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Ein streunender Hund
Nora Inu (1949), Laufzeit 122 Minuten, Kriminalfilm
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von Akira Kurosawa, mit Toshirô Mifune und Takashi Shimura
Akira Kurosawas “Ein streunender Hund” ist ein japanischer Kriminalfilm im Stil des amerikanischen “Film Noir”. Protagonist ist der junge Polizist Murakami, dem in einem Bus seine Pistole gestohlen wird. Murakami macht sich sofort auf die Suche nach dem Dieb, da er die schlimmsten Konsequenzen für seine erhoffte Polizeikarriere befürchtet…
Cast & Crew
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Kommentare (3) — Film: Ein streunender Hund
Pyro 91 Thu, 18 Apr 2013 21:38:53 -0000
Kommentar löschenSPOILER
Kurosawa liefert mit diesem Meisterwerk einen charakterorientierten, tragischen Crime-Noir-Film ab und siedelt seine Geschichte wieder einmal im truppenbesetzten Nachkriegsjapan an.
Diesmal geht es um den Rookie-Polizisten Murakami - gespielt vom großartigen, jungen Toshiro Mifune - der gerade aus dem Krieg gekommen ist und dem eines Tages im Dienst seine Pistole gestohlen wird. Der Dieb, der ebenfalls Soldat war, nutzt dessen Waffe um Menschen auszurauben und zu töten. Wegen seiner Schuldgefühle und seines Tatendrangs wird Murakami vom seinem Vorgesetzten der Fall zugeteilt. Unterstützung bekommt er von einem alten, erfahrenen Kollegen namens Sato, der von Takashi Shimura mit der nötigen Gelassenheit und Weltgewandtheit verkörpert wird.
Die Entwicklung der Beziehung der beiden ist nicht nur aus schauspielerischer Sicht ein absoluter Hochgenuß, nein, Kurosawa zeigt auch geschickt den Kontrast zwischen Satos abgeklärten Zynismus und Murakamis einfühlsamen Idealismus. Murakami kann die Beweggründe des Täters nachvollziehen, denn dieser zeigt ihm, welchen Weg er selbst hätte einschlägen können, nachdem der Krieg zu Ende war. Mehrere Male im Film wird sogar deutlich, dass die, die kriminell handeln momentan sehr viel besser leben als diejenigen, die sich für einen Hungerlohn abrackern. Selbst der hochangesehene Sato hat Probleme damit seine Familie zu ernähren und kann dem eingeladenen Murakami bei sich daheim nicht viel zum Essen anbieten.
Doch für Sato steht die Sache fest: Verbrecher sind böse und richten Schaden an. Er kann sich nicht mehr mit Murakamis Plädoyer für die Beweggründe des Täters identifizieren, denn er hat schon zu viel gesehen und erlebt.
Wenn sich die beiden Kriegsveteranen Murakami und der Dieb im Finale schließlich gegenüberstehen und einen wilden Todeskampf austragen, während im Hintergrund Kinder ausgelassen durch die Landschaft ziehen und Lieder singen, offenbart sich für den Täter ein Leben voller verpasster Chancen und falscher Entscheidungen.
Meisterhaft schafft es Kurosawa, dass wir die Motive des Mörders nachvollziehen können und seine tragische Identitätswahl begreifen, ohne dessen kriminelle Vergehen gutheißen zu müssen.
Beide Männer - geprägt vom Krieg - gingen ihrer Wege. Einer entschloss sich ein rechtschaffener Bürger zu werden, der andere wurde zum Dieb und Mörder. Inwiefern der Krieg zu der Entwicklung der beiden beigetragen hat, wird offengelassen, doch die Lebensbedingungen im Lande sorgten dafür, dass der Wunsch ein komfortables Leben zu führen, nicht unbedingt durch Rechtschaffenheit und Gesetzeshörigkeit zu erfüllen war.
Ich habe auch auf einem rein visuellen Level selten einen so authentischen und "eingelebten" Film wie diesen hier gesehen.
Es ist heiß, verdammt heiß in Japan und auch das schlägt sich auf das Gemüt der Leute nieder. Ständig fächern sich die Leute Luft zu, nehmen Ventilatoren in Beschlag und die meisten tragen Tücher mit sich rum, um sich den Schweiß aus dem Gesicht oder den Nacken zu entfernen. Speziell in den klaustrophobischen Verhörszenen wünschte ich mir kein Geruchsfernsehen und war froh in einem klimatisierten Zimmer sitzen zu können.
Als dann am Schluss endlich der Regen kam, wirkte das nicht nur befreiend für die Figuren, sondern auch für mich.
Ein tieferen gesellschaftlichen Einblick, weiß aber der Anfang zu bieten, wo wir Murakami erstmal eine halbe Stunde dabei zusehen, wie er undercover nach seiner Waffe sucht. Er kämpft sich durch alle sozialen Millieus, durchstreift Straßen, Gassen, Märkte, Läden, Nachtclubs und ist sogar zu Schiff und mit dem Bus unterwegs.
Davon mal abgesehen, dass es urkomisch ist Toshiro Mifune dabei zuzusehen, wie er immer missmutiger durch die Gegend spaziert, versäumt Kurosawa es auch nicht feine humorvolle Momente durchscheinen zu lassen. So versucht Murakami z.B. zunächst den Waffendealer zu finden, doch jeder sagt ihm, dass er zu auffällig ist und sich nicht erfolgreich unters Volk mischen kann. Ironischerweise wird er dann letztendlich vom Waffendealer selbst angesprochen, als er draußen genervt schlafen will und kleidungstechnisch volkommen herunterkommen ist. xD
Oder beim Finale - im spannendsten Moment - will Sato Murakami übers Telefon den Aufenthaltsort des Mörders mitteilen, doch er als er anruft nimmt nur ein schwerhöriger alter Mann ab, der ihn nicht richtig versteht und damit fast die ganze Operation in den Sand setzt. Köstlich!xD
Ja, ich bin begeistert! Ein rundes Ding.
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Demine Thu, 18 Apr 2013 21:43:20 -0000
Antwort löschenKenne den Film bisher nicht, dein Kommentar macht mich allerdings neugerig. Vielen Dank deshalb :)
Pyro 91 Thu, 18 Apr 2013 21:45:42 -0000
Antwort löschenJa, ist glaube ich auch etwas schwieriger zu bekommen. Hab mir deshalb diese Box gegönnt: http://www.amazon.de/Kurosawa-Crime-Collection-Drunken-Angel/dp/B005HPQ7O6/ref=sr_1_1?s=dvd&ie=UTF8&qid=1362582455&sr=1-1
;)
Demine Thu, 18 Apr 2013 21:49:50 -0000
Antwort löschenKurosawa allgemein sollte ich mir langsam mal zu Gemüte führen. Gehört zu den wenigen großen Regisseuren an die ich mich bisher nie "rangetraut" habe.
Pyro 91 Thu, 18 Apr 2013 21:59:57 -0000
Antwort löschenAch, der ist ganz lieb und beißt nicht. ;) Eine Vorliebe für Samurai-Filme schadet sicher nicht, denke ich, aber an sich macht der Mann einfach wunderbare Dramen über komplexe Figuren meistens unter Berücksichtigung, was gerade politische oder gesellschaftlich so vor sich ging. Ich möchte ihn aus meiner DVD-Sammlung nicht mehr wegdenken, allein schon wegen "Die sieben Samurai".
Demine Thu, 18 Apr 2013 22:01:59 -0000
Antwort löschenEben jener Draht zu "Samurai-Filmen" hat mich wohl immer ein wenig abgeschreckt. Da es mich früher oder später dann aber doch meist packt bin ich mir sehr sicher, dass ich zumindest einen Teil seiner Filme in absehbarer Zeit sehen werde ;)
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Pyro 91 Sat, 20 Apr 2013 12:27:15 -0000
Antwort löschenBin gerade nochmal durch Kurosawas Filmografie gegangen und die besteht eigentlich nur zu einem Drittel aus Samurai-Filmen. Er hat auch viele Filme gemacht die damals in der Gegenwart spielten wie "Ikiru", "I live in fear", "High and low", "The bad sleep well" etc.
Gibt also auch genügend Stoff, wenn man mit Samurai-Filmen nicht viel anfangen kann. ;)
Demine Sat, 20 Apr 2013 12:32:35 -0000
Antwort löschenStimmt, Ikiru steht von ihm bereits auch auf meiner Wunschliste - der wurde mir auch schon mehrfach empfohlen. Danke für die anderen Tipps, werd mir mal den ein oder anderen ansehen :)
Tyler__Durden Mon, 17 Jan 2011 20:31:47 -0000
Kommentar löschen“I wanted to make a film in the manner of Simenon, but I failed. Everybody likes the picture, but I don’t.”
Hätte zwar nie gedacht das ich Kurosawa mal widersprechen würde aber genauso ist es hier das erste mal der Fall. Seine Abneigung geht aber wie das Zitat zeigt wahrscheinlich nur daraus einher das er sein Ziel, einen Film im Stile von Georges Simenons Detektiv Romanen zu machen nicht erreichte. STRAY DOG, Kurosawas dritter Film mit Mifune und zweiter Noir-Crime Film, hat mir nämlich wirklich gut gefallen. Mit beeindruckend spürbar schweißiger Atmosphäre Im Backofen Japans begibt sich der Junge Mifune zusammen mit Shimura auf die Suche nach seinem geklauten Colt der vom bösen Kriminellen für all mögliche Übeltäterei benutzt wird. Schon wie in DRUNKEN ANGEL zeichnen sich auch hier viele Trademarks ab die Kurosawa den Rest seiner Karriere immer gerne benutzte. Den typischen Bild-Musik Kontrast zum Beispiel oder auch die Meister-Schüler Thematik. Stilistisch wie immer ein Vergnügen versucht Kurosawa im hitzigen Nachkriegs Zeitalter Japans mit seiner Geschichte den Moralischen Zweikampf des jungen Kommissars der seinen eigenen Schatten Jagd zu erzählen. Schön das dies nie aufgesetzt oder störend wirkt, etwas das so nur wenige Filmemacher schaffen. Die Tatsache das das hier einer der wenigen wirklichen Crime Thriller ist die Kurosawa in seiner Karriere gemacht hat ist STRAY DOG auf jedenfall einen, wenn nicht sogar zwei Blicke wert. Langeweile wird hier nämlich kaum zu finden sein. Versprochen.
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filmfan90 Thu, 25 Nov 2010 14:33:58 -0000
Kommentar löschenKurosawas „Nora Inu- Ein streunender Hund“, der in Japan nach seinem Erscheinen geradezu eine Welle von Kriminalfilmen auslöste, ist ein Polizeifilm im Stil der amerikanischen Film Noir.
Dem angehenden Polizisten Murakami wird während der Fahrt in einem überfüllten Bus sein Colt gestohlen. Da Murakami befürchtet, seine erhoffte Karriere könnte wegen dieses Vorfalls in Gefahr geraten, setzt er alles daran, den Dieb zu fassen. Auf der Stelle nimmt Murakami zusammen mit dem erfahrenen Polizisten Sato die Ermittlung auf, doch schon bald werden mit der entwendeten Waffe Gewaltverbrechen verübt…
Nach einer eher schleppenden Exposition begeistert „Nora Inu“ durch eine fesselnde, wendungsreiche Handlung, den geschickten, sehr stilsicheren Umgang mit Elementen des Film Noir und das hervorragende Schauspiel des jungen Toshirō Mifune.
Im Gegensatz zu den amerikanischen Kriminalfilmen der „Schwarzen Serie“ scheut Kuosawa in „Nora Inu“ nicht davor zurück, unbeschönigend und mit geradezu naturalistischer Präzision das Elend und die Kriminalität in den Armenvierteln, Hinterhöfen und Nachtklubs Tokios darzustellen und den Zuschauer mit einer Reihe zwielichtiger Charaktere zu konfrontieren (Prostituierte, Waffenhändler, Psychopathen etc.).
Mit „Nora Inu“ sprengt Kurosawa in gewisser Weise die Grenzen des Genres, da er in seinem Film die Nachwirkungen des Krieges auf die japanische Gesellschaft thematisiert. Yusa, der sich im Verlauf der Handlung als Murakamis Gegenspieler entpuppt, ist das Pendant zu dem jungen, engagierten Polizisten, da beide im Krieg gekämpft haben und sich nach der Niederlage Japans an einem Scheidepunkt bezüglich ihrer weiteren Lebensplanung befunden haben, d.h. zu resignieren und sich der Kriminalität hinzugeben (Yusa), oder einen Beruf zu ergreifen und ein „rechtschaffenes“ Leben zu führen (Murakami); jene Parallelen zwischen dem Protagonisten und dem Antagonisten verdeutlicht Kurosawa bildhaft in dem sehr eindrucksvollen Finale des Films…
„Nora Inu“ steht zu Unrecht im Schatten der Samurai- Filme Kurosawas und verdient es auf Grund der gelungenen Verbindung von kriminalätiologischen, dramatischen und gesellschaftskritischen Elementen als visionäres Werk des Kriminalfilms gewürdigt zu werden.
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