Klass
Klass (2007), EE Laufzeit 102 Minuten, FSK 16, Drama, Kinostart 15.10.2009
1 Bewertungen
Skala 0 bis 10
289 Bewertungen
38 Kommentare
Keine
von Ilmar Raag und Ilmar Raag, mit Vallo Kirs und Pärt Uusberg
Joosep ist der Prügelknabe der Klasse. Auch für Kaspar. Als der ihm jedoch eines Tages zu Hilfe kommt, fühlt sich Anders, der Anführer der Klasse, in seinem Status bedroht. Auf einer Party droht er Kaspar: “In dieser Klasse beschützt niemand Joosep.” Doch die Verteidigung von Joosep wird für Kaspar zu einer Frage der Ehre. Aber das macht alles nur noch schlimmer. Die Misshandlungen gegen Joosep nehmen zu und machen bald auch vor Kaspar keinen Halt mehr. Als Joosep Kaspar bittet, ihm nicht mehr zu helfen, ist es bereits zu spät. Das System immer neuer Bestrafungen, das der um seinen Machtstatus besorgte Anders vorantreibt, nimmt immer drastischere Formen an. Bis die physischen und psychischen Qualen so groß werden, dass die beiden Jungen nur noch einen Ausweg sehen.
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Cast & Crew
- Genre
- Drama, Psychodrama
- Zeit
- 2000er Jahre, Winter
- Handlung
- Amoklauf, Anführer, Art House-Film, Außenseiter, Basketball, Demütigung, Ehre, Erste Liebe, Eskalation von Gewalt, Hänselei, Messer, Mutter-Sohn-Beziehung, Opfer, Schulklasse, Selbstverteidigung, Stuhl, Turnhalle, Täter, Verlierertyp, Verschwörung, Öffentliche Demütigung
- Stimmung
- Berührend, Hart, Verstörend
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- Klass: critic.de


















Kritiken (1) — Film: Klass
Sascha Keilholz: critic.de
Kommentar löschenWie im traditionellen Rache-Genrebeitrag werden die Handlungen von Kasper und Joosep motiviert, sogar als logische Folge präsentiert. Der Film zeigt keine Alternative auf, im Gegenteil: Der Vergeltungsschlag scheint nicht nur die einzige, sondern auch die richtige Option. Keine Wahl lassen die durchweg eindimensional, undifferenziert gezeichneten Antagonisten um Anders, kleine Sadisten ohne Hirn und Herz.
Kritik im Original 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 1 Antworten
Shorty06 Mon, 30 Aug 2010 23:45:29 -0000
Antwort löschenMan sollte dabei bedenken, aus welcher Sicht der Film dargestellt wird. Denn aus Kaspers und Jooseps Sicht sind die anderen Klassenkameraden nämlich genau das: kleine Sadisten ohne Hirn und Herz.
Kommentare (36) — Film: Klass
EvertonHirsch Thu, 21 Mar 2013 13:34:21 -0000
Kommentar löschenIm großen und ganzen ist der Film wirklich gut und interessant. Allerdings schleichen sich im Mittelteil einige Längen ein und man wartet darauf, dass endlich das Fass zum Überlaufen kommt. Zum Teil finde ich ihn auch etwas unrealistisch, so z. B. dass die gesamte Klasse so an einem Strang zieht und nur einer Person hörig ist (was er auch vor hat, ohne selbst nachzudenken), dafür hatte mir Anders nicht genug Ausstrahlung. Sehr gut gespielt ist Joosep, der sich am Anfang noch versucht, zu wehren, aber schließlich notgedrungen seine Rolle in der Klasse annimmt (und nur noch hinnimmt).
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Markbln Wed, 06 Mar 2013 21:55:02 -0000
Kommentar löschenKLASS ist ein interessanter Film.
Er ist mir stellenweise eigentlich zu plakativ und subjektiv. Der unterbelichtete Vater, die gute nichts ahnende Großmutter, die unbeteiligten, stur ihrem Unterrichtsplan folgenden Lehrer sind hart am Klischee und nicht gut erfasst. Manchmal denke ich auch, die ausgewählten Schüler-Darsteller sind zu alt für die Reaktionen der gespielten Schüler.
In der nächsten Szene bin ich jedoch sehr begeistert von deren schauspielerischen Leistung. So (Verzeihung, unbeliebter Ausdruck) authentisch habe ich lange keine Schulklasse mehr im Kino gesehen, trotz penetranten Grünfilters: Bravo!
Die Beobachtungsgabe des Regisseurs Ilmar Raag ist sehr besonders. Er tappt nicht in die Falle und zeigt das übliche Repertoire von Ghettoviertel, Arbeitslosigkeit, Suff und Asozialität. Seine schonungslose und präzise gezeichnete Geschichte konzentriert sich ganz auf die Wesen der Schüler, auf die seelischen und körperlichen Veränderungen innerhalb der Klassengemeinschaft. Zunächst irritierte mich dieser Zustand etwas, im Verlauf des Films gefiel mir aber die nicht exakte Zuordnung des Milieus immer mehr. Das Thema dürfte universell sein. Die Qualen der beiden unterdrückten Jungen Kasper und Joosep kann ich auch als weit dem Schulalter entwachsenem Mann nachvollziehen.
Vom Filmthema Gruppendynamik schon seit Fassbinder-Tagen absolut fasziniert, ist KLASS für mich ein zeitgemäßes Beispiel dafür, wie diese funktioniert. Wie sich Alphamännchen ihre Positionen sichern, aus Angst vor Statusverlust zu immer brutaleren Methoden greifen, wie Mitläufer das Feuer schüren, aus Individuen eine Masse wird und aus Freundinnen Verräterinnen. KLASS ist für die Zielgruppe im Ton exakt getroffen. Ein paar modische Kameraeinfälle und die im 7 Tage-Rhythmus (ob die biblische Schöpfungsidee dahinter stehen soll, würde mich interessieren) pseudodokumentarische Tagebucheinteilung finde ich legitim, aber unnötig. Sie sind nur cool, berauben KLASS aber ein wenig seiner Glaubwürdigkeit. Die nüchterne Erzählstruktur ist eigentlich der bessere Weg, um die Ursachen von Gewalt, Hierarchien und aus dem Ruder laufenden Ordnungssysteme zu analysieren. Dass der Film teilweise die emotionale Wucht der Regiewerke von Clint Eastwood hat, ist vielleicht einem größeren Publikumserfolg geschuldet. Ebenso die ziemlich eingleisige Charakterisierung der "Täter".
Während der Weg vom Opfer zum Täter vielschichtiger beleuchtet wird, sind die Bösen eindimensionale widerliche Schänder. Das ist zu wenig, bzw. zu viel. Eín weiterer Schwachpunkt: es gibt so gut wie keine Einflüsse von außen, die Klasse ist hier ein abgeschlossenes Universum, deren Insassen ihren eigenen Gesetzen erliegen. Der einzige Ausweg ist die Tragödie. Sehr zugespitzt und sehr fragwürdig. Die Dramaturgie wird immer schwerer auszuhalten. Kein Mensch würde auch nur eine Sekunde Verständnis, geschweige denn Empathie für die Prügler fühlen können, die Wut auf sie steigt von Minute zu Minute. Hier bedient der Regisseur die Erwartungshaltung besonders der jüngeren Zuschauer, hier riecht es nach Manipulation. Nur einmal, als Joosep nach Luft röchelnd im Dreck liegt, hält einer der Quäler ein und fragt, ob er noch atmen kann, bevor er einen weiteren Tritt in den Magen bekommt. Zum Finale, dass sich bereits am Anfang abzuzeichnen scheint, muss dann jeder für sich entscheiden, ob das wirklich konsequent oder nicht ein wenig zu zwangsläufig ist.
Vor der letzten Kulmination kommt aber noch meine Lieblingsszene. Eine Mitschülerin, die den ganzen Film nicht ein Wort zu sagen hatte, trifft im Gang zur vollbesetzten Kantine auf die beiden schikanierten Klassenkameraden, die wie in Trance mit Waffen vor ihr stehen: "Soll ich rein oder raus gehen?". Wow, clever und überraschend. Ich liebe elemantere Aussagen auf einen Satz heruntergebrochen. Die Antwort muss man gesehen haben. Eine herausragende Szene.
Ich würde KLASS unbedingt als Ergänzung zu Gus van Sants ELEPHANT empfehlen, der das Thema abstrakter und kühler behandelt, im Finale aber erstaunliche Ähnlichkleiten zu KLASS aufweist. Beides ernstzunehmende Filme zum Thema Amok.
Und das war meine 1000. Bewertung. Danke und Auf Wiedersehen.
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meinalterego Sat, 09 Feb 2013 14:58:37 -0000
Kommentar löschenKLASS, ein estnischer Film aus dem Jahre 2007, erzählt von Joseph einem Mobbingopfer, der in seiner Klasse physischer und psychischer Gewalt ausgesetzt ist. In einer Situation steht ihm nun Kasper bei, anfangs noch zum Selbstzweck. Dadurch gerät er allerdings im Klassenverbund selbst an den Rand. Eltern sind verständnislos, Lehrer überfordert. Eine Gewaltspirale wird in Gang gesetzt, die in einer Katastrophe endet.
Der Film legt den Fokus auf ein wichtiges Thema, dass mich zunehmend verstört. Gerade aktuell in den USA gab es in den letzten beiden Jahren eine Reihe von Selbstmordfällen von schwulen Jugendlichen, die nach ihrem Outing gemobbt und ausgegrenzt wurden. Das ist die andere Seite der Spirale, das Drangsalieren und die Isolation nicht mehr aushalten zu können, dass man nur noch den Suizid als Ausweg sieht. Nun mag man sich fragen, was geht es mich an? Wir müssen uns alle an die eigene Nase fassen. Ich und auch Du, der das hier gerade liest. Wenn man sich allein die Medien anschaut, Fernsehshows, Blogs im Internet etc. in denen Menschen zunehemend und immer mehr gedemütigt werden. Diese Sachen laufen und existieren, weil wir sie konsumieren, es uns reinziehen. Wir sind ein Teil davon. Und Kids lernen daraus, dass es okay ist, andere zu drangsalieren, es ist ja cool andere zu erniedrigen, solange es mich nicht trifft ist doch alles okay.
Kids benötigen unsere Aufmerksamkeit und uns als Vorbilder: wegschauen, ignorieren oder unwissend sein darf für uns nicht mehr gelten.
KLASS ist ein großartiger Film. Er hält mit der Kamera drauf, so drauf dass es einem sehr unbequem wird im heimischen Sessel. Du musst Dich mit dem Gesehenen auseinandersetzen. Mich packte in vielen Szenen die blanke Wut, in anderen konnte ich meine Tränen nicht zurückhalten. Ein wichtiger, verstörender und hochemotionaler Film, mit einem Thema, dass mehr Beachtung verdient.
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bobo-lemon Sun, 27 Jan 2013 21:05:10 -0000
Kommentar löschenLeider braucht KLASS etwas Zeit um mich wirklich emotional zu packen, denn er wirft mich als Zuschauer zu uninformiert in Jooseps prekäre Situation. So mutet es etwas unrealistisch oder auch übertrieben an, wie sehr sich die Klasse schon geschlossen gegen den unauffälligen Außenseiter verschworen hat. Dass es sich in der Realtät trotzdem so zutragen kann, will ich nicht abstreiten, jedoch fehlte mir da einfach ein längerer Einblick in die Gruppendynamik der Schüler.
Zum Glück rettet das intensive Spiel der beiden jugendlichen Hauptdarsteller KLASS davor in allzu viele Klischee-Fettnäpfchen zu treten, denn vor allem im Umgang mit ihren Eltern und Lehrern gab es so einige unglaubwürdige Dialoge. Aber nichtdestotrotz entwickelt KLASS über die Laufzeit einen unangenehmen Sog, der einem zum Schluss die letzte Luft aus den Lungen drückt. Ein wichtiger Film zu einem leider immer wieder aktuellen Thema.
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ToombZiege Mon, 17 Dec 2012 20:47:39 -0000
Kommentar löschenInteressantes Thema..Wegen dem Amoklauf letzte Woche in Connecticut kam ich drauf.
Was mir extrem auffällt, sind die realitätsgetreuen Dialoge. Sowas habe ich lange nicht mehr erlebt. Kamera- und Schnittechniken sagen mir auch sehr zu. Joseeps Vater´s Rolle sehr detailgetreu und nachvollziehbar; andere Rollen wiederum wirken sehr für den Zusammenhang "geschustert" und verhalten sich situativ seltsam.
Intensives Ende, hatte nen Kloß im Hals. Starker Film, sehr schwere Kost.
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Graeca Mon, 26 Nov 2012 21:26:26 -0000
Kommentar löschenDer Film ist sehenswert, vor allem weil das Thema als solches interessant ist, allerdings geht er dennoch an vielen Stellen an der Realität vorbei.
Lehrer/Direktorin und Eltern scheinen zwar erstmal interessiert, aber unterm Strich einfach blind zu sein bzw. unfähig zu sein.
Keine Einzelgespräche, wie sie jeder halbwegs ausgebildete Pädagoge anstreben würde, um der Sache auf den Grund zu gehen. Stattdessen erwarten sie das vor versammelter Klasse mit dem Finger gezeigt wird.
Nicht der kleinste Versuch ein Vertrauensverhältnis zum Opfer aufzubauen, um Informationen zu erlangen.
Eltern die völlig irrational handeln. Der Vater von Joosep, der so klischeehaft und mittelalterlich dargestellt wird, das es fast schon weh tut.
Die Mutter, die kein direktes oder vertrautes Wort mit ihrem Sohn spricht bzw. dies nichtmal anstrebt.
Auch das Verhalten der beiden Jungen finde ich durchaus an vielen Stellen vollkommen unverständlich.
Weder Joosep noch Kaspar zeigen auch nur annähernd Bereitschaft Hilfe von Aussen zuzulassen oder zu erbitten. Sie schließen das offensichtlich von Grund auf aus, aus Angst vor...ja wovor eigentlich? Prügel und Demütigung gabs doch auch, wenn sie brav verschwiegen haben was da eigentlich passiert und wer das initiiert.
Warum greifen die Täter überwiegend an Orten an, an denen sie schnell aufzufliegen drohen? Die Lehrer erscheinen mir ein paar Mal zu oft eine Millisekunde zu spät ins Klassenzimmer zu kommen, so das sie angeblich nichts bemerken.
Es wird Minutenlang im Flur schikaniert und geprügelt und niemand scheint auch nur annähernd Sorge zu tragen, das ein Lehrer des Weges kommt oder unbeteiligte Schüler den Vorfall an selbige weitertragen.
Zufällig kommt natürlich auch kein Lehrer des Weges. Das wäre an meiner Schule z.b. anders gewesen - da wäre beim kleinsten Krach im Gebäude die halbe Belegschaft angetreten.
Auch wenn der Film natürlich sensibilisieren soll und die verschärfte Darstellung ein adäquates Stilmittel ist, so ist es in meinen Augen, wie gesagt, doch an vielen Stellen zu sehr an der Realität vorbei.
Man hat hier Eltern und Pädagogen bewusst als sehr naiv und blind und die Jungen ganz bewusst als sehr wortkarg und verschlossen dargestellt.
Dennoch finde ich den Film sehr interessant und sehenswert. Er beschäftigt mich nachhaltig - wenngleich eher wegen der teils schwer nachvollziehbaren Reaktionen, als wegen des eigentlichen Dramas das er behandelt.
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hrxuuuu Mon, 26 Nov 2012 15:48:56 -0000
Kommentar löschenDurch die Ausbildung diesen Film gesehen und für einen Film aus Estland, ein echter realistischer und glaubwürdiger Psychothriller der das Thema Mobbing sowie Zusammenhalt qualvoll erzählt und am Ende so schockiert, dass ich 1 Woche langsam in die Schule gelaufen bin.
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JanoX Fri, 16 Nov 2012 16:09:51 -0000
Kommentar löschenDa mir der Film empfohlen wurde mit den waghalsigen Worten "das ist der bessere Elephant", konnte ich natürlich nicht länger zögern.
Diese Aussage ist meiner Meinung nach sogar echt bestätigt worden (und nicht weil Elephant so schlecht ist, sondern weil Klass ein klein wenig mehr bietet als die van Sant Einstellungen). Die einzelnen Charaktere und ihre Interaktion ist ein wenig realistischer, gut finde ich auch, dass die Idee des Amoklaufs sich erst während dem Film entwickelt.
Dazu kommen die Schauspielerleistung (auch wenn bei Elephant Laiendarsteller genommen wurden), die mich klar überzeugt hat, vor allem die Szene mit dem Stuhl im Klassenraum finde ich sehr gut!
Insgesamt natürlich schockierend real, zu was eine derartige, diktatorische Gruppendynamik bei Jugendlichen führen kann.
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boxcarsboxcars Tue, 30 Oct 2012 15:17:28 -0000
Kommentar löschenEine wirklich fabelhafte - in jedem Sinn des Wortes - Studie über Macht und Masse.
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4rM Sun, 28 Oct 2012 03:27:10 -0000
Kommentar löschenKlass - Ein Sozialdrama
Da wir schon viele Kommentare haben, denen ich mich gänzlich anschließen kann, möchte ich nur noch mal eine Sache schreiben, die mir bei "Klass" wiedermal aufgefallen ist.
Es ist die Rolle der "Mitläufer". Diese sind ein sehr mächtiges Detail. Den sie agieren in einer Masse und nicht aus ihrer eigenen Intention heraus. Sie sind abhängig von ihrem "Anführer", "Diktator" oder um es auf die Stufe des Schulalltages zu bringen, einem Typen, der mit übermäßig viel Selbstbewusstsein und Frauenanziehung ausgestattet ist. Mitläufer wollen sich in seiner Aura selbst in Schutz begeben und nicht in die Rolle des "Opfers" gelangen. Sie handeln nach der Meinung ihres Anführers und dazu kann eben auch immer öfters Mobbing und Erniedrigung anderer, die entweder durch Oberflächliche Begebenheiten vom "Führer" nicht gewollt und ohne selbst was hinzu zu steuern fertig gemacht werden, oder Individualisten, die ihr eigenes Ding durchziehen wollen, auf ihr Herz und ihren eigenen Verstand hören und deswegen dem "Führer" nicht ins Konzept passen.
Ist erstmal jemand gefunden der unterlegen ist entfaltet sich die "Gruppendynamik" und zerstört einen Menschen. Natürlich gibt es auch mal Lehrer die eingreifen, oder Eltern, aber ich denke die Dunkelziffer ist hoch. Auch wenn es nicht viele Amokläufe und Selbstmorde wegen Mobbing gibt im vergleich zu der Ausübung eben dieses Phänomens sind die Opfer in einer schwierigen Lage. Manche werden es nicht schaffen Fuß zu fassen und wieder völlig gesund zu werden ( psychisch).
Ich finde solche Filme müssten auch Teil eines Präventionsprograms sein, aber auch ziemlich früh mehr Arbeit am sozialen Miteinander. Ich finde, dass kann man beeinflussen. Man kann zeigen, dass eine Gruppe in dem Fall "Schulklasse" dynamisch und aus vielen verschiedenen Charakteren mit ihren individuellen Stärken und Schwächen besteht und das "anders" sein zum Beispiel etwas stiller oder schlauer oder dümmer usw. menschlich ist. Natürlich muss nicht jeder jeden mögen, aber es muss Regeln, die schon von frühester Kindheit nicht auf kalte und langweilige sondern auf aktive gelebte Auslebung treffen.
Ich finde vor allem kleinere Klassen sind ein Anfang damit Pädagogen auf die einzelnen starken und schwachen Glieder der Gruppe ein Auge haben.
Achso bevor ich hier noch zu Kritik an der Kritik der Kritik komme wollte ich euch diesen Film noch herzlichst empfehlen. Viel Spaß damit. Auf ein besseres Miteinander.
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4rM Sun, 28 Oct 2012 03:30:39 -0000
Antwort löschenIch bitte wegen der Fehler um Verzeihung die Uhrzeit ist voran geschritten.
Sternvogel Thu, 08 Nov 2012 21:13:13 -0000
Antwort löschen"Es ist die Rolle der "Mitläufer". Diese sind ein sehr mächtiges Detail. Den sie agieren in einer Masse und nicht aus ihrer eigenen Intention heraus. Sie sind abhängig von ihrem "Anführer", "Diktator" oder um es auf die Stufe des Schulalltages zu bringen, einem Typen, der mit übermäßig viel Selbstbewusstsein und Frauenanziehung ausgestattet ist."
Das ist so nicht ganz richtig, auch wenn es vordergründig so aussehen mag. Denn das, was ein solcher Täter vermeintlich von sich zeigt, das ist lediglich eine äußere Fassade. Der Anschein von Selbstbewusstsein soll durch das dominante und gewaltbereite Verhalten gegenüber den anderen und speziell auf Kosten von als schwach genug eingestuften Außenseitern demonstriert werden, weil es die Anerkennung anderer und eine gute Kontrollmöglichkeit über die Versagensangst verspricht. Es handelt sich hier um eine provozierte Machtdemonstration, die im Grunde nur eine reine Kompensation für ein in Wahrheit kaum vorhandenes Selbstbewusstsein darstellt.
Was die Mitläuferproblematik angeht: Ich würde sagen, dafür ist am ehesten die Einschüchterung durch die rohe Gewalt ausschlaggebend und nicht etwa eine menschliche Anziehungskraft. Ausschlaggebend deswegen, um nicht selbst zu einem angegriffenen Außenseiter zu werden bei einer Gegenwehr. Weil solche Täter, die so extrem wie in diesem Film sind, kaum noch Gewissensbisse zeigen. Allein das macht sie schon überlegen und sehr gefährlich. Abgesehen davon wirken sie eher abstoßend. Es ist eben ein Spiel mit der Macht und mit der Angst anderer, das hier gespielt wird. Und damit ist es zutiefst manipulativ.
Magliner Narzissmus ist immer verbunden mit extremen Hassgefühlen, die zwecks Abreaktion von Zeit zu Zeit auf andere projiziert werden müssen. Und das ist leider immer verbunden mit extremen Folgen für alle Menschen, die solchen Menschen begegnen müssen. Dieser Film zeigt die fatalen Auswirkungen (und auch seine zerstörerisch wirkende Ansteckungskraft, allein durch die vielen brutalen Demütigungen bedingt) wirklich auf eine sehr gnadenlos realistische Art und Weise.
Gurkey Fri, 12 Oct 2012 18:43:37 -0000
Kommentar löschenDer Film ist absolut klasse und authentisch. Er beschreibt den Leidensweg eines Jungen, der von seinen Mitschülern täglich gemobbt wird und schließlich einen Amoklauf als letzte Möglichkeit sieht.
In unserer Gesellschaft werden Amokläufer im Allgemeinen als böse Jungs dargestellt, dabei kennt man gar nicht die Beweggründe zu diesen Taten.
In diesem Film ist genau das einfach super dargestellt, sodass man die Taten des Protagonisten nachvollziehen kann.
Einzig und allein die deutsche Synchronfassung hat mich etwas gestört, da sie teilweise etwas die Athmosphäre im Film zerstört.
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Weltenkind Fri, 03 Aug 2012 09:56:41 -0000
Kommentar löschen"Das Handeln ist bei den organischen Wesen die vorzüglichste Bestimmung des Lebens, der Gesundheit und der Kraft. Durch das Handeln entwickelt es seine Fähigkeiten, vermehrt es deren Stärke und erreicht den Gipfel seiner Bestimmung."
- Pierre Joseph Proudhon, Der Krieg und der Friede
Die Verachtung, der Hass und die Ablehnung die der Mensch in der Lage ist zu definieren lebt er in dem Sinne aus, dass er diejenigen straft, die der Schwäche zum Opfer fallen. Die Schwäche der sozialen Kompetenz, dessen sich dem Anzupassen was für andere "normal" ist. Dadurch kommt es für jeden Menschen soweit, seine Individualität und sogar seine Ehre zu verlieren. Aber es gibt jene, die sich dem sträuben. Die Wenigsten wissen, dass sie sich der Konformität der Masse widersetzen und dadurch zur Zielscheibe werden. Dieses Phänomen findet sich in allerlei Verhaltensformen. Besonders beliebt: Schüler in der pubertären Phase, mittendrin sich selbst zu finden und dem stärksten Druck ihres Lebens ausgesetzt zu sein. Das Einknicken jener Individuen, von denen die Rede war, stellt sich dann im Mobbing dar.
Jeder kennt das Phänomen, in der sich die Klasse gegen einen einzelnen Schüler stellt. Ob aus eigener Hand, dritter oder der bildhaften Darstellungen wichtiger Filme wie diesen. KLASS erzählt auf erstaunliche Weise die Geschichte zweier Jungen, die in ihrem Grundtyp unterschiedlich, aber doch im Herzen gleich sind. Sie verbindet der Stolz und die Ehre. Als "Mobbingopfer" steht Joosep im Fokus der Aufmerksamkeit aller. Es vergeht kein Tag, an dem er nicht den qualvollen Attacken seiner Mitschüler zum Opfer fällt. Von Tag zu Tag quält er sich durch den Alltag in der Schule und stellt die stereotypen Verhaltensweisen dar. Er schweigt über sein Leid, er petzt nicht, nimmt seine Feinde in Schutz und bleibt standhaft in seinen Aussagen. Aber nur solange bis er wieder Opfer der Attacken wird. Ein Mitschüler, der Zweifler, der Verliebte beobachtet dies und empfindet Mitleid. Es entsteht etwas - eine Freundschaft die selbst diese schwere Zeit, oder gerade deswegen zu blühen beginnt. Sie gipfelt in unermüdlicher Selbstopferung des Einen und der aufbauenden Stärke des Anderen. Während Joosep zu wachsen beginnt, ist es sein Freund Kaspar der allmählich immer mehr sinkt, schwächer wird und sich schlussendlich der einzigen Konsequenz stellt.
KLASS zeichnet besonders die realistische und schonungslose Darstellung der schulischen Gemeinschaft aus. Es bleibt farblos, nass und gemein, genauso wie man sich die Welt in der die Protagonisten leben vorstellt. Keine Hochglanzbilder schmücken das Bild, sondern die harte Realität, die einen wunderbaren Zugang zur Gedankenwelt der Jungen gibt. Einige Szenen, besonders die in denen das Augenmerk auf Joosep und Kaspar liegt kommen eindrucksvolle Bilder zustande. Der Ausraster von Kaspar, die Konfrontation am Strand oder der alles entscheidende Schluss. Zwar schwächelt der Film ab und zu in der Mitte, rettet sich dann aber in herausragenden Sequenzen.
Sicher ist, dass KLASS ein sehr wichtiger Film für Schüler und Schule sind. Er zeigt die Konsequenzen nicht so wie HOMEVIDEO, in der nur der Protagonist dem Ende ins Auge sieht, sondern stellt ganz Bewusst das dar, was für jeden wichtig ist: Das eigene Leben.
"Ich sterbe nicht. Euch zum Trotze."
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Weltenkind Mon, 06 Aug 2012 14:25:26 -0000
Antwort löschenFreut mich zu hören.
4rM Sun, 28 Oct 2012 03:00:58 -0000
Antwort löschenToller Kommentar Weltenkind :)
DerDude_ Sun, 22 Jul 2012 16:27:26 -0000
Kommentar löschenSprachlos. Was ein Schock !
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DerDude_ Mon, 23 Jul 2012 06:56:17 -0000
Antwort löschenAbsolut !
JackoXL Tue, 12 Jun 2012 18:36:04 -0000
Kommentar löschenDieser Film kommt aus Estland, könnte aber genau so gut aus jedem anderen Land der Welt stammen. Das geschilderte Drama ist so global wie nur wenige. In seiner drastischen Form mag es vielleicht überdramatisiert wirken, aber ist es das? Ich glaube jeder von uns hat so was mal erlebt. Hoffentlich nicht so kompromisslos, hoffentlich nicht als Aktiver, aber im Kern kennt das wohl jeder, der mal eine Schule besucht hat. Es gibt die Aussenseiter, ist ja auch ganz normal, es wird wohl nie eine homogene Gruppe aus unfreiwillig zusammengestellten 20 + X Leuten geben. Mindestens einer passt da nicht rein. Er muß nicht zum Opfer werden, eventuell wird er in seiner Art einfach akzeptiert. Die Gefahr besteht aber zweifellos. Und wenn sich eine Gruppe erstmal auf ein Opfer eingeschossen hat, mutieren im ersten Moment harmlos wirkende Hänseleien bald zu Psychoterror.
"Klass" schildert diese schockierende, aber nicht ungewöhnliche Situation in einem dokumentarisch anmutenden Stil. Dadurch wirkt es authentisch und schonungslos. Selbst wenn die eigenen Erfahrungen nicht dem geschilderten Szenario entsprechen, es erscheint grausam echt. Das alles hätte unter anderen Bedingungen passieren können. Der Psychoterror, wie die daraus resultierende Katastrophe. Das dies der traurigen Realität entspricht, hat uns das Geschehen in diesem Jahrtausend mehrfach verdeutlicht.
Das verdeutlicht auch "Klass". Ein beeindruckender Film jenseits von Hollywood, der alle Facetten einer solchen Tragödie beleuchtet. Man fühlt und leidet mit den Opfern des Mobbings, man spürt die aus dem Ruder laufende Gruppendynamik, die eigentlich passive Schüler zu ebenso schuldigen Mittätern macht, man sieht das Versagen von Lehrern und Eltern, die das Problem entweder nicht erkennen oder komplett falsch mit der Situation umgehen. Das alles ebnet den Weg für eine fast logische, bittere Konsequenz.
"Klass" ist erschütternd, nah am Leben, wenn vielleicht auch etwas knapp abgehandelt. Dem Film hätten aus meiner Sicht 20-30 Minuten mehr Laufzeit gut getan, so wirkt das Finale für mich persönlich etwas zu schnell herbeigeführt. Das bleibt aber der einzige Kritikpunkt. Ganz stark.
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moviee Tue, 12 Jun 2012 20:48:06 -0000
Antwort löschenSchöner Tipp, hört sich interessant an -> Vorgemerkt!
Kreaexo Wed, 04 Apr 2012 19:51:02 -0000
Kommentar löschenIn mir rebelliert etwas. Ein Teil meiner Psyche redet sich die ganze Zeit ein, dass es so etwas nicht gibt, nicht geben darf. Der etwas größere Anteil jedoch hat erkannt, dass Mobbing, wenn auch in geringerer Form, an den meisten Schulen Gang und Gebe ist. Nicht selten kommen Nachrichten aus aller Welt, dass es wieder Amokläufe an Schulen gegeben hat und selbst in Deutschland kam das schon des öfteren vor. In 'Klass' wir ein besonders schwerer Fall überspitzt, in der makabersten und bitterbösesten Form und zum Glück auch etwas realitätsfern dargestellt. Diesem Umstand ist es zu Verdanken, dass ich den Glauben an den Menschen noch nicht verloren habe. Nicht überall reagieren die Eltern und Lehrer so fahrlässig wie hier. Nicht überall gibt es solche Schüler, die mit ihrer Aggressivität Missstände zum Beispiel im sozialen Umfeld kompensieren wollen/müssen, damit es ihnen selbst besser geht. Zwar kann ich nicht verleugnen, dass es Mobbing in meiner Schullaufbahn bisher gab und ich vor ein paar Jahren auch einen meiner Mitschüler gehänselt habe, doch soweit wie hier habe ich es nie getrieben. Ich habe erkannt, wann Schluss und das Maß voll ist. Körperliche Gewalt zum Beispiel wurde nie angewandt. Aber ich möchte mich jetzt nicht als Wohltäter klassieren, denn das bin ich wahrlich nicht. Ich wurde gemobbt und habe gemobbt. So wie jeder wahrscheinlich.
Wieso die Sache bei mir/bei uns nicht eskalierte ist ganz klar der Situation und der Einsicht zu verdanken. In 'Klass' hat niemand eingesehen wann Schluss ist. Und das ist auch der Grund, wieso ich finde, dass es die meisten am Ende einfach nicht anders verdient haben.
Die eindrucksvollste Szene war für mich nicht das Ende, sondern der Punkt, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Nämlich die Szene am Strand. Und dort auch nicht die eigentliche Tat, sondern wenige Augenblicke davor. Als Thea vortrat und die Beziehung zu Kaspar leugnete. Was habe ich in diesem Moment einen Hass auf sie geschoben. [Verzeiht mir das Folgende, ich kann es nicht anders ausdrücken:] So eine hinterfotzige Aktion habe ich noch nirgendwo gesehen. Das ist an Ekel und asozialem Verhalten nicht mehr steigerbar. Das ging ja schon vorher los, als Kaspar der einzige der ganzen Klasse; ich mag schon fast schreiben der ganzen Schule, da das Lehrerkollegium auch völlig falsch reagierte; war, der Joosep verteidigte und Thea nichts besseres zu tun hatte, als ihn dafür zu verachten. Sie nahm sogar an, dass Joosep wichtiger für ihn sei als sie. Was für eine blöde http://stevinho.justnetwork.eu/files/2010/10/otze.f.jpg (Entschuldigt bitte nochmals).
'Klass' ist ein verdammt wichtiger Film, welcher im Sozialkundeunterricht jeder Schule gezeigt werden sollte. 'Klass' ist ein Film, der es durch seine drastische Art mit dem Thema Mobbing umzugehen es die ganze Zeit fertig gebracht hat, den Zuschauer an sich zu binden und nicht mehr loszulassen. 'Klass' ist ein Film, welcher mir höchstwahrscheinlich noch eine Ewigkeit im Kopf bleiben wird. 'Klass' ist ein Film, bei dem es aufgrund der einprägsamen Momente scheiß egal geworden ist, dass die deutsche Fassung total asynchron ist. 'Klass' ist wahrlich kein Film für jeden und schon gar keiner für zwischendurch. Man muss sich auf ihn einlassen. Wenn man das getan hat, trifft er einen genau da wo es wehtut. Im Innersten der Psyche. Und aufgrund der Widerhaken, die dieser Film hat, krallt er sich für eine lange Zeit dort fest.
"Zuletzt kommen immer die Schwuchteln. Thea, liebst du wirklich eine Schwuchtel?"
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hollygolightly1 Wed, 04 Apr 2012 19:56:11 -0000
Antwort löschenToll geschrieben! Jetzt will ich den Film sehen.
sweetForgiveness Wed, 04 Apr 2012 20:01:01 -0000
Antwort löschenToller Text! Wirklich fesselnd!
Alle 4 Antworten zeigen
Kreaexo Wed, 04 Apr 2012 23:27:35 -0000
Antwort löschenDanke für das Lob. :)
IceLady91 Thu, 05 Apr 2012 16:31:36 -0000
Antwort löschenDann weiß ich, was ich dieses Wochenende anschauen werde! :D
Danke Kreaexo - wirklich gut geschriebener Text!
Jenny von T Sun, 11 Mar 2012 19:53:18 -0000
Kommentar löschenDer Mensch braucht die Gemeinschaft. Jede Gemeinschaft braucht ein Feindbild. Dieses wiederum will genährt werden. Bis es zum Selbstläufer wird. Eine Schulklasse, wild zusammengewürfelt, sowie ein rat,- hilf,- ahnungsloses oder einfach nur ignorantes Umfeld bilden für Entwicklungen dieser Art praktisch das perfekte Gefüge und liefern den Zündstoff, den "Klass" ohne Rücksicht auf sein Publikum hochgehen lässt.
Auf bemerkenswerte Art und Weise wird hier nicht der vor Klischees triefende Zeigefinger erhoben, werden keine Lösungsansätze präsentiert, sondern stattdessen Täter- und Mitläuferprofile erstellt, in denen sich JEDER irgendwo wiederfindet, und genau das macht den Film so herrlich unbequem und schmerzhaft. "Klaas" kämpft um seinen Dokumentationscharakter, ist aber einfach zu mitreißend, um nur als nüchternes Malen nach Zahlen durchzugehen.
Auch, wenn es auf den ersten Blick so scheint: Hier gibt es nicht nur die bösen Mitschüler, die mangelndes Profil durch Markenklamotten und Alphatier-Gehabe (welches, für sich genommen, für eine gewisse Altersgruppe in einem bestimmten Maße übrigens absolut normal ist) ausgleichen, nein, es versagen bei näherer Betrachtung vor allem auch diejenigen, auf die es am meisten ankäme: Lehrer, Eltern, Überwachungsgaranten. Selbst die unter ihnen, die es gut meinen, kapitulieren letztenendes, bewusst oder unbewusst, vor einem Mangel an Kommunikation, und zwar ALLER Beteiligten, wofür niemand und doch jeder etwas kann - genau hier liegt die große Stärke von "Klass", denn genau hier trifft der Film einen Wahrheitskern wie kaum ein anderes mir bekanntes Werk, das sich mit der Psychologie von Amokläufern auseinandersetzt.
Wer nach dem Abspann jedoch ein tiefes Gefühl der Befriedigung empfindet, der hat zwar sicher Herz, ist dem Film allerdings so richtig auf den Leim gegangen, denn, noch einmal: Ilmar Raag liebäugelt gerade nicht mit einer - wortwörtlichen - Auslöschung des Brandherdes, sondern verhilft seinem Film - dessen Intention eben doch eine durchweg dokumentarische ist - dadurch zu seiner Wirkung, dass er Entwicklungen auf die höchst denkbare negative Spitze treibt und "Klass" dadurch zu einem nicht zu verachtenden Schlag in die Magengrube macht.
Ein Film wie eine bittere Pille, die jeder einmal schlucken sollte - und die jeder Schulklasse in diesem Land einmal verabreicht werden sollte.
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Jenny von T Sun, 11 Mar 2012 20:01:55 -0000
Antwort löschenDanke, danke. :-) Nachdem du den Film eher subjektiv und ich eher objektiv beleuchtet habe, dürfte nunmehr wirklich alles gesagt sein. :-p
Jenny von T Sun, 11 Mar 2012 20:08:54 -0000
Antwort löschenAch, lass' mich uns beide doch ein wenig beweihräuchern.
ReaL89 Thu, 23 Feb 2012 04:19:54 -0000
Kommentar löschenLeider lässt die sehr schlechte deutsche syncro kein wirkliches eintauchen in den Film zu. Da der Film an sich schon eher "kostengünstig" produziert wurde lässt die syncro diesen noch "billiger" erscheinen. Dennoch hat mich das Ende wirklich überzeugen können. In O-ton wäre sicherlich deutlich mehr als 6 Punkte drin gewesen. Schade
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JanoX Tue, 17 Apr 2012 15:55:26 -0000
Antwort löschenund was kann der estnische Film dafür, wenn billig gedubbt wird?
I_have_seen Tue, 17 Jan 2012 23:38:21 -0000
Kommentar löschenNach langer Zeit und nach langer Suche habe ich endlich mal wieder etwas gewagtes (und für den Kopf und das für sittliche Gemüt) "herausvorderndes Kino" gesehen.
Es ist schön über einen Film mal sagen zu können:
"Ich finde es lohnt sich, sich die Zeit zu nehmen diesen Film zu sehen auch oder gerade weil dieser Film keine leichte Kost ist."
Tatsächlich würde ich meinen, dass man um ein "(dumpfes) Beklemmendes Gefühl" nicht herumkommt. Die Konstellation ist eben eindruckvoll "in Szene gesetzt" ... eine Gruppe wird aus sich selbst heraus eine Herarchie bilden, es wird eine Ordnung und eine "Marsch"Richtung erzwungen und es zeigt sich das es dabei menschlich betrachtet ziemlich hässlich werden kann. Dieser Film zeigt "Junge Menschen" als Täter, Komplizten oder als Mitwisser die allsamt unheilvoll miteinander gegen zunächst ein dann zwei "Opfer" verstrickt haben. Sowas sieht man selten in Form eines Films. Die Geschichte wie sie im Film "Das weiße Band" erzählt wird ins hier und heute versetzt. Dafür gibt es verdienter maßen Preise und Auszeichnungen: für Authentizität, für die Aktualtität der Sozialen Frage, für Mut und bedacht. Und Ja, mit der Luppe betrachtet finde ich auch jeweil den einen oder anderen Film gibt der dies und das schon mal besser "Inzeniert" hat, konkret meine ich die eine oder andere Interaktion oder die Dramaturgie des Films.
Alles in allem bleibt es dabei ... ein mutiger und beklemmend eindrucksvoller Film.
Beste Szene:
Kurz vor dem "Showdown" in der Tür zur Kantine sagt Joosep fragend: "Hast du Angst?" und die Antwort ist treffend und eindeutig.
Schlechte Szene:
die Szene kurz vor meiner Besten... :-C ...schön doof
Kleiner Filmtipp:
Amok (mit Christian Slater)
Das weiße Band (allerdings sehr viel geheimnisvoller erzählt und sehr retrospektiv)
Moon (was das menschliche Frage angeht ...ein grandioser Wurf und mit einer grandiosen Atmospähre)
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HxC_Moe Sat, 17 Dec 2011 23:11:48 -0000
Kommentar löschenZwar etwas unrealistisch und klischeehaft, aber verdammt gut gespielt und eindrucksvoll ist dieser Schul-Mobbing mit Anschließendem Amoklauf-Film. Die Kamerarbeit ist ab und an etwas hektisch und billig, aber sonst ist so alles ganz gut gemacht. Die Schauspielerischen Leistungen sind zwar nach dem Klischeemuster entsprechend, aber dafür ziemlich gut, und das ist auch wichtig, denn davon lebt der Film schließlich. Dass es auf einen Amoklauf rausläuft ist schnell klar und dieser wird auch recht schockierend und realistisch dargestellt. Hätte man sich etwas weniger auf Klischees spezialisiert und hätte man alles ein bisschen professioneller produziert, hätte es noch besser sein können, so ist es aber auch okay.
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baser Sat, 03 Dec 2011 11:40:42 -0000
Kommentar löschenEin verstörender, bösartiger Film.
Problematisch ist, dass sich der Film teilweise nicht bloß rückwärts als Studie über die Entstehung von Gewalt lesen lässt sondern auch als Rechtfertigung von Rache und Gegengewalt als scheinbar einziger Ausweg. Die Identifikation des Zuschauers mit dem Protagonisten Kaspar trägt dazu nicht gerade wenig bei...
Zum Glück wird dieser Gefahr zum Schluss entgegengewirkt, indem der Amoklauf sehr drastisch und ungeschönt dargestellt wird. Die Identifikation mit Kaspar wird bis kurz vor Ende (Zeitlupenszene) auf die Spitze getrieben, dann aber mit den ersten Schuss jäh zerstört.
Der Film ist in seiner Logik konsequent, keine Frage. Ob hier nicht doch eine gewisse Grenze überschritten wird, muss jeder selbst beurteilen...
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