High-Rise - Kritik

High-Rise

GB/BE · 2015 · Laufzeit 112 Minuten · FSK 16 · Science Fiction-Film, Thriller, Drama, Actionfilm · Kinostart
Du
  • 8

    [...] Bereits seit den ersten Ankündigungen für die Verfilmung des als unverfilmbar geltenden Buches von J. G. Ballard war ich bereits Feuer und Flamme für "High-Rise" und der ausgesucht hochkarätige Cast tat hierbei sein Übriges, denn fernab seiner Paraderolle als Loki schien mir Tom Hiddleston doch eine mehr als stimmige Wahl, den frisch hinzugezogenen Doktor Laing zu verkörpern. Der steht aber gar nicht mal so sehr im Mittelpunkt der Erzählung, wie man sich das vielleicht anfänglich erwarten würde, denn auch, wenn er als Dreh- und Angelpunkt der Erzählung fungiert, taugt er in seiner wortkargen und undurchsichtigen Art doch kaum als Identifikationsfigur, derweil der Film selbst sich beinahe sämtlichen dramaturgischen Konzepten verweigert, die man für gang und gäbe hält, so dass die Verfilmung von Ben Wheatley auch auf formaler Ebene den Exzess zelebriert, den die "Handlung" vorzugeben scheint, womit die Buch-Adaption dem Freund eher generischer Geschichten durchaus vor den Kopf stoßen dürfte, denn auch wenn ein roter Faden zwar vorhanden ist, wird doch oft und häufig fernab seiner durchaus erkennbaren Pfade mäandert, was das Geschehen manchmal ein wenig zerfasert wirken lässt, andererseits aber die utopische Kopfgeburt des beinahe gänzlich autarken Hochhauses zu einem schier atmenden Organismus mutieren lässt, der weit mehr ist als die Summe seiner Wände, Zimmer und Stockwerke. [...]

    • 8 .5

      [...] "High Rise" setzt sich zielsicher zwischen Indie- und Mainstreamkino nieder und besticht durch die schleichende Faszination, die er ausstrahlt. Fühlt man sich als Zuschauer zu Beginn noch sicher (nach einem kleinen Exkurs in den Wahnsinn, der dort lauert), bricht nach und nach die Fassade weg. Was bleibt ist ein tiefer Einblick in die Gesellschaft, den man so vielleicht lieber nicht gesehen hätte. Mit Glanz, Gloria und Exzess fährt hier alles vor die Wand und man wird mitgerissen, ob man nun will oder nicht.

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      • 7 .5

        "[...]Im Gegensatz zu David Cronenbergs Totalausfall „Cosmopolis“ wird hier die metaphorische Beschreibung eines Zerfallprozesses in entsprechend wilde Bilder verpackt, die einen anfangs betören und zum Ende anwidern, aber bestimmt nicht kalt lassen.[...]"

        • 7

          ""High-Rise" zelebriert den Sturz der neoliberalen Dekadenz und Sittenlosigkeit der Etagengesellschaft in den Abgrund der Häuserschlucht. Dabei zeigt sich die Schwierigkeit, eine Metapher in einen zweistündigen Spielfilm zu adaptieren." [Karsten Munt]

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          • 8

            PODCAST Ein Film als Kunstwerk darf einen Zuschauer auch mal über Gebühr strapazieren – das führt den Zuschauer an eine Grenze und erlaubt es, neue Erfahrungen zu machen. Das gilt für „High-Rise“, eine cineastische Strapaze. Mit quälender Zwangsläufigkeit sehen wir eine geschlossene Gesellschaft zerbrechen. Alle Reste von Solidarität – vor allem zwischen Klassen – verschwinden, werden weggewischt von Hass und Gewalt und Chaos. Der richtige Film zum Brexit – ein allegorischer, antikapitalistischer High-Concept-Dystopie-Thriller mit einem beeindruckenden Tom Hiddlestone. Schwere Kost und gewiss nicht für jeden Geschmack – aber für uns der richtige Film. Direkt nach dem Kino unser 22-Minuten-Podcast.

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            • 7

              […] Laing ist frisch geschieden und nun alles, was er noch besitzt. Ein einziges Memorabilia besitzt er, eine Fotografie von ihm und einer Frau. Ob das seine Exfrau oder doch seine Schwester, wie von Charlotte Melville gefragt wird, ist, lässt er offen. Ist ja auch egal, wichtig ist, dass das Foto kurz daraufhin auf dem Fußboden landet und vergessen wird. Wen juckt es da schon, wer auf dem Foto war. Eine Frau und eine vergessene Version von Laing in einer vergessenen Welt, seit er in dem Hochhaus wohnt. Im 25. Stock, also recht weit oben. So hoch oben, dass die abknickenden Etagen nur kurz über ihm sind. Der Architekt der Häuser, Anthony Royal, ist begeistert von seinen Ideen, die fünf Hochhäuser um einen See herum zu platzieren. Die abknickenden Spitzen symbolisieren die obersten Glieder der Finger, in der Mitte der Gebäude ist ein See. Das Großprojekt ist eine Hand, die aus der Erde entspringt. Eine derart geformte Hand, mit der Könige den Reichsapfel getragen haben. Oder die Welt. […] Nachdem Regisseur Ben Wheatley die Ausgangssituation stabil errichtet hat, macht er sich daran, alles wieder einzureißen. Manchmal genüsslich und sorgfältig, dann wieder grob mit der Planierraupe. Der Film wurde im Voraus oft mit Bong Joon-hos „Snowpiercer“ verglichen, was thematisch betrachtet durchaus Sinn ergibt. Dennoch hören die Gemeinsamkeiten der Filme dort auf, wo Chris Evans und Konsortien beginnen, sich durch den Zug nach vorne zu metzeln. Außerdem können die Insassen des Zuges im Film von 2013 diesen nicht wirklich verlassen, da die Welt um sie herum de facto unbewohnbar ist. In „High-Rise“ ist die Welt sehr wohl bewohnbar, die Hochhäuser versuchen bloß, den Bewohnern keinen Grund zu geben, um den Mikrokosmos des Hauses zu verlassen. Deshalb bieten ganze Etagen Möglichkeiten zum Einkaufen und für Freizeitaktivitäten. Sobald aber das Chaos von Wheatley entfesselt wird, beginnt eine andere Parallele mehr Sinn zu machen. Das Hochhaus ähnelt der Titanic - nur dass keiner der Bewohner das Schiff rechtzeitig verlassen kann. Und alle verdammt sind, ihre Leben genau dort fortzuführen. Am tiefsten und dunkelsten Punkt der Erde. […]

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              • 6

                Mit leicht unkonventioneller Montage, schrägen Bildern, Winkeln und Details, einem kontrapunktischen Musikeinsatz (ABBAs „SOS“ von Portishead) packt die Umsetzung mehr als die eigentliche Geschichte. [Günter H. Jekubzik]

                • 7

                  So mitreißend die dystopische Welt, die er in einem Hochhaus inszeniert, auch ist, ganz kann sie ihre literarischen Wurzeln nicht kaschieren. [Michael Meyns]

                  • 6 .5

                    Wheatley kann nur bedingt auf eine sinistre Kraft der Architektur bauen, die seine Protagonisten formt. Stattdessen führt er in letzter Sekunde einen anderen und wesentlich konventionelleren Bösewicht ein: den neoliberalen Kapitalismus, in Gestalt eines Zitats von Margaret Thatcher. Sie sorgt für eine Botschaft mit der Holzhammermethode, die dem ansonsten so faszinierend schillernden Film einen faden Abgang verleiht. [Sven von Reden]

                    • 8

                      Politisch, böse und komisch: Die Romanverfilmung High-Rise macht ein Hochhaus im London der Siebzigerjahre zum Schauplatz einer sozialen Apokalypse. [David Kleingers]

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                      • 7 .5

                        Tom Hiddleston, der als Kandidat für den nächsten James-Bond-Darsteller gilt, ist die Idealbesetzung für den smarten Aufsteiger Robert Laing. Perfekt passt sich Hiddlestons stromlinienförmiger Körper dem coolen Hochhaus-Ambiente an. [Katja Nicodemus]

                        • 8

                          Regisseur Ben Wheatley inszeniert das Scheitern des sozialen Experiments in erlesener Bildsprache, die die Dekadenz im Hochhaus und auch den Rückfall in die Steinzeit angemessen visualisiert. Die Filmmusik von Clint Mansell („Requiem for a Dream“) mit ihren mal elektronischen, mal klassischen Klängen untermalt das trefflich. Schön auch das zweimal zu hörende „SOS“, einmal von Portishead (im Original von Abba). Das ist Hochglanzkino, etwas – aber nicht viel – glatter als die literarische Vorlage. Sex und Gewalt werden nicht im Übermaß plakativ ausgewalzt, sondern punktuell eingesetzt. „High-Rise“ wurde bereits bei den Fantasy Filmfest Nights im April 2016 gezeigt, hat sich den regulären Kinostart aber redlich verdient – es ist kein Blockbuster, aber eine intelligente dystopische Vision.

                          Ausführlich bei Die NACHT DER LEBENDEN TEXTE.

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                          • 8

                            Verfilmung des gleichnamigen futuristischen Romans von J.G. Ballard (1975): in einer 40stöckigen Wohnanlage bricht nach und nach das Chaos aus, bessergestellte und weniger bessergestellte Bewohner gehen aufeinander los. Der Film bewahrt den sarkastischen Tonfall der Vorlage und wirkt, auch wenn er zur Zeit von deren Erscheinen angesiedelt ist, höchst gegenwärtig. [Frank Arnold]

                            • 6

                              So fordert der Film High-Rise heraus, wo er nur kann, jedoch mit dem Ergebnis, den Zuschauer am Ende vollends zu überfordern. [Anabel Schleuning]

                              • 5

                                Ben Wheatleys konfuse Verfilmung des dystopischen Romans High-Rise von 1975 [...] leidet daran, in ihren Abänderungen sowohl zu buchstäblich als auch zu stumpf zu sein. [Melissa Anderson]

                                • 8 .5

                                  High-Rise ist ein dickköpfiges, inkohärentes Wrack von einem Film, und das ist als Lobpreisung zu verstehen. Man wird nicht allem folgen, was passiert, aber man wird sich seltsam zuhause fühlen. [Justin Chang]

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                                  • 5

                                    Auf der Leinwand ist High-Rise eigenartig träge. Die Themen kommen nicht an und die Story hinkt rumpelnd hinterher. [A. O. Scott]

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                                    • 3 .5
                                      HollywoodReporter 13.05.2016, 10:45 Geändert 13.05.2016, 10:46

                                      Selten haben so viele elegante Zutaten ein solch durcheinandergeworfenes, mehrstöckiges Chaos ergeben. Aber natürlich ist es besser mit Ambitionen zu scheitern, als mit Langeweile erfolgreich zu sein. In diesem Sinne ist High-Rise ein wahrer Katastrophenfilm, der brilliant scheitert. [Stephen Dalton]

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                                      • 8 .5

                                        Die kühl komponierten Bilder und das vielseitige Setdesign von Ben Wheatleys Zukunftsdrama gehen nicht sofort wieder aus dem Kopf. Zu abstrus und verrückt sind diese Impressionen. [...] Man sieht das Unheil kommen und muss fassungslos zusehen, wie es immer schlimmer und schlimmer wird und gerade das ist dann schon wieder großartig, weil man insgeheim selbst auch mal auf den Putz hauen möchte. [...] HIGH-RISE erzählt vom Zerfall einer Gesellschaft, dem Kampf der sozial Schwachen gegen die Reichen, dem Verfall von Anstand und Moral. Tom Hiddleston ist die Idealbesetzung für diese Rolle. [...] Dennoch ist HIGH-RISE eher ein Ensemblefilm, der seine Kraft aus dem Aufeinandertreffen der unterschiedlichen Bewohner zieht. [...] Ein Film, den man nicht so schnell vergisst.

                                        • 8

                                          [...] In "High-Rise" kommt nun anscheinend endlich zusammen, was wie füreinander bestimmt zu sein scheint. Die Romanvorlage von Autor J.G. Ballard, der für seine dystopischen, surrealen Geschichten bekannt wurde, gelangte in die Hände von Wheatley, der bekanntlich keine Risiken scheut, um seine Filme in Erlebnisse zu verwandeln. [...] Anhand von kühl entworfenen Bildern und der präzisen Betrachtung bestimmter Einzelfiguren aus den unterschiedlichen Schichten treibt Wheatley das Geschehen leise aber spürbar auf einen gewissen Höhepunkt zu. Bis es allerdings zur unabwendbaren Katastrophe kommt, deren Konsequenzen der Regisseur direkt zu Beginn vorweg nimmt, bevor die Handlung drei Monate zurück springt, ist der Film bereits vorab ein mitunter kaum zu erfassender Rausch, in dem sich kleine Zwischenfälle, apokalyptische Symbolik und laute Konflikte zu einem zunächst unsichtbaren Kollaps vereinen. Mithilfe von unwirklichen, exzessiven Montagen, einem herausragenden Score von Clint Mansell und dem konzentrierten Spiel der Darsteller, welche zeitweise zwischen Verzweiflung, Unsicherheit, Aggression und blankem Kontrollverlust agieren, verkommt "High-Rise" zu einer malerischen Symphonie des schleichenden Wahnsinns, die in jeder Einstellung düstere Paranoia sowie die Gewissheit über das nahende Unheil verkündet. Wheatley treibt das Konzept dabei ebenso ungestüm wie rücksichtslos auf die Spitze, indem er unaufhörliche Anarchie als glorreichen Wandel zelebriert und das anfangs brüchige Fundament der ungleichen Klassengesellschaft vollständig niederreißt. Als kaum zu beschreibendes, gänzlich unbändiges Gesamtwerk ist "High-Rise" eine zynisch-ätzende Dystopie, die inszenatorisch manchmal sogar strengstens kontrolliert wirkt, nur um sich im nächsten Moment ganz dem fiebrigen Exzess hinzugeben und Impressionen auf den Betrachter loszulassen, die so ungreifbar wirken wie sie wunderschön und einfach Kino pur sind. Ein finsterer Rausch, der den Untergang der vorherrschenden Zivilisationsordnung mit einem Lachen im Gesicht durchführt und am Ende nichts als endgültigen Wahnsinn und platzende Seifenblasen hinterlässt. [...]

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                                          • 6

                                            [...] Die Perversion des Komplexes folgt der Beibehaltung von Establishment und Arbeiterklasse, selbstverständlich mit geringen Aufstiegschancen, und ist demnach auf Konfrontation aus. [...] Missgunst macht sich breit und verschärft sich selbst in trivialen Treffpunkten wie Kindergeburtstagen und Supermarktbesuchen, bis die Herausforderung, wer die besseren Partys schmeißt, das Übel aller weckt. Die Blindheit vor dem Wesentlichen schafft umso energischer die Abgrenzung von Idealen und Empathie. [...] Solche Sachverhalte fängt Wheatley effektiv in audiovisuellen Collagen ein, die manchmal die übergreifende Bewandtnis des Ganzen und deren Abläufe abstrahieren und mit schwarzem Humor voll verziertem Horror auftrumpfen. Der Style des nahenden Untergangs muss sich manchmal aber mit allzu eindeutigen Phrasen arrangieren, die den Inhalt der zwischenmenschlichen Beziehungen und anderer Subtexte in selbsterfüllender Prophezeiung zusammenfassen. [...] Ben Wheatleys Betrachtung des menschlichen Wahns, die er schon mit „Sightseers“ und „A Field in England“ ansetzte, schafft auch hier [...] die Stärke vom (im filmtauglichen Sinne) kohärenten Aufbau in soziologische Tiefen. [...]

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                                            • 8

                                              Wheatley, Jump, Hiddleston und Co. bewohnen Ballards flammendes Inferno High-Rise mit schamloser Bravur. Wenn der Plot etwas wackelt, kann man das getrost als hochhaushohe Ambitionen dieses unberechenbaren britischen Films abschreiben. [Kevin Harley]

                                              • 8 .5

                                                [...] Die Anzeichen der nahenden Apokalypse integriert Komponist Clint Mansell bereits zuvor im Rahmen einer dekadenten Kostümparty der etablierten Schicht, in der im orchestralen Gewand ABBAs ebenfalls 1975 veröffentlichter Song S.O.S. im Hintergrund läuft. Nahezu unscheinbar bahnt sich die Komposition ihren Weg in die künstlich-glamouröse Szene, bis sie schließlich unverwechselbare Alarmsignale in sämtlichen Tonlagen auf die Anwesenden loslässt. Doch ganz im Geiste eines Missverständnisses sorgt der steigende Pegel der Musik lediglich für zusätzliches Gelächter, das in erster Linie auf Robert Laings Rechnung geht.

                                                Als S.O.S. schließlich ein zweites Mal ertönt - dieses Mal arrangiert Clint Mansell das Stück zusammen mit Portishead ähnlich brillant, wie er es 2013 bei Drecksau mit Radioheads Creep und Coco Sumner getan hat - kommt jedoch jeder Hilferuf zu spät. Nicht einmal Beth Gibbons’ sagenhafte Stimme vermag im Refrain die aufbauende Kraft der vorherigen S.O.S.-Version zu erreichen. Stattdessen dominiert eine verheerende Taubheit und Hoffnungslosigkeit die klagende Reprise, die in einem Gänsehaut erregenden Moment das Leid der Niederlage ins Unendliche potenziert. Und die Figuren glauben, das Schlimmste überstanden und die Kontrolle wieder erlangt zu haben. [...]

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                                                • 4 .5

                                                  In High-Rise fallen die besten Ideen der Romanvolage der Abrisskugel zum Opfer und die Allegorie wird zur Anarchie umgedeutet.

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