Geraubte Küsse

Baisers volés (1968), FR
Laufzeit 91 Minuten, FSK 18, Drama, Komödie, Kinostart 04.04.1969

7.5 Kritiker
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von François Truffaut, mit Jean-Pierre Léaud und Delphine Seyrig

Antoine Doinel wird unehrenhaft aus der Armee entlassen. Er schlägt sich als Nachtwächter, Privatdetektiv, Schuhverkäufer und Fernsehmechaniker durchs Leben. Immer an seiner Seite seine Jugendliebe Christine, die er eigentlich heiraten will, dann aber doch verlässt, als er sich in die Frau des Schuhladenbesitzers verliebt. Aber Christine will ihren Antoine zurück und greift zu einem genialen Trick. François Truffauts dritter Teil des Antoine-Doinel-Zyklus zeigt seinen emotional wankelmütigen Helden in unzähligen verspielten, melancholischen und poetischen Episoden und wurde prompt als Bester ausländischer Film für den Oscar® und Golden Globe nominiert.

Gewidmet ist der dritte Teil des Antoine-Doinel-Zyklus, der 1968 nach Sie küssten und sie schlugen ihn und der Episode Antoine et Colette aus dem Omnibusfilm “Liebe mit zwanzig” erscheint, Henri Langlois, dem Leiter der Cinématèque française. Langlois wurde während der Dreharbeiten durch den Kulturminister André Malraux seines Amtes enthoben, was infolgedessen zu heftigen Protesten führte, bei denen sich Truffaut maßgebend beteiligte. Der Titel Baisers volés ist einem Chanson von Charles Trenet, Que reste-t-il de nos amours?, entnommen, das zu Beginn und Ende des Films eingespielt wird.

HandlungAntoine (Jean-Pierre Léaud) hat sich gerade unehrenhaft aus der Armee entlassen lassen, obwohl er sich eigentlich für drei Jahre verpflichtet hatte. Das erste, was er tut, ist die Eltern von Christine (Claude Jade) aufzusuchen, die ihn freundlich aufnehmen. Dort bekommt er auch prompt von Christines Vater Lucien (Daniel Ceccaldi) seinen ersten Job vermittelt: fortan ist er Nachtportier in einem kleinen Pariser Hotel. Die Mutter (Claire Duhamel) scheint ihn sehr zu mögen und tröstet ihn, weil Christine nicht anwesend ist. Christine, die ihn später im Hotel besucht, kümmert sich ebenso rührend um ihn. Dennoch scheint die Beziehung nicht von Leidenschaftlichkeit geprägt.

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Kommentare (6) — Film: Geraubte Küsse

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Prestigeww

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Bewertung9.5Herausragend

Je öfter ich ihn sehe, desto mehr liebe ich geraubte Küsse. Er ist einfach von vorn bis hinten vollgestopft mit Szenen für die Ewigkeit, einem feinen Humor, einer guten Portion Melancholie und mehr als einer wichtigen Lebensweisheit: Manchmal ist die Liebe nicht das, was man sich aussucht, sondern das, was einem passiert.

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cannibal83

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

"Geraubte Küsse" wirkt an manchen Stellen bemüht, (z.B. beim Test zum Versandchef) ist ansonsten aber unglaublich charmantes Kino, welches stark von seinem großartigen Cast zehrt. Neben der bezaubernden Claude Jade ist es speziell Delphine Seyrig die ihre Szenen geradezu meisterhaft performt. Der sympathische, im Job leider erfolglose, Jean-Pierre Léaud tut sein übriges.

Das Ende um den "verrückten" Unbekannten ist eine Klasse für sich, und wohl nicht nur für Cineasten unvergesslich. Toll!

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Pando

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Auf den Klassiker "Les 400 coups" mit dem arretierendem Schlussbild des Antoine Doinel am Meer folgt nahezu zehn Jahre später der Klassiker der 68er, der zeitlos bleibt: Hier klopft Claude Jade als Christine Darbon an die Glastür eines Hotels wie der Wind in dem Titellied von Charles Trénet. Nun ist Nachtwächter Antoine verunsichert: Fiebrig prononciert er ihren Namen im Spiegel und nennt seinen anderen Schwarm, die Schuhgeschäftsbesitzersfrau Fabienne Tabard, im Lapsus "Monsieur". Ein feines Meisterwerk, bezaubernd, komisch und dabei so leicht.

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Felixco

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Der Film, der einst beim Academy Award dem bombastisch sowjetischen "Krieg und Frieden" unterlag, räumte 68 weltweit die wichtigsten Filmpreise ab. Truffaut erschien oft erst nach den Proben zu Szenen, die er am Abend zuvor geschrieben hatte und wenn er da war, entstanden sie fünf Minuten vor Drehbeginn.

Das 111seitige Drehbuch war auch nur Ideenlieferant für Improvisationen, denn Truffaut diskutierte nie vor sondern erst beim Dreh: So ist das federleichte Werk voll von gestohlenen Küssen und zahllosen Kostbarkeiten. Léaud erinnert an Chaplin, nur: er ist weitaus komischer; Claude Jade erinnert in ihrer vollkommen natürlichen Grazie an die 20er/30er, nur ist sie zeitloser als Lillian Gish oder Danielle Darrieux.

Truffaut selbst kämpfte während der Dreharbeiten zu dem Film, der einem Lied aus den 30er Jahren entlehnt ist, mit dem "gefährlichen Banditen" Daniel Cohn-Bendit und anderen Dany Rouges zu jener Zeit um den Erhalt der Cinemathèque [ohne die heute etwas wie moviepilot komplett undenkbar wäre] und schuf in dieser Epoche den vielleicht leichstesten Film der heute etwa 111jährigen Filmgeschichte.

Und so ganz nebenbei zeigt Claude Jade dem ewiglich unerwachsenen Léaud, wie man ein Toastbrot mit Butter bestreicht ohne es zu zerbrechen.

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Lars will

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Mit so vielen Auszeichnungen überhäuft und dabei so leicht und verspielt. Antoine Doinel kann sich nicht entscheiden, dabei ist die Lösung dank Claude Jade so einfach und unwiderstehlich wie ein gestohlener Kuss: "Christine Darbon, Christine Darbon, Christine Darbon"

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Darbon

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Wie bestreicht man einen Zwieback ohne ihn zu zerbrechen? Eine schönere Liebeserklärung als diese Szene und Christines ersten Auftritt in der Nacht, hinter der Glastür des Hotels seinem alter ego Doinel zuwinkend, konnte François Truffaut seiner Hauptdarstellerin Claude Jade nicht machen. Und dann taucht am Ende dieser Mann im Trencoat auf, der ihr sagt, er habe keinerlei Verpflichtungen, sie werde für ihn der Inhalt seines Lebens sein und er sei definitiv. Sie erklärt ihn für verrückt, Doinel stimmt zu und Charles Trénets "Que reste-t-il de nos amours" zeugt von der Unvergänglichkeit des Kinos. Gestohlen oder abgeflogen, diese Küsse schmecken immer süß.

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