Kinder. Wie die Zeit vergeht.

Kinder. Wie die Zeit vergeht. (2008), DE
Laufzeit 86 Minuten, FSK 0, Dokumentarfilm, Kinostart 25.09.2008

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von Thomas Heise,

Auf einem weißen Kerosintank eines riesigen, weitgehend menschenleeren Geländes einer Raffinerie steht in großen Lettern das Wort TOTAL. Hinter jedem der nächtlich erleuchteten Fenster eines Wohnblocks des nahen Halle-Neustadt kann man Menschen bei ihren Verrichtungen sehn. Einer der Menschen ist Jeanette. Sie ist 24 Jahre alt, arbeitslos in Umschulung, allein. Ihre Kinder Tommy (8) und Paul (3) schlafen nebenan. Jeanette betrachtet Fotos ihrer Kinder. Sie hat einen Traum: Busfahrerin werden. Jeanette hat ein drittes Kind, Annabelle, und ist mit Guido zusammen. Jeanette und Guido fahren Bus. Tommy ist 15, so alt wie seine Mutter, als sie mit ihm schwanger wurde, in der siebenten Klasse, im neunten Schuljahr. Er sitzt im Klassenraum vor seinem Lehrer. Er will einen Antrag auf Verlängerung seiner Schulzeit stellen. Er weiß nicht, warum: “Ich denk mir was aus.” Jeanettes Mutter Ingrid ist Hausfrau, ihr Vater Heinz arbeitet im Vierschichtdienst auf dem Gelände der Raffinerie. Jetzt sind Jeanette, seine Tochter und vier seiner Söhne aus dem Haus. Tino (18), der jüngste, wohnt noch Zuhause. Vater und Sohn sprechen nicht miteinander. Tino ist in der Lehre zum Fachlageristen und will ein Nazi sein. Tino will verstanden werden. Paul (10), Jeanettes zweiter Sohn erhält seine Bildungsempfehlung. Er könnte aufs Gymnasium, will aber nicht. Er schießt ein Tor gegen den Sportverein mit dem alten Namen SC LEUNA, jetzt TOTAL.


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AverageJoe

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Bewertung2.0Ärgerlich

Einige Szenen wirken derart unrealistisch und gestellt, dass ich meinte die Regieanweisungen hören zu können, wenn ich die Lautstärke nur genug aufdrehen würde. Dazu passte, dass die "dokumentierten" hier teils eher wie Laienschauspieler wirkten, die wahlweise versuchten, bewusste Handlungen möglichst zufällig wirken zu lassen oder gegen den Drang anzukämpfen in die Kamera zu schauen, wenn sie sich doch eigentlich gerade keiner Beobachtung bewusst sein sollten, weil das Drehbuch es so will.
Das alleine disqualifiziert den Film für mich bereits als funktionierende Doku, aber selbst abseits besagter Szenen habe ich mich doch nach dem Grund bzw. Anliegen des ganzen gefragt. Unerwartete Einblicke hinter irgendeine Fassade habe ich vergebens gesucht.
Alles in allem für mich eine Doku für Intellektuelle aus gutem Hause, die mal ein paar künstlerisch montierte Schwarz-Weiss-Bilder über die armen Problemkinder aus der unteren Mittelschicht in der neuen Bundesländern sehen wollen um sich in ihrer Betroffenheit zu suhlen.
Anderthalb Stunden in der abendlichen Innenstadt oder den öffentlichen Verkehrsmitteln einer beliebigen größeren Stadt dürften mehr vermitteln. Wenn auch nur skizzenhaft und nicht so überdeutlich ausformuliert und arrangiert wie hier, dafür aber echt.

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