Die Sehnsucht der Veronika Voss - Kritik

DE 1981
Laufzeit 104 Minuten, FSK 16, Kriminalfilm, Drama, Kinostart 18.02.1982

Kritiken (1) — Film: Die Sehnsucht der Veronika Voss

Ulrich Behrens

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9.0Herausragend

Rosel Zech fängt durch ihr Spiel die hysterische Mentalität der UFA-Diva, die nach 1945 keine Chance mehr bekam, überzeugend ein. Ihr gegenüber steht ein Hilmar Thate als Krohn, der durch eine Mischung von trockener Sachlichkeit und innerer Ruhe hier, Neugier und kaum zu versteckender Faszination dort zur phantastischen Inszenierung Fassbinders und der mit Licht und Schatten spielenden Fotografie Schwarzenbergers eine schauspielerische Glanzleistung bietet.

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Kommentare (6) — Film: Die Sehnsucht der Veronika Voss

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filmfan90

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

„Schatten und Licht sind die Geheimnisse des Films.“
- Rosel Zech in „Die Sehnsucht der Veronika Voss“

Der Sportreporter Robert Krohn begegnet in einer verregneten Nacht der alternden, manisch- depressiven Filmschauspielerin Veronika Voss, die ihren letzten Lebensmut aus der Illusion, immer noch eine angesehene, von den Männern umworbene Diva zu sein, schöpft und ihren Weltschmerz mit Alkohol und Drogen zu bekämpfen versucht. Robert entwickelt eine Faszination für die Voss und beginnt mit ihr eine verhängnisvolle Affäre- der Journalist deckt alsbald auf, dass die Nervenärztin Dr. Marianne Katz, die die Schauspielerin therapiert, ihre betuchten Klienten in die Medikamentensucht stürzt, um sich nach und nach deren Vermögen zu erschleichen…
In „Die Sehnsucht der Veronika Voss“, der im Hinblick auf die Handlung und die Inszenierung deutlich von Billy Wilders „Sunset Boulevard“ beeinflusst ist, entwickelt Fassbinder das Bild einer scheinbar heilen Welt, die jedoch voller Abgründe und Tragödien ist; dies spiegelt sich insbesondere in der Dissonanz zwischen Form und Inhalt des Films wider- der Regisseur bettet eine schonungsloses Psycho- Drama in sehr stilsichere, vom amerikanischen Film Noir inspirierte Schwarz- Weiß- Bilder.
Ähnlich wie in „Die Ehe der Maria Braun“ fällt die dominante Geräuschkulisse auf, die ständig zwischen Nachrichtendurchsagen im Radio, klassischer Musik, Jazz, amerikanischem Folk und bedrohlichen Paukenschlägen changiert, wodurch Fassbinder auf akustischer Ebene die Reizüberflutung durch verschiedene kulturelle Einflüsse im Alltagsleben der BRD der 1950er- Jahre für den Zuschauer erfahrbar macht.
„Die Sehnsucht der Veronika Voss“ zeigt auf eindringliche Weise, inwiefern die Wohlstandsgesellschaft der 1950er trotz aller Fortschrittlichkeit und der Anbiederung an die USA in ihrem Alltag mit der Bewältigung ihrer düsteren Vergangenheit konfrontiert war- ein altes jüdisches Ehepaar, das einst im Vernichtungslager Treblinka inhaftiert war, gehört ebenfalls zur Stammklientel Dr. Katz‘…
Das zynische Ende kann überdies als ein sehr eindeutiges Statement Fassbinders zu der von ihm stets kritisierten Eigenschaft der Deutschen, Probleme auszublenden und zu verdrängen, verstanden werden (Spoiler!)- der Sportreporter fährt zum Stadion eines Fußballvereins, die mordende, geldgierige Ärztin genießt die von ihrer Köchin und Haushälterin kredenzte Suppe (Spoiler Ende)…
„Die Sehnsucht der Veronika Voss“, der zweite Teil der so genannten BRD- Trilogie, ist ein stilistisch überaus kunstvoller Film, in dem Fassbinder seine eigenen, sehr kritischen Ansichten über die Entwicklung der BRD offenbart und ferner mit der Rücksichtslosigkeit und Scheinhaftigkeit der Filmindustrie abrechnet (die Figur der Veronika Voss ist der Schauspielerin Sybille Schmitz nachempfunden).

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Joe Gillis

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Bewertung9.0Herausragend

»Memories are made of this.« Rainer Werner Fassbinders BRD, 2 ... Eine Frau (Rosel Zech): wunderschön, depressiv, hysterisch. Ein Mann (Hilmar Thate): zerknautscht, alkoholisch, verliebt. Noch eine Frau (Cornelia Froboess): ironisch, klug, abgekämpft. Eine Ärztin (Annemarie Düringer): kalt, lächelnd, tödlich. Eine Zeit (1955): friedlich, verlogen, sentimental. »Die Sehnsucht der Veronika Voss«: ein Melodram, ein film noir, eine Burleske. Die 50er als dunkler Spiegel der 40er: Erinnerungen, nicht totzukriegen, nur mit Morphium zu ertragen – die einen denken zurück an Treblinka, die anderen an Babelsberg. Überleben scheint in beiden Fällen nur Aufschub, nur Restlaufzeit: »You can't beat the memories you gave-a me.« PS: Abgesehen von den Schurken können lediglich Sportreporter (wenn auch nicht unbeschädigt) weitermachen – nach dem Spiel ist vor dem Spiel.

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alanger

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

der beste aus der wirtschaftswundertrilogie.

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alter.native

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Auch wenn vielleicht anfänglich für die Darstellung der hysterischen Diva etwas zuviel Filmzeit verwendet wird, besticht der Film durch seine erlesenen Schauspielerleistungen, Bilder in einem angstmachenden Weiß und die Wendung zum Kriminalfilm mit gesellschaftlichen Hintergrund. Immernoch ein guter und wichtiger Film für die, die wissen wollen, wie alles angefangen hat in dieser Republik.

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boxcarsboxcars

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

verzweifelte filmdiva, drogen, filmgeschäft, journalismus...typische screwballelemente dienen hier, um ein nachkriegsdeutschlandshowgeschäft zu zeigen. aber das ist gar nicht der punkt. wer einmal die sequenzen bei der nervenärztin gesehen hat, weiß, dass es eigentlich nur um die bilder, um ein gleißendes weiß, geht. und ja, hab ich oft angehalten zwischendurch. ging nicht anders, musste ich länger angucken. vielleicht fassbinders 'schönster' film?

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Kubrick_obscura

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Bewertung7.0Sehenswert

"Veronika Voss" ist ein Alptraum in Schwarz-Weiß. Ein Traum von dem Beginn der BRD, wo jeder versucht hat, dass Beste aus seinem Glück zu machen. Auch wenn er dafür das Glück anderen rauben muss.

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