Elle - Kritik

Elle

BE/DE/FR · 2016 · Laufzeit 126 Minuten · FSK 16 · Drama, Thriller · Kinostart
Du
  • 8

    Elle platzt auch mit dem mehrfach offenen Ende als Thriller wie eine Seifenblase. Als Porträt einer außergewöhnlichen Frau ist er ungemein spannend. Regisseur Paul Verhoeven, selbst mit einer sehr wechselhaften Karriere gesegnet, legt hier nebenbei die Verbindung zu Hupperts Die Klavierspielerin. [Günter H. Jekubzik]

    • 8

      Inszenatorisch erinnern der Soundtrack und der Spannungsaufbau an die Atmosphäre klassischer Hitchcock-Filme, die bürgerlichen Rituale und familiären Kleinkriege hätte Claude Chabrol nicht besser einfangen können [...]. [Alexandra Wach]

      • 8

        Die kleine Gigantin Isabelle Huppert nimmt uns mit auf den Drahtseilakt ihrer großartigen Performance. [Katja Nicodemus]

        • 8

          Wer im Kino überrascht werden will, sollte sich Elle nicht entgehen lassen, weil [...] Verhoeven mit seiner brillanten Schauspielerin tollkühn mit den gesellschaftlichen Konventionen bricht. Der Niederländer liefert einen Thriller ab, der fast schon grotesk anmutet, gänzlich unmoralisch und unvorhersehbar ist und sich in keine Kategorie pressen lässt. Wenn überhaupt, dann in diese: außergewöhnlich. [Heidi Reutter]

          • 8

            Ein Vergewaltigungsdrama, das zugleich märchenhaft und unterhaltsam ist: Wie Isabelle Huppert und Paul Verhoeven Elle, den erstaunlichsten Film des Jahres, gemacht haben. [Hannah Pilarczyk]

            • 8

              Paul Verhoeven meldet sich mit dem packenden Thriller Elle fulminant zurück. Isabelle Huppert brilliert darin in der Rolle einer Frau, die ihren Vergewaltiger aufspüren und Rache üben will. [Patrick Straumann]

              • 9

                Zehn Jahre nach »Black Book« meldet sich Paul Verhoeven endlich wieder mit einem neuen Kinofilm zurück. Eine von Isabelle Huppert grandios verkörperte Unternehmerin wird in ihrer Villa vergewaltigt und lässt sich daraufhin auf eine Affäre ein. Dabei verschwimmen außer der Grenze zwischen Opfer und Täter auch die Genres. In »Elle« wird der Thriller zur bitterbösen Gesellschaftssatire. [Sascha Westphal]

                • 7

                  [...] Elle bedient schon früh typische Elemente des Rape-and-Revenge Genres, beginnt erwartungskonform mit der notwendigen Vergewaltigung und lässt diese im weiteren Verlauf omnipräsent im Zentrum des Films verweilen. Der Erwartungshaltung des Zuschauers verweigert sich Verhoeven jedoch konsequent und so kommt es im Fortgang immer seltener zu bekannten Momenten. Schnell findet der Film seine eigene Struktur, die in ihrem Kern von der aufopfernden Darstellung Isabelle Hupperts getragen wird und so werden simplifizierte Genreklischees konsequent zu einem vielschichtigen Diskurs umgeformt. Denn nach der einleitenden Vergewaltigung, die wie so viele Momente des Films mit beachtlicher Intensität inszeniert wurde, senkt sich beinahe ein bedächtiges Schweigen über die, so scheint es zumindest, gedemütigte Michele. Die Spuren werden schleunigst beseitigt, die Polizei bleibt uninformiert und sie setzt ihr alltägliches Leben als Kopf einer Videospielfirma fort. Lediglich unter ihrer Oberfläche scheint es zu brodeln, vor Ärgernis, Wut und Scham…aber auch vor Erregung. Nicht viele Darstellerinnen sind zu solch subtilen und anspruchsvollen Emotionen fähig, doch Huppert meistert die Herausforderungen des Films gewohnt mühelos und verkörpert eine äußerlich selbstsicher, aber innerlich verunsicherte Frau, die von den zahlreichen Herausforderungen des Lebens verschluckt zu werden droht. Darüber hinaus behandelt Elle eine Vielzahl an Themen, die es lohnen den Film mehrmals zu sehen und durchaus zu ausgiebigem Diskussionen einladen. [...]

                  10
                  • 8 .5

                    Eine brillante, pointierte Gesellschafts-Satire ist Paul Verhoeven mit Elle gelungen. [Michael Meyns]

                    • 8

                      [Elle ist] ein Meisterwerk von charmanter Perversität. [A. O. Scott]

                      • 8

                        [...] In seinem ersten französischsprachigen Film macht er wieder einmal genau das, was niemand vermuten würde, unterläuft vertraute Sehgewohnheiten mit einem schelmischen Grinsen und zerlegt ein Genre in seine Einzelteile, um sie nach eigenem Belieben wieder zusammenzupuzzeln, damit dadurch ein völlig neues, ungewohntes Bild entsteht. Aufgrund des anfänglichen Vorfalls könnte Elle als typischer Vertreter des Rape-and-Revenge-Subgenres eingeordnet werden, doch Verhoeven schlägt sofort eine neue Richtung ein. Um einfache Rache geht es hier zu keinem Zeitpunkt, viel mehr entwickelt der Regisseur seine Hauptfigur als unglaublich vielschichtige, komplexe Frau, die sich gängigen Standards und Kategorisierungen strikt verweigert. Das Bild des armen Opfers, das Gerechtigkeit anstrebt, durchkreuzt Michéle bereits am nächsten Morgen nach ihrer Vergewaltigung. Als Chefin einer Firma, die Videospiele entwickelt, gibt sie ihrem Team die Anweisung, dass die Zuckungen der Spielfigur, die in einer Zwischensequenz durch Tentakel eines monströsen Orks geschändet wird, noch orgiastischer und somit authentischer aussehen sollen. Durch die komplizierte Verwicklung in ein dysfunktionales Geflecht aus problematischen Familienmitgliedern, darunter eine Mutter, die sich regelmäßig mit deutlich jüngeren Männern einlässt, ein Ex-Mann, der sich ihr immer wieder annähert und ein Sohn, der sein Leben kaum auf die Reihe bekommt und vom Geld der Mutter abhängig ist, einem schockierenden, tragischen Ereignis aus ihrer Kindheit und flüchtigen Affären mit dem Ehemann ihrer besten Freundin und Firmenpartnerin wird Michèle immer stärker zu einem undurchsichtigen Mysterium. Das mit grandioser Schärfe konstruierte Drehbuch von David Birke (13 Sins), in dem abgesehen von der Hauptfigur selbst kleinere Nebencharaktere schlüssig gezeichnet sowie stimmig in den Handlungsverlauf eingepasst werden, verwandelt Elle zu einem fesselnden Drama, bei dem man jede neu entblößte Wesensfacette von Michèle neugierig in sich aufsaugt, während viele Szenen in den ersten zwei Dritteln unentwegt von einer äußerst unterschwelligen Bedrohung geprägt sind. Diese Atmosphäre rührt daher, dass die Identität des Vergewaltigers nicht nur unklar ist, sondern dieser Michèle durch vulgäre Nachrichten belästigt und einen weiteren Angriff zu jedem Zeitpunkt wahrscheinlich werden lässt. Dass Verhoevens Film im letzten Drittel, nach einer weiteren überraschenden Wendung sowie frischen, irritierenden Verwunderungen, nicht endgültig zur überzogenen Satire verkommt, liegt dabei an der sensationellen Hauptdarstellerin. Die großartige Isabelle Huppert (Süßes Gift) lässt Michèles Gesichtsausdrücke zu Landschaften werden, in denen man sich wieder und wieder verlieren kann und die einen nach der Sichtung nicht so schnell loslassen werden. Wie Huppert ihre vom Schicksal gebeutelte Figur als unerschütterliche, unangepasste sowie wahrlich standhafte Kämpferin verkörpert, die nach dem Vergewaltigungsakt, der so etwas wie der letzte Tropfen auf den heißen Stein war, beschließt, in ihrem Leben endgültig das Steuer an sich zu reißen, entspricht der Leistung einer denkwürdigen Schauspielerin von Weltformat, zu der sie sich völlig zurecht zählen darf. [...]

                        17
                        • 8

                          [...] Verhoeven wandert zwischen den Individuen, wie sich zudem Nervenkitzel und Erdung im inszenatorischen Ballett abklatschen, speziell den Reiz des Eindringens auf privater wie intimer Ebene durch vielerlei Kontexte definieren. Für alle Fantasien und Wahrheiten finden sich hier gemeinsame Nenner, bis man die Furcht per Wink vom Fenster aus einlädt. Die Sterblichkeit wird zum Freund und das Leben zur Last, Wechselwirkungen und Widersprüche bestätigen die Regel. Doch Regeln und Rollen können in Verhoevens Film nicht weniger festgelegt sein, wie auch das angedeutete Spiel mit den Klischees zu Pointen transformiert wird, potenzielle Intentionen des Öfteren ins Gegenteil verkehrt werden, ohne dem Innern des Ensembles dafür die Spannung nehmen zu müssen. Der Menschenkenner am Enthemmen und Selbstbewusstsein des Schocks weiß um die Überflüssigkeit der Kompromisse, weshalb es an Direktheit selten mangelt, an der Erkenntnis kollektiver Geheimnisse aber auch zur Wahrheit ohne Eindeutigkeiten kommt. [...]

                          7
                          • 9

                            ""Elle" markiert eine fulminante Rückkehr zu Verhoevens Kino der dunklen Obsessionen, das so verführerisch provokativ wie beißend sarkastisch ist. Obwohl der auf einem Roman von Philippe Djian basierende Film streckenweise wie ein klassisches Genrestück funktioniert, zeichnet sich schnell ab, dass er sich ebenso gerne von bewährten Erzählmustern löst." [Michael Kienzl]

                            • 8 .5

                              Was an Elle so erstaunlich ist, ist die Art und Weise wie Paul Verhoeven seinem Stil und seiner Weltanschauung etwas typisch französisches gibt, inklusive mehreren Liebhabern, Familienkrisen und schrecklichen Eltern. [Jordan Mintzer]

                              • 8

                                Seine politisch inkorrekte Darstellung eines Vergewaltigungsopfers wird sicherlich kritische Abhandlungen provozieren und Twitter-Aktivisten in Aufuhr versetzen, auch wenn der Film die Erwartungen von denen, die dringend wieder einen Verhoeven-Schuss brauchen, erfüllen und sogar übertreffen sollte. [Steven Zeitchik]

                                • 8 .5

                                  Das risikoreiche Material von Elle belohnt den Zuschauer auf unerwartete Weise. Das bemerkenswerte Missbrauchs-Rache-Drama ist ein Karriere-Hoch für Paul Verhoeven. [Guy Lodge]

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