Es ist schwer, ein Gott zu sein - Kritik

Trydno byt bogom / AT: Hard to Be a God

RU · 2013 · Laufzeit 177 Minuten · FSK 16 · Science Fiction-Film, Drama · Kinostart
Du
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    longus69 01.05.2017, 17:42 Geändert 01.05.2017, 18:25

    Die zweite Interpretation der genialen Grundidee... allerdings nur noch rudimentär, so dass die Kenntnis der Erstverfilmung äußerst hilfreich ist....

    Wenn dass das finstere Mittelalter war, dann hätte ich gerne Kevin Costner als Robin Hood darin gesehen...;-)

    Dieser Höllensturm zwischen Breughel und Bosch aus Scheisse, Blut und Schnadder entwickelt einen Bann der allerdings mit einer Handlung nichts mehr zu tun hat...

    Der erste "Film" nach dem ich unbändiges Verlangen hatte zu duschen...

    Ein filmisches Menetekel ohnegleichen !?

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      Erschlagen....

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        slangbanger! 02.01.2017, 22:01 Geändert 02.01.2017, 22:02

        Aleksey Germans "Trydno Byt Bogom". Das sind Bilder, die man so schnell nicht wieder vergisst. Und damit sind keine kotverschmierten Fratzen gemeint, sondern beispielsweise direkt die erste Szene sieht aus wie ein monumentales Gemälde. German spielt ganz offensichtlich mit gefühlt unendlich vielen Details und irgendwie wird man die, sich teils wiederholenden Bilder nicht leid. Inmitten minutenlanger wundervoller Plansequenzen verewigen sich dreckige, radikale Bilder und denkwürdige Choreographien. Der dreckigste Film, den ich bis dato gesehen habe. Und das sicherlich nicht zum letzten Mal.

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          Flowrider 22.09.2016, 14:01 Geändert 21.08.2017, 14:35

          In gewissem Sinne hat man es bei ES IST SCHWER, EIN GOTT ZU SEIN mit der gelungensten Literaturverfilmung aller Zeiten zu tun. Aleksey German erzählt die Vorlage nicht noch einmal nach (so wie es im Mainstreamkino Gang und Gebe ist), sondern liefert lediglich die Bilder dazu. Und genau das ist eben der springende Punkt. Film im ursprünglichsten Sinne (und das müssen viele heutige Filmemacher vergessen haben) ist ein audiovisuelles Kunstwerk. Eine Art Brückenschlag zwischen Literatur und Bildkomposition.
          In diesem Sinne: Willkommen in Arkanar! Willkommen in einer Welt aus Schlamm, Qualm und Unrat.

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            Kurz gesagt, wer bei "russischer Arthausfilm" die Augen verdreht sollte gleich mal Abstand nehmen. Denn das hier ist selbst für Freunde der schweren Kost ein ziemlich hartes Brot. Zumindest ein Unikat, soviel is sicher. So, nun hatte ich 3 Stunden "Batman und Superman" und dann 3 Stunden das Ding hier, das gibt jawohl ne Tapferkeitsmedaille oder nich ?

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              Einige haben es bereits entdeckt, hier aber trotzdem noch einmal das Update meines vorherigen Kommentars. Die angekündigte Kritik ist nun endlich fertig und ich hoffe, dass sich einige dahin verirren werden. Es lohnt sich!

              http://www.moviepilot.de/news/odyssee-im-mittelalter-174622

              Viel Spaß beim Lesen.

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                MurmelTV 27.05.2016, 01:40 Geändert 27.05.2016, 13:47

                Nun zum zweiten Mal gesichtet, nachdem ich zumindest etwas mehr in der Handlung des Romans drinsteckte (dank der ebenfalls starken deutschen Verfilmung von Peter Fleischmann; der Roman selbst ist bestellt und wird demnächst ebenfalls gelesen).

                Fazit: Ich bin noch ein wenig begeisterter, als schon nach meinem ersten Trip in diese abartige Welt des Drecks. Ein gewaltiger Beitrag meiner Seits - wohl in Forme eines Blogartikels - wird (voraussichtlich) Anfang Juli folgen. Ich bin gespannt, wie und ob mir das gelingen wird.

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                • 6 .5

                  Sperrig, unfassbar, gigantisch, anstrengend, episch, dreckig...
                  Ob „Es ist schwer, ein Gott zu sein“ nun der bedeutendste russische Film des 21. Jahrhunderts oder in seine Hybris gescheitert ist, sei mal dahin gestellt. Auf jeden Fall ist er eine steinharte Nuss, ein rebellischer Akt, ebenso faszinierend wie irritierend. Als eine Anti-These zum zeitgenössischen Unterhaltungskino (und auch Arthauskino) wirkt er in seiner Seherfahrung mehr als quälend. Vielleicht bin ich aber auch nur zu sehr in den typischen Erzählkonventionen des Unterhaltungsfilms verhaftet, kann die Genialität dieses Werkes deshalb nicht genügend (ein-)schätzen. Denn scheinbar benötigt das Anschauen eine Bedienungsanleitung (wie das Beiheft der DVD -ironisch- propagiert) um dieses depressiv-nihilistische Opus Magnum zu ertragen.
                  Von unverbesserlichen, ehrgeizigen Perfektionismus getrieben möchte Regisseur Aleksei German über das kollektive Bewusstsein der russischen Seele erzählen. Dazu lässt er uns in die finstere, hoffnungslose Mittelalter-Welt eines Planeten eintauchen. Wir folgen einem Mann, der die vielleicht vormals idealistische Mission hatte als (unerkannter) Außerirdischer von der Erde, die Geschicke eines irdisch ähnlichen Mittelalter-Planeten zu lenken, der von Niedertracht, Gewalt, Brutalität geprägt ist, wo Intellektuelle verfolgt werden. Irgendwo auf dem Weg zu seinem Gotteskomplex ist er aber verloren gegangen.
                  Die Neuinterpretation der Kult-Utopie von den Romanautoren Strugatzkis hatte eine äußerst schwierige Produktionsgeschichte, erblickte nach 45 (!) Jahren 2013 das Licht der Kinowelt. Regisseur German erlebte die Premiere nicht mehr, er verstarb kurz vorher. Losgelöst von den banalen Erzählkonventionen des Mainstream-Kinos wird die Handlung eher durch (kryptische) Dialoge vorangetrieben. Die beobachtende Kamera erschafft absichtlich unschöne, grotesk-humoristische Bilder, taucht in ein unfassbar penibles, naturalistische Set-Design ein, eine ganze Burg-Stadt, die nur so aus Fäkalien, Kotze, Qualm, Schlamm und Matsch vor sich hin stinkt. Wie der Protagonist des Films fällt dem Zuschauer es nicht leicht diesen Gestank aus Verfall, Rotze, Scheiße, Schmutz und Dreck abzuwischen, so intensiv kriecht er in jede Pore.
                  Der Film kann als eine monströse Parabel, als ein düsterer Faschismus-Kommentar über den Verfall Russlands gesehen werden, oder auch nicht. Er kann auch als eine metaphysische Studie über die Allgegenwärtigkeit des Todes, Grausamkeit des Lebens gesehen werden, oder auch nicht. Der Anti-Held sucht im Film ständig nach Antworten, so wie der Zuschauer auch. Am Ende stehen mehr die Fragen im Raum, der Betrachter ist ebenso erschlagen wie der Held, dem man fast 3 Stunden rastlos und ratlos durch diesen Irrsinn gefolgt ist.
                  6,5 Furunkel am Arsch der Filmgeschichte.

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                    "Es ist schwer, ein Gott zu sein" bewegt sich wagemutig auf Ebenen, die von sämtlichen anderen Filmen gemieden wird. Ein einzigartiger Erzählstil, bei dem die Nebenhandlungen in den Vordergrund rücken und die Hauptgeschichte tragen, welche wiederum nichts weiter als einen Persönlichkeitskonflikt des Protagonisten darstellt.
                    Eine schockenede Symbolik, da kaum eine Szene ohne Blut, Fäkalien, übertriebener Sexualität oder sonstigem Ekel auskommen möchte. Gleichzeitig wird man in einen hypnotischen Bann gezogen, sodass man sich diesem Ekel nicht entziehen kann.
                    Hinzu kommt der grandiose Effekt, der aus der Mischung von Szenerie, Dramaturgie und Kameraführung entsteht.

                    Dieser Film ist unschön. Jeder Moment dieses Filmes zielt auf Ekel, Abstoßung ab. Und dennoch wird man in einen Sog aus Faszination, Gedankenexplosion, Selbstreflexion gesogen.

                    Meiner Meinung nach ein meisterliches Machwerk sondersgleichen. Der Film dreht alles bekannte herum, und schafft etwas vollkommen neues.

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                    • 6

                      Der Film schafft es leider nicht, auch nur einen Funken Spannung zu entwickeln. Der ganze Film wirkt gleichförmig, obwohl es Entwicklungen gibt. Es gibt Szenen, die dynamischer, dramatischer oder interessanter hätten inszeniert werden können. Stattdessen beschränkt sich der Film in tollen Kamerafahrten und guten Bildern in langen Aufnahmen. Er wirkt dabei aber zu jeder Zeit sehr dokumentarisch. Das funktioniert für mich zeitweise, aber über drei Stunden macht sich die Langeweile breit. Ein wenig Musik hätte zwar den dokumentarischen Stil zerstört, aber die Entwicklung der Hauptfigur greifbarer gemacht.
                      Der Film ist dreckig und wird sicher seine Zielgruppe haben (Tarkowski und Tarr wurden ja schon genannt), für mich ist er, trotz des Interessanten Drehbuchs, anstrengend und ermüdend.

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                        Louis Cyphre 18.02.2016, 08:51 Geändert 18.02.2016, 08:54

                        Wenn man was mit den Filmen von Tarkovskij oder Béla Tarr anfangen kann und diese in Bild und Aussage auch versteht und auch gleichzeitig der osteuropäischen Filmpracht verfallen ist, dann rate ich euch dringend den Film im Kino anzusehen, wenn ihr nicht einen der besten Leinwandaufführungen der letzten Jahre verpassen möchtet. Wegen solchen Filmen gehe ich ins Kino und merke gleichzeitig, wie ich amerikanische Filme kaum noch brauche. Nebenbei kreierte German das authentischste Mittelalter-Setting der Filmgeschichte. Dies war bis heute nur Gilliams "Jabberwocky" und "Monty Python and the Holy Grail" vorbehalten. Hört, hört!
                        Es ist ein Film und keine Unterhaltung. Für mich auf der gleichen Ebene wie "A Torinói ló" und sogar meine erste Blu-ray in meinem Leben.
                        Vielleicht schreibe ich hier demnächst mal ausführlich was dazu.

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                        • 5 .5

                          Sie kotzen, sie rotzen, sie grunzen, sie reiben sich Scheiße ins Gesicht. „Es ist schwer ein Gott zu sein“ ist ein Unding von einem Film. Ein Film, der tief in den niedersten Gelüsten des Menschen wildert, sie zur Schau stellt und das drei Stunden lang. Dreck und Exkremente bekommen eine ganz eigene Eleganz, die für den Zuschauer schwer zu ertragen ist. Der russische Regisseur Aleksey German inszeniert sein fünftes und letztes Werk wie nicht von dieser Welt. Zwar spielt der Film in einem dem Mittelalter entlehnten Setting, doch befindet sich diese auf dem fremden Planeten Arkanar.
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                          Es ist fühlbar und wirkt echter, als es ein 3D-Blockbuster jemals könnte. Die entstellten Figuren, die durchs Bild laufen, der bleischwere Dauerregen, die ekelerregende Enge in den Häusern – es ist, als könnte das Publikum die Zeit riechen. Schönheit lässt sich nirgends finden und wenn sie doch für eine Millisekunde aufleuchtet, wartet schon der nächste Barbar und stapft in die Scheiße. „Es ist schwer ein Gott zu sein“ ist eine wahre Tortur für den Zuschauer, im Guten wie im Schlechten. Eine lineare Handlung ist nur mit äußerster Mühe erkennbar, kein Wunder also, dass das deutsche Label Bildstörung eine Anleitung in Form eines Booklets der DVD beilegt.

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                          • 7 .5

                            Jesus Christus, was war das!? Aleksei Germans letzter Film ist ein absoluter Höllentrip, eine filmgewordene Folter, der most fucked up movie seit "Enter the Void". Brutal dadaistisch, ohne jede Rücksicht auf das Publikum.

                            Es gibt kaum logisch nachvollziehbare Handlung, alles ist ein einziges mittelalterliches Chaos, jeder gegen jeden. Vor allem nur Männer, von den Frauen bekommt man nur wenig mit - aber das wenige, was man am Rande mitbekommt ist durchaus abschreckend genug. Nonsens-Dialoge und Nonsens-Verhalten, alle Menschen auf dem dargestellten Planeten verfügen über die Intelligenz eines Maultiers, auch die von der Erde(?) stammenden Wissenschaftler haben sich nahtlos angepasst und eingefügt, sind vom Wahnsinn angesteckt worden. Alles voll mit Regen, Schlamm, Dreck, Kotze, Exkrementen, Blut und Gedärmen. Ein Trip in die Unzivilisation. Man weiß nicht, ob man lachen, weinen oder sich übergeben soll. Und das alles geht dann auch noch heftige 3 Stunden lang!

                            All die Tortur für die erwartbare Message, wie schrecklich und schwachsinnig die Menschheit aus Sicht einer höheren Daseinsform aussehen muss. So schlimm der Film auch durchzustehen ist, man muss neidlos anerkennen, dass er sein Ziel absolut stringent und konsequent verfolgt und auch erreicht. Wenn der Protagonist zum Schluss ein wenig Musik anstimmt - nach drei Stunden Widerwärtigkeiten jeglicher Art - kommt es einem wie Beethovens 5. Symphonie vor.

                            Von daher irgendwie doch, Hut ab. So chaotisch und grenzdebil der Film auf der Handlungsebene ist, er ist komplett durchchoreografiert und durchdacht. Jede Einstellung, das ständige Gelaber, die ständigen Geräusche, die ständigen Personen, die in die Kamera schauen oder das Bild verdecken, mit irgendetwas herumfuchteln. Alles gaga, aber minutiös durchgeplant, ein Konzert der geistigen Inkontinenz.

                            Und die grotesken Bilder á la Hieronymus von Bosch kommen ganz ohne Visual Effects aus. Alles ist spürbar haptisch, der Gestank weht einem beinahe von der Leinwand zu. Auf seltsame Art und Weise irgendwie sehr erfrischend, trotz all der fast dokumentarisch eingefangenen Hässlichkeit.

                            Wer bereit ist, sich drei Stunden lang, von einem grässlichen Monster von einem Film in den Augen und in der Nase (und anderenorts) herumpuhlen zu lassen, der wird etwas sehen und erleben, was vermutlich kein anderer Film jemals wieder in solch einer Form wagen wird. Anschauen auf eigene geistige Gefahr.

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                              Ich bin schon lange am überlegen, ob ich mir den Film mal zulegen sollte. Habe allerdings doch etwas zu große Angst davor....oder ist es eher Respekt?!

                              • Our Daily Free Stream: Aleksei German - Hard To Be A God (engl. subt.). 2013 starb der russische Visionär, 2015 erblickte sein letztes Werk doch noch die Leinwand. Wer hat am Neujahrstag drei Stunden Zeit dafür? - Der letzte Film des russischen Visionärs Aleksei German entwirft eine Welt, wie man sie noch nie gesehen hat. Eine Welt aus Schlamm und Gewalt, in der es ununterbrochen regnet. Die Menschen demütigen sich gegenseitig und schlachten einander ab. Immer wieder fährt die Kamera ganz dicht an ihre porigen verschwitzten Gesichter heran, fast meint man, den Gestank zu riechen. Ein Erzähler führt uns ein, dass so das Leben auf einem entfernten Planeten aussehe; es ist der Beginn eines dreistündigen Albtraums. Wissenschaft existiert in dieser Gesellschaft nicht mehr, die Universität wurde niedergebrannt. Von der Erde werden nun 25 Forscher gesandt, um zu beobachten. Eingreifen dürfen sie nicht. Der Kopf des Unternehmens Don Rumata (Leonid Yarmolnik) wird wie ein Gott verehrt und gilt als unverwundbar. Aleksei German dürfte nur wenigen ein Begriff sein und muss doch in einem Atemzug mit den grössten russischen Filmemachern genannt werden! Er verstarb 2013 und Es ist schwer, ein Gott zu sein wurde posthum von seinem Sohn fertiggestellt. Letzte Äusserungen des Vaters dienten als Hilfe, der Grundidee folgend, eine Zivilisation von Grund auf zu erschaffen. Boris und Arkadi Strugatzkis Roman liefert das Gerüst, wobei der Film den Roman eher zerstört, dekonstruiert, anstatt adaptiert. Der Glaube an den Fortschritt, im Roman noch intakt, im Film aber der sicheren Erkenntnis gewichen, dass Entwicklung unmöglich sei. Don Rumata, ein Fatalist, der dem Treiben keinen Einhalt gebietet. Sollen sie morden, sollen sie schänden! Er selbst tötet nicht, schneidet aber in 186 Duellen 372 Ohren ab. Das Werk auch ein Akt der Gewalt gegen uns, eine der zermürbensten Kino-Erfahrungen überhaupt. Die Kamera trägt zur Desorientierung bei: Mal rückt sie eine der im Grunde unwichtigen Leichen in den Mittelpunkt, dann lässt sie wieder ein zentrales Ereignis ganz am Rande stattfinden. Die Bilder funktionieren nach eigenen Regeln, die wir nicht gewohnt sind. Ein irritierender Wust aus Gewalt, Obszönität und Schmutz.

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                                  Ich habe mir jetzt extra einen ganzen Tag Zeit gelassen, um meine Gedanken zu sammeln, aber auch jetzt weiß ich einfach nicht, was ich von "Es ist schwer, ein Gott zu sein" halten soll. Ich mag solche Experimentalfilme wirklich sehr und hatte recht hohe Erwartungen, da der Film nicht selten in Bestenlisten in diesem Jahr auftaucht, aber mit so einem Monstrum - anders lässt sich der Film nicht bezeichnen - hatte ich es bisher noch nie zu tun. Den Einzug in die Bestenlisten kann man locker mit der handwerklichen Inszenierung begründen. German´s Film merkt man in jeder Sekunde an, warum sich der Dreh über so viele Jahre hingezogen hat. "Es ist schwer, ein Gott zu sein" ist ein absolutes Mammutprojekt. Die ganzes Sets, die Kostüme und die Inszenierung der Bilder erschlagen einen regelrecht. In jedem Bild gibt es unfassbar viele Details zu entdecken. Die Kameraarbeit ist die wohl beeindruckendste seit langem und absolut einzigartig. Hier wird ständig die vierte Wand durchbrochen, es schlagen andauernd irgendwelche Gegenstände gegen die Kamera und dadurch, dass die Kamera manchmal selbst zum Teil des Geschehens wird und permanent diversen Objekten oder Personen ganz dicht zu Leibe rückt, fühlt man sich als Zuschauer unglaublich beengt. Man wühlt quasi mit den Figuren selbst im unendlichen Dreck, was den Film auch zu so einer besonderen Erfahrung macht. "Es ist schwer, ein Gott zu sein" ist nämlich unerträglich! Ich habe es wirklich nicht geschafft, den Film am Stück zu sehen, denn die 3 Stunden kommen einem vor wie 2 Tage, sodass ich zwischendurch einfach eine Pause einlegen musste. Warum also nur 6 Punkte? German treibt es in meinen Augen zu weit. Es ist ja schön und gut, dass er unbedingt Grenzen überschreiten will, aber wenn sich der Zuschauer durch 3 Stunden quälen muss, die für ihn von Anfang bis Ende keinerlei Sinn ergeben und man aus eigenen Kräften eigentlich fast gar keine Handlung erkennen kann, hat das irgendwann nichts mehr mit einem Filmerlebnis zu tun. Der DVD liegt eine dicke Broschüre mit Hilfestellungen bei, sodass ich ungefähr wusste, was German mit dem Film darstellen wollte, aber selbst dann habe ich diese angekündigte "Handlung" im Film wirklich kaum wiedererkannt, weil die ganze Zeit entweder nur irgendwelche grotesken Sachen passieren oder sich die Personen in kryptischen Dialogen unterhalten. Ich habe mich von dem Film auch nicht provoziert gefühlt, denn auch wenn man sich nach dem Film richtig dreckig fühlt und am liebsten unter die Dusche springen will, gibt es vor allem im Genre der Arthaus-/Experimentalfilme deutlich schlimmere Filme, die einem wirklich durch Mark und Bein gehen. Hier aber habe ich mich wirklich fast durchgängig nur gelangweilt. Wahrscheinlich wollte German sogar genau das, aber dann stellt sich für mich die Frage, für welches Publikum so ein Film geeignet sein soll...
                                  Fazit: Handwerklich mit einer der beeindruckendsten Filme der letzten Jahre, aber erzählerisch geht mir "Es ist schwer, ein Gott zu sein" selbst als Experimentalfilm in meinen Augen zu weit. Schade eigentlich, denn die Grundstory gibt richtig viel her. Hätte man den Drang, unbedingt Kunst abliefern zu wollen und den Zuschauer zu quälen, etwas zurückgefahren, wäre hier noch viel mehr drin gewesen!

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                                    [... „Es ist schwer, ein Gott zu sein“ ist ein Film, der mit Vorsicht genossen werden muss. Keineswegs ist er eine cineastische Mahlzeit für zwischendurch. Er ist ein höchst außergewöhnliches Kunstwerk, und das in jedem Belang. Dazu gehören die epische Geschichte seiner Produktion, sein kompliziertes Konstrukt aus ethischen Grundsatzfragen und nicht zuletzt auch seine beeindruckende Optik. Den Gelegenheitsgucker ist Aleksei Germans Film nur bedingt empfohlen. Für Freunde von anspruchsvoller Science Fiction und gehobener Filmkost ist er jedoch ein Juwel, das unter keinen Umständen verpasst werden sollte. ...]

                                    Eine komplette Kritik gibt es auf dem FILMCHECKER Horrorblog.

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                                      moviesforlife 11.12.2015, 18:21 Geändert 11.12.2015, 18:24

                                      Es ist schwer...

                                      ...Worte zu finden, mit denen man diesen Film treffend beschreiben kann. Nachdem ich dieses kolossale, dreistündige Machwerk von Aleksey German beendet hatte, dachte ich nur noch eines: "Oh...mein...GOTT!"

                                      Zuerst sei gesagt: Ich kann die Leute, die den Film hier verteufeln und runtermachen, sehr gut verstehen. Schließlich ist "Es ist schwer, ein Gott zu sein" ein Film, der es einem wahrlich nicht leicht macht, ihn zu mögen. Dafür ist nicht nur das Schwarz-Weiß und die epische Länge, sondern auch die fehlende deutsche Synchro verantwortlich. Drei Stunden Russisch mit Untertiteln durchzuhalten ist auch eine Sache für sich. Nicht zuletzt, da sich die drei Stunden am Ende dann doch eher wie Fünf anfühlen.

                                      Ich sage es auch ganz ehrlich: Ich musste mehrere Pausen einlegen, um den Film heil zu überstehen, obwohl ich Filme sonst (fast) immer am Stück schaue. "Es ist schwer, ein Gott zu sein" kann man aber nicht am Stück schauen. Oder zumindest war es mir schlicht und ergreifend physisch nicht möglich. Wer es trotzdem geschafft hat, verdient meinen Respekt.

                                      "Es ist schwer, ein Gott zu sein" ist tatsächlich ein sehr "schwerer" Film. Er liegt wie ein klobiger Stein im Magen, wird immer dicker und dicker, durchstößt die Magenwand und kommt hinten wieder raus.
                                      "Es ist schwer, ein Gott zu sein" hat meine Netzhaut zerbombt. Er hat meine Großhirnrinde zermürbt. Er hat meinen Hypothalamus so lange penetriert, bis jedes einzelne Neuron meines Gehirn gesagt hat: "Okay, jetzt reicht's!".
                                      Aber wieso ist dieser unerträgliche Film dann trotzdem so ein unfassbares Meisterwerk?

                                      Fangen wir doch bei den Kulissen an: Das liebevolle und sehr detailreiche Set-Design fällt schon von der ersten Szene an positiv auf. Alle Kulissen wirken absolut authentisch, was durch den edlen Schwarz-Weiß-Look des Films noch verstärkt wird.
                                      Die mittelalterlichen, nebelverhangenen Städte, die schlammigen Sümpfe, der Matsch und der Dreck, die allgegenwärtig sind. Alles wirkt echt und unverfälscht.

                                      Das Fehlen von Farben ist auch als Stilmittel hochinteressant. Es unterstreicht die bedrückende Atmosphäre des Films, wozu natürlich auch der immer anhaltende Nebel beiträgt. Alle Landschaften sind ständig in Grau getaucht. Graue Dörfer, graue Mauern, graue Truppen, graue Menschen.

                                      Was mich aber an "Es ist schwer, ein Gott zu sein" am meisten beeindruckt hat, ist die fast schon visionäre Kameraführung. Die Kamera bleibt hierbei immer sehr nah am Geschehen, sogar so nah, dass sich der Zuschauer dadurch geradezu eingeengt fühlt. Noch dazu wirken die Sets immer völlig überladen: Die Hauptpersonen drängen sich vor der Kamera aneinander und oft wird einem auch der Blick durch den Rücken eines Protagonisten versperrt.
                                      Hierdurch verliert der Zuschauer unweigerlich den Überblick über das Geschehen. Nicht selten ist ein Raum auch so vollgepackt mit Requisiten, dass man sich vor dem Fernseher wirklich bedrängt vorkommt, so als wäre man selbst in der Szene dabei und würde regelrecht eingequetscht werden.

                                      Und wenn die Kamera einem dann doch mal für ein paar Sekunden eine Atempause gönnt, indem sie einen größeren Handlungsort von oben zeigt, fliegen zum Beispiel Vögel direkt am Bildschirm vorbei und das Gefühl der Bedrängnis ist sofort wieder da.

                                      Ein weiterer Effekt dieser interessanten Kameraführung ist, dass man sich als Zuschauer so fühlt, als wäre man selbst mitten im Geschehen drin.
                                      Man ist mit dabei, wenn die Hauptpersonen durch den Dreck kriechen, man bekommt selbst eine laufende Nase, man spürt selbst den Schleim und die Innereien unter seinen Händen, man riecht den Gestank nach menschlichen Exkrementen und Verwesung und man hört das widerliche Blubbern der Schlammpfützen. Man wandert, wie auch der Protagonist, durch diese Welt des Wahnsinns und es scheint kein Entkommen zu geben.

                                      Dieser unverhüllte Wahnsinn wird auch durch die schiere Absurdität vieler Szenen und einige scheinbar sinnbefreite Dialoge untermauert. Viele Handlungen der Figuren ergeben keinen Sinn, jeder Mensch in dieser Welt scheint verrückt zu sein und auch surreale Elemente gesellen sich hin und wieder dazu. Auch der Protagonist ist von dem Wahnsinn nicht ausgenommen. In nahezu jeder Szene reibt er sich an etwas Dreckigem, wie ein Tier und beleidigt oder verletzt grundlos jemanden. Das menschliche Tier oder der tierische Mensch? Ich kann es nicht sagen.

                                      Oft wird an "Es ist schwer, ein Gott zu sein" kritisiert, dass es keine Story gibt oder dass diese keinen Sinn macht. Da stimme ich ohne zu zögern zu. Es gibt nicht wirklich einen Plot. Nur an wenigen Stellen kann man eine Geschichte erahnen, die aber nur kurz angeschnitten wird.
                                      Aber will der Film eine Geschichte erzählen? Nein, das denke ich nicht.
                                      Die Story dient hier nur als Ausrede, maximal als Deckmantel für etwas viel Größeres.
                                      Der Film legt den Fokus klar auf die bleischwere Atmosphäre und das, was sie in einem Menschen auslöst. Man ist eingezwängt, geradezu gefangen in diesem Monstrum von Film. Und man kann ihm auch nach dem Abspann nicht mehr entfliehen.

                                      "Es ist schwer, ein Gott zu sein" wird das Puplikum freilich spalten. Viele werden sich an ihm die Zähne ausbeißen. Andere werden ihn lieben. Mich hat er jedenfalls umgeblasen, mit all seiner unwitzigen Irrwitzigkeit.
                                      Aleksey German hat mit "Hard to Be a God" also einen Film abgeliefert, den die Welt nicht so schnell vergessen wird. Meisterwerk aller Sinne. Sollte man wenigstens mal ausprobieren, wenn man sich traut.

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                                        Was soll ich sagen?
                                        Ich bin recht zwiegespalten: Auf der einen Seite hat der Film einen merkwürdigen, aber dadurch recht markanten und einzigartigen Stil, aber auf der anderen Seite leidet der Film an durschnittlichem Schauspiel und einer irritierenden Erzählweise (Ich mein`s Ernst, hätte ich mir nicht vorher die Beschreibung auf der Rückseite der Verpackung durchgelesen, hätte ich bis zum Schluss einfach nicht gewusst, worum es in dem Film überhaupt geht...). Was ich auch noch hervorheben möchte ist die Tatsache, dass jede Szene eine kleine Plansequenz ist, was ich persönlich sehr cool finde...
                                        Kann ich den Film nun empfehlen?
                                        Die Antwort lautet Jein...
                                        Man kann sich den Film mindestens einmal wegen des Stils anschauen, aber ob dieser Stil einem gefällt oder nicht muss jeder selbst für sich entscheiden, da der Film nun mal recht speziell ist. Am besten schaut ihr euch mal einen Trailer im Internet an und entscheidet selbst, ob ihr mit Trydno byt bogom etwas anfangen könnt...
                                        Das würde ich euch empfehlen...

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                                          Dergestalt 29.11.2015, 11:02 Geändert 29.11.2015, 11:59

                                          Natürlich, wer Inhaltskino sucht, sollte einen weiten Bogen um "Trydno byt bogom" schlagen. Der Film ist ein visueller Hammer, mit ordentlich Dreck, Scheiße nebst Darm und Blut bespritzt.
                                          Die Kamera, die uns das zeigt, ist eine intime Kameradin, die mit den Körpern und deren Umgebung stets auf Kollision steht. Die Figuren witzeln, klagen vor ihr oder bespritzen sie, niemals aber lässt man sie auf große Distanz. Da setzt der Beginn mit sanft gleitender Totalen und wohlig-einstimmendem Off-Kommentar sicher die falschen Erwartungen. Das ist kein Tarkovsky, aber auch kein Żuławski. Das ist neu, unmittelbarer als alles, filmische Physis als Grenzerfahrung für den mitfühlenden Zuschauer.

                                          Also muss der auch viel Geduld mitbringen. Denn niemals lässt ihn die Kamera in diesen quälend langen 177 Minuten in Ruhe. Niemals gibt es Zeit zur Ordnung. Immer ist es Bewegung, Hektik. Nur eines verbindet diesen Film (neben seiner metaphysischen Schwere) da mit einem Tarkovsky: Die Welt hier ruht in sich selbst. Obwohl überall Gewalt und Entäußerung sind, bleiben die Charaktere, anders als die Kamera, zufrieden darin stehen. Sehr selten kommt es ansatzweise zu einer Eskalation, einem nachvollziehbaren Gefühlsausdruck. Das macht den Film schließlich noch schwieriger. Man kann unmöglich mitfühlen, aber irgendwie fühlt man doch angesichts dieser direkten Bilder. Einen Katalysator bekommt man nicht, ein Leidenszwist, eine Leerstelle, die dieser bildgewaltig-hässlichschöne Film beschwört. Ja, es ist schwer ein Zuschauer zu sein, in dieser Welt, die in sich selbst versinkt.
                                          Ein starkes, unangenehmes Zeugnis.

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                                            In dem Film S1m0ne dreht ein Produzent, gespielt von Al Pacino, absichtlich einen total bescheuerten Film, um die Karriere eines virtuellen Starlets, das er erschaffen hat, zu zerstören. Darin benimmt sich diese wie ein Schwein und suhlt sich die ganze Zeit im Schlamm. Natürlich geht das nach hinten los und er wird zum Kritikerliebling. Daran musste ich ständig denken, als ich dieses Machwerk hier sah.

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                                            • VisitorQ 22.10.2015, 23:21 Geändert 22.10.2015, 23:25

                                              Ich gebe das offen und ehrlich zu... Ich habe den Film nach 30 Minuten ausgemacht. Ich muss mir nicht jeden ArthausSchmarthaus Unfug ansehen um mir zu beweisen, dass ich das durchstehen kann. Ich habe mir mit THE ASSASSIN neulich genug Lebenszeit geklaut. Ich quäle mich in diesem Fall einfach mal nicht bis zum Ende durch, sondern mache einfach mal was schönes. Etwas Musik hören und tanzen vielleicht. Oder aus dem Fenster gucken und Autos zählen. Mir wird so ziemlich alles mehr Spaß machen als mir das hier bis zum Ende anzusehen.

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                                                Daggiolone 02.10.2015, 00:11 Geändert 02.10.2015, 06:30

                                                Eines muss man diesem Schinken lassen. Die grotesken, detailverliebten Kulissen sind ein wahres Meisterwerk, und mir in einer solchen Form noch nie untergekommen. Ganz große Kunst!
                                                Doch was nützt das, wenn man neben den Bildern, aufgehängtem, baumelnden Zeug, in die Kamera gehaltene Gegenständen, und ins Bild laufende Gestalten, die sofort wieder rausgeschubst werden, sich auch noch auf die Untertitel konzentrieren muss, dessen Bedeutung ohnehin kryptisch ist? Hinzu kommt eine unruhige Kamera, die dem Zuschauer nicht eine Sekunde Verschnaufpause lässt.
                                                Dies alles hat dazu geführt, dass sich mein Gehirn überfordert fühlte, und ich irgendwann den Film nur noch in einer katatonischen Starre betrachtet habe, und mich gar nichts mehr erreichen konnte, nicht einmal mehr die tollen Bilder. So etwas habe ich vor Jahren schon mal in nicht ganz so starker Form bei meiner ersten Sichtung von Natural Born Killers erlebt.
                                                Ich kann mir vorstellen, dass man den Film öfter sehen muss, um ihn schätzen zu lernen. Aber warum sollte ich mir das noch ein zweites Mal antun?

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                                                  Oximoron 20.09.2015, 01:20 Geändert 20.09.2015, 01:22

                                                  Die Komödie des Jahres: Alle Figuren im Film haben Schnupfen, rutschen ständig im Schlamm aus und fangen an zu würgen und zu kotzen. Zudem gilt es, sich gegenseitig und vor allem die Hauptfigur zu bespucken und zu besudeln, was mit einem Nasenkneifen bestraft wird. In dieser wuselig-stinkigen Szenerie ist dann darauf zu achten, dass die Dialoge so sinnfrei wie möglich sind: „Gebt mir mein Schwert!“ - „Fische mögen Milch“ - „Ja, es regnet“. Dieser Loop wiederholt sich dann drei Stunden lang. Das wirkt ein bisschen wie unsortierte Schnipsel aus Andrzej Zulawskis „Der silberne Planet“ mit einem Kamerafilter von Andrei Tarkowski.

                                                  Es ist schwer, das Ganze ernst zu nehmen.

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                                                    Anstrengend - Der Film

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