Ein Dorf schweigt - Kritik

DE 2009
Laufzeit 90 Minuten, Drama

Kommentare (2) — Film: Ein Dorf schweigt

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Iwan Goratschin

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Endlich mal ein ernsthafter Film und nicht so ein Flüchtlingsgewäsch.
Auch die schauspielerischen Leistungen tragen zur Qualität dieses Filmes bei.

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Darbon

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Bewertung7.5Sehenswert

"Ist das Demokratie, die Denunzianten frei rumlaufen zu lassen?", fragt Uwe Kockisch in der Schlüsselszene, im Sommer 1945, einen US-Kommandaten.

Kockisch ist hier Pfarrer und auch Vater eines von einem hessischen Dorf unter Mithilfe bewaffneter Hitler-Söldner hingerichteten jugendlichen Deserteurs. Dass gerade die Befehlshaber der Vollstrecker in der Geburtsstunde der Bundesrepublik wieder rasch obenauf waren, muss und kann der Film nach diesem Satz vielleicht nicht mehr erzählen. Das übernahm ja bereits der Fahrstuhl in "Wir Wunderkinder". Und Kockisch, der Pfarrer, wird auch in der Kirche nicht vergeben können.

Mit der ärgerlichen Kürze von nur 90 Minuten Laufzeit gelingt Henriette Piper und Martin Enlen ein längst überfällig reinigender und unverschämter Platzregen. Der ist trotz und gerade wegen bewusst "Event"-fernen Budgets im Bild historisch einwandfrei karg, sowohl groß als auch filigran, aufregend und mitreißend gespielt und noch dazu erfreulich ungeschwätzig. Doch er ist er trotz aller Auslassung geschmäcklerischer Muster zu kurz für die zu rasch erzählte Geschichte, die besser als Zweiteiler hätte produziert werden müssen.

Nach schmonzettigen "Flüchtlingsdramen" ist "Ein Dorf schweigt" eine Vorstoß in den Versuchen der Fernsehfilm-Auseinandersetzung mit 60 Jahren BRD. Das gefällige Sub-Genre "Flüchtlingsdrama" ist zum Glück nur galanter Etikettenschwindel.

Die unverfälschte Katharina Böhm ist berührend, wunderschön, erfreulich faltig und unabwendbar fesselnd als Heldin. Ihre kämpferische Flüchtlingsfrau Johanna, auf deren Haupt von Hitler-Schranzen nach Läusen gesucht wird, ist eine allzu blütenreine Flüchtlingsfrau. Der Raum für Ambivalenz und Vergangenheit ihrer Figur wird verdrängt von zwei konsequent unerfüllbaren Romanzen. Johanna darf inmitten dieses Nachriegsmiefs aus Nazis nur eine eine von Piper gesandte und von Enlen erhobene Botin sein, eine symbolische Vertreterin der so wenigen "Guten Deutschen". Die Herkunft ist da unbedeutend. Und als großartige Schauspielerin macht Katharina Böhm diese durchreisende Reiseleiterin, eine Erbin Athenes aus der Odyssee, spürbar lebendig. Sie wird keine Romanze eingehen, den Bauern ihr Land überlassen und weiterziehen. Entsprechend konsequent überlässt Katharina Böhms Johanna den "Dörflern" die Rampe: die zarte Inka Friedrich überrascht als Mutter mit grässlicher Perfidie, der ausgezerrte Stephan Kampwirth kehrt voller Schmerz und Verachtung für sein Volk zurück in die verdammte Heimat und Uwe Kockisch zieht - erschütternd sanft in seinem Hass auf das schweigende Dorf - die mürben Fäden. Wie sie ihm immer wieder zu entgleiten drohen, ist Suspense par excellence.

Am Ende wird Johanna aus der zuvor verschenkten Jacke einen sich vor den Allierten versteckt gehaltenen Knaben zerren: Hitlers Helfer waren eben nicht nur die von Guido Knopp genannten Hunde, Beischläferinnen, Gärtner und Bediensteten. Es war ein Volk.

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