I Hired a Contract Killer - Kritik

DE/FI/FR/GB/SE 1990 Laufzeit 79 Minuten, FSK 12, Drama, Komödie, Kinostart 14.03.1991

Kommentare zu I Hired a Contract Killer

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    haturast 27.09.2014, 17:20

    Henri, Migrant im kargen London, sitzt in einer verlassenen Bar und versinkt in der Melancholie seiner desillusionierten Welt. In den kühlen Farben und der Tristheit der Inszenierung des Films erinnert er damit an die Schattengestalten in den Gemälden Edward Hoppers. "Nighthawks" könnte sie heißen, die Szene, in der er am Böden von Whiskeygläsern nach dem Sinn des Lebens sucht, zumindest bis zu dem Moment in dem eine Blumenverkäuferin die Bar und damit die Welt Henris betritt. Es bedarf nur einer kurzen Begegnung, nur dem Moment des Streifens zweier Augenpaare, ehe es geschieht. Sie wird zur Auslöserin seiner Gefühle, er zum Wiederentdecker einer nicht mehr für möglich gehaltenen Liebe. Einer Liebe zu ihr, der Blumenverkäuferin, aber vor allem auch einer Liebe zum Leben.

    Dabei wollte er nicht mehr. Hatte er sich nach seiner form- und anstandslosen Kündigung verabschieden wollen, zunächst aus eigener, nach mehrfachem Scheitern mit Hilfe fremder Kraft. Er suchte und kontaktierte einen Auftragskiller, gab ihm sämtliches Erspartes und setzte sich damit selbst auf die Liste der auszulöschenden Personen, um Auszubrechen aus seinem am Rande der Gesellschaft ablaufenden Leben. Henri war sein größter Feind geworden, hatte die Existenz desjenigen beenden wollen, mit dem er am wenigsten hatte leben können. Das Glück des Lebens wiedergefunden zu haben, bedeutet somit für Henri fortan auch vor Entscheidungen der Vergangenheit flüchten zu müssen, nicht Opfer seiner einst eigenen Absichten zu werden.

    Gewohnt ungewohnt zentriert Kaurismäki seinen Blick damit einmal mehr auf die im gesellschaftlichen Leben verlorenen Existenzen, kreiert dabei aber weitaus mehr als nur Sozialkritik und einen Blick über den sprichwörtlichen Tellerrand. "I hired a Contract Killer", das ist auch ein Lobgesang auf die Kraft der Liebe, die in richtigen Momenten eintreffend wahrlich Leben retten und zu dem mächtigsten aller Gefühle werden kann. Es ist der Blickwinkel auf die Auswirkung menschlicher Zuneigung in den Momenten des Lebens, in denen etwas passieren muss, etwas benötigt wird, was uns aus unserer Verlorenheit herausholt, uns Hoffnung gibt. Durchaus auch sein von Gesellschaftskritik geprägtes Gesamtwerk wiederspiegelnd dabei, dass Kaurismäki uns neben gewohnt lakonischen Humor diese eine kleine Hoffnung spendiert, uns Lichtblicke erleben lässt, wie sie hier Henri in Form der Blumenverkäuferin wiederfährt.

    Aber "When all the hope is gone, there is no reason for pessimism", wie Kaurismäki einst in einem seiner Interviews sagte und so lässt er seinen (Anti-)Helden einmal mehr erst dann das Glück des Lebens erfahren, als er selbst gar nicht mehr an dieses hat glauben können. "I hired a Contract Killer", das ist somit auch ein Plädoyer für das Leben, das voller Überraschungen steckt und uns deshalb nie an den Punkt bringen sollte aufzugeben. Denn spätestens dann, wenn man sämtliche Hoffnung verloren hat, hat man auch keine Gründe mehr pessimistisch zu sein. Kaurismäki hat Recht, und genau das ist, was ihn und seine Filme so gut macht.

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      Ritti 28.05.2014, 21:46

      Mein erster Kaurismäki-Film und ich glaube, es wird mich Überwindung kosten, einen weiteren sehen zu wollen. Ziemlich zäh, um nicht zu sagen extrem langweilig. Sorry, den Kultcharakter dieses Films kann ich nicht nachvollziehen.

      • 7 .5
        Polyphem 23.08.2013, 14:47

        Man kann der Hauptfigur nur um den Hals fallen, wenn sie rauchend, schwankend einige geleerte Whiskeygläser vor sich stehen hat und verkniffen in die Leere starrt. Dieser arme unbeholfene Kerl, wie er durch das Leben stolpert! Klar, ohne Job ist alles beschissen, da rettet einen wohl nur der Suff oder die Liebe. Mühelos und unvermittelt schleicht sich immer wieder ein grotesker, schwermütiger Humor in die ruhige Inszenierung. Die Seele des Films liegt in dieser subtilen tragischen Komik: Ein dicker Kussmund auf der Stirn des Verzweifelten oder der prüfende Blick nach der Augenfarbe. Sehr interessant und gelungen.

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        • 10
          Aldo_Valletti 20.01.2013, 11:51

          Schade, dass ich diesen Kaurismäki erst so spät gesehen habe, denn es ist einer seiner Besten, neben Der Mann ohne Vergangenheit und Lichter der Vorstadt. Typische Kaurismäki Tristess gemischt mit guter Musik, auch wenn ich nie ein Joe Strummer Fan war, geschickt eingesetzte Farben und ordentlich Rauchen. Bei dem diesmal in London spielenden Film habe ich mich sofort an Mistery Train erinnnert gefüht. Dieser Film erzeugt einfach ein positive Stimmung. Super!

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          • 6
            Einar 07.01.2013, 00:47

            War mir persönlich ein wenig zu getragen, fast "französisch" in seiner Machart. Die Bilder und der unveränderte Hintergrundton sollen für sich sprechen, dazu ein wenig Source-Musik. So stelle ich mir als Laie einen Film vor, der in erster Linie Kunst ist und dann erst unterhalten möchte.
            Leider zieht das bei mir nicht, auch wenn die Stimmung schön melancholisch daherkam. Zu dialogarm. Und ein Quäntchen fehlt, das ich nicht genau definieren kann.
            Aber: Schön gespielt ist es!

            • 8 .5
              Brentano 11.05.2012, 12:00

              Ein schöner Film auch (oder speziell?) für Freunde der schauspielerischen Arbeit von Jean Piere Léaud, den ich sehr schätze und fast menschlich, emotional mag: (obwohl ich ihm selber nie begegnet bin)
              Ja dadurch "voreingenommen" bin und ihn seit den "400 cents coups, la nuit américaine, la Chinoise, u.a." - "verfolge". auch dieser Film badet in seinen bekannten Marotten/Ticks und nicht überwundenen Zweifeln, legt sie in eine ältere, reifere Lebensepoche (er ist inzwischen, wie wir alle, etwas gealtert) aber er entblößt sich wieder, ist ratlos „betroffen“ und läuft dahin, mal dorthin.

              Er bleibt trotz aller gravitätischen Stimmung, Lage in die ihn das Szenario „pressen“ mag, seinem Grund-Charakter treu, so des „gereiften Luftikusses“ und melancholischen Ant-Helden etwa verpflichtet. Also ein Film um Jean-Pierre Léaud herum, als nur "mit ihm" oder an "ihm vorbei" gedreht, aber dafür ist auch Kaurismäki „Dank“ zu zollen.

              Gerade aber auch das, was ich hier beschreiben habe, könnte man dem Film jedoch ebenso als "mörderische" Kritik daran auslegen, wie auch immer, ..!?

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              • 8
                ElMagico 10.11.2011, 12:09

                Aki Kaurismäki begibt sich wieder in die Tiefen der Einsamen und Vergessenen, in die Welt derer die Halt suchen in Sachen, welche andere schon gar nicht mehr beachten. "I hired a contract killer" ist aber kein typischer Kaurismäki. Zu leichtfüssig kommt er daher, zu versöhnlich ist sein Humor und seine Stimmung. Irgendwo erinnerte mich das fast ein bisschen an Loriot...an einen etwas verbitterten Loriot, den ganz legt ein Kaurismäki seine Sicht der Dinge natürlich nicht ab. Ich glaube das könnte er auch gar nicht. Der alte Kauz.
                Aber "I hired a contract killer" drückt eben nicht so sehr wie gewohnt aufs Gemüt. Eine etwas hellere Bildsprache, eine kleine amüsante Geschichte, welche sich anfühlt als käme sie direkt aus den 50er Jahren und vorallem der Gedanke, dass dieses mal alles gut ausgehen könnte. Doch auch wenn der Film in England produziert wurde, bis Hollywood ist es noch ein weiter Weg und zu einem Happy End ist es oft noch viel länger hin. Und so gibt es hier eine sehr feinfühlige, wenn auch wiedermal oft sehr spartanische Tour der Emotionen, die die grossen Gefühle des Lebens im kleinen Rahmen der Alltäglichkeit zeigt.
                Eigentlich wie gemacht für Einsteiger Kaurismäkis, da "I hired a contract killer" sein recht pessimistisches Weltbild in einen sehr charmanten und auch witzigen Film verpackt.

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                • 9 .5
                  magX 20.04.2009, 16:47

                  Ein sehr ruhiger, auf Kleinigkeiten achtender Film der zwar extrem tragisch ist, jedoch auch mit viel Humor und einer interessanten Grundidee diese Tragik in den Schatten stellt. Zudem lässt sich auch eine gewisse Sozialkritik nicht abstreiten, die heute vermutlich noch aktueller ist als damals: der Wert und die Sicherheit der Arbeit. Der Film vereint also alles was man von einem Film erwarten kann: er ist unterhaltsam, kritisch, spannend und sehr gut gemacht.

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                  • 9
                    maslobojew 14.04.2008, 19:33

                    Ein grausam nüchterner Film. Vielleicht ein guter Einsteigerstreifen für Kaurismäki-Neulinge.