Kurbaan

Kurbaan (2009),
Laufzeit 161 Minuten, Thriller, Drama, Kriminalfilm, Actionfilm

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Kurbaan - Bild 6881754
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stuforcedyou

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Bewertung9.0Herausragend

Ein guter Thriller, ist wie eine optische Täuschungen. Auf den ersten Blick meint man alles zu erkennen, doch dann, wenn man den Blick etwas neigt kommt die Wahrheit zum Vorschein. "Kurbaan“ ist ein guter Thriller und damit auch eine gute Täuschung. Von Beginn an spielt er gekonnt auf der Klaviatur des Bekannten und gerade wenn man glaubt, der Film bewege sich in absehbaren Bahnen, wechselt der Regisseur den Kurs.

"Kurbaan" ist ein bemerkenswerter Film, denn seine Sprünge quer durch die Erwartungen des Zuschauers vollführt er in Eintracht und Harmonie mit perfekt ausgetüftelter Konzeptation. Was anfangs noch willkürlich wirkt ist letztlich sauber aufeinander abgestimmt. Ein inszeniertes Kartenhaus und die Spannung wenn eine neue Karte hinzukommt sind meisten groß. Der Trick dabei ist eigentlich simpel: Jedes Mal, wenn sich der Zuschauer sicher fühlt, wenn er glaubt er wüsste was Ihn erwartet, holt der Film eine neue Überraschung, eine neue Wendung hervor und tischt sie dem verdatterten Zuschauer auf. So wächst das Kartenhaus. Die Kunst besteht darin es wackeln aber nicht einstürzen zu lassen. Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen Film und Publikum, welches der britische Meisterregisseur Alfred Hitchcock aus dem FF beherrschte. Hitchcock hätte sicherlich seine helle Freude an "Kurbaan", denn der Film hält sich an die altmodische aber niemals veraltete Regel, den Zuschauer im Glauben zu lassen, er wüsste immer mehr als die Protagonisten, bzw. Helden des Films, ist aber in Wirklichkeit genau so Ahnungslos wie diese.

Regisseur Silva konnte für seinen ersten, großen Spielfilm bekannte und beliebte Stars des indischen Kinos verpflichten. Ganz vorne Kareena Kapoor und Saif Ali Khan (http://www.indofilms.de/6948469b8d0bf9f26/6948469b8e0d8ed05/kurbaan2009.php). Dass die zwei Stars auch in Wirklichkeit ein Paar sind dürfte für den Bollywood Boulevard interessant sein, aber ihre darstellerischen Leistungen macht klar, dass die Beiden auch ohne ihre Beziehung die Love Story des Films authentisch und gefühlvoll rüberbringen können und auch im dramatischen sowie im Thriller-Part des Filmes wissen sie zu überzeugen.

Der klare, charismatische Fixpunkt von "Kurbaan" ist aber der Journalist Riyaz, der von Vivek Oberoi einfach nur grandios dargestellt wird. Oberoi kann hier sein Können voll ausspielen. Spitzbübisch, verletzt, tosend, machtlos und dies sind nur ein paar Facetten seiner gelungenen Leistung. Ich will die anderen Darsteller nicht schlecht machen, auch sie zeigen was sie können doch am meisten hat mich Zweifellos Vivek Oberoi fasziniert. In seinen besten Momenten (davon gibt es viele) macht er die Ohnmacht, die Zerrissenheit seiner Figuren spürbar. Sein Handeln aus der Verzweiflung gehört ohne Frage zu den besten Darstellungen, die ich letztes Jahr sehen durfte. Doch leider hat die größte Schwäche auch mit dieser Figur zu tun, denn leider wird Riyaz gegen Ende vom Film etwas nachlässig behandelt. Natürlich Kapoor und Khan stehen dann im Fokus, doch die Sogwirkung des Charakters von Riyaz, seine Verletzlichkeit und seine damit verbundenen Taten, die zwischen brutaler Drastik und unsicheren Heldentum umher pendeln, erreichten im Laufe des Filmes eine größere Faszination als die Entwicklung des Liebespaares. Vivek Oberoi besitzt hier einfach das bessere Format.
Doch nicht nur Oberoi besitzt ein gutes Format, sondern auch "Kurbaan" selbst. Zu Beginn erinnert der Film zwar noch etwas an das typischen, indische Filmklischee, mit Tralalala und schmachtenden Blicken, doch Regisseur Silva versteht es drastisch und gekonnt diese bekannten Stereotypen in Zaum zu halten und sie später komplett aus der Inszenierung zu streichen. Ehrlich: Im späteren Verlauf wären Musik- und Tanzeinlagen wirklich nicht angebracht, denn die düstere und vor allem anscheinend so ausweglose Situation der Figuren braucht charakterliche Tiefe, kein Singsang.

"Kurbaan" thematisiert neben dem Thema Rache und Vertrauen auch die Angst vor dem Islam, die am 11. September 2001 durch den Anschlag auf das World Trade Center sich wie eine Feuerwalze ausgebreitet hat. Man kann Regisseur Silva durchaus vorwerfen, er nutze die Angst vorm Terror für seinen Film, aber damit steht er nicht alleine da. Die Angst der Menschen war schon immer ein Motor für spannende Geschichten. Man bedenke nur, wie viele Filmhandlungen alleine aus der Angst vor der Eskalation des kalten Krieges entstanden sind. Außerdem verzichtet "Kurbaan" auf ein reines Gut und Böse. Hier besitzt jede Figur etwas Menschliches, etwas Ambivalentes. Zwar bricht der Film das alte Schwarz-Weiß-Schema nicht vollends auf, auf stereotype Figuren wie aus einem schlechten Groschenroman oder ur-alten Bollywood-Schinken verzichtet er aber. Ein durchaus mutiger Schritt, vor allem wenn man bedenkt, dass es sich die Macher so erschwert haben Empathie zu den Figuren aufzubauen. Selbst bei der Figur des Riyaz, die eigentlich als Sympathieträger per excellence angelegt ist, wagen es die Macher die Struktur der Sympathie zu durchbohren. Wenn Riyaz sich vom handsome boy zum kalten, mit der Situation aber überforderten, Rächer wandelt, so zeigt "Kurbaan" dies mit realistischer Härte. "Kurbaan" ist kein Märchen, kein Heldenepos. Kurbaan" ist ein Thriller, der den Zuschauer nach einem freundlichen Start mit (unübertriebener) Härte die Folgen seiner Protagonisten vor Augen hält. In seinen besten Momenten erinnert "Kurbaan" an die mehrfach ausgezeichnete Rache-Trilogie des südkoreanischen Regisseurs Park-Chan Wook. Ein größeres Lob, für diese Art von Film gibt es nicht.

Fazit: "Kurbaan" darf sich mit Fug und Recht als filmisches Highlight bezeichnen. Einer der spannendsten und ambitioniertesten Filme aus Indien der letzten Jahre, der es auch mit groß budgetierten Hochglanzproduktionen andere Länder locker aufnehmen kann, ohne ins Schwitzen zu geraten. Ein guter Film ist ein guter Film, egal woher er kommt.

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