Lösegeld

Lösegeld (2012), DE Laufzeit 90 Minuten, Kriminalfilm

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von Stephan Wagner, mit Lisa Bitter und Anna Böger

Nina Hansen, Leiterin einer Begleitagentur, wird im Wald von einem Fremden mit einem Messer angegriffen. Nur mühsam kann sie ihm entkommen, in dem sie ihn mit ihrem Auto anfährt und dabei schwer verletzt. Auf der Rückfahrt findet sie in ihrem Wagen ein Säckchen mit Diamanten – offenbar das Lösegeld aus einem Entführungsfall, wie sich am nächsten Tag herausstellt. Nina meldet zwar den Überfall der Polizei, die Diamanten unterschlägt sie aber, da sie mit ihrer Agentur finanziell unter Druck steht. Der Polizei, allen voran Kommissar Lysewski, erscheint die attraktive Frau zwar mysteriös, nachweisen können sie ihr jedoch nichts. Nina widerum hat die Rechnung ohne den Entführer gemacht, der mit dem Mann identisch ist, der sie nachts überfallen hatte. Als sie trotz Polizeischutz in ihrer Wohnung erneut von ihm bedroht wird, kommt ihr Lysewski zu Hilfe. Bei der Verfolgungsjagd stirbt der Entführer. Zwar ahnt Lysewski, dass Nina die Diamanten unterschlagen hat und auch sein Karriere orientierter Kollege Weber will die Frau festnageln. Doch Lysewski deckt sie – er hat sich in sie verliebt und heimlich mit ihr eine Affäre angefangen. Dann aber entdeckt Lysewski, dass sich Nina ins Ausland absetzen will. Lysewski steht vor der vielleicht wichtigsten Entscheidung seines Lebens.

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Kommentare (2) — Film: Lösegeld


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Scipio

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Bewertung5.5Geht so

Ich hasse es, wenn der Ton immer mal wieder bei Szenenwechsel dem Ereignis 2 oder 3 Sekunden voraus ist. Und diese komische Schnitt-Technik ist wirklich Geschmackssache.

Aber - der ungewöhnliche Schluss versöhnt!

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fabel

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Bewertung9.5Herausragend

Dieser Zeilen könnte Spoiler beinhalten - Eltern haften für ihre Kinder!

Ein Entführungsfall, eine überfallene Frau, ein toter Geiselnehmer, ein vermisstes Säckchen Lösegeld und ein Kommissar, der sich in die Verdächtige verliebt und die schlechteste Aufklärungsquote in ganz NRW innehat - klingt nach einem ganz normalen Krimi.
Stephan Wagner, der Regisseur von "Borowski und die Frau am Fenster" oder vom ganz und gar großartigen "In Sachen Kaminski", jedoch kreiert aus diesen Versatzstücken
eine intensive Charakterstudie, die den Zuschauer das ein ums andere Mal überraschen kann.

Einer dieser Überraschungsmomente ist die - die FSK 18-Einstufung meines Kommentars nun bitte beachten - Sex-Szene.
Hauptkommissar Lysewski (coole Sau: Misel Maticevic) treibt es gerade mit Nina Hausen
(sexy und geheimnisvoll - eine explosive Mischung: Ulrike C. Tscharre), Chefin einer Escortagentur und gleichzeitig die Verdächtige für den Diebstahl vom verschwundenen Lösegeld, als sein Kollege Weber (endlich darf er mal auf der richtigen Seite des Gesetzes stehen: Simon Licht) eine Wohnung aufbricht. Der Zuschauer erwartet jetzt, dass es die Wohnung ist, in der der Kollege und die Verdächtige den augenscheinlich besten Sex ihres Lebens haben. So toll ist diese Szene geschnitten. Hier der aufbrechende Weber, der scheinbar aufhorcht und etwas hört, und dort das liebende Pärchen. Hört er die beiden? Vermutlich - aber dann kommt es ganz anders. Das Bett ist leer, es ist eine andere Wohnung. Der Zuschauer sinkt zurück in den Sessel und ist begeistert.
Ähnlich spannend gemacht sind andere Augenblicke. So zum Beispiel der Beginn.
Die später Verdächtige ist da noch Opfer, sie hält im Wald an, ihr Hund rennt davon, es ist dunkel, sie hat Angst, schnell weg hier, denkt sie sich, setzt sich ins Auto - und auf einmal sitzt eine dunkle Gestalt bei ihr auf dem Rücksitz und hält ihr ein Messer an den Hals. Mithilfe von Pfefferspray überwältigt sie sie und überfährt sie dann. Die Person war der gesuchte Entführer eines Industriellen-Sohnes, den die Polizei gerade aus seinem Verließ holen konnte, und das Lösegeld - kleine wertvolle Diamanten - fällt ihr dabei in den Schoß. Weber und Lysewski ermitteln in genau diesem Fall und suchen das Lösegeld und den Täter. Den Letzteren kriegen sie. Aber nur erschossen. Das ist schade, denn auch sein Auftauchen ist jedes Mal ein regelrechtes Spektakel. Man ahnt es zwar, dass er gleich kommt und sie im Wald überfällt, aber wie es Wagner in Szene setzt, ist einfach nur grandios. Super atmosphärisch, super aufregend. Ein weiteres Highlight ist aber auch eine Szene im Hotel, wo sich Hausen zur Sicherheit aufhält. Plötzlich ist ihr Peiniger da, der allem Anschein nach überlebt hat. Sie entdeckt ihn durch das Guckloch in der Tür. Sein Gesicht taucht auf, und - warum auch immer - man zuckt zusammen.

Es sind Szenen wie diese, gemixt mit teilweise wahnsinnig modernen, schnellen Schnitten, die Wagners Streifen fesselnd gestalten. Aber auch die Geschichte sorgt dafür. Sie macht viele Schlänker und wird anfangs recht unorthodox erzählt. Im Vorspann wird der Industriellen-Sohn geborgen, er ragt heraus aus einem Loch im Wald. Dann kommt die Einblendung des Titels und wir befinden uns in der Nacht zuvor. Hausen sitzt im Büro ihrer Agentur am Telefon, arbeitet bis spät in die Nacht. Dann schnappt sie sich den Hund, will mit ihm nach Hause fahren. Dann passiert der Unfall. Sie wacht morgens auf, im Auto, mit wenig Schlaf. Wieder Wechsel im Ort und in der Zeit. Im Wald finden die Polizisten den toten Hund, ermitteln schnell die Besitzerin. Aber es dauert, bis alles zusammenläuft.
Erst einmal wird auf der einen Seite die Geschichte von Hausen, von ihrer Trauer und von ihren schlechten Finanzen - wie passend, dass sie gerade jetzt Diamanten findet - und auf der anderen Seite von den Ermittlungen der Polizisten erzählt. Langsam kreuzen sich aber die Wege, die Fäden verschmilzen. Bis dato ist "Lösegeld" ein gut gemachter Krimi, aber wenn dann beide Seiten geklärt sind, entwickelt sich der Film in ein Werk über einsame Herzen und Menschen, die mit falschen Karten spielen. Eine Charakterstudie mit Wucht und Tiefe beginnt.

Hauptkommissar Lysewski ist 42, besitzt keine Kinder und ist geschieden. In seiner Wohnung stehen lauter Umzugskartons, sein Chef vögelt mit seiner Ex, und seine Aufklärungsquote ist mies. Und auch Hausen hat es nicht einfach. Die Finanzen ihres Unternehmens, ihr Lebensprojekt, sind schlecht, die Bank will ihr Kredite kündigen, das Aus steht kurz bevor. Das liegt an ihrem Ex-Partner und Ex-Freund, der sie hat sitzen lassen - sowohl privat als auch beruflich. Beide finden irgendwann zusammen, verlieben sich, für Lysewski eine richtige Befreiung, aber meint seine Geliebte es wirklich ernst? Oder ist es pure, eiskalt berechnende Taktik von ihr, damit ihr kleiner Diamanten-Diebstahl nicht auffliegt? Tscharre spielt diese Frau so geheimnisvoll, dass es einem manches Mal kalt über den Rücken herunter läuft. Und Lysewski wünscht man endlich wieder Glück.
Aber auch der Rest der Personen hat etwas zu verbergen. Kommissar Weber zum Beispiel. Seine Frau betrügt er des Öfteren mit Prostituierten, so kennt er die Hausen noch von früher. Da ging sie selbst Anschaffen, und Weber gehörte zum Kundenstamm. Weber hat zu Hause ein Nackt-Porträt von sich hängen und guckt sich ganz gerne Pornos an. Im Beruf spielt er seit Ewigkeiten die zweite Geige, doch das soll sich demnächst ändern. Der Chef versteht sich aus gewissen nachvollziehbaren Gründen nicht besonders mit Lysewski und versucht, Weber auf ihn anzusetzen. Er verspricht ihm das Goldene vom Himmel - eine Leitung eines anderes Kommissariats -, wenn er vor Lysewski den Fall löst. Keine einfache Sache. Beide sind zwar weit davon entfernt, die besten Freunde zu sein, aber für ein oder mehrere Bierchen nach dem Feierabend langt's dann doch hin und wieder. Allerdings nimmt Weber das Angebot an. Er möchte diese Chance nutzen und endlich die erste Geige spielen.

Hier verlieben sich einsame Herzen, hier hetzt der eine Feind dem anderen die eigenen Freunde und Kollegen auf den Hals.
Es ist eine spitzenmäßige und gut durchdachte Konstellation, die Wagner hier erschafft, in einer Geschichte, die jederzeit mit überraschenden Wendungen aufwartet. Nervenaufreibend inszeniert, toll und abwechslungsreich erzählt, überzeugend gespielt. Würde es an manchen Stellen nicht ein bisschen konstruiert wirken und wenn man auf die eine oder andere Sache wie Pressekonferenzen oder Radio-Durchsagen, die immer billig wirken, verzichtet hätte, dann wäre "Lösegeld" Fernsehfilm in Perfektion.

bedenklich? 7 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 5 Antworten

fabel

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Du weißt gar nicht, wie es mich freut.:)
Und ja, das fand ich auch, manchmal etwas zu konstruiert - hatte ich ja auch erwähnt -, im Großen und Ganzen hat's mich aber nicht weiter gestört.;)
Das Duo Licht und Maticevic würde ein grandioses Duo für eine Serie abgeben - wenn's nicht schon so viele Serien geben würde ...

Beim nächsten guten Fernsehfilm denk ich wieder an dich! :)


filmschauer

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Genau das hab ich mir auch dabei gedacht, wenn man gleichzeitig an die abgedroschenen Sticheleien von so manchen Tatort-Kollegen denkt.
Du nimmst ja so einige Fernsehfilme mit, von daher weiß ich, an wenn ich mich hier wenden muss. Dank der Mediatheken der Sender hat man da sowieso einen netten Entscheidungsspielraum bei der "richtigen" Filmwahl. :)