Le Havre - Kritik

Le Havre

FR/FI/DE · 2011 · Laufzeit 93 Minuten · FSK 0 · Drama, Komödie · Kinostart
Du
  • 8 .5

    Bei der Betrachtung von "Le Havre" muss eins von vorhe herein klar sein: Kaurismäki gibt nie vor, das dass was er zeigt die Realität ist, das es ehrlich ist, ganz im Gegenteil, Kaurismäki ist in keiner Sekunde an der Realität interessiert und so inszeniert er "Le Havre" von der Ersten bis zur Letzten Sekunde als Märchen.
    Wie alle Kaurismäki Filme ist auch Le Havre ein wohlig nostalgischer Film, ein sehnsüchtiger Film, der es geschickt schafft, brandaktuelle politische Problematiken mit seiner altmodisch-märchenhaften Handlung zu verweben, ohne dabei den Zynismus und die Unfähigkeit der aktuellen Politik auszublenden.
    Die Protgonisten sind wie immer einfache und hart arbeitende, ehrliche Menschen, die in Kaurismäkis Mikrokosmos "Le Havre" täglich ums überleben kämpfen und trotzdem einander helfen wo sie nur können.
    Eine Ode an Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe, ein Film der schier unumstößlich an den Menschen glaubt, ein Film in dem alles was gut gehen kann auch gut geht, eine bittersüße Utopie, die den Zuschauer sehr unentschlossen zurückläst, einerseits in Hochstimmung aber andererseits auch in Ernüchterung wenn man sich nach ausschalten des Fernsehers wieder in die kalte Realität zurückbegeben muss, wenn Kaurismäkis Märchen zuende ist.

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    • 7 .5

      Womöglich mag in dieser scheinbar nostalgisch gezeichneten Welt jeder Euro-Schein wie ein Fremdkörper wirken. Und doch erweist sich Kaurismäki gerade mit diesem Film auf der Höhe der Zeit.

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      • 4

        Eine herausragende Kinematographie, einen wunderschönen Song, einen grandios aufspielenden André Wilms und einige gute Lacher (wobei die Besten erneut im Trailer verbraten wurden), viel mehr hat Kaurismäkis neuer Film nicht zu bieten. Eine naive Story, wobei das noch absolut untertrieben ist. An ein Märchen kann hier unmöglich gedacht werden, dazu fehlen zumindest die märchentypischen Stilmittel, und andererseits ist der Film viel zu politisch.

        Zerstört haben den Film primär zwei Dinge: Zunächst einmal ist es unzumutbar, wie Kaurismäki mit der Zeit spielt. Die Zeit scheint wie stehen geblieben, alles erinnert an die Stadt Le Havre der 60er und 70er. Das Problem dabei sind die Details. Hier wird mit dem Euro bezahlt, dort mit Handys telefoniert. Was zum Teufel haben diese Dinge in diesem Film zu suchen?

        Noch schlimmer jedoch, womit ich zum zweiten Punkt komme, ist die grausame, naive, politische Einstellung des Films. Frankreich wird als das Land der Wunder dargestellt, in dem todkranke Menschen innerhalb kürzester Zeit geheilt werden und sich Polizisten für schwarze Kinder bei der illegalen Einwanderung erbarmen. Auch hier wieder die Frage: Was haben aktuelle, soziale Probleme in einem zu Film suchen, der eigentlich vor einigen Jahrzehnten spielt?

        Die Anspielungen auf die Nouvelle Vague und die malerischen Bilder sind natürlich allesamt ganz nett mitanzuschauen, jedoch retten sie das Blendwerk auch nicht mehr. Als Wahlfilmchen für die Linken (dabei tut es nichts zur Sache, welche politische Richtung der Film einschlägt) sicherlich zu gebrauchen, ein Werk, welches die sozialen Aspekte (Multikulturalität und Gesundheitswesen) beschönigt und dessen Probleme überspielt. Kunstfilm? Meinetwegen, aber doch bitte nicht ein dermaßen falsches, zu keinem Zeitpunkt emotionales und fernab der Wirklichkeit durchdachtes Werk.

        Die Kritiker sehen es als Märchen, ich nenne es Falschheit und Feigheit, sich nicht wahrheitsgetreu mit den aktuellen Problemen auseinanderzusetzen, Ursachen zu erkunden und Lösungen zu finden.

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        • 7

          Es ist diese leise, wortkarge Menschlichkeit, die "Le Havre" wie so viele Kaurismäki-Filme zuvor durchzieht und Teil seiner ganz eigenen Weltsicht ist; eine Weltsicht, die fälschlicherweise oft als Erzählgestus missverstanden wird und für die Einordnung fast aller Kaurismäki-Filme als Komödie sorgt.

          • 8 .5

            Gespickt mit vielen Anleihen aus französischen Filmen - besonders witzig ist Kaurismäkis Inspector-Clouseau-Variante, gespielt von Jean-Pierre Darroussin - erweist sich "Le Havre" als ein Film Herz, Hirn und Humor.

            • 6

              Genauso vereinfacht, um nicht zu sagen unrealistisch oder gar naiv, scheint die Story: Sie ist simpel und hölzern, die grossen Gefühle mag man den Protagonisten nicht richtig abnehmen. Dafür dürfen sich die Zuschauer an zahlreichen kleinen Details erfreuen.

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              • 3 .5

                Der Witz wirkt bemüht, die Poesie aufgesetzt, die Handschrift allzu bekannt, ohne daß ihr positive neue Aspekte oder gar Impulse beigemengt worden wären.

                • 6 .5

                  Ihm gelingt trotzdem ein sehr schöner, anrührender Film mit großartigen Momenten, sicher das Werk eines Meisters, aber mit einer Tendenz zum Alterswerk, nicht so sehr zum Meisterwerk.

                  • 7 .5

                    Le Havre hat sicherlich eine gewisse Naivität, mit der er unbändig an das Gute im Menschen glaubt und daran, dass kleinere oder größere Wunder geschehen können – und doch teilt man diesen Glauben, auch wenn es nur einen wunderbaren Spielfilm lang ist, allzu gern.

                    • 9

                      Kaurismäki betont die Künstlichkeit der Szenerie, indem er seine Darsteller zu antinaturalistischem Spiel anhält. Seine humane Botschaft – in einem Dialog beruft sich Marcel auf die Bergpredigt – entwickelt eine Kraft, die ansteckend wirkt.
                      Eigentlich seltsam, welches Maß an Spannung und Anteilnahme der Film erzeugt, obwohl Kaurismäki alles dafür tut, die Geschichte mit ironischer Distanz und retardierenden Momenten zu entschleunigen.

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                      • 8

                        Le Havre ist ein zärtliches, für den finnischen Regisseur geradezu beschwingtes Märchen vom guten Menschen, der seine kleine graue Welt einen Tick besser macht.

                        • 7 .5

                          "Le Havre" bedeutet ein herrliches Durchatmen der ganz besonderen Kino-Art. Auch, weil aus der skurrilen Trostlosigkeit seiner innigen politischen Alltagsbilder, [...] , nunmehr eine "realistische Poesie" aus dem heutigen Alltag entstanden ist.

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                          • 8

                            Meisterlich fotografiert, inszeniert und erzählt, und so lebensfroh und magisch ist "Le Havre" einer der schönsten Filme des großen Finnen Aki Kaurismäki.

                            • 6 .5

                              So virtuos inszeniert und schauspielerisch überzeugend diese finnisch-französische Filmliaison auch sein mag, es gelingt ihr leider dennoch nicht ganz, ans Herz zu rühren.

                              • 6

                                Lieber Aki, ich verehre "Lichter der Vorstadt" und liebe "Der Mann ohne Vergangenheit", aber was ging dir bei "Le Havre" durch den Kopf? Die Immigrationsthematik ist durchaus interessant aber warum sind sämtliche Charaktere dumm? Warum reden sie nur in Form von hohlen Glückskeksphrasen miteinander? Und warum stilisierst du den Film zu einem liberalen Manifest, dass man am liebsten den Republikanern beitreten möchte? Bei aller Liebe zu urbanen Märchen, der empathischen Verbindung unter Menschen und zu dir, lieber Aki, erschloss sich mir dein "Le Havre" leider auf keine Weise. Vielleicht bin in diesem Fall auch einfach ich der Dumme.

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                                • 8

                                  Bei aller Märchenhaftigkeit ist „Le Havre“ gesellschaftspolitisch ambitioniert, - ein Appell an die Solidarität unter den Menschen und ein Plädoyer gegen die Gleichgültigkeit.
                                  Die Weltpremiere in Cannes nutzte Kaurismäki für offene Kritik an der Dublin-Verordnung, die es Mitgliedsstaaten der Europäischen Union erlaubt, Asylanten abzuschieben. Seit Beginn der Unruhen in Nordafrika strömen immer mehr Menschen nach Europa, und die EU streitet darüber, wie sie auf die Immigranten reagieren soll.
                                  In dem Film „Le Havre“ skizzieren Nachrichtenbilder die Lage in Frankreich. 2009 ließ der französische Einwanderungsminister Eric Besson den sogenannten „Dschungel von Calais“ - einen der größten Wartesäle Europas - räumen, nachdem Staatspräsident Nicolas Sarkozy 2002 schon eine andere illegale Flüchtlingsunterkunft als offizielles Durchgangslager geschlossen hatte. Scheinheilig erklärt Besson im Fernsehen, man wolle ein Zeichen gegen Schlepper und Menschenhandel setzen.
                                  (...) In Cannes wurde der Film groß gefeiert, und das zu Recht: „Le Havre“ ist ein wunderbarer Film: poetisch, leicht, heiter und zutiefst menschlich.

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                                  • 8 .5

                                    Die Wortkargheit der Figuren von „Le Havre“ lässt eher an Exil-Finnen denn an Franzosen denken, gehören doch die lakonischen Dialoge zu den Merkmalen mit hohem Wiedererkennungseffekt der Kaurismäki-Filme. Spätestens seit „Wolken ziehen vorüber“ zeichnen sich die Filme des finnischen Regisseurs jedoch ebenfalls durch ein Produktionsdesign aus, das nicht anders denn als altmodisch bezeichnet werden kann: Das Auto von Kommissar Monet, die Kleidung oder die Hauseinrichtung, alles scheint aus den fünfziger oder sechziger Jahren zu stammen, während die Handlung offensichtlich in der Gegenwart angesiedelt ist. Die geradezu statischen Einstellungen des Kameramanns Timo Salminen, der seit jeher Kaurismäkis Filme fotografiert, die kräftigen Farben etwa der blauen Wände und der roten Tür in einer Wohnung sowie der Soundtrack, zu dem wie gewohnt Carlos Gardels Tangos gehören, unterstreichen die Geschlossenheit der Filmwelt Aki Kaurismäkis, ob diese nun in Finnland oder woanders angesiedelt ist. Finnland ist überall – wenigstens in den Filmen von Aki Kaurismäki.
                                    Selbstverständlich ist sich Aki Kaurismäki bewusst, dass „Le Havre“ kein realistischer Film über die Flüchtlingsproblematik ist. Der finnische Regisseur liefert vielmehr nicht nur etwa in den märchenhaften Farben ein Märchen, in dem das Gute obsiegt: „Ich bevorzugte schon immer die Version des Märchens, in der Rotkäppchen den bösen Wolf frisst“, erklärt Kaurismäki selbst dazu. Mit unendlicher Gütigkeit schaut der Regisseur auf seine Figuren, die sich durch alle Schwierigkeiten hindurch seinen Optimismus bewahren. Dank ihrer unbeirrten Zuversicht konnte die von Kati Outinen dargestellte, arbeitslos gewordene Kellnerin Ilona in „Wolken ziehen vorüber“ der Spirale des sozialen Abstiegs entkommen. Die Solidarität einfacher Menschen ließ den von Markku Peltola verkörperten Namenlosen in „Der Mann ohne Vergangenheit“ seine Würde bewahren. Um seine und Idrissas Menschenwürde ringt der Schuhputzer in „Le Havre“. Nichts schrill Kämpferisches zeichnet indes seine Haltung aus. Diese erinnert vielmehr an den verarmten Außenseiter mit dem Betragen eines Gentlemans, den Charlie Chaplins in seinem „Tramp“ verewigte.

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                                    • 1

                                      Aki Kaurismäki ist einer dieser Regisseure, den man auf Grund seiner bisherigen Arbeiten als Liebling der Filmkritik bezeichnen kann. Wenn einer seiner Filme ruft, dann kommen plötzlich "Filmkritiker" ins Kino zu Pressevorführungen, die man vorher noch nie gesehen hat! Das freut die Handvoll Filmjournalisten natürlich, die um jede Pressevorführung kämpfen müssen, weil sie für gewöhnlich nur mit 5-10 Kollegen in diesen Vorstellungen, ganz speziell für die Filmpresse, sitzen. So sieht z.B. Frankfurt auch mal wieder eine gut gefüllte Pressevorführung, was sonst nur bei Blockbustern, Woody-Allen-, Almodovar- und J.J. Abrams-Filmen der Fall ist. Während sich nun der Film des finnischen Alkoholikers über arme Gutmenschen, noch ärmere Flüchtlinge und ganz arme Kranke vorbei stelzt und mit der Zeit immer unerträglicher wird, überlege ich mir schon während des Filmes, was ich wohl von den lieben Kollegen nach der Vorführung an den Kopf geworfen bekommen werde, weil ich unwissender Ignorant es wage mein Maul über ein derartiges Meisterwerk auf zu machen! Das ich keine Ahnung von Filmen habe wird bestimmt nur einer der milderen Einwürfe sein. Der Film entwickelt sich langsam zu einem bis ins kleinste Detail durchgestylen Stummfilm, dessen Konzept es zu sein scheint möglichst wie nachträglich und ziemlich stümperhaft...

                                      • 7

                                        „Le Havre“ ist ein zartes, heiteres, anrührendes Retro-Märchen, in dem sogar die Polizei in uralten Renaults 16 heranwackelt. Ein Film voll guter Menschen, aber kein Gutmenschenfilm[...].

                                        • 8

                                          So frugal und zugleich so herzerwärmend, so grau und in der Gräue so farbig wie Kaurismäki inszeniert solche Geschichten sonst niemand, höchstens vielleicht noch Jim Jarmusch. Kaurismäkis gutmütig-gallige Lakonie rührt sehr an.

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                                          • 7 .5

                                            Le Havre ist eine humanistische Moritat, die wahlweise den Geist von Charles Chaplin oder Marcel Carné verströmt und den typischen slow burn-Humor Kaurismäkis mit einem melodramatischen Grundton nahezu perfekt verschränkt. Ungewöhnlich milde, ja sanft optimistisch erscheint hier der Blick des Regisseurs auf seine Figuren, die ein guter Weltgeist vor Denunziation, staatlicher Gewalt und gröberen Schicksalsschlägen bewahrt. Stilistisch kontrolliert Kaurismäki dabei eindrucksvoll seine Ausdrucksmittel, ohne eine klare Haltung zur Gegenwart aufzugeben.

                                            • 7 .5

                                              Da meinen wir, Aki Kaurismäki und seine Tricks zu kennen. Und nun kommt er, und dreht uns seinen Film einmal mehr in neuer Variation an. Und er macht Freude! [...] Kaurismäki spielt hier mit den Elementen seiner früheren Filme wie ein Comic-Künstler. Es sind die wiederkehrenden Elemente und ihre Freistellung, welche dem Film seine Würze geben.

                                              • 8

                                                Pures, einfaches Glück verbreitet Kaurismäkis Le Havre! Ein vor Glück strahlender Kinosaal ist ein seltener Anblick. Le Havre liegt zwar an einer anderen Küste, ist aber ab sofort vor allem in den Herzen der Cineasten zu verorten. [...] Wie Kaurismäki die Geschichte erzählt, ist unvergleichlich - im Vergleich zu seinen eigenen Werken erstaunlich sogar leicht.

                                                • 7 .5

                                                  Kaurismäki ist der lakonische Eskapist des Autorenfilms, man sieht ihn immer wieder gern hier in Cannes, auch wenn man seine Tricks inzwischen durchschaut hat: wie er auf die schlimmstmögliche Wendung seiner Geschichte zusteuert und dann die bestmögliche nimmt. Er ist der finnische Sonnenschein von Cannes, man kann sich darauf verlassen, dass er jede Tristesse vertreibt.

                                                  • 8

                                                    Wie schafft Aki Kaurismäki es eigentlich, seinen horrenden Pessimismus in so herzensgütige Filme zu verwandeln? [...] Ein Märchen, ja, in bunter Kaurismäki-Tristesse, mit höflichen Helden, lakonischen, altmodisch aufgesagten Dialogen, dem Hund Laika, in die Jahre gekommenen Autos und einem Rockkonzert mit Little Bob, dem Elvis Presley von Le Havre, wie der Regisseur ihn nennt. Ein Stück Finnland in der Normandie, ein Stück irdisches Glück nach all dem himmlischen Streben. Und ein Plädoyer für mehr Brüderlichkeit.