Gran Torino - Kritik

US 2008 Laufzeit 116 Minuten, FSK 12, Drama, Kinostart 05.03.2009

  • 8

    Clint in Bestform und sogar witzig. Darüber hinaus wunderbare Demontage des Dirty Harry-Motivs.

    • 9

      Kur und bündig, ein herausragender film der für den einen oder anderen lacher dank des trockenen Humors sorg, und plötzlich so entsetzend wird, bei diesem film ist auch die ein oder andere Träne geflossen, also in meine filmsammlung hat er sich seinen Platz mehr als verdient!!!

      • 7 .5

        Jetzt habe ich auch endlich mal meinen ersten Eastwood gesehen.
        Eine von allen Seiten, und vor allem Eastwood, absolut toll gespielte Geschichte über die Entwicklung eines alten, konservativen und rassistischen Amerikaners, der in die Angelegenheiten seiner ausländischen Nachbarn mit einbezogen wird und sich nach und nach mit ihnen anfreundet und erkennt, dass die Welt vielleicht doch nicht so ist, wie er sie immer gesehen hat.
        Gran Torino ist eine schön verpackte Kritik an Rassismus und Krieg, dessen Geschichte an sich mir aber, bis auf die Figur des Walt Kowalski, immer etwas zu oberflächlich bleibt und manchmal auch etwas klischeehaft wirkt.

        1
        • 9 .5
          huababuar 15.01.2015, 17:49 Geändert 15.01.2015, 18:15

          Männer und ihre Autos - eine ganz eigene, mitunter sogar innige Beziehung (ich habe von Männern gehört, die ihre Autos geheiratet haben :o). So ziemlich jeder männliche Erdbewohner liebt sein Vehikel, die mehr oder weniger vorhandenen Pferdestärken unter seiner Haube, die pure Schönheit eines von Menschenhand erschaffenen Meisterwerks.

          So auch Walt Kowalski (Clint Eastwood). Neben seinem heiligen Rasen verehrt er seinen 72er Gran Torino, schraubte früher selbst bei Ford und lebt nun nach dem Tod seiner Frau alleine in einer Vorstadtsiedlung Detroits. Seine Nachbarschaft verkommt immer mehr zur Anlaufstelle für Mong (auch Humongs/Bambusratten/Reisfresser/Fischgesichter oder ähnliches genannt :)) und andere ausländische Volksgruppen. Dem rassistischen Walt schmeckt das gar nicht. Der Korea-Krieg hinterließ tiefe Spuren bei ihm, er wirkt verbittert, voreingenommen, hat nicht mal zu seiner eigenen Familie einen richtigen Draht. Sein Alltag besteht darin, Dinge zu reparieren, sich um seinen Garten zu kümmern und mit Bier und Zigarette auf der Veranda zu sitzen. Doch mit der Zeit nähern sich Veteran und Einwandererfamilie Schritt für Schritt an. Walt geht eine Freundschaft mit den Lor ein und gerät dabei in einen Konflikt, den er mit seiner gewohnten Härte lösen will....

          Mit "Gran Torino" schuf Regisseur und Hauptdarsteller Clint Eastwood eines der wohl besten Sozialdramen des vergangenen Jahrzehnts- ja, wenn nicht sogar überhaupt. Das Lustige daran ist: So recht viel passiert eigentlich gar nicht. Walt schimpft tagein tagaus über "Bimbos, Nachos und Co.", legt diese Haltung aber im Verlauf der Geschichte ab. Es wird schlicht die Wandlung eines alten Mannes gezeigt und die wachsende Bindung, die er zu seinen einst verhassten Nachbarn aufbaut, dargestellt - das aber auf derart tragische, spannende und komödiantische Art und Weise zugleich, dass es ein Fest ist, Eastwood bei seiner grandiosen Verkörperung des Walt Kowalski zuzusehen. Dieser Mann strahlt eine unermessliche Coolness aus: Wie er knurrt, wie er spuckt, wie er schaut. Eastwood trägt diesen Film mit seiner unglaublichen Performance. Die Dialoge und insbesondere jene mit dem Friseur (John Caroll Lynch) sind einzigartig und besitzen längst Kultstatus in meinem Freundeskreis.

          "So. Endlich siehst du wieder wie ein Mensch aus. Dass du auch immer so lange wartest bis du zum Friseur gehst, du geiziger alter Mistbock."
          "Ja. Mich wundert bloßt, dass du immer noch da bist. Ich hoff' seit 'ner Ewigkeit, dass du abkratzt und hier endlich jemand weitermacht, der was von seinem Handwerk versteht. Aber du bist ja nicht tot zu kriegen, typisch für euch Spaghetti-Fresser."
          "Ich krieg 10 Dollar von dir, Walt."
          "10 Mäuse? Herrgott, Martin. Bist du 'n halber Juder oder was? Immerzu wirst du teurer."
          "Seit 5 Jahren kostet es bei mir 10 Dollar, du stures, bescheuertes Polacken-Arschloch."
          "Ja, den Rest kannst du behalten."
          "Ich seh dich in drei Wochen, Wixxer."
          "Auf keinen Fall früher, du Saftsack."

          In unverkennbar sozialkritischen Tönen erzählt Eastwood eine vielschichtige Geschichte über Rassismus, Vorurteile, Leben und Tod sowie Respekt (der Jugend) vor dem Alter. Dies wirkt glücklicherweise aber nie belehrend, sondern eher demonstrativ. Mit einem passenden Look und einem gelungenen Score stimmen auch die technischen Rahmenbedingungen, sodass Walt Kawolski freie Fahrt hat und ein Dialogfeuerwerk nach dem anderen abfeuern kann.

          "Gran Torino" ist einfach Kult - und das schon sechseinhalb Jahre nach seinem Erscheinen. Ein Film, den man sich in regelmäßigen Abständen immer wieder ansehen kann. Ein Film, der Lachmuskeln und bei dem ein oder anderen vielleicht auch Tränendrüsen (am Ende) gleichermaßen strapaziert. Schlichtweg ein Film, den man einfach mal gesehen haben muss, ungeachtet dessen, ob man ihn nun absolut großartig oder stinklangweilig findet.

          "Schon mal bemerkt, dass man ab und zu vor jemandem steht, dem man besser nicht blöd kommt? So einer bin ich. [....]. Schnauze du Schwuchtel, was sollte denn diese ganze Bruder-Scheiße? Willst du hier den Ober-Bimbo geben? Die wollen nicht deine Brüder sein, das kann man ihnen nicht verübelnt. Und jetzt schieb ab mit deinem weißen, irischen Arsch."

          https://www.youtube.com/watch?v=QayQOP3NZGc

          9
          • 9

            Beim 2. Mal gucken ist er sogar noch besser als beim ersten Mal. Top Film aufjedenfall seine Zeit wert...

            1
            • 6 .5
              oliver.roth.5059 11.01.2015, 22:23 Geändert 22.01.2015, 00:30

              "Gran Torino" wirkt, obwohl er gut fotografiert ist und einen wie immer ausdrucksstarken Eastwood zu bieten hat, nicht wirklich rund. Alter grimmiger Mann, der alle haßt, unterliegt Sinneswandel und wird vom Publikum durch knorrige Republikaner- Sprüche und Self Defense auf US-Art ins Herz geschlossen, naja. Zu überfrachtet und klischeebehaftet, zu bemüht das Spiel mit Vorurteilen, reicht auch Clint dann nicht ganz aus um das zu einem wirklichen guten Film zu machen. Letztlich bleibt Gran Torino trotz einiger guter Momente etwas belangloses Kino. Das hat man schon ( besser ) gesehen. Meiner Meinung nach überbewertet.

              3
              • 10

                Erste Sahne.

                • 2

                  Ich wusste es, dass hier die Bewertungen in die Höhe gehen... Ich verstehe es nicht... WARUM dieser Film???? Derbst langweilig. Das einzig Gute ist die Hauptrolle und das Ende. Sorry.

                  • 10
                    Inspector.Columbo 07.01.2015, 00:14 Geändert 19.01.2015, 22:23

                    Eastwood in Hochform, grandioser Film!

                    • 9 .5

                      In dem Film geht es nicht bloß um das Auto. Es geht um die Konflikte zwischen Walt und seinen Nachbarn. Er befindet sich nicht gerade in der besten Phase seines Lebens und an seine Umgebung muss er sich auch gewöhnen. Doch trotzdem versteht er sich mit denen besser als mit seiner eigenen Familie. Dazu muss ich sagen, dass Clint Eastwood wirklich hammermäßig spielt! Es ist hauptsächlich ein Drama, welches Höhe- und Tiefpunkte hat. Außerdem konnte man nach der ersten viertel Stunde ab und zu auch ganz gut lachen. Zum Ende hin war es dann wieder ein bisschen ernster. Es war nicht wahnsinnig vorhersehbar. Somit hat der Film wirklich von Allem etwas. Man mag zwar am Anfang denken, dass Alte viel zu grimmig wäre, aber mit der Zeit schließt man ihn trotz all dem ins Herz.

                      • 9

                        [...] Amerikanische Vororte scheinen gefährlicher zu sein als ein Kriegsgebiet im Nahen Osten: Schwarze gegen Weiße, Asiaten gegen Hispanics, und mittendrin Eastwood als traditionsverhafteter Amerikaner, der sich mit den neuen Spielregeln nicht abfinden will. Die sich abzeichnenden Konflikte entwickeln sich in eine schön unorthodoxe Richtung. Das Spiel mit Rassismus, Vorurteilen und ethnischen Konflikten, dass jenseits aller political correctness ungewöhnliche Rollenverteilungen erlaubt, erinnert stark an L.A. Crash. [...]

                        • 10

                          Der Film lässt mein herz höher schlagen.

                          3
                          • 9

                            jup das pascht schon.
                            Der Eastwood als Killeropse jippi

                            • 8

                              Eastwood als grimmiger Rentner und Rächer. Famos!

                              • 8 .5

                                Und dann Clint Eastwood. Wahnsinn. Die Figur des Walt verkörpert er ebenso packend wie beängstigend, und wie der Misanthrop sein Herz und seine Menschlichkeit wiederentdeckt, wird vom Altmeister großartig gespielt. Zwischen all der Bösartigkeit und offenen Ablehnung verbirgt sich ein einsamer, alter und vom Schicksal verletzter Mann - was man Hauptdarsteller und FIlm in jeder MInute abnimmt. Zudem sind einige von Walts Sprüchen auch noch für Lacher gut, die einem eigentlich im Hals steckenbleiben sollten.
                                Sicherlich einer von Eastwoods ganz großen Filmen!

                                3
                                • 8

                                  "Gran Torino" ist zweifellos ein ziemlich starker Film! Clint Eastwood, über dessen herrlich bösartige Sprüche man oftmals herzhaft lachen und verwundert mit dem Kopf schütteln kann, liefert hier eine herausragende Performance ab. Aber auch die anderen Schauspieler sind unglaublich gut besetzt. Herausheben möchte ich hier auch unbedingt John Carrol Lynch (Twisty the Clown aus "American Horror Story: Freak Show"!), der hier als seltsamer Friseur auch für den ein oder anderen Lacher sorgt. Vor allem schafft "Gran Torino" den perfekten Spagat zwischen tiefgehender Story mit toller Message, Humor und Tragik. Gut gefallen hat mir auch, dass der Film trotz der sehr ruhigen, dialoglastigen Inszenierung (bei der nur vereinzelt ein sehr harmonischer Soundtrack benutzt wird) niemals langweilig wird und der Film immer gut unterhält, bevor er am Ende einem richtig ans Herz geht. Insgesamt muss ich aber auch sagen, dass "Gran Torino" im Mittelteil ein paar kleinere Längen hat, bei denen die Charakterentwicklung nicht so wirklich von der Stelle kommt und es ist jetzt auch kein Film, den ich mir unbedingt noch ein zweites Mal anschauen würde.
                                  Fazit: "Gran Torino" ist eine ausgezeichnete, überaus sehenswerte und unterhaltsame Charakterstudie!

                                  • 6 .5

                                    Der Film malt etwas zu sehr schwarz-weiß, der Film wirkt etwas zu sehr historisch überholt, der Film spiegelt mMn zu wenig en Titel. - Trotzdem gab es ein paar schöne, überzeugende Momente.

                                    • 10

                                      Provokant und gesellschaftskritisch - ein seltenes Filmjuwel von ungeheurer Kraft, das zum Nachdenken anregt.

                                      2
                                      • 9 .5
                                        PoetSnipe 15.11.2014, 22:17 Geändert 15.11.2014, 22:26

                                        Ein Film, der sich in eine völlig unerwartete Richtung entwickelt - das passiert mir nicht gerade häufig. Umso schöner, wenn es dann doch mal vorkommt :-D

                                        -----Leichter Spoiler-----

                                        Wie mein Vorredner hatte ich einen verbitterten "Rache-für-meine-triste-Lebensgeschichte-plus-ich-schicke-meinen-besten-Mann-also-komme-ich-selbst"-Film erwartet - heraus kam ein lehrreiches Stück über die Entwicklung eines Charakters.

                                        • 7 .5

                                          Schön, wenn sich Befürchtungen nicht bestätigen. Ich hatte einen Rache- und Selbstjustiz-Film erwartet, wollte mir aber wegen der vielen guten Kritiken ein eigenes Bild machen. Stattdessen sucht der Film nach einem anderen Weg. Er will dabei viel erzählen. Es ist der Appell, sich für die Multikulti-Nachbarn zu interessieren. Verbunden damit: Einblicke in die Automatismen von Bandenkriminalität, den Zwiespalt Heranwachsender, die zwischen Traditionalität und Perspektivlosigkeit leicht auf eine immer schiefere Bahn geraten. Um das alles darzustellen, verbiegt sich die Handlung an einigen Stellen. Dafür entschädigen aber einige wirklich witzige Momente und ein emotionales Ende.
                                          Der Film nimmt dabei genau diejenigen an die Hand, die eben so wie der verbitterte alte Mann sind: Konservative Amerikaner, aus eigener Sicht rechtschaffend und werteorientiert, mit einer Waffe im Haus, nach außen abweisend. Seine stärkste Waffe ist aber, dass er keine Angst zeigt. Ein Plädoyer für Zivilcourage die auch Verluste in Kauf nimmt.

                                          2
                                          • 8 .5

                                            Der alte Mann und die Vergangenheit. In Gran Torino erzählt Clint Eastwood, geradlinig wie immer, eine wehmütig schöne Geschichte über den Urinstinkt des Menschen, seine Vergangenheit zu verklären.
                                            Tragisch, wenn es bei all dem Sonnenbaden im Glanz der Erinnerung zu spät dämmert, dass man in der Gegenwart gescheitert ist. Tag für Tag.
                                            Keine echten Freunde, keinen Draht zu den Kindern und Enkeln, ein verschlossener Witwer. Das ist Walt Kowalski, von Eastwood selbstironisch verkörpert, wenn er den knorrigen Koreakriegsveteranen und pensionierten Ford-Werksarbeiter knurren lässt wie einst Callahan in Dirty Harry. Nur seinen Gran Torino, einen feschen Ford aus den 1970ern, hegt und pflegt er mit Herzblut. Der Sportwagen funkelt und blitzt in der Sonne. So ähnlich stellt man sich vor, müssen die Erinnerungen an früher in seinem Gedächtnis glitzern.
                                            Die Erinnerung an den Korea-Krieg, von dem er glaubt, bei einer gerechten Sache mitgewirkt zu haben, seine Erinnerung an ein ganzes Arbeitsleben bei Ford, das es ihm ermöglicht hat, ein Häuschen in einer Vorstadtsiedlung unter seinesgleichen und natürlich den Gran Torino zu erwerben. Toller Schlitten. Amerikanische Wertarbeit.
                                            Und jetzt? Was hat es Kowalski gebracht, nach Werten und Überzeugungen, fest verwurzelt im amerikanischen Boden, zu leben? Sein Sohn fährt ein asiatisches Fahrzeug, in der Nachbarschaft leben nur noch Menschen, deren Schrift er nicht kennt und deren Namen er nicht aussprechen kann. Fuck you all! Die Enkelin kann es nicht erwarten, dass er abkratzt und sie den Gran Torino erbt, der Gemeindepfarrer nervt, weil Kowalskis Ehefrau auf dem Totenbett den Geistlichen gebeten hat, ihren Mann dazu zu bewegen, zu beichten bevor er stirbt. Fuck. Das ist nicht mehr Walts Welt.
                                            Und dennoch ist es gerade diese neue Welt, die ihm das Gefühl geben wird, noch einmal gebraucht zu werden und seine Vorurteile überdenken zu müssen. Die neue Welt beginnt auf dem Nachbarsgrundstück, wo südostasiatische Einwanderer inzwischen leben. Nach anfänglicher Distanz kommt man sich ungewollt näher. Er lernt Sohn und Tochter der Nachbarn kennen, nimmt wohl oder übel ihre Sorgen und Nöte wahr. Insgeheim zollt er dem Familiensinn, den seine asiatischen Nachbarn an den Tag legen, Respekt, ein Familiensinn, der in Walts Weltbild passt aber im Amerika von heute , wie er glaubt, nicht mehr vorkommt.
                                            Der Schlamassel, in den der Nachbarsjunge schließlich gerät, wird Walt Kowalski, der inzwischen weiß, dass er nicht mehr lange zu leben hat, dazu bewegen, ihm zu helfen, egal welcher Herkunft er ist. Gut gegen Böse gilt immer, auch in einer Welt, die nicht mehr die seine ist. Dafür lohnt es sich immer, zu kämpfen. Für diesen alten Mann und die Vergangenheit, die mit ihm stirbt.

                                            3
                                            • 10

                                              „Ich bin nur ein Typ, der Filme macht“ (Clint Eastwood)

                                              "Gran Torino" ist schuld. Nach Erstsichtung vor einigen Jahren hat mich der Film neugierig gemacht auf Clint Eastwood. Vorher habe ich eher ein festgefahrenes Bild gehabt von einem harten Kerl, der in einigen Actionern mitgewirkt hat und hier und da mal als Regisseur einen richtig guten Film rausgebracht hat. Aber „Gran Torino“ ist ein Augenöffner, über Eastwoods großes Talent und Können, vor und hinter der Kamera.

                                              Der von Eastwood dargestellte Walt Kowalski ist fast schon eine Sensation, obwohl er das natürlich strikt verneinen würde. Lebte man mit ihm zusammen oder direkt neben ihm, würde man wohl kaum mit ihm auskommen. Aber für den Zuschauer schafft jener Kowalski diesen unglaublichen Spagat, dass er sich zwar wie ein alterndes Arschloch benimmt, aber schon als man ihn nur wenige Augenblicke kennt, merkt man, seine ganzen rassistischen Äußerungen, sein Auftreten sind nur Halbwahrheiten (dabei steckt in "Gran Torino" nebenbei so viel Humor wie in den meisten Komödien nicht). Kowalski baut um sich mit seinem Auftreten und Verhalten, mit seinem zum Teil Schubladendenken eine Art Schutzschirm. Aber man merkt auch sofort, ihn ihm steckt mehr. Er nutzt diesen Schirm, weil er das Gefühl hat, aus der Zeit zu sein. Seine Ansichten, seine Gewohnheiten etc. stammen aus einer anderen Ära und scheinen nicht so recht in die Moderne zu passen. Das ist auch der Grund, warum ihm seine Familie fremd geworden ist; eine richtige Bindung gibt es zu seinen Söhnen nicht, die längst in einer anderen Stadt lebend eine eigene Familie gegründet haben. So scheint Kowalski ein alleiniges Relikt aus vergangenen Tagen zu sein.

                                              Dass er nicht der verbitterte alte Mann ist, das er sein Herz doch am genau rechten Fleck sitzen hat, zeigt sich, als er das Hmong-Mädchen von nebenan eines Tages aus der Bedrängnis einer rivalisierenden Bande rettet, woraufhin langsam eine Freundschaft zu der Nachbarsfamilie entsteht, weil auch Kowalski erkennen muss, dass diese trotz der kulturellen Unterschiede viele Gemeinsamkeiten zu ihm aufweisen.

                                              Einfach fantastisch mit anzusehen ist der stetige Wandel Kowalskis, dessen raue Schale langsam zu brechen beginnt, weil er jemanden gefunden hat, der auch an seiner Freundschaft und Zuneigung interessiert zu sein scheint. Beide Teile haben die Eigenschaften des anderen gebraucht (ohne es vorher zu wissen) und ergänzen sich nunmehr perfekt. Ganz nebenbei setzt Eastwood hier politische Ausrufezeichen, die einfach zünden. Aus der Freundschaft wird nach und nach Familie. Diese Wandlung wird vollkommen, als Kowalski einen letzten Versuch startet, ein ähnliches Verhältnis zu seinem Sohn aufzubauen, dieser daran aber wenig interessiert scheint. Was folgt ist grandioses, erstklassiges Eastwood-Drama.

                                              Aber das tollste an "Gran Torino" ist seine Wirkung bei erneuter Sichtung. Wenn man Kowalski vorher schon einmal kennengelernt hat. Wenn man weiß, was er abseits seiner griesgrämigen, kalten Schale für ein Mensch ist. Dann nimmt einen dieser Wandel, den er durch die neue Familie erfährt, noch einmal umso mehr mit. Und so erntet der vielleicht beste Film des Regisseurs Eastwood seine hochverdienten 10 Punkte.

                                              19
                                              • 8
                                                replicant-10 11.11.2014, 11:09 Geändert 11.11.2014, 11:13

                                                Clint Eastwood spielt einen verbitterten alten
                                                rasistischen Kauz der vom Krieg trauma-
                                                tisiert ist, unheilbar an Lungenkrebs
                                                erkrankt ist, und der fast alles und jeden haßt,
                                                aber dennoch können ein asiatisches Mädchen
                                                und ihr Bruder sein kaltes Herz erwärmen
                                                und er lernt dadurch auch für andere einzu-
                                                stehen bis zum bitteren Ende !!!!
                                                Mehr als nur sehenswert !!!!

                                                2
                                                • 9

                                                  So. Endlich siehst du wieder wie ein Mensch aus. Dass du auch immer so lange wartest, bis du wieder zum Friseur gehst, du geiziger alter Mistbock. - Ja. Mich wundert bloß, dass du immernoch da bist. Ich hoff seit ner Ewigkeit, dass du abkratzt und hier endlich jemand weiter macht, der was von seinem Handwerk versteht. Aber du bist ja nicht tot zu kriegen. Typisch für euch Spaghettifresser. - Ich krieg 10 Dollar von dir, Walt. - 10 Mäuse? Herrgott, Martin. Bist du nen halber Jude oder was? Immerzu wirst du teurer. - Seit 5 Jahren kostet es bei mir 10 Dollar du stures bescheuertes Polacken-Arschloch. - Ja. Den Rest kannst du behalten. - Ich seh dich in 3 Wochen, Wichser. - Auf keinen Fall früher, du Saftsack.

                                                  7
                                                  • 10
                                                    JohnBishop 10.11.2014, 23:06 Geändert 12.11.2014, 21:11

                                                    Vorerst möchte ich sagen, dass ich tatsächlich heute das erste Mal bis zur letzten Sekunde dran geblieben bin, vorher habe ich lediglich circa die ersten beiden Drittel gekannt. Im Nachhinein muss ich sagen, dass das ein riesiger Fehler war.
                                                    Vor allem im letzten Drittel, wenn sich die Situation zuspitzt, gelingt es diesem Film mich komplett mitzureißen und aus dem vorher doch recht guten, einen großartigen zu machen. Die Atmosphäre, die er aufbaut und wie er es schafft Klischees zu überwinden sind aus meiner Sicht große Klasse.
                                                    Ich möchte hier weiterhin keine großen Worte zum Inhalt des Films aufwenden, dies wurde bereits häufig genug in anderen positiven Kommentaren gemacht, dennoch will ich ein paar Worte zu seiner Wirkung auf mich verlieren.
                                                    Mit der steigenden Freundschaft Walts zu Tao ,bzw. Sue hat der Film es geschafft mich immer mehr in seinen Bann zu ziehen, was dann in einem, meiner Meinung nach, grandiosen Finale gipfelt. Um ehrlich zu sein, hatte ich dieses Ende so vorher nicht ansatzweise kommen sehen, obwohl es im Nachhinein betrachtet doch viele Hinweise gab. Es war irgendwie erwartet unerwartet. Auch ist dies wohl einer der Gründe warum ich am Ende ein klein wenig zu Tränen gerührt war.
                                                    Insgesamt schafft es dieses Drama über eine "merkwürdige" Freundschaft mich absolut zu überzeugen und mit seinem Finale letztlich komplett auf einer persönlichen Ebene abzuholen, ich kann daher nicht viel mehr sagen als, Chapeau Clint Eastwood!

                                                    3