Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen

Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen (2010), DE/CH
Laufzeit 93 Minuten, FSK 0, Dokumentarfilm, Kinostart 29.03.2010

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Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen - Bild 3806934
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von Hajo Schomerus,

In der Grabeskirche in Jerusalem leben sechs christliche Konfessionen Tür an Tür unter einem Dach: griechisch-orthodoxe Christen, römisch-katholische Christen, syrische Christen, armenische Christen, äthiopische Abessinier und ägyptische Kopten. Eine muslimische Familie verwahrt den Schlüssel zur Kirche und schließt die Haupttür morgens auf und abends wieder zu. In diesem Status Quo befindet sich die Kirche seit der osmanischen Zeit. Die einzelnen Glaubensgemeinschaften wachen verbissen über die ihnen zugeteilten Anteile und beobachten eifersüchtig die Anderen. Die Abessinischen Christen, die ihren Platz in der eigentlichen Kirche verloren haben, quartierten sich kurzerhand auf dem Dach der Kapelle ein, die koptischen Christen, die den Haupteingang des Grabes nicht benutzen dürfen, bauten sich eine kleine Kapelle an der Rückseite der Grabkammer und die Griechisch-Orthodoxen verteidigen rauhbeinig den Vordereingang. Zu hohen Festtagen kommt es manchmal zu absurden Schlachten religiöser Leidenschaft, die Prozessionen geraten sich gegenseitig in die Quere und Gläubige aus aller Welt verkeilen sich untereinander. Aber nachts, wenn die unfreiwillige Wohngemeinschaft in der Kirche eingeschlossen ist, beten die Mönche vor dem Grab. Dann verwandelt sich die Kirche in einen mystischen Ort der Hingabe und Sehnsucht nach erfülltem Glauben.

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  • Die Grabeskirche in Jerusalem
  • Bruder Jayaseelan
  • Vater Samuel Aghoyan
  • griechisch-orthodoxe Mönche feiern die Auferstehung Christi

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Kritiken (1) — Film: Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen

José Garcia: Textezumfilm

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7.5Sehenswert

Statt durch einen gesprochenen Kommentar unterbricht Regisseur Schomerus die Bilder durch Schrifttafeln, die zum Verständnis der besonderen Umstände an diesem besonderen Ort beitragen. Davon abgesehen übernimmt seine Kamera eine Beobachterrolle. So zeigt „In Haus meines Vaters sind viele Wohnungen“ Teile verschiedener liturgischer Feier insbesondere in der Karwoche und als Höhepunkt die Auferstehungsliturgie, bei der der griechische Patriarch durch die dichtgedrängten Pilgermassen das Osterfeuer trägt. Das Gedränge an den Feiertagen, bei denen es durchaus um Handgreiflichkeiten kommen kann, kontrastiert mit ruhigen Bildern, insbesondere während der Nacht. Wenn das Kirchentor geschlossen wird, erlebt der Zuschauer endlich die Stille und die Ausstrahlung eines heiligen Ortes. Und nach fast eineinhalb Stunden zeigt der Film auch das heilige Grab, an dem die Mönche die nächtliche Liturgie verrichten. Dazu führt der Filmemacher aus: „Der Ort kann so profan wie ein Busbahnhof sein und dann wieder in seiner Heiligkeit überwältigend.“

„Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen“ verdeutlicht das Skandalon der Trennung der christlichen Konfessionen, etwa in den mitunter kindischen Konflikten, die in den Interviews zur Sprache kommen. Ohne zu werten, zeigt Schomerus’ Film aber auch den tiefen Wunsch nach einem friedlichen Nebeneinander.

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