An einer Stelle steht die Pilgergruppe vor der Grablegungsszene des Kreuzweges in Lourdes, die aus lebensgroßen Figuren erhöht auf einem Felsvorsprung aufgebaut ist. Der Pfarrer sagt, daß sie weitergehen zur Darstellung der Auferstehung, denn sie sei die Realität der Christen. Als die Pilgergruppe sich fortbewegt, verharrt die Kamera auf der Grablegung, der Zuschauer wird die Auferstehung nicht zu sehen bekommen. An dieser Szene kann die Essenz des Films der österreichischen Regisseurin Jessica Hausner festgemacht werden....
Gedreht wurde „Lourdes“ an originalen Schauplätzen. Dennoch spielt der Film an wenigen Orten – Christines Krankenzimmer, dem Speisesaal, den Heilsbädern, der Wallfahrtskirche. Die wenigen Totalen des Films gelten einem Gruppenfoto vor der Wallfahrtskirche und einem Ausflug in die unmittelbare Umgebung. Die meisterhafte Kamera von Martin Gschlacht arbeitet mit hochauflösender, fast hyperrealistischer Schärfe und insbesondere mit Farbkontrasten: das Blaugraue der Schauplätze auf der einen, die intensiv roten Malteseruniformen auf der anderen Seite.
Jessica Hausners Film gelingt eine eigentümliche Ambivalenz, die etwa dazu führte, dass „Lourdes“ bei den 66. Filmfestspielen Venedig 2009 nicht nur den FIPRESCI-Preis der internationalen Filmkritik, sondern sowohl den Signis-Preis der ökumenischen Jury als auch den Brian-Preis der Union der Atheisten und Agnostiker erhielt. Denn eine klare Antwort auf die eigentliche Filmfrage, ob Christines offensichtliche Heilung wirklich als Wunder zu bezeichnen ist, gibt „Lourdes“ nicht. Vielleicht war sie lediglich der Traum, von dem Christine selbst erzählt: Sie sei gelähmt und die Jungfrau Maria sei ihr erschienen. Da sie sie aber nicht richtig habe verstehen können, sei sie aufgestanden – dadurch habe sie gemerkt, dass sie nicht mehr gelähmt sei. Weil jedoch der Film mit „Felicità“ endet, dem italienischen Schlager der 80er Jahre von Al Bano und Romina Power, entlässt „Lourdes“ den Zuschauer trotz der den ganzen Film durchziehenden Skepsis mit einem Gefühl von dem unbeschwerten Glück, das der Schlager besingt.
Lourdes | Eine Gelähmte erhebt sich aus eigener Kraft und kann wieder gehen. Ein Wunder? Keine Angst, hier wird weder katholisch missioniert noch zu einer Pilgerreise überredet. Lourdes wirft vielmehr einen ironischen Blick auf einen kommerzialisierten Wallfahrtsbetrieb, in dem Filme Krankenheilungen suggerieren, aber noch nicht einmal die Priester selbst ernsthaft daran glauben. Noch dazu müssen sich die Frommen neiderfüllt damit abfinden, dass ausgerechnet die Frau, der die Gnade widerfährt, aus ihrem Rollstuhl aufstehen zu können, gar nicht so gläubig ist. Was bringt es also, das stundenlange Anstehen vor der Grotte, das Betasten der Heiligtümer, das heilige Wasser, wozu all die Madonnenkulte, Messen und Rituale? Der Film mokiert sich nicht über die Heerscharen, die Hoffnung suchen, wo Ärzte ihnen keine mehr geben können. Aber statt Trost gibt er viele Fragen mit auf den Weg.
Sind schon faszinierende Bilder aus dem "normalen" Katholiken-Bussines, in braun getönten Farben, mit roten, grünen, gelben, blauen Farbtupfern und Lichterkränze. Um das zu erkennen muss genau hingeschaut werden, was in den langen Einstellungen für Unterhalungszuschauer oft nicht einfach ist.
Die Schauspieler und Dialoge, bzw. Monologe, wie die des Pfarrers, bringen ganz eigenartiges Leben in die Bedächtigkeit.
Der intellektuelle Funken dieses Films ist leider einfach nicht auf mich übergesprungen. Schade, schade...
Die Charaktere haben zu wenig Macht über ihre eigenen Entscheidungen, sie handeln wie Marionetten, sprechen kaum, hinterfragen nichts. Die Regisseurin versteht es also, blinden Katholizismus auf die Leinwand zu bringen.
Was hier aber eindeutig fehlt, ist eine Art Deus Ex Machina in Form einer frei denkenden Ordensschwester, einem weisen Priester oder etwas Vergleichbarem. Da soetwas aber ebenso fehlt, wie eine fesselnde Dramaturgie und menschliche Wärme, sind wir als Zuschauer gezwungen, einen Sinn in diesen Film hineinzuinterpretieren (siehe manch andere Rezension bzw. Lobeshymnen der FAZ u.a.).
Wer es auf Tiefgang UND Unterhaltung abgesehen hat, sollte diesen also Film eher auslassen.
Ein äußerst kühler Blick auf die hoffnungsfrohen Pilger und Kranken, die in einer Lourdes-Reise den letzten Ausweg sehen. Die Regisseurin lässt ihre Schauspieler an Originalschauplätzen beinahe dokumentarisch agieren, und diese nüchterne Distanz ermöglicht dem Zuschauer einen tiefen Einblick in Glaubensdinge. Doch der Film verhöhnt keine der Figuren und auch den Glauben an sich nicht. Allein die Bilder der "Hoffnungsindustrie" aus Lourdes selbst lassen Zweifel daran aufkommen, ob die Kirche würdevoll mit ihren Mitgliedern umgeht.
Lourdes ist von einer ungeheuer stringenten Bildsprache. Schon die Eingangssequenz ist Zeugnis einer brillanten Regie. Es ist diese Handschrift, die das alte Kilischee vom "Weinen oder Lachen" elegant umschifft. Der Film verhandelt natürlich viel mehr als Glauben und Religion. Wir selbst sind es, unser Zynismus und unser Neid, hierarchische Gesellschaftsstrukturen und spießiger Rationalismus, die uns Wunder verleugnen lassen, weil sie unsere kleine, feine Welt zu erschüttern drohen und die Komplexität der Wissenschaften und Glaubenssysteme ad absurdum führen. Schön zu sehen, wie solche Topoi einmal nicht in esoterischem Wohlgefallen verwässern.
Die ganze Pilgerreise wirkt völlig absurd, da passt es gut, dass dann auch noch jemand geheilt wird, der es doch eigentlich gar nicht verdient hat. Hier geht es um Neid, Missgunst, ab und zu aber auch um Zuneigung, gepaart mit Witz, der bei einer durchgeplanten Pilgerreise halt entsteht.
Auf einen Beobachter wirken sie recht seltsam, die Vorgänge in Lourdes, die in diesem Film gezeigt werden. Rituelle Bäder und das Berühren heiliger Felsen, immer wieder unterbrochen vom Warten in schlichten Hotelfoyers, von fließbandartigen Gottesdiensten in kargen, trostlos wirkenden Kapellen.
Auch die Hauptfigur des Films, die an Multipler Sklerose leidende Christine, scheint sich anfangs nicht unbedingt Heilung von diesem geheimnisvollen Ort Heilung zu erhoffen. Sie geht öfter auf Pilgerreise, aber nur, weil es für sie sonst so wenig Möglichkeiten gibt, etwas von der Welt zu sehen. Und so betrachtet sie, die aufgrund ihrer Lähmung zur Rolle der unbeteiligten Beobachterin verdammt zu sein scheint, die Gläubigen und die Touristen, die ungewohnten Zeremonien.
Der Film ist dabei durchaus kritisch, macht sich aber nie über die auf Heilung Hoffenden lustig, dafür manchmal über das Sytem des Ortes. Hier darf sogar ein Pfarrer einen Lourdes-Witz erzählen (Die heilige Jungfrau ist begeistert, als ihr Sohn vorschlägt, den Urlaub in Lourdes zu verbringen. Denn hier ist sie noch nie gewesen!) und überall wird spöttisch, aber auch ernsthaft über Wunderheilugen debattiert. Niemand kann die Zufälle im Leben mit letzter Gewissheit erklären, auch die Kirche nicht. Immer wieder betont der Pfarrer, dass erst die Seele heilen muss, bevor man auf die Heilung des Körpers hoffen kann.
Als es dann ausgerechnet Christine ist, die sich eines Morgens wieder bewegen kann, ist die Überraschung groß. Die Fragen in der Reisegruppe folgen auf dem Fuße: Warum sie, warum nicht ich? Warum nicht jemand, der es mehr verdient hat? Der gläubiger ist?
Ob Christine an Wunder glaubt oder nicht, lässt der Film bewusst offen. Aber in dieser langsam inszenierten und teilweise etwas langatmigen Erzählung scheint das Wunder, wie es sich die Naiven unter den Pilgern vorstellen, kaum einen Platz zu haben. Auch und vielleicht besonders an diesem "heiligen" Ort erscheinnt die Welt kalt und trostlos.
Als Fazit bleibt die Erkenntnis, dass manchmal im Leben positive Dinge passieren und man selber wissen muss, wie man sie sich erklärt. Wunder oder Zufall? Und woraus kann man mehr Hoffnung schöpfen? Und: Manchmal sind es eben doch nicht die offensichtlichen Dinge, die uns von Anderen unterscheiden.
Lourdes - Kritik
AT/FR/DE 2009 Laufzeit 95 Minuten, FSK 0, Drama, Kinostart 01.04.2010
Kritiken (3) — Film: Lourdes
Elisabeth Maurer
Kommentar löschenAn einer Stelle steht die Pilgergruppe vor der Grablegungsszene des Kreuzweges in Lourdes, die aus lebensgroßen Figuren erhöht auf einem Felsvorsprung aufgebaut ist. Der Pfarrer sagt, daß sie weitergehen zur Darstellung der Auferstehung, denn sie sei die Realität der Christen. Als die Pilgergruppe sich fortbewegt, verharrt die Kamera auf der Grablegung, der Zuschauer wird die Auferstehung nicht zu sehen bekommen. An dieser Szene kann die Essenz des Films der österreichischen Regisseurin Jessica Hausner festgemacht werden....
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José Garcia: Textezumfilm
Kommentar löschenGedreht wurde „Lourdes“ an originalen Schauplätzen. Dennoch spielt der Film an wenigen Orten – Christines Krankenzimmer, dem Speisesaal, den Heilsbädern, der Wallfahrtskirche. Die wenigen Totalen des Films gelten einem Gruppenfoto vor der Wallfahrtskirche und einem Ausflug in die unmittelbare Umgebung. Die meisterhafte Kamera von Martin Gschlacht arbeitet mit hochauflösender, fast hyperrealistischer Schärfe und insbesondere mit Farbkontrasten: das Blaugraue der Schauplätze auf der einen, die intensiv roten Malteseruniformen auf der anderen Seite.
Jessica Hausners Film gelingt eine eigentümliche Ambivalenz, die etwa dazu führte, dass „Lourdes“ bei den 66. Filmfestspielen Venedig 2009 nicht nur den FIPRESCI-Preis der internationalen Filmkritik, sondern sowohl den Signis-Preis der ökumenischen Jury als auch den Brian-Preis der Union der Atheisten und Agnostiker erhielt. Denn eine klare Antwort auf die eigentliche Filmfrage, ob Christines offensichtliche Heilung wirklich als Wunder zu bezeichnen ist, gibt „Lourdes“ nicht. Vielleicht war sie lediglich der Traum, von dem Christine selbst erzählt: Sie sei gelähmt und die Jungfrau Maria sei ihr erschienen. Da sie sie aber nicht richtig habe verstehen können, sei sie aufgestanden – dadurch habe sie gemerkt, dass sie nicht mehr gelähmt sei. Weil jedoch der Film mit „Felicità“ endet, dem italienischen Schlager der 80er Jahre von Al Bano und Romina Power, entlässt „Lourdes“ den Zuschauer trotz der den ganzen Film durchziehenden Skepsis mit einem Gefühl von dem unbeschwerten Glück, das der Schlager besingt.
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Kirsten Liese: BR Online, WDR3, Darmstädte... Kirsten Liese: BR Online, WDR3, Darmstädte...
Kommentar löschenLourdes | Eine Gelähmte erhebt sich aus eigener Kraft und kann wieder gehen. Ein Wunder? Keine Angst, hier wird weder katholisch missioniert noch zu einer Pilgerreise überredet. Lourdes wirft vielmehr einen ironischen Blick auf einen kommerzialisierten Wallfahrtsbetrieb, in dem Filme Krankenheilungen suggerieren, aber noch nicht einmal die Priester selbst ernsthaft daran glauben. Noch dazu müssen sich die Frommen neiderfüllt damit abfinden, dass ausgerechnet die Frau, der die Gnade widerfährt, aus ihrem Rollstuhl aufstehen zu können, gar nicht so gläubig ist. Was bringt es also, das stundenlange Anstehen vor der Grotte, das Betasten der Heiligtümer, das heilige Wasser, wozu all die Madonnenkulte, Messen und Rituale? Der Film mokiert sich nicht über die Heerscharen, die Hoffnung suchen, wo Ärzte ihnen keine mehr geben können. Aber statt Trost gibt er viele Fragen mit auf den Weg.
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Kommentare (7) — Film: Lourdes
Kommentar schreibenKill_Diether 2011/12/18 14:40:11
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Die Schauspieler und Dialoge, bzw. Monologe, wie die des Pfarrers, bringen ganz eigenartiges Leben in die Bedächtigkeit.
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wailer-greg 2011/03/22 14:30:58
Kommentar löschenDer intellektuelle Funken dieses Films ist leider einfach nicht auf mich übergesprungen. Schade, schade...
Die Charaktere haben zu wenig Macht über ihre eigenen Entscheidungen, sie handeln wie Marionetten, sprechen kaum, hinterfragen nichts. Die Regisseurin versteht es also, blinden Katholizismus auf die Leinwand zu bringen.
Was hier aber eindeutig fehlt, ist eine Art Deus Ex Machina in Form einer frei denkenden Ordensschwester, einem weisen Priester oder etwas Vergleichbarem. Da soetwas aber ebenso fehlt, wie eine fesselnde Dramaturgie und menschliche Wärme, sind wir als Zuschauer gezwungen, einen Sinn in diesen Film hineinzuinterpretieren (siehe manch andere Rezension bzw. Lobeshymnen der FAZ u.a.).
Wer es auf Tiefgang UND Unterhaltung abgesehen hat, sollte diesen also Film eher auslassen.
Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 3 Antworten
Kill_Diether 2011/12/18 14:42:09
Antwort löschenSchade, schade, dass Schade, schade im Kommentar steht ;-)
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wailer-greg 2011/12/18 16:40:48
Antwort löschenIch muss wohl einer dieser ominösen "Unterhaltungszuschauer" sein, schade.
Kill_Diether 2011/12/18 20:41:18
Antwort löschenFinde ich nicht schade.
eierfeile 2010/05/18 16:39:21
Kommentar löschenEin äußerst kühler Blick auf die hoffnungsfrohen Pilger und Kranken, die in einer Lourdes-Reise den letzten Ausweg sehen. Die Regisseurin lässt ihre Schauspieler an Originalschauplätzen beinahe dokumentarisch agieren, und diese nüchterne Distanz ermöglicht dem Zuschauer einen tiefen Einblick in Glaubensdinge. Doch der Film verhöhnt keine der Figuren und auch den Glauben an sich nicht. Allein die Bilder der "Hoffnungsindustrie" aus Lourdes selbst lassen Zweifel daran aufkommen, ob die Kirche würdevoll mit ihren Mitgliedern umgeht.
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maxgoesche 2010/04/24 19:03:01
Kommentar löschenLourdes ist von einer ungeheuer stringenten Bildsprache. Schon die Eingangssequenz ist Zeugnis einer brillanten Regie. Es ist diese Handschrift, die das alte Kilischee vom "Weinen oder Lachen" elegant umschifft. Der Film verhandelt natürlich viel mehr als Glauben und Religion. Wir selbst sind es, unser Zynismus und unser Neid, hierarchische Gesellschaftsstrukturen und spießiger Rationalismus, die uns Wunder verleugnen lassen, weil sie unsere kleine, feine Welt zu erschüttern drohen und die Komplexität der Wissenschaften und Glaubenssysteme ad absurdum führen. Schön zu sehen, wie solche Topoi einmal nicht in esoterischem Wohlgefallen verwässern.
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Schlegel 2010/04/10 12:06:29
Kommentar löschenKarges Kino zwischen Parabel, Doku und Groteske. Manchmal zu holzschnittartig. Genau richtig für die Osterfeiertage.
2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
AylaView 2010/04/01 23:55:17
Kommentar löschenDie ganze Pilgerreise wirkt völlig absurd, da passt es gut, dass dann auch noch jemand geheilt wird, der es doch eigentlich gar nicht verdient hat. Hier geht es um Neid, Missgunst, ab und zu aber auch um Zuneigung, gepaart mit Witz, der bei einer durchgeplanten Pilgerreise halt entsteht.
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Kris 2009/11/12 10:32:06
Kommentar löschenAuf einen Beobachter wirken sie recht seltsam, die Vorgänge in Lourdes, die in diesem Film gezeigt werden. Rituelle Bäder und das Berühren heiliger Felsen, immer wieder unterbrochen vom Warten in schlichten Hotelfoyers, von fließbandartigen Gottesdiensten in kargen, trostlos wirkenden Kapellen.
Auch die Hauptfigur des Films, die an Multipler Sklerose leidende Christine, scheint sich anfangs nicht unbedingt Heilung von diesem geheimnisvollen Ort Heilung zu erhoffen. Sie geht öfter auf Pilgerreise, aber nur, weil es für sie sonst so wenig Möglichkeiten gibt, etwas von der Welt zu sehen. Und so betrachtet sie, die aufgrund ihrer Lähmung zur Rolle der unbeteiligten Beobachterin verdammt zu sein scheint, die Gläubigen und die Touristen, die ungewohnten Zeremonien.
Der Film ist dabei durchaus kritisch, macht sich aber nie über die auf Heilung Hoffenden lustig, dafür manchmal über das Sytem des Ortes. Hier darf sogar ein Pfarrer einen Lourdes-Witz erzählen (Die heilige Jungfrau ist begeistert, als ihr Sohn vorschlägt, den Urlaub in Lourdes zu verbringen. Denn hier ist sie noch nie gewesen!) und überall wird spöttisch, aber auch ernsthaft über Wunderheilugen debattiert. Niemand kann die Zufälle im Leben mit letzter Gewissheit erklären, auch die Kirche nicht. Immer wieder betont der Pfarrer, dass erst die Seele heilen muss, bevor man auf die Heilung des Körpers hoffen kann.
Als es dann ausgerechnet Christine ist, die sich eines Morgens wieder bewegen kann, ist die Überraschung groß. Die Fragen in der Reisegruppe folgen auf dem Fuße: Warum sie, warum nicht ich? Warum nicht jemand, der es mehr verdient hat? Der gläubiger ist?
Ob Christine an Wunder glaubt oder nicht, lässt der Film bewusst offen. Aber in dieser langsam inszenierten und teilweise etwas langatmigen Erzählung scheint das Wunder, wie es sich die Naiven unter den Pilgern vorstellen, kaum einen Platz zu haben. Auch und vielleicht besonders an diesem "heiligen" Ort erscheinnt die Welt kalt und trostlos.
Als Fazit bleibt die Erkenntnis, dass manchmal im Leben positive Dinge passieren und man selber wissen muss, wie man sie sich erklärt. Wunder oder Zufall? Und woraus kann man mehr Hoffnung schöpfen? Und: Manchmal sind es eben doch nicht die offensichtlichen Dinge, die uns von Anderen unterscheiden.
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