Ihr Name ist Sabine
Elle s'appelle Sabine (2007), FR Laufzeit 85 Minuten, Dokumentarfilm, Kinostart 15.01.2009
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“Ihr Name ist Sabine” gibt einen ebenso unspektakulären wie eindrucksvollen Einblick in das Leben einer jungen Frau. Wir erleben ihren Alltag im betreuten Wohnen, irgendwo im Grünen, sehen Familienbilder aus ihrer zweifellos fröhlicheren Vergangenheit und verstehen, was ein fünfjähriger Psychiatrie-Aufenthalt mit ihr gemacht hat. Sabine und Sandrine sind Schwestern. Sabine leidet unter Autismus. Sie lebt in einem Heim in der französischen Provinz. Sie wirkt wie ein Mensch, der in seiner Krankheit eingeschlossen ist. Ihre ältere Schwester dagegen: eine öffentliche Person. Sandrine Bonnaire gehört zu den großen Stars am Kinohimmel. Sie hat sich einen Namen als eine der besten Schauspielerinnen ihrer Generation gemacht. Ihre jüngste Arbeit, ihre erste als Regisseurin, hat Sandrine Bonnaire ganz ihrer Schwester gewidmet. Sandrine erzählt Sabines Geschichte. Sie begleitet die jüngere Schwester mit der Kamera in ihrem Alltag, beim Essen und Spazierengehen. Anhand ihrer Familienfilme erinnern sie sich gemeinsam an vergangene Jahre. Sabine war ein hübsches, quirliges Mädchen. Doch schon als Kind brauchte sie besondere Betreuung. In der Schule rief man sie “Verrückte Sabine”. Sie wurde in eine Sonderschule geschickt. Doch auch da konnte sie nur kurz bleiben. Die nächsten Jahre lebte sie zu Hause, bis sie 28 wurde. Sie bastelte Puppen und lernte Klavier spielen. Sie spielte Schubert und Bach. An Autismus dachte damals niemand. Der Tod ihres Bruders und der Umzug mit der Mutter stürzt Sabine in eine emotionale Krise. Sie wurde in die Psychiatrie eingewiesen. Dort verbrachte sie fünf Jahre – mit Drogen voll gepumpt. Als sie herauskam, hatte sie nicht nur 30 kg zugenommen, sie hat auch ihre kreativen Fähigkeiten und ihre persönliche Ausdruckskraft verloren. Ihre Sprache ist nun fragmentarisch und schleppend wie ihr Gang. Seit sie in dem neuen Heim lebt, konnte ihre Medikation jedoch um die Hälfte reduziert wer den. Die Spuren ihres Klinikaufenthaltes wird sie wohl trotzdem nie los werden.
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Kritiken (5) — Film: Ihr Name ist Sabine
Gerhard Midding: Berliner Zeitung, epd Film,... Gerhard Midding: Berliner Zeitung, epd Film,...
Kommentar löschenIn ihrem Regiedebüt kann Sandrine Bonnaire nicht umhin zu zeigen, wie grausam diese Gleichung im Leben sein kann. Wird sich beim Anblick ihrer Schwester im Schneideraum die Traurigkeit je in eine Selbstverständlichkeit verwandelt haben? Immer wieder beschließt Sandrine Bonnaire die Szenen mit langen Abblenden, die wie ein Durchatmen, ein Kräftesammeln anmuten.
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Kirsten Liese: BR Online, WDR3, Darmstädte... Kirsten Liese: BR Online, WDR3, Darmstädte...
Kommentar löschen{..]Wem aber ist das zuzumuten, sich um Menschen zu kümmern, die gewalttätig sind? Alle Versuche, Sabine, deren psychischer Zustand sich nach dem Tod eines Bruders sehr verschlimmerte, innerhalb der Familie zu integrieren oder sie von Krankenpflegern privat versorgen zu lassen, scheitern. So bleibt nichts anderes übrig als eine stationäre Aufnahme in einer psychiatrischen Klinik. Fünf Jahre bleibt Sabine dort, wo sie ins Zimmer eingeschlossen wird und sehr starke Medikamente erhält, die ihre Aggressionen dämpfen, aber ihre kreativen Fähigkeiten einschränken und ihre körperliche Vitalität stark schwächen.
Eben darin liegt auch die große Anklage dieses Films, der Sandrine Bonnaire einmal von einer bislang noch ungekannten, sozial engagierten Seite zeigt. Ihre Dokumentation vermittelt ein Bild von verantwortungslosen Psychiatern und Ärzten, übt vor allem auch Kritik an Politik und Gesellschaft.
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Der Redaktör: kino-zeit.de Der Redaktör: kino-zeit.de
Kommentar löschenEine Odyssee, die aufzeigt, dass in Frankreich eine eklatante Versorgungslücke bei der Unterbringung erwachsener Behinderter herrscht. Und so ist Sandrine Bonnaires Film über ihrer Schwester nicht nur ein sehr persönliches Werk geworden, sondern auch ein politisches – zum Glück. Denn trotz aller Verbundenheit verliert die Regisseurin niemals die Gesamtzusammenhänge aus dem Auge, ohne deshalb ihre Schwester zu verraten.
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alexandra seitz: Berliner Zeitung, tip, ray ... alexandra seitz: Berliner Zeitung, tip, ray ...
Kommentar löschen"Ihr Name ist Sabine" ist nicht nur das anrührende Porträt einer Frau, die den Rest ihres Bewusstseins im Schneckentempo aus einem durch jahrelange Psychopharmaka-Verordnung induziertem Phlegma herausarbeitet, und auch nicht nur der vertrauensvoll geschenkte, intime Blick auf das Verhältnis zweier Schwestern. Bonnaire nutzt "den Fall" ihrer Schwester zudem, um auf die ganze Grausamkeit der staatlichen Verwaltung so genannter geistiger und körperlicher Behinderungen, mentaler Störungen oder Verhaltensauffälligkeiten aufmerksam zu machen. Was Sabine passierte, passiert hundertfach, täglich und ist ein Skandal.
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G. Jekubzik: Filmtabs G. Jekubzik: Filmtabs
Kommentar löschenSandrine Bonnaire erzählt selbst im Off von guten Zeiten, als ihre Schwester selbständig war, ihre eigenen Dinge machte. Sie war autistisch, hatte eine eigene Welt, aber auch ein eigenes Mofa. Irgendwann fühlt sich Sabine verlassen, schlägt um sich und zerstört das, was sie besondern liebt, auch die Fotos der Familie. Ihr Zustand verschlechtert sich zusehends. Für die unbekannte Krankheit gibt es kein Platz im Krankenhaus, keine Betreuung im Gesundheitssystem. Schweren Herzens gibt die Familie Sabine in eine Psychiatrie und heraus kommt dieser kaum wieder erkennbare Mensch. Mit ihrem anrührenden Porträt stellt Sandrine Bonnaire auch die Frage: Ist Sabines Niedergang der Krankheit oder dem Krankenhaus geschuldet? Erwähnt wird auch die Rolle der Eltern, ihre Suche nach geeigneter Betreuung und ihre Schuldgefühle anlässlich der Frage, ob sie auch alles menschlich Mögliche gemacht haben.
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Kommentar — Film: Ihr Name ist Sabine
Kommentar schreibenannaberlin 2008/06/30 12:03:39
Kommentar löschenSandrine Bonnaires Regiedebüt porträtiert in ruhigen Bildern ihre autistische Schwester Sabine und stellt ein großes Talent für die Arbeit hinter der Kamera unter Beweis.
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