Halt auf freier Strecke - Kritik

Halt auf freier Strecke

DE · 2011 · Laufzeit 110 Minuten · FSK 6 · Drama · Kinostart
Du
  • 10

    Intensiv, authentisch, traurig und echt. Ich habe das zweimal im Leben mitgemacht bei meinen Eltern. Der Film ist aufwühlend. Die Schauspieler sind klasse. Ganz harte Kost.

    • 9

      Eben wegen solcher Filme liebe ich das deutsche Kino! Unfassbar, dass viele immer noch an das angestaubte Klischee der schlechten deutschen Filme glauben, und das lediglich aufgrund von einigen älteren Filmen sowie Produktionen aus dem Hause ProSieben/Sat1.
      Dieser Film ist ein weiterer Beleg für den gnadenlos realistischen Charakter vieler deutscher Filme. Hier wirkt nichts, aber auch wirklich gar nichts gestellt.
      "Halt auf freier Strecke" hat Dokumentarfilm-Charakter und überzeugt auf ganzer Linie. Die darstellerischen Leistungen sind grandios. Das Gesamtbild des Filmes ist düster und bedrückend. Hier wird außerdem auch eine sehr wichtige Botschaft übermittelt. Die Beteiligung der engsten Angehörigen am Sterbeprozess ist unglaublich wichtig für den Sterbenden selbst, aber mindestens genauso wichtig für die Familie, ganz besonders für die Kinder. Wird der Sterbende abgeschirmt und isoliert und wird um den Prozess des Sterbens ein großes Geheimnis gesponnen, so werden die Kinder ihr Leben lang große Angst vor dem Tod haben und können ihn niemals als natürlichen Teil des Lebens akzeptieren. Dies hätte eine folgenreiche Störung in der Entwicklung der Kinder zur Folge.

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      • 7

        Die Gehirntumordiagnose haut einen Mann und seine Familie total aus der Bahn. Er wird bis zum Tod daheim gepflegt.

        Ultrarealistische Darstellung mit sehr glaubhaft dargestellten Dialogen von Ärzten, Pflegern usw. und auch glaubwürdigen zunehmenden Verfall bis zur Bettlägerigkeit ohne Kitsch. Bild, Licht und Kameraführung ist leider auch sehr ultrarealistisch und sichtlich ultrabillig produziert, was anfangs etwas stört, die gute Story gleicht das aber letztlich aus.

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        • 9
          benuildo 24.06.2016, 22:11 Geändert 24.06.2016, 22:20

          Andreas Dresen hat hier ein unheimlich realitästnahes, glaubwürdiges Drama abgeliefert. Durch das grandiose Schauspiel aller Darsteller, das nicht vorhandene Drehbuch und die dadurch komplett improvisierten Dialoge, erhält der Film einen fast schon dokumentarischen touch. Man erhält einen tiefen Einblick in das Leben und den Umgang einer Durchschnittsfamilie mit der Diagnose und der Krankheit Hirntumor. Jeder der schonmal selbst in einer ähnlichen Lage war, wird viele Situationen widererkennen und mit den Beteiligten mitfühlen können.

          1
          • 7 .5

            Direkt zu Beginn steht die qualvolle Gewissheit im Raum. Frank erhält die Diagnose eines bösartigen, inoperablen Gehirntumors und ihm werden nur noch wenige Monate vom Leben bleiben.
            Andreas Dresen nimmt sich in "Halt auf freier Strecke" der heiklen Thematik über die Kenntnis des baldigen Ablebens an und zeigt auf authentische Weise, welche Auswirkungen diese schleichende, grausame Erkrankung auf den Betroffenen, aber auch dessen Familie hat. So zeigt er einerseits die sich langsam steigernden Symptome des Gehirntumors auf, welcher fortschreitend immer schrecklichere Spuren hinterlässt, widmet sich aber im Gegenzug ebenso umfassend den Angehörigen, die mit diesem tragischen Schicksal umgehen und nebenbei ihr eigenes Leben weiterführen müssen .
            Neben den fantastischen Darstellern, unter denen vor allem Milan Peschel die unterschiedlichen Krankheitsstadien erschreckend überzeugend verkörpert, ist in erster Linie die Regie von Dresen selbst hervorzuheben. Es gelingt ihm, dieses schwere Thema sehr nüchtern, aber vor allem ohne falsche, manipulative Überdramatisierung zu inszenieren.
            Dabei ist der vollständige Verzicht auf jegliche musikalische Untermalung lobenswert, aber auch die Tatsache, dass der Regisseur inmitten dieses traurigen, oftmals von Verzweiflung und Leid durchzogenen Szenarios immer wieder kleine Momente des Glücks und stillen Optimismus einbringt. Selbst bizarren Humor lässt sich Dresen nicht nehmen, wenn er dem Gehirntumor von Frank ab und an eine menschliche Gestalt verleiht, die auch mal im Fernsehen auftaucht und in der Harald Schmidt Show als Gast Platz nimmt.
            Nichtsdestotrotz bleibt "Halt auf freier Strecke" selbstverständlich eine schwierige Angelegenheit, denn vor allem im letzten Drittel, wenn die Erkrankung ihre schockierendsten Ausmaße annimmt und so manche Szene nur schwer erträglich mitanzusehen ist, wird sicherlich niemand unberührt bleiben. Es ist ein Film, den man nur schwer bewerten und noch schwieriger ohne Bedenken empfehlen kann, doch die komplexe Thematik, bei der man bezüglich ihrer filmischen Umsetzung viel falsch machen kann, wird hier von Andreas Dresen mit größtmöglichem Respekt, Würde und fachlicher Kompetenz behandelt und dadurch umso emotionaler, einfühlsamer und beizeiten lebensbejahender vermittelt.

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            • 8 .5
              Polyphem 18.08.2015, 07:50 Geändert 23.08.2015, 08:21

              Unfassbar schauriger Film, weil er so dicht an der Realität erscheint. Dieser Tod auf Raten, der stückweise sich vollziehende Zerfall, die Belastungen für den Erkrankten, aber auch für die Familie, ganz besonders der Partnerin werden eindringlich verdeutlicht. Wie der Tumor immer mehr Worte und Nerven frisst, die immer unaustehlicheren Schmerzen machen den Patienten immer unaustehlicher, bis gar keiner mehr in diesem Körper zu wohnen scheint. Kognitive Fähigkeiten lassen nach, die Verwirrung, Verzweiflung und die Schmerzen werden immer mehr. Die extremen Ups and Downs nehmen einen auch als Zuschauer mit. Die Nähe entsteht durch den dokumentarischen Stil und das intensive Spiel der Schauspieler. Dadurch wird klar, was das bösartige an so einem Tumor eigentlich ist.

              Ich weiß nicht, wenn ich soetwas sehe, denke ich nicht, dass ich mich derart etappenweise dem Tod nähern wollte. Es ist jetzt natürlich als gesunder Mensch leicht gesagt, aber ein schnelles, qualfreieres Ende würde ich ganz klar vorziehen. Insbesondere, damit ich einerseits über das Bild bestimmen kann, was andere von mir haben, es soll keiner diesen Zerfall in Erinnerung behalten und andererseits, damit ich auch über meinen Tod bestimmen kann, die Kontrolle bis zuletzt bewahren kann. Irgendwie würde ich von mir erwarten, dass ich einsehe, "verloren" zu haben. Wenn der Körper entscheidet, es ist Schluss, dann muss man das respektieren, - hat einen ja lange genug durchgeschleppt. "Ich will nicht sterben," bedeutet dann eben auch ich will fast jede Sekunde der letzten Monate im Leben mit Schmerz füllen. Wahrscheinlich bin ich dann wohl einfach nur ein Angsthase im Gegensatz zu Frank.

              Keine Ahnung wie es euch da geht: Wenn absolute Gewissheit bzgl. des bevorstehenden Todes existiert, würde ich auch keine Pflege mehr in Anspruch nehmen und eine letzte Reise in die einsame Natur unternehmen, Schottland oder Island oder Alaska und dort bei einem finalen Sonnenaufgang mit einer letzten, teuren Whiskeyflasche die Flinte an die Schlefe legen. Aber gut, ich habe auch keine Kinder. Als Vater muss man bis zum Schluss kämpfen, weil dieser auch durch seine Kinder lebt bzw. weiterlebt.

              Groß sind im Film auch die Szenen wie die Familie zusammenhält, trotz aller Härten. Überhaupt ist krass wieviel vom Leben eigentlich noch bleibt bzw. von Bedeutung ist, wenn das Ende erstmal da ist. Was zählt es dann noch wieviel man gearbeitet hat? Welche Noten man hatte? Oder wie die anderen Leute einen sehen? Es ist vorbei und vermutlich wird niemand einen dorthin folgen können, wohin man geht. Bei zig Milliarden Menschen auf dem Planeten zählen bei Frank nur eine handvoll Menschen zu den wirklich wichtigen Aspekten des Lebens und das kann man wohl auch generell sagen.

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              • 9

                Andreas Dresen erzählt in seiner typischen semidokumentarischen Inszenierung vom Sterben im Mikrokosmos einer Familie. Ein nüchterner und doch ergreifender Film, der zeigt, wie das Sterben auch zum Leben gehört. [Rudolf Worschech]

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                • 7 .5

                  Ich bin über diesen Film gestolpert und bin sehr überrascht. Ich kann aus Erfahrung sprechen dass dieser Film sehr nah an der Realität ist. Milan Peschel spielt seine Rolle sehr sehr glaubwürdig und für diesen Film wurde gut recherchiert. Teilweise denkt man, es läuft gerade eine verdammt gute Doku. Kaum zu glauben dass dies ein deutscher Film ist. Abzug gibt es aufgrund von mittelmäßiger Leistung der Nebendarsteller. Beim Film wird nicht mit viel mit Kameratechnik, Musik etc. gearbeitet, das dem Film jedoch sehr gut tut. Unbedingt ansehn!

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                  • 9

                    Ein unglaublich berührendes, aber vor allem auch authentisch wirkendes Krebsdrama, das nicht mit dem Abspann endet, sondern den Zuschauer auch darüber hinaus verfolgt und ein Gefühl bitterer Beklommenheit hervorruft.

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                    • 9 .5

                      Der Tod ist in einer Gesellschaft wie der unseren nach wie vor ein Thema, das in unglaublicher Weise tabuisiert wird. Niemand möchte sich mit dem Gedanken beschäftigen und niemand möchte sich bewusst eingestehen, dass der Tod ein unvermeidlicher zum Leben gehörender Teil ist.
                      "Halt auf freier Strecke" nähert sich dem Thema ohne Umschweife - sehr direkt, intensiv, bewegend. Milan Peschel - für mich der derzeit beste deutsche Schauspieler - übernimmt die Rolle des sterbenden Frank und überzeugt darin in unglaublicher Art und Weise. Der Film versucht nicht nur den körperlichen und geistigen Verfall des Sterbenskranken zu schildern, sondern deutet auch die familiären Spannungen an, die im Zuge einer solchen Krankheit auf alle Beteiligten zukommen können.
                      Eine Empfehlung für jeden Filmfan und für jeden, der gern mehr Tuchfühlung mit dem Thema "Tod" aufnehmen möchte.

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                      • 8 .5

                        Ein Film, der ungekünstelt mit einem der schwersten Themen überhaupt umgeht. Langsam zu sterben ist ein qualvoller, langwieriger Prozess. Leben zu lernen ist schon schwer, das Sterben eine unmögliche Bürde, die einer Strafe grausamer Götter gleicht.

                        "Halt Auf Aller Halber Strecke" nähert sich dieser Unmöglichkeit, fängt die langsame und unausweichliche Niederkunft des Todes in einer Familie ein. Die Haltung der Kamera ist dokumentarisch, Musik-Untermalung gibt es nicht. Alles wirkt unverfälscht und geht deshalb so nah. Auch wegen der Stärke der Darstellerriege, die durchweg unaufdringlich brillieren.

                        Schon allein, weil dieser Film etwas bei jedem ins Bewusstsein ruft, der etwas ähnliches durchgemacht hat. Frei von Anteilnahme-suchendem Pathos, kitschiger Melodram-Kniffe, die den Sonnenschein nach der Dunkelheit versprechen.

                        Dies ist das, wozu deutsches Kino fähig ist? Dann bitte mehr davon. Auch mit weniger heftigeren Themen.

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                        • 5

                          Der Film erinnert mich an die gleiche Situation in meinem Leben vor vier Jahren, die mich ein Elternteil verlieren ließ, nur eben hier in nüchternem, deutschem TV-Filmlook, mit unsympathischen Darstellern. Es ist zwar recht authentisch, man könnte sagen, eine Geschichte wie sie das Leben schreibt. Nur schreibt das Leben leider nicht immer die interessantesten Geschichten. Die Anfangssequenz mit der Diagnose und der Schluss sind allerdings nicht schlecht inszeniert, immerhin.

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                          • 0

                            Elends-Voyeurismus par excellence

                            • 7

                              Ein gelungener Film, der den Tod oder Leidensweg eines Menschen begleitet. Ganz ohne Kitsch. ACHTUNG SPOILER: Schon die erste Szene ist ein schauspielerisches Meisterwerk. Der Dialog zwischen dem Ehepaar mit dem Arzt, der die tödliche Krankheit preisgibt ist wohl die beste Bildszene in ganzem Film. Die Kamera fokusiert sich nur auf die fassunglosen Protagonisten, die diese Nachricht sehr menschlich auffassen.(Vorgemerkt 30.Mai 2012)

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                              • 7

                                Frank (Milan Peschel) und Simone Lange (Steffi Kühnert) leben eigentlich ein beschauliches und ruhiges Leben, doch als bei Frank unerwartet ein unheilbarer Gehirntumor diagnostiziert wird, ändert sich schlagartig alles: Der Familienvater ist von der Angst auf den bevorstehenden Tod überwältigt und Simone und die Kinder der beiden fragen sich, was die Zukunft bringt. Frank wird schwächer und zu einer immer größeren Belastung für seine Familie, die miterleben muss, wie er kontinuierlich weniger Kontrolle über seinen Körper hat und so immer weniger Herr seiner selbst ist.

                                Halt auf freier Strecke ist ein Film,der noch lange nachwirkt.Ich habe noch nie so einen realistischen Film über Krankheit und Tod gesehen.
                                Der Film kommt ohne Musik aus,ist nah dran und zeigt,wie aus einer glücklichen Familie,eine Familie wird,die droht zusammenzubrechen.Die Darsteller,vor allem die zwei Hauptdarsteller spielen Ihre Rollen atemberaubend gut.Was bleibt,ist ein deutscher Film,der ohne groß Herz-Schmerz,realistisch und brutal den Verlauf einer tödlichen Krankheit aufzeigt und uns mit dem Tod versöhnt. 7/10 von mir

                                • Thematisch war der Film ganz gut, schauspielerisch ziemlich enttäuschend.

                                  • 7 .5

                                    Es hat mich Mühe gekostet diesen Film bis zum Ende anzusehen. Der unerbittliche Blick der Kamera auf den Leidensweg der Familie, ist von einer brutalen Offenheit und völlig unsentimental. Es stellt sich die Frage nach dem eigenen Verhalten in einer ähnlichen Situation und man weiß es nicht...
                                    Zu realistisch, zu hart, ohne ein Angebot der Gnade für den Betrachter, ich kapituliere.
                                    Schnell wieder verkauft.

                                    • 7 .5

                                      Ein sehr realistischer Film, mehr deprimierend, frustrierend und manchmal auch ärgerlich als traurig, aber ich glaube genau das sollte er sein. Es würde mehr Punkte geben, aber die erste Filmhälfte nach der Eröffnungsszene war leider recht mühsam, seine volle Stärke kommt erst so wirklich im letzten Drittel auf. Man braucht schon etwas Geduld oder zumindest ging es mir so. Die Schauspieler sind überzeugend, die Inszenierung passt auch so weit, vielleicht etwas zu schlicht, andererseits muss es auch bodenständig dem Geschehen folgen - es ist nunmal kein Hollywood-Tränendrüsenfilm, sondern die Beobachtung eines langsamen Zerfalls.

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                                      • 0

                                        "Halt auf freier Strecke" ist der langweiligste Film, den ich jemals gesehen habe.
                                        Der Film ist inhaltlich sowie dramaturgisch absolut unorigell: bei einer der Figuren wird zu Anfang Krebs diagnostiziert und zum Schluß stirbt sie halt.
                                        Das permanente Wissen darum, daß alles "nur gespielt" ist, läßt keine Identifikation mit den Figuren zu. (Als Dokumentation hingegen hätte der Film funktionieren können.)

                                        Der Film hat nichts, was Filme gut macht. Keine interessante Handlung, keine interessanten Dialoge, keine interessante Kamera, keine (interessante) Musik. Ich frage mich, mit welchem Anspruch, mit welcher Motivation überhaupt Andreas Dresen Spielfilme macht. "Halt auf freier Strecke" ist erbärmlich.

                                        P.S.: Pardon, nicht alles ist schlecht: das Plakat gefällt mir tatsächlich sehr gut. Den leitmotivischen Baum in den Schädel einzupflanzen, ist ausnahmsweise wirklich originell. :)

                                        • 9 .5

                                          Hier stimmt die Floskel "wie ein Schlag in die Magengrube".
                                          Schmerzhaft realistisch und absolut unkitschig.
                                          Ein Film der einen zwingt, sich mit einem Thema zu beschäftigen, daß man naturgemäß eher verdrängt, bis man sich damit beschäftigen muss.
                                          Darstellerisch auf obersten Niveau.

                                          Must see.

                                          • 8

                                            Schon der Einstieg in den Film versetzt den Betrachter sehr nah in das Umfeld unserer Protagonisten. Wir sitzen quasi mit am Tisch, wenn ein etwas abwesender Arzt gebetsmühlenartig und trocken die Diagnose verkündet. Für ihn scheint dies nichts anderes zu sein, als die Bestellung beim Becker - eine völlig normale und beinahe alltägliche Situation. Ganz anders verhält es sich dann bei unseren Protagonisten, diese erfahren gerade das sich von nun an alles, aber auch alles in ihrem Leben ändern wird. Man merkt förmlich die Unsicherheit in ihren Augen und auch ein klein wenig die aufsteigende Wut, wie dieser Arzt respektlos mitten in einem solchen Gespräch ein vollkommen belangloses Telefonat führen kann.
                                            In der Folge erreicht die Tatsache der Krankheit immer mehr den Alltag der Familie, bis sie vollkommen das Familienleben dominiert. Genau das macht Regisseur Andreas Dresen auch wirklich gut. Er lässt die Charaktere eine absolut natürliche Entwicklung durchleben, durch dieses natürliche und nachvollziehbare Verhalten, welches geprägt ist durch Verlust- und Zukunftsängste, fühlt sich der Film beinahe schon dokumentarisch an und man kann die Art und Weise wie im Film agiert wird einfach nachvollziehen. Ich denke für diejenigen unter den Zuschauern, die selbst schon solche eine Situation durchleben mussten, ist es schwer bei diesem Film die eigenen Erfahrungen und die damit verbundenen Gefühle zu unterdrücken.
                                            Gerade Milan Peschel weiß in dieser schweren Rolle zu überzeugen und beweißt mal wieder, dass er sich in die verschiedensten Rollen hineinspielen kann - egal wie aufwendig oder spartanisch sie produziert sind. Er durchleidend alle Phasen dieser schweren und kurzen Krankheit und bleibt dabei absolut menschlich.

                                            Der Film ist sicherlich keine einfach Kost. Man sollte vorher wissen, dass man sich hier auf ein bedrückendes Drama einlässt, über das man sich noch einige Zeit Gedanken machen wird. Doch genau das will der Film auch erreichen. Der Zuschauer soll betroffen sein und sich mit dem Thema auseinandersetzen, so ist auch klar das im Mittelpunkt des Films das Thema steht und dieses Thema durch die Protagonisten eben verbildlicht wird. Der Stil ist wohl deswegen recht steril. Es gibt eigentlich keine weiteren äußeren Einflüsse, die die Thematik verfälschen oder ablenken. Diese Tatsache hat natürlich Potential, dass der Film für den ein oder anderen zu trocken wirkt, doch ich denke wer sich mit diesem Stil anfreunden kann, für den ist dieser Film ein dankbares Werk.
                                            Auf alle Fälle lässt er einen nicht gleichgültig zurück und sorgt für einen dicken Klos im Hals.

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                                            • 8

                                              Endlich mal eine realistische Herangehensweise an dieses Thema. Dies liegt sicherlich auch an der Einbindung von Laiendarstellern wie zum Beispiel des Neurochirurgen und der Sterbebegleiterin, die dies im realen Leben auch sind. Andreas Dresen hat an dieser Stelle und bei der Besetzung der Hauptdarsteller wieder ein gutes Händchen bewiesen. Prädikat SEHENSWERT!

                                              • 8 .5

                                                "Das ist sozusagen das Schicksal..."

                                                Einfach so, einfach so ist man krank, einfach so fängt es (das Ende allen Seins) an.

                                                "Also ist schon...ziemlich...bösartig..."

                                                Man lebt. Man fühlt sich nicht gut.
                                                Man lässt sich untersuchen.
                                                Und dann kommt die Gewissheit.

                                                -"Haben sie Kinder auch?"
                                                -"Zwei Kinder mmhh"
                                                -"Und wie alt sind die?"
                                                -"Vierzehn und Neun...Sagt man denen das?"
                                                -"Ja, das muss man den Kindern auch sagen."
                                                -"Was sagt man da?!"
                                                [...]
                                                -"Also das was sie wissen wollen, das muss man ihnen dann mitteilen.
                                                Was man wissen will, verkraftet man in gewisser Weise auch."

                                                Neubausiedlung, Familiengründung, Lebensmitteanfang. Aufbau.
                                                Und dann eben doch Abbau.
                                                Alltag, normalster, schierer Alltag.

                                                -"Ist Heute nicht Müll?"
                                                -"Bei Euch...Weiß ich nicht, bei uns ist (Müll) immer Mittwochs..."

                                                Und doch gibt es nur ein Thema, ein Ding.
                                                Treuherzig schauen, Normales wollend, Harmonie erzwingen wollend.
                                                Geht aber nicht.

                                                Papa, Mama.
                                                Papa und Mama von Papa, Schwiegereltern, verzweifelter Wunsch nach Vorher, nach Ungeschehen, nach "Einfach nur nicht das , nicht so !"
                                                Der Sohn wird vor dem Vater gehen, die Kinder werden keinen Vater mehr haben, die Frau keinen Mann.

                                                Durchschnitt.
                                                Ein Wort das mir immer wieder einfiel.
                                                Durchschnitt.
                                                Das ist eine durchschnittliche Familie, lange (noch) nicht großbürgerlich, sicherlich nicht unterdurchschnittlich (arm), mitttlere Schicht eben, auf dem Weg nach oben vielleicht, aber weit davon entfernt abgehoben, eben überdurchschnittlich zu sein (und eben solche, oben oder unten angesiedelt, würden/werden ja genauso eingeholt, überrannt werden davon)...
                                                Die Schicht der Mitte, die normale Familie also.
                                                Und dahin geht/kommt der Krebs, der Tumor, die Krankheit, die Bedrohung, die endliche Bedrohung.
                                                Mitten rein eben.
                                                Mitten rein in die pure Verzweiflung.
                                                Keiner hat dir gesagt wie so was geht, wie man so was macht.
                                                Nicht der zusammenhaltenden Mutter ( die bleiben wird, bleiben muss), nicht den Kindern, die die Situation nicht erfassen können ( wie die Eltern, oder sonst wer, es auch nicht können), nicht dem sterbenden Vater, dem der Fixpunkt der Hilflosigkeit innewohnt.
                                                Und auch nicht dem Umfeld, dem wohlmeinendem Kollegen, der helfen will bei alltäglichem oder bei Ausflüchten, der resignierend mitmacht, mitmachen muss.

                                                Und die Familie muss in die Pisse langen, mitten rein.
                                                Muss improvisieren.

                                                ICH MUSS HIER WEITERMACHEN !!!

                                                Am Ende des Frühlings wird offenbar, das es direkt Herbst ist und der Winter bricht noch schneller und zugleich schleichender herein als vermutet

                                                -"Ist es wahr das du stirbst?"
                                                -"Ja."

                                                Und so ganz nebenher, nebenbei geht das Leben weiter.

                                                "Soll ich dir was sagen Mama, es wäre das beste wenn er einschlafen würde..."

                                                Aber so ist das Leben/der Tod nicht.
                                                Nicht gefällig ist es/ sind sie, nicht planbar, kalkulierbar, nicht gut und einfach und gütlich rüberzubringend, zu erledigen, abzuhaken sind sie.

                                                -"Das ist für dich Papa."
                                                -"Was steht da?"
                                                -"Da steht: Für Papa."
                                                -"Danke."

                                                Was in meinen Augen (trotz allergrößtem Respekt für das Projekt, das Gesamtergebnis) kritisiert werden muss:
                                                Der Versuch ironisch zu brechen.
                                                Mit der Harald Schmidt Show ( und ich persönlich verehre (immer noch!) Harald Schmidt zutiefst!), der Personalisierung des Tumors als Schauspieler, als imaginären "Freund", für die anderen unsichtbaren Begleiter:
                                                Das braucht der Film in meinen Augen nicht, überhaupt nicht, es schadet ihm nur.
                                                Für mich sind diese Einlassungen ein Fehler, eine absolute und total unpassende Unnötigkeit, der Film wäre stärker im Ausdruck ohne diesen "Firlefanz"...

                                                Die Emotion im letzten Drittel, Viertel dieses Filmes aber, wenn der Weg abgearbeitet ist, Peinliches, Schwieriges, Heftiges, Auszuhaltendes geschafft ist,
                                                dieses letzte Drittel, Viertel raubt einem wiederum völlig den Atem, bringt den Film nah, ganz nah, nähestens an einen hin (noch näher wie zuvor schon...), gesellt sich unmittelbar zu einem hin.

                                                "Mach dir keine Sorgen."

                                                Und dann.
                                                Schippt man den Schnee.
                                                Denn der Schnee muss geschippt werden...

                                                22
                                                • 9 .5

                                                  Lange nicht soviel geweint bei einem Film. Und Erkenntnisse über das eigene Dasein gewonnen.

                                                  2
                                                  • 8 .5

                                                    das schmerzliche, reale Leben! super gespielt!

                                                    ?a=5541&i=2&e=1&c=1780856&c0=movpa krit