Eine Perle Ewigkeit - Kritik

PE/ES 2009
Laufzeit 94 Minuten, FSK 12, Drama, Kinostart 05.11.2009

Kritiken (7) — Film: Eine Perle Ewigkeit

Ciprian David: NEGATIV

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7.0Sehenswert

...So steht nun Fausta da, im Alltag der Armenviertel Limas, mit einer toten Mutter, für deren Bestattung ihr das Geld fehlt, und mit einem mythischen Zufluchtsort dessen Kardinalpunkte Elend und sein Besingen konstituieren. Die starke Bindung zu ihrer Mutter und zur kulturellen Vergangenheit, die von der Mutter exponentiell verkörpert wird, zeigt sich nicht nur an ihrem Bedürfnis nach Nähe zu dem toten Körper, sondern auch an ihrer Lebenseinstellung, welche direkt vom Inhalt der Lieder der Mutter beeinflusst wird. Die Misshandlung der Mutter als Hochschwangere während des Bürgerkriegs im Peru des vergangenen Jahrhunderts wird zum Motor von Faustas Lebensprinzip. Dem Ekel Männern gegenüber wird Ekel entgegen gesetzt, und die konkrete Methode bringt gravierende gesundheitliche Probleme für Fausta mit sich. So wird die Wahl Faustas die sein zwischen der Anhängerschaft dieser Verteidigungsmethode verbunden mit dem impliziten Tod (als Stellvertreter für die Wahl der Vergangenheit, der mythischen Welt der Lieder) und der Annahme des Lebens, der Gegenwart, der Entwicklung, so wie der Alltag sie schildert....

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Jürgen Kiontke: Jungle World, ai-Journal, K...

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7.5Sehenswert

„Eine Perle Ewigkeit“ lautet der Titel des diesjährigen Berlinale-Gewinnerfilms, der im Original „La teta asustada“ heißt, auf Deutsch: „Die erschrockene Brustwarze“. Der Film bot Kritikern ob solcher und anderer Petitessen Anlass zu Spott und Hohn – vielleicht, weil man hierzulande mit einer Bildsprache voll mythischer Anspielungen und phantastisch durchwirkter Gegenwart nicht allzuviel anfangen kann.
„La teta asustada“ war der erste peruanische Film, der jemals im Wettbewerb der Berliner Filmfestspiele lief. Er übersetzt brutale Ereignisse der jüngsten Geschichte des Landes in äußerst eigenwillige Bilder. Am Schicksal des Dienstmädchens Fausta werden die Folgen des Bürgerkriegs zwischen dem Militär und der Guerilla „Leuchtender Pfad“ thematisiert, der von 1980 bis 2000 über 70.000 Menschenleben kostete.
Fausta ist ein Opfer der „Milch des Leids“ – einer magischen Krankheit, die durch die Muttermilch übertragen wird: Nach einem alten Inka-Mythos übertragen jene Mütter diese Krankheit auf ihre Töchter, die während des Krieges Opfer von Gewalttaten wurden. Fausta weiß nur, dass sie leitet – und drückt ihren Schmerz in indianischen Lieder aus.
Doch die Mutter stirbt, und Faustas Leben soll sich drastisch verändern. So kommt die junge Frau als Bedienstete in den Haushalt einer reichen Pianistin, die in Fausta eine Inspiration sieht – und in ihren Liedern finanziellen Potenzial. Für Fausta könnte dies aber ein Schritt aus dem Schatten der belastenden Vergangenheit sein.
„Eine Perle Ewigkeit“ ist zauberhaft real und wenig subtil – eine der zentralen Einstellungen ist die vom Hochzeitsbett, in dessen Bettkasten die tote Mutter während der Hochzeitsnacht einquartiert wird!

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TheCorey: MovieMaze

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7.0Sehenswert

Die Wendungen kommen so plötzlich wie auf gewisse Art unerklärlich, schließlich hat sich Llosa auch sonst keine Mühe gegeben, ihren Film in einen Rahmen zu pressen. Nun ist Kunst, gerade auch die des Kinos, prägnant „Arthouse“ betitelt, frei, speziell von Rahmen oder Schubladendenken. Mit einem Kunstwerk verhält es sich jedoch einfacher, wenn man den Zugang zu diesem für den Beobachter etwas erleichtert. Dies ist in Llosas Fall nur bedingt gegeben und sorgt schließlich zwar auch für Faszination, aber in begrenzter Form.

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G. Jekubzik: Filmtabs G. Jekubzik: Filmtabs

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8.5Ausgezeichnet

Der Berlinale-Sieger dieses Jahres kommt aus Peru und betört mit einer stillen Poesie, die aus kargem Realismus erwächst. „Eine Perle Ewigkeit“ begeistert mit unverbrauchten Bildern sowie einer sozial harten Geschichte mit magisch-realistischen Einsprengseln.

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Nino Klingler: critic.de

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Wirklich wunderbar und, denkt man an die Thematik, auch überraschend sind die häufig leichten, manchmal explizit lustigen Momente. [...] Der Film wird durchdrungen von einer ambivalenten Stimmung, die Schönheit und Armut, Komik und Verzweiflung, Tod und Freude nicht als Widersprüche, sondern als gleichwertige Bewegungen des Lebens begreift. Llosa trifft den oft allzu leicht verfehlten Ton wirklich tragikkomischen Erzählens und fasziniert den europäischen Zuschauer so für eine fremde Perspektive auf das Schicksal von Menschen in einem südamerikanischen Entwicklungsland, ohne in irgendeiner Form eines romantisierten Blicks auf das Exotische zu bedürfen.

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fko: filmsprung.ch fko: filmsprung.ch

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7.0Sehenswert

«La teta asustada» ist ein eindringliches Drama über die Verbrechen der Vergangenheit und die Unbeugsamkeit einer jungen Frau.

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Lukas Foerster: taz / cargo / perlentaucher...

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5.5Geht so

Am stärksten ist "Milk of Sorrow" dann, wenn Llosa sich auf den Ort einlässt, an dem ihre Geschichte spielt. Lima ist eine Stadt, die im Kino selten zu sehen ist und Faustas Passagen durch die Armenviertel erkunden diesen Raum auf unaufdringliche Weise, fern vom Elendstourismus. Einige hervorragende Beobachtungen gelingen dem Film hier: zum Beispiel die verschiedenen Hochzeitszeremonien, die einen naiven Pomp in die ärmlichen Behausungen importieren, oder der improvisierte Swimming Pool im Schlamm, in dem Kinder wie Erwachsene plantschen

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Kommentare (10) — Film: Eine Perle Ewigkeit

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Dies war mein vermutlicher erster argentinischer Film, der dazu auch noch in Peru spielt und sich mit den Lebensverhältnissen und den Gewohnheiten auseinander setzt. Der Film zeigt eindringlich den Kontrast zwischen Traditionen, Mythen und dem Fortschritt, vor allem in der Medizin. Es ist beängstigend, wie der Glaube an Legenden und frühere Weisheiten das Leben eines Menschen so stark beeinflussen kann und Fausta, die Hauptperson, sich auch nicht davon lösen kann. Der Film findet ruhige Bilder und der Gesang verleiht ihm eine wehmütige Stimmung. Als Kontrast dazu setzt er die kunterbunten, schrillen Hochzeitsfeiern. Der Film lebt von dieser Zwiespältigkeit, die sich überall durchzieht. Man hat das Gefühl, dass Fausta nicht in diese Welt gehört und zu sehr im Vergangenen, vor allem dem Erzählten ihrer Mutter, verhaftet ist.

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FumerTue

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Bewertung7.5Sehenswert

Der erste Film, der nicht aus Nordamerika oder Europa ist, den ich je gesehen habe, und mit Mainstream-Filmen auch nicht zu vergleichen.
Gerade deshalb ist der Film wohl recht gewöhnungsbedürftig, da er eben um einiges anders ist, als Streifen, die man so kennt. Auf jeden Fall interessant ist der Film.

Aus Hollywood- und europäischen Produktionen kennt man die Situationen in der Dritten Welt ja lediglich aus westlicher Sicht, meist recht "reißerisch", dramatisierend und realitätsverzehrend oder eben mehr auf Action und Spektakel gemacht. Da bietet ein peruanischer Film mit Schauspielern und Regisseurin aus Südamerika natürlich eine ganz andere Blickweise.
Ich war bis vor einer Woche noch auf einer Reise in Argentinien, mit Abstechern nach Bolivien und Chile, konnte mir die Armenviertel von Lima also auch noch recht gut vorstellen und kam schnell mit der "Lokalität" des Filmes klar.

Der Film zeigt, wie die peruanische Militärdiktatur auch noch Jahre danach Spuren hinterlässt, was gerade durch den "Aberglaube" (wie man es im westlichen Kulturkreis abwertend nennen würde) der Indigenen noch verstärkt wird. Fausta, die introvertierte, schweigsame Protagonistin, hat diesem Glaube nach nämlich eine Krankheit, "la teta asustada", die erschrockene Brust, die verdorbene Muttermilch. So wurde ihre Mutter während der Schwangerschaft in der Militärdiktatur vergewaltigt, weshalb Fausta die Krankheit haben soll. Auch Jahre nach diesen Zeiten trägt sie das Leid ihrer Mutter, die zu Beginn des Films stirbt, also in sich.

Ein etwas anderer Film, der eine geheimnisvolle, rätselhafte Stimmung schafft und nicht immer ganz klar verständlich ist. So wird häufig eine Handlung auch nur angedeutet und dann folgt abrupt die nächste Szene. Oft weiß man nicht bestimmt, wieso die brillant von Magaly Solier gespielte Fausta etwas tut, und auch die Pianistin, bei der sie Geld zu verdienen versucht, ist nicht immer berechenbar und schwer einzuschätzen.

Ein Film, der nicht jedem gefallen muss und das auch gar nicht kann, dafür ist er zu eigenartig und "anders" als Mainstream-Kino.
Für jeden, der sich für Südamerika interessiert und der gerne alternative Filme sieht, der sollte den Film mögen!

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FumerTue

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*"realitätsverzerrend" sollte das Wort da natürlich heißen^^ Mit Verzehren hat das nix zu tun


U-Turn

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Bewertung4.0Uninteressant

Der Film ist langweilig. Hab ihn nach ner Stunde abgebrochen. Außerdem nervt das Gesinge und das lesen des Untertitels.

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honey-bunny

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Bewertung6.0Ganz gut

Hätte unglaubliches Potenzial für eine skurrile Komödie über eine Familie im Hochzeits-Business. Da verläuft sich die statisch erzählte Geschichte der Fausta ein wenig im Sande. Das Hauptziel wird aus den Augen verloren.
Auch der Unterschied zwischen Stadt und Dorf, der sehr wichtig wäre, kommt nicht zum Tragen, da die Stadt hier nur aus drei Orten besteht.
Trotzdem begeistern wundervolle Bildkompositionen und angenehm gespielte Nebencharaktere.

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FutureInstitute

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Bewertung2.0Ärgerlich

South-America is emotional mystic

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ovgucker

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

eine echte entdeckung. originelles drehbuch, viele berührende, skurrile, aber auch lustige momente ...

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dae-su

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Ein unheimlich intensives Stückt Kino, getragen von einer atemberaubend guten Hauptdarstellerin. In sehr leisen Tönen erzählt zieht der Film genau aus diesem Inszenierungsstil seine Kraft und seine Wirkung.
Wer Peru schonmal besucht hat, wird den Konflikt, der sich um Tradition und Kultur, die Gegensätzlichkeit des Lebens in Lima und in den Bergen dreht, sicherlich noch ein Stück besser verstehen und nachvollziehen können, doch auch ohne solche Kenntnisse packt "La Teta Asustada" und wirkt lange nach.

Völlig zurecht der Gewinner des goldenen Bären und ein sehr sehr sehenswerter Film.

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christof.s

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Schöner und zum Nachdenken anregender Film.

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Stefan Ishii

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Bewertung9.5Herausragend

Ein wunderbar melancholisch, ruhiger und hintergründig ernsthafter Film über die Folgen schrecklicher Ereignisse ohne diese konkret anzusprechen. Typisch lateinamerikanische Einflüsse des "Magischen Realismus" geben dem Film viel Freiraum für Interpretationen.

Die ganz große Stärke des Filmes: Die großartige Hauptdarstellerin Magaly Solier. Sie ist gleichzeitig wunderschön wie grandios in der Darstellung von tiefverwurzelter Traumata, Trauer und leichter Naivität. Ihr Gesang kann zu Tränen rühren.

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davidpm

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Der Gewinner der Berlinale 2009, verdientermaßen. Es ist ein sehr ungewöhnlicher und vor allem ein sehr schöner Film, sowohl, was die Bilder, als auch die von der Hauptfigur gesungenen Lieder betrifft. Sehr langsam und ruhig wird die Geschichte einer jungen Frau erzählt, die das Stigma der seltsamen peruanischen Krankheit "teta asustada" mit sich trägt. Diese entstand durch eine Vergewaltigung ihrer Mutter und bleibt unerklärlich mystisch, offenbar von der Gesellschaft gemacht, der konsultierte Arzt zumindest bestreitet die Existenz der Krankheit. Das Mädchen ist ängstlich und zurückgezogen und schlägt sich außerdem mit der Aufgabe herum, die verstorbene Mutter - ohne Geld - in ihr Heimatdorf zum Begräbnis zu bringen. Dies ist die Ausgangssituation des Films, der sehr unprätentiös daherkommt und längst nicht so düster ist, wie der Inhalt einen vermuten lässt. Melancholisch und originell hebt er sich in seiner Machart vom restlichen Berlinale-Wettbewerb 2009 ab und ist sehr schön anzusehen. Einzig, dass viele andere Filme spannender erzählt sind und einen tiefer in die Geschichte versinken lassen, bleibt ein bisschen schade. Für seine absolut ungewöhnliche Erzählweise hat er den Goldenen Bären aber verdient.

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