Ginger und Fred

Ginger e Fred (1986), FR/IT/DE
Laufzeit 125 Minuten, FSK 16, Komödie, Drama, Kinostart 28.08.1997

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mit Giulietta Masina und Marcello Mastroianni

In ihrer Jugend waren Pippo Botticella und Amelia Bonetti ein gefeiertes Tanzpaar wie einst Ginger und Fred. 30 Jahre später sollen die beiden für eine vorweihnachtliche Nostalgie-Show noch einmal gemeinsam im Fernsehen auftreten, wo sie erstmals seit ihrer Trennung wieder aufeinander treffen. Im TV-Studio herrscht das totale Chaos, die Show ist niveaulos, dümmlich und bizarr. Doch bei Pippo und Amelia keimen Erinnerungen an alte Zeiten wieder auf.


Cast & Crew


Kommentare (3) — Film: Ginger und Fred

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David "Noodles" Aaronson

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Bewertung9.0Herausragend

Zusammen mit dem "Schiff der Träume" die Perle in Federico Fellinis Alterswerk. Einer der Filme die nur dann sinnvoll sind, wen man sie im Gesamtwerk des Regisseurs einzuordnen weiß. Schon alleine die Anwesenheit von Marcello Mastroianni und Giulietta Masina, zum ersten mal seit 1949 (da aber „nur“ im Theater) zusammen on Stage, macht die Sache zu einem Hochgenuss, ein Wiedersehen mit alten Freunden. Alle sind sie da, die Clowns, die Gaukler, die Zwerge, die Kuriositäten, das bunte, herzige und verrückte. Willkommen in Fellinis Welt.

In dieser Welt haben nun zwei Helden aus Fellinis Jugendzeit ihren Platz gefunden: Fred Astaire und Ginger Rogers, ihnen soll der Film ein Denkmal setzten (und das tut er auch). Mastroianni spielt dabei Pippo, die Masina Amelia, zwei Imitatoren des berühmten Amerikanischen Tanz-Duos. Pippo und Amelia haben ihre Zusammenarbeit, einschließlich jeglichen Kontaktes, allerdings vor dreißig Jahren aufgegeben. Ihr Comeback im TV, entpuppt sich hierbei leider als Teil einer Weihnachtsshow, die mit Achtung vor ihren Künstlern ziemlich geizt.

Oft wird behauptet dass dieses Werk die große Abrechnung mit dem Fernsehen, oder Medien generell, darstellt. Sehe ich so nur bedingt (es lassen sich auch zahlreiche mildere Zitate vom Meister finden). Die nervigen Werbeblöcke werden sicher sehr gekonnt persifliert (wobei Subtilität Fellinis Sache nicht ist).
Letzlich wurden der Kinoleinwand irgendwann unwiederbringlich - durch das Fernsehen nämlich - die Magie und die Zuschauer zugleich entzogen, das ist es was beklagt wird. Ein großer Feldzug gegen die Mediale Welt würde gewiss anders aussehen. Seitenhiebe gibt es aber noch zuhauf.

"Ginger und Fred" kreist um die Figuren die ihn bevölkern, (außer)gewöhnliche Menschen in einer maximal bunten und lauten Umgebung. Die Bühne betreten Gnome, Transvestiten, Gangster, Franz Kafka etc. Wie bei Fellini üblich, ist es wichtig dass alle Protagonisten mit entsprechender Würde behandelt werden, plumper Zynismus lässt sich selten entdecken (das wäre natürlich etwas was sich heute sehr oft in den Medien finden lässt…). Der Zuschauer merkt dass ihn Menschen und Kino wirklich doch sehr am Herzen liegen, weswegen auch gerne mal bei obszönen Witzen, sowie den Auftreten physiognomisch herausragender Menschen, gelacht werden kann. Es ist bestimmt der lustigste aller Fellini Filme.

Bei Fellinis Kumpel Marcelino und Giulietta ist eh jedes Lob Understatement. Ein Zusammenspiel auch jenseits von reinen Schauspiel, würde ich meinen. Alleine schon die Szene im Sanitärbereich ist so unbeschreiblich grandios und erklärt auf beeindruckende Weise Fellinis Respektsbezeichnung: 'Il Maestro'. Würde, Respekt, den Schalk im Nacken und die Oper im Hintersinn, genau so ist "Ginger e Fred" - wie so oft bei Federico Fellini.

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filmfan90

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Bewertung7.5Sehenswert

In der Mediensatire „Ginger e Fred“ geleitet Fellini ein gealtertes Tanz- Duo durch die leuchtenden, neonfarbenen Kulissen einer vorweihnachtlichen Fernsehsendung, die darauf abzielt, körperlich und/ oder geistig Benachteiligte hemmungslos zur Schau zu stellen.
Nach vielen Jahren trifft das einstige Traumtanzpaar Amelia Bonetti (Giulietta Masina) und Pippo Botticella (Marcello Mastroianni)- in Anlehnung an Ginger Rogers und Fred Astaire „Ginger“ und „Fred“ genannt- im Rahmen einer TV- Sendung, in der sie ihre berühmteste Stepptanznummer aufführen sollen, aufeinander. Doch die beiden erkennen, dass es den Produzenten nicht darum geht, ihrem Können Respekt zu zollen, sondern vielmehr handelt es sich bei der geplanten Fernsehsendung um eine „Freakshow“, zu deren Gästen u.a. ein seniler Admiral, ein Kleinwüchsigen- Ballett und eine Kuh mit 18 Zitzen zählen…
Indem Fellini „Ginger e Fred“ ein nur sehr vages dramaturgisches Konzept zu Grunde legt- die entscheidenden Stationen der Handlung sind vor, während und nach dem Auftritt- fokussiert er vielmehr das Geschehen an sich und schmückt den Film mit einer Vielzahl an Dialogen zwischen den exzentrischen Gästen der Sendung aus.
In die Filmhandlung sind fiktive Werbespots eingeschnitten, die das Publikum der TV- Sendung dazu anleiten, seine „Fragen und Schauer all der Jahre in die Traumwäscherei zu tragen“. Obwohl sich dies auf Dauer enervierend auf den Zuschauer auswirkt, macht gerade jenes Stilmittel und Fellinis Hang zum Grotesken- einer der „Spots“ zeigt beispielsweise eine knapp bekleidete, attraktive Frau, die einen Eimer voller Würste auf eine riesige Pizza schüttet- die Widersinnigkeit des alltäglichen TV- Irrsinns erfahrbar.
Angesichts der scharfen Medienkritik, die Fellini in „Ginger e Fred“ übt, ist es auch nicht verwunderliche, dass er- abgesehen vom Ende des Films- auf nahezu jegliche Emotionalität verzichtet, diese vielmehr im Keim zu ersticken versucht- so ist der Zuschauer etwa zu Beginn des finalen Auftrittes von „Ginger“ und „Fred“ geneigt, die Perspektive des (fiktiven) TV- Publikums einzunehmen, indem er die tänzerische Harmonie zwischen den Protagonisten als Zeugnis der gegenseitigen Verbundenheit wahrnimmt, doch unterbricht Fellini den Auftritt zunächst durch einen Stromausfall und darauf durch Freds unerwarteten Sturz…
Anhand jener „Verfremdungs- Effekte“ gelingt es dem Regisseur, das Dargestellte, den „Film im Film“, als manipulativ zu entlarven.
Lob gebührt außerdem den Leistungen der beiden Hauptdarsteller, denn Giulietta Masina beweist außerordentliches Feingefühl in der Interpretation der zunächst naiven Amelia, die sich erhofft, noch einmal in den Genuss des Beifalls eines großen Publikums zu kommen. Marcello Mastroianni, der den abgehalfterten Trunkenbold und Schwerenöter Pippo spielt, zeigt vor allem in der bereits erwähnten Tanzszene sein schauspielerisches Können, indem sein Mimenspiel ständig zwischen Verunsicherung und aufgesetzter Gelassenheit changiert.
Trotz der etwas harschen Darstellung der Absurdität, die vor und hinter der Kamera des Medienbetriebes längst Realsatire geworden ist, kann Fellini seine Liebe zu den beiden Hauptfiguren nicht verbergen- und findet auf diesem Wege am Ende des Films zu der Warmherzigkeit seiner frühen Werke zurück.

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hoffman587

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Da schlägt meins Herz vor Freude gleich höher, wunderbare Kritik:)


filmfan90

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Mille grazie! :)


Darbon

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Bewertung9.0Herausragend

Die beste Abrechnung mit dem Privatfernsehen: Wehmütig, komisch und clownesk böse. Federico Fellini führt 1985 die Seelenlosigkeit dieser Art von Fernsehen vor ebenso wie die Pseudokomiker, die heute Stadien füllen. Schund gilt inzwischen als erhaben, weil ihn sich Millionen anschauen. Fellini: "Die Privatfernsehanstalten behaupten, sie bräuchten die Werbung, um zu überleben. In einer Gesellschaft, die glaubt, nach dem Prinzip zu leben, nicht in die Freiheit des anderen einzudringen. Auch Verbrecher können erklären, dass sie ihre Verbrechen begehen müssen, um zu überleben. Diese Art von Fernsehen ist es nicht wert, zu überleben."

Im Gegensatz dazu berühren Giulietta Masina und Marcello Mastroianni als Verfechter ihrer Zunft. In einem Fernsehstudio arrangieren sie sich widerstrebend mit Kollegen wie einer Kuh mit 18 Zitzen, den TV-Machern und einem Publikum, das zur Hälfte aus Pappfiguren besteht. Das Ende, in dem Pippo seiner Amelia ein leises Dampfersignal am Bahnhof sendet, ist der herzzerreißende Abgesang auf diese Helden.

DVD-Tip: Gerade jetzt, da sich RTL für sein 25jähriges Bestehen feiert, sollten wir diesen Film wiederentdecken. Dafür gibt's - heute mal zuviel der Ehre! - in memoriam Pippo das "vergoldete Arschloch an der Nabelschnur" ;-D

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