Live aus Peepli - Irgendwo in Indien

Peepli Live (2010), IN
Laufzeit 108 Minuten, FSK 12, Komödie, Drama, Kinostart 11.11.2010

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von Anusha Rizvi und Anusha Rizvi, mit Omkar Das und Raghuvir Yadav

Live aus Peepli – Irgendwo in Indien erzählt die Geschichte der beiden Farmer Natha und Budhia, die ihr Land verlieren werden, wenn sie ihre Schulden nicht bezahlen können. Ein inkompetenter Politiker schlägt ihnen vor, einen Selbstmordversuch zu unternehmen, um die Unterstützung der Regierung zu bekommen. Doch auch die Medien schalten sich ein. Fortan fiebert das Land mit, ob Natha sich das leben nehmen wird oder nicht.

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Cast & Crew


Kritiken (5) — Film: Live aus Peepli - Irgendwo in Indien

SchnabelPower

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8.0Ausgezeichnet

Indien ist ein Dritte Welt Land, sagt die Regisseurin beim Nachgespräch. Es wird Zeit, dass Indien das akzeptiere. Das Land bestünde nicht nur aus den großen Städten wie Delhi und Bombay. 70% der Bevölkerung seien auf die Landwirtschaft angewiesen, das müsse die Innenpolitik berücksichtigen.
Die Filmemacherin ist jung und informiert. Sie macht sich Gedanken über die Missstände in ihrem Land. Journalistin möchte sie nicht mehr sein, stattdessen macht sie jetzt Filme. „Peepli Live“ ist der erste. Hier erzählt sie die Geschichte zweier Brüder, die den Landbesitz der Familie retten wollen. Da die Familie eines Selbstmörders eine staatliche Entschädigung erhält, beschließen die beiden, einer der beiden, Natha, solle sich das Leben nehmen. Durch einen Zufall erfährt ein Regionalreporter von diesem Plan und berichtet in der Zeitung darüber. Plötzlich befindet sich Natha in einem riesigen Medienrummel. Das kleine Dorf ist voller Journalisten aus dem ganzen Land,…

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Jürgen Kiontke: Jungle World, ai-Journal, K...

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8.0Ausgezeichnet

„Live aus Peepli“ beginnt mit viel Geschrei, verläuft eckig, wird traurig und endet als Farce - ein brillanter, sozialkritischer Wurf im Windschatten Bollywoods, der größten Kinomaschine der Welt.

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Susanne Gupta: fluter Susanne Gupta: fluter

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8.0Ausgezeichnet

"Live aus Peepli – irgendwo in Indien" ist eine spannende Medien- und Gesellschaftssatire auf die Zustände in ihrem Heimatland, die mal komisch, mal tragisch oder bitter zynisch davon erzählt, wie tief die Kluft zwischen Stadt und Land ist.

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José Garcia: Textezumfilm

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8.5Ausgezeichnet

Anusha Rizvis leicht überzeichnete Satire beruht auf einer traurigen Wirklichkeit: Zwischen 1997 und 2007 begangen 182 000 überschuldete Bauern in Indien Selbstmord. Die schreckliche Realität hinter „Live aus Peepli – Irgendwo in Indien“ erahnt der Zuschauer etwa auch in einer kleinen Randhandlung: Immer wieder fällt der Blick der Kamera auf einen extrem dürren Mann, der die Erde mit bloßen Händen bearbeitet. Irgendwann einmal ist die Stelle, in der er arbeitete, leer. Der Hungertod ist auch keine Seltenheit auf dem Land.

In ihrem Spielfilmdebüt besetzte Regisseurin Anusha Rizvi die Hauptrollen vorwiegend mit Schauspielern aus ländlichen Theatergruppen, die dem Film Glaubwürdigkeit verleihen. Zur Authentizität tragen ebenso die Dreharbeiten in einem kleinen indischen Dorf bei. „Live aus Peepli – Irgendwo in Indien“ lebt von den Gegensätzen, etwa von den Widersprüchen, etwa zwischen Armut und unmenschlichen Arbeitsbedingungen auf dem Land und einer expandierenden Wirtschaft in den Megacities mit hochmodernen Massenmedien. Diese Gegensätze setzen sich in der Inszenierung fort, in der sich ein schwarzer Humor und bunte Farben mit dem ersten Sujet die Waage halten. Anusha Rizvi hält diese Widersprüche wunderbar im Gleichgewicht, weil sie ein schlafwandlerisch sicheres, für ein Spielfilmdebüt außergewöhnliches Gespür für Erzählrhythmus beweist. Mit der Kritik an der Mediengesellschaft und an korrupten Politikern verknüpft Rizvis Tragikomödie eine fürs heutige Indien eigentümliche Handlung mit allgemein gültigen Elementen.

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F. Kleiner: Film-Dienst.de F. Kleiner: Film-Dienst.de

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8.0Ausgezeichnet

Nahezu stumm bliebt Natha, die Hauptfigur des Films – dafür reden andere umso mehr: über ihn, über seinen Kopf hinweg. Ein Schicksal, mit dem Natha repräsentativ ist für die Schicht, aus der er kommt: Er ist Bauer, und während in den indischen Großstädten die Wirtschaft boomt, sind die Lebensumstände der einfachen Landbevölkerung immer noch die eines Entwicklungslandes. Warum ist das so? Warum nimmt die Politik, warum nehmen die Menschen das hin? Anusha Rizvi formuliert diese Frage in Form einer ebenso komischen wie bitterbösen Farce. [...]
Anusha Rizvi weiß, was sie tut, wenn sie Presseleute aufs Korn nimmt, die zu sehr um Sensationen konkurrieren, um ehrliches Interesse an Menschen und ihren Lebenshintergründen aufzubringen: Sie hat selbst lange als Produzentin für Indiens größten Nachrichtensender NDTV gearbeitet. Umso bitterer ist ihr Porträt einer Reporterin, deren Interesse für Natha zunächst dessen Rettung zu sein scheint, weil es die Probleme seiner Familie der Öffentlichkeit vorlegt, die sich schließlich aber genauso von Peepli und den Bauern abwendet wie alle anderen, sobald sich kein Profit mehr daraus ziehen lässt. In einzelnen Sequenzen übernimmt Rizvis Film die hektische Handkamera-Perspektive der Reporter, die Natha nachjagen, allerdings nur, um sie zu konterkarieren mit dem eigenen Blick, der das genaue Gegenteil ist: ruhig, insistierend, weit offen für die Dinge und die Gesichter am Rande. Dabei fängt ihre Kamera immer wieder Situationen ein, die sich an Irrwitzigkeit gegenseitig überbieten; bei allem lakonischen Humor hält Anusha Rizvi aber auch mit kleinen Szenen dagegen, die einem in Erinnerung halten, wie viel tödlicher Ernst in der Farce steckt.

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Kommentar — Film: Live aus Peepli - Irgendwo in Indien

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hedgehoque

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Bewertung7.5Sehenswert

Eine Mediensatire, die mit Indien weit weg verortet scheint. Doch hier greifen exakt dieselben Mechanismen wie hierzulande: Die Medien stürzen sich auf ein Thema, weil sie einen emotionalen Aufhänger gefunden haben. Dann beginnt die Berichterstattungslawine. Hunderte Reporter suggerieren vor Ort mit grotesken Interviews, dass sie ganz nah dran sind. Die eigentlichen Hintergründe der Misere interessieren aber niemanden. In einer Kernszene offenbart die ansatzweise sympathische Karrierejournalistin ihr wahres Gesicht und erklärt dem jungen, idealistischen Lokalreporter den Beruf. Dass ausgerechnet der am Ende draufgeht, ist wohl typisch indischer Fatalismus.
All das ist wirklich lustig umgesetzt. Man sieht mal wieder etwas von Indien, vom Land, der Stadt, den Gegensätzen.

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