Eine Dame verschwindet

The Lady Vanishes (1938), GB Laufzeit 97 Minuten, FSK 16, Kriminalfilm, Thriller, Kinostart 01.10.1971

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7.3
Kritiker
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5.4
Community
779 Bewertungen
7 Kommentare
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von Alfred Hitchcock, mit Margaret Lockwood und Michael Redgrave

Eine Lawine, die die Bahnschienen blockiert, zwingt die Reisenden des Interkontinentalexpresses in einem Gasthof eines abgelegenen Städtchens im Land Bandrika auf dem Balkan zu übernachten. Dort lernt die junge Engländerin Iris Henderson Miss Froy kennen, eine freundliche ältere Dame, die ebenfalls nach England zurück möchte, und sich als Gouvernante und Musiklehrerin vorstellt. Am nächsten Morgen besteigen die beiden gemeinsam ein Zugabteil. Iris, der am Bahnhof ein Blumentopf auf den Kopf gefallen war, schläft ein. Als sie aufwacht, ist Miss Froy verschwunden. Iris fragt die anderen Passagiere und das Zugpersonal nach ihr, doch alle leugnen, sie je gesehen zu haben. Nur der charmant-freche Volksliedforscher Gilbert Redman, mit dem Iris im Gasthof einen heftigen Streit hatte, glaubt ihr und hilft bei der Suche. Unter den Befragten ist auch der Prager Hirnspezialist Dr. Hartz. Beschwichtigend meint er, alles deute bei Iris darauf hin, dass sie Halluzinationen habe und Miss Froy ihr Fantasieprodukt sei. An der nächsten Bahnstation nimmt Dr. Hartz einen bandagierten Patienten in Begleitung einer Nonne in Empfang. Wenig später sitzt eine fremde Frau in Miss Froys Kleidung in Iris’ Abteil, die angeblich schon mit eingestiegen sein will: Miss Kummer. Doch Iris und Gilbert geben die Suche nach Miss Froy nicht auf. Bald schon vermuten sie, dass die Nonne mit den schicken Schuhen gar keine Nonne ist und der total bandagierte Patient – Miss Froy. Zu ihrer Verblüffung bestätigt Dr. Hartz ihren Verdacht und gesteht sogar, Mitglied einer Verschwörung zu sein und Miss Froy töten zu wollen. Das alles in dem Glauben, dass die Nonne dem Pärchen ein Betäubungsmittel verabreicht habe, was sie nicht tat. So können Gilbert und Iris Miss Froy von ihren Bandagen befreien und gegen Miss Kummer austauschen. Dr. Hartz bemerkt zu spät seinen Irrtum, kann aber seine Gefolgsleute noch anweisen, die drei zu töten. Iris, Gilbert und Miss Froy wiegen sich in Sicherheit, bis sie bemerken, dass der Teil des Zuges, in dem sie und weitere Landsleute sitzen, abgekoppelt wurde. Sie fahren auf einem Nebengleis in ein Wäldchen, wo Militärs und Dr. Hartz auf sie warten. Die Engländer im Zug verbünden sich und leisten Widerstand gegen den Beschuss. Miss Froy weiht Iris und Gilbert in ihre Geheimdienst-Mission ein. Für den Fall, dass sie nicht überlebt, bittet sie Gilbert, sich eine Melodie einzuprägen, die – natürlich codiert – einen wichtigen Punkt in einem Geheimpakt zweier europäischer Länder enthält und dem Foreign Office zugespielt werden muss. Miss Froy entschwindet in den Wald und den anderen gelingt es, verfolgt und beschossen, mit dem Zug zu entkommen und sich nach London durchzuschlagen.

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Cast & Crew

Regie
Schauspieler

Kritiken (2) — Film: Eine Dame verschwindet

Stephan Eicke: www.film-rezensionen.de

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9.0Herausragend

„The Lady Vanishes“ ist eines der großen Highlights aus Hitchcocks filmischem Schaffen. Die Krimikomödie versprüht nicht nur unvergleichlichen Charme durch die Leichtigkeit, mit welcher sie inszeniert wurde, sondern auch auf anderen Ebenen vermag dieser Film komplett zu überzeugen. Wie in einem Kammerstück werden die Personen nacheinander vorgestellt und diese Charaktere sind deshalb derart amüsant, weil sie jeder Zuschauer aus dem realen Leben kennt und sie einem erscheinen wie Karikaturen ihrer selbst, ohne zu bloßen Klischees zu verkommen.

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Kubrick_obscura: CinemaForever

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7.0Sehenswert

Taucht im Vorspann von "Flightplan", diesem abstrusen Jodie-Foster-Vehikel, überhaupt einmal der Satz "Inspired by The Lady Vanishes by Alfred Hitchcock" auf? Ich denke nicht, nur hatte ich öfter ein enormes Deja-Vu-Erlebnis.
Wo aber bei "Flightplan" alles bierernst und in klassischer Thriller-Manier durchgekaut wird, leistet sich Hitch in seinem Suspense-Thriller einen großen Schlag Humor, der vor allem bei der langen Exposition und den erinnerungswürdigen Figuren greift.
Herausragend ist wieder einmal Hitchcocks Verzicht auf jedwede Filmmusik, auf wirklich jede! Selbst On-Musik sucht man bis zum Schluss vergebens. Das konzentriert auf wichtigere Dinge, wie Dialoge und Handlungen und lenkt nicht ab, kittet nichts, was inszenatorisch schief gelaufen sein könnte.
Was Hitch leider anscheinend nicht wirklich drauf hatte, waren wohl Action-Sequenzen. Die "wilde" Schießerei zum Schluss ist nie bedrohlich, oftmals peinlich und überaus unnachvollziehbar. Da hämmern Salven von Schüssen auf frei-stehende Ziele ein und werden nicht getroffen und dann ist es möglich mit nur einem Schuss einen Zugführer durch die Eintrittsluke eines fahrenden Zuges aus hundert-Meter Entfernung zu treffen? Seriously? Die Karriere als Action-Regisseur hat Hitch ja zum Glück nie eingeschlagen.

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Kommentare (5) — Film: Eine Dame verschwindet


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JackoXL

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Community Durchschnitt 5,4? Sehr merkwürdig...
Ich kann an "Eine Dame verschwindet" praktisch nichts aussetzen, im Gegenteil. Der Film enthält alles, was man sonst an Hitchcock so lobt und schätzt. Er setzt natürlich deutlicher auf Humor, das aber auch sehr gekonnt. Während der Einleitung in dem eingeschneiten Hotel hat man fast das Gefühl, eine reine Komödie zu sehen. Dieser Teil dient zur Einführung der Figuren und enthält noch gar keine Elemente eines Krimis. Gar keine Kritik, das gefällt mir schon sehr gut. Hier scheinen noch die beiden schrulligen Engländer mit der ausgeprägten Cricket-Vorliebe wie die eigentlichen Protagonisten, tatsächlich werden sie im weiteren Verlauf eher zu den liebenswerten Sidekicks. Der typische Suspense-Plot von Hitchcock entwickelt sich erst während der Zugfahrt (Schauplatz Zug ist immer toll), wobei der Film seinen humorvollen Ton nie verliert. Gerade diese Mischung ist hervorragend. Es ist spannend, lustig, sehr flott erzählt. Langeweile kann gar nicht aufkommen und den charmanten Figuren werden durchgehend bissige und clevere Dialoge in den Mund gelegt. Der Film trägt Hitchcocks Handschrift unverkennbar, die Inszenierung ist klasse. Man kann dem Film nur selten sein Entstehungsjahr ansehen, der könnte auch aus den 50ern stammen, spricht für den alten Alfred. Der Showdown passt vielleicht nicht ganz ins Gesamtbild, rundet den Streifen dennoch gut ab. Sehr unterhaltsam, gut geschrieben und großartig umgesetzt. In meinen Augen deutlich unterschätzt.

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JackoXL

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Den kenne ich nicht, aber unterschreibe die "kranke Welt" trotzdem. ;)


brigerbaerger

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@JackoXL: Danke wieder mal für den guten Tipp. Der Film wäre wahrscheinlich nie auf meinem Film-Radar aufgetaucht! Hat wirklich Spass gemacht!


RoosterCogburn

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Bewertung6.0Ganz gut

Gemessen am sonstigen Hitch-Output kommt "Eine Dame verschwindet" nicht so gut weg. Inszenatorisch gibt es an dem Film nichts zu mäkeln. Das Darsteller vor Leinwänden agierten oder Miniaturlandschaften für Landschaftsaufnahmen herhalten mussten, das war üblich. Ausserdem hatte man seinerzeit ganz andere Budgets für derartige Filme. Mal ganz davon abgesehen das es sich hier um einen über 70 Jahre alten Film handelt. Gerade die Enstehung dieses Filmes verdient Beachtung. In einer 30 Meter langen Halle, mit einem Waggon, schuf Hitchcock seinen erfolgreichsten englischen Film! Alfred Hitchcock arbeitete viel mit Modellen und Rückprojektionen. Das ist deutlich zu sehen, stört aber nicht.
Der Sprachwitz, die schrulligen Charaktere und der Running Gag mit den beiden Engländern, die sich nur für Cricket interessieren, ist schon einen Hingucker wert. Mein Problem ist letztendlich der Plot selbst und der darin enthaltene Krimi.
1. Drittel: Aufbau der Geschichte, Kennenlernen der Figuren
2. Drittel: Die Dame verschwindet - Nach ihr wird gesucht - Wieso kennt sie keiner?
3. Drittel: Die Dame taucht wieder auf - Rasche Auflösung des 'Warum?' - Showdown

Komische Elemente hin oder her - diese werden auch nur beim geneigten Zuschauer Früchte tragen - letztendlich handelt es sich hier um einen Krimi. Es ist zwar typisch für Hitchcock, daß er das Publikum schon frühzeitig in seine Geheimnisse einweiht. Doch die Spannung funktioniert nicht so gut (wie bei anderen Werken von ihm). Und ich erwarte einen gut funktionierenden Spannungsbogen. Allein die Frage wo wohl Mrs. Froy abgeblieben ist. Jeder aufmerksame Krimileser oder Krimizuschauer hat das schnell raus. Aber Hitch hält sich mit dieser Frage auch nicht ewig auf. Ihm geht es um andere Dinge. Das 'Warum?'! Genau das kommt hier letztendlich zu kurz. Die Antwort des 'Warum?'. Stattdessen wird dem Zuschauer ein bleihaltiges Showdown serviert.

Man könnte diesen Film auch als Krimi- oder Spionagekomödie bezeichnen. Allerdings wäre letzteres schon ein Spoiler in sich. Apropo Spoiler: Seit wann gibt denn Moviepilot den kompletten Inhalt hier preis? Ist mir bei diesem Film aufgefallen. Fehlen nur noch die letzten 10 Minuten dann steht dort der komplette Film in der Inhaltsangabe!!! [Soll Leute geben, die den noch nicht kennen. Ich mein ja nur.]

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juergen-schulze

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Erstaunlich gelungenes Frühwerk, das immer noch erfrischend aktuell und unterhaltsam ist.

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kampfgnomus

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Der gute alte Hitch war einfach ein Garant für Unterhaltung in Reinform. Schade, dass seine englischen Werke heute nicht ganz so viel Aufmerksamkeit bekommen, wie die amerikanischen, denn „The Lady Vanishes“ zum Beispiel ist spritzig, lustig, atmosphärisch und selbstverständlich fehlt auch die Suspense nicht. Diese tritt hier aber eher in den Hintergrund. Oft ein wichtiger Bestandteil in Hitchcocks Filmen, so wird hier doch eindeutig dem komödiantischen Anteil der Vortritt gelassen, sei es bei den Dialogen oder den Kämpfen. Bei letzteren ist man sich teilweise nicht ganz so sicher, ob das nun witzig gemeint war oder heute einfach nur so wirkt. Irgendwie auch egal, solange man sich an sowas nicht stört. Plotmäßig bleibt es durchaus simpel, auch wenn einige Überraschungen drin sind. Es dreht sich um die titelgebende alte Dame, die auf einer Zugreise verschwindet und von der keiner, außer einer Frau, der niemand glaubt, etwas gesehen haben will. Das wirkt vor allem heutzutage sehr vertraut. Allein in Hitchcocks Filmen sind es häufig die „ganz normalen Menschen“, die rein zufällig in solche Handlungen gerissen werden. Hier wird jedoch anfangs gar nicht klar, wer denn nun überhaupt die Hauptperson sein soll, denn die Masse an Charakteren, die alle sehr keck in den ersten Minuten eingeführt werden, ist schon beachtlich. Manche werden im Folgenden fallen gelassen, andere entwickeln sich weiter. Natürlich kann man die Figuren und eben jene Entwicklungen (ungehobelter Frechdachs wird zum Sympathieträger) heute allesamt als Stereotypen abtun - doch wozu, wenn der Film doch einfach prächtig unterhält? Geboten wird ein Cocktail, nicht für eine Leiche, sondern aus verschiedenen Genres, den man heute nur noch selten vorgesetzt bekommt. Doch nie ist man überfordert, für mich stand klar die Unterhaltung im Mittelpunkt und genau das war es, was Hitchcock verstanden hatte. Inszenatorisch war er für seine Zeit eh über jeden Zweifel erhaben. Und das super umgesetzte Zugsetting ist mir sowieso mehr als sympathisch.

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filmschauer

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Ich mag Hitchcocks oftmals beißenden Humor. Und darum gefällt mir auch seine Krimikomödie "Eine Dame verschwindet", der vorletzte Film, den er vor seiner USA-Zeit in Großbritannien gedreht hatte, so gut. Die Suche nach der merkwürdigen Miss Froy in einem Zug bereitet dem Zuseher wirkt noch heute schwungvoll inszeniert, besonders nachdem Hitchcock die diversen schrulligen Charaktere wie die beiden köstlichen Cricket-Fans vorher im Hotelanwesen wunderbar eingeführt hat. Es gleicht fast einem Ensemble-Film, wenn zeitweise jeder den Zug auf den Kopf stellt und man irgendwann selbst nicht mehr weiß, wer hier überhaupt noch den Durchblick hat. Ein herrlich absurdes Original-Drehbuch gepaart mit guten, wenn auch noch nicht genialen Hitchcock-Regieeinfällen machen "Eine Dame verschwindet" zu einem sehr unterhaltsamen Verschwörungsfilm, der sich hinter den großen Meisterwerken des Master of Suspense keineswegs verstecken braucht.

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