Killing Them Softly - Kritik

US 2012 Laufzeit 97 Minuten, FSK 16, Actionfilm, Drama, Kriminalfilm, Thriller, Kinostart 29.11.2012

  • 9
    MrDepad 23.04.2015, 16:41 Geändert 23.04.2015, 16:42

    Der Wahlkampf zwischen Obama und McCain läuft auch Hochtouren, die Fernseher und Radios berichten kaum von etwas anderem. Dass die leeren Worthülsen und aufgeblasenen Versprechen zu nichts geführt haben, ist heutzutage mittlerweile klar.
    Andrew Dominik, einer der interessantesten Filmemacher der Gegenwart, nutzt dieses Rahmenereignis aus dem Jahr 2008 in seinem Film "Killing Them Softly", um einen Blick in den Kriminellen-Mikrokosmos von New Orleans zu werfen und das dortige Alltagstreiben zynisch den ganzen glorreichen Reden der Politiker gegenüberzustellen.
    Sein Crime-Thriller wirkt wundervoll aus der Zeit gefallen und schert sich wenig um Sehgewohnheiten. Die ausufernde Dialoglastigkeit, bei der sich die Gespräche meist um banale Themen drehen, erinnert zunächst an den Stil eines Quentin Tarantino, der durch lakonische Dialogpassagen sowie die überspitzte Coolness und Stilisierung von Gangster-Mythen zum Kultfilmer wurde.
    Bei Dominik ist der Lack allerdings längst ab. Seine Figuren sind von dem Schlag, den man allgemeinhin als Abschaum bezeichnen würde. Vulgär bis in die ungewaschenen Haarspitzen, drogenabhängig oder sexbesessen und alles andere als intelligent präsentiert uns der Regisseur mit Frankie und Russell (herausragend von Scoot McNairy und Ben Mendelsohn verkörpert) gleich zu Anfang zerfallene Kleinkriminelle, die den Ton des Streifens maßgeblich definieren.
    "Killing Them Softly" ist die konsequente und schonungslos bittere Dekonstruktion des Macho-Mafia-Gestus, eine Beerdigung des gängigen Bildes, das Verbrecherleben sei geprägt von lässigen Gesten, schönen Frauen an der eigenen Seite (die Dominik hier, bis auf eine Prostituierte, direkt komplett ausspart) und spektakulären Auseinandersetzungen. Gestorben wird, gegensätzlich zum Titel des Films, meist sehr brutal und direkt und überhaupt hat kaum ein Thriller der vergangenen Jahre ein so niederschmetterndes Gangster-Porträt gezeichnet.
    Auf der anderen Seite ist "Killing Them Softly" auf formaler Ebene ein purer Hochgenuss. Auch wenn die finale 97-minütige Fassung um einige Nebenhandlungsstränge und Szenen erleichtert wurde, wirkt hier kein einziger Moment überflüssig, sondern alles perfekt und minutiös genau durchstrukturiert.
    Die makellose Kameraarbeit, aufregende Bildverfremdungen, fiebrige Schnittfolgen und der großartige Soundtrack machen aus dem Film ein audiovisuelles Erlebnis, das fernab von seinem dreckigen, trostlosen Inhalt pure Schönheit ausstrahlt.
    Brad Pitt´s Troubleshooter Jackie Cogan ist die einzige Figur, die so etwas wie kultige Facetten besitzt, aber auch nur, weil er der einzige ist, der Amerika als Geschäft verstanden hat und völlig nach seinen eigenen Regeln alles im Blick zu haben scheint. Ein besonderer Genuss sind außerdem noch James Gandolfini und Ray Liotta. Obwohl beide eher untergeordnete Screentime bekommen, ist es eine Bereicherung, wie Gandolfini eine noch viel heruntergekommenere Variante seiner Paraderolle Tony Soprano hinlegt, während Ray Liotta, der mittlerweile fast nur noch in C-Movie-Schund unterkommt, mit unglaublicher Spielfreude in seiner Rolle als Mafiosi aufgeht, obwohl auch er eigentlich das genaue Gegenteil seines sonstigen Figuren-Typus spielt.
    Dass Andrew Dominik mit "Killing Them Softly" finanziell am Ende gescheitert ist, verwundert kaum. Der Regisseur feuert mit diesem Hybrid aus dialoglastiger, düsterer B-Movie-Gangster-Dekonstruktion, zynischer und gleichzeitig offensichtlicher Gesellschaftskritik und einer makellosen Inszenierung mitsamt herausragendem Cast gegen zahlreiche Sehgewohnheiten und Erwartungshaltungen. Künstlerisch ist dem Australier jedenfalls ein Triumph auf allen Ebenen gelungen, der niemanden kalt lassen dürfte und mit dem er nach dem brillanten "The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford" direkt das nächste Meisterwerk geschaffen hat.

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    • 8 .5
      Badmojo44 15.04.2015, 03:03 Geändert 15.04.2015, 03:07

      Keine Ahnung, warum dieser Film nur 6,0 Punkte im Schnitt macht. Würde über dem Filmtitel der Name Tarantino stehen, wären es 8,0 und das Lob würde nur so hervorquellen. Aber naja es ist ja auch leichter, einen Namen zu erkennen, als eine Stilrichtung.

      • 7 .5

        Etwas schwer einzuordnen dieser Film finde ich. Für meine Begriffe hatte er ein bisschen was von "Drive" mit Ryan Gosling. Nur eben doch ein bisschen aufgedrehter.
        Brad Pitt spielt seinen Charakter sehr gut und es macht einfach Spaß ihm bei der Arbeit zuzusehen. Richard Jenkins sehe ich sowieso immer gerne und es war eine wirkliche Freude James Gandolfini zu sehen, der leider viel zu früh verstorben ist. Er spielt wirklich groß auf bei diesem Film und sorgt für den ein oder anderen Lacher.
        Zur Story gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Die ist eher belanglos würde ich sagen. Der Film versucht von den Dialogen zu leben, die leider nie an Tarantino-Niveau herankommen und von brachialer Gewaltdarstellung, die in diesem Film sparsam, aber effektiv eingesetzt wird.
        Ich habe mich gut unterhalten gefühlt, auch wenn sich die 100 Minuten locker anfühlen wie 2,5 Stunden. Definitiv sehenswert.

        • 4 .5

          Mal wieder so ein Film, der versucht mit lässigen Gangster-Dialogen zu punkten und in die Fußstapfen des frühen Tarantino zu treten. Auch "Killing Them Softly" scheitert mit diesem Vorhaben mehr oder weniger deutlich, denn abgesehen von einem Haufen belanglosem Gesülze gibt's wenig zu bestaunen, etwas kultiges schon gar nicht. Dazu wirkt der Film viel zu verkrampft auf cool getrimmt und ist viel zu arm an Höhepunkten. Brad Pitts Rolle war ja ganz in Ordnung, doch der einzig wirkliche Lichtblick war James Gandolfini. Der hatte zwar zum Fortlauf der Story absolut nichts beizutragen, konnte aber als einziger wirklich etwas Spaß reinbringen.
          Lediglich die letzten Sätze von Pitts Figur Jackie Cogan waren wirklich sehens- bzw. hörenswert. Mr. Samson war so freundlich sie in seinem Kommentar ein paar Zeilen weiter unten zu notieren. Der Rest ist nicht der Rede wert.

          • 8

            Hab den jetz vor kurzem das zweite Mal gesehen. Beim ersten Mal (Bewertung6.0 oder so)fand ich den ja nicht so prall,aber auf den zweiten Blick überraschend lustig und unterhaltsam. Vielleicht sollte man Filme erst ab der zweiten Sichtung bewerten(Gut Tree of Life kann ich leider einfach kein zweites Mal anschaun ;) )

            • 6 .5

              Ich beobachtete Brad Pitt soeben; wie er als Auftragskiller in einem Film ganze 3 Typen umgelegt hat; die zuvor eine Pokerrunde ausgeraubt hatten. Das wars.
              Super Film

              • 7 .5

                "Der Kerl behauptet dass wir in einer Gemeinschaft leben, so ein Blödsinn, das ist doch Lachhaft, denn wir Leben in Amerika, und in Amerika schlägt sich jeder allein durch. Amerika ist kein Land, es ist nur ein Business. Und jetzt geben sie mir mein verdammtes Geld!"

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                • 0

                  Absolute Zeitverschwendung. Flache Charakteren, keine Identifikationsfigur, 0815-Story.

                  • 8 .5
                    Dr_Totenkopf 08.02.2015, 12:36 Geändert 08.02.2015, 12:38

                    Man meint den typischen Gangsterstreifen zu sehen, kriegt aber eine Parabel auf die amerikanische Wirtschaft serviert. In Form von schmierigen Unterwelt Machenschaften und abgehalfterten Typen. Das gegebene Wort richtet sich letzendlich nach dem Marktpreis und verfliegt so schnell wie Obamas Politfloskeln anno 2008. Alles eingefangen in traumhaften Bildern, die sich regelrecht aus dem Dunkeln schälen und garniert mit einem stilvollen Soundtrack. Andrew Dominik inszeniert das Ganze dabei sehr ruhig, wobei die Gewaltspitzen extrem heftig sind und im krassen Kontrast dazu stehen. Schöner Film mit einem (wieder mal) arschcoolen Brad Pitt, der lediglich etwas mehr Würze in den Dialogen hätte haben dürfen.

                    2
                    • 8

                      Vor dem Hintergrund der Finanzkrise von 2008 wirft Andrew Dominik einen Blick in die Niederungen des organisierten Verbrechens. Ein trotz Anleihen beim romantischen Sarkasmusdes New Hollywood eminent zeitgenössischer Gangsterfilm über ein Amerika, das den Wandel beschwört, um bleiben zu können, wie es ist. [Gerhard Midding]

                      • 10

                        Brillanter Film noir Thriller, der oftmals grotesk wirkt, perfekt inszeniert,
                        besonders amüsant, weil viele enttäuscht die Sneak (29.11.2012) verlassen hatten,
                        kurz bevor ein Lichtblick(?) des Films in Form Brad Pitts aufgetreten war

                        • 1

                          Das Beste an dem Film, war das Suchen der Anchlussfehler von denen es gefühlt 500 gibt. Die "Story", fals so etwas überhaupt vorhanden ist, ist lahm, platt und zum sterben langweilig.

                          • 4

                            die ganze story kann man nicht ernst nehmen! total dämlich...eher comedy

                            • 7 .5
                              oliver.roth.5059 18.12.2014, 22:56 Geändert 18.12.2014, 22:58

                              Ein ungewöhnlicher Gangsterfilm. Die gut erzählte Geschichte des irischen Profi -Killers Jackie Cogan inmitten eines gebeutelten Amerika, zwischen falschen Wahlversprechungen, und zerfallenden, trostlosen US- Großstädten.

                              • 8 .5
                                Wendigo 02.11.2014, 22:36 Geändert 02.11.2014, 22:44

                                6.5 als Vorhersage und bin mehr als positiv überrascht.

                                Klasse Cast (McNairy, Mendelsohn, und als harten Flash: Gandolfini), feine Dialoge (im Hotelzimmer, oder mit dem Hundetransport), lustige Szenen (der Dicke und das Auto... musste allein(!) laut lachen), gute Aktion, und eine der coolsten Slowmotion-Shooting-Szenen die ich je gesehen habe. Am Buch könnte man hier und da sicher noch etwas verfeinern, aber als Gesamtpaket kann ich mir diese, doch sehr weit unten angesiedelte Vorhersage, nicht erklären.

                                Der Film ist ähnlich - ohne Vergleichen zu wollen - wie Drive: ruhig aber gewaltig!

                                Trifft daher meinen Geschmack und kriegt nach dem ersten Mal schauen 8.5/10.

                                • 9

                                  Einer der besten Brad Pitt Rollen, die er Charakteriesiren durfte. Der Film ist nicht mit Action Szenen überladen, wie es dem Mainstream gefällt. Das ist auch gut so. Denn das reizvolle an diesem Film ist, dass man die arbeitstag(e) eines Auftragskiller mitverfolgen kann.

                                  Ray Liotta, Brad Pitt und James Gandolfini ergänzen sich gut miteinander. Brad Pitt hat schon mehrmals, als Filmproduzent bewiesen, dass er einen guten Filmgeschmack hat...

                                  Ich kann die allg. schlechte Wertung der Filmkritiker und auch der Community nicht nachvollziehen, ist halt kein typischer 0815 Hollywood Bullshit Film.

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                                  • 4

                                    Ein Film mit starker Besetzung und der ein oder anderen netten Nuance, der allerdings aus dem Grund nicht zu überzeugen weiß, weil er mehr sein will, als er letztendlich schafft, zu sein.

                                    Sozialkritik habe ich schon viel interessanter erleben dürfen - auch mit einem anständigen Spannungsbogen. Da hilft auch der ein oder andere schwarzhumorige Spruch nicht mehr viel.

                                    • 3

                                      Der Film war die reinste Zeitverschwendung!
                                      Lahm, langweilig und ohne Spannung.

                                      • 8

                                        Ein Suptiler fein nuancierter Film der dahin geht wo es weh tut. Er zeigt uns mit brachialgewalt, was auf der Welt Regiert...nur eines DAS GELD,dafür wird alles gemacht,selbst das unvorstellbare.
                                        Brad Pitt und James Gandolfini liefert hier eine wohl temperierte aber spitzemäßige Leistung ab. Der Film wird sogar beim 2x schauen noch besser. Ein "kleiner" fieser Top Film! God Bless James Gandolfini and thanks for everything!

                                        • 8 .5

                                          Wow! Der Film fühlt sich an, wie eine Ladung Schrott im Gesicht. Untermalt von düsteren Bildern und einem zynischen Soundtrack, entfaltet sich ein direkter, fast schlichter Plot, bei dem man ständig auf das Schlimmste gefasst sein muss. Die Angst wird zum ständigen Begleiter, der sich oft nur unauffällig im Hintergrund aufhält, dann aber immer wieder ganz nah kommt und auf die Schulter klopft. Dieser Effekt wird durch die langen, dunklen Einstellungen und das durchweg gute Spiel der Darsteller (ganz groß: James Gandolfini) noch verstärkt. So zog mich die Atmosphäre schwer in ihren Bann und ließ mich nicht mehr los. Und ja, der gesellschaftskritische Unterton wird genauso direkt serviert wie der Plot und passt genau deshalb wie die Faust aufs Auge: In einer abgefuckten Welt, in der Gemeinschaft nur eine vielbemühte Worthülse ist, gehen abgefuckte Typen einfach nur ihren skrupellosen Geschäften nach und daran zugrunde, fertig, aus. Ein überraschend starker Film!

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                                          • 8 .5

                                            Was die meisten schlecht Bewerter hier nicht verstehen ist das dieser Film cool sein will. Und das schafft er auch. Manche schreiben hier das der Film manche stellen hat, die unnötig sind. Aber genau das ist nicht richtig. Genau diese Szenen machen den Film cool. Also wer nicht auf alle 2 Sekunden Explosionen steht, sondern auf cooles Gangster gehabe abfährt, der ist hier genau richtig. Alle anderen können ja gerne Iris Berben in irgendeinen deutschen Marionetten Film gucken, die sind nämlich genauso wenig cool wie ihr selber :)

                                            • 6

                                              Wahrlich kein Meisterwerk ist dieser düstere Film von Andrew Dominik. Es zeigt eine dreckige Seite von Amerika, Intrigen, kaputte Figuren im kriminellen Millieu, ohne selbige aber zu glorifizieren. Die Taten der Einzelnen werden nicht geschönt, sie bleiben abscheulich und die kleinen Betrüger werden von den großen Haien einfach zerfleischt. Das ist mal nett anzusehen, weil es etwas Abwechslung bietet, aber der Film wirkt monoton und lässt mich am Ende kalt zurück: Wozu das alles? Die geplante Moralkeule nochmal in der letzten Szene zu schwingen, wenn Jackie Cogan schwadroniert, dass alles nur ein großes Business sei, im Hintergrund Obamas Antrittsrede wirkt unpassend und schon fast überheblich.
                                              "Killing Them Softly" fehlt ein Spannungsbogen, er lässt mich kalt mit all seinen widerwärtigen Charakteren - doch ganz von ihm abraten, möchte ich auch nicht. Sicher kann man ihm an der ein oder anderen Stelle etwas Gutes abgewinnen, allein schon für die Abwechslung zwischen all den Hollywood-Stereotypen gibt es einen kleinen Bonus.

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                                              • 8

                                                Die animalisch-orwellschen Pointierungen kommen hier zu meiner Freude ganz gut durch.

                                                • 5 .5

                                                  Zynisch bis in die Arschritze. Inhaltlich passiert nicht viel, man lernt nichts neues, aber wenn man in der Stimmung dafür ist, darf man sich einen drauf runterholen, wie Andrew Dominik die schmutzige Seite der Geschäftswelt/Mafia zelebriert, dabei gleichzeitig Gangsterfilm und Politik den Arsch ins Gesicht hält, und dieses realistisch-unschöne Bild dann stilvoll ausstattet, ästhetisch beleuchtet, effektreich filmt und mit interessanter Musik unterlegt. Ist manchmal auch ganz schön, selbst wenn Überraschungen ausbleiben. Künstlerisch, gut gespielt, kann Spaß machen. Erinnert mich am ehesten an Natural Born Killers, nur dass der ein einziger Rausch war, während Killing Them Softly zu jeder Sekunde bewusste Aufmerksamkeit vom Zuschauer erfordert, um wenigstens ein bisschen Freude daran zu haben.

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                                                  • 6 .5

                                                    Da gab's schon bessere Vertreter in diesem Genre. Der Film lebt - zumindest bei mir - von hohen Erwartungen, die stets ein ganz klein wenig erfüllt werden, wo aber immer das Gefühl bleibt, dass da mehr hätte sein können. Und viele Szenen sind einfach viel zu irrelevant. Kann man anschauen, ist aber wirklich kein Muß. Dann schon eher "Bube, Dame, König, Gras". Zum Beispiel.