Epidemic

Epidemic (1988), DK
Laufzeit 106 Minuten, FSK 12, Horrorfilm, Drama, Kinostart 12.05.2005

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- Kritiker
1 Bewertungen
Skala 0 bis 10
6.6 Community
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von Lars von Trier, mit Svend Ali Hamann und Claes Kastholm Hansen

Eineinhalb Jahre arbeitet das eingespielte Produktionsduo Lars von Trier (Regisseur) und Niels Vørsel (Drehbuch) – das sich hier selbst spielt – bereits an einem Drehbuch, als es durch eine Computerpanne versehentlich gelöscht wird. Bis sie ihrem Produzenten ein vollständiges Skript auf den Tisch legen müssen, bleiben ihnen aber nur noch fünf Tage Zeit. Anstatt sich die Geschichte mühsam aus den Erinnerungsstücken zu-sammenzuschreiben, entscheiden sich die Beiden deshalb dazu, einen komplett neuen Film zu konzipieren. “Epidemic” ist der zweite Film der Europa-Trilogie, die Lars von Trier mit “The Element of Crime” begann und mit “Europa” vollendete.

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Kommentare (8) — Film: Epidemic

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Trimalchio

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Ein Film muss wie ein Steinchen im Schuh sein. Und wie eine zweifarbige Zahnpasta, die erst wenn sie geöffnet wird, das ist, was sie sein soll.
Der zweite Teil der Europa-Trilogie ist beides, zugleich unterscheidet er sich deutlich von den beiden anderen Teilen der Reihe und ist Triers am schwersten zugängliches Werk. Er zeigt hier zwar wie in The Element of Crime und Europa die Geschichte des hoffnungslosen Idealisten, der am Ende zu Grunde geht, was aber nur am Rande und meist in Beschreibungen abläuft. Der Hauptteil ist hingegen von der relativ witzigen, zynischen und schockierenden Entstehungsgeschichte des Films Epidemic belegt und wird immer wieder von kurzen Sequenzen des sich im Entwicklungszustand befindlichen Films beschrieben. Trotz der Schwierigkeit, diese beiden Elemente sinnvoll ineinander zu verweben, gibt sich Trier hier keine Blöße und liefert eine gewohnte narrative Höchstleistung ab. Interessant auch wieder die Symbolik und Sätze die fallen. Als der Producer am Ende ein actionreiches, blutiges Finale fordert, antwortet Trier sinngemäß:
Die Leute sterben aber nicht auf der Leinwand.
Eine Aussage, die fast ein Vierteljahrhundert später Realität werden soll.

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JimiHendrix

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Ein absolut schädeldeckenöffnender Unfilm, welcher sich anfühlt als bekommt man Lachgas und ein leeres zerknülltes Blatt Papier in den Hirninnenraum gefüllt. Von Triers Filmidee ist unverschämt und dessen Umsetzung ist krank, aber es gab genügend herrliche Momente, in welchen ich Tränen speiend gelacht habe, die den Film legalisieren, ja sogar zu eine filmische Sichtungsnotwendigkeit werden lassen.

Zuerst einmal danke an das Deutsche Filmmuseum/ Frankfurt am Main, dass ihr eurem Bildungsauftrag nachgekommen seid und diese kleinen Juwelen im Kino zu humanen Preisen zur Vorführung bringt!

Ja was soll ich sagen, bis jetzt der früheste Film von Lars von Trier, denn ich bisher sehen durfte und ich bin - wie auch schon gewisse Leute prophezeit haben - nachhaltig begeistert von der Machart dieses Improvisationskunstwerks.
Wenn es sich tatsächlich durch solch unglückliche Umstände so zugetragen hat, dass auf die schnelle ein neues Drehbuch aus den Ärmeln geschüttelt werden müsste, empfände ich das Endergebnis als äußerst irrwitzig, wenn nicht größenwahnsinnig.

Es gibt so viele humorvergewaltigte Szenen und aus jeder lässt von Trier erbarmungslos ein kleines Missgebildetes Kind entstehen, es sieht lustig aus, man lacht, aber eigentlich ist der Anblick dieses kleinen degenerierten Erdings widerlich-verstörend und führt zu allgemein gültiger Verwirrung.

Eine der witzigsten in Groteskheit getauften Szenen des Films, ist für mich der kleine Exkurs von Niels Vørsel, als er Lars davon berichtet, welche Methoden er zur Anwendung brächte, um das Lebensgefühl einer anderen Stadt in einem anderen Land mit all seinen diversen Facetten einzufangen. Er erzählt, wie er sich als tennagender Junge von 16 Jahren ausgibt und eine Interessenanzeige startet. Sodann erhält er auch gleich Antwortbriefe - meist von mitteilungsbedürftigen pubertären Mädchen, welche durch ihre Zimmerisolation ganz wuschig auf fremdländischen Kontakt sind - in welchen sie sich in ihren Interessensbekundungen wälzen und willig Persönliches von sich preiszugeben versuchten, wie zum Beispiel das Mitsenden einer eigens für ihn besungenen Kassette.
Eine obskur traumhafte Einstellung folgt: Niels bekommt einen Fachflash und redet weiter auf Lars ein, den das Ganze nicht sonderlich zu interessieren scheint. Er guckt während dessen in den Badspiegel und hommagiert "Taxi Driver": "Are you talking with me?"
Im Hintergrund läuft Lautstark das Geplärr des Mädchens aus dem Brief. Meine Lachmuskeln waren schnell in Vollbeschäftigung, ob dieser kaputten Szenerie die mir dort großleinwändig entgegen strahlte. Doch muss man es leibhaftig erlebt haben, um zu verstehen, was an dieser Sequenz jetzt so lustig gewesen sein sollte.
Solch amokeskhumorige Momente hatte der Film einige Male, dafür werde ich Lars von Trier immer dankbar sein und unterwürfigst meine Huldigung erweisen.

Den dänischen Regisseur mal höchst selbst vor der Kamera zu sehen, empfand ich als äußerst positiv und es stellte sich für mich sofort die Frage, warum er nicht Öfter als Protagonist mitwirkt, denn er machte eine fabelhafte Figur. Ein wirklich fescher Typ, im schnittigen Smoking mit Fliege hätte er glatt den etwas anderen Bond spielen können.

Auch Niels Niels Vørsel gab eine lustige Erscheinung ab, vor allem sein Lachen hatte die Lizenz zum Anstecken. Mit der obligatorischen Bierflasche an der Schreibmaschine sitzend, war auch er immer offen für neue impulsiv versprühte Ideen.

Udo Kiers erster Auftritt in einem Film von Lars von Trier wirkte auch sehr nachhaltig, nicht Kier kommt zum Vorstellungsgespräch nach Dänemark, sondern kurzerhand fahren Niels und Lars nach Deutschland runter in den kohledurchtränkten Ruhrpott, um Udo Kier in seiner Kölner Wohnung aufzusuchen, damit er sich bei den Beiden Dänen herzausschüttend entleeren konnte.

Der ganze Film wurde in einer schwarz-weiß Optik gehalten und bietet großartige Einstellungen unterlegt mit einem düsteren Richard Wagner.
Auch das Abspannlied - von Trier komponierte es eigens für diesen Film - lässt einen mit einem breiten Grinsen und einem leicht geisteskranken Unterton aus dem Sessel aufstehen, in dem freudigen Bewusstsein, dort etwas Besonderes gesehen zu haben, in jeder Hinsicht. Prädikat: „Vorsicht, speziellhumorig!“

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BigDi

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"Sie war 14...sah aber mindestens aus wie 26. Und sie hatte so einen schwarzen Schnurrbart..." Einfach nur großarri. :D


JimiHendrix

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@bigdi: jaaa stimmt, hab ich ganz vergessen, aber wie schon gesagt, das kommt halt im film einfach viel besser rüber xD


Acry

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Bewertung7.5Sehenswert

Dafür, dass man es hier mit einem Lars von Trier-Film zu tun hat, gibt es erstaunlich viele lustige Momente und man bekommt einen durchaus inspirierenden Einblick in die Methodik des spontanen Drehbuchschreibens.
Für Fans ein Muss und auch sonst ist „Epidemic“ schon allein wegen seines beschwingten Abspannsongs einen Versuch wert.

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Acry

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jaja, warte mal ab, bis dir sowas passiert :D dann findest du das nicht mehr lustig^^


JimiHendrix

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also ich schlürf mein latte immer in wachem bewusstseinszustand, aber es soll ja auch leute geben, die während oder nach dem genuss der latte ohnmächtig werden.


BigDi

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Bewertung9.0Herausragend

Irgendwo zwischen Kaufman und Schlingensief und doch ganz und gar Lars, wie er lebt und schafft.
"Epidemic" stellt die Frage, wie weit man gehen darf, wenn man echten Schmerz mit der Kamera einzufangen versucht - doch von Trier beantwortet diese Frage (wenn auch auf einer etwas anderen Ebene) erst in "Melancholia" endgültig.
Doch als bitterböses, zynisches und letzten Endes nicht bloß schockierendes, sondern schockiertes Zwischenspiel des Dänen ist "Epidemic" wahrlich Gold wert.
Sein Konzept wäre ein perfektes für das Filmdebüt eines ganz besonders alternativen Regisseurs, der all seine Jugend und Alternativität auf die Leinwand klotzen wöllte, oder auch ein perfektes Alterswerk eines, der mit den Jahren selbst die Lust an seinem Werk verloren hat - doch "Epidemic" ist Nummer Zwei und greift somit in die Vergangenheit wie die Zukunft.
Als tabuloses Experiment außer Kontrolle und als Neuerfindung zur falschen Zeit.
So meta wie kein zweiter von Trier und mit dem - hier gar nicht mehr erwarteten - Augenzwinkern in einer Form, die später in "Breaking the Waves" ihre Vollendung fand.
Und so doppelt- und dreifach-selbstreflexiv wie es "Idioterne" später sein sollte.
Und so offen komisch wie kein anderer von Trier-Film danach.

Was passiert, wenn aus der schmerzhaften Wirklichkeit Film wird, weiß (oder ahnt) man - doch was passiert, wenn aus einem Film Wirklichkeit wird?
Die Antwort zielt in den Magen und trifft mit voller Wucht, aber hey, hey, hey, nicht vergessen:
"Epidemic - we all fall down - epidemic - - epidemic - we all fall down - epidemic - - epidemic - we all fall down - epidemic - - epidemic - we all fall down!"
Auf Lars war eben damals schon Verlass.
(bin seit Langem nicht mehr so gut gelaunt aus einem Kino gekommen)

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BigDi

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Es braucht keine anderen Lieder, solange es dieses gibt!
Okay, noch "Doitschland schafft sich ab" von K.I.Z., aber die beiden langen für ein Universum. ^^


suicidefantasy

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ICH WILL IH SEHEN!!!


Jack_Torrance

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Bewertung7.5Sehenswert

Die von eXonic angesprochene Thematik - der Kampf für das Wohl der Menschheit, die die drei Filme der Europa-Trilogie vereint, ist im Gegensatz zu den beiden anderen Teilen der Trilogie (Element of Crime, Europa) nur eine Randerscheinung. Vor allem geht es in "Epidemic" um das innere Leben eines Künstlers. Alltägliche Erlebnisse und Gefühle werden filmisch verarbeitet.
Diese Thematik hat Lars von Trier sehr geschickt umgesetzt. Anfangs beobachtet man angeheitert die beiden Künstler bei ihren Taten, hört interessiert dem um seine Mutter trauernden zu und spürt immer wieder eine ironische Distanz zu den Charakteren. Aber allein schon der fast den ganzen Film über kursierende Titel "Epidemic" verheißt nichts gutes. Die beängstigende und grauenerregende Schlussszene legt dar, wie weit ein Künstler gehen kann, aber nicht darf. Ganz feines Stück Kino !

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Jack_Torrance

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Wie zum Beispiel (das Psycho-Duell mit Kinski mal weggelassen) ?


stalker

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http://www.moviepilot.de/movies/herz-aus-glas


eXonic

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Bewertung5.5Geht so

Auf den ersten Blick ist Lars von Triers zweiter Teil der Europa-Trilogie ganz anders als sein Vorgänger und Nachfolger. Brillierte diese beiden noch mit ihrer visuellen Schönheit, kommt Epidemic in Dogma-ähnlichem Low-Budget Gewandt daher und ist sicherlich auch eines der sperrigsten Werke in von Triers Filmografie. Wer genauer hinsieht kann jedoch inhaltliche Parallelen feststellen. Abgesehen davon, dass alle Teile mit dem Buchstaben „E“ beginnen, kämpft auch hier ein Idealist für das Wohl der Menschheit, stößt auf viele Hindernisse und erleidet ein Ende wie in den beiden anderen Teilen der Trilogie. Auch das Thema der Hypnose wird wieder aufgegriffen, wenn auch am schlechtesten aller drei Filme in der Story integriert, dafür aber am intensivsten und beängstigten.

Bis auf eben die Hypnose-Szene gibt es jedoch kaum Höhepunkte und Langatmigkeit ist schon fast die dritte Hauptdarstellerin. Schade, denn sonst fühlte ich mich immer so mitgerissen von von Triers Werken und an die Atmosphäre eines Element of Crime oder der Spannung eines Europa kommt diese Pseudo-Dokumentation lange nicht heran.

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dbeutner

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Fällt mir schwer, den Film zu bewerten, was nur heißt: 8 oder doch eher 9 oder drüber? Ich bleibe mal bei 8, da ich zunächst keineswegs begeistert war. Total interessant, wie sich Pseudo-Doku (wie ein Film entsteht, und selbst das hat starke Referenzen auf die wirkliche Entstehungsgeschichte) und Teile dieses (gedachten) Films abwechseln, die Schlauheit von Lars von Trier kommt immer wieder geballt rüber, aber zugleich ist der Mensch auch sooo sympathisch. Trotzdem ist es so experimentell, dass es sich beinahe mitunter etwas "zieht". Zum Ende hin gipfelt das ganze aber in einer Szene, die ich als eine der besten Filmminuten überhaupt bezeichnen möchte, zumal, wenn man weiß, /wie/ sie entstanden ist. Großartig, beängstigend, subversiv.

"Spaß" macht das Ganze auch, da man viele, viele Dinge sieht, die später bei "Geister" wieder aufgegriffen werden. Schon von daher sollte man "Geister" entweder gut kennen oder anschließend sehen (was sich immer lohnt), damit man noch mehr aus diesem Streifen gewinnt.

Und das MakingOf bitte auch nicht entgehen lassen, wie schon bei "Element of Crime" geradezu das Salz in der Suppe.

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Kubrick_obscura

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Bewertung6.0Ganz gut

Eigenartiger Film-Doku-Mix von Lars von Trier. Sollte ein Beweis sein für wie wenig Geld man einen Film drehen kann. Tarkovsky-Zitate am laufenden Band, belanglose Unterhaltungen, ein aufwühlendes Gespräch mit Udo Kier und ein Hypnose-Experiment, dass außer Kontrolle gerät.

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