Live Flesh - Mit Haut und Haar

Carne trémula (1997), ES/FR
Laufzeit 97 Minuten, FSK 12, Komödie, Drama, Thriller, Kinostart 07.05.1998

7.3 Kritiker
8 Bewertungen
Skala 0 bis 10
7.0 Community
199 Bewertungen
7 Kommentare
Live Flesh - Mit Haut und Haar - Bild 6586914
  • DVD
Diesen Film bewerten
Bewertung löschen
noch nicht bewertet

von Pedro Almodóvar, mit Javier Bardem und Francesca Neri

Die beiden Polizisten David und Sancho werden zu einem Einsatz in eine Madrider Wohnung gerufen. Dort bedroht der Pizzabote Victor die drogensüchtige Elena mit einer Pistole. Während David den jungen Mann zu beruhigen versucht, beginnt Sancho ihn zu provozieren und stürzt sich schließlich sogar auf ihn. Im Handgemenge feuert Victor ab, getroffen wird David. – Vier Jahre später: David ist seit dem Vorfall querschnittsgelähmt und muss im Rollstuhl sitzen. Er ist jetzt mit Elena verheiratet, die von den Drogen weg ist und ein Kinderheim leitet. Der unverletzt gebliebene Sancho lebt immer noch mit seiner Frau Clara zusammen. Als Victor seine Haftstrafe abgesessen hat und wieder auf freiem Fuß ist, beginnt er, sich vehement in das Leben der beiden Paare einzumischen. Denn er hat eine Version des damaligen Ereignisses zu erzählen, die sich von der offiziellen deutlich unterscheidet.

Almodóvar engagierte für diese Roman-Adaption frei nach Ruth Rendell vorwiegend unerfahrene Schauspieler. Auch Penélope Cruz spielt in Carne Trémula (wörtlich übersetzt: Bebendes Fleisch) eine Nebenrolle, die ihren späteren Erfolg kaum erahnen lässt. Es ist nicht unbedingt die verworrene Handlung, die den Zuschauer in den Bann zieht, sondern vielmehr die Begierde, welche Almodóvar in einprägenden Bildern visualisiert.

HandlungWeil Víctor (Liberto Rabal) im Januar 1970 in einem Madrider Autobus als Kind der Prostituierten Isabel (Penélope Cruz) das Licht der Welt erblickt, bekommt er von den Madrider Stadtwerken ein lebenslängliches Verkehrsticket.

20 Jahre später ereignet sich eine Schießerei, nachdem Víctor die Diplomatentochter Elena (Francesca Neri), die er liebt, besucht hat. Dabei wird David (Javier Bardem), ein Polizist, schwer verletzt und bleibt querschnittsgelähmt, während Víctor fälschlicherweise für vier Jahre hinter Gitter wandert. Wie sich später herausstellen wird, war der wahre Attentäter Davids Vorgesetzter Sancho (José Sancho), der aus Eifersucht handelte: David hatte eine Affäre mit Sanchos Frau Clara (Ángela Molina).

Nach der Haftstrafe muss Víctor erkennen, dass Elena mittlerweile mit David verheiratet ist, aus dem ein Paralympic-Basketballstar geworden ist. Während der Beerdigung von Elenas Vater treffen sich Víctor, der das Grab seiner Mutter Isabel besucht, und Elena wieder. Víctor, der unter seiner vierjährigen sexuellen Abstinenz leidet, möchte sich an Elena rächen, die ihn damals entjungfert und danach abgewiesen hatte. Um die verpassten Erfahrungen nachzuholen, beginnt er nach dem Treffen mit Elena eine Affäre mit Clara, Sanchos misshandelter Ehefrau.

Am Ende stirbt das Ehepaar Clara und Sancho, Elena und Víctor werden ein Paar und bekommen ein Kind auf der Straße (wie damals bei Víctors Geburt) und der verbitterte David bleibt alleine.

Wissenswertes
In den USA löste Carne Trémula eine heftige Debatte aus, die mit der Zensur der Sexszenen endete.
Auf Elenas Fernsehbildschirm läuft während ihres Rendez-Vous mit Víctor Luis Buñuels antibürgerliche Mordsatire Ensayo de un crimen la vida criminal de Archibaldo de la Cruz aus dem Jahre 1955.
Der Prolog der Geburt Víctors spielt im Januar 1970, als die francistische Regierung Spaniens die Notstandsgesetzte erließ.

Weiterführende Informationen
Die Rezeption des Films

Weitere Informationen im Internet
Carne Trémula – Rezension auf der Filmzentrale
Verschiedene Reviews (engl.)
Reviews auf Rottentomatoes.com

Quellen
Carlos Polimeni: Pedro Almodóvar und der Kitsch español, Madrid: Parthas 2005, ISBN 3-86601-625-5.


Cast & Crew


Kommentare (7) — Film: Live Flesh - Mit Haut und Haar

Kommentar schreiben
Sortierung

Joe Gillis

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

Am Anfang und am Ende stehen jeweils eine Geburt und ein Schußwechsel: Leben und Tod als Angelpunkte einer doppelten Kreisbewegung. Auf dieser Bahn bewegen sich fünf Personen, deren Schicksale zu einem – wie sollte es bei Almodóvar anders sein? – hochkomplexen Netz von Begierden verflochten sind. Während die beiden Frauen vor allem als emotionale Katalysatoren wirken, liegt das Augenmerk des Regisseurs auf den drei Männern des Fünfecks. Ihre unkontrollierte Triebhaftigkeit und ihre Schwierigkeiten, Gefühle anzunehmen und zu artikulieren, geben der Melodramatik des Films eine dunkle Tonlage der Unentrinnbarkeit. Zum ersten Mal übrigens blickt Almodóvar über den Tellerrand der Gegenwart zurück in Spaniens faschistische Vergangenheit – was »Carne trémula« eine zusätzliche, politische Dimension verleiht.

7 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

christof.s

Kommentar löschen
Bewertung7.5Sehenswert

Die Story basiert primär auf (in verschiedener Hinsicht) verletzter Männlichkeit sowie Eifersucht und Rache. Trotzdem ganz nett, aber längst nicht so 'beunruhigend' wie andere, vor allem frühere Filme von Almodóvar, und deutlich weniger komplex und herausfordernd, finde ich, als spätere Filme.

Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

8martin

Kommentar löschen
Bewertung6.0Ganz gut

Almodovar präsentiert uns ein komplexes Beziehungsgeflecht, an dessen Anfang und an dessen Ende eine Geburt steht. Dazwischen gibt es jede Menge Sex and Crime. Wie das erzählt wird ist zwar amüsant, aber man braucht manchmal schon einen Plan, um das Verhältnis der einzelnen Figuren zu einander nachvollziehen zu können, vor allem wenn vor der Kamera über etwas gesprochen wird, was nur die beteiligten Akteure wissen. Aber wie das bei einer Farce so ist, darf man nicht so genau hinschauen. Im Zentrum der Aktionen steht die Liebe: die nehmende und die gebende, von männlicher wie von weiblicher Seite her gesehen. Da gibt es Machtspielchen, Treulosigkeit, Verletzungen, Lustgewinn und Frusterfahrung. Gut gemachte Unterhaltung, wenn ’das Fleisch zittert’.

1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

vaan_F.F.

Kommentar löschen
Bewertung6.5Ganz gut

Man kann sich toll in die Charaktere hineinfühlen. Total gut gemacht. Toll.

Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

annaberlin

Kommentar löschen
Bewertung8.5Ausgezeichnet

Einer der stärksten Almodóvars, vor allem auch wegen Javier Bardem im Rollstuhl und einer tollen Francesca Neri. Die Geschichte um Begierde, Eifersucht und Leidenschaft ist zwar so neu nicht, aber dank des Talents des Regisseurs ist der Film klasse geworden.

Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

maslobojew

Kommentar löschen
Bewertung9.5Herausragend

Ein Klasse-Almodovar und gut geeignet, um bei diesem Ausnahmeregisseur einzusteigen.

Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Alecprime

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

Ein ganz starker Almodovar, diesmal mit den Hauptzutaten Drogen und Sex mit Behinderten.

Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Kommentar schreiben

Fans dieses Films gefiel auch