Inglourious Basterds - Kritik

US 2009 Laufzeit 154 Minuten, FSK 16, Drama, Komödie, Actionfilm, Kinostart 20.08.2009

  • Ein Super Film mit einem wie immer Großartigen Christoph Waltz
    (freue mich natürlich auch auf den neuen Bond Film mit ihm)

    • 4

      Wenn es auch ein paar nette Elemente und Momente gab, ist dieser Film doch leider Trash. Und nichts als das.

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      • 7

        Quentin Tarantino und die Nazis: Brad Pitt ist der Ober-Basterd in einem »Haut-die-Nazis«-Spiel mit Anleihen bei Italowestern, Nazi- Trash und Kriegsfilm, in dem ausnahmsweise die Guten siegen. Bravourös: Christoph Waltz als SS-Oberst.

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          Martin Oberndorf 14.12.2014, 23:08 Geändert 14.12.2014, 23:38

          Dies ist ein Wichtelkommentar im Rahmen der User-Wichtel-Aktion-2014 für JonnyvsSherlock.

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          Eine Bauernfamilie.
          Sie geht ihrem Alltag nach.
          Holz hacken.
          Wäsche aufhängen.
          Der Wind steht.
          Mit einem Mal verharren alle.
          Es setzt der unverwechselbare Klang von Ennio Morricone ein.
          Sie kommen schon wieder.
          In der Ferne wirbelt eine Staubwolke auf, und sie kommt immer näher.
          Unruhe.
          Angst macht sich breit.
          Es sind...
          ...die Nazis.

          "Inglourious Basterds" von Großmeister Tarantino ist ein klassischer, und ein Italo-Western. 12 Uhr Mittags, Spiel mir das Lied vom Tod, Inglourious Basterds.
          Die Bösewichte kommen an und terrorisieren die armen Bürger.
          Nur handelt es sich nicht um Banditen, die eine Stadt ausrauben, sondern um Nazis. Wir schreiben das Jahr 1941.
          Der Anführer der Truppe ist Hans Landa... der "Judenjäger".
          Eine jüdische Familie soll verschwunden sein... könnte sie hier in diesem Haus versteckt sein?
          Man setzt sich hin zu einem höflichen Gespräch.
          Es ist eine reine Routineuntersuchung, vermutlich wird man ohnehin nichts finden, aber Vorschrift ist Vorschrift.
          Ein netter höflicher Plausch, eine kurze Befragung, bald ist man wieder weg.
          Die Blicke des Bauers und Landas kreuzen sich immer wieder. Beide wissen, was der andere weiß.
          Sie sind für einander offene Bücher.
          Aber man hält das Spiel aufrecht.
          Die ganze Zeit.
          Die Atmosphäre lässt sich in dickste Scheiben schneiden.
          "Wo sind sie?"
          "Unter den Bodendielen."
          Ein Massaker. Die ganze Familie stirbt.
          Die ganze Familie? Nein, ein kleines Mädchen namens Shosanna kann entkommen.
          Einige Jahre später: Shosanna Dreyfuss ist untergetaucht und hat sich als französische Kinobesitzerin eine neue Identität aufgebaut.
          Ihr Kino wird für die Premiere eines wichtigen Propagandafilmes ausgewählt.
          Wer soll neben der gesamten Elite des deutschen Reiches erscheinen? Hans Landa...
          In Shosannas Augen zuckt die Rache...
          ...und auch die kriegerische Anti-Nazi-Truppe der Basterds weiß den Umstand der hochkarätigen nationalsozialistischen Gästeliste für sich zu gebrauchen...
          ...alle faulen Eier sind jetzt in einem Korb.
          Währenddessen kämpft der Star des Films, Fredrick Zoller, mit einer ungewollten Ehre und seinen bescheidenen Gefühlen...

          "Inglourious Basterds" ist Tarantinos erwachsenster, ernstester und feinfühligster Film.
          'Kill Bill' war sein emotionalstes Werk, und in Folge kompromisslos gnadenlos.
          Man hatte dort die Übertriebenheit des asiatischen mit punktgenauem Timing und einer der abgründigst traurigen Geschichten der modernen Filmgeschichte verbunden.
          Es war apokalyptisch.
          "Inglourious Basterds" ist plus fragile.
          In seinen zartesten Moment so zerbrechlich wie Glas.
          Es gibt Momente, die sind derartig voller echter, lebendiger Romantik, dass man die eine Träne wohl kaum zurückhalten kann, die über das lächelnde Gesicht zu laufen droht.
          "Inglourious Basterds" ist eine französische Liebeskomödie.
          Und er ist eine Tragödie, oder auch nicht?

          Im nächsten Moment ebbt alles ab. Kahl, rau, brutal. Sie fallen um wie die Fliegen. Sie sehen sich an, mit ihren schmalen Augen. Hart geht es hier zu.
          Es geht um Leben und Tod, um Revolte und Befreiung. Es geht um Gewalt, um perverse Stilisierung, um Härte.
          Um Geschichte, und darum, wie aufgrund der Herrschaftsfantasien das Individuum nicht mehr leben kann.
          "Inglorious Basterds" ist Kriegsfilm.
          Und er ist Actionfilm.

          Er ist ein Psychothriller, es gibt Momente, die diabolische mentale Methoden zentral in den Raum stellen, und sie voller Genuss und Qual ausleben müssen.
          Mehrere zehn Minuten lang wird der Film zum minimalistischen Kammerspiel, schwenkt plötzlich um, verwandelt sich zum monumentalen Epos, erzählt parallele Geschichten, nichtlineare Blicke in die Vergangenheit, spielt sich mit Erwartungen.
          20, 30 Minuten absolut fesselnder Dialog über Scharade, Apfelstrudel oder Ratten, und innerhalb von 5 Sekunden überschlagen sich die Ereignisse, und das gesamte Filmkonzept ändert sich.

          Ein nicht unerheblicher Teil dieses Filns spielt in einem Kino. Welches Gefahr läuft, zerstört zu werden, denkt mal nach, wie das für die Kinogänger von IG gewirkt haben muss!
          Es werden Filme erwähnt, nicht nur rund ums Kino, auch beim Ratespiel, einer der Figuren ist Filmkritiker.
          Trotzdem ist "Inglourious Basterds" einmal kein Werk eines filmwahnsinnigen Fanboynerds, sondern eines aufrichtigen Cineasten, der allen vergessenen Meisterwerken voller Hingabe fröhnt: den alten Hollywoodfilmen, den Western, den Schnulzen, den Krimis, den Heistmovies, den Komödien, und ja, auch den Propagandafilmen.
          Und er ist all das selbst. All das zusammen.
          Er liebt Kino. Aufrichtig, ehrlich. All diese großen Emotionen und riesigen Bilder, die er mit leuchtenden Augen auf der Leinwand liebkost...
          ...und er ist all das auch selbst.
          "Inglourious Basterds" IST Kino.

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            Desmond42 13.12.2014, 14:06 Geändert 13.12.2014, 15:13

            Einer der Hauptgründe für mich, diesen Film zu sehen war ja, dass es sich um Rod Taylors letzten Auftritt vor der Kamera handelt (Und dann auch noch als Winston Churchill!). Außerdem wollte ich gerne den Hype um Tarantino verstehen, da war "Inglorious Basterds" ein wichtiger Schritt, da ich gehört habe, er solle der tiefgründigste Tarantino-Film sein. So weit so gut, der Anfang war schon mal mehr als vielversprechend. (SPOILER!) Zuerst gute musikalische Untermalung, dann eine (obwohl die meiste Zeit klar ist, was als nächstes passiert) spannende und ansprechende Unterhaltung zwischen Waltz als Nazi und einem Franzosen, der Juden bei sich versteckt hält, und das eine Vierstelstunde (!) lang. Man muss schon sagen, darin ist Tarantino eindeutig wirklich gut, sowas schafft außer ihm kaum jemand. Die Szenen mit Brad Pitt werden dann meiner Meinung nach wieder etwas uninteressanter, hauptsächlich dadurch, dass mir hier mal wieder die für Tarantino übliche Verwendung von Gewaltszenen, die nur der Brutalität dienen und für den Film eigentlich nicht nötig zu sein scheinen, auffällt. Zum Beispiel: Warum genau müssen die bereits toten Nazis unbedingt noch skalpiert werden? Andererseits: Brad Pitts Idee, dem Nazi die Eier abzuschneiden war schon interessant, da hat Tarantino endlich mal eine Filmanspielung ausgesucht, die ich toll finde. Außerdem kommen dann zwischendurch wieder einige kultige Szenen ("NEIN, NEIN, NEIN, NEIN, NEIN!" zum Beispiel, das muss man gesehen haben). Sehr interessant ist auch das Konzept mit der Kinovorführung, sowie die Idee, eigens für "Inglourious Basterds" einen Propagandakurzfilm namens "Stolz der Nation" zu drehen. Zwischendurch wird es dann leider ab und zu ein bisschen langweilig, so gesehen denke ich, man hätte den Film auch etwas kürzer machen können. Am Ende ist dann einiges wieder richtig genial, zum Beispiel als Waltz (Der Typ passt einfach perfekt in die Rolle und gefällt mir hier besser als in "Django Unchained") anfängt, fließend Italienisch zu sprechen. Das Finale ist ebenfalls spektakulär, auch wenn es die ganze Geschichte des zweiten Weltkriegs durcheinanderbringt, aber das soll ja schließlich kein Historienfilm sein.

            Tja, mit Tarantino hatte ich eindeutig einen schlechten Start: "Pulp Fiction" ist bis jetzt leider weiterhin sein schlechtester Film für mich (Was nicht heißen soll, dass der schlecht ist, nur dass er für mich einfach in keiner Weise über den Durchschnitt hinauskommt). Somit war er meiner Meinung nach bei seinem ersten Film noch sehr gut, nahm dann stark an Qualität ab, aber dass es mit seinen neueren Werken "Inglourious Basterds" und "Django Unchained" wieder eindeutig bergauf geht, kann ich nicht bestreiten, die haben mich positiv überrascht. Und genau dieser Gesamteindruck spiegelt sich bei mir auch in seinen einzelnen Filmen wieder, die meiner Meinung nach sehr gut anfangen, sehr gut aufhören, aber dazwischen leider ein paar Mängel aufweisen. An "Reservoir Dogs" kommt "Inglourious Basterds" zumindest fast heran (wenn nicht sogar noch mehr), und auf "The Hateful Eight" bin ich jedenfalls gespannt.

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              Im Rahmen der 2014er Version des Adventswichtelns hab ich einen neuen Freund gefunden. Sein Name? Vitellone. Ein netter Kerl, den ich zwar noch nicht sonderlich gut kenne, was ich aber schon bald ändern werde. Das Eis will ich brechen mit einem kleinen Geschenk, einem Kommentar zu einem Film, den er sich ausgesucht hat. "Inglourious Basterds". Ganz nebenbei einer meiner Lieblingsfilme.
              Also, einen schönen ersten Advent und ich hoffe, der Kommentar gefällt dir.

              PS: Danke für den schönen Kommentar zu "M" :)

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              Mit „Inglourious Basterds“ ist Quentin Tarantino ein Western gelungen, wie er selten gedreht wurde. Ein Western? Ja, ein Western. In dem kommen zwar weder Cowboys, noch der Wilde Westen oder Indianer vor (fast zumindest), aber alles, von der Musik bis zu den typischen Motiven und Figurenkonstellationen, erinnert an einen Western, ironischerweise sogar mehr als „Django Unchained“ einige Jahre später. Ein Western in Soldatenuniform. In Frankreich. Im zweiten Weltkrieg. Das muss man erst mal hinkriegen und so mancher Regisseur wäre hierbei wohl ziemlich auf die Nase gefallen, aber nicht Quentin Tarantino. Aber er belässt es ja nicht dabei, einen Western zu inszenieren, sondern er leistet mit seinem Film auch weitere herausragende Dinge.

              Das, was er macht, ist die pure Kreativität. Kreativität in Reinform, die Tarantino hier geschickt umsetzt. Er nimmt sich ein reales Ereignis als Rahmen, in das er aber eine fiktive Geschichte einbaut. Bis hierher noch keine allzu große Leistung, sollte man meinen, doch schafft es Tarantino, den Eindruck zu erwecken, dass diese fiktive Geschichte tatsächlich so passiert ist. Immer wieder beachtet er reale Ereignisse, nur um dann doch etwas völlig anderes zu erzählen. Dies ist wahre Fantasie, wahre Kreativität – Realität und Fiktion so zu verbinden, dass man die Unterschiede nicht mehr erkennt und vor allem, dass diese Verbindung absolut sinnvoll erscheint, egal wie abgedreht sie ist. Wie er das dann füllt, das steht ihm frei, aber meiner Meinung nach ist es einfach kreativer, etwas in bestehende Verhältnisse einzubauen als etwas völlig eigenes zu erschaffen. Diese Form der Kreativität wird zwar in vielen Filmen immer wieder angebahnt, jedoch selten in einer solchen Perfektion umgesetzt, wie es Tarantino machte. Wie leicht hätte er sich verheben können, wie leicht hätte er, wie es ihm auch in „Django Unchained“ passierte, ein wenig den inneren Realismus verlieren können. Aber die überzeichneten Szenen halten sich dabei im Gegensatz zu seinem aktuellen Film zum Glück so sehr in Grenzen, dass sie der Plausibilität seines Filmes zu keiner Zeit etwas anhaben können. Hier das richtige Verhältnis zwischen Realität, Fiktion und seinem individuellen Stil zu finden, das zeigt auch, wie groß QT als Regisseur tatsächlich ist.

              Dass ein Film funktioniert liegt aber auch immer an den Darstellern, hier allen voran Christoph Waltz. Er ist tatsächlich das pechschwarze Herzstück des Films. Mit seinem kalten Lächeln und seiner charmante Art macht er das Böse, das er wie kein zweiter verkörpert, noch grausamer, indem ihm das Kunststück gelingt, dass der Zuschauer nicht mehr weiß, ob er den fiesen Kerl nun hassen oder lieben soll. Hier zeigt Tarantino durch Waltz ganz nebenbei auf, wie leicht wir doch alle manipulierbar sind. Man muss aber auch konstatieren, dass der Film nicht nur aus Waltz besteht, sondern mit dem genialen Brad Pitt, der bezaubernd rachsüchtigen Melanie Laurent, dem sympathischen Daniel Brühl, dem witzigen Michael Fassbender und der überraschend guten Diane Krüger einen traumhaft spielenden Cast versammelt hat. Über die vielen deutschen Darsteller kann ich mich jedes Mal aufs Neue freuen und sogar Till Schweiger wurde ideal eingesetzt. Meist schweigend, manchmal grummelnd, wenig echte Handlung und sobald er mehr als einen Satz spricht, wird er (zur Strafe?) erschossen. Perfekt!

              Die Musik wirkt dreckig und doch so melodiös, dass sie den Film stellenweise zu einer Art Trashoper-Aufführung werden lässt, ohne dass die Musik wirklich im Zentrum steht. Perfekte Untermalung eben. Hier steht nämlich immer noch die Geschichte. Und das kann er, der Quentin. Geschichten erzählen. Die Erzählweise ist durch verschiedene Episoden zunächst in einzelne Handlungsstränge aufgeteilt, die sich zum Ende hin miteinander verknüpfen und damit auch verdichten, weiterhin natürlich stets unter Beachtung des Realismus in seinem Filmkosmos. Interessant ist auch, dass einige Zuschauer hier eine große Satire sehen. Ich persönlich kann das nicht nachvollziehen. Ich glaube kaum, dass es Tarantino darum ging, auf irgendetwas aufmerksam zu machen oder gar Satire oder Parodie zu betreiben. Dann wäre der Film deutlich zu plump und dass er so etwas besser umsetzen könnte (wenn er denn gewollt hätte), das hat er ja schon mehrmals bewiesen.

              Wobei, so ganz ohne Botschaft ist der Film dann doch nicht, denn eine Sache ist schon sehr auffällig: Die Liebe zum Kino. Natürlich, die ist ja immer in QTs Filmen zu spüren, doch diesmal belässt es der Kultregisseur nicht etwa bei einfachen Zitaten, Anspielungen oder der Nennung des ein- oder anderen Klassikers. Nein, er bringt das Kino selbst in seinen Film hinein und macht es zu einem weiteren, vielleicht DEM Darsteller des Films. Das Kino ist der Ort, an dem sich alles entscheidet, Ort der Hoffnung für die einen, Ort des Verderbens für die anderen. Kino ist der Ort der Leidenschaft, Ort des Widerstands, Ort der finalen Entscheidung und auch der Ort, der vieles erst ins Rollen bringt. Eine Hommage an das Kino, die so offensichtlich ist, dass sie manchmal schon übersehen wird.

              „Inglourious Basterds“ zeigt gerade mit seiner unglaublichen Kreativität und der unbeschwerten Vielschichtigkeit, dass es Quentin Tarantino noch immer kann, Filme zu erschaffen, die im Filmolymp einen Platz auf der obersten Stufe erreichen und sich neben „Reservoir Dogs“ und „Pulp Fiction“ niederlassen können.

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              • 5

                Mir fehlen hier eindeutig die Charaktere im sonst gut ausgebauten Tarantino-Kosmos.Ich kann keine Verbindung zu den Protagonisten herstellen, das kann Tarantino weitaus besser. Brad Pitt wirkt fade, Til Schweiger spielt Til Schweiger. Ich finde Christoph Waltz auch total überbewertet, hab ihn vielleicht noch als Roy Black im Kopf. Der Spannungsbogen lässt auch zu wünschen übrig.

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                  "Du hast den Krieg nicht gesehen, bevor du ihn durch die Augen von Quentin Tarantino gesehen hast."
                  ACHTUNG SPOILERGEFAHR:

                  Unglaublicher witziger Film, politisch vollkommen inkorrekt ("Ich bin die Geschichte des Negers in Amerika"), historisch auch, enorm spannend (man weiß nie, was Landa als nächstes macht) und ein unvorhergesehenes Ende

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                    PacinoDeniro 28.10.2014, 08:22 Geändert 28.10.2014, 17:37

                    Ein Film, der mich wie nur wenige andere spaltet.
                    Einerseits ist er ein Meisterwerk. Die Geschichte, die Charaktere, das Setting und natürlich die Musik bieten einen Film, nahe an der Perfektion. Aus rein filmischen Gesichtspunkten, ohne Berücksichtigung auf das Thema welches Tarantino ausnutzt, ist es sein bester Film. Er ist unterhaltsam, spannend und (ein Attribut welches zu Tarantino gehört) cool!
                    Andererseits verklärt Tarantino hier ein Thema, auf das man empfindlich reagieren muss. Die Zeit des Nationalsozialismus und der zweite Weltkrieg. Und betrachtet man den Film aus diesen Gesichtspunkt ist er schlicht weg zum kotzen. Tarantino nützt, scheinbar ohne Wissen über die Gräuel dieser Zeit, die Welt der späten Vierziger Jahre um einen Spätwestern zu inszenieren. Dabei ist der Höhepunkt der Dreistigkeit nicht einmal die Tatsache, dass er die Historie verändert. Mehr ist die Problematik, der Fakt, dass er die Menschen verändert. Er lässt Juden zu metzelnden Racheengeln werden und präsentiert einen dumpfbackigen und lächerlichen Adolf Hitler. Wenn man den Film sieht, drängt sich das Gefühl auf, für Tarantino war die Judenverfolgung nicht mehr als ein blutiger Scherz.
                    Quentin Tarantino ist bekannt dafür dem Zuschauer eine Hommage nach der Anderen zu liefern. Aber Inglourious Basterds zeigt, dass es ihn für einen Film über den Nationalsozialismus an auserfilmischer Intelligenz fehlt.
                    Der große Alfred Hitchcock hat einmal gesagt: "Ich muss sagen, dass ich meine Liebe zum Film über jede Moral stelle"
                    Wie sehr trifft das doch auch auf Tarantino zu. Doch im Gegensatz zu ihm, wusste Hitchcock welche Thematik er wählen sollte und welche nicht.

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                      gassifan2410 15.10.2014, 16:45 Geändert 15.10.2014, 16:52

                      Nachdem ich den Film nun insgesamt dreimal angesehen habe, musste ich ihn einfach zu einem meiner Lieblingsfilme befördern.

                      Alleine, das der Cast von dt. Schauspielern dominiert wird, ist so einzigartig in so einem international erfolgreichen Streifen, das es fasziniert.
                      Dazu müssen sich unsere Jungs nicht vor Hollywood-Größen wie Michael Fassbender, Brad Pitt oder Mike Myers verstecken. Wobei gerade der Dialog zwischen Myers und Fassbender in der Mitte des Films für mich ein Highlight des Films darstellt.
                      Ansonsten erwartet einen gewohnte Tarantino-Unterhaltung, die in Kapitel aufgeteilt ist und mit durch die Bank brillanten Dialogen beeindruckt.
                      Den GRANDIOSEN Christoph Waltz muss man glaube ich nicht nochmal erwähnen, oder? ;)

                      Bin schon sehr gespannt auf den dritten und letzten Teil von Tarantinos Vergeltungs-Triologie (Inglourious Basterds, Django Unchained, Killer Crow(?))

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                      • 9

                        Tarantino erzählt hier seine ganz eigene Geschichte zum zweiten Weltkrieg. Die Erzählweise erinnert am meisten an die von Pulp Fiction. Im Vordergrund stehen hier einmal die Basterds, welche mit Freude Nazis töten und skalpieren. Eine junge Jüdin, welche auf Rache sinnt und ein Mann, welcher in Deutschland als "Stolz der Nation" bezeichnet wird. Ein Film bei welchem die Nazis bekommen was sie verdient hätten! Der Film ist sehr gut besetzt. Deutsche Schauspieler wie Daniel Brühl und Til Schweiger sind ebenfalls mit von der Partie und es gelingt ihnen neben großen Stars wie Brad Pitt auch zu glänzen. Mein drittlieblings Tarantino.

                        • 7

                          Der Anfang war sehr gut. Aber ich finde das der Film zum ende hin abgebaut hat. Django Unchained, Pulp Fiction usw. waren schon besser..

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                            He Leute!!!! Augen auf !!! Das soll die zweit beste KOMÖDIE in der ganzen Liste sein o.O ich habe den ganzen Film lang 2 mal leicht gelacht o.O ich weis nicht wie es euch geht aber für mich sollte eine Komödie unterhaltsam und lustig sein und nicht so eine schei**!!!

                            Mit Abstand einer der schechtesten Filme die ich jemals gesehen habe, bitte schaut ihn euch nicht an.

                            • 7

                              Also zu allererst möchte ich sagen, dass ich der Meinung bin, dass dies hier Tarantino's bester Film ist. Die Story ist, wie ich finde interessant und die Filmlänge ist gerade noch okay.
                              So, was das Cast angeht, ich muss jetzt wirklich ernsthaft sagen, ich hab mir wirklich Mühe gegeben, ich hab mich bei dem Film echt konzentriert aber vergeblich, ich konnte und kann einfach nicht verstehen, was an Christoph Waltz' Darstellung in diesem Film so überragend ist, wirklich es tut mir leid, aber mir bleibt es unbegreiflich. Ich muss gestehen, dass mir jeder Schauspieler in diesem Film besser gefallen hat als er. Oh ja, sogar ein Til Schweiger! Die Rolle war echt für ihn gemacht und er war absolut in Ordnung. Auch Diane Kruger, die ich sonst ja auch nicht so prickelnd finde, fand ich hier doch ganz okay, ja auch zu ihr passte irgendwie die Rolle und ich konnte sie in dem Film gut ertragen.
                              Mein kleines Highlight war allerdings Daniel Brühl, den ich hier sehr gut fand, doch letztendlich hat es für ihn so geendet wie für die meisten Figuren in den Tarantino Filmen, denn schlussendlich gibt es eine riesen Metzelei, wovon ich zugegebener Maßen nicht so der super Fan bin. Tarantino bleibt ganz klar Geschmacksache, aber mit diesem Film hat er wie ich finde, nicht alles falsch gemacht.
                              Um noch einmal auf Waltz zurück zukommen, der Hype um ihn bleibt mir unbegreiflich und ich muss wirklich ganz ernsthaft sagen, dass mir dieses ganze "Overacting" von ihm hier eher auf den Geist ging, als dass es mich umgehauen hat. Das einzig Gute was er in diesem Film vielleicht geleistet hat, waren die vielen Sprachen die er hier gesprochen hat, aber das war auch letztendlich alles.
                              "Inglourious Basterds" hat ganz bestimmt seine guten Momente, aber für die sorgten eher Brad Pitt, Daniel Brühl oder die ganzen deutschen Schauspieler die man in diesem Film entdecken konnte.

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                              • 8 .5

                                Nicht gerade Trantinos bester Film trotzdem cool und verdammt spannend.

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                                  QUENTIN TARANTINO #7 - INGLOURIOUS BASTERDS

                                  So langsam nähert sich die Werkschau von Quentin Tarantino dem Ende. Ein finales Fazit folgt natürlich auch noch, aber vorab muss ich hier erstmal sagen, dass mir erst bei dieser Werkschau so richtig klar wird, wie schwer es ist die Tarantino-Filme in eine Reihenfolge zu bringen. Alle sind sie klasse, alle haben sie etwas, woran man sich noch lange erinnern wird. Auch wenn das wahrscheinlich jeder zweite Filmfan sagt, aber Tarantino ist definitiv einer meiner liebsten Regisseure überhaupt, das war mir schon immer klar, das hat sich jetzt nochmal bestätigt. Und heute geht es um meinen, scheinbar, liebsten Film von ihm, nämlich einen meiner Lieblingsfilme, überhaupt - INGLOURIOUS BASTERDS.
                                  Und da ich hier weit ausholen will und werde, sei vor Spoilern gewarnt.

                                  Was ist INGLOURIOUS BASTERDS eigentlich?
                                  Eine (Kriegs)Satire? Eine Geschichte über der den zweiten Weltkrieg? Ein Märchen? Ein Film?
                                  Es ist alles davon und vielleicht sogar noch viel mehr. Tarantino hat es hier geschafft, die enorme Wirksamkeit die der Film als Medium inne hat, zu offenbaren. Das ist wahrscheinlich ein gern genutztes Argument, wenn man IB beschreibt, aber es ist nun mal einfach so. Tarantino schafft es mit Hilfe eines Filmes, die Weltgeschichte kolossal zu verändern. Natürlich nicht "in echt", natürlich ändert sich nichts wirklich an den tatsächlichen geschichtlichen Ereignissen, aber für 154 Minuten endete der Krieg eben auf die hier dargestellte Art und Weise. Für 154 Minuten sieht es so aus, als wären Hitler, Goebbels und diverse andere hohe NS-Tiere in einem Kino gestorben, verbrannt, explodiert und erschossen wurden. Und auch hier sieht man, wie quasi das Kino der Grund für den Tod all dieser Menschen ist. Wie es ein Kino geschafft hat, sie alle umzubringen. Wie ein Kino der Friedhof für diese bösartigen Menschen wurde. Tarantino zeigt was das Kino, was der Film schaffen kann. Nicht nur bloße Unterhaltung, sicherlich auch nicht die speziellste Filmkunst, aber Berge versetzend, Geschichte schreibend und wenn es nur für 154 Minuten ist.

                                  Ein weiterer Punkt weshalb ich IB liebe, ist, wie sollte es anders sein, Hans Landa. Christoph Waltz ist ein grandioser Darsteller, hat zurecht sämtliche Preise abgeräumt und seitdem er hier entdeckt wurde bzw. ich ihn hier entdeckt habe, mag ich ihn auch sehr und werde ihn weiter verfolgen, aber ich will jetzt hauptsächlich auf die ROLLE eingehen, auf Hans Landa und nicht Christoph Waltz. Landa ist wohl eine der genialsten, am besten durchdachten und klügsten Rollen der letzten Jahre. Eine grandiose Figur, nicht nur im Tarantino-Universum, sondern allgemein. Er ist kein Nazi, er ist ein Opportunist. Er tut das, was für IHN das Beste ist. Er ist ein Detektiv, er ist wahrscheinlich der Beste im Juden jagen, deshalb auch der Judenjäger. Er ist schlau genug um diesen Vorteil für sich zu nutzen, sich unter das Regime zu stellen, diesen Dienst nachzugehen. So überlebt er nicht nur im Regime, so gehört er sogar zu den "hohen" Tieren. Als er dann aber einsieht, dass er eigentlich auf der Seite der "Verlierer" steht, wechselt er die Seiten, windet er sich raus, schafft er es sich durchzumogeln um im Endeffekt, wieder, aus der Sache heil rauszukommen. Zudem ist er eigentlich ein witziger, scheinbar sympathischer Geselle, der innerhalb kürzester Zeit zu einem furchterregenden Monster wird. Er durchschaut seine Gegner oder vielleicht besser, Opfer, schnellstmöglichst und dann spielt er mit ihnen. Auch wenn er schon lange weiß, dass sein Gegenüber der Feind ist, so sagt er nur das Nötigste, lässt sein Gegenüber sich in Sicherheit wiegen, kurz bevor die nämlich auf die Fragen Landas keine Antwort mehr wissen und die Maskerade zu fallen droht, hört er auf zu Fragen, damit diese denken sie seien sicher. Landa ist ein übler Zeitgenosse, er ist verdammt schlau und auch verdammt furchteinregend. Kommen wir doch nochmal kurz zu Waltz, wie gesagt, er wurde schon oft genug gelobt, aber er hat das auch einfach genial gemacht. Innerhalb von wenigen Sekunden, schafft er es vom "sympathischen Nazi, der ja scheinbar ganz nett ist" zum "kompromisslosen, furchteinflößenden, scheinbar unbesiegbaren Judenjäger" zu werden. Alleine seine Mimik, seine Stimme, alles unglaublich genial.

                                  Weiterhin hält INGLOURIOUS BASTERDS den Zuschauern den Spiegel vors Gesicht. Wir sitzen in unserem Sessel, sehen dabei zu wie wiederum Hitler in einem Kino sitzt und sich köstlich amüsiert, wie in "Stolz der Nation" zahlreiche Staatsfeinde sterben. Wir denken uns nur, was dass doch für ein mieser Drecksack ist, nur um dann Sekunden später selbst daran Freude zu haben, wie einem Hitler ins Gesicht geschossen wird. Ich habe das mal irgendwo in einem Kommentar hier gelesen und es stimmt. Tarantino zeigt damit, auch wenn die Behauptung vielleicht gewagt ist, dass jeder ein wenig schadenfroh und sadistisch veranlagt ist. Wobei wir schon beim nächsten Punkt sind, IB bedient sich nicht gezielter "Schuldzuweisungen" bzw. natürlich waren die Nazis im Prinzip "die Bösen", allerdings gibt es hier auch nicht wirklich irgendwelche durch und durch "gute" Figuren. Die Amerikaner, die in Klischees denken, für die alle Deutsche Sauerkrautsandwich-fressende Nazis sind. Sie stecken alle Deutschen in einen Topf, alle sind sie Nazis, daran, dass einige nur dazu Gezwungen wurden, wird gar nicht gedacht. Oder Shosanna Dreyfus, die zwar ein Grund für den Tod der Nazis ist, die aber auch viele, viele Menschen ermordet. Niemand ist wirklich gut, Rache ist nicht wirklich gut. All das steht fest und dennoch, ist der Ausgang des Filmes, im Prinzip ein guter.

                                  Bevor mein Kommentar jetzt noch länger wird: INGLOURIOUS BASTERDS ist, objektiv, bestimmt keiner der besten Filme aller Zeiten. Es gibt durchaus Szenen, in denen die Luft etwas draußen ist. Ebenso, hat der Film seine Ecken und Kanten, aber ich persönlich, liebe ihn trotzdem. Ich habe ihn jetzt schon, ungelogen, bestimmt 6 Mal gesehen und mich nie wirklich gelangweilt. Zudem ist das ein Tarantino-Film durch und durch - eine grandiose Eröffnungssequenz, Dialoge wie sie nur von Tarantino sein können, hier sogar in der Form, dass man mitunter die Spannung schmecken kann, dass ein Fehler reicht und so kommt es ja dann auch, weshalb die Situation explodiert. Und natürlich auch zahlreiche, kultige Figuren. Aldo Raine, der Bärenjude, Hugo Stiglitz, natürlich Hans Landa und und und.
                                  Wie gesagt, vielleicht nicht perfekt, objektiv gesehen, für mich persönlich alle Male.

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                                    LE POIDS DES MOTS, LE CHOC DES PHOTOS
                                    DAS GEWICHT DER WÖRTER, DER SCHOCK DER BILDER
                                    Devise der französischen Zeitschrift PARIS MATCH
                                    Ich könnte diesen Film nicht besser resümieren, als mit der Devise der französischen, wöchentlich erscheinenden Illustrierte PARIS MATCH, die ungefähr dem Niveau der deutschen "BILD" Zeitschrift entspricht! Ich habe ungeduldig auf das intelligente Einsetzen der verschiedenen Sprachen, auf das wertvolle Gewicht der Wörter gewartet, habe aber nur voll ins Gesicht den billigen Schock der Bilder bekommen! Die schauspielerischen Leistungen fand ich grotesk übertrieben!

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                                      Ich habs versucht, zweimal sogar, aber ich kann dem Film einfach nicht so viel Gutes abgewinnen wie die Meisten. Vielleicht liegts an der Tatsache, dass ich mit Tarantino grunsätzlich nicht so warm werde, evtl bin ich mit zu hohen Erwartungen ran gegangen.
                                      Auf jeden Fall waren mir die zweieinhalb Stunden viel zu Lang für diese "Story", die auf mich ein wenig wie ein löchriger Flickenteppich wirkte. Man kann darauf stehen aber schön ist er nicht. Dabei wäre alles ausbaubar gewesen (z.B. Achtung SPOILER! Warum hat Stigliz die 13 Offiziere gekillt SPOILER ENDE). Die Schauspieler machen ihre Arbeit überzeugend und ich find den Sountrack irgendwie witzig aber retten kann das den Film für mich leider nicht.
                                      Fazit: Ist halt ein typischer Tarantino.

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                                        Meiner Meinung nach total Überbewertet!
                                        Ohne Christoph Waltz wäre der Film ein Flop!
                                        4 Punkte für Hans Landa
                                        1 Punkt für Shosanna Dreyfus
                                        1 Punkt für Bärenjuden

                                        • Um das mal klar zu stellen: das ist kein Kriegsfilm! Was Blödsinn! Das ist ein Tarantino
                                          . Zweitens: neben einigen wiederkehrenden Stilelementen (Mörder-Casting, Mörder-Soubdtrack) evolutioniert (yep, nicht REvolutioniert) er beständig die Kunstform Film. Hier z.B. indem er sich traut, das umzusetzten, was sich bisher niemand getraut hat, bzw auf was einfach noch niemand bisher gekommen ist: wie wäre es, wenn wir einfach mal eine Story erzählen, in der Hitler voll auf die Schnauze kriegt? In diesem (und in vielen andren auch) Sinne große Kinokunst.

                                          • 9 .5

                                            Sein genialer Ruf eilt diesem genialen Film weit voraus. Und das völlig zurecht. Was für eine Story, was für Dialoge und was für Figuren. Tarantino hat es wieder einmal geschafft. Es macht so einen großen Spaß, den Film anzusehen, dass man die ein oder andere (ganz ganz) kleine Länge ohne Probleme verschmerzen kann. Ein ganz großer Wurf. Und für Christoph Waltz ein Einstand in Hollywood, der nicht besser hätte sein können.

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                                            • 9 .5

                                              "My name is Lt. Aldo Raine and I'm putting together a special team, and I need me eight soldiers. Eight Jewish-American soldiers. Now, y'all might've heard rumors about the armada happening soon. Well, we'll be leaving a little earlier. We're gonna be dropped into France, dressed as civilians. And once we're in enemy territory, as a bushwhackin' guerrilla army, we're gonna be doin' one thing and one thing only... killin' Nazis. Now, I don't know about y'all, but I sure as hell didn't come down from the goddamn Smoky Mountains, cross five thousand miles of water, fight my way through half of Sicily and jump out of a fuckin' air-o-plane to teach the Nazis lessons in humanity. Nazi ain't got no humanity. They're the foot soldiers of a Jew-hatin', mass murderin' maniac and they need to be dee-stroyed. That's why any and every every son of a bitch we find wearin' a Nazi uniform, they're gonna die. Now, I'm the direct descendant of the mountain man Jim Bridger. That means I got a little Injun in me. And our battle plan will be that of an Apache resistance. We will be cruel to the Germans, and through our cruelty they will know who we are. And they will find the evidence of our cruelty in the disemboweled, dismembered, and disfigured bodies of their brothers we leave behind us. And the German won't not be able to help themselves but to imagine the cruelty their brothers endured at our hands, and our boot heels, and the edge of our knives. And the German will be sickened by us, and the German will talk about us, and the German will fear us. And when the German closes their eyes at night and they're tortured by their subconscious for the evil they have done, it will be with thoughts of us they are tortured with. Sound good?"

                                              Ja, klingt verdammt gut. Wie der ganze Film. Und das klingt nicht nur so, sondern ist es in allen Belangen.
                                              Tarantino packt sein Stück Kriegsgeschichte in die Hülle eines düsteren Märchens. "Once Upon a Time In Nazi-Occupied France" heißt, es bevor eine perfekt durchdachte Komposition aus Bildern, die Ankunft von Col. Hans Landa ankündigt. Wir erkennen in wenigen Sekunden, wer für das Drehbuch verantwortlich ist. Ein lange ausschweifender, genialer Dialog erklärt uns die verrückten, interessanten Gedanken des "Jew Hunters", gespielt von Christoph Waltz, der einfach viel zu faszinierend für einen solchen Unmenschen ist. Waltz liefert eine unfassbar grandiose Leistung ab. Gleichzeitig fiebert man mit dem Bauern mit, der Juden in seinem Haus versteckt hält. Eine Träne fließt ihm über das wettergegerbte Gesicht, wenn es schließlich zur finalen Konfrontation mit der Realität kommt. Wir erleben die Flucht von der da noch sehr jungen Shoshana mit. Und es ist eine Einleitung, die ihresgleichen sucht. Ein faszinierender Charakter wurde anhand absolut gewitzter Dialoge vorgestellt, wir haben mitgefiebert und mitgetrauert mit den Opfern, wir haben die Intention von Shoshana geradezu in uns aufgesogen. Musikalisch ein Hochgenuss, hat Tarantino hier nicht nur unser Interesse geweckt, sondern uns schlicht gefangen genommen.
                                              Wie ein Märchen, ja wie eine kleine Sage erleben wir den ganzen Film, der in seiner Kapitelaufteilung eine großartige Atmosphäre versprüht. Wir werden bald Teil der Gegenbewegung, wir lernen die Basterds kennen. Aldo Raines Rede, die ich euch zu Anfang zitiert habe, ist jetzt schon ikonisch und von Pitt absolut umwerfend vorgetragen. Wieder haben wir hier einen perfekt durchdachten, eigentümlichen Charakter sondergleichen, der durch seinen virtuosen Darsteller zu purem leben erweckt. Diese vor Leben verbales Feuer speiende Figuren bevölkern das ganze Universum dieses Films. Ob Mélanie Laurent, Michael Fassbender, Eli Roth, Daniel Brühl oder sogar der auch von mir sonst viel geschmähte Til Schweiger. Sie alle hauchen ihren Charakteren Tarantinos Drehbuch-Essenz ein. Hugo Stiglitz, der rebellische, deutsche Soldat. Donnie Donowitz, der Bärenjude. Der schon erwähnte Judenjäger, dessen schauspielerische Umsetzung man nicht oft genug erwähnen und loben kann. Aldo, der Apache. Solch eine Ansammlung von kultigen Charakteren, ist selbst für einen Tarantino bemerkenswert. Und auch die gesamte Story steht dem in nichts nach.
                                              Die großartige Geschichte setzt sich auf eine spezielle, aber geniale Weise mit dem Holocaust auseinander. Die Judenverfolgung an sich wird bewusst nicht lange oder detailliert. Wir sind schon sehr schnell in der Rolle der Rächer. Brutaler Menschen, die die Nazis foltern, brandmarken und ohne nur den Hauch von Gnade töten. Egal ob junger Soldat, oder alter Fanatiker. Wer eine Naziuniform trägt, der wird abgeschlachtet. Diese Ideologie lässt unangenehme Assoziationen aufkommen. Menschen nur auf ein Symbol, nur auf ein Merkmal zu beschränken...Kennen wir das nicht irgendwo her?! Es ist teilweise wirklich abstoßend. Und trotzdem können wir durch den Racheaspekt irgendwie nicht raus aus unserer Rolle, wir stehen auf ihrer Seite. Wir haben Spaß am Verurteilen und Töten. Und genau das wollte Tarantino uns damit sagen. Er hat uns im kleinsten Ansatz in die Rolle solch unmenschlicher Menschen wie Hitler versetzt. Und so haben wir das 3. Reich in seiner Struktur mal von einer anderen Seite betrachtet. Aber so unmerklich und unterhaltsam, dass es erst nach mehrmaligem Sichten auffällt. So zum nachdenken über das Thema hat mich noch kein geschichtsgetreuer Film gebracht. Und dass "Inglourious Basterds" die Geschichte mal eben umschreibt, hat auch ihren Grund. Der Film wird beendet, wie er begonnen hat. Als Märchen. Der Wille zur Gerechtigkeit wird wieder in uns stark. Wir haben den Faschismus von zwei Seiten betrachtet, und von einer dritten erlebt.
                                              Währenddessen war man aber mehr als glänzend amüsiert. Ennio Morricones Soundtrack ist wie immer ein Hörwunder und reißt mit. Die restliche Auswahl an Stücken ist wie gewohnt auf ihre eigene verrückte Art total passend. Inszenatorisch ist hier auch alles fantastisch. Jede Einstellung hat ihren Zweck und ist ein in sich vollendetes Werk. Das Ganze wird mit so einem Detailreichtum auf die Leinwand transportiert, wie man es nur ganz selten erlebt. Man isst den von Landa so geschätzten Strudel mit Sahne geradezu mit. Bei der Gewalt wird ebenso gerne draufgehalten und ausgeschmückt, was hier ohne Frage Sinn ergibt. In manchen Aufnahmen erkennt man Genreeinstellungen à la Kill Bill, und andere genießt man einfach nur, versunken ins Panorama.

                                              "Inglourious Basterds" ist in meinen Augen wahrscheinlich Tarantinos Meisterwerk. Ein bitterböses Kriegsmärchen mit Anspruch, wahnsinnigen Dialogen, einer wichtigen Botschaft, beeindruckender Inszenierung, faszinierender Musik und dem ganz besonderen Genre-Anstrich, wie ihn nur der Filmfreak unter den Filmemachern einem Werk aufdrücken kann.

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                                              • 8 .5

                                                Auch wenn ich Tarantino Streifen normalerweise überhaupt nicht ab kann, ist dieser wirklich ausgezeichnet!

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                                                  Idiotisch.
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                                                  Billig.
                                                  Nicht Unterhaltsam.
                                                  Ein ewiges Sinnloses gefledder und Geballer.
                                                  Schade das man dafür so viele gute Schauspieler verfeuert hat.

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                                                    ländliche szenerie. wäsche an der leine. ein mann blickt in die ferne. fahrzeuge nähern sich und wäm! eine kombi aus westerntune und beethovens für elise setzt ein, punktgenau auf den schnitt abgestimmt.
                                                    selten war mir so schnell klar, dass ich im richtigen kinofilm sitze.
                                                    Die Kombination von Schnitt und Musik war schon immer etwas, dass ich an Tarantino sehr bewundert habe....man denke nur an Pulp Fiction und Travoltas und Jacksons Walk über den Flur, kurz nach der legendären Burger-Szene.
                                                    Bei Ingelorious Basterds handelt es sich damit um eins von vielen features, die trotz einiger längen einen genialen Film ausmachen. Um noch einige andere zu nennen: Christoph Waltz ist nicht der einzige der hier endlich zu seinem wahren Ich findet - auch Till Schweiger erkennt endlich mal den Wert von Nomen est Omen und hält einfach mal die Klappe...was zu einer der coolsten Charaktereinführungen der letzten zehn Jahre führt (Ich möchte meinen, nur der erste Auftritt von fronsac und mani in Le Pacte des Loups 2001 hat mich ähnlich angemacht). Leider gibt es, wie bereits erwähnt längen und...tragischerweise....diane kruger, das kostet den film für mich die zehn, herrliche Details wie die kleine Film Noir Reminiszens in der sich Mélanie Laurent (oder auch: So versucht Diane Kruger zu sein, ist aber leider zu blass und lame) für ihre große Stunde vorbereitet retten die 9. Im Sinne des multilingualität der sich Tarantino hier verschreibt - je l'aime, ich liebe es, love it!

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