Fateless - Roman eines Schicksallosen

Sorstalanság (2005), HU
Laufzeit 140 Minuten, FSK 12, Drama, Kinostart 02.06.2005

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5.0 Kritiker
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von Lajos Koltai, mit Marcell Nagy und Áron Dimény

Budapest 1944: Die jüdische Bevölkerung hofft auf ein baldiges Ende von Verfolgung und Krieg. Der 14-jährige György Köves muss den schmerzhaften Abschied seines Vaters ins “Arbeitslager”, die eigene Brandmarkung und die seiner Freunde durch den Judenstern erleben. Er kommt in die Konzentrationslager Auschwitz, Buchenwald und Zeitz. Hierbei erfährt er Leid, Demütigung, Solidarität, Angst und Gleichgültigkeit. György überlebt den Holocaust und kehrt nach Kriegsende nach Budapest zurück. Hier jedoch ist nichts mehr wie es war, keine vertrauten Gesichter, keiner der zuhört – er ist fremd in seiner eigenen Heimatstadt. Ein beklemmend realistischer Blick auf den Holocaust – aus der Sicht eines 14jährigen.


Cast & Crew


Kritiken (1) — Film: Fateless - Roman eines Schicksallosen

Bernd Haasis: Stuttgarter Nachrichten Bernd Haasis: Stuttgarter Nachrichten

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4.5Uninteressant

Nichts gegen die sauber am Computer generierten Szenen von Fliegerangriffen, Bombeneinschlägen und KZ-Totalen, die die Stuttgarter Firma Elektrofilm beigesteuert hat - sie verfehlen ihre Wirkung nur deshalb, weil sie zwischen den sepiabraunen Nahaufnahmen menschlichen Leidens wie Fremdkörper wirken. Morricones Komposition dagegen ist nicht nur schrecklich schwülstig, sondern stört sogar: Gerade die Abwesenheit von Musik hätte zur unheilvollen Atmosphäre gepasst.

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Kommentare (3) — Film: Fateless - Roman eines Schicksallosen

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Brigittes Helm

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Bewertung6.5Ganz gut

Spoiler vorweg: Moviepilot hat vergessen Daniel Craig in die Darstellerliste mit aufzunehmen, der ganz am Schluss des Films eine kleine, aber sehr pointiert rübergebrachte Rolle als GI spielt. Wenn man es nicht weiß, taucht sein sehr bekanntes Gesicht für den Zuschauer nahezu schockartig unter dem Militärhelm auf und gibt dem Film tatsächlich etwas Hollywoodeskes, was ihm ja häufig vorgeworfen wird.

So ganz kann ich nicht nachvollziehen, warum der Film gerade in Deutschland so derart niedergemacht wurde. Das ist fast schon peinlich: Die Nachkommen der Täter wollen es besser wissen als das Opfer, wie sich das Opfer gefälligst zu fühlen hat und wie ein Film darüber politisch korrekt auszusehen hat. Der Held leidet nicht genug im KZ, die Täter sind nicht böse genug, das Grauen wird nicht realistisch und brutal genug in Szene gesetzt. Es fließt kein Blut, es Krachen keine Knochen, es strömt kein Gas. Der Score von Morricone - ausgerechnet Morricone! - ist natürlich nicht dem Thema angemessen intellektuell genug. Diese Arroganz der deutschen Feuilletons ist unerträglich. Und es wird wohl noch eine Generation dauern, bis die deutsche Kritik mit Holocaust-Film entspannt und einmal rein vom Filmästhetischen her mit der Thematik umgehen kann. Die Amerikaner, auch die jüdischen, haben den Film wesentlich gnädiger und wohlwollender beurteilt.

Vorweg: Die literarische Vorlage habe ich nicht gelesen, was immer gut ist, um der Falle der Vorverurteilung zu entgehen. Roman ist Roman und Film ist Film. Punkt. Die deutsche Synchro des Films ist einfach nur unterirdisch, mit Ausnahme vielleicht des Jungen. Hysterisch schreiende, irgendwie falsch und aufgesetzt klingende Stimmen, die man teilweise sattsam aus der Werbung oder aus irgendwelchen Vorabendserien kennt. So piepste und kreischte die Jugendfreundin des Jungen in Budapest wie Mickey Mouse. Peinlich. Da hätte man ein besseres Studio verpflichten müssen.

Reingekommen bin ich in den Film sehr schwer, der Anfang mit den überlang ausgewalzten Familienszenen in Budapest langweilt, bleibt fremd und von der Geschichte her beliebig und fahrig erzählt. Da kommt kaum Empathie auf und das hat man ähnlich in Polanskis Der Pianist weitaus besser gesehen. Hier zeigt sich das Manko, dass ein Kameramann Regie führte, der nichts vom Geschichtenerzählen, dafür alles vom Bildermachen versteht. Das ändert sich schlagartig mit dem Einzug des Jungen ins KZ und seiner Odyssee durch eine Reihe von ihnen. Das Herausnehmen der Farbe ist ein genialer Streich und der Film verlässt sich jetzt ganz auf Struktur und Form, Licht und Schatten und die reine Ästhetik der Linie und des Leibes. Immer mehr verschmilzt das Gesicht des Jungen mit dieser eigenartig traumhaft-surrealistischen Landschaftsarchitektur, wird ein Teil von ihr. Jetzt wird es ganz große Oper, es fließen die Wasser, es wogen die Leiber beim stundenlangen Stehen im Regen und zwischendurch wird ein bisschen gestorben. Dass Onkel Computer hier ein gewichtiges Wörtchen mitzureden hatte, stört nicht wirklich.

Moricone setzt dazu eine sehr gefühlige, aber nicht pathetische Opernmusik, die aber sehr dezent und auch über lange Strecken stumm bleibt. Belästigt fühlte ich mich nicht dadurch. Die Bilder aus den Lagern fesseln, saugen den Zuschauer förmlich in den Film hinein und dennoch bleibt die Geschichte dramaturgisch nach wie vor belanglos und zerfahren. Wie es überhaupt dazu kam, dass der Junge aus dem Vernichtungslager Auschwitz in ein, wenn die Formulierung erlaubt ist, nicht ganz so schlimmes Arbeitslager und dann nach Buchenwald kam, wir erfahren es nicht. Das er Furchtbaress erlebt haben muss, etwa eine zeitlang als Totgeglaubter zwischen Leichenbergen lag und dennoch gerettet wurde, das kann man sich nur aus den Bildern irgendwie zusammenreimen. Das Grauen versinkt buchstäblich in einer Übermacht übergroßer Bilder. Da verlieren sich der Film und sein Hauptdarsteller nicht nur in den Schlammweiten der Lager.

Der dritte Akt spielt wieder in Budapest und den spult der Regisseur pflichtschuldig ab. Am Ende steht ein Teenager einsam auf einem Platz in einer fremden und von Fremden bewohnten Stadt und hat Heimweh nach dem KZ und nach den Momenten der Menschlichkeit und des Glücks, die es dort wohl für ihn auch gab. Das irritiert, aber es könnte für den Jungen persönlich so gewesen sein, Kertesz erzählt es zumindest so. Und das haben wir zu respektieren, auch wenn es uns nicht gefällt. Gefallen muss einem auch nicht die Art, wie der Film und somit der Autor, der stark in das Drehbuch involviert war, mit seinem Heimatland Ungarn abrechnet und die deutschen Täter schont. Kertesz, um es einmal ganz krass auszudrücken, wurde durch das KZ zum Dichter bis hin zum Nobelpreis. Mit 72 zog er nach Berlin, wo er heute noch lebt. Auch das muss man nicht verstehen.

Hängen geblieben sind bei mir von Fateless nur die starken, wie eine Symphonie des Grauens angelegten Bilder aus dem Lager und das Gesicht des Jungen. Misslungen finde ich den Film nicht, allerdings sehr gewöhnungsbedürftig in seiner Ästhetik und von der Dramaturgie her nicht überzeugend. Ein sehr guter Kameramann und Bildermacher wird halt nicht über Nacht ein guter Geschichtenerzähler, Dramaturg und Regisseur.

bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

evike

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Fateless – Roman eines Schicksallosen

Das Drehbuch zur Adaption seines Roman eines Schicksallosen schrieb Imre Kertész selbst. Regisseur Lajos Koltai setzte es mit einem kongenialen ästhetischen Konzept und einem herausragenden Hauptdarsteller um. Fateless wurde so zu einem der eindrücklichsten Filme über das Leben in den Konzentrationslagern.

Fateless – Roman eines Schicksallosen

Fateless ist kein Holocaust-Film. Er erzählt nicht von der Vernichtung der europäischen Juden, sondern davon, „wie ein Mensch, ein Junge, in eine mörderische Maschinerie gerät und von ihr zermalmt wird.“ Dies sagt der Autor selbst über seine Geschichte, die in einem doppelten Sinne seine Geschichte ist. Denn dieser Autor, der ungarische Jude Imre Kertész, wurde selbst als 15-jähriger nach Auschwitz deportiert, später nach Buchenwald gebracht und schließlich in einem Arbeitslager in Zeitz gefangengehalten. Als Überlebender schrieb er diese, seine Geschichte auf. Aber er formte sie zu einem Roman, schrieb sie als Schriftsteller, weil er nur so die Macht über jene Wirklichkeit gewinnen konnte: „Ich wollte aus meinem ewigen Objekt-Sein zum Subjekt werden, wollte selbst benennen, statt benannt zu werden.“

Kertész’ Roman eines Schicksallosen (ung. Sorstalanság, 1975, dt. 1996) erzählt, obgleich in der Rückschau, so doch linear, den Ereignissen nie vorgreifend, sondern immer mit diesen mitgehend. Es ist dieselbe Geschichte, die nun der Film erzählt. Budapest 1943. Der Vater des 14-jährigen György Köves (Marcell Nagy) wird zum Arbeitsdienst einberufen. Familie und Verwandte hoffen, dass alles nicht so schlimm wird. Trotz dieser Hoffnung wird dem Jungen bald der Besuch der Schule verwehrt; stattdessen muss er in einer Fabrik am Stadtrand arbeiten. Eines Tages werden dann nicht nur er, sondern alle Juden aus den Bussen herausgebeten, in einem langen Marsch durch die Stadt geführt und – nachdem sie ihre Wertgegenstände an einen ungarischen Polizisten abgegeben haben – mit einem Zug aus der Stadt gefahren, ohne dass ihnen auch nur angedeutet würde, wohin sie gebracht werden. Für diese, wenn man so will „Vorgeschichte“, lässt sich der Film viel Zeit. Regisseur Lajos Koltai, einer der berühmtesten europäischen Kameramänner, der mit Fateless sein Regiedebüt gibt, erzählt sie gemeinsam mit seinem Kameramann Gyula Pados in ruhigen, mitunter elegischen Cinemascope-Bildern. Indem die filmische Inszenierung hier den inzwischen üblich gewordenen Konventionen folgt, übermittelt sie die erzählte Geschichte in einer Unaufgeregtheit und Beiläufigkeit, der man als Zuschauer nicht recht folgen möchte. Denn das, was hier geschieht, gilt doch immer als das Unglaubliche, nicht Verstehbare, als „Vorhof zur Hölle“.
Fateless – Roman eines Schicksallosen

Das Erzählprinzip wird dann sogar im Hauptteil des Filmes beibehalten: die Ankunft des Budapester Zuges in Auschwitz, Györgys „Weiterfahrt“ nach Buchenwald und schließlich die mehrmonatige Gefangenschaft im Arbeitslager Zeitz. Koltai zeigt die Szenen in den Konzentrationslagern nicht in schwarz-weiß (wie das „Paradigma“ Schindler’s List, USA 1993), sondern in stark zurückgenommenen Farben und setzt auch nicht auf den Verfremdungseffekt einer wackeligen Video-Ästhetik, wie es zuletzt in den KZ-Szenen von Schlöndorffs Der neunte Tag (2004) zu sehen war. Damit gelingt Fateless zweierlei. Zunächst wird deutlich, dass das Konzentrationslager eben nicht außerhalb der Realität steht, nicht die „Hölle“ ist; es ist eine Wirklichkeit, oder, wie Kertész einmal schrieb, „eine generelle Möglichkeit des Menschen.“ Hierin findet sich übrigens auch eine ästhetische Übereinstimmung mit dem kürzlich gelaufenen Film Die Grauzone (The Grey Zone, USA 2001). Im Gegensatz zu diesem amerikanischen Film aber verweigert Fateless – und dies wäre sein zweites Verdienst – jede Form von Überwältigungsstrategie oder Schockeffekten. In Koltais und Kertész’ Film fällt nicht ein einziger Schuss und wir sehen nur wenige Täter, meist als Wachpersonal am Rande; ihre Psychologisierung, wie sie sich Die Grauzone mit SS-Mann Moll gestattete, wäre in Fateless völlig undenkbar.

Im Vergleich zur Romanvorlage hat Imre Kertész in seinem Drehbuch die Akzente durchaus verschoben, aber gerade damit gelingt es dem Film, den philosophischen Kern des Romans auch in der Adaption zu erhalten. György Köves begegnet dem Geschehen um ihn herum mit einer gewissen Naivität, die vor allem daraus resultiert, dass es sich langsam vollzieht, Stufe für Stufe – deshalb nannte Kertész sein Drehbuch auch Schritt für Schritt (es erschien bereits 2001). Im Roman wurde diese Sichtweise mittels einer komplizierten Erzählstruktur vermittelt, die, wie oben beschrieben, das Vergangene konsequent gegenwärtig erzählt und dabei sehr streng die Chronologie der Ereignisse einhält. Wenn der Film diesen „naiven Blick“ des Jungen auch nur teilweise abzubilden vermag – obgleich die Kamera sehr oft den Standpunkt des Jungen einnimmt –, ist in Fateless aber gerade der sukzessive Verlauf dieser ganz speziellen „Depersonalisation“ (Kertész) gelungen umgesetzt. Die Rolle des György Köves füllt der während der Dreharbeiten gerade 12-jährige Marcell Nagy noch zusätzlich mit einer unbeschreiblichen Präsenz. Er vermag bis in kleinste Nuancen den körperlichen und seelischen Verfall des Entrechteten und Geschundenen wiederzugeben.
Fateless – Roman eines Schicksallosen

Dies lobten auch die Filmkritiker auf der diesjährigen Berlinale, wo Fateless seine Premiere erlebte, obwohl der Film sonst eher zwiespältige und negative Kritiken erhielt. Besonders Ennio Morricones Filmmusik galt als unpassend. Vielleicht wurde hier aber verkannt, dass eine andere, atonale und zum Bild kontrapunktisch verlaufende Musik den Film nicht nur gestört, sondern ihn zerrissen hätte. Morricones Musik passt sich ganz dem Schritt-für-Schritt-Prinzip an und setzt als fast pathetischer Choral einen konträren Akzent zu den Bildern der KZ-Szenen. Nur so ergibt sich der filmische Ausdruck einer sehr ambivalenten Schönheit, eines Glückes, von dem der Roman eines Schicksallosen auch erzählt.

Kritik von Roberto Dzugan (critic.de)
Veröffentlicht am 26.05.2005

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patcharisma

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Bewertung0.0Hassfilm

Es gibt selten Filme, über die ich mich so dermassen ärgere, dass ich sie vor dem Ende ausmache. Gerade bei einem Totalmüll bin ich manchmal noch gespannt, wie blöd es noch werden können wird. Hier ist mir die Thematik einfach zu ernst für diesen Trash-Faktor und nach einer Stunde stellte ich erschöpft ab.

Man muss keinen Film machen nur um des Willens, ihn zu abzudrehen.
Dieses Holocaust-Drama ist voll gespickt mit inszenierten Grausamkeiten von "bösen" Leuten, die sich bemühen authentisch zu wirken, um es danach wieder in die Point-Zero-Equal-Position mit pseudo-philosophischen Weisheiten der Häftlinge und der kitschigen Panflöten-Musik von Morricone zu versetzen. Die Dramaturgie ist miserabel, die Handlungsstränge sind kaum nachvollziehbar und die einzelnen Szenen werden oft ausgeblendet, um sie quasi als Schlüsselszene stehen zu lassen. Die düstere Computer-Optik ist völlig übersetzt und bewirkt beim Zuschauer das Gegenteil von dem was sie bezweckt, nämlich Authenzität. Man kommt nicht um den Gedanken herum: Das ist alles so grausam künstlich und auf den "Feeling-Faktor" abgezielt, dass die Message gar nicht so wichtig ist und deshalb ist es auch zweitrangig, ob sie im Endeffekt auch ankommt, Hauptsache der Film ist im Kasten.

Die Inszenierung ist zudem derart langweilig, so dass sie einem nie annähernd irgendwie fesselt. Vielleicht spielt der Junge ja noch ok, aber man hat durch dieses grottige Drehbuch niemals die Chance, ihn zu würdigen.

Fazit: Anscheinend bedeutet "Besonders wertvoll (DVD-Hülle) = besonders mühselig". Über das Thema "Holocaust" gibt es hunderte bessere Filme, und man erweist der Sache der Aufklärung, falls die noch jemand braucht, in solch dilletantischer Umsetzung einen Bärendienst. Ein Totalausfall eines Films, oder besser noch: Eine kontraproduktive Katastrophe.

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