Letztes Jahr in Marienbad

L'Année dernière à Marienbad (1961), AT/DE/FR/IT Laufzeit 94 Minuten, FSK 16, Drama, Kinostart 19.10.1961


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8.7
Kritiker
11 Bewertungen
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7.4
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495 Bewertungen
57 Kommentare
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von Alain Resnais, mit Delphine Seyrig und Giorgio Albertazzi

Ein Mann und eine Frau treffen sich in einem prachtvollen Schloss. Er versucht sie davon zu überzeugen, dass sie sich ein Jahr zuvor hier verabredet haben, um zusammen ein neues Leben zu beginnen. In bruchstückhaften Erinnerungen beschwört er ihre gemeinsame Vergangenheit, doch die Frau kann sich an nichts erinnern.

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Cast & Crew

Drehbuch
Filmdetails Letztes Jahr in Marienbad
Genre
Drama
Zeit
Vergangenheit
Ort
Deutschland
Handlung
Affäre, Alptraum, Amnesie, Feier, Festmahl, Flucht, Fluchtversuch, Garten, Gefangener, Glücksspiel, Hotel, Hotelzimmer, Hölle, Klassiker, Kultfilm, Kurort, Leben und Tod, Luxushotel, Orpheus, Party, Surreal, Surrealismus, Verdrängte Vergangenheit, Verführung, Vergessen, Überzeugung
Stimmung
Eigenwillig, Geistreich
Tag
Avantgarde und Experimentalfilm, Klassiker, Kultfilm, Mindgame-Film, Nouvelle Vague, Schwarz Weiß
Verleiher
Lupe
Produktionsfirma
Argos Films, Cineriz, Cinétel, Como, Cormoran Films, Les Films Tamara, Precitel, Silver Films, Société Nouvelle des Films, Terra-Film

Kommentare (51) — Film: Letztes Jahr in Marienbad


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Helmholtz

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Bewertung9.0Herausragend

Bildgewaltiger werden Filme nicht mehr. Wunderschöner Film von Resnais, filmgeschichtlich unheimlich wichtig und einzigartig. Ein Film wie Free-Jazz, ohne wirkliche Form, experimentell und wahnsinnig. Philosophisch und Psychologisch.
Ich weiß eigentlich nicht was ich dazu scheiben soll, deshalb verweise ich mal auf Kritiker, die sich geschickter ausdrücken können als ich. Amos Vogel trifft es in seinem Buch "Film als subversive Kunst" ziemlich gut. Naja, ich für meinen Teil kann zumindest sagen ich habs versucht....

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erbe64

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"Bildgewaltiger werden Filme nicht mehr. "

Ja, das glaube ich auch.
Selbst wenn mir die Handlung absolut gar nichts sagen würde - allein die extrem suggestive Wirkung der Bilder würde mich immer für diesen Film einnehmen.


JimiAntiloop

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Bewertung3.0Schwach

Nee Sorry, Way to much! Nicht das die grundsätzliche Geschichte Mist wäre, die hätte man sicherlich zwar auch straffen sollen oder zumindest mit ein paar mehr Elementen anfüttern können, jedenfalls die Story is ok aber für meinen Geschmack auch den Tick zu pathetisch. Aber was der Regisseur denkt, welche ästhetischen Drahtseilnerven der Zuschauer haben soll, die ständig (wirklich ständig) im Hintergrund heulende, mit echt wenig Varianz stagnierende Orgelmusik zu ertragen, ist mir vollkommen schleierhaft. Ich konnt mich irgendwann nicht mehr richtig auf die Dialoge konzentrieren (yeah es gibt 2-3 Dialoge ohne Orgel) und deshalb macht mir dieses eintönige und nicht die Spannung unterstützende Orgelgekreischze, dass Ganze echt zu madig.

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udowegener

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Bewertung0.0Hassfilm

Ich habe nur 10 Minuten durchgehalten. Wahscheinlich ZU anspruchsvoll.
Ich weiß nur nicht, ob der Film oder ich

bedenklich? Kommentar gefällt mir 4 Antworten

Centipede

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@JimiAntiloop solche Fälle wird es hier bestimmt zuhauf geben. Sone Aktionen verfälschen die Bewertungen. Und wie kann man Letztes Jahr im Marienbad als Hassfilm nehmen, wenn man für sich selbst herausgefunden hat das er zu "anspruchsvoll" ist. ^^


Le Samourai

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LOOOOOL


OpusEst

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Bewertung6.0Ganz gut

Den muss Kubrick gesehen haben. Erinnert mich in Teilen an Shinning oder Eyes wide shut.
Gerade am Anfang wunderbar, fast schon dokumentarisch, gefilmt. Wunderschöne Kompositionen und sorgfältig durchdachte Kamerafahrten. Leider mit nervtötender Musik unterlegt und mir dann doch zu künstlerisch.

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erbe64

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Es ist bekannt, daß Kubrik sich von LJIM hat inspirieren lassen. In der zusätzlichen Dokumentation, die sich auf der aktuell erhältlichen Arthaus-DVD befindet, wird darauf eingegangen und "Shining" sogar ausdrücklich als Remake bezeichnet.


OpusEst

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Interessant. Insofern sehr gelungenes Remake, wenn sich sogar ohne das Wissen darum, Rückschlüsse auf LJIM ziehen lassen.


Solveig

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Ein Ort im Irgendwo. Ein prächtiges, barockes Schloss beherbergt seine Gäste (gefilmt wurde in den Schlössern Nymphenburg, Schleißheim und der Amalienburg; der Ort im Film selbst bleibt jedoch unbestimmt). Herzlich Willkommen zu "Letztes Jahr in Marienbad"! Und hier trifft es wirklich einmal zu: ein Film von äußerst sinnlicher und hypnotischer Wucht, der seinen Betrachter im Zustand eines permanenten Wachtraums hält.
Seien Sie hier willkommen!
Sie ... "der da schreitet, der da wieder einmal schreitet diese Flure entlang, durch diese Säle, durch diese Galerien in diesem Bauwerk einer anderen Zeit, diesem gigantischen Hotel: luxuriös, barock, schaudernd da schreitend wo endlosen Fluren Flure folgen, lautlose Leere, überladen von düsterem, kaltem Zierat, [...] vom bleichen Marmor, verblichenen Spiegeln, verblichenen Gemälden, von Säulen, geschnitzen Rahmen der Türen ... von Fluchten vor Türen, von Galerien, von Fluchten, von Fluren, die wieder in leere Salons führen. In Salons, überladen von Zierat einer anderen Zeit, schweigende Säle [...]."
Seien Sie willkommen! Nehmen Sie sich Zeit, alles zu bestaunen! Die Kamera führt sie durch einen Sinnesrausch an barocker Schönheit des Schlosses - wir haben Zeit, eilen Sie nicht! - genießen Sie es, genießen Sie ihren Aufenthalt bei uns als Gast. Hohe und schmuckvolle Deckengewölbe, prächtige Ornamente, barocke Engel, antike Statuen, lange Flure ... vorsicht, denn je weiter Sie schreiten, je weiter Sie sich von all den Eindrücken verführen lassen, desto mehr laufen Sie Gefahr, sich in den immer größer auftuenden Weiten der Flure, Säle und Galerien zu verlieren, so weit, dass Sie das Gefühl bekommen, in einen Irrgarten geraten zu sein. Sie drehen sich um sich, immer schneller - Sie haben doch hoffentlich nicht die Orientierung verloren?
Wo bin ich hier?
Wer sind Sie?
Wer bin ich?
Ich weiß es! Ich weiß etwas über Sie, das Sie vergessen haben - oder ... oder vergessen wollten?
Sehen Sie: hohe und schmuckvolle Deckengewölbe, prächtige Ornamente, barocke Engel, antike Statuen, lange Flure, überladen von Zierat einer anderen Zeit: stumme Zeugen, die jedes Geheimnis in sich für die Ewigkeit aufnehmen und sich beharrlich darüber ausschweigen.
"Birgt dieses Hotel viele Geheimnisse?"
"Unendlich viele."
Sie wissen es. Was wissen Sie? Was geschehen ist? Oh ja, was geschehen ist - letztes Jahr in Marienbad. Sie wissen es nicht? Sie wissen es nicht mehr? Sie wollen es nicht mehr wissen? Dann hören sie mir zu, lauschen Sie mir, ich erzähle Ihnen, was geschah - letztes Jahr in Marienbad.
"Habe ich mich so verändert? Oder geben Sie nur vor, mich nicht wiederzuerkennen? Ein Jahr - oder schon mehr?
Sie sind noch immer die selbe. Die selben abwägenden Augen. Das selbe Lächeln. Das selbe plötzliche Lachen. Das selbe Ausstrecken des Armes, um abzuwehren. [...] Sie tragen noch immer das selbe Parfum."
Wir trafen uns - letztes Jahr.
"Ich habe Ihnen gesagt, sie sehen nicht aus, als ob sie erstarrt seien. Zur Antwort haben sie gelächelt. Nur um etwas zu sagen, kam ich auf jene Statuen. Ich habe Ihnen gesagt, der Mann wolle die junge Frau daran hindern, weiter zu gehen. Er müsse etwas erblickt haben, etwas Gefährliches jedenfalls. Er halte seine Begleiterin mit seiner Geste zurück. Sie haben geantwortet, dass eher sie etwas erblickt haben müsse, etwas im Gegenteil Wunderbares, das sie mit ihrer ausgestreckten Hand bezeichne. Beides war nich unvereinbar. Der Mann und die Frau haben ihr Land verlassen, seit Tagen gehen sie - sie gehen geradeaus. Sie geraten an eine schroffe Küste. Er hält die Begleiterin zurück, damit sie nicht bis zum Äußersten geht, während sie ihm das weite Meer zeigt [...]. Sie haben mich nach den Namen der Figuren gefragt. Ich sagte, es bedeute nichts. Sie waren anderer Meinung. Sie haben ihnen Namen gegeben. Willkürlich, glaube ich. Aber ich habe entgegnet: Das könnten genauso gut Sie und ich sein. Oder wer auch immer." Lachen, schäkern. "Geben Sie ihnen keine Namen! Sie könnten eine ganz andere Vergangenheit gehabt haben."
Und nun? Erinnern Sie sich?
Wir verbrachten die Tage. Wir schäkerten miteinander.
Nein, Sie glauben mir also immer noch nicht.
Sie haben so etwas Sinnliches, Sie haben so etwas Bezauberndes, Sie haben so etwas Verführerisches.
Wenn es ein Traum wäre, warum haben Sie Angst?
Sie fanden mich überall.
"Sie haben ständig eine gewisse Distance gewahrt. Sie haben gezögert. Wie auf der Schwelle, wie am Eingang zu einem unbekannten Ort."
...
Frau: "Lassen Sie mich, ich flehe Sie an."
Mann: "Ständig diese Flure, ständig Mauern, immer Türen - und wieder Mauern, Fluchten von Fluren. Bevor Sie waren, welche Flure habe ich da durchschritten? Was habe ich getan, bevor ich sie erreichte? Aber jetzt sind Sie da [...] in diesem Garten; nah meinen Händen, nah meinem Blick, meiner Stimme nahe, nahe meinen Händen."
Frau: "Wer sind Sie?"
Mann: "Das wissen Sie."
Frau: "Welchen Namen haben Sie?"
Mann: "Der Name? Der Name ist nicht wichtig.
Frau: "Der Name ist nicht wichtig? Sie gleichen einem Schatten. Und trotzdem verlangen Sie, dass ich mich Ihnen nähere? ... lassen Sie mich, lassen Sie mich, lassen Sie mich."
...
Abends kam er in ihr Zimmer - eine atmosphärisch unglaubliche Symbiose aus Erotik, Angst und Begierde ... "Es ist falsch! [...] Es war nicht mit Gewalt."
... wirklich? Wer weiß das schon ...
Wer weiß, was letztes Jahr geschah, in Marienbad?
Nur eins ist gewiss - was hier in vielerlei Hinsicht so traumartig und betörend beginnt, wird schleichend nebulös; je mehr die Erinnerung zu kommen scheint, wird sie gleich wieder verwischt. Aus Angst? Aus Verdrängung?
Genießen Sie es, genießen Sie ihren Aufenthalt bei uns als Gast. Hohe und schmuckvolle Deckengewölbe, prächtige Ornamente, barocke Engel, antike Statuen, lange Flure ... vorsicht, denn je weiter Sie schreiten, je weiter Sie sich von all den Eindrücken verführen lassen, desto mehr laufen Sie Gefahr, sich in den immer größer auftuenden Weiten der Flure, Säle und Galerien zu verlieren, so weit, dass Sie das Gefühl bekommen, in einen Irrgarten geraten zu sein. Sie drehen sich um sich, immer schneller - Sie haben doch hoffentlich nicht die Orientierung verloren?
Dann hören Sie auf die Stimme, die vorgibt zu wissen, wer Sie sind, woher Sie kommen, was Sie versprochen haben, was geschehen ist, woran Sie sich nicht mehr erinnern können - oder wollen. Aber vorsicht! Sobald diese Stimme Sie durch diesen Irrgarten führt, sobald Sie ihr verfallen, sobald diese Stimme in Sie dringt und beginnt, Ihre Erinnerungen wachzurufen, zu formen - dann sind Sie ihr vollends ausgeliefert und in ihrer Gewalt - und Ihr wunderbarer Aufenthalt hier wird schleichend zum Alptraum, den Sie am liebsten vergessen möchten.
"Birgt dieses Hotel viele Geheimnisse?"
"Unendlich viele."
Sehen Sie: hohe und schmuckvolle Deckengewölbe, prächtige Ornamente, barocke Engel, antike Statuen, lange Flure, überladen von Zierat einer anderen Zeit: stumme Zeugen, die jedes Geheimnis in sich für die Ewigkeit aufnehmen und sich beharrlich darüber ausschweigen.

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Sven - Friedrich Wiese

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Solveig maxima est.


SKURRIL

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Sehr sehr gut!


WendhartCreutzdorf

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Bewertung5.0Geht so

Enthält u. U. Spoiler.

Mir war von Anfang an klar, dass ich an diesen Streifen mit einer aufmerksamen, interpretationswilligen und kunstsensiblen Einstellung herangehen muss, dennoch erwies es sich als äußerst schwierig, die Konzentration aufrechtzuerhalten. Der Film beginnt überaus interessant und vielversprechend, man wird mit, für heutige Verhältnisse, ungewöhnlichem Bildmaterial und einem reizvollen Monolog konfrontiert. Recht bald stellt sich allerdings heraus, dass die Szenen sich häufig recht ähnlich sind, dabei allerdings oft willkürlich aneinandergereiht wirken, der Monolog stets die gleichen Kreise zieht und den Darstellern kaum eine Chance geboten wird, darstellerisches Talent zu zeigen. Die kaum vorhandene, je nach Blickwinkel entweder experimentelle oder einfach nur banale Handlung macht dies nicht besser.
Ich respektiere den künstlerischen Aspekt dieses Machwerks und fand einige Szenen auch definitiv ansprechend (Beispielsweise jene mit dem Streichholzspiel). Nach 60min. war ich allerdings dermaßen gelangweilt, dass ich nicht gewillt bin, mehr als 5,0 Punkte zu vergeben. Irgendwann werde ich dem Film wohl nochmal eine Chance geben, aber ich bin nicht sehr optimistisch, dass sich meine Meinung großartig ändern wird.

Unzugänglichkeit ist nicht immer genial.

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filmfan90

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Bewertung7.0Sehenswert

Alain Resnais' Klassiker des mehrdeutigen Films "L’annèe derniére à Marienbad" lässt eine Vielzahl an Interpretationsmöglichkeiten zu, die allenfalls hinreichend, keinesfalls jedoch ausreichend erscheinen, um das Geschehen schlüssig zu erklären – selbst Resnais und sein Drehbuchautor Alain Robbe-Grillet sollen sich nicht ganz einig darüber gewesen sein, was denn nun eigentlich letztes Jahr in Marienbad geschehen ist. Ob es sich nun um eine Spielart des antiken Orpheus-und-Eurydike-Stoffes, eine allegorische Darstellung des Freudschen Persönlichkeitsmodells oder um ein Psychodrama über eine verdrängte Vergewaltigung handelt, bleibt völlig offen – In dieser Hinsicht antizipiert "Lannée dernière à Marienbad" gar die musivisch angeordneten Wahrnehmungssplitter eines David Lynch.
Doch ungeheuer träge, in langen Kamerafahrten durch endlose, mit barockem Zierrat geschmückte Korridore zu gleichsam endlosen Monologen des Erzählers aus dem Off kreist der Film um die Frage, ob "der Mann" (Giorgio Albertazzi) und "die Frau" (Delphine Seyrig) einander letztes Jahr in Marienbad begegnet sind – und das bierernst, ohne eine Spur von Ironie oder Humor.
Die edlen Kulissen, die von unbeweglichen, meist stummen Hotelgästen, die eher an Wachsfiguren erinnern, bevölkert sind, und Francis Seyrigs Orgel-Score schaffen zwar eine morbide Atmosphäre, die jedoch permanent, nahezu krampfhaft um Noblesse bemüht wirkt.
Resnais' Film über das Wechselspiel von Ahnung und Gegenwart ist durchaus von unabdingbarer filmhistorischer Relevanz und inszenatorisch wirkungsmächtig – in seinem erzwungenen Elitarismus jedoch überaus (selbst-) lähmend.

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Luise Schweter

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Gekünstelte Kühle per Excellence- für mich nur nervig. Bitte Mehr Leben im Film!


Luise Schweter

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Leben heißt für mich Lebendigkeit!


Mr.GOLD

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Das Spiel beginnt. Du wirst es nicht gewinnen.
Du wirst dich verirren. Du willst es auch.
Verloren in einer Welt voller faszinierender Abgründe und abstoßender Schönheiten.
Schwebe mit der Kamera durch die endlosen Flure auf denen weitere Flure folgen, vorbei an den kalten Marmor, den schattenlosen Menschen und den verblassten Gemälden.
Dein Realitätsbezug schwindet.
Die Grenze zwischen Vergangenheit,Gegenwart und Zukunft verschwimmt.
Dann ist es Geschehen, du bist in Trance, mitten im Labyrinth, verwirrt aber angezogen von dem Mysterium das sich vor dir aufbaut. Du lauschst der Geschichte eines Mannes und einer Frau, die sich wie es scheint schon ein Jahr zu vor in diesem Barockschloss getroffen und geliebt haben. Nur kann sich die Frau nicht erinnern. Eine verzweifelte Liebe oder krankhafte Einbildung? Ungeordnete Träume und Erinnerungen. Alles geschieht im Jetzt. Du verschlingst jedes Wort. Du findest keinen Wegleiter, kein Ausweg aus dem Labyrinth, aber willst du es wirklich verlassen?
Plötzlicher Schnitt! Du hast den vollsten Wachzustand erreicht. Ein Ausweg zur Realität gefunden, aber keine Angst, du wirst erneut rein gehen und es wird ein komplett neues sein.

Ein Experimentalfilm den man so noch nie gesehen hat. Ein Hochgenuss für alle Sinne.
Ein Intelligentes Verwirrspiel zu den man trotz der komplexen und undurchschaubaren Geschichte einen leichten Zugang findet. Es ist wie Hypnose, wenn du dich darauf einlässt wirkt es auch bei dir. Wahrscheinlich in einer anderen Art, ein anderes Labyrinth mit einen anderen Ausgang. Denn die Wirklichkeit wird zum Spiel das noch nicht mal die Figuren im Film meistern.
Lass dich verführen!

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jacker

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Bewertung0.0Hassfilm

Ultrakunst!
_______________________

Erklärender Nachtrag:

Für die Bewertung 'Hassfilm' (was ja echt eine krasse Ansage ist) zählt primär die filmische Erfahrung (auf Gefühlsebene) bei mir. Und da kann ich nur eins sagen, egal wie viel Wohlwollen ich aufbringe: Den Film komplett anzusehen war eine einzige, unglaubliche, in der Form noch nie erfahrene Tortur. Im negativesten aller negativen Sinne. Der Film ist unglaublich ermüdend, ermattend, abstumpfend. In seiner Machart beinahe wie ein schlechter Scherz.
Ohne zu übertreiben, ich habe das erste Mal die Timertaste der Fernbedienung gedrückt um zu sehen wie viel ich schon habe und vor allem wie lang ich noch muss, da stand die Uhr bei 18:29 abgelaufenen Minuten.
Diese ganze Inszenierung: 90 Minuten lang hört man einen Monolog aus dem Off der konstant das selbe erzählt. 90 Minuten sieht man dazu still sitzende / stehende Menschen. Das schlimme dabei ist die Zusammenfassung der Essenz dieser 90 Minuten:

Anfang
Typ: Wir haben uns letztes Jahr hier gesehen.
Frau: Nein haben wir nicht.
90 Minuten Endlosschleife..
Ende

Für die Fragen:
'Haben die sich tatsächlich getroffen?'
'Was ist real, was Traum, was Phantasie?'
Konnte ich absolut KEIN Interesse mehr aufgbringen. Weil es alles viel zu dröge und ermüdend war. Wie ein Hörspiel von 5 Minuten im Loop, zu dem man (ganz, ganz, ganz künstlerische) Standbilder zeigt.

Das wäre alles einfach nur ein unfassbar langweiliger Film.
Nervig wurde er dann durch die Musik. Phänomenal unpassendes Orgel-Geplärre, in seiner Dramatik NIE auch nur im Entferntesten in Harmonie zum Bild, oder zu irgend einer Stimmung (wobei der FIlm bei mir keine einzige Stimmung erzeugt hat, also hätte die Musik nirgendwo zu passen können.).

Ich schrieb es oben schon: künstlerisch..
Und das ist, nach besagter Qual des Ansehens, der Punkt der mich nahezu wütend macht. Ich habe schon oft gelesen, dass Filmen Style-over-Substance vorgeworfen wird und diese Ansicht selten geteilt. Hier sehe ich Style (zu dem ich gleich komme) WITHOUT Substance. Der Film ist ein reines Vehikel um künstlerische Bilder zu zeigen. Und den Kontext in den sie gewoben sind empfinde ich als eine Frechheit.
Und WIE der Style ist regt mich endgültig auf.
Die Bilder: Ach was sind wir künstlerisch, Ach was sind wir virtuos.
Die Art wie Resnais seine Kamerafahrten und Bilder zeigt versprüht für mich eine so arrogante, überhebliche Art, dass jedes Frame mich anspringt um mir zeigen zu wollen was für ein unfassbar genialer KÜNSTLER Resnais doch ist. Im Gegensatz zu wahren visuellen Künstlern (wie z.B. Tarkovsky, der mit gleichem Ansatz WELTEN vermittelt) transportieren die Bilder aber NICHTS. Gar nichts. Außer dem verzweifelten Schrei nach intelektuell-künstlerischer Selbstdarstellung eines Regisseurs. Verkopft bis zum Anschlag (und bei zuviel Kopf verbleibt nun mal zu wenig Herz)!
Wann macht 'Kunstfilm' Sinn? Wenn es irgendwie in sich logisch ist. Und hier finde ich weder ein stimmiges Gesamtbild, noch irgendeine Aussage, noch einen Sinn in der Darstellungsform, egal ob oberflächlich, oder tiefer, oder irgendwie. Da steckt im Dadaismus mehr Inhalt!

Und das Skript: Ach was sind wir poetisch, ach was sind wir intellektuell, ach was sind wir verwirrend.
Aber auf emotionaler Ebene? Passiert NICHTS! Das soll eine Liebesgeschichte sein? Der Mann soll die Frau lieben? Wenn Resnais das als Liebe inszeniert, tut mir seine Frau Leid.

Ich könnte mich in Rage schreiben.
Und ich dachte Goddard wäre trocken und verkopft..

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udowegener

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Ich danke dir, dass du in Worte gefasst hast, was ich nicht konnte. Eine Anmerkung noch: Ich glaube, solche Filme machen Leute, die auf sich selber wich.en


jacker

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Das bleibt nur Mutmaßung :D


steffeck

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vorgemerkt

Eine Vorhersage von 10. :O
Ob MP nun spinnt oder nicht, es schraubt die Erwartungen natürlich schon einmal gewaltig nach oben, aber gut. Vielleicht wird es ja wirklich einer meiner Lieblinge. :)

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jeffcostello

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Bewertung9.0Herausragend

Es gibt eine Szene Alain Resnais “Letztes Jahr in Marienbad”, in der die beiden Protagonisten vor einer Statue stehen, die einen Mann und eine Frau zeigt, und beide versuchen zu interpretieren, welche Situation diese Statue darstellt. Beide kommen zu vollkommen unterschiedlichen Schlussfolgerungen.
Resnais Film ist wie ein Traum, er ist ein Rätsel, unmöglich es aufzuschlüsseln, unmöglich es vollständig zu lösen. Hier wird Vergangenheit und Gegenwart zusammengeschnitten, und so verschmelzen sie und es entsteht aus beidem eine Einheit, eine ganz neue Form der Realität.
Der Schauplatz des Filmes ist ein altes Schlosshotel, das direkt am Filmanfang als Labyrinth aus langen Gängen und Salons beschrieben wird, als ein Ort aus einer längst vergangen Zeit.
Die stark durchkomponierten Bilder, die langen Kamerafahrten durch die Gänge des Schlosses und auch plötzliche Ortswechsel erzeugen jene traumartige, realitätsferne Atmosphäre.
Die Frage, worum es in „Letztes Jahr in Marienbad“ eigentlich geht, ist unmöglich eindeutig zu beantworten. Ich denke, es ist wie bei der Statue, die die Protagonisten zu deuten versuchen, denn obwohl es ein und dieselbe Statue ist, sehen beide etwas vollkommen konträres in ihr. Der Film ist für alle Interpretationen offen. Für mich jedenfalls ist Letztes Jahr in Marienbad ein Film über den Kampf zwischen Liebe und Gewissen, zwischen Emotionen, Verlangen und Gewissen, und über die Liebe selbst, die oft gefährlich oder verboten sein kann, in der man aber doch Erfüllung findet.

„Sie waren so gut wie tot, aber noch nicht, noch lieben sie.“

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ElMagico

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Versucht man sonst mit einem solchen Text einen Film aus der Mitte heraus zu erklären, zu beschreiben und sein Wesen zu erfassen, um es anderen Menschen zu erläutern was der Film in sich trägt, welche Aussagen er besitzt oder was er mit dem Zuschauer anzustellen vermag, versagt dieser Versuch bei "L’année dernière à Marienbad" ab dem ersten Gedankengang, ab dem ersten Wort mit dem einen solchen Kommentar beginnen will. Man kann sich diesen Film nur von außen nähern, kann nur von einer gewisen Distanz aus seine Schönheit beschreiben, sein Wesen anderen zu vermitteln ist jedoch nahezu unmöglich. Völlig eigen gibt sich dieser Film und will man doch beschreiben, merkt man schnell, dass man doch nur seinen ganz eigenen, persönlichen Blickwinkel darlegen kann. Ja, dass man fast schon euphorisch den anderen mitteilen will: Ich habe darin etwas gesehen! Irgendetwas! Ich weiß nicht was es war, aber ich habe es definitiv gesehen!
"L’année dernière à Marienbad" ist schwere Kost und ist es auch nicht. Man muss aber definitiv altgediente Sehgewohnheiten beiseite lassen, um auch nur eine minimale Chance zu haben den Film vollständig durchzuhalten. Man muss versuchen mit diesen leblosen Gestalten durch dieses Hotel zu wandeln. Still und starr stehen, wenn sie es tun. Sich bewegen, wenn sie sich bewegen. Man kann sich an der Pracht dieser Bilder ergötzen, die schon vor einem halben Jahrhundert die Filmkunst an eine ihrer höchsten Spitzen brachte, die ein perfektes Gemälde sind, ein perfekter Videoclip, ein perfektes Irgendwas. Es ist einfach so sinnlich, so imponierend, soviel größer und von einer erschlagenden Endgültigkeit. Nichts scheint hier zufällig zu sein. Alles hat einen Wert.
Man kann aber auch versuchen den Geschehnissen auf den Grund zu gehen, das alles zu verstehen. Man sollte den Film aber zu keinem Moment daran messen, wirklich zu keinem, ob man das auch schafft. Man darf sich und diesen Bildern nicht trauen. Man muss wirkliches und irreales gleichermaßen akzeptieren. "L’année dernière à Marienbad" ist kein Film der das Leben abbildet..."L’année dernière à Marienbad" ist das Leben das versucht ein Film zu sein. Es ist kein Film in dem sich die Figuren der Geschichte unterordnen, die Figuren versuchen diese Geschichte zu übernehmen, sie zu zerstören, in ihre Gewalt zu bringen. "L’année dernière à Marienbad" ist ein Film angesiedelt auf einer winzig kleinen Schnittstelle, auf alles Wahrheit ist und alles Lüge.
Ich habe diesen Film heut Nachmittag das erste Mal gesehen und bin kurz danach eingeschlafen (ich hatte Nachtdienst). Etwas besseres hätte mir nicht passieren können, denn unmittelbar nach dem Film wäre ich hier völlig hilflos vor der Tastatur gesessen. Die Bewertung die ich dem Film gebe ist ein Ausgangspunkt. Ein Start. Ich werde diesen Film noch öfters sehen. Sehen müssen. Man kann "L’année dernière à Marienbad" wohl tausendmal sehen und bin mir sicher, man wird immernoch geplättet sein, fasziniert und voller Fragen. Manche wird man vielleicht mit der Zeit beantworten können, zumindest für sich, aber ander werden dafür kommen.
Nicht von dieser Welt.

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ElMagico

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Danke schön! Da du ja sehr interessiert bist, denk ich das es zumindest eine Erfahrung für dich sein wird! Eine ganze eigene!


SKURRIL

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Super!


DerDude_

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Alain Resnais Tag - Teil 3

L`ANNÈE DERNIÈRE À MARIENBAD

"Sie müssen sich irren"
"Sie müssen sich erinnern"

Es gibt Filme und dann gibt es L`ANNÈE DERNIÈRE À MARIENBAD...
Ich glaube kein Film dieser Welt kommt dem Wort Traum so nahe, wie dieser Film es tut. Es beginnt als lange Fahrt durch ein luxeriöses Anwesen, begleitet von der ewig präsenten Orgelmusik, unterlegt mit den wiederholenden Worten eines Mannes. Seine Stimme werden wir fast den ganzen Film hören. Seine Stimme erzählt von einem Ort wo er und eine schöne Frau sich vor einem Jahr getroffen haben. Sie aber kann sich nicht erinnre, vielleicht will sie sich aber auch gar nicht erinnern. Was sind das für Bilder die wir sehen ? Nie können wir ihnen trauen. Sind sie echt oder unecht ? Einbildung oder Realität ? Sind es die Gedanken der Frau, die sich versucht zu erinnern ? Oft kommt es vor das sich Voice-Over und Bilder widersprechen. Versucht die Frau dann etwas zu verdrängen ? Was bedeutet die Musik ? Spielen Szenen ohne Musik in der Realität ? Nie können wir uns sicher sein was wir da sehen.
Denn der eigentliche Film, die eigentliche Geschichte, ist schon längst vorbei und alles was wir sehen ist die Erinnerung an ihn.
L`ANNÈE DERNIÈRE À MARIENBAD ist ein einziges, großes Labyrinth voll Metaphern, Andeutungen, Wahrheiten, Unwahrheiten, Träumen, Gedanken und Erinnerungen. Alles ist so voller Interpretationsmöglickeiten. Als Zuschauer rätselt man während und noch lange, was welche Szene bedeutet, was Realität, was Traum ist. Sind sich der Mann und Frau einmal begegnet ? Resnais zweite Regiearbeit hypnotisiert den Zuschauer mit seinen langen Fahrten durch Gänge, Flure und Gärten, durch die dominante Musik und das Voice-Over des Mannes, bis man in eine schwebende Trance verfällt, aber aus dieser ruckartig wieder entrissen wird, sobald der Film seine bedrohliche, verstörende Seite zeigt, durch Andeutungen und Verweisen auf das Schreckliche, was vielleicht auch passiert ist. Besonders der finale Schlussmonolog entlässt einen in pures Unbehagen. Aber dieser Film entwickelt auch einen Sog, betörender, unglaublicher Schönheit. Die ganze Bandbreite der Gefühle ruft dieser Film hervor.
Ein Werk voll unbestrittener Perfektion. Ein Film der viel möchte aber viel gibt. Eine der intensivsten Atmosphären aller Zeiten, die einen durch die Erinnerungen eines Labyrinths führen, durch das man vielleicht einmal gegangen ist.
Einer der wenigen Filme, deren einziger Fehler der ist, das sie irgendwann enden. Alain Resnais hat sich spätestens hiermit ein Denkmal gesetzt.
Am 6. August diesen Jahres erscheint VOUZ N`AVEZ ENCORE RIEN VU, der neue Film des inzwischen über 90 Jahre alten Regisseurs. Ich werde dort sein...

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JJGittes

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Wird gleich vorgemerkt, hört sich echt interessant an. Scheint was ganz neues zu sein. :)


DerDude_

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Update : Alain Resnais ist inzwischen tragischerweise verstorben.


Pyro 91

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Keine Ahnung was da abging. xD

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longus69

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Bewertung9.0Herausragend

Unstrittig bemerkenswerte große Filmkunst... Ein filmisches bildgewaltiges Experiment das jedweder Richtung für Interpretation Tür und Tor öffnet... Hier ein Versuch einer Interpretation die die Liebe im Film behandelt sieht:

http://www.borisseewald.de/blog/2010/06/filmanalyse-letztes-jahr-in-marienbad/

Gleichwohl gibt es Interpretationen die den Tod darin behandelt sehen.

Ich persönlich habe beide Sichtweisen vermischt für mich wahrgenommen.

Der Tod hat sich verliebt in (s)einen Engel, und duldet keinen Aufschub mehr wie in der Vergangenheit. Er obsiegt letztendlich gegen den "Spieler"(das Leben) und nimmt seinen Engel für die ewige Liebe zu sich...

Dies ist meine persönliche Sichtweise unter der Vielzahl von Deutungsmöglichkeiten; vielleicht aus dem inneren Zwang als KinoVielseher heraus, eine Geschichte im Gesehenen entdecken zu können. Es ist aber gut möglich dass der Film bei jeder Sichtung vom gleichen Seher (also auch von mir) jedesmal neu interpretiert werden kann und wahrscheinlich auch wird. Und dass allein ist schon großartige Filmkunst.

Parallelen zu Shining und Groundhog Day, die ganz offensichtlich von Marienbad beeinflusst wurden, vermochte ich noch selbst zu erkennen. Viele weitere in der folgenden Vorlesung genannte Aspekte waren mir neu (und mehr als einmal musste ich das Wörterbuch und Wikipedia bemühen ;-) ):

http://www.uni-weimar.de/medien/philosophie/lehre/ws0708/vorlesung_3.pdf

Abschließend muss ich letztlich aber auch gestehen, dass ich manchmal kurz davor war einzunicken ;-)

Aber ein großes Kunstwerk bleibt auch dann ein großes Kunstwerk wenn nicht jedermann das große Kunstwerk darin als Ganzes erfassen kann.

Deshalb kann ich nicht anders als den Film mit meiner schulischen Note 1 zu bewerten.

1... Alles richtig gemacht ... setzen....;-)

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Lorion42

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Bewertung7.0Sehenswert

Spannendes Experiment das es trotz seiner avangardistischen und surrealistischen Elemente schafft einen Spannungsbogen zu erzeugen. Vor allem die Kameraarbeit hat mich irgendwie fasziniert. Die ersten Minuten des Films sind sehr formlos, so dass es schwer fällt überhaupt erstmal einen Zugang zum Geschehenen zu finden. Erst danach entfalltet sich so etwas wie eine Geschichte. Hier wird bewusst gegen Konventionen verstoßen und Zeitebenen durcheinander geworfen. Jeder der den Film sieht sollte sich bewusst sein, dass man hier ein Kunstprodukt sieht, dass interpretiert werden will und über das man sich danach austauschen möchte. Durch die ungewohnte Erzählweise entstehen vor allem im letzten Drittel (nachdem man sich über das meiste im klaren ist) Längen.

Letztendlich habe ich nach der ersten Sichtung nur eine Leseart entdeckt und bin deshalb eher enttäuscht. Es gibt viel im Film, dass man interpretieren kann und es ist sehr faszinierend, doch die Geschichte ist eher simpel. Ich denke, dass ich vieles nicht entdeckt habe und vor allem das Ende anders gedeutet werden könnte, aber sehr viel mehr ist er für mich doch nicht. Sehenswert ist er für offene Cineasten aber auf jeden Fall.

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Audreyfan

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Heute irrte ich ich durch die weite Welt. Leere Straßen, verschlossene Haustüren und Nebel. Doch da kam ich in einen Park, an dessen Ende ein Hotel stand. Ein schönes Hotel. Neugierig wie ich bin, ging ich drauf zu und betrat es. Menschen waren dort. Ich irrte durch die langen Flure, an den verschlossenen Türen vorbei und betrachtete die kunstvollen Verzierungen der Wände und Decken. Ich ging durch diverse Räume, beobachtete Männer, wie sie ein Spiel spielten, wo immer derselbe gewann und schnappte Satzfetzen auf. Doch dann blieb ich stehen. Ich sah einen Mann und eine Frau, wie sie sich unterhielten. Ich näherte mich ihnen, versteckte mich ein wenig und belauschte ihr Gespräch. Ich wusste nicht, wer sie waren, aber ich war interessiert an ihrer Geschichte. Der Mann erschien fordernd, vielleicht ein wenig wütend, vielleicht ein wenig enttäuscht. Die Frau ängstlich und verwirrt. Sie wollte anscheinend weg, sagte immerzu "Lassen Sie mich" und "Seien Sie still" und beteuerte, den Mann nicht zu kennen, ihn nie gesehen zu haben. Sie gingen durch das Hotel, durch den Park und ich folgte ihnen. Sie faszinierten mich und hätte ich einen Wunsch frei, hätte ich mir gewünscht ihre Gedanken zu hören. Sie bemerkten mich nicht und redeten immer weiter. Redeten über Banales, dann wieder, dass sie mit ihm mitkommen sollte. Manchmal gingen sie an dem Tisch vorbei, wo dieses Spiel stattfand. Sieben, fünf, drei, eins und immer derselbe gewann. Doch das alles war nur Hintergrund, ich wollte wissen, wer diese zwei Menschen waren. Was passierte vor diesem Tag? Woher kommen sie? Kenn ich sie? Wie heißen sie? Ich folgte ihnen und folgte ihnen und er redete und er redete und er redete aus der Vergangenheit. Ich war schonmal hier. Oder nicht? Gleichzeitig vertraut und fremd. Ich habe Angst vor diesem Ort, aber ich will bleiben. Ich verliere das Gefühl für den Raum und für die Zeit. Reise zwischen den verschiedenen Zeitebenen hin und her. Wo bin ich? Wer bin ich? War ich schonmal hier? War ich da vielleicht betrunken oder bin ich es jetzt? Was ist wirklich? Ich sehnte mich wie noch nie zuvor nach Antworten auf solche Fragen und ich sollte sie nicht bekommen. Jetzt redete er von einem Zimmer. Er redete von Leben und von Tod. Dass sie immer noch dieselbe ist. Dieselbe Haltung, dasselbe Lächeln. Ich war schonmal hier. Gestern, oder vor ein paar Minuten, ein paar Sekunden. Ich verirre mich. Ich verwirre mich. Angst, Angst. Aber ich will nicht weg. Was soll schon kommen nach diesem Tag. Heute Morgen konnte ich mir noch vorstellen, am nächsten Tag wieder aufzuwachen, so wie heute. Jetzt kann ich mir noch nicht mal mehr vorstellen, jemals einzuschlafen. Verirrt in Ort und Zeit. Suche verzweifelt nach irgendwas, was wirklich ist, doch dann reißt mich seine Stimme wieder ins Labyrinth. Ich will nichts mehr fühlen, nichts sehen oder hören, einfach nur vom Leben mitgerissen werden. Doch das tut es nicht. Die beiden lassen mich alleine zurück. Im Zimmer, im Park, an der Statue, im Salon, im Flur und gehen weiter ihre Wege. Sie sind weg und "Fin" erleuchtet vor meinen Augen. Tränen laufen mir über die Wangen, ich reiße meine Augen auf, schaue aus dem Fenster. Sehe die leeren Straßen, die verschlossenen Türen, den Nebel. Und will weg von hier, wieder zurück zu diesem geheimnisvollen Ort. Ich war schon mal da, ich kann mich nur nicht erinnern. Ich bin verwirrt, ich habe mich verirrt. 

"Und das ist gut so. Denn diesen Film möchte man nicht mehr verlassen, man möchte sich verirren." (Lars-Olav Beier/KulturSpiegel)

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franticfury

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Bewertung10.0Herausragend

Solch große und luxoriöse Hotels haben ja irgendwie von Haus aus etwas Faszinierendes an sich. Ich kann mich erinnern, wie ich als kleines Kind durch eben die Gänge eines solchen Hotels gelaufen bin, das alles hatte etwas so ungeheuer Geheimnisvolles, Spannendes, Faszinierendes. Dieser Irrwald aus Gängen und Türen, beiläufig kann man hie und da ein Gespräch belauschen, über Geschäftliches, Kulturelles, Belangloses. Damals war die Welt noch eine andere für mich, eine spannende, wo es hinter jeder Tür und in jedem Spiegel etwas zu entdecken gab. Bis gestern hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass es ein Film in mir, so viele Jahre später wieder dasselbe Gefühl auslösen sollte.
Denn Alain Resnais "Letztes Jahr in Marienbad" ist kein Film, sondern ein einziger Irrgarten aus Gängen, Türen und Erinnerungen. Türen öffnen und schließen sich wieder und man hat das Gefühl, dass irgendwo in dem riesigen Labyrinth die Wahrheit versteckt sein muss. Die Wahrheit? Mit der nimmt es Resnais nicht wirklich so genau. Viel wichtiger ist hier doch die "gefühlte Wahrheit". Die Erinnerung stellt schließlich nie den Anspruch an selbige. Sie überhöht, beschönigt. Ist es nicht meistens so, dass man enttäuscht wird, wenn man an einen Ort seiner Kindheit zurückkehrt, weil in der Erinnerung eben irgendwie alles lebhafter und schöner erscheint?
So verhält es sich auch mit "Letztes Jahr in Marienbad", Resnais springt hin und her, Stunden werden zu Tagen, Tage zu Monaten und schließlich zu Jahren. Es scheint als würde die Zeit anderen Gesetzen folgen in Marienbad. Immer wieder laufen sich die Protagonisten über den Weg, als ob es in dem riesigen Hotel nur diese Beiden gebe. Und immer wenn man glaubt, man würde der Sache so langsam auf die Schliche kommen, da spielt uns die Erinnerung wieder einen Streich.
Und da stand ich also wieder. Auf einmal war ich wieder dieser kleine Junge von 8 Jahren, inmitten dieser riesigen, endlos erscheinenden Gänge und alles ist auf einmal wieder so neu, so spannend und wartet nur darauf erforscht zu werden.
"Letztes Jahr in Marienbad" ist ein hypnotisierender Bilderrausch aus Gängen und Erinnerungen und ein toller Gegenentwurf zum langweiligen, drögen Storytelling, wie wir es heute nur allzu oft in den Kinos in mundgerechten Happen serviert bekommen. Danke Herr Resnais, dass Sie mir mit diesem Film nicht nur einmal mehr großartige Kunst vor Augen geführt haben, sondern auch ein Stück Kindheit zurückgebracht haben! Ein Film, der mein nostalgisches Herz im Sturm erobert hat!

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franticfury

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Und wie :) Großartiger Film, großartig gefilmt, großartig erzählt, ich bin begeistert! :D


rondaniel

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Wow...die in den Extras der DVD befindichen Interpretationsmöglichkeiten und natürlich das Marienbad-Spiel haben mich letztendlich überzeugt. Das Spiel werd ich auf jeden Fall mal unter Freunden ausprobieren.

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Lorion42

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Welche DVD hast du denn? So viele Extras auf der Arthaus Klassiker DVD?


rondaniel

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Ich hatte die aus der Arthouse Collection vom KulturSpiegel (siehe Bilder).


Tyler__Durden

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Zwei mal im Film versuchen die Worte (die Bilder kehren öfters dorthin zurück) des Haupterzählers eine erinnerungswürdige Nacht in einem Zimmer zu beschreiben. Es ist Nacht draußen. Eine (die) Frau ist in dem Zimmer. Gekleidet in weiß wartet sie auf ihn. So jedenfalls sagen es die Worte. Die Bilder aber verleugnen diese Logik. Sie erlauben es den Erinnerungen des Mannes nicht sich so zu formen wie er sie sich denkt. Die Bilder zeigen ein Zimmer welches durch das Licht von draußen geflutet wird. Die Verbindung zwischen Bild und Ton - gebrochen. Oder? War es nicht doch Tag und sie trug schwarz. Wer irrt sich hier? Irrt sich überhaupt jemand? Die Geschichte ist doch schon erzählt. Sollten die Details also nicht im Gedächtnis bleiben? Gedächtnis? Wer erinnert sich hier überhaupt? Ist es der Mann oder doch der Platz, der Raum oder die Statuen welche sich an die auf sie und um sie herum gerichteten Blicke erinnern. Ist es nicht dass was der Film zeigt? Das Erinnern. Das Erinnern an eine Geschichte an einem Ort, in einem Raum, mit Personen und Gefühlen. Doch genau so wie die Erinnerung an diese Dinge (räumlich desorientiert, Wörter ohne Bilder, Bilder ohne Kontext, nur der Logik des Gefühl an jenem Moment folgend) konstruiert sich auch der Film seine Sprache. Eine Erinnerung an eine Geschichte die, wie man schon zu Beginn erfährt, doch schon längst vorbei ist.

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Mimuschka

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ah, jetzt mir dem smiley wird mir EINIGES klarer :-3


Tyler__Durden

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;)



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