In My Skin ist für den Mainstream zu abartig, da neben der psychischen Härte das Geschehen auch realistisch wirkt, was verstörende Wirkung entfalten wird. Die FSK 16 sollte nicht drüber hinwegtäuschen, diese wurde nur vergeben, weil es hier keine optische Gewalt gibt, die von anderen zugefügt wird.
Gnadenlos schockierend und verstörend, ein weiteres Highlight aus der Störkanal-Edition... Ein Schauspielerisch grandios gespieltes Psychogramm einer gestörten Persönlichkeit. Wie meist nichts für schwache Nerven bzw. Mägen und auch nichts für Leute, die es bei Filmen gerne konventionell haben... Einen Sinn für ausgefallenes sollte man auch bei "In My Skin" haben...
Zweifellos ein sinnlich sehr intensiver Film, dennoch weiß er in seiner vieldeutigen Ausrichtung und mit seiner ungewöhnlichen, etwas konturlosen Protagonistin nicht wirklich zu fesseln. Die Hauptfigur Esther scheint stellenweise bloß als Vehikel für Marina de Vans Filmkonzept zu dienen. Was nach dem Film im Gedächtnis bleibt ist seine teils verstörende Stimmung, die Intensität mit der er in friedvollen und gleichermaßen verstörenden Szenen offene Nervenenden präsentiert. Eine Kombination, die so nur selten zu sehen ist. Körperkino in Bildern, die in ihrer Intensität teils weit über Standardkost hinausgehen, oftmals Gänsehaut verursachen.
Für mich persönlich ein extrem schwer zu bewertender Film, weil ich mich die ganze Zeit eigentlich nur gefragt habe, wie sich ein Mensch so was antun kann. Freiwillig oder aus [innerem/indirektem] Zwang sei jetzt mal dahingestellt.
"In My Skin" beinhaltet einige starke und zugleich ekelerregende Szenen, die schockieren und den Zuschauer wach rütteln. Und genau das hat der Film erreicht. Bemerkenswert ist unter anderem zum Beispiel das Szenario in dem Restaurant. Aber nicht das, was passiert, sondern die dort angewandten Soundeffekte. Das unmerkliche, aber doch stetige Lauterwerden der Umgebungsgeräusche unterstreicht das bizarre Wirken der Hauptdarstellerin und ist ein kleiner Geniestreich. Darüber hinaus agiert Marina de Van gekonnt. Mit unterschwelligen Aktionen, die im wahrsten Sinne des Wortes unter bzw. in die Haut gehen. Die leise Hintergrundmusik, die ab und an einsetzt, unterstreicht das Ganze auf einem sehr hohen und subtilen Niveau.
Die, ich möchte schon fast sagen, Genialität des Films macht außerdem aus, dass darauf verzichtet wird: alles bzw. jede Verstümmelung 1 zu 1 zu zeigen. So bekommt man ab und zu nur Ausschnitte des Vorgangs zu sehen und es wird dann nur das Resultat präsentiert. Das lädt zu Fantasien & Interpretationen ein, die sich in den Kopf bohren.
Der Film bewegt sich die gesamte Spieldauer hindurch an der Grenze zwischen dem Un- und Zumutbaren, was mich ab und an dazu brachte weg zusehen. Ich aber vor lauter Faszination doch hängen blieb. Wahrlich kein Film für zwischendurch. Doch ein 'Must See' für Freunde des anspruchsvollen Films.
Interessante und gleichzeitig authentische Charaktere hat "In My Skin" auch noch zu bieten. Diese im Zusammenhang mit der grotesken Handlung zu sehen verspricht jede Menge Spannung und die wird auch geboten.
Den hatte ich mal als Heftbeilage in einer Video Zeitschrift gehabt oder war es ne PC Zeitung ich weiß nicht mehr ... hat sich aufjedenfall gelohnt den mal zu sehen ...
fand den irgendwie komisch, schockierend aber dennoch spannend ... ich wollte echt schauen wie es ausgeht am Ende ...
Eins vorweg: Wer ine psychologisch perfekt ausgefeilte Borderline-wasauchimmer-Studie erwartet, sollte seine Einstellung lieber ändern: Bei "In My Skin" werden sich zwar die wenigsten darüber beschweren können, dass der Film psychologisch - bis auf eine etwas mystische, aber sehr beeindruckende, teils unerträglich intensive Halluzinationsszene - nicht ausgefeilt ist, dennoch ist das Regiedebüt von Marina de Van viel eher rein physisches Kino, etwa im Stile eines Kim Jee-woon ("I Saw The Devil" ist kein so schlechter Vergleichsfilm) oder, um im Herkunftsland zu bleiben, eines Alejandre Aja (insbesondere "High Tension"). Wer sein Gehirn also leicht zurückstellt und sich auf eine ekelerregende Selbstschlitzerei einstellt, der wird "In My Skin" leichter als das, was der Film darstellt, genießen können. Nun ja, eher "genießen".
Beeindruckend ist nicht nur die Virtuosität der Inszenierung - der Film ist im Gegenteil zu den meisten Filmen der Neuen Französischen Härte extrem beherrscht, beinahe elegisch, und bietet weder in Esthers Selbstverstümmelungsakten noch in den Auseinandersetzungen mit ihrem Mann Hysterieanfälle (!!), sondern präsentiert die Ereignisse mit einer Nüchternheit, die beinahe an Loriot erinnert - sondern auch die kaum vorhandene Eitelkeit der Regisseurin und zugleich der Hauptdarstellerin. Sicherlich, ihr Umgang mit dem eigenen Körper wird kaum aus dem Nichts entstanden sein ("und jetzt lecke ich mein eigenes Blut") und ihr leicht divenhafter, berauschter Blick auf sich und die Welt jagt einem hier und da mehr Angst ein als die Verletzungen, dennoch ist sie mutig genug, ihren Körper vor der Kamera ganz natürlich zu entblößen und zu verletzen (zumindestens auf der Filmebene): Eine Leistung, wie man sie von den wenigsten Schauspielerinnen verlangen kann. Marina de Van macht es dagegen freiwillig - hier zählt nun mal nicht das Auftreten, hier zählt, was man mit dem FIlm rüberbringen möchte. Und dafür kann man auch etwas hässlich sein.
Auch rein schauspielerisch ist de Van ein Erlebnis: Ihre emotionale Zurückhaltung mag weniger beeindrucken, ihre physische Perfektion ist dagegen - nun ja, physische Perfektion eben. Jede Augenliedbewegung, jeder Atemzug ist hier Teil eines verstörenden körperlichen Puzzles. In der Schwindelszene stoßt sie sich an einer Wand an und tut es so dermaßen realistisch, dass man sich fragen muss, ob sie davor nicht einige nette Drogen eingenommen hat - was Schwindel angeht, habe zumindestens ich genug Erfahrung, um zwischen echt und gespielt unterscheiden zu können. Ihre körperliche Beherrschung am Rande der Apokalypse hält den ganzen Film zusammen. Selten gab es ein Filmwerk (insbesondere einer Frau!), der inszenatorische Kaltblütigkeit und die eigene Hauptdarstellerleistung zu einem derart dichten Erlebnis verknüpfen konnte.
Wie bereits erwähnt, ist die Gewaltdarstellung heftiger als man bei einer 16er-Freigabe erwartet - nicht unbedingt blutig, aber widerwärtig, zunächst kaum nachvollziehbar, aber nach und nach - gruseligerweise - eine ganz eigene Faszination entwickelnd. Dem Zeitgeist entrinnend ist Esther kein mitleidssuchender "Emo", kein Suizidfall: Ihre Faszination für die Sebstverstümmelung liegt in der ausschlaggebenden, zufälligen Verstümmelung zu Beginn, ein Teufelskreis des Ausblutens, dessen Anfang kaum zu erfassen ist und dessen Prämisse wenig Empathie erlaubt. Was ein großer Vorzug des Films ist: Es wird keine billige Erklärung angeboten, die Gründe liegen in den tiefen Augen der Protagonistin verborgen - was man darin zu lesen vermag, liegt am Zuschauer selbst. Ähnlich wie "Tetsuo" wird der Film seinem möglichen Kontext entzogen: Doch wo Tsukamotos Cyberpunk-Alptraum nach einer Weile zu metaphorischen und gewissenstechnischen Gründen für die Verwandlung ansetzte (was ich hier keinesfalls kritisieren möchte!), lässt "In My Skin" bis zum plötzlichen und beinahe versöhnlichen Gänsehautende jene im Dunkeln.
Einm starkes, uneitles, mutiges und einzigartiges Regiedebüt, welches in seiner Beherrschtheit und zugleich der Brutalität mehr noch an asiatisches Psychogewaltkino erinnert, denn an französische Horrorfilme der letzten Jahre. So elegant inszeniert wie es bei dem Thema möglich war, erzählt "In My Skin" eine moderne Liebesgeschichte zwischen der Schönen und dem Biest, stattfindend in dem Körper einer einzigen Frau, konsequent und zwischen der Schönheit und der Hässlichkeit schwankend, gar eher virtuos navigierend. Ein schwer vergessbares, heftiges, physisch perfekt durchkomponiertes Werk, welches uns Männern Hoffnungen macht, dass wir irgendwann durch eben solche Werke das Wesen der Frau - oder einiger Frauen - zu begreifen lernen. Und das nicht etwa durch langwierige Erklärungen, sondern durch das Zeigen von dem, was unseren Augen verborgen bleibt - in der Erwartung, durch das Sehen das Verstehen zu lernen. Ich verneige mich vor ihnen, Marina de Van.
Mal sehen. "Unter dem Sand" habe ich schon eher gehasst - aber "7 Frauen" war echt cool. Ozon steht weiter unten auf der Liste - aber steht noch drauf. ;)
"welches uns Männern Hoffnungen macht, dass wir irgendwann durch eben solche Werke das Wesen der Frau - oder einiger Frauen - zu begreifen lernen." Würde nicht behaupten, dass dieser Film dabei hilfreich ist. Wenn du Frauen kennenlernen willst, solltest du es abseits von französischen Filmen tun. :D
Die Frauen in "solchen Filmen" sind auch keine Paradebeispiele für depressive Frauen. Es sei denn du stehst auf Bordis, von denen ich dir aber abraten möchte.
naja, natürlich sind männer die besseren menschen (alle schlimmen diktatoren waren, tief in sich drinn, eigentlich frauen) aber beim sex sind frauen unschlagbar: sie riechen und schmecken besser und machen nicht solche peinlichen geräusche wie männer. ;)
Hat mir ganz gut gefallen. War zwar etwas anstrengend aber damit konnte ich gut leben. Von mir aus hätte es noch etwas härter zur Sache gehen können. Aber jajaja, dann wäre es wahrscheinlich kein so künstlerischer Film mehr. ;-)
Kaum erträgliche Szenen, die einen nervös an der inneren Stop-Taste nästeln lassen. Selbstverstümmelung und Eigenkannibalismus mit einer enorm-starken aber nicht nachvollziehbaren Motivation, die einen absolut ratlos macht. Enorm präzise und unglaublich Angst einflößend. Ich kenne Borderline-Persönlichkeiten, aber das hier ist ein Ausmaß psychischer Abnormität, die ihres Gleichen sucht. Da ist selbst Hanekes Klavierspielerin Nonneneishockey.
Für mich ein außergewöhnlicher Film, den man nur unter großer Anstrengung aushält. Schwache oder starke Nerven…- hier ist mal ganz gewaltig Schluss mit lustig. Grenzüberschreitend - halt beyond borderline.
den Streifen hatte ich in einer Videozeitschrift als Beilage ...
ich fand den schon ziemlich krass ... krass auch in der Umsetzung
aber das die sich immer geritzt hat ... muss ja jedes Emoherz zum kochen gebracht haben xDDD ... ich vergebe 5 Punkte ^^
In my Skin ist ein merkwürdiger Film, im wahrsten Sinne.
Das Thema des Films ist bei genauer Überlegung viel schwerer auszumachen, als es zunächst scheint. Autoaggression? Selbstverstümmelung? Das sind Begriffe, die in den (spärlichen) Besprechungen zu Marina de Vans Regiedebut häufiger gefallen sind, es scheint allerdings fraglich, ob Begrifflichkeiten dieser Art auch nur annähernd die Fazinationskraft dieses Films beschreiben können.
Sicher, es fließt Blut. Jede Menge sogar. Und es wird geritzt, geschnitten, gebissen und geschmatzt. Mit Splatter oder Folter hat das allerdings wenig zu tun. Esther (Marina de Van) setzt sich - auf äußerst radikale Weise - in Beziehung zu ihrem Körper. Vielleicht geht es um die Auslöschung oder Auslotung der Grenze zwischen Ich und Welt, die allerdings - die Szene mit der Hand im Restaurant deutet es an - sehr viel komplexer als herkömmliche biologische Grenzziehungen ("Haut") angelegt zu sein scheint.
Mögliche Erklärungen werden angedeutet, nicht zufällig handelt der Film viel vom Arbeitsleben, von Karriere, Hierarchien und (Selbst-) Ausbeutung. Das alles verkommt erstaunlicher Weise jedoch nicht zur plakativen These, sondern bleibt Andeutung, ebenso wie die Mimik de Vans, die stets diffus und selbstvergessen erscheint.
In my Skin, das ist ein sehr sehenswerter Film, der thematisch und die Stimmung betreffend vielleicht in die Nähe von Trouble every day gerückt werden könnte.
Die unverblümte Darstellung einer Selbstentdeckung, die Erforschung und (Rück)Eroberung des Gestaltungs-, und Erlebensraumes Körper mit all der Konsequenz, die solche Freiheit mit sich bringt. Lust, Schmerz, Einsamkeit wirken, eines das andere bedingend, ineinander - die Regisseurin sucht und findet dabei den adäquaten bildlichen Ausdruck über die Plastizität des größten menschlichen Organs, das als Chiffre von Abgrenzung der Protagonistin ihr Recht auf Selbstbestimmung zurückgbt.
Selbstbestimmung, Selbstentdeckung, adöquote Plastizität... das waren deine Stichworte, die mich dazu veranlassten, mit einer groben Geflügelschere alles an mir abzuschnappseln, was übersteht oder nicht lebensnotwendig ist. Der Duft der brutzelnden Fleischfetzen in der Pfanne weht mir grade in das Loch wo mal meine Nase war..., während ich vergeblich meinen abgetrennten Penis versuche, hart zu blasen.
Ich fühle mich gut.
ich habe mit leuten gesprochen die den film nachempfinden können. ich kann das zwar nicht bin aber von den abgründen der menschlichen psyche wie immer sehr beeindruckt. die geschichte über eine frau in einer gefühlskalten welt die sich selber verletzt um etwas zu spüren hat mir sehr gut gefallen.
Ein quälend harter Film der Gewalt intellektuell verarbeitet, anstatt sich dessen nur zur einfachen Unterhaltung zu bedienen. Ein kleines Meisterwerk und eine Offenbarung für Fans des "makabren" intelligenten Dramas von einer jungen, viel versprechenden und sehr talentierten Autorenfilmerin.
In My Skin - Kritik
FR 2002 Laufzeit 90 Minuten, FSK 16, Horrorfilm, Drama
Kritiken (3) — Film: In My Skin
Ephigenia: Nightmare-Horrormovies.de
Kommentar löschenIn My Skin ist für den Mainstream zu abartig, da neben der psychischen Härte das Geschehen auch realistisch wirkt, was verstörende Wirkung entfalten wird. Die FSK 16 sollte nicht drüber hinwegtäuschen, diese wurde nur vergeben, weil es hier keine optische Gewalt gibt, die von anderen zugefügt wird.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Antworten
Fricki76: Asianfilmweb.de
Kommentar löschenGnadenlos schockierend und verstörend, ein weiteres Highlight aus der Störkanal-Edition... Ein Schauspielerisch grandios gespieltes Psychogramm einer gestörten Persönlichkeit. Wie meist nichts für schwache Nerven bzw. Mägen und auch nichts für Leute, die es bei Filmen gerne konventionell haben... Einen Sinn für ausgefallenes sollte man auch bei "In My Skin" haben...
Kommentar gefällt mir Antworten
Dennis Vetter: http://www.negativ-film.de/ Dennis Vetter: http://www.negativ-film.de/
Kommentar löschenZweifellos ein sinnlich sehr intensiver Film, dennoch weiß er in seiner vieldeutigen Ausrichtung und mit seiner ungewöhnlichen, etwas konturlosen Protagonistin nicht wirklich zu fesseln. Die Hauptfigur Esther scheint stellenweise bloß als Vehikel für Marina de Vans Filmkonzept zu dienen. Was nach dem Film im Gedächtnis bleibt ist seine teils verstörende Stimmung, die Intensität mit der er in friedvollen und gleichermaßen verstörenden Szenen offene Nervenenden präsentiert. Eine Kombination, die so nur selten zu sehen ist. Körperkino in Bildern, die in ihrer Intensität teils weit über Standardkost hinausgehen, oftmals Gänsehaut verursachen.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Antworten
Kommentare (10) — Film: In My Skin
Kommentar schreibenKreaexo 2011/12/25 10:26:48
Kommentar löschenFür mich persönlich ein extrem schwer zu bewertender Film, weil ich mich die ganze Zeit eigentlich nur gefragt habe, wie sich ein Mensch so was antun kann. Freiwillig oder aus [innerem/indirektem] Zwang sei jetzt mal dahingestellt.
"In My Skin" beinhaltet einige starke und zugleich ekelerregende Szenen, die schockieren und den Zuschauer wach rütteln. Und genau das hat der Film erreicht. Bemerkenswert ist unter anderem zum Beispiel das Szenario in dem Restaurant. Aber nicht das, was passiert, sondern die dort angewandten Soundeffekte. Das unmerkliche, aber doch stetige Lauterwerden der Umgebungsgeräusche unterstreicht das bizarre Wirken der Hauptdarstellerin und ist ein kleiner Geniestreich. Darüber hinaus agiert Marina de Van gekonnt. Mit unterschwelligen Aktionen, die im wahrsten Sinne des Wortes unter bzw. in die Haut gehen. Die leise Hintergrundmusik, die ab und an einsetzt, unterstreicht das Ganze auf einem sehr hohen und subtilen Niveau.
Die, ich möchte schon fast sagen, Genialität des Films macht außerdem aus, dass darauf verzichtet wird: alles bzw. jede Verstümmelung 1 zu 1 zu zeigen. So bekommt man ab und zu nur Ausschnitte des Vorgangs zu sehen und es wird dann nur das Resultat präsentiert. Das lädt zu Fantasien & Interpretationen ein, die sich in den Kopf bohren.
Der Film bewegt sich die gesamte Spieldauer hindurch an der Grenze zwischen dem Un- und Zumutbaren, was mich ab und an dazu brachte weg zusehen. Ich aber vor lauter Faszination doch hängen blieb. Wahrlich kein Film für zwischendurch. Doch ein 'Must See' für Freunde des anspruchsvollen Films.
Interessante und gleichzeitig authentische Charaktere hat "In My Skin" auch noch zu bieten. Diese im Zusammenhang mit der grotesken Handlung zu sehen verspricht jede Menge Spannung und die wird auch geboten.
7 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 1 Antworten
Murphante 2011/12/25 13:27:35
Antwort löschenDen hatte ich mal als Heftbeilage in einer Video Zeitschrift gehabt oder war es ne PC Zeitung ich weiß nicht mehr ... hat sich aufjedenfall gelohnt den mal zu sehen ...
fand den irgendwie komisch, schockierend aber dennoch spannend ... ich wollte echt schauen wie es ausgeht am Ende ...
BigDi 2011/12/21 11:22:26
Kommentar löschenEins vorweg: Wer ine psychologisch perfekt ausgefeilte Borderline-wasauchimmer-Studie erwartet, sollte seine Einstellung lieber ändern: Bei "In My Skin" werden sich zwar die wenigsten darüber beschweren können, dass der Film psychologisch - bis auf eine etwas mystische, aber sehr beeindruckende, teils unerträglich intensive Halluzinationsszene - nicht ausgefeilt ist, dennoch ist das Regiedebüt von Marina de Van viel eher rein physisches Kino, etwa im Stile eines Kim Jee-woon ("I Saw The Devil" ist kein so schlechter Vergleichsfilm) oder, um im Herkunftsland zu bleiben, eines Alejandre Aja (insbesondere "High Tension"). Wer sein Gehirn also leicht zurückstellt und sich auf eine ekelerregende Selbstschlitzerei einstellt, der wird "In My Skin" leichter als das, was der Film darstellt, genießen können. Nun ja, eher "genießen".
Beeindruckend ist nicht nur die Virtuosität der Inszenierung - der Film ist im Gegenteil zu den meisten Filmen der Neuen Französischen Härte extrem beherrscht, beinahe elegisch, und bietet weder in Esthers Selbstverstümmelungsakten noch in den Auseinandersetzungen mit ihrem Mann Hysterieanfälle (!!), sondern präsentiert die Ereignisse mit einer Nüchternheit, die beinahe an Loriot erinnert - sondern auch die kaum vorhandene Eitelkeit der Regisseurin und zugleich der Hauptdarstellerin. Sicherlich, ihr Umgang mit dem eigenen Körper wird kaum aus dem Nichts entstanden sein ("und jetzt lecke ich mein eigenes Blut") und ihr leicht divenhafter, berauschter Blick auf sich und die Welt jagt einem hier und da mehr Angst ein als die Verletzungen, dennoch ist sie mutig genug, ihren Körper vor der Kamera ganz natürlich zu entblößen und zu verletzen (zumindestens auf der Filmebene): Eine Leistung, wie man sie von den wenigsten Schauspielerinnen verlangen kann. Marina de Van macht es dagegen freiwillig - hier zählt nun mal nicht das Auftreten, hier zählt, was man mit dem FIlm rüberbringen möchte. Und dafür kann man auch etwas hässlich sein.
Auch rein schauspielerisch ist de Van ein Erlebnis: Ihre emotionale Zurückhaltung mag weniger beeindrucken, ihre physische Perfektion ist dagegen - nun ja, physische Perfektion eben. Jede Augenliedbewegung, jeder Atemzug ist hier Teil eines verstörenden körperlichen Puzzles. In der Schwindelszene stoßt sie sich an einer Wand an und tut es so dermaßen realistisch, dass man sich fragen muss, ob sie davor nicht einige nette Drogen eingenommen hat - was Schwindel angeht, habe zumindestens ich genug Erfahrung, um zwischen echt und gespielt unterscheiden zu können. Ihre körperliche Beherrschung am Rande der Apokalypse hält den ganzen Film zusammen. Selten gab es ein Filmwerk (insbesondere einer Frau!), der inszenatorische Kaltblütigkeit und die eigene Hauptdarstellerleistung zu einem derart dichten Erlebnis verknüpfen konnte.
Wie bereits erwähnt, ist die Gewaltdarstellung heftiger als man bei einer 16er-Freigabe erwartet - nicht unbedingt blutig, aber widerwärtig, zunächst kaum nachvollziehbar, aber nach und nach - gruseligerweise - eine ganz eigene Faszination entwickelnd. Dem Zeitgeist entrinnend ist Esther kein mitleidssuchender "Emo", kein Suizidfall: Ihre Faszination für die Sebstverstümmelung liegt in der ausschlaggebenden, zufälligen Verstümmelung zu Beginn, ein Teufelskreis des Ausblutens, dessen Anfang kaum zu erfassen ist und dessen Prämisse wenig Empathie erlaubt. Was ein großer Vorzug des Films ist: Es wird keine billige Erklärung angeboten, die Gründe liegen in den tiefen Augen der Protagonistin verborgen - was man darin zu lesen vermag, liegt am Zuschauer selbst. Ähnlich wie "Tetsuo" wird der Film seinem möglichen Kontext entzogen: Doch wo Tsukamotos Cyberpunk-Alptraum nach einer Weile zu metaphorischen und gewissenstechnischen Gründen für die Verwandlung ansetzte (was ich hier keinesfalls kritisieren möchte!), lässt "In My Skin" bis zum plötzlichen und beinahe versöhnlichen Gänsehautende jene im Dunkeln.
Einm starkes, uneitles, mutiges und einzigartiges Regiedebüt, welches in seiner Beherrschtheit und zugleich der Brutalität mehr noch an asiatisches Psychogewaltkino erinnert, denn an französische Horrorfilme der letzten Jahre. So elegant inszeniert wie es bei dem Thema möglich war, erzählt "In My Skin" eine moderne Liebesgeschichte zwischen der Schönen und dem Biest, stattfindend in dem Körper einer einzigen Frau, konsequent und zwischen der Schönheit und der Hässlichkeit schwankend, gar eher virtuos navigierend. Ein schwer vergessbares, heftiges, physisch perfekt durchkomponiertes Werk, welches uns Männern Hoffnungen macht, dass wir irgendwann durch eben solche Werke das Wesen der Frau - oder einiger Frauen - zu begreifen lernen. Und das nicht etwa durch langwierige Erklärungen, sondern durch das Zeigen von dem, was unseren Augen verborgen bleibt - in der Erwartung, durch das Sehen das Verstehen zu lernen. Ich verneige mich vor ihnen, Marina de Van.
23 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 13 Antworten
Jack_Torrance 2011/12/21 11:42:29
Antwort löschenIch kenne Marina de Van bis jetzt nur aus Ozons Kurzfilmen, die ich dir wärmstens empfehle...
BigDi 2011/12/21 11:52:08
Antwort löschenMal sehen. "Unter dem Sand" habe ich schon eher gehasst - aber "7 Frauen" war echt cool. Ozon steht weiter unten auf der Liste - aber steht noch drauf. ;)
JimiHendrix 2011/12/21 13:18:41
Antwort löschen"..welches in seiner Beherrschtheit und zugleich der Brutalität mehr noch an asiatisches Psychogewaltkino erinnert" ajo, dann is der mal vorgemerkt
Jack_Torrance 2011/12/21 13:39:55
Antwort löschen@ BigDi:
Die Betonung liegt auf Kurzfilme. In der Hinsicht ist (oder war) Ozon ein Meister !
ihre-herrlichkeit 2011/12/21 15:43:49
Antwort löschen"welches uns Männern Hoffnungen macht, dass wir irgendwann durch eben solche Werke das Wesen der Frau - oder einiger Frauen - zu begreifen lernen." Würde nicht behaupten, dass dieser Film dabei hilfreich ist. Wenn du Frauen kennenlernen willst, solltest du es abseits von französischen Filmen tun. :D
BigDi 2011/12/21 17:50:45
Antwort löschenMeinte auch eher die...depressiveren oder sonstwas Frauen.
Meinst du, ich sollte bei von Trier nachschlagen? :P
ihre-herrlichkeit 2011/12/21 17:54:33
Antwort löschenDie Frauen in "solchen Filmen" sind auch keine Paradebeispiele für depressive Frauen. Es sei denn du stehst auf Bordis, von denen ich dir aber abraten möchte.
BigDi 2011/12/21 18:09:30
Antwort löschenNicht wirklich. O.O
ihre-herrlichkeit 2011/12/21 18:17:59
Antwort löschenDiese ganzen Psychofilme, die du dir reinziehst, tun deinem Frauenbild nicht gut.
BigDi 2011/12/21 19:16:36
Antwort löschenIst mein Frauenbild wirlich so verquert? Habe das Gefühl, die meisten Frauen einigermaßen verstehen zu können...
CarrionFairy 2011/12/22 08:34:37
Antwort löschenfrauen sind genauso billig wie männer - die welt könnte so einfach sein
Alle 13 Antworten zeigen
alanger 2012/01/03 15:37:38
Antwort löschennaja, natürlich sind männer die besseren menschen (alle schlimmen diktatoren waren, tief in sich drinn, eigentlich frauen) aber beim sex sind frauen unschlagbar: sie riechen und schmecken besser und machen nicht solche peinlichen geräusche wie männer. ;)
ihre-herrlichkeit 2012/01/03 15:39:14
Antwort löschenOhne Penis keine Competition.
VisitorQ 2011/12/07 20:40:29
Kommentar löschenHat mir ganz gut gefallen. War zwar etwas anstrengend aber damit konnte ich gut leben. Von mir aus hätte es noch etwas härter zur Sache gehen können. Aber jajaja, dann wäre es wahrscheinlich kein so künstlerischer Film mehr. ;-)
Kommentar gefällt mir Antworten
sikkmeidack 2011/08/06 01:29:14
Kommentar löschenKaum erträgliche Szenen, die einen nervös an der inneren Stop-Taste nästeln lassen. Selbstverstümmelung und Eigenkannibalismus mit einer enorm-starken aber nicht nachvollziehbaren Motivation, die einen absolut ratlos macht. Enorm präzise und unglaublich Angst einflößend. Ich kenne Borderline-Persönlichkeiten, aber das hier ist ein Ausmaß psychischer Abnormität, die ihres Gleichen sucht. Da ist selbst Hanekes Klavierspielerin Nonneneishockey.
Für mich ein außergewöhnlicher Film, den man nur unter großer Anstrengung aushält. Schwache oder starke Nerven…- hier ist mal ganz gewaltig Schluss mit lustig. Grenzüberschreitend - halt beyond borderline.
9 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
Just-a-Dream 2011/03/13 01:31:25
Kommentar löschenNaja, hab mir mehr davon versprochen. War ganz nett, würde ich mir aber nicht nochmal anschauen.
Die Idee ist ganz nett, aber schlecht umgesetzt.
1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir 1 Antworten
Murphante 2011/03/13 02:27:13
Antwort löschenden Streifen hatte ich in einer Videozeitschrift als Beilage ...
ich fand den schon ziemlich krass ... krass auch in der Umsetzung
aber das die sich immer geritzt hat ... muss ja jedes Emoherz zum kochen gebracht haben xDDD ... ich vergebe 5 Punkte ^^
pfeffer 2011/01/29 13:25:04
Kommentar löschenIn my Skin ist ein merkwürdiger Film, im wahrsten Sinne.
Das Thema des Films ist bei genauer Überlegung viel schwerer auszumachen, als es zunächst scheint. Autoaggression? Selbstverstümmelung? Das sind Begriffe, die in den (spärlichen) Besprechungen zu Marina de Vans Regiedebut häufiger gefallen sind, es scheint allerdings fraglich, ob Begrifflichkeiten dieser Art auch nur annähernd die Fazinationskraft dieses Films beschreiben können.
Sicher, es fließt Blut. Jede Menge sogar. Und es wird geritzt, geschnitten, gebissen und geschmatzt. Mit Splatter oder Folter hat das allerdings wenig zu tun. Esther (Marina de Van) setzt sich - auf äußerst radikale Weise - in Beziehung zu ihrem Körper. Vielleicht geht es um die Auslöschung oder Auslotung der Grenze zwischen Ich und Welt, die allerdings - die Szene mit der Hand im Restaurant deutet es an - sehr viel komplexer als herkömmliche biologische Grenzziehungen ("Haut") angelegt zu sein scheint.
Mögliche Erklärungen werden angedeutet, nicht zufällig handelt der Film viel vom Arbeitsleben, von Karriere, Hierarchien und (Selbst-) Ausbeutung. Das alles verkommt erstaunlicher Weise jedoch nicht zur plakativen These, sondern bleibt Andeutung, ebenso wie die Mimik de Vans, die stets diffus und selbstvergessen erscheint.
In my Skin, das ist ein sehr sehenswerter Film, der thematisch und die Stimmung betreffend vielleicht in die Nähe von Trouble every day gerückt werden könnte.
3 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
Bauglir 2009/08/12 21:28:19
Kommentar löschenDie unverblümte Darstellung einer Selbstentdeckung, die Erforschung und (Rück)Eroberung des Gestaltungs-, und Erlebensraumes Körper mit all der Konsequenz, die solche Freiheit mit sich bringt. Lust, Schmerz, Einsamkeit wirken, eines das andere bedingend, ineinander - die Regisseurin sucht und findet dabei den adäquaten bildlichen Ausdruck über die Plastizität des größten menschlichen Organs, das als Chiffre von Abgrenzung der Protagonistin ihr Recht auf Selbstbestimmung zurückgbt.
Kommentar gefällt mir 2 Antworten
sikkmeidack 2009/08/27 01:32:08
Antwort löschenSelbstbestimmung, Selbstentdeckung, adöquote Plastizität... das waren deine Stichworte, die mich dazu veranlassten, mit einer groben Geflügelschere alles an mir abzuschnappseln, was übersteht oder nicht lebensnotwendig ist. Der Duft der brutzelnden Fleischfetzen in der Pfanne weht mir grade in das Loch wo mal meine Nase war..., während ich vergeblich meinen abgetrennten Penis versuche, hart zu blasen.
Ich fühle mich gut.
Bauglir 2009/08/27 11:27:50
Antwort löschenNa ich werde mir fürs nächste Mal gut überlegen, zu wem ich "eat my dick" sage....
xtheunknown 2009/07/20 10:09:14
Kommentar löschenich habe mit leuten gesprochen die den film nachempfinden können. ich kann das zwar nicht bin aber von den abgründen der menschlichen psyche wie immer sehr beeindruckt. die geschichte über eine frau in einer gefühlskalten welt die sich selber verletzt um etwas zu spüren hat mir sehr gut gefallen.
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annaberlin 2008/08/24 20:29:28
Kommentar löschenHarter Film, mit dem sich Marina de Van als unkonventionelle, feministische Autorenfilmerin etabliert hat.
Kommentar gefällt mir Antworten
Nim 2007/12/04 13:48:10
Kommentar löschenEin quälend harter Film der Gewalt intellektuell verarbeitet, anstatt sich dessen nur zur einfachen Unterhaltung zu bedienen. Ein kleines Meisterwerk und eine Offenbarung für Fans des "makabren" intelligenten Dramas von einer jungen, viel versprechenden und sehr talentierten Autorenfilmerin.
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