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Gas Monopoly

Gas Monopoly (2012), AT/FR Laufzeit 96 Minuten, Dokumentarfilm


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von Richard Ladkani

Woher nimmt Europa das Gas, das es so dringend braucht? Um eine Antwort zu finden, reist der Journalist Martin Leidenfrost an die neuralgischen Punkte des internationalen Gasgeschäfts. Und stellt fest: Gas ist nicht nur ein Geschäft. Es ist Politik, Intrige und Emotion. Es geht um Macht, Männer und Monopole. Europa ist abhängig von Gas: Gas wärmt, Gas treibt die Schwerindustrie an, Gas ist der sauberste fossile Energieträger. Europas Gasbedarf wird bis 2030 noch steigen – bei gleichzeitigem Rückgang der innereuropäischen Produktion. Wer wird Europa in Zukunft mit Gas versorgen? Es sind keine Kleinunternehmer, die Gasfelder erschließen, Flüssiggas-Terminals bauen und Pipelines verlegen. Diese Branche rechnet in Jahrzehnten und in Milliarden. Die meisten Protagonisten des Dokumentarfilms gehören nationalen und internationalen Eliten an. Sie sind Minister, Topmanager oder Lobbyisten. Nur manchmal stellt der Dokumentarfilm dem Spiel der Big Player die kleinen Leute entgegen, die an den Schnittstellen der internationalen Gasströme leben. Am mitteleuropäischen Gasverteiler Baumgarten beginnt der Film. An dieser Schnittstelle im Nirgendwo sollen einmal zwei aufwendige neue Pipelines für Europa enden, “Nabucco” und “South Stream”. Seit der russisch-ukrainischen Gaskrise von 2009 hat Europa Angst, von einem russischen Gasmonopol abhängig zu sein. “South Stream” würde diese Abhängigkeit vertiefen, “Nabucco” würde Europa unabhängiger von Russland machen. Alle Alternativen haben einen hohen Preis: Entweder bindet Europa sich auf Jahrzehnte an die von Krieg, Bürgerkrieg und Diktatur gezeichnete Region ums Kaspische Meer, es kauft teures Flüssiggas aus dem Emirat Katar oder es presst das Gas, das sich in den Gesteinsschichten unter dem Kontinent verbirgt, mit Hilfe der brutalen “Fracking”-Technologie heraus. Die filmische Reise führt in das “Land des Feuers” Aserbaidschan, in die Brüsseler Glaspaläste der EU, in ein von “Fracking” heimgesuchtes niedersächsisches Landidyll, nach Istanbul und Moskau, in die menschenfeindliche Gaswelt der sibirischen Tundra und zurück in die österreichisch-slowakische Gasregion auf der Naht des Eisernen Vorhangs.


Cast & Crew

Regie
Schauspieler
Filmdetails Gas Monopoly
Genre
Dokumentarfilm
Produktionsfirma
Fischer Film, ORF, arte Geie

Kommentare


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Brennegan

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Bewertung9.0Herausragend

Eins und Eins zusammenzuzählen ist eine der einfachsten Aufgaben, die einem Menschen das Leben leichter machen können. Wer hat nicht schon von diesem Prinzip profitiert, sei es bei gewissen Andeutungen anderer Personen in der Umwelt oder bei Prüfungen, für die man nicht wirklich gelernt hat. Das Problem liegt jedoch meist in der Tatsache begründet, dass in unserer so schnelllebigen Zeit nicht das Bilden der Zusammenhänge so unendlich schwer ist, sondern das Finden und Aufnehmen der einzelnen Fakten, der einzelnen Einsen.

Eine gute Dokumentation bringt dem Zuschauer diese Einsen näher. Eine noch bessere Dokumentation fügt der einfachen Rechnung weitere Einsen hinzu. Gas Monopoly ist eine dieser besseren Dokumentationen. Deshalb muss ich an dieser Stelle unserem User Schlegel für den Hinweis auf diesen Film ganz herzlich danken. Wir sind in einer Phase des Umbruchs.

Die Welt ändert sich, die Menschen beginnen Fragen zu stellen und finden immer häufiger über das Netz antworten, wichtiger noch, sie finden bei der Suche Fragen, die sie sonst nie hätten erahnen können. Gas Monopoly stellt die Frage nach der Gasversorgung Europas in der Zukunft, nein, nach dem Sinn einer Konzentration auf Versorgung durch Gas. Dabei werden so viele Fragen in den Raum geworfen, so viele neue Blickwinkel aufgezeigt, dass gerade in dieser Zeit ein gewisser Schauer über den Rücken des Zuschauers läuft (oder laufen sollte). Auch wenn der Fokus stark auf die Frage der Sinnhaftigkeit einer Gaspipeline in Richtung kaspisches Meer liegt, stellt sich die ernsthafte Frage, inwiefern eine so offen dargestellte Abneigung gegenüber dem russischen Staat gerechtfertigt ist. Ladkani fragt indirekt, warum ein politisches Verhältnis mit den Russen so abwegig ist, wenn doch das Gegenbeispiel USA immer mehr offenbart, was ihn wirklich treibt, eine Beziehung mit Deutschland und Europa, die einzig zu seinem Vorteil ist. Wir kritisieren Russland immer und immer wieder, einen Partner, der Deutschland so sehr schätzt und sich so sehr um einen Beziehung bemüht. Die Frage, ob eine solche Behandlung, mit so offen gezeigter Abfuhr, sinnvoll ist, wenn China und die Türkei mit ihren mehr als fragwürdigen Methoden so offensichtlich hofiert werden und uns nicht in eine falsche Zukunft führen, stellt sich hier so laut, dass beim Ansehen der Dokumentation fast das Trommelfell platzen will.
Schlimmer noch ist, dass Gas Monopoly am Ende einen Fakt ganz deutlich unterstreichen kann: Der komplette Verrat der eigenen Ideale ist eines der weit schlimmsten Verbrechen.

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Schlegel

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Nach seinem Drehbuchstudium entwickelte sich Martin Leidenfrost zu einer Art Edelfeder mit Osteuropaschwerpunkt. Bis heute lebt er zurückgezogen in Theben-Neudorf an der slowakisch-österreichischen Grenze und schreibt über die "Welt hinter Wien" (Titel seiner Kolumne in der "Presse"). Während Osteuropa selber die Grenze zum Osten noch weiter östlich verstanden haben will, bereist Leidenfrost ohne Vorbehalte das Gebiet. Seine Neugier gilt den Bewohnern vergessener Landstriche und deren Sicht auf die Machtzentren Westeuropas. Höhepunkt dieses Interesses dürfte nun die investigative Hochglanzdoku "Gas Monopoly" sein, deren bizarre Interviewsequenzen (u. a. mit Joschka Fischer, Alexander Medwedew, Taner Yildiz, Günther Oettinger) ein ums andere Mal den Atem rauben können. In opulent gefilmten Bildern stellt sich Leidenfrost mit hemdsärmeliger Chuzpe als "Gasreporter" vor, eine inszenierte Harmlosigkeit, die sicher auf Michael Moore zurückgeht, die das Urgestein aber auch übertrifft, da der Gasreporter die klügeren Fragen stellt. Leidenfrost trifft nicht auf Instanzen, er redet mit Menschen, ob in Brüssel, Istanbul, Moskau oder der Tundra. Dass die profansten und zugleich hellsichtigsten Statements am Ende in einem Zelt aus Rentierfellen ausgesprochen werden, ist einerseits schon ein Klischee, andererseits nicht ohne Witz, wie vieles an diesem wunderbaren Film.

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