Im Bazar der Geschlechter
Im Bazar der Geschlechter (2010), AT/IR Laufzeit 87 Minuten, FSK 12, Dokumentarfilm, Kinostart 04.08.2011
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Keine
von Sudabeh Mortezai,
Der Film zeigt auf erfrischende Art und Weise eine fremd erscheinende Kultur, die sich auf dem Weg der sexuellen Revolution unter dem Schleier befindet. Ein Junggeselle, der zwischen Beziehungsangst und Liebessehnsucht schwankt, eine geschiedene Frau, die ums Überleben kämpft und ein Mann des Glaubens, der versucht, die gelebte Sexualität anderer mit seinem Dogmen abzustimmen. Ihre Geschichten kreisen um die Praxis der Zeitehe, auch Lustehe genannt, einer schiitischen Tradition im Iran, die es einem Mann und einer Frau ermöglicht, für einen befristeten Zeitraum zu heiraten. Die Ehe kann von einer Stunde bis zu vielen Jahren dauern – manchmal für fünf Goldmünzen im Jahr, manchmal für 100.000 Toman. Legalisierte Prostitution oder ein Schlupfloch für Paare, um eine Beziehung innerhalb des repressiven Rechts der Islamischen Republik Iran zu leben – religiöses Dogma trifft auf Macho-Sentimentalität, trifft auf weibliche Lebensrealität. Eine schonungslos Auseinandersetzung mit der Zeitehe im Iran – ehrlich, kritisch und bisweilen humorvoll. Die iranische Filmemacherin Sudabeh Mortezai hat ein dichtes, stellenweise auch komisches, in jeder Szene hochinteressantes Porträt der iranischen Gesellschaft gestaltet, und sie schafft es dabei, die Menschen, die vor die Kamera treten, nicht zu diskreditieren: Sie alle leiden, bewusst oder unbewusst, an einem Geschlechterverhältnis, das Ungerechtigkeit festschreibt. Der Film ist eine teifgreifende Bestandsaufnahme darüber, wie die staatliche Kontrolle der Sexualmoral fundamentalen Einfluss auf das Befinden einer ganzen Gesellschaft ausübt.
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Cast & Crew
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Sudabeh Mortezai
Regie
Schauspieler
-
Sudabeh Mortezai
- Genre
- Dokumentarfilm
- Ort
- Iran
- Handlung
- Arrangierte Ehe, Ehe, Ehefrau, Ehemann, Ehepaar, Glaube, Hochzeit, Prostitution, Scheidung, Scheinehe
- Stimmung
- Berührend, Geistreich
- Mitmachen
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Drehbuch
Filmdetails Im Bazar der Geschlechter
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Kritiken (6) — Film: Im Bazar der Geschlechter
Rochus Wolff: freier Journalist
Kommentar löschenDas Wunderbare an "Im Bazar der Geschlechter" ist, dass er seinen Titel und sein Thema schon einmal eine ganze Weile lang links liegen lässt; zwar drehen sich die Gespräche der Menschen – meist sprechen sie untereinander, gelegentlich greift die Regisseurin fragend ein – oft um die Zeitehe, aber es geht doch immer wieder um alles mögliche andere.
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Susanne Gupta: fluter Susanne Gupta: fluter
Kommentar löschen"Im Bazar der Geschlechter" von Sudabeh Mortezai ist ein erstaunlich offenes Dokument über eine zerrissene Gesellschaft voller Doppelmoral, unter deren Oberfläche das Bedürfnis nach persönlicher und sexueller Freiheit gärt.
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Josef Lederle: http://film-dienst.kim-info... Josef Lederle: http://film-dienst.kim-info...
Kommentar löschen„Im Bazar der Geschlechter“ der österreichisch-iranischen Dokumentaristin Sudabeh Mortezai entwirft anhand dieser bizarren Rechtsfigur ein schillerndes Bild der gesellschaftlichen Verhältnisse im Iran. (...) Bei den Recherchen in den Städten Teheran, Qom und Esfahan kommt der Film auch mit einer jungen Generation in Berührung, für die eine Gleichberechtigung von Männern und Frauen ein erstrebenswertes Ziel darstellt. Als Zuschauer braucht es freilich einige Geduld, um die flanierenden Erkundungen nicht als fragmentarische Arabesken-Sammlung misszuverstehen, sondern als Vorzeichen jener Veränderungen zu erschließen, die 2009 im oppositionellen Bürgeraufstand mündeten.
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LuGr: MovieMaze / NEGATIV u.a.
Kommentar löschenNur selten tauchen künstlich arrangierte Interviewsituationen auf, viel mehr fängt "Im Bazar der Geschlechter" Szenen wie das Schließen einer Ehe oder Frauen beim gegenseitigen Stylen in Momentaufnahmen ein. Die Handkamera ist stets nah dran an den Menschen und den Situationen, wenn geschlechtsspezifische Erfahrungen im Alltag festgehalten werden, thematisch gegliedert oder angeregt durch Stichworte. Der fast ohne Musikuntermalung oder visuelle Spielereien nüchtern daherkommende Dokumentarfilm vermittelt nach außen zweifellos eine andere gesellschaftliche Realität als die vom Mullah-Regime erwünschte.
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Martin Wertenbruch: Schnitt Martin Wertenbruch: Schnitt
Kommentar löschenEntlang dreier Protagonisten, die unterschiedlicher nicht sein könnten, präsentiert sie die schiitische Institution der Zeit-Ehe. Demnach können ein Mann und eine Frau nach zuvor festgelegter Brautgabe eine Intim-Verbindung auf Zeit eingehen, die wahlweise zwischen einer Stunde und 99 Jahren andauern kann. [...] Es ist ein facettenreiches, bisweilen humorvolles Bild, das hier anhand einer schiitischen Tradition gezeichnet wird. Es mag an genau dieser Vielschichtigkeit liegen, daß es dramaturgisch etwas unrund geworden ist.
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Walter Gasperi: ray Walter Gasperi: ray
Kommentar löschenSudabeh Mortezai zeichnet in ihrem ebenso aufschlussreichen wie unterhaltsamen Dokumentarfilm ein Bild der im Iran praktizierten Einrichtung der «Zeit-Ehe» und deckt dabei gleichzeitig Widersprüche der iranischen Gesellschaft auf. [...] Hautnah ist man bei dieser teilnehmenden Beobachtung an den persönlichen Schicksalen, blickt tief hinein ins Private und erfährt im Privaten viel über die gesellschaftlichen Verhältnisse im Allgemeinen, über die Kluft zwischen religiösen Normen und modernem Leben, die von offizieller Seite freilich negiert wird, und die Schlupflöcher, die die Individuen - vor allem die Jüngeren - finden um diese Regeln zu umgehen.
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Kommentare (0) — Film: Im Bazar der Geschlechter
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