Geraubte Küsse
Baisers volés, FR 1968
- Genre
- Romanze, Komödie
- Inhalt
Antoine Doinel ist erwachsen geworden und wird als untauglich aus dem Militärdienst entlassen. Um sich wieder im Alltag einzurichten, mietet sich Doinel ein Dachzimmer in Montmartre und nimmt einen Job als Nachtportier in einem Stundenhotel an. Kurze… — Mehr
Antoine Doinel ist erwachsen geworden und wird als untauglich aus dem Militärdienst entlassen. Um sich wieder im Alltag einzurichten, mietet sich Doinel ein Dachzimmer in Montmartre und nimmt einen Job als Nachtportier in einem Stundenhotel an. Kurze Zeit später ist er Fernsehtechniker und schließlich heuert er bei einer privaten Detektei als Späher an. Er soll das Personal einer großen Firma im Auge behalten, doch oft ist er nicht aufmerksam genug, um die Leute beim Betrügen zu erwischen. So landet er am Ende im Schuhgeschäft von Monsieur Tabard. Auch in Liebesdingen fehlt es Doinel noch an klaren Zielvorstellungen. So verliebt er sich brennend in die Violinspielerin Christine, doch seine heiße Verehrung gilt Madame Tabard, die aber als verheiratete Frau für ihn unerreichbar scheint. Freundin Christine wird es zu bunt. Sie ergreift die Initiative, macht Doinel zu ihrem Geliebten und zieht so einen ersten Schlussstrich unter die ziellosen Träumereien des suchenden Doinel.
- Cast
- Jean-Pierre Léaud, Delphine Seyrig, Claude Jade, Michael Lonsdale, André Falcon, Daniel Ceccaldi, Martine Ferrière — Mehr
- Regisseure
- François Truffaut
- Autor
- François Truffaut
- Laufzeit
- 91 Minuten
- Ort
- Eiffelturm, Montmartre, Paris
- Handlung
- 1968er-Generation, Affäre, Amateur Detektiv, Armee, Bordell, Cinémathèque Française, Detektiv, Ehebruch, Eltern-Kinder-Beziehung, Heimliche Liebe, Honoré de Balzac, Hotel, Hotelzimmer, Individuum, Job-Hopping, Liebeskummer, Mai 68, Nachtwächter, Reparatur, Schuhverkäufer, Schüchternheit, Studentenbewegung
Über diesen Film
Gewidmet ist der dritte Teil des Antoine-Doinel-Zyklus, der 1968 nach Sie küssten und sie schlugen ihn und Antoine et Colette erscheint, Henri Langlois, dem Leiter der Cinématèque française. Langlois wurde während der Drehar… — Mehr
Gewidmet ist der dritte Teil des Antoine-Doinel-Zyklus, der 1968 nach Sie küssten und sie schlugen ihn und Antoine et Colette erscheint, Henri Langlois, dem Leiter der Cinématèque française. Langlois wurde während der Dreharbeiten durch den Kulturminister André Malraux seines Amtes enthoben, was infolgedessen zu heftigen Protesten führte, bei denen sich Truffaut maßgebend beteiligte. Der Titel Baisers volés ist einem Chanson von Charles Trenet, Que reste-t-il de nos amours?, entnommen, das zu Beginn und Ende des Films eingespielt wird.
Handlung
Antoine (Jean-Pierre Léaud) hat sich gerade unehrenhaft aus der Armee entlassen lassen, obwohl er sich eigentlich für drei Jahre verpflichtet hatte. Das erste, was er tut, ist die Eltern von Christine (Claude Jade) aufzusuchen, die ihn freundlich aufnehmen. Dort bekommt er auch prompt von Christines Vater Lucien (Daniel Ceccaldi) seinen ersten Job vermittelt: fortan ist er Nachtportier in einem kleinen Pariser Hotel. Die Mutter (Claire Duhamel) scheint ihn sehr zu mögen und tröstet ihn, weil Christine nicht anwesend ist. Christine, die ihn später im Hotel besucht, kümmert sich ebenso rührend um ihn. Dennoch scheint die Beziehung nicht von Leidenschaftlichkeit geprägt.
Antoine ist ein junger Mann, der im Montmartre wohnt und das Leben genießen will. Da er schon seit zwei Jahren in Christine verliebt ist, die sich allerdings nicht entscheiden kann, ob zwischen ihnen mehr als Freundschaft bestehen soll, sucht er Trost und Abwechslung bei zahlreichen Prostituierten.
Eines morgens stürmen zwei Männer während seiner Nachtschicht in das Hotel und machen einige Aufruhr, weil eine Dame, die Gast in dem Hotel sei, verschlafen habe. Sie drängen Antoine, das Zimmer aufzuschließen und erwischen dabei eine Frau mit ihrem Liebhaber. Einer der Männer schlägt daraufhin eine Vase kaputt. Wie sich herausstellt, ist die Frau mit dem lärmenden Mann verheiratet und der zweite Mann sein Privatdetektiv. Durch den Lärm kann nun die Polizei gerufen werden und neben einer Ruhestörung den Ehebruch der Dame festhalten (was 1968 in Frankreich noch ein Scheidungsgrund war). Durch diesen Zwischenfall verliert Antoine nur leider seinen Job…
In einer Bar trifft er aber zufällig den Privatdetektiv, Monsieur Henri ( Harry-Max), der ihm wiederum zu einem Job als Privatdetektiv verhilft.
Daheim bei den Darbons überraschet er Christine, die nun seinen neuen Beruf erraten soll, mit dieser Neuigkeit und will ihr im Weinkeller einen Kuss rauben, den sich Christine zuvor sanft gestohlen hat. Sie wehrt die Heftigkeit ab. Als Antoine sie Tags darauf abholen will, erklärt Madame Darbon, Christine sei nicht da und bittet ihn herein. Derweil stiehlt sich Christine durch den Hinterausgang davon.
In dem Detektivbüro arbeiten neben M. Henri und dem Chef Monsieur Blady (André Falcon) außerdem noch Catherine (Catherine Lutz), die eine Daueraffäre mit Julien (Paul Pavel) hat und die Sekretärin Mademoiselle Ida (Christine Pellé). Der neueste Fall wird von Monsieur Albani (Albert Simono) beauftragt, der seinen verschollenen Mitbewohner aufspüren will. Dieser ist Zauberkünstler. Antoine darf den Herrn ausspionieren und besucht daher mit Christine das Kabarett, in dem er auftritt. Um ihn zu verfolgen, lässt er Christine sitzen. Am nächsten Tag verliert er den Herrn aus den Augen, da er aus einer Telefonzelle Christine anruft. Monsieur Blady ist darüber alles andere als erfreut.
Der neueste Kunde, Monsieur Tabard (Michel Lonsdale) rettet daraufhin Antoines Haut. Er benötigt einen Spitzel, der das Personal in seinem Schuhgeschäft ausspioniert. Er möchte wissen, weshalb er nicht gemocht wird und stellt Antoine ein. Somit ist Antoines neueste Berufung das Schuhgeschäft.
Eines Tages lernt er Madame Tabard ( Delphine Seyrig) kennen und verliebt sich prompt in die ältere, verheirate Dame. Diese beginnt seine Gefühle zu erwidern, nachdem sie zufällig von Antoines Gefühlen erfahren hat. Antoine lernt derweil Englisch und wendet sich von Christine ab. Bei einem Spaziergang im Park wirft er Christine vor, dass Liebe Bewunderung voraussetze. Er habe Christine jedoch nie bewundert. Nach all den Grobheiten lässt Christine ihn stehen und wird nun weiter von einem Unbekannten im Trenchcoat verfolgt, der ihr schon seit Beginn des Films nachstellt. Für Antoine ist Madame Tabard die große Liebe. In seiner Nervösität spricht er seine Ikone beim Kaffeetrinken eines nachmittags als “Monsieur” an. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als die Flucht zu ergreifen. Einem melodramatischen Abschiedsbrief seinerseits folgt ein Besuch von Mme Tabard in Antoines kleinem Apartment im Pariser Viertel Montmartre, der in einem Schäferstündchen mündet. Während Christine an Antoines Tür klopft, gibt dieser sich Madame Tabard hin.
Durch die Affäre mit der Ehefrau des Auftraggebers verliert Antoine erneut seinen Job und findet eine neue Anstellung bei einem Fernseh-Reparatur-Service. Als Christine davon erfährt und ihre Eltern übers Wochenende verreisen, ruft sie Antoine unter Vorgabe eines kaputten Fernsehers zu sich. Die beiden finden wieder zusammen. Antoine weiß nun, dass seiner Bewunderung für Madame Tabard nicht der Liebe zu Christine gleichkommt. Nachdem Christine ihm am Frühstückstisch erklärt hat, wie man einen Zwieback bestreicht ohne ihn zu zerbrechen (“ich bringe dir diesen Zweibacktrick bei und du zeigst mir alles, was du kannst”) und macht er ihr mit dem goldglänzenden Ende eines Flaschenöffners einen improvisierten Heiratsantrag. Christine nimmt freudig an.
Der Film endet mit einem Spaziergang im Park. Antoine und Christine sind nun verlobt. Da schreitet der Unbekannte (Serge Rousseau) auf sie zu, der Christine bereits seit einigen Tagen verfolgt hat. Dieser Mann gibt zu, in Christine vernarrt zu sein und bietet ihr die ewige Liebe an – im Kontrast zur falschen, vorübergehenden Liebe mit dem unerfahrenen Antoine. Daraufhin verschwindet er wieder. Christine tut seine Avancen als “Verrücktheit” ab und spaziert mit Antoine weiter.
Weiterführende Informationen
- Informationen über die Produktion und die Dreharbeiten
- Titelsong: Der Titel Baisers volés ist dem Lied von Léo Chauriac Que reste-t-il de nos amours (1942) entnommen, das von Charles Trenet interpretiert wird. Es wird zu Beginn des Films und in der letzten Sequenz engespielt und greift die Thematik der Liebe zwischen Antoine und Christine auf, die in den darauffolgenden Filmen des Antoine-Doinel-Zyklus von François Truffaut Tisch und Bett und Liebe auf der Flucht weiter entwickelt wird.
- Der Antoine-Doinel-Zyklus
- Die filmische Bewegung der Nouvelle Vague
- Der erste Teil des Antoine-Doinel-Zyklus Sie küssten und sie schlugen ihn
- Der zweite Teil des Antoine-Doinel-Zyklus Antoine et Colette
- Der vierte Teil des Antoine-Doinel-Zyklus Tisch und Bett
- Der fünfte Teil des Antoine-Doinel-Zyklus Liebe auf der Flucht
Weiterführende Informationen im Internet
- Eine Review des Films Baisers volés by Mike Robins (auf englisch)
- Der Liedtext (auf französisch)
Quellen
- Eine Besprechung des Films Présentation de Baisers volés (auf französisch)
- Filmkritik Baisers volés auf der Filmzentrale
- Baisers volés, DVD, Aus: Truffaut Coffret (5 DVDs), MK2 2001.
Poster und Merchandise zum Film im Fanshop
Kommentare — Sehenswert 7.8
Der Film Geraubte Küsse wurde von 166 Mitgliedern bewertet.
Pando 2009/07/14 23:38:11
Felixco 2009/06/10 01:04:14
Der Film, der einst beim Academy Award dem bombastisch sowjetischen "Krieg und Frieden" unterlag, räumte 68 weltweit die wichtigsten Filmpreise ab. Truffaut erschien oft erst nach den Proben zu Szenen, die er am Abend zuvor geschrieben hatte und wenn er da war, entstanden sie fünf Minuten vor Drehbeginn.
Das 111seitige Drehbuch war auch nur Ideenlieferant für Improvisationen, denn Truffaut diskutierte nie vor sondern erst beim Dreh: So ist das federleichte Werk voll von gestohlenen Küssen und zahllosen Kostbarkeiten. Léaud erinnert an Chaplin, nur: er ist weitaus komischer; Claude Jade erinnert in ihrer vollkommen natürlichen Grazie an die 20er/30er, nur ist sie zeitloser als Lillian Gish oder Danielle Darrieux.
Truffaut selbst kämpfte während der Dreharbeiten zu dem Film, der einem Lied aus den 30er Jahren entlehnt ist, mit dem "gefährlichen Banditen" Daniel Cohn-Bendit und anderen Dany Rouges zu jener Zeit um den Erhalt der Cinemathèque [ohne die heute etwas wie moviepilot komplett undenkbar wäre] und schuf in dieser Epoche den vielleicht leichstesten Film der heute etwa 111jährigen Filmgeschichte.
Und so ganz nebenbei zeigt Claude Jade dem ewiglich unerwachsenen Léaud, wie man ein Toastbrot mit Butter bestreicht ohne es zu zerbrechen.
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Lars will 2008/09/02 11:13:54
Mit so vielen Auszeichnungen überhäuft und dabei so leicht und verspielt. Antoine Doinel kann sich nicht entscheiden, dabei ist die Lösung dank Claude Jade so einfach und unwiderstehlich wie ein gestohlener Kuss: "Christine Darbon, Christine Darbon, Christine Darbon"
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Der Film Geraubte Küsse gehört zum Genre Romanze, Komödie. Regie führte François Truffaut.

Auf den Klassiker "Les 400 coups" mit dem arretierendem Schlussbild des Antoine Doinel am Meer folgt nahezu zehn Jahre später der Klassiker der 68er, der zeitlos bleibt: Hier klopft Claude Jade als Christine Darbon an die Glastür eines Hotels wie der Wind in dem Titellied von Charles Trénet. Nun ist Nachtwächter Antoine verunsichert: Fiebrig prononciert er ihren Namen im Spiegel und nennt seinen anderen Schwarm, die Schuhgeschäftsbesitzersfrau Fabienne Tabard, im Lapsus "Monsieur". Ein feines Meisterwerk, bezaubernd, komisch und dabei so leicht.
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