschheit. Alt gegen jung, Tradition gegen Moderne, Land gegen Stadt. Was sind wir unseren Eltern schuldig? Der Film stellt die großen Fragen, ohne eine Antwort darauf zu finden.
Mitunter anstrengend, melancholisch, irgendwie banal und dennoch so bedeutend, Die Reise nach Tokio lässt sich mit den widersprüchlichsten Worten beschreiben. Am Ende steht ein Film, an dessen Szenen ich im Alltag so oft erinnert werde wie an kaum einen zweiten. Die beste und ehrlichste Auseinandersetzung mit dem leidlichen Thema, die ich je gesehen habe und vermutlich noch sehen werde. Zurecht befindet er sich in Klassikerlisten Top 10s in bester Gesellschaft.

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Lorion42

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Bewertung6.0Ganz gut

Die Reise nach Tokyo tritt man nicht zufällig an. Man hört von dem Film durch Klassikerlisten oder Empfehlungen, die ihn als einen der besten Filme aller Zeiten auszeichnen. Wenn dadurch das Interesse geweckt wird, merkt man dass der Film in Deutschland keine DVD Veröffentlichung besitzt und nichtmal eine Synchronisationsfassung existiert, die irgendwann einmal im Fernsehn laufen könnte. So gelangt man irgendwann an einen UK-Import in Japanisch mit englischen Untertiteln. Diese DVD liegt nun lange Zeit verstaut, da man sich einfach nicht herantrauen möchte. Doch irgendwann ist das Interesse einfach zu groß und die Vorschusslorbeeren sind so überstrahlend, dass man sich den Film an einem gemütlichen Samstag Nachmittag zu Gemühte führt.

Der Meilenstein von Ozu Yasujirō überraschte damals die internationalen Kritiker, als diese das japanische Kino für sich entdeckten. Er widersprach gängigen Konventionen und funktionierte trotzdem außergewöhnlich gut. Er schaffte es mit äußerst einfachen Mitteln eine erschaunliche Tiefe zu erzeugen.

Die Reise nach Tokyo verleitet dazu, den eigenen Aufwand, den Film zu sehen und die mächtigen Stimmen, die einen letztendlich dazu gebracht haben, den Film zu sehen überzubewerten. Objektive Beurteilungen sind bei solchen Klassikern einfach nicht möglich. Jeder Mensch ist einzigartig und hat seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse. Ich möchte von einem Film umschmeichelt werden. Er soll mich packen und mich manipulieren. Ich möchte überascht werden und mitfiebern. All das war in diesem Film nicht vorhanden. Die Geschichte war mir einfach zu banal und mit zu vielen Längen erzählt.

Und eben weil jeder einzelne Mensch so unverwechselbar ist, ist dieser Film trotzdem etwas besonderes. Er zeigt, wie die Wünsche einzelner Menschen so unvereinbar zueinander sind, dass viel mehr als ein oberflächliches Zusammenleben nur Wunschdenken bleibt. Er gibt uns einen Einblick ins Nachkriegsjapan der 50er Jahre und entwickelt dabei eine so makellose und ruhige Bildsprache, dass man sich wünscht, er hätte ein wenig mehr zu erzählen.

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ErnstSchwartz

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Ich teile deine Meinung zum Film nicht. Trotzdem ein schöner und interessanter Kommentar :)


franticfury

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Bewertung10.0Herausragend

Für meine 700. Bewertung habe ich mir einen ganz besonderen Film aufgehoben, den ich bisher zu meiner Schande immer wieder vor mir hergeschoben hatte: Yasujiro Ozus "Tokyo monogatari". Ozu wurde mir schließlich desöfteren als herausragender, eigenwilliger, bisweilen aber auch nicht ganz einfacher Regisseur empfohlen. Und was soll ich sagen, dieser Ozu ist tatsächlich ein besonderer Filmemacher. Unter den vielen Größen des japanischen Nachkriegskinos, zu denen auch mein persönlicher Liebling Akira Kurosawa oder beispielsweise Masaki Kobayashi, Kenji Mizoguchi oder Hiroshi Teshigahara zählen hebt sich Ozu mit seinem einzigartigen Stil, seiner Art Geschichten zu erzählen, oder besser, sie zu fühlen, hervor.
"Tokyo monogatari" ist einer dieser magischen Filme, einer dieser Filme, bei denen der Funke bereits vom ersten Frame an überspringt. Man hat nicht das Gefühl, als würde man einen Film sehen, sondern vielmehr, als wäre man selbst dabei. Als stiller Beobachter, mal steht man in der Ecke des Raumes, mal sitzt man selbst am Tisch mit den Protagonisten. Man kann nicht anders als mit ihnen mitzufühlen. Man teilt ihren Schmerz, ihre Einsamkeit. Und doch kommt "Tokyo monogatari" nie wertend daher, Ozu versucht uns nichts aufzuzwingen, er ist nicht emotional manipulativ, das meiner Meinung nach Schlimmste, das einem Drama passieren kann. Nein, in der Ruhe schöpft Ozu seine Kraft. Wohl gerade deshalb werden seine Filme, seine Regie desöfteren als "schlicht" oder "minimalistisch" bezeichnet und auf den ersten Blick mag das wohl auch zutreffen. Auf große Kamerabewegungen verzichtet Ozu, Konventionen interessieren ihn auch nicht wirklich, doch würde man Ozu Unrecht tun, wenn man seine Inszenierung derart einfach abtut, denn wenn man "Tokyo monogatari" eins nicht vorwerfen kann, dann, dass er zu einfach inszeniert sei. Ozu macht es sich beileibe nicht immer einfach, jeder Take dauert genauso lang, wie er muss, jeder closeup und jeder Achsensprung hat seine Daseinsberechtigung. Ozus Kamera fängt mit jedem Frame, jeder Einstellung ein Stück Leben ein und gibt seinen Charakteren Raum, um sich zu entfalten. Was am Ende dabei rauskommt ist eines der einfühlsamsten, bedeutendsten Dramen aller Zeiten. Ozus Auseinandersetzung mit dem Generationenkonflikt und dem Japan der Nachkriegszeit ist seiner Zeit so weit voraus, dass es fast unheimlich ist und auch deswegen ist "Tokyo monogatari" auch nach fast 60 Jahren faszinierend wie eh und je. Ozus Zauber ist kein wenig gerostet und lädt dazu ein immer und immer wieder bewundert zu werden!

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Filmsuechtiger

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Und BFI ist das British Film Institute. Die bringen auch DVDs raus.


francisco

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Für alle, die nicht das nötige Geld in der Tasche haben: Den Film gibt's auch auf Youtube! /watch?v=f_gUIxeEIFw


fleeting

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Bewertung9.0Herausragend

"Der international bekannteste Film des japanischen Meisterregisseurs Ozu: eine behutsame, in meditativem Bildrhythmus entfaltete Studie über den Zerfall einer Familie, über die Begegnung von Tradition und Moderne, über den alltäglichen Mut zum Neubeginn. Jenseits spektakulärer Effekte liefert Ozu eine Beschreibung der Normalität, deren Widersprüche weder dramatisiert noch verschwiegen, sondern der aufmerksamen Beobachtung und der kritischen Anteilnahme erschlossen werden." – Lexikon des internationalen Films

"Dass in der Beziehung von Eltern und Kindern großes Unglück liegt, hatte Ozu als Motto schon dem 1936 entstandenen DER EINZIGE SOHN vorangestellt. 17 Jahre später illustriert er das Thema mit einer filmgrammatisch bestrickenden Klarheit, die bis heute ihres Gleichen sucht. Man hat Ozus Stil, seinen Zauber, vielfach (und nicht ohne Überheblichkeit) mit der Schlichtheit seiner Inszenierung erklären wollen, den strengen Rahmungen auf Sitzhöhe, der dramaturgischen Auslassungskunst, etc. Tatsächlich ist Ozu mitnichten ein simpler, sondern ein intuitiver Regisseur, dessen Werk, bei aller japanischen Kulturspezifik, doch vollkommen universell ist." - Björn Lahrmann, Das Manifest

"Der Film handelt von einer Reise, von einer Familie in drei Generationen, vom Alltag in Japan acht Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, von der hektischen Großstadt Tokio, von der trügerischen Schönheit des Seebades Atami, von der Aura eines alten Paares, vom Egoismus der Kinder und vom Lauf der Welt. Die Reise selbst, die Anstrengung einer achtstündigen Bahnfahrt, wird ausgespart.
Die Familie: das sind die beiden Alten, die von ihren Kindern enttäuscht werden, das sind die zwei inzwischen erwachsenen Kinder in Tokio, die einen Beruf und wenig Zeit haben, das sind die Enkelkinder, denen der Besuch der Großeltern nur lästig ist, weil sie ihnen ihr Zimmer überlassen müssen und wenig mit ihnen anfangen können. Das ist der Sohn, der in Osaka wohnt und es nicht schafft, seine Mutter noch einmal zu sehen, bevor sie stirbt. Das ist die jüngste Tochter, die noch Ideale hat und schockiert ist über die Egoismen ihrer Geschwister. Das ist der Sohn, der im Krieg geblieben ist und nur noch in einem Foto und in der Erinnerung präsent ist. Und das ist Noriko, die Schwiegertochter, die Schlüsselfigur des Films, die alle Sympathien auf sich zieht." - Hans Helmut Prinzler

Auf den ersten Blick ist "Tokyo monogatari" ein eher gewöhnungsbedürftiger Film. Die unbewegliche Kamera, die fremdartige Gestik und Mimik der Protagonisten, der seltsame Tonfall der japanischen Sprache, die Einfachheit der Geschichte und die Langsamkeit ihrer Entfaltung... all das wirkt zunächst anstrengend und erfordert einen besonderen Willen (und eine besondere Geduld), sich auf diesen Film einzulassen. Dennoch: Es lohnt sich.
"Tokyo monogatari" ist ein einfacher, bodenständiger Film. Er handelt von ganz normalen Menschen in ihrem ganz normalen Alltag; "es geht um ein Geschehen, das stark von Ritualen geprägt ist: Kommen und gehen, essen, schlafen, arbeiten, telefonieren, streiten, sich etwas erzählen, auf etwas warten, sterben, trauern, Abschied nehmen, weiterleben" (Prinzler). In dieser Einfachheit werden aber auch sehr komplexe Konflikte angesprochen: Der Konflikt zwischen Stadt und Land, Tradition und Moderne, Jung und Alt, Mann und Frau. Und keiner dieser Konflikte wird unabhängig von den anderen behandelt. Vielmehr bedingen sie sich gegenseitig und stehen in einem komplexen Wechselverhältnis zueinander.
In erster Linie geht es in "Tokyo monogatari" um zwei Generationen, die einander fremd geworden sind, die die Wünsche des Anderen nicht mehr kennen (und auch nicht mehr kennen wollen). Eltern und Kinder sprechen hier nicht mehr miteinander. Und wenn sie es tun, dann nur aus Höflichkeit. Ehrliches Interesse und familiäre Zuneigung sucht man vergebens. Es ist die Wehmut über die ihnen fremd gewordenen Kinder, die Tomi und Shukishi immer wieder zum Nachdenken bringt ("A married daughter is like a stranger"). Es ist aber auch die Distanz zur Generation der Enkel, die hier thematisiert wird. Wenn Tomi Isamu zu einem Spaziergang überredet, sehen wir weder ein fröhliches Kind, noch eine zufriedene Großmutter. Aus der Ferne wirken sie wie hilflose Miniaturen in einer menschenfeindlichen Welt. Sie finden keinen Zugang zueinander. Trotz aller Annäherungsversuche bleiben sie sich fremd.
Kinder und Enkelkinder kommen nicht gut weg in diesem Film. Sie sind ungeduldig, verständnislos und auf sich selbst fixiert. Die zentrale Aussage: Familie kann sehr grausam sein. Zwar wird auch der schmerzliche Verlust der Söhne durch den Krieg thematisiert, die gegenwärtigen Probleme mit den verbliebenen Kindern stehen jedoch immer im Vordergrund: "To lose your child is hard, but living with them isn't always easy, either."
Es sind aber nicht nur die jüngeren Mitglieder der Familie, die hier kritisiert werden, sondern die Jugend an sich: "I'm afraid we expect too much of our children. They lack spirit. They lack ambition. [...] Young people today have no backbone. Where is their spirit?" fragt Shukishis Saufkumpane sorgenvoll. Der allgemeine Eindruck: Die Jugend ist faul, arbeitet nicht, will sich nur vergnügen. Und auch der Ausflug nach Atami wird zu einer Art Kraft- und Toleranzprobe für Tomi und Shukishi. Umgeben von jungen Leuten fühlen sie sich fremd am Platz. Die Alten wollen Ruhe, Geborgenheit, Beschaulichkeit. Die Jungen wollen feiern, singen, Spaß haben. All dies lässt sich nur schwer miteinander verbinden.
Es geht hier aber nicht nur um die Alten, die sich als Störfaktor wahrnehmen und der jungen Generation nicht zur Last fallen wollen, sondern auch um den Konflikt zwischen städtischer und ländlicher Lebensweise. Tomi und Shukishi fühlen sich verloren in der Großstadt. Tokyo ist ihnen zu laut, zu groß, zu unübersichtlich: "Look how big Tokyo is." "Yes, isn't it? If we got lost, we'd never find each other again."
"Tokyo monogatari" thematisiert auch noch einen anderen zentralen Konflikt, nämlich den zwischen Männern und Frauen. Es sind ausschließlich Männer, die sich in der Kneipe betrinken und den Bardamen das Leben schwer machen. Und es sind immer die Ehefrauen, die sich mit den von Männern organisierten Saufabenden in der eigenen Wohnung abfinden müssen. Nur selten wird den Frauen dabei der gebührende Respekt entgegengebracht. Erst als Tomi stirbt, wird Shukishi nachdenklich: "She was a headstrong woman, but if I had known things would come to this, I'd have been kinder to her while she was alive."
Tomi und Shukishi geben dennoch ein sehr harmonisches, ja geradezu rührendes Paar ab. Sie sind zur gleichen Zeit müde, setzen sich zur gleichen Zeit in ihrem Bett auf, fühlen und denken immer das Gleiche. Als Gegenbild zur zerrütteten Eltern-Kind-Beziehung erleben wir hier eine verlässliche Paar-Beziehung, die Halt und Stabilität vermittelt. Tomi und Shukishi sprechen miteinander, interessieren sich füreinander, sorgen sich umeinander. Wenn sie resigniert auf einer Mauer sitzen und das Meer betrachten, sind sie nicht nur einsame Gestrandete in einer fremden Welt, sondern auch vertraute Gefährten, die Seite an Seite durchs Leben gehen. Es sind nicht so sehr ihre Worte, sondern vielmehr ihre Gesten, die uns ihre tiefe Zuneigung zueinander verdeutlichen. Es ist eine Harmonie, die sich in der Stille entfaltet und keiner Worte bedarf. Aufgrund dieser Harmonie sind sie dann auch in der Lage, alle Unannehmlichkeiten und Enttäuschungen gelassen (und sogar humorvoll) hinzunehmen.

Das alles wirkt auf den ersten Blick natürlich ziemlich konservativ und rückwärtsgewandt. Die Sehnsucht nach Familie, Tradition, Heimat, Zweisamkeit etc. ist in der Tat wenig subversiv und eher langweilig. An dieser Stelle lohnt es sich aber, die Figur der Noriko näher zu betrachten. Als Ehefrau des verstorbenen Sohnes ist sie keineswegs unmittelbarer Teil der Familie und müsste deshalb eigentlich auch keinerlei Verantwortung für Tomi und Shukishi übernehmen. Sie tut es aber doch. Und vielleicht tut sie es gerade deshalb, weil es niemand von ihr erwartet. Während die leiblichen Kinder für Tradition und Familie stehen, ist sie das Sinnbild für Freundschaft und Moderne. Sie steht für den Wandel von aufgezwungenen zu selbstgewählten sozialen Beziehungen. Moderne bedeutet eben nicht nur Einsamkeit und Orientierungslosigkeit, sondern auch Freiheit und Selbstbestimmung.
"Ich wurde in meine erste Heimat durch meine Geburt geworfen, ohne befragt zu werden, ob mir das zusagt. Die Fesseln, die mich dort an meine Mitmenschen gebunden haben, sind mir zum großen Teil angelegt worden. In meiner jetzt errungenen Freiheit bin ich es selbst, der seine Bindungen zu seinen Mitmenschen spinnt, und zwar in Zusammenarbeit mit ihnen. Die Verantwortung, die ich für meine Mitmenschen trage, ist mir nicht auferlegt worden, sondern ich habe sie selbst übernommen. Ich bin nicht, wie der Zurückgebliebene, in geheimnisvoller Verkettung mit meinen Mitmenschen, sondern in frei gewählter Verbindung. Und diese Verbindung ist nicht weniger emotional und sentimental geladen als die Verkettung, sondern ebenso stark, nur eben freier." - Vilém Flusser: Von der Freiheit des Migranten. Einsprüche gegen den Nationalismus
"Tokyo monogatari" kann man also durchaus auch auf progressive Art und Weise lesen.

Aber auch, wer mit der Geschichte wenig anfangen kann, sollte sich diesen Film ansehen. Yasujiro Ozus visueller Stil ist einzigartig.
"He did not conform to most Hollywood conventions, most notably the 180 degree rule. Also, rather than using the typical over-the-shoulder shots in his dialogue scenes, the camera gazes on the actors directly, which has the effect of placing the viewer in the middle of the scene. Ozu did not use typical transitions between scenes, either. In between scenes he would show shots of certain static objects as transitions, or use direct cuts, rather than fades or dissolves. Most often the static objects would be buildings, where the next indoor scene would take place. It was during these transitions that he would use music, which might begin at the end of one scene, progress through the static transition, and fade into the new scene. He rarely used non-diegetic music in any scenes other than in the transitions.
[...]
He invented the 'tatami shot', in which the camera is placed at a low height, supposedly at the eye level of a person kneeling on a tatami mat. Actually, Ozu's camera is often even lower than that, only one or two feet off the ground. He used this low height even when there were no sitting scenes, such as when his characters walked down hallways.
[...]
Ozu's work anticipated some techniques used by later art film directors: infrequent use of non-diegetic music, a distinctive visual style, minimalist storytelling, and a character-driven emphasis on quiet and intelligent conversation. Directors as diverse as Jim Jarmusch, Wim Wenders, Mike Leigh, Deepa Mehta, Aki Kaurismaki, Kiyoshi Kurosawa, Alexander Payne, Takeshi Kitano, and Pedro Costa have said that they were influenced by his films." - Wikipedia

Fazit: Es gibt viel zu entdecken.

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filmfan90

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

In „Tokyo monogatari- Die Reise nach Tokyo“ greift Yasujirô Ozu hinein ins volle Menschenleben, und wo er es packt, da ist‘s interessant:
Das gealterte Ehepaar Shūkichi (Chishū Ryū) und Tomi (Chieko Higashyiama) Hirayama tritt eine Reise aus seiner Heimat, dem ländlichen Onomichi, in das weit entfernte Tokyo an, um die erwachsenen Kinder und Enkelkinder zu besuchen. Nachdem die beiden von ihrer Familie freundlich in Empfang genommen wurden, werden sie ihrer Tochter Shige und ihrem Sohn Koichi allmählich lästig. Lediglich Noriko (Setsuko Hara), die Witwe des im Krieg gefallenen Sohnes Shoji, kümmert sich aufopfernd um den unerwünschten Besuch. Shige und Koichi schicken ihre Eltern schließlich nach Atami, einen Kurort, um das Rentnerpaar nicht umsorgen zu müssen. Dort fühlen sich Shūkichi und Tomi allerdings unwohl, da sie stets von feierwütigen jungen Leuten umgeben sind, und fassen daher den Entschluss, nachdem sie noch eine Nacht in Tokyo verbracht haben, nach Onomichi zurückzukehren. Auf der Rückreise in ihren Heimatort erleidet Tomi einen völligen Zusammenbruch und Shūkichi bittet seine Kinder schließlich an das Sterbebett der Mutter…
Auch im finalen Teil seiner „Noriko- Trilogie“ widmet sich Ozu dem gesellschaftlichen Wandel seiner Zeit, dessen Auswirkungen sich im Alltagsleben einer bürgerlichen japanischen Familie manifestieren. Doch transportiert „Tokyo monogatari“ keine skeptische, kritische Haltung in Bezug auf den Verlust von Tradition und das Entstehen neuer Werte, sondern entwickelt vielmehr eine stoische Akzeptanz gegenüber den sich verändernden (Lebens-) Bedingungen. Diese bewundernswerte, überlegene Gelassenheit, die Ozus wohl berühmtestes Werk entfaltet, entsteht vor allem durch die wunderbaren Bilder, die Ozus Stammkameramann Yūharu Atsuta komponiert- das meist aus der Untersicht gefilmte Geschehen wird durch nur wenige Schnitte unterbrochen und die Figuren agieren vor einem nahezu statischen Hintergrund. Die Aufnahmen von Personen (meist in Innenräumen) erwidert Ozu durch Außenaufnahmen, die ebenfalls völlig Gewöhnliches- Eisenbahnschienen, rauchende Industrieschlote, im Wind baumelnde Wäsche- zeigen.
Doch auch auf der Ebene der Handlung zeigt Ozu in der Art und Weise des Umgangs der Eltern mit den Kindern, dass sich menschliche Größe in alltäglichen Situationen- etwa einem Wiedersehen der Familie- unter Beweis stellen lässt- mit einem wohlwollenden Lächeln überspielen Shūkichi und Tomi ihre Wehmut über die ihnen fremd gewordenen Kinder. Und auf das Gefühl des Fremd- und Verlorenseins in der japanischen Hauptstadt reagiert Tomi, indem sie im Zwiegespräch mit ihrem Mann bilanziert: „Tokyo ist eine große Stadt. Wenn wir uns hier verlieren, finden wir uns nie wieder.“
Diese Weltsicht, die auch charakteristisch für die ersten beiden Teile der Trilogie ist- in „Banshun- Später Frühling“ ist es sogar der verwitwete Vater selbst, der sich für ein Leben in Einsamkeit entscheidet, indem er seine Tochter dazu überredet, zu heiraten und in „Bashukū- Weizenherbst“ muss eine Familie die Entscheidung ihrer Tochter bei der Wahl ihres zukünftigen Gatten, einen Mann, den sie liebt, einer „guten Partie“ vorzuziehen, akzeptieren- wird von Ozu in „Tokyo monogatari“ auf herausragende Weise am Beispiel eines familiären Treffens verdichtet, weshalb man dieses Werk getrost als Quintessenz seines Schaffens betrachten kann.
Susan Sontag schreibt in ihrem berühmten Essay „Against Interpretation“: „Der höchste und befreiendste Wert in der Kunst- und in der Kritik- ist heute die Transparenz. Transparenz meint die Leuchtkraft des Gegenstandes selbst, der Dinge in ihrem Sosein. Darin liegt zum Beispiel die Größe der Filme Ozus.“ Gerade in Bezug auf „Tokyo monogatari“ ist dem nichts hinzuzufügen.

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Schlegel

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Vor Jahren sollte ich im Studium was über diesen Film schreiben. Gerade wieder nachgelesen, da fällt der Satz: "Ozu errichtet mit wenigen Strichen einen Berg." Das schau ich mir nochmal an.


filmfan90

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@Sigmund: Unbedingt anschauen, bin mir sicher, dass dir dieser und auch die anderen Teile der "Noriko- Trilogie" gefallen würden.
@Schlegel: Würde mich sehr freuen, auch von dir etwas zu einem Film von Ozu zu lesen! :)


Crumpler

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Bewertung9.5Herausragend

Ein wunderschöner, tragischer Film. Der erste Film seit langem, bei dem ich ein paar Tränen vergossen habe.

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Billmaik

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Vor nunmehr vier Jahren war dies mein erster Ozu. Viele weitere sollten folgen, aber keiner seiner Filme vermochte es eine derartig anhaltende Nachwirkung und Begeisterung bei mir zu erzeugen. Nur selten kam ein Filmemacher der schieren Perfektion naeher. Jede Einstellung eine Kompopsition, ja fast schon ein Kunstwerk fuer sich, der Grundton der erzaehlten Geschichte gewissermassen melancholisch, allerdings auf eine extrem unaufdringliche, authentische Art und Weise. Hier liegt die Komplexitaet vielmehr im Stil als in der Story. Was keineswegs "Style over Substance" bedeuten soll, denn bei aller storytechnischen Einfachheit hat jeder einzelne Charakter mehr Subtilitaet und Tiefe also so mancher Film. Dabei sind die Charaktere im Prinzip schlicht, im Sinne von "normal", aber gerade aus eben jener Schlichtheit erwaechst ein universales Verstaendnis fuer die versteckten Gefuehle, Hoffnungen und Wuensche der Protagonisten. Nachvollziehbar selbst fuer einen Mitteleuropaeer im 21. Jahrhundert. Ozus zutiefst "humanistischer" Stil erfordert vom Zuseher kein tiefgreifendes Verstaendnis der gesellschaflichen Struktur Japans, die hier aufgezeigten Probleme bei zwischenmenschlichen Beziehungen, das Unverstaendnis, die unvermeidliche Zerruettung zwischen den Generationen, sind vielmehr zeitlos.

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Tyler__Durden

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Was mich fast so traurig stimmt wie der Film an sich ist die Tatsache das Ozu's Filme heutzutage nur noch wenig Aufmerksamkeit genießen. Und das obwohl Tokyo Story z.B. laut vielen Kritikern und Umfragen als einer der Besten Filme aller Zeiten gilt zusammen mit solchen Filmen wie Vertigo, Citizen Kane oder 2001. Und ausnahmsweise habe diese Kritiker mal Recht. Tokyo Story ist nämlich ein wirklich außergewöhnlich Guter Film, dessen spezielle Minimalistik einen unglaublichen Endruck hinterlässt. Um Konventionen schert sich Ozu auch wenig, im ganze Film wir die Kamera nicht bewegt (außer zwei mal)
. Sie liegt fast immer auf Bodenhöhe und fängt die Charaktere in statischen Bildern ein, in Dialogszenen pfeift Ozu auf den Achsensprung und lässt die Personen in der Großaufnahme eines Dialoges in die Kamera reden. Ozu kreiert eine Ruhige Welt mit seinem Stil in dem die Persönlichkeit der Charakter sich vollkommen entfalten.
Das Ende, welches wie das Leben nicht geschlossen Endet sondern den Zuschauer mit einer Fülle an Emotionen zusehen lässt wie die verschiedenen Charaktere ihre Zukunft antreten. Oder besser gesagt er überlässt dies der Fantasie der Zuschauer. Es stellt sich als sehr schwer heraus den Film zu beschreiben ohne gleicht auf den Meisterwerk Modus umzusteigen, aber wenn ein Film es verdient hat ein so oft missbrauchtes Wort wie "Meisterwerk" in der Beschreibung stehen zu haben dann ist es Yasujiro Ozu's Tokyo Story.

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doc_flunder

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Bewertung7.5Sehenswert

wie? den hat hier noch keiner bewertet oder rezensiert? ts, ts... bevor ich jetzt einen roman schreibe, verweise ich auf den deutschen wiki-artikel, der den geneigten cineasten kurz und bündig mit allen wichtigen infos zu diesem klassiker versorgt:

http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Reise_nach_Tokyo

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Stefan Ishii

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

"Die Reise nach Tokio" ist der vielleicht beste Film von Yasujirō Ozu (wobei ich natürlich sagen muss, dass ich bei weitem nicht alle seiner Filme gesehen habe, und sämtliche Werke, die ich kenne, ebenfalls kleine Meisterwerke sind) und einer meiner Lieblingsfilme. Er ist exemplarisch für Ozus einzigartigen visuellen Stil, der sich zum Beispiel durch feste Kameraeinstellungen ohne Schwenks oder unnötige Schnitte auszeichnet. Die scheinbare Einfachheit der Inszinierung unterstützt die Klarheit der Botschaft.

In ruhigen, teilweise melancholischen, aber immer klar verständlichen Bildern wird die Stellung der japanischen Familie in den Nachkriegsjahren thematisiert. Dazu wurden die Hauptfiguren sicherlich als gewisse Prototypen charakterisiert, um die Botschaft rüberzubringen. Dabei erhält man auch ganz nebenbei äußerst interessante Einblicke in die japanische Kultur.

Der Film ist der Abschluss der sogenannten Noriko-Trilogie (nach "Später Frühling" von 1949 und "Weizenherbst" von 1951). Zwei der Hauptdarsteller, Chishū Ryū (der Vater) und Setsuko Hara (Noriko), spielten wie in den zuvor gedrehten Filmen (und wie auch in vielen folgenden) in Ozus Meisterwerk von 1953 mit, auch wenn es sich nicht um dieselben Personen handelt. In seinen Filmen griff Ozu immer wieder dieselben Themen auf, wobei in den verschiedenen Filmen diese unterschiedlich gewichtet wurden. Mal steht die Stellung der Kinder zu ihren Eltern mehr im Mittelpunkt, bei einem anderen Film ist die zentrale Frage eher, ob eine verwitwete Frau wieder heiraten sollte.

Die Darsteller in "Die Reise nach Tokio" sind wunderbar. Chishū Ryū und Chieko Higashiyama als die Eltern und Setsuko Hara als Schwiegertochter Noriko spielen ihre Figuren so sympathisch und liebenswert, dass man sie einfach mögen muss.

Ich würde mir wünschen, dass dieser Film, sowie natürlich viele weitere Werke von Yasujirō Ozu, in Deutschland mehr Beachtung finden könnten (zum Beispiel in Form einer DVD-Veröffentlichung). Seine Filme sind kleine Schätze!

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