Korankinder
Korankinder (2009), DE Laufzeit 89 Minuten, FSK 6, Dokumentarfilm, Kinostart 04.06.2009
7.8
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von Shaheen Dill-Riaz,
Mit jedem neuem Film vollbringt der Regisseur Shaheen Dill-Riaz ein kleines Wunder. Trotz des Bilderverbots gelang es ihm mit seiner Kamera Zugang zu den religiösen Schulen, den Madrasas, zu bekommen. Dort lernen die Kinder bei ihrer Ausbildung zum Hafiz die 6234 Verse des Koran auswendig. Der Film zeigt die geheimnisvolle Institution der Madrasa durch die Augen von Lehrern und gesellschaftlichen Autoritäten, vor allem aber der Schüler und Eltern. “Korankinder” stellt die virulenten Fragen nach dem Einfluss der Religiösen im Bildungssystem der Gesellschaft.
Cast & Crew
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Shaheen Dill-Riaz
Regie
Schauspieler
-
Shaheen Dill-Riaz
- Genre
- Sozialstudie
- Zeit
- Aufklärung
- Handlung
- Bildung, Islam, Koran, Moschee
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Kritiken (3) — Film: Korankinder
Matthias Dell: Der Freitag Matthias Dell: Der Freitag
Kommentar löschenShaheen Dill-Riaz verschweigt in seinem Film nicht, dass es Hemmungen in der intellektuellen Sphäre Bangladeshs gibt, sich mit der Renaissance des Religiösen auseinanderzusetzen. Er leitet daraus keinen fundamentalen Furor zur Aufklärung ab, der Verteidigern der so genannten westlichen Werte hierzulande eignet. Auch wenn der mit persönlichen Betrachtungen an manchen Stellen zu stark durchsetzte Essay den betenden Kinder ästhetisch eher ratlos gegenübersteht – die Kamera fährt die rezitierenden Schülermassen immer nur ab –, lässt Korankinder doch ein Ideal erkennen im Umgang mit der Religion, wie es der Vater des Filmemachers pflegt: als private Angelegenheit, die nicht danach trachtet, einen Kampf damit zu führen. Dafür freilich bedarf es auch einer Ausdehnung der Mittelschicht.
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Der Redaktör: kino-zeit.de Der Redaktör: kino-zeit.de
Kommentar löschenKorankinder verbindet auf bemerkenswerte Weise Einblicke in die Madrasas mit dem privaten Blick von Shaheen Dill-Riaz auf seine eigene religiöse Erziehung und auf die Entwicklung des Islam in seiner Heimat Bangladesh. Er urteilt nicht, sondern stellt Fragen – an sich selbst, an seine Angehörigen, die allesamt zur privilegierten und nicht sonderlich religiösen Mittel- bis Oberschicht im Lande gehören. Und er gibt keine Antworten. Doch dass sich in Bangladesch dringend etwas ändern muss, das merkt man als Zuschauer sowieso ganz schnell. Spätestens dann, wenn man in die Gesichter der Korankinder sieht.
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Jürgen Kiontke: Jungle World, ai-Journal, K...
Kommentar löschenShaheen Dill-Riaz wurde 1969 in Dhaka, Bangladesch, geboren. Er war Mitorganisator des International Short Film Festivals Dhaka und arbeitete als Filmjournalist. Nach einem Studium der Kunstgeschichte an der FU Berlin begann er 1995 ein Kamerastudium in Filmhochschule Potsdam-Babelsberg.
Sein Abschlussfilm „Sand und Wasser“ zeigt das Leben der Menschen im Jamuna-Delta, wo das Leben der Menschen vom Rhythmus des Wassers, von Dürre und Überflutung bestimmt wird.
Richtig bekannt wurde er mit dem Dokumentarfilm „Eisenfresser“ - 2005 verbrachte mit seinem Team fünf Monate bei den Arbeitern auf einer Werft am Strand von Chittagong.
Mit seinem neuen Film „Korankinder“ findet er Zugang zur Religion – und drehte in den Schulen, in denen die Verse des Koran auswendiggelernt werden, den Madrasas. Sie gelten als Kaderschmieden des islamistischen Terrors.
Für die Wochenzeitung Jungle World führte ich ein Interview mit dem Regisseur.
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Tobias 2009/06/04 19:40:50
Antwort löschensuper interview. Danke für den Link!
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Kommentar schreibenCash 2009/06/08 12:08:04
Kommentar löschenRegisseur Shaheen Dill-Riaz erzählt in seiner Dokumentation Korankinder verschiedene Geschichten. Die der Kinder zum Beispiel, die täglich in den Madrasas neue Suren aus dem Koran lernen, fast ohne Freizeit und Raum für eine tatsächliche Kindheit. Die der anderen Kinder, die aus den Madrasas ausgestiegen sind und nun entweder arbeitslos ein trostloses Leben führen oder dank der Unterstützung liberaler Eltern die Möglichkeit auf eine zweite Chance in einer staatlichen Schule gefunden haben. Die der Koranlehrer, den Hafiz, zum Beispiel, die sich und ihrer Familie mit ihrer Tätigkeit ein besseres Leben im Jenseits erhoffen, unberührt von der weltlichen Bildung, mit einem Auge immer Richtung Tod starrend. Die des Prof. Salimullah Khans, der öffentlich die Madrasas kritisiert und ihren Wandel von einer Bildungseinrichtung für Muslime – einem Gegenentwurf zum britischen Bildungssystem, eingeführt zu Kolonialzeiten – zur reinen Religionsschule. Und – vielleicht am gewichtigsten – die seines Vaters und die seiner Mutter; beiden wären nie auf die Idee gekommen, ihren Sohn auf eine Madrasa zu schicken. „Ich hätte diese Madrasa höchstpersönlich demoliert“, sagt sie, der Vater lächelt, amüsiert von der forschen Art seiner Frau. Und als der Sohn am Ende den Vater fragt, was Religion denn für ihn bedeute, will er das nicht verraten. „Erst, wenn du vierzig bist“, sagt er. „Aber ich bin doch 38“, antwortet der Sohn. „Dann warte eben noch zwei Jahre.“
Korankinder brilliert mit Nahaufnahmen und der sympathischen Erzählstimme. Oft stört es in Filmen, wenn Kinderköpfe den gesamten Bildschirm ausfüllen; zu sehr dominiert das Gefühl, der Regisseur wolle Mitleid erregen oder ein „och, wie süß“ oder „oh, wie traurig“ provozieren. Doch die Kinder in diesem Film werden dafür nicht instrumentalisiert. „Ich denke, dass man in den Gesichternsehr viel lesen kann“, sagt Dill-Riaz. Und er hat Recht: Oft hält er mit seiner Kamera inne, lässt Momente wirken. Erfrischend ist auch die Vielfalt des Filmes; verschiedene Seiten werden beleuchtet, die Madrasas nicht vollständig dämonisiert, sondern erklärt. Der Film spielt vollständig in Bangladesch, wie alle Filme von Shaheen Dill-Riaz. Wer ihn sich anschaut, lernt nicht nur Fakten über eine fremde Welt, sondern auch, diese fremde Welt einigermaßen zu verstehen. Und genau dafür sind Dokumentationen doch da.
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