Harley Davidson 344

Electra Glide In Blue (1973), US
Laufzeit 114 Minuten, FSK 16, Kriminalfilm, Drama, Actionfilm, Kinostart 15.11.1973

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7.5 Kritiker
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von James William Guercio, mit Billy Green Bush und Hawk Wolinski

Straßencop John Wintergreen sorgt mit seiner Harley Davidson Electra auf den sonnigen Highways von Arizona für Sicherheit. Während er seine Strafzettel an reuelose Geschwindigkeitssünder oder kiffende Blumenkinder verteilt, träumt er davon, als Kriminalbeamter richtige Mordfälle zu lösen. Als in seinem Revier der gewaltsame Tod eines Einsiedlers Fragen aufwirft, scheint seine Stunde zu schlagen. Aus dem fernen L.A. reist der Mordfahnder Poole an und ernennt Wintergreen zu seinem Assistenten.


Cast & Crew


Kritiken (2) — Film: Harley Davidson 344

Björn Lahrmann: Das Manifest

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9.0Herausragend

ELECTRA GLIDE IN BLUE will in das radikale Paradigma des New Hollywood, dessen Rebellengestus er selbst schon als abzubauenden Mythos versteht, nicht so recht hinein passen; er befährt vielmehr einen Mittelstreifen, wo die Kadaver überkommener Genres, die linker Hand längst vorbeigezogen sind, rechter Hand quicklebendig wieder auftauchen. Aus einem Polizeifilm ohne Polizeiarbeit wird ein Western ohne Pferde wird ein Whodunit ohne Mörder, die später jedoch alle drei – Arbeit, Pferde, Mörder – an den unerwartetsten Stellen nachgereicht werden. Die Übergänge von Konventionsverweigerung und -erfüllung geschehen dabei so plötzlich, dass der Film beizeiten eine flirrende, irreale Qualität bekommt.

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E. Knörer: taz, perlentaucher, cargo-film E. Knörer: taz, perlentaucher, cargo-film

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6.0Ganz gut

Das große amerikanische Landschaftspanorama kontrastiert der Film mit dem großen Hass und den kleinkarierten ideologischen Kämpfen, die, so seine Diagnose, die Aufbruchshoffnungen der Sechzigerjahre zerstörten. Der Mordfall wird dem Kriminalpolizisten Harve Pool (Mitch Ryan) zum Vorwand, Hippies und Biker zu Tode zu jagen. Schon zuvor sah man die Polizisten am Schießstand: Es wird auf ein Poster von Dennis Hoppers "Easy Rider" gezielt. Zwar wird sich John Wintergreens Traum vom Aufstieg zum Zivilpolizisten erfüllen, dabei aber als amerikanischer Albtraum erweisen.Regisseur James William Guercio hatte als Produzent der Band "Chicago" (deren Mitglieder haben sämtlich kleine Rollen im Film) das kleine Vermögen verdient, das er in diesen, seinen ersten und letzten Film steckte. Er verzichtete sogar aufs eigene Honorar, um sich den berühmten Kameramann Conrad L. Hall leisten zu können. Ohne dessen herausragende Arbeit im Engen und Weiten würde der Film wahrscheinlich von seinen überdeutlichen Botschaften erdrückt. Auch so ist er eher aufschlussreiches Symptom als überzeugende Analyse seiner Entstehungszeit. In seinen größten Momenten aber gelingt es ihm, deren Geist in zwingende Bilder zu fassen.

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Mike Myers

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Bewertung7.5Sehenswert

"Good morning, you fascists. You honkies! You killers! You bigots! You fags! You pinkos! You creeps! You bastards!"

Als eines der bemerkenswertesten Nachbeben des Riesenerfolges von "Easy Rider" konnte sich "Electra Glide in Blue" ("Harley Davidson 344") 1973 das glänzende Siegel "Kultfilm" auf die Brust kleben. Heute natürlich fast vergessen, war er immerhin für die goldene Palme von Cannes und den Golden Globe als bester Film nominiert und von Kameralegende Conrad L. Hall wunderschön fotografiert. Weitere nette Details kamen aus dem Cast, nicht nur Robert Blake und Mitch Ryan hatten gute Momente, einige Mitglieder der damals im Zenit ihres Schaffens stehenden Combo Chicago tauchten als Cameos auf und geben die leise Ahnung, dass Musiker sich schon immer gerne transmedial in der Popkultur suhlten. Natürlich waren Chicago nicht zufällig drin, denn Regisseur James William Guercio fungierte hauptberuflich als ihr Produzent, der auch bis Mitte der 80er von Supertramp über Elton John bis hin zu Billy Joel so ziemlich alles aufnahm, was Rang und Namen hatte.

"Electra Glide" ist das genaue Gegenstück zu "Easy Rider" und dennoch auf der gleichen Seite. Motorradpolizist John Wintergreen (Robert Blake) schiebt in der Einöde von Arizona seinen Dienst, wo er auf seiner Harley Davidson Electra Glide staubige Wüstenstraßen abfährt und vornehmlich Hippie-Vans auf Dope filzt. Der kleine Mann hat große Träume, er möchte in den erlauchten Kreis der Ermittler, der "echten" Polizisten, aufgenommen werden und als ein Mord passiert, wittert er seine Chance.

Viele Shots erinnern beabsichtigt an John Ford und ganz besonders an seinen Western "The Searchers". Gedreht an den gleichen Schauplätzen (Monument Valley) und machmal mit fast identischen Einstellungen wollte Guercio seinem Idol Respekt zollen. Obwohl "Electra Glide" wohl eine satirische Charakterbeobachtung und Milieustudie werden sollte, fing sich der Film schon in Cannes das Label "faschistisch" ein, besonders weil Guercio sich zu sehr in die reaktionäre Seite der selbstgerechten Polizisten hineinsteigerte. Dabei schwamm er, zusammen mit den von Sam Peckinpah abgeschauten Actionszenen, genau auf der Welle, die Don Siegels "Dirty Harry" höchst erfolgreich werden ließ.

Außerdem sind diese Elemente eher als höhnische Darstellung des Charakters Wintergreen zu verstehen und wenn man sie außer acht lässt, bekommt man eine nicht ganz einfache, aber letztendlich bös-launische Moralfabel über die andere Seite von "Easy Rider". Jener handelt von Freiheit um jeden Preis und "Electra Glide" von den Fesseln eines Systems, welches den kleinen Karriereträumer John Wintergreen fest im Griff hat. Es ist sicher kein Zufall, dass die Polizisten ihre Schießübungen auf ein gewisses Filmposter machen und die letzte Szene schließt meiner Meinung nach die Lücke, die das Ende von Dennis Hoppers Bikerfilm aufmachte.

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