Die unbarmherzigen Schwestern

The Magdalene Sisters (2002), GB/IE Laufzeit 119 Minuten, FSK 12, Drama, Kinostart 09.01.2003


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Kritiker
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7.2
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315 Bewertungen
22 Kommentare
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von Peter Mullan, mit Geraldine McEwan und Anne-Marie Duff

Die Magdalenen-Heime in Irland wurden geleitet von den Barmherzigen Schwestern (Sisters of Mercy). Ihr Auftraggeber: die katholische Kirche. Familien und Waisenhäuser schickten dorthin junge Mädchen. Waren sie erst einmal dort, wurden sie eingesperrt und mussten in Wäschereien arbeiten, um dabei ihre Sünden zu bereuen. Diese “Sünden” waren unterschiedlichster Art: Ausreichend war die Tatsache, eine unverheiratete Mutter zu sein oder zu hübsch oder zu hässlich. Zu dumm oder zu schlau. Oder das Mädchen war Opfer einer Vergewaltigung und hatte es gewagt, darüber zu sprechen. Um diese Sünden zu bereuen, arbeiteten die Mädchen 364 Tage im Jahr ohne jeden Lohn, man ließ sie hungern, sie wurden geschlagen, verspottet und vergewaltigt. Und ihre neugeborenen Kinder wurden ihnen weggenommen – wenn es sein musste, mit Gewalt. Ihre Strafe war unbeschränkt – oft lebenslänglich. Tausende von Frauen lebten und starben in diesen Anstalten. Das letzte Magdalenen-Heim in Irland wurde erst 1996 geschlossen.

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Cast & Crew

Regie
Schauspieler
Drehbuch
Filmdetails Die unbarmherzigen Schwestern
Genre
Drama
Ort
Irland
Handlung
Erziehungsheim, Mädchen, Mädcheninternat
Verleiher
Concorde Filmverleih GmbH
Produktionsfirma
Bórd Scannán na hÉireann, Element Films, Film Council, Momentum Pictures, PFP Films Ltd., Scottish Screen, Temple Films

Kommentare (19) — Film: Die unbarmherzigen Schwestern


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Bastieff

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Bewertung7.5Sehenswert

THE MAGDALENE SISTERS, ist ein Drama über drei junge Frauen, die von ihren Eltern in einem Magdalenenheim gesteckt werden. Dabei beleuchtet der Film jeweils immer kurz eine Hintergrundgeschichte dieser drei Mädchen, bevor sie ins Heim kommen.
Im Kloster selbst müssen sie harte Arbeit, wie Wäsche waschen oder den Flur putzen, verrichten. Die Lebensbedingungen sind durch strenge Vorschriften seitens der Ordenschwestern geregelt. So dürfen die jungen Frauen nicht miteinander kommunizieren, sondern müssen jederzeit ihren Aufpasserinnen gehorchen.
Dieses Szenario erinnert an ein Gefängnis und so werden die Nonnen oft als Sklaventreiberinnen dargestellt. Fluchtversuche werden mit Gertenschlägen oder durch Haare abschneiden massiv bestraft.
Die ganzen Maßregelungen und Gesetzte gelten für die Mädchen als Buße. Nur so können sie wieder auf dem richtigen Weg gebracht werden und ihre große Sünde, die Lust, wird ihnen dann wieder verziehen werden.
Die Inszenierung des Filmes verläuft sehr monoton: Durchgängig depressiv, trüb und düster, was sich auch auf die Farbgebung auswirkt: Grau. Keine heile Welt mehr.
Regisseur Peter Mullan bringt dadurch das Leben dieser Menschen authentisch auf die Leinwand.
Auch übt der Film eine starke Kritik gegenüber dem katholischen Glauben aus. Der Zuschauer wird durch die Unterdrückung der Mädchen regelrecht auf die Seite derer gezogen, während die Nonnen nur das Böse ausstrahlen.
Vor allem verletzen die Ordensschwestern, die im Auftrag der katholischen Kirche handeln, durch ihre Erniedrigung gegenüber den jungen Frauen deren Würde. Wie können diese jungen Frauen Mensch sein?
Eine Protagonistin gibt es eigentlich nicht in diesem Film. Zwar werden, wie am Anfang schon erwähnt, drei Personen vorgestellt, die aber während des Filmes keine durchgängige Einheit, zur Bekämpfung ihrer Lage, bilden. Somit bleibt die Identifikation auf der Strecke. Der Film kommunizierte mit mir nur, dass ich einen Hass gegenüber den Ordensschwestern und somit auf die Religion, haben soll, die diese Mädchen gnadenlos unterwerfen.
Und doch wollen sie nur Eines: Frei sein! Immer mal wieder zeigt Peter Mullan verschiedene Ausgangstüren, die die Freiheit für die Mädchen bereithält.
Insgesamt sehenswert, weil er berührt und nachdenklich stimmt. Vor allem geht er schon auf den Magen, weil er einfach schonungslos, aber wirkungsvoll inszeniert wurde.

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Trinity0712

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Habe diesen Film jetzt schon zum vierten Mal gesehen und bin immer wieder erschüttert.
In diesen 'barmherzigen' Heimen wurde das Christliche ad absurdum geführt, die Menschenwürde mit Füssen getreten. Kaum zu glauben, dass diese barbarischen Einrichtungen erst in jüngster Zeit geschlossen wurden.
Ein sehr düsteres Kapitel - in meinen Augen ein Verbrechen an jungen Mädchen und Frauen, geschehen und geduldet unter dem Deck­mantel christ­li­cher Nächs­ten­liebe und dies nicht nur in Irland!

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Rubi27

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Ein sehr beklemmender, bedrückender Film. Sehr überzeugende Schauspieler. Ein sehr sehenswerter Film!
Ging mir sehr aufs Gemüt... Schrecklich das es sowas gibt, bzw. gab! Einfach zum schämen wie man Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Namen der Religion verübt...

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natedb

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

"The Magdalene Sisters" ist kein leicht zu verdauender Film. Geschildert wird die Geschichte aus der Perspektive dreier Frauen - oder besser gesagt Mädchen - die sich aus verschiedenen Gründen "versündigt" haben und daraufhin, von der Famile verstoßen, von der Gesellschaft geächtet - in ein Magdalenenkloster eingewiesen werden um sich von ihren sogenannten Sünden reinzuwaschen.
Im folgenden Verlauf wird beinahe nüchtern das sadistische Regime der scheinheiligen Nonnen über ihre Insassen geschildert - ein Unrecht folgt dem nächsten.
Peter Mullan dokumentiert in seinem preisgekrönten Missbrauchs-Drama auf kühle, distanzierte Weise den harten Alltag der Mädchen und schafft gleichzeitig ein Sittengemälde des Irlands der 60er.
Dies ist spannend, kompromisslos, bitter und wirklich harter Tobak!

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TinaCocaine

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Ein großartiger Film, der sehr viel Traurigkeit in mir auslöst. Sehr dramatisch, genial geschauspielert und er behandelt ein überaus wichtiges Thema. Ein Film, der mir wieder einmal vor Augen führt, warum ich nicht Mitglied der (katholischen) Kirche sein möchte - was nicht heißen soll, dass ich etwas gegen gläubige Menschen habe! Ich find´s einfach nur krank, was heutzutage im Bezug darauf noch alles abgeht - einfach schockierend, demütigend und Menschen verachtend! Jedenfalls ist "Die unbarmherzigen Schwestern" einfach ein ganz toller Film, der wirklich ans Herz geht (auch wenn die Darstellerinnen nicht gerade die hübschesten sind :-p)!

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Simon Moon

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Sollte man im Religionsunterricht verwenden dieses Drama.


TinaCocaine

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Auf jeden Fall! Wird nur wahrscheinlich kein Reli-Lehrer mitmachen :-)


evil

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Eindrucksvoll gespielt! Berührender Film. Zeigt die Ohnmacht gegenüber der unanfechtbaren religiösen Autorität.
Unglaublich, dass solche Einrichtungen noch bis in die 90er möglich waren.
Toller Film... :)

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uncut123

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der film ist echt erschreckend...müsste ich auch mal wieder sehen


flami

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Ganz ehrlich, wieviele von uns moviepiloten hätten gewusst, was dort in irland bis vor zwanzig Jahren für eine grausame Scheiße abgezogen wurde?! Ich finde es immer sehr beeindruckend und unfassbar traurig, wenn ich solche sachen erfahren kann/darf. Man muss die schauspielerische Leistung aller mitwirkenden SEHR loben! Wer hat die Frauen nicht gehasst ? Und wer hat nicht mit diesem armen Seelen mitgelitten?

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BustaBuzz

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Bewertung6.5Ganz gut

SIE SIND KEIN MANN GOTTES! SIE SIND KEIN MANN GOTTES! SIE SIND KEIN MANN GOTTES!
to be continued

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Tytus

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

der Film ist keine Phantasie und offenbart einige Kapitel der Kath. Kirche, die dies am besten vergessen würde, auch in Deutschland oder Österreich war das die Katholische "Fürsorge"

hier ein Artikel auf SPON

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-27163301.html

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guggenheim

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Lange, lange habe ich nach diesem Film gesucht, nun habe ich ihn durch Zufall entdeckt und wiedererkannt. Wer konnte schon ahnen, dass der Titel so naheliegend ist. "Die unbarmherzigen Schwestern" habe ich vor ein paar Jahren gesehen und nie wieder vergessen - naja, den Filmtitel schon, nicht aber den Inhalt, denn der ist sehr aufwühlend und macht wütend. Ein stark gespieltes und schonungsloses Drama, bei dem man des Öfteren den Drang verspürt, tatkräftig einzuschreiten, wenn es denn nur irgend möglich wäre.

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Verlah

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Bewertung7.5Sehenswert

Ein Film, der zugleich zornig und traurig macht. Ein Film, der wahrscheinlich vor allem durch die düstere und beklemmende Atmosphäre, die er erzeugt, beeindruckt. Ein Film, der Gewalt in seiner physischen als auch psychischen Form thematisiert. Und der dabei zeigt, dass die Opfer oft keine andere Möglichkeit als den Totstellreflex haben. Die Tatsache, dass dieser Film auf der Realität basiert, macht ihn umso schockierender.

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Hellbilly

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Starker Film über ein sehr interessantes Thema.
Hatte von der Existenz solcher Heime bislang rein gar nichts gehört, aber passt irgendwie in mein Bild der katholischen Kirche. Den Glauben kann man einfach wunderbar als Deckmantel und Rechtfertigung missbrauchen. Von Lappalien bis zu schlimmsten Verbrechen kann man so alles mit der eigenen Doktrin in Einklang bringen. Und wenns dann doch mal rauskommt, ist man mittlerweile im Totschweigen auch geübt.
Nächstenliebe kann man dummerweise halt dermaßen offen interpretieren…

Fabelhaft gespielt, eindringlich und dennoch ziemlich neutral erzählt. Ein filmischer Tatsachenbericht, der anscheinend noch die Softcore-Variante der wirklichen Zustände in diesen Heimen aufzeigt.
Einige kleinere Längen treten auf, allgemein aber durchaus ein fesselnder Film. Vor allem die Ruhe, mit der alles inszeniert wird, hat mich gepackt. Natürlich gibt es wie bei jedem anderen Spielfilm einen Spannungsbogen, aber nur in seltsam verhaltener Form. Dominierend sind unaufgeregte und scheinbar monotone Bilder und Dialoge. Auch die Gleichgültigkeit und Kälte der Schwestern einerseits und die Verzweiflung, Trauer und Wut der Gefangenen andererseits werden dem Zuschauer nicht mit voller Wucht entgegengeschleudert. Man weiß jederzeit was Sache ist, bleibt gleichzeitig aber auch immer etwas außen vor. Erinnert phasenweise an einen Dokumentarfilm, geht aber nie soweit, dass man als Zuschauer teilnahmslos vor dem Fernseher sitzen würde.
Eine komische Mischung, die aber funktioniert.

Der klagende Zeigefinger seitens der Regie wird auch nur versteckt erhoben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass hinter dem Film die Intention steht, die Kirche in einem möglichst schlechten Licht dastehen und sich selbst als Moralapostel abfeiern zu lassen. Solch subtile Mittel passen nicht zur gewählten Inszenierungsform.
Jeder der etwas Hirn hat, kriegt mit, was hier verbrochen wurde, ohne mehrmals mit der Nase draufgestoßen zu werden. Solche Menschen sind dann auch in der Lage, sich selbst ein Urteil zu bilden. Wem dieses bisschen Hirn abgeht, der würde sich den Film sowieso nicht zu Ende anschauen.

Kann ich nur empfehlen – und zwar allen, egal ob überzeugter Katholik oder militanter Atheist. Niemand wird sich brüskiert abwenden müssen. Niemand wird in seiner Überzeugung grundlegend bestärkt werden. Aber jeder wird interessante Einblicke und Denkanstöße erhalten, die er dann ganz individuell ausbauen kann.

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teusus

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vorgemerkt

Ich habe diesen Film noch nicht gesehen, auch noch nie etwas von diesen Magdalenen-Heimen in Irland gehört. Der Trailer (auf den ich hier auf Moviepilot zufällig gestoßen bin) und die Kommentare dazu haben mich aber gleichzeitig schockiert aber auch neugierig gemacht. Dies wird einer der nächsten Filme sein, den ich mir ansehen werde. Auch werde ich mir über Internet noch mehr Informationen dazu einholen. Unglaublich, dass so etwas real bis 1996 existieren konnte ohne das die Welt aufschrie!

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ihre-herrlichkeit

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Übrigens läuft der heute Abend um 20.15 auf Tele5.


teusus

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ja, hab's auch grad entdeckt, trotzdem Danke für den Hinweis. Ihr seit echt auf Zack hier !!!


Dr.Hasenbein

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Ein Film der mich immer wieder mitnimmt und in mir so wütende Reaktionen auf die Bösen Schwestern, Eltern und die Gesellschaft hochbringt wie es auch jedes mal Einer flog übers Kuckucksnest schafft.
Es ist wirklich schrecklich und traurig das es solche Anstalten wirklich gab.
Die Darsteller spielen auf beiden Seiten ihre Rollen sehr gut.
Und in manchen Szenen wenn die Nonnen die Mädchen schikanieren erinnert mich der Film an Filme wie das Experiment.
Der Mensch an sich scheint einfach böse zu sein sobald er Kontrolle über andere Menschen hat die sich nicht wehren können.

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fabel

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Die Rollen in diesem bedrückenden Report über die Erziehungsheime für die aus verschiedensten, oftmals ziemlich lachhaften, Gründen dorthin gesteckten Mädchen sind klar verteilt.

„Man wird nicht Nonne, um vor dem Leben davonzulaufen. Nicht, weil man etwas verloren hat, sondern weil man etwas gefunden hat.“

Gefunden haben sie eine harte Hand, mit der sie ein hartes Regiment als tyrannische Wärterinnen führen. Die weiblichen „Häftlinge“ müssen einige Repressalien von ungeplanten Friseurbesuchen, über ständiges Auspeitschen bis hin zu Vergleichen der ganz besonderen Art über sich ergehen lassen. Harte körperliche Arbeiten in der Wäscherei, öffentliche Bloßstellungen und barsche Umgangs- und Befehlsformen vonseiten der Nonnen machen das Leben auch nicht gerade viel einfacher. Die armen Mädchen, größtenteils wegen nichtiger Vergehen eingebuchtet, haben von nun an nicht mehr vor, sich das gefallen zu lassen, und nehmen ihre Schicksale selber in die Hand ...

Der schottische Regisseur Mullan legt hier zwar den Finger richtigerweise in eine tiefe Wunde, über die seit Jahrzehnten ein eiserner Mantel des Schweigens gelegt wurde, aber er kann sich erfolgreich der Versuchung zur Wehr setzen, eine böse Hetzjagd auf die katholische Kirche zu eröffnen. Stattdessen zeichnet er hier kein realitätsfernes Bild, sondern eines, das aktueller nicht sein könnte.
Die Gräueltaten der Bevollmächtigten, die sich nach außen als fromme Christen ausgeben, deren Führung sich aber als alles andere als christlich herausstellt, mögen auf dem ersten Blick überzogen und übertrieben wirken – bei genauerer Betrachtung wirkt´s allerdings weitaus weniger schlimm, sondern schlichtweg realistisch. Wie wir in Zeiten von schier unaufhörlichen Beichten von Kirchenmännern und Erlebnisberichten von Betroffenen wissen, ging es damals wirklich so oder so ähnlich zur Sache. (Wobei der Gebrauch des „zur Sache Gehens“ in diesem Falle nicht als böse Zweideutigkeit meinerseits verstanden werden sollte ...)
Prinzipiell steh ich einer so klaren Einteilung in Gut und Böse skeptisch gegenüber – in diesem Fall ist sie mehr als angebracht und mehr als packend, vor allem schäume ich nicht vor Wut, weil der Regisseur darauf verzichtet, die Nonnen als übermäßig unmenschlich darzustellen. Zwischen all den bösen Aktionen schimmert hin und wieder beim genaueren Hinsehen Menschlichkeit durch. Da gibt es eine Szene, in der ein Vater seine ausgebrochene Tochter, die fertig ist mit allen Nerven und sich gegen die Rückkehr sträubt, zurückbringt in den Schlafsaal des Heims und die anderen sich dort befindlichen Frauen als Huren bezeichnet, wild fluchend seine Bahnen zieht und seiner Tochter mit auf dem Weg gibt, sie nie wieder sehen zu wollen. Während man in ähnlichen Filmen eine Ohrfeige oder einen bösen Spruch durch eine der Schwestern erwartet hätte, macht Mullan es hier anders. Behutsam fordert die anwesende Schwester die jungen Frauen zum Schlafen auf. In ihrem Gesicht erblickt man menschliche Wesenszüge, in ihrer Stimme spürt man mal etwas Wärme. Mullan verwehrt sich dem Trend und setzt einen eigenen, realistischen Maßstab. Groß gemacht!
Während es filmisch sowohl in der Strukturierung als auch in den Grundzügen des Plots ein wenig hollywoodesk (danke Stalker) hapert, kann der Film sich durch eine andere Sache zu einem großen Film aufschwingen und sich sein Prädikat AUSGEZEICHNET verdienen. Es ist einfach diese ungeheuer erschütternde Wirkung, die der Film auf uns niederprasseln lässt, die den Streifen so authentisch macht. Wir wissen, es ist aktuell, wir wissen, es war so damals, doch jetzt haben wir auch Bilder, die uns die unglaublichen Leiden der Opfer noch deutlicher vor Augen führen. Gut zu erkennen sind diese Leiden an den dargestellten Mädchen. Ihre Seelen gehen nach mies gelaufenen Ausbrüchen und gescheiterten Versuchen, sich selbst des Lebens zu entledigen, zu Bruch. Die anfängliche Stärke geht verschwunden, die Verzweiflung siegt, das böse Grauen übernimmt das Zepter.
Man kommt zu erschreckenden Erkenntnissen: „Wir sind Büßerinnen, wir müssen leiden“ und verliert den Mut. Untereinander herrscht plötzlich schlechte Stimmung und manch Zickenkrieg wird eröffnet. Doch auch wenn das fleischgewordene Böse sich am Sonnendeck zu befinden scheint, das Ziel namens Freiheit ist noch nicht gänzlich von der Bildfläche verloren.
Die Figuren als solche wirken glaubhaft, ihre charakterlichen Veränderungen ebenso wie ihre Taten aus dem Leben gegriffen und filmisch nicht zugunsten der Dramaturgie verunstaltet. Das Ende ist dann zwar wieder vorhersehbar, hollywoodesk eben, aber ansonsten gibt’s nichts zu meckern.
Nicht eine einzelne Dame für sich, sondern alle im Kollektiv lösen großes Mitgefühl aus. Man leidet mit allen, man spürt die Qualen von jeder, man hofft auf ein gutes Ende für jede von ihnen. Mitnehmend! Stark! Auszeichnend!

Eine Mischung aus einem auf dem ersten Blick handelsüblich wirkenden Plot, der aber mehr als nur 0815 ist in der tieferen Ausarbeitung, einer ebenso üblich wirkenden Zeichnung des Bösen, die aber glücklicherweise nichts verteufelt, und einem leidenschaftlich spielenden Ensemble machen diesen Einblick in die Leiden unendlich vieler Frauen der damaligen Zeit zu dem, was er letztlich ist – bedrückend realistisch!

„Gut, Sonya. Furz ihr ins Gesicht.“
„Nein, ich furz ihr nicht ins Gesicht.“
„Los! Deine stinken mehr als meine.“
*FURZ*
„Wie machst du das nur?“

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8martin

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Bisher kannte man Peter Mullan nur von vor der Kamera, hier steht er dahinter (hat allerdings einen kurzen aber eindrucksvollen Auftritt als prügelnder Vater). Mit diesem Film hat der gebürtige Schotte ein Thema aufgegriffen, dass in Irland lange Zeit für Furore gesorgt hatte. Alle wussten davon, aber keiner redete darüber. Sicherlich hat er sich damit bei der katholischen Kirche keine Freunde gemacht. Die Betroffenen - und davon leben immer noch sehr viele - jubelten nicht, sondern vergossen Tränen der Rührung, denn der Film hat die Erinnerungen an all die Demütigungen und menschenverachtenden Exesse in den Magdalene Heimen für ’gefallene Mädchen’ wieder hochkommen lassen. Es waren KZ-ähnliche Zustände, die aus Verbitterung Hass entstehen ließen. Die Realität war noch viel schlimmer als das hier Gezeigte. Man begreift die unglaubliche Macht der katholischen Kirche, die sich auf den tiefen Glauben der Bevölkerung gründet und die nur deswegen ein ungeheuerliches menschliches Drama Jahrzehntelang unangefochten inszenieren konnte. Der deutsche Titel hilft uns. In Irland kennt jeder die Magdalena Schwesternheime. Sehenswert weil immer noch aktuell, filmisch toll umgesetzt und schauspielerisch überzeugend.

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tom777

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Bewertung6.0Ganz gut

Ein ambitioniertes auf Tatsachen basierendes Drama das über einen Skandal berichtet der von der Allgemeinheit viel zu lange relativ unbeachtet blieb.Leider bleibt der Film aber viel zu zahm und verschenkt viel Potenzial.Da wo anderswo gerne bei solcher Art Filmen übertrieben und extrem dramatisiert wird zeigt Peter Mullen weit weniger schlimmes als sich laut Aussagen von ehemaligen Insassen tatsächlich dort abgespielt hat und darüber hinaus hat der Film bedauerlicherweise auch einige Längen.
Das der Film bei Kritikern und insbesondere der Jury von Venedig um jubelt wurde hat wohl eher mit dem schockierenden Inhalt als mit der überragenden Qualität des Streifens zu tun,der zwar solide gespielt und keineswegs schlecht ist aber doch auch um einiges besser hätte sein können.

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Filmkenner77

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Bewertung7.5Sehenswert

Hervorragend gespieltes Porträt über religiösen Fanatismus und Doppelmoral. Absolut sehenswert!

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Skyver

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Bewertung0.5Schmerzhaft

Bitte lieber Moviepilot, verschone mich mit solchen Filmen als Tip für mich!!!

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reveal

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Die Bitte wäre wahrscheinlich erfolgreicher und der Kommentar hilfreicher, wenn du 'solche' etwas genauer spezifizieren könntest...



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