Ein spannungsgeladener Thriller über die Verfolgung eines Wahnsinnigen, ein einfühlsames Porträt über das innere Drama eines Unzurechnungsfähigen, der jeden Tag mit sich selber kämpft, eine detaillierte Schilderung über den Polizeiapparat in quasi-dokumentarischen Szenen, die kunstvoll und technisch brillant ineinander verschmolzen werden. Eines der großen Meisterwerke des deutschen Tonfilms, das mit Peter Lorres Darstellung eine der besten schauspielerischen Leistungen der Vor- und Nachkriegszeit aufzuweisen hat.
Nach 80 Jahren ist Fritz Langs Meilenstein des deutschen Kinos besonders in den ersten 90 Minuten kaum mit Spannung zu verfolgen, ähnlich wie ein Besuch in einem Museum, der trotz der zeitgeschichtlichen Bedeutung der ausgestellten Stücke auf Dauer ermüdend wirken kann. Die letzten 20 Minuten sind jedoch faszinierend und in ihrer Thematik hochaktuell, die Darstellung Peter Lorres ist schlicht genial.
Ich habe nicht das Gefühl, gerade einen fantastischen Film gesehen zu haben, eher jenes, um ein Stück Film -und Zeitgeschichte bereichert worden zu sein.
endlich mal eine ehrliche Kritik bei einem Klassiker! Viele geben vor mehr als begeistert zu sein von Dingen die man heute eben durchaus moderner sieht.... auch wenn es im Klassiker eben das erste mal war ändert das ja nichts an Abnutzungseffekten und dem gesehenem heutigen Standart..Denke viele wollen das dann einfach auch mehr mögen aus Egozentrischen Gründen...Natürlich gibt es auch zeitlose Filme die wirklich auch heute noch frisch wirken (denke da z.B. an die 12 Geschworenen oder Hitchcock Filme) meist sind dies doch aber Story/Inszenierungsbetonte Filme..... Aber genau wie du habe ich auch schon bei vielen Filmen gefühlt!!! Von vielen Dingen ist man einfach historisch begeistert aber mal ehrlich, wenn man Metropolis ansieht denkt man doch nicht, wow solche Bilder habe ich noch nie gesehen das wird mein Lieblingsfilm...Man denkt eher, wow für die damalige Zeit einfach super gemacht und ein Stück Filmgeschichte mit einer tollen Story, und einem wird bewusst wieviele heutige Filme das beeinflusst..Ansonsten müsste man schon 80 Jahre Filme verpasst haben...Alles wird irgendwann neu inszeniert...
Man sollte es amtlich machen: Fritz Lang hat es tatsächlich geschafft, sich selber zu übertreffen, und sein "Metropolis" zu überbieten. Wenngleich jenes Mammutwerk aus cineastischer Sicht eine ungeheuer wichtige Produktion war, so macht die darin vorgenommene kompromisslose Fokusierung auf die technischen Aspekte des Mediums eine heutige Sichtung doch eher anstrengend, denn zum wirklichen Genuss. "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" kann und will einen anderen Weg gehen, verlagert Lang doch sein Augenmerk von der wuchtigen Inszenierung und der technokratischen Ästhetik nun voll auf die Vorzüge der neuen Tonfilm-Technik und den daraus resultierenden Möglichkeiten zum Erzählen von Geschichten und zur Anlage von Charakteren.
Neben seiner vorzüglichen Inszenierung, die durch Parallellmontagen und geschickte Symbolik eine nicht für möglich gehaltenen Dynamik ausstrahlt, überzeugt "M" vorallem…
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"Er ist ja kein Mensch" -
Man sollte es amtlich machen: Fritz Lang hat es tatsächlich geschafft, sich selber zu übertreffen, und sein "Metropolis" zu überbieten.
Wenngleich jenes Mammutwerk aus cineastischer Sicht eine ungeheuer wichtige Produktion war, so macht die darin vorgenommene kompromisslose Fokusierung auf die technischen Aspekte des Mediums eine heutige Sichtung doch eher anstrengend, denn zum wirklichen Genuss.
"M - Eine Stadt sucht einen Mörder" kann und will einen anderen Weg gehen, verlagert Lang doch sein Augenmerk von der wuchtigen Inszenierung und der technokratischen Ästhetik nun voll auf die Vorzüge der neuen Tonfilm-Technik und den daraus resultierenden Möglichkeiten zum Erzählen von Geschichten und zur Anlage von Charakteren.
Neben seiner vorzüglichen Inszenierung, die durch Parallellmontagen und geschickte Symbolik eine nicht für möglich gehaltenen Dynamik ausstrahlt, überzeugt "M" vorallem durch seinen Plot: Lang hantiert mit Versatzstücken von Genres, die es zur Zeit der Erstausstrahlung noch garnicht gab, oder die gerade erst im Entstehen waren - ein Beweis dafür, wie weit er mit seinen Arbeiten der Zeit oftmals voraus war.
Gerade in der zweiten Filmhälfte wird aus der, in ihren Grundzügen simplen, Kriminalgeschichte eine schwer zu trennende Mixtur aus Gangsterfilm, Milieustudie und nicht zuletzt ein dramatischer Appell gegen Lynchjustiz.
Die schon zu Filmbeginn einsetzende Paranoia auf den Straßen, welche schließlich in der finalen Gerichtsverhandlung vor dem Verbrecher-Tribunal gipfelt, beweisen, dass "M" durchaus auf vielen Ebenen lesbar bleibt und weiter ging, als alle vergleichbaren Produktionen in den darauffolgenden Jahrzehnten.
Der Spiegel, den Lang der "Kopf-ab"-skandierenden Menschenmasse durch das Plädoyer des Anwalts vorhält, hat nichts von seiner Aktualität verloren; zu sehr ähneln die damaligen Mechanismen des vox populi den heutigen Leserbriefen in der Boulevardpresse.
Sicherlich: Der Zahn der Zeit ist nicht spurlos an "M" vorübergezogen; die psychologische Ebene, die der Regisseur seinem mordenden Hauptdarsteller zugesteht, war für die damalige Zeit erstaunlich ambivalent, spiegelt aber die psychologisch-kriminologischen Erkenntnisse der letzten Jahre natürlich nur noch stark vereinfach und rudimentär wider.
Ein Manko, über das man gerne hinwegsehen möchte, da zum einen viele aktuelle Filme noch nicht viel weiter sind, zum anderen, weil Lorres Schauspielkunst so großartig ist, dass sie das Publikum mit einer Mischung aus Abscheu und Mitleid in den Bannkreis seiner Figur zieht.
Ein ähnliches Lob liese sich gegenüber dem kompletten Cast anbringen, wenngleich die überbordende Gestik als Relikt der Stummfilm-Ära und der Theaterausbildung heutigen Sehgewohnheiten nicht mehr wirklich entspricht und etwaiger Nachsicht bedarf.
Ob "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" nun der beste deutsche Film aller Zeiten ist, ist etwas, was ich aufgrund der Absolutheit einer solchen Aussage, nicht behaupten möchte. Tatsache ist aber, dass Langs Film auch heute noch - sowohl aus narrativer als aus technischer Sicht - eben jenes moderne "Filmfeeling" transportiert, dass manch ein Zuschauer bei der Sichtung solcher Klassiker vermisst - eine Einstellung, die man so oder so dringend überdenken sollte.
"M" ist ein Genuß - vor dem Hintergrund der Erkenntnis hinsichtlich des visionären Charakters vielleicht heutzutage mehr denn je.
Woher die plötzliche Scheu vor Absolutismen,Herr Hitmanski? Jedenfalls eine würdige Rezension für einen großen Film. Sofern man die gleiche Meinung vertritt, ist es immer eine Freude deine Kritiken zu lesen. Falls nicht, wie im Falle deiner Ignoranz gegenüber dem asiatischen Kino, treibt mich dein Geschreibsel ad infinitum zur Weißglut ;)
Danke für das Lob ;)
Nunja, solche Absolutismen kann man halt nie komplett objektiv aufrecht erhalten. Viele sehen in "Metropolis" das tendeziell bedeutsamere Werk; dem würde ich nicht widersprechen wollen, obgleich ich es aus subjektiver Sicht für stark überschätzt halte, vorallem hinsichtlich der narrativen Ebene.
Beim Asia-Kino sehe ich mich als der - in diesem Fall sehr subjektiv argumentierende - Gegenpol zu all den Anhängern. Es ist nicht so, dass ich Fernost-Filme per se ablehne (Kurosawa finde ich zumindest interessant), aber insbesondere die neueren Sachen, wie die Park-Trilogie empfinde ich komplett übersymbolisiert und pseudo-stylisch. Und warum Hollywood am laufenden Band Ideenarmut vorgeworfen wird, während die immergleichen Racheplots aus Asien als große Kinokunst zelebriert werden, erschließt sich mir auch nur sehr bedingt. Aber so hat halt jeder seine Vorlieben - und Diskurs belebt das Geschäft;)
Betreffend Asia-Kino ist es umso tragischer, dass viele Filme, mit sehr unterschiedlicher Ausgangslage, von Hollywood kopiert werden. Ich denke den Reiz der asiatischen Filme, machen vor allem die kulturellen Unterschiede, die sich in den Verhaltensmustern der Darsteller zeigen, aus. Uns erscheint doch einiges noch sehr exotisch und wird deshalb als Kult betrachtet, derweil wir bei einheimischen Produktionen sehr viel kritischer sind. Vor zehn oder vielleicht zwanzig Jahren war dies zwischen US- und europäischen Filmen so, jetzt halt mit den Asiatischen. Aber wahrscheinlich sehe ich dies zu einfach und einseitig.
Sehr gut und sehr richtig das alles!
Aber Absolutheit hin oder her, der ist so was von der beste deutsche Film bisher, da soll mir erstmal einer das Gegenteil beweisen! ;)
Der ist ganz nett, hat aber im Vergleich zu "M" deutlich Staub angesetzt, und ist in Gesamtheit von Technik und Geschichte auch der schwächere Film. Aber das wirst du selber merken, wenn du "M" gesehen hast ;)
Was war denn da los?
Vorhersage 9,5 und dann sowas?
Also es gab bisher nicht viele Filme, die ich vor Ende abgebrochen habe, aber dieser hier gehört nun leider auch dazu.
Ich frage mich die ganze Zeit, ob ich den falschen Film gesehen habe, denn, nach 45 Minuten der mirada keimte in mir kaum mehr Spannung als beim 10. Mal "Dinner for One".
Es wird geredet und geredet und verdächtigt und verleumdet, aber in einer Art und Weise, dass ich nach besagter Zeit aufgestanden bin und angefangen habe, mein Zimmer neu zu dekorieren.
Das ganze Schauspiel kam mir vor wie ein Bühnenstück unserer Theater-AG, wobei ich sagen muss, dass ich zu dem angeblich genialen Schauspiel des Mörders mit seinen irren Augen gar nicht mehr gekommen bin, da ich vorher abbrechen musste.
Ich bin normal kein Banause und es lag weder am Alter des Films noch an der Schwarz-Weiß-Inszenierung ( Ich liebe S/W Filme ).
Auf harsche Kritik bin ich gefasst, vielleicht werde ich mir "M-Eine Stadt sucht einen Mörder" irgendwann nochmal zu Gemüte führen, doch erstmal ist er ad acta gelegt.
Hm, kenne keinen Film der so gut gealtert ist (über 80 Jahre). Der Film funktioniert auch am besten als Sittenbild und nicht als Krimi (wobei, spannend ist er doch auch - vlt. hast du wirklich einen anderen Film gesehehn.;.;.) Alleine für Lorres genialen Schlussmonolog, muss man schon 5 Punkte geben - dafür musst du ihn natürlich auch zu Ende sehen ;-)
ganz und gar und unbedingt einer DER wichtigen filme!!
was hier, erstmalig so perfekt, an parallelmontage (und noch viel mehr für alle filmstudenten: musterbeispiel, die close ups) passiert, dass ist auch in (referenzmodell) "der pate" nicht viel besser.
und wie lang schon 1931 den natzi-terror heraufdämmern sah, macht atemlos.
die diskussion um "unwertes leben", ein charismatischer krimineller der sich zum führer aufjazzt, die von der kriese gebeutelten kleinen leute ...kassandra, baby!
Eine Handvoll. Fritz Langs Filme, Nosferatu, Das Boot und dann muss ich schon überlegen. Das Leben der Anderen...Mmh... ich spreche jetzt nicht von sehr guten Filmen, sondern wirklich weltweit anerkannten Meisterwerken.
Caligari okay, Fitzcarraldo gut, Himmel über Berlin naja, Aguirre-Kinski ist klasse, aber der Film steht für mich nicht auf einer Stufe mit den anderen genannten Meisterwerken, Die Brücke auf jeden Fall, Die Katze - der guter Thriller mit George, aber kein international angesehenes Meisterwerk, wie ich finde....
Der Verlorene, Alice in den Städten, Utopia, Yella, Ich war neunzehn, Der junge Törless, Der Händler der vier Jahreszeiten, Ordnung... trotzdem, an den Rang von "M" kommt keiner ran ;-)
"M" ist schon inhaltlich ein sehr prophetisches Stück. Dass ausgerechnet Gründgens den Schränker spielt, ist dabei von zynischer Ironie. Das Thema der Massenhysterie und der Neigung zur Lynchjustiz, insbesondere, wenn der "Feind" nur ausreichend Projektionsfläche für Wut und Hass bietet - "Kindermörder" - ist auch heute noch in gewisser Weise seiner Zeit voraus, denn zum Allgemeingut haben sich die Ausführungen für die Rechte des Angeklagten noch lange nicht entwickelt; wie sehr muss dies erst 1931 gegolten haben...
Schon vor dem historischen Hintergrund also ultraspannend, und dann kommt das Filmische noch hinzu. Der partielle Verzicht auf Ton im neuen Tonfilm entwickelt eine ganz eigene Wirkung. Darstellerisch gibt es einige Glanzlichter, dann Peter Lorre in seinem abschließenden Monolog, das kann man kaum beschreiben, und dann gibt es allerdings auch einige DarstellerInnen, die am Rande des Unaushaltbaren spielen.
Die Inszenierung erinnert mitunter extrem an Theater, was für die Zeit nicht so überraschend ist, aber hier doch noch einmal besonders markant ins Auge sticht; insbesondere einige Dialoge sind in ihrer Länge und Art sehr künstlich; da entwickeln sich Antworten in Telefonaten in Umfang und Diktion zu einer Art Politikeransprache. Solche Momente - wie auch etwa die Ausführung des Graphologen - entwickeln dabei eine gewisse unfreiwillige Komik, wo ich mich zwar köstlich amüsiert habe, wo aber auch klar ist, das Fritz Lang mein breites Grinsen nicht beabsichtigt hatte.
Alles in allem: Gehört definitiv zum Filmkanon, ein Must-Must-Must-See, beeindruckt mich auch nachhaltig, haut mich aber rein filmisch nicht komplett aus den Socken.
Langs Inszenierung hat fast einen dokumentarischen Stil an sich und während meist leere Straßen oder verlassene Gegenden das Bild dominieren, schafft er es denoch durch abwechslungsreiche Kamerführung wie z.B. durch einen "Cross-Cut" bei der Besprechung von Polzei und Verbrechern, Bewegung in die triste Szenarie zu bringen.
Auch zu Beginn als wir das erste Mal die Begegnung von Mörder und Opfer sehen, lässt Lang die Bilder für sich sprechen und wir verstehen sofort was geschehen wird/ist.
Echte Sympathieträger gibt es in "M" nicht. Die Polizei als auch die Verbecher sind darauf bedacht ihr Ziel durchzusetzen und den Mörder zu fangen. Die Gesetzeshüter sind abgearbeitet, launisch und verlieren den Glauben in das Volk und in sich selbst. Die Verbrecher haben - so scheint es - einen Anführer für sich gewählt und wollen den Kindermörder durch Selbstjustiz für seine Verbrechen bestrafen.
Und dann wäre noch Peter Lorre in der Hauptrolle des Hans Beckert. Sein "Problem" deutet sich immer wieder im Verlauf des Films an, findet aber im Finale seinen Höhepunkt mit einer unglaublich intensiven Darstellung eines paranoiden, gebrochenen Charakters.
Auf dem Blatt wirkt dessen Schlussmonlog schon schwer zu spielen, doch Lorre schafft es Overacting zu vermeiden und so finden seine Worte Mitleid, Unglaube, Verständnis und Wut - d.h. eine große Bandbreite an Emotionen- als Antwort.
Das "Ersatz"-Gericht heizt die Thematik über die Todesstrafe erst richtig an und entlässt den Zuschauer mit reichlich Diskussionsstoff. Sogar das Ende ist nicht eindeutig und erlaubt es jeden selbständig seine Schlüsse zu ziehen.
Obwohl ich von "M" beeindruckt war, fielen mir doch ein paar Stellen auf, die sich gezogen haben wie z.B. die Hausdurchsuchung bei Beckert oder die Ermittlungsarbeit der Polizei. Dies sind allerdings nur Kleinigkeiten, schließlich wird "M" dieses Jahr 81 Jahre alt und für die damalige Zeit waren diese Sache natürlich noch relativ neu.
Das Ende bügelt diese Schwachstellen wieder aus und macht sie vergessen.
Es war außerdem ein mutiges Unterfangen zur damaligen Zeit einen Film über einen Kindermörder und Selbstjustiz zu machen. Thematiken, die auch heute noch aktuell und kontrovers sind.
"Kann nicht, MUSS!" So verteidigt sich der Kindermörder vor einer Stadt.
Peter Lorre spielt ihn wie kein anderer. Er und Klaus Kinski bekämen von mir einen Preis für die verrücktesten Augen, wenn es einen gäbe.
„Immer muss ich durch Straßen gehen, und immer spür ich, es ist einer hinter mir her. Das bin ich selber! (…) Manchmal ist mir, als ob ich selbst hinter mir herliefe! Ich will davon, vor mir selber davonlaufen, aber ich kann nicht! Kann mir nicht entkommen! (…) Wenn ich’s tue, dann weiß ich von nichts mehr… Dann stehe ich vor einem Plakat und lese, was ich getan habe, und lese. Das habe ich getan?“
Dieses Meisterwerk lebt von seinem grandiosen Hauptdarsteller und der spannenden Inszenierung.
Gestern überraschte uns der Dozent zur Vorlesung über die Weimarer Republik mit "guter, alter Geschichtslehrertradition" und brachte uns diesen Spielfilm mit. Keiner verließ den Saal, was ich schon mal sehr beachtlich fand, auch ich blieb erfreut sitzen und sah zum zweiten Mal dieses Meisterwerk. Denn obwohl man dem Film sein Alter deutlich anmerkt und er nicht die Geschmeidigkeit von Metropolis hat, durch die fehlende Musik die mangelnden Toneffekte umso mehr zu Buche schlagen und so manche Szene etwas hölzern wirkt, beeindruckt die Geschichte mit ihrer Moral. Die wird einem nicht um die Ohren gehauen und mit einem guten Helden verkauft, sondern entsteht im Zusammenspiel der verschiedenen Akteure mit ihren guten und dunklen Seiten. Die Psychologie des Einzelnen spielt ebenso eine Rolle wie die Psychologie der Massen und so wie das Böse im Einzelnen wohnt und zum Vorschein kommen kann, kann es sich auch auf die Masse übertragen und zu Jagd und Urteil führen. Kein Zweifel, dass der Kindermörder gefangen werden muss, aber ebenso wenig Zweifel, dass er Mensch ist und eine Entmenschlichung der Tat nicht gerecht wird, denn erst durch das Menschsein des Täters wird die Tat so schrecklich. So schreckt das Mitgefühl auch vor dem großartig spielenden Peter Lorre nicht zurück und das Statement gegen die Todesstrafe ist am Ende überdeutlich, es ist ein Plädoyer für die Menschlichkeit, auch und gerade gegenüber jenen die sich falsch verhalten haben. Die Todesstrafe ist ein Akt der Rache, sie nimmt dem Täter das Leben, doch macht die Tat nicht ungeschehen, nicht erträglicher und verhindert sie nicht für die Zukunft. Wir sehen im Fall des Norwegers Breveik, dass keine Strafe angemessen sein kann für einen mehrfachen Mord. Fassungslos lässt uns die Tat zurück und es bleibt ein Gefühl der Ohnmacht. Diese Ohnmacht wird im Film durch eine gemeinsame Kraftanstrengung überwunden, in der anschließenden Vergeltungssucht schlägt sie ins Gegenteil um. Durch einen stürmischen Akt der Reaktion soll die zurückgewonnene Handlungsfähigkeit demonstriert werden, doch löst sich so die eigentlich erfolgreiche Gemeinschaft wieder auf und die alte Blindheit kehrt zurück. Ein hochaktueller Film der nichts von seiner Wirkung verloren hat.
Ein Film, über den man nicht mehr viel sagen muss. Einer der ganz wenigen deutschen Filme mit wirklichem Weltrang, seiner Zeit weit voraus. Die Parallelszene der Versammlung der Polizisten und Gangster mit angeglichenen Tonspuren und die "Lynchtribunal"- Szene setzten damals Maßstäbe und beeindrucken auch noch heute. Man merkt dem Film einfach an, dass sich der Regisseur zu jeder Szene Gedanken gemacht und innovativ Ideen verarbeitet hat. Wim Wenders bezeichnete den Film als Deutschlands reichsten Film - ein Urteil, dem ich mich anschließe, denn selbst nach mehrfachem Ansehen entdeckt man immer neue Einzelheiten.
"Wenn ich's tue, dann weiß ich von nichts mehr… Dann stehe ich vor einem Plakat und lese, was ich getan habe, und lese. Das habe ich getan?"
Fritz Lang zeigt in seinem ersten Tonfilm den Wahnsinn und die Hilflosigkeit die von einem Triebtäter ausgeht, aber ebenso die Extremsituation, die durch die Reihe von Morden in der Stadt ausgelöst wird. Die Darstellung ist hierbei absolut glaubwürdig und sehr fesselnd. Auch die Verzweiflung der Mütter, allen voran der von der kleinen Elsie ist unglaublich bedrückend und stark gespielt, auch wenn sie nur einen sehr sehr kleinen Platz im Film findet.
Grandios und kaum beschreibbar ist aber die Art mit der Lorre den Mörder mimt, denn in seinen Augen kreischt der Wahnsinn danach herausgelassen zu werden und schon in den ersten Minuten lief mir ein Schauer über den Rücken bei den Worten "Du hast aber einen schönen Ball". Deswegen ist es etwas schade, dass er erst am Ende so richtig zeigen kann, was in ihm steckt, da wäre ein weiterer etwas detaillierter gestalteter Mord vielleicht gut gewesen um ihn genauer zu portraitieren, was zudem die Länge der Stadtszenen etwas vermindert hätte.
Das ist aber mein einziger Kritikpunkt an diesem unheimlich intensiven Film.
Langs Berlin ist hierbei nämlich ein sehr deutlich dargestellter Schauplatz, welcher 1931 noch von den Nazis unbefleckt ist, aber deutlich den Zeitgeist einfängt, gerade am Ende bei der Gerichtsszene. So sind Handlungsabsichten der Figuren aber stets nachvollziehbar, was die Moral des Werkes glücklicherweise auch offensichtlich macht.
Doch was lässt sich schon abschließend sagen zu diesem unheimlich starken, mörderisch guten Film?
"Davon werden unsere Kinder nicht wieder lebendig, man muss eben noch besser auf die Kinder Acht geben."
Lange habe ich auf diesen Film gewartet und ihn nun endlich gesehen. Rückblickend ist zu sagen, dass er der Inbegriff der schauspielerischen Klasse und der annähernden Perfektion der 1920-1940er Jahre ist, als sich das deutsche Kino auf dem Höhepunkt seines Schaffens befand.
Fritz Langs typische Akribie zeigt sich deutlich: Er besuchte mehrere Psychatrien und Mörder, arbeitete zahlreiche Fälle durch (Der Einfluss der legendären Kriminalfälle von Kürten, Haarmann und Großmann ist deutlich erkennbar.) und bemüht sich jede Einzelszene zu perfektionieren.
Besonders beeindruckt haben mich die Szenen, als Lorres Schatten zu sehen ist, während das Kind den Ball gegen die Litfaßsäule wirft - die Szene, als sich die Unterwelt und die Polizei gleicher Maßen und im Wechsel dargestellt Gedanken macht, wie man den Mörder fassen kann - die Szene, wo Lohmann die Razzia in der Kneipe durchführt, sowie der geniale Schauprozess vor den Verbrechern der Stadt Berlin mit einem überragenden Lorre Auftritt, welcher für mich zu den besten Einzelauftritten der Filmgeschichte gehört. Die Darstellung Berlins ist nach meiner Auffassung authentisch - die Gesellschaft wird im typischen Dialekt und in einer gewissen Leidensgenossenschaft gezeigt.
Das gesamte Schauspielensemble liefert überragende Charaktere: Besonders Lorre brilliert in der Darstellung eines psychotischen Mörders, Gründgens überzeugt als kalter, berechnender und intelligenter Schränker, während Wernicke den faszinierenden, volksnahen und genialen Berliner Kommissar verkörpert, welcher dem erfolgreichsten deutschen Kriminalbeamten Ernst Gennat nachempfunden wurde.
Besonders beeindruckend war ferner das Grieg Motiv des Bergkönigs, welches in perfekter Manier eingesetzt wurde. Auch Kameraführung, Tontechnik, Präzision des Drehbuchs und der Schnitt waren maßstabsetzend. Kritisch anzumerken sind meiner Ansicht nach z.B. die Szenen, in welcher kein Ton verwendet wurde. Natürlich lässt sich das auch als Langs gezielt eingesetzte Stummfilmszenerie werten, aber mir persönlich waren diese Szenen zu zahlreich und zu langgezogen. Außerdem bleibt die Spannung nicht zu hundert Prozent aufrechterhalten. Das Ende hat mich besonders geärgert, da es zu abrupt erfolgte und keinerlei runden Abschluss darstellt.
Die Botschaft des Films bleibt nach meiner Auffassung die Streitfrage, wie Gerechtigkeit zu erreichen ist: einerseits könnte die Todesstrafe im Sinne der Bevölkerung und des erlittenen Leides der Eltern durchaus gerechtfertigt sein - andererseits lernt der Zuschauer die Persönlichkeit des Mörders kennen, der angibt, aufgrund von psychischem Zwang, so handeln zu müssen. Welcher Interpretation man sich anschließen mag, bleibt jedem selbst überlassen - nach meiner persönlichen Meinung sind der Film bzw. die u.a. von Harmann begangenen 24 Kindermorde ein klares Plädoyer für eine härtere Justiz, die mit eiserner Hand durchgreifen muss - die Weimarer Republik handelte hier mit ihrem seltenen, aber gezielten Einsatz der Todesstrafe nach meinem Rechtsempfinden genau richtig.
Insgesamt erscheinen 9 Punkte angemessen für einen der größten deutschen Filme, den jeder einmal gekuckt haben muss.
Eindrucksvolle Diskussion zum Thema Umgang mit Kindermördern die auch nach ziemlich genau 80 Jahren an Aktualität nicht verloren hat. Das Plädoyer des Verteidigers hat mich wirklich wirklich wirklich ein wenig aus den Socken gehauen und war seiner Zeit vermutlich weit voraus. Ich würde auch mehr als 10 Punkte vergeben wenn ich könnte. :)
Da der Film 1931 gedreht wurde und der Tonfilm gerade das Licht der Welt erblickt hatte, muss ich den Film zwangsläufig anders betrachtet als jeden X-beliebigen Film.
Denn ich muss einerseits loben, wie man den Film ohne Musik, dafür nur mit Dialogen so lebhaft und spannend gestaltet hat. Andererseits muss ich einiges kritisieren, was ich ich durch den "Ton-Aspekt" nicht entschuldigen kann, denn der Film ist nicht optimal gealtert:
Anspielungen auf den Nazionalsozialismus usw. werden dem Zuschauer nicht so deutlich, wie es 1931 vielleicht der Fall gewesen sein mag, auch wenn man geschichlich nicht ungebildet ist. Weiterhin hat dieser Krimi/Thriller einige ewiglich lange Dialoge, die der Handlung nicht beitragen und die Szenen mit dem außergewöhnlich guten Peter Lorre ausbremsen.
Eigentlich ist auch Peter Lorre - neben der Regiearbeit - der Juwel, der diesen Film so zum strahlen bringt. Er spielt den Kindermörder so exzellent und bringt die Zwigespaltenheit unnachahmlich zum Ausdruck. Allein der Monolog am Ende des Films zeigt dies.
Zusammenfassend ist "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" etwas für Film-geschichtlich Interessierte, aber weniger für Personen die sich einfach einen netten Filmabend machen wollen.
Ein wahres Meisterwerk - moralisch ohne die Keule zu schwingen, spannend, ohne die Story zu vernachlässigen sowie ausdrucksstark, ohne pathetisch zu wirken (exzellent: Peter Lorre). Auch heute noch technisch ausgefeilt und dramaturgisch absolut State of the Art. Vor dem zeitlichen Hintergrund auch noch voller Gesellschaftskritik - die auch jetzt noch aktuell ist (man bedenke nur die dargestellte mediale Hysterie).
Man muss Lang keine Fehler verzeihen - er macht keine. Solche Filme sind ganz selten; und jeder sollte diesen zumindest einmal gesehen haben.
Über diesen Film wurde einfach alles schon gesagt, er wurde in all seinen Facetten ausführlich gelobt, seine Bedeutsamkeit und Eindringlichkeit immer wieder klar herausgestellt. Ohne dem etwas hinzufügen zu können schließe ich mich der kollektiven, überraschend geschlossenen Meinung an: ein Meisterwerk filmischer Kunst und Pflichtprogramm, für jeden der... ach... einfach für jeden!
Fritz Langs Film war technisch damals auf sehr hohem Niveau. Die Art und Weise wie Fritz Lang mit dem Medium des Tonfilms spielt ist einfach herrlich und erstaunlich, wenn man sich daran erinnert wie jung der Tonfilm damals noch war. Die Erzählungen aus dem Off über die Montagen der Ermittlungen gelegt sind sehr geschickt inszeniert und vermitteln viel Information in kurzer Zeit und tragen so einiges zur gerafften und dichten Erzählweise des Films bei. Peter Lorre spielt den Kindermörder erschreckend gut und sein Gepfeife (aus Edvard Griegs Peer Gynt) als Motiv der nahenden Bedrohung liegt mir seit der erste Sichtung vor einigen Jahren immer wieder im Ohr. Auch die restlichen Darsteller, die allesamt mit wunderbarer Berliner Schnauze ausgestattet sind fügen sich herrlich in diesen Film. So ist Fritz Langs M - Eine Stadt sucht einen Mörder ein filmgeschichtlich sehr wichtiges Werk und ein spannender Kriminalfilm. Einziger Kritikpunkt: Das Ende ist etwas holprig geraten und hätte durchaus runder inszeniert werden können. Ansonsten toller Film!
80 Jahre! Ja, dieser Film ist mittlerweile 80 Jahre alt, was nicht nur im Vergleich mit dem gemutmaßten Durchschnittsalter dieser community eine ganz schöne Hausnummer ist. Nein, auch gemessen daran, dass das deutsche Kino mittlerweile 80 Jahre Zeit hatte, an dieses Werk anzuknüpfen, ohne die ganz große Vollendung noch mal wirklich in dieser Perfektion zu erreichen.
Und doch hat es nicht mit vielerorts beklagter Qualität „neuer“ deutscher Filme zu tun, dass man hier nicht mehr herankommt. Es gibt durch die nachfolgenden Dekaden immer wieder Glanzlichter, die wie Rosen auf der Müllhalde aus den Massen an Ausschuss herausstrahlen: Von „Es geschah am hellichten Tag“ bis „Lola rennt“, das deutschsprachige Kino hat seine Momente und wird sie immer haben. Aber dieser Film ist nicht nur das opus magnum von Fritz Lang, und das trotz „Metropolis“ oder „Frau im Mond“, sondern für mich das opus magnum deutscher Filmkunst.
Als zur Entstehungszeit nicht nur der Tonfilm in den Kinderschuhen steckte, sondern Theater- und Filmschauspiel noch merklich mehr Gemeinsamkeiten aufwiesen als heute, gelang dem Regisseur ein bahnbrechender Brückenschlag. Die neue Tontechnik reizt er nicht mit plärrenden Musik- und Toneffekten aus, sondern nimmt sich bedächtig zurück. Anders als heutzutage, wo jede neue Technik sofort in einem Maße ausgequetscht und auf die pulende Mehrheit losgelassen wird, als gäbe es kein morgen, lässt Lang die Möglichkeiten des Tonfilms ganz sanft durch Griegs Thema „In der Halle des Bergkönigs“ auf den Zuschauer wirken und dann durch die stark platzierten und ausformulierten Dialoge.
Zusätzlich arbeitet er auf optischer Ebene mit sehr gelungenen Schnitten, markanten Perspektiven und macht einen entscheidenden Vorteil des Mediums Film gegenüber dem klassischen Theater deutlich: die Möglichkeit, durch so genannte Close Ups den großartigen Mimikfähigkeiten großer Darsteller Rechnung zu tragen. Ob nun die kalte und Gänsehaut generierende Art, wie Gustav Gründgens sich äußert, das verstörte, gehetzte Starren von Peter Lorre oder das jovial - berechnende Augenzwinkern von Otto Wernicke, all das ginge durch die vorgegebene räumliche Distanz im Theater zu weiten Teilen verloren…
Die drei bereits erwähnten Darsteller liefern unisono eine großartige Leistung ab. Leider gehen bei allen berechtigten Lobeshymnen auf Lorre die Kraft von Gründgens und Wernicke oft ein wenig unter. Auch wenn Lorres Erklärungsrede wirklich für ein kaltes Kribbeln im Nacken sorgt.
Eine Meilenstein an darstellerischer Kraft.
In einer Nebenrolle ist übrigens auch Theo Lingen zu sehen, fast 40 Jahre bevor er sich als Oberstudiendirektor Taft das Leben schwermachen ließ.
Die Mördergeschichte hier dreht sich nicht primär um das mordende Individuum oder um die bedauernswerten Opfer. Es ist vielmehr ein Blick auf die Fassungslosigkeit einer Gesellschaft, die, wie so oft, erst handelt, wenn es schon zu spät ist.
Zeitlos auch die Bebilderung des blinden Aktionismus zu dem man sich, auch angefeuert von den Medien, treiben lässt. Erst unternimmt man gar nichts, aber wenn einmal genug Panik gemacht wurde, ist plötzlich alles und jeder verdächtig. Man könnte fast meinen, es habe sich nichts verändert.
Der Plot selbst ist trotz der Tiefe, die Lang der Geschichte implantiert, recht spartanisch. Ein Kindermörder treibt sein Unwesen und im Zuge des öffentlichen und politischen Drucks neigt auch die Polizei zu Aktionismus und so raubt eine Razzia nach der anderen der Berliner Unterwelt den Nerv. Demzufolge sieht sich die „ehrenwerte“ Gangsterschaft gezwungen, dem Mörder schon aus purem Eigennutz das Handwerk zu legen und nimmt ihrerseits die Spur auf, wenn auch nicht mit denselben Mitteln wie die Polizei…
Was allerdings dann daraus gemacht wird, ist wahres Jahrhundertkino: Nicht nur die filmtechnischen Mittel setzt Lang gekonnt ein, sondern gibt auch Einblicke in die Arbeit der Polizei, die, 60 Jahre vor den ersten praktikablen DNA Analysen, auf Schriftproben und Fingerabdrücke, sowie Krankenakten angewiesen ist.
Dazu kommt ein gelungener Schuss Lokalkolorit, der die Bevölkerung mitsamt Dialekt erst richtig lebendig macht.
Zudem behält Lang das „Bergkönig“ Thema akustisch durchgehend bei, es ist quasi das exklusive Stück Musik überhaupt, wenn man von kurzen Leierkastenauftritten absieht. Das entspannte Pfeifen des Mörders, das dann in einem Crescendo auch die sich zusammenziehende Schlinge verdeutlicht, nachdem die Ganoven einmal auf seiner Spur sind.
Das Gegeneinander von Verbrecher und Verbrecher zum Finale ist schon vom rein filmischen Aspekt absolut denkwürdig, in seiner prophetischen Wirkung aber dann beinahe verstörend. Sie gerät auf hochgradig kunstfertige Weise zu einer vorgezogenen Abrechnung mit dem Naziregime. Gründgens als Anführer und Demagoge der tumb nach Vergeltung schreienden Masse, einer Masse, in der keine Unschuldigen sitzen. Zudem ist er gleichermaßen Ankläger und Richter, während das Urteil schon feststeht. Sein Aufzug und seine Gestik tun ihr übriges.
Noch markanter ist allerdings in dieser Szene die Konfrontation mit dem Luftballonverkäufer, die stilistisch meisterhaft ist. Der jüdischstämmige Lorre weicht erschrocken vor einer Luftballonfigur zurück, die (entweder durch Schatten oder durch tatsächliche Gestaltung des Kopfes in dieser Form) einen unverkennbaren Hitlerbart aufweist.
Pure menschliche Abgründigkeit in vielerlei Erscheinungsformen, großartig eingefangen und ebenso verkörpert.
Trotz markanter Ausflüge in die Psychologie weniger ein Ausflug in die Seele eines kranken Killers als vielmehr eine Parabel auf eine nicht wirklich gesunde Gesellschaft, die viel von ihrer kritischen Kraft behalten hat, trotz dem Ende des Naziregimes.
Persönlich sagt mir die 2002er Schnittversion des Endes sogar eine Spur mehr zu, nicht zuletzt dank des zeitlosen Schlussspruches.
''Metropolis'' & ''M - Eine Stadt sucht einen Mörder'' von Fritz Lang und natürlich Murnaus ''Nosferatu'' sind die Grundpfeiler des internationalen Kinos und Wegbereiter in der Geschichte von Film und Fernsehen und das auch noch aus Deutschland. Ein extravaganter Beitrag zur Kultur, der viel zu selten erwähnt wird. Eine wirklich sehr gelungene Kritik!
"Zeitlos auch die Bebilderung des blinden Aktionismus zu dem man sich, auch angefeuert von den Medien, treiben lässt." - Ist ja auch verständlich, wenn ein Serienmörder sein Unwesen treibt, der seine Opfer ohne Motiv wählt.
Übrigens war die Thematik des Films zeitgenössisch hochaktuell. Kurz zuvor wurden spektakuläre Fälle von Serienmördern in mehreren deutschen Großstädten bekannt. Darauf bezieht sich auch das Kinderlied zu beginn des Films.
[Trotz 80. Geburtstag des Films gibt es an dieser Stelle sicherheitshalber eine Spoilerwarnung]
Peter Lorre war erst 26 Jahre alt, als er in Fritz Langs "M" die Rolle desjenigen bekam, den dieser eine Buchstabe im Titel andeuten will: Die eines Mörders. Doch nicht nur irgendeinen Mörder, sondern einen, der es auf Kinder abgesehen hat. Einer, der sich nicht mit seinen Taten blümen kann und die Karriere eines glorreichen Schwerverbrechers anvisiert, denn für ihn sind diese Morde ein unaufhaltsamer Zwang, eine Krankheit womöglich. Genau so bricht es ihm in den finalen Szenen vor allerlei Personen, die ihm an den Kragen wollen, heraus. Ein denkwürdiger Monolog voller Verzweiflung und Scham, der selbst beim zehnten Mal wiederholt den Atem stocken lässt. Anno 1931 waren es aber keine lauten Jubelschreie, die ihm danach zuriefen, sondern kurioserweise die Angst, dass er auch in Wirklichkeit ein Mörder sei. Manchmal kann auch die größte schauspielerische Leistung zur Belastung werden.
Diese Szene im Keller stellt den dramatischen Höhepunkt des Films dar. Es ist die Folge der großen Hysterie einer ganzen Stadt. Ob es die Polizei, Mordkommission, ehemalige Gaunerbanden, Familien oder einfache Bettler sind, das Berlin der 30er Jahre ist in Aufruhr. Dabei kommen allerlei Interessen zum Vorschein, und die 10.000 Mark an Belohnung sind lediglich der erste Stein, der die Jagd ins Rollen bringt. Fritz Lang zeigt akribisch die Vorgehensweise der unterschiedlichen Gruppierungen auf und porträtiert damit nicht nur die ersten Gehversuche einer Rasterfahndung oder anderen kriminologischen Mitteln, sondern porträtiert auch die schwierigen Lebensverhältnisse in dieser Zeit. Fast dokumentarisch inszeniert er die Polizeiarbeit oder die Planungen der Unterwelt von Berlin, die jeweils selbst diesen Mörder zur Strecke bringen wollen, vergisst aber nicht den Spannungseffekt, der sich aus der Suche ergibt.
Diese Spannung generiert Lang allerdings ganz ungewöhnlich. Genau jene vermeintliche Sensationslust, die diese Straftaten auslösen können, begegnet Lang mit subtilen Schatteneffekten oder dem gewollten Nichtzeigen des Offensichtlichen. Da reicht es schon, wenn ein Ball einsam aus der Hecke rollt. Besonders das Tonkonzept ist interessant, denn obwohl wir es hier nicht mit einem Stummfilm zu tun haben, sind viele Impressionen komplett still gehalten und verstärken umso mehr den Effekt, wenn dem Zuschauer ein Geräusch bewusst entgegenkommen soll. Es wird einiges an Spielraum gelassen, um selbst die Szenen zu reflektieren, was schließlich in der besagten Kellerszene mündet mit der heiklen moralischen Frage über den Umgang mit Lorres Figur. Selbst 80 Jahre später ist genau diese Frage noch nicht 'gelöst', denn manches gesellschaftliche Schema von damals lässt sich noch immer beobachten.
"M" ist ein wichtiger und prägender Film, der tief in der deutschen Film- und Zeitgeschichte verwurzelt ist und seine Brisanz und Wirkung nicht verloren hat, da das Thema auch einen universellen Charakter besitzt. Handwerklich ist "M" unglaublich vielschichtig, was sich nach mehreren Sichtungen erst so richtig verdeutlicht. Neben Lorres phänomenaler Darbietung sind es noch zwei weitere Schauspieler, Gustav Gründgens als Schränker oder auch Otto Wernicke in der Rolle des Kommissar Lohmann, die in ihrer individuellen Präsenz und mitreißendem Einsatz unvergesslich geblieben sind und den Film auch zu dem machen, was er bis heute ist: einem Meisterwerk cineastischer Pionierkunst.
80th Anniversary Edition:
Man kommt nicht umhin, noch ein paar Sätze zu neuen Edition von 2011 zu verlieren. Diese erneute Restaurierung von "M" ist erstaunlicherweise noch einmal ein riesiger Schritt. Das Bild ist nun deutlich sauberer geworden und in der Bildlage viel ruhiger im Vergleich zu vorher. Auch beim Ton konnte die ursprüngliche Idee von Lang endlich umgesetzt werden. Die stummen Momente sind entsprechend wirklich stumm, da man nicht mehr das stets begleitende Projektorrauschen hört. Bis auf vereinzelte Schnipsel, die leider noch immer fehlen (u.a. ganz am Ende), ist diese Fassung höchstwahrscheinlich als 'endgültig' zu bezeichnen.
Die Extras sind ebenso umfangreich wie informativ. Neben einem Audiokommentar über die geschichtlichen Hintergründe, bei denen besonders die Verbindung zum Serienmörder Peter Kürten zur Sprache kommt, was aber auch separat in einem Making-of behandelt wird, sind die Entwicklungen zwischen den unterschiedlichen "M"-Fassungen interessant (und gerade im direkten Vergleich verblüfft die Leistung der Restauratoren). Highlight ist auch ein altes Interview von 1968 mit Lang selbst, der u.a. auch über seine folgenschwere Bekanntschaft mit Joseph Goebbels erzählt. Das muss man mal gehört haben! Vollendet wird die Edition durch ein liebevolles Booklet, das sogar das originale Presseheft zu bieten hat. Eine tolle Edition, bei der man sich schon fast fragt, warum nicht jeder Klassiker so eine würdige Präsentation spendiert bekommt.
das lief vor einiger Zeit auf Arte und hat meinen Blick auf paar Dinge gebracht, die ich zuvor in "M" so sehr gar nicht sah. Und letztendlich meinen positive Meinung über den Film nur verstärkt!
http://www.youtube.com/watch?v=w2-lHiV_7c4
Der Ausschnitt ist aus der Doku "Auge in Auge - eine deutsche Filmgeschichte", wenn ich mich nicht irre. Ja, man könnte so viele Szenen erwähnen, die sich hervorheben und besonders sind. Wenders' Worten kann man nur zustimmen. Übrigens wurde die gezeigte Parellelmontage in früheren Synchro-Fassungen (französisch?) total übersehen/missachtet, da man die Beamten mit anderen Darstellern besetzt hatte, die zudem auch noch komplett andere Gestiken vollführten. Ist sehr gut im Bonus-Material gezeigt worden.
Ein ganz besonderer Film.
"M" Scheint in sich in einer Schwebe zwischen Ton- und Stummfilm zu befinden. Einige Szenen sind üppig vertont, andere sind komplett lautlos. Zudem ist die Erzählweise ungewöhnlich, denn für lange Zeit gibt es keinen klaren Handlungsträger, dem man folgt. Die Angst und die Wut sind die Hauptdarsteller. Fritz Lang schafft es, dem Zuschauher zu vermitteln, wie der Triebtäter langsam eingekreist wird in einer ihm gänzlich feindlichen Umgebung. Und wenn die "Bestie" sich am Ende für seine Verbrechen verteidigt, dann läuft es einem kalt den Rücken runter.
Über Peter Lorre muss man keine Worte mehr verlieren, und die anderen Schauspieler machen ihre Arbeit ebenfalls ordentlich. Die Regie ist grandios, solche Kamerafahrten und Zooms hätte ich von einem Film dieser Epoche nicht erwartet. Auch der Ton wird auf clevere Art und Weise genutzt, um Atmosphäre und Spannung aufzubauen.
Alles in allem ein beeindruckendes Werk, dessen Bilder sich ins Gedächtnis brennen.
Interessant ist, dass die Grenzen zwischen Gut und Böse am Ende verschwimmen und der Film keine einfachen, populistischen Lösungen anbietet. Sicherlich einer besten Filme der 30er Jahre und einer der besten deutschen Filme aller Zeiten.
Vorhersage 8,5......Ich kann mir irgendwie so garnicht vorstellen, dass mich ein deutscher Film aus dem Jahr 1931 so wirklich begeistert (Irgendwie verbinde ich alte deutsche Filme auch mit Peter Alexander muss ich zugeben;)...Vielleicht auf einer voyeuristischen, historisch interessierten Ebene...was ja auch faszinierend sein kann....Jedoch hat der Film wirklich einige tolle Dialoge und Zitate hervorgebracht und viele hier scheinen ja auch sehr überzeugt und man lässt sich ja gerne mal vom Gegenteil überzeugen..Also mal Vorgemerkt....Da bin ich ja mal gespannt:)
Dass M - Eine Stadt sucht einen Mörder ein großartiges Werk aus der deutschen Filmgeschichte ist, steht ausser Frage. Peter Lorres grandiose Performance lässt mich immer wieder erzaudern - wenn er auf den Knien sitzend beide Hände zusammenballt und schreit, er könne doch nicht anders. Großartiger Monolog! Fritz Langs Dramaturgie ist so modern, wie man es sich bei einem Film der frühen 30er-Jahre kaum vorzustellen vermag. Kamerafahrten und Zooms sind wegweisend und äußerst interessant anzusehen aus heutiger Sicht. Was ich überhaupt nicht mag an M - Eine Stadt sucht einen Mörder ist das Ende: Was soll uns diese abrupte moralische Keule bitte sagen? Dass man als Elternteil schuld ist, weil nicht gut genug aufgepasst wurde? Also bitte. Selbst für 1930 ist das eine ziemlich unverschämte Aussage.
Das Ende ist doch völlig offen. Das mit dem "Aufpassen" ist doch nur die hilflose Aussage einer verzweifelten Mutter. Es geht eben nicht darum, einen Mörder zu finden und zu verurteilen, sondern um Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen, z.B. wenn Gauner und Polizei die gleichen Ziele verfolgen...
Das sehe ich anders. Es geht für mich darum zu zeigen, dass ein Kinderschänder auch ein Mensch ist und wie schwer man als Mensch einen Verbrecher pauschal verurteilen kann. Das Ende hätte die Verurteilung sein sollen - am besten noch ein verzweifelter Blick von M - oder eben die Einweisung in die geschlossene Psychiatrie, aber doch nicht das Klagen einer Mutter, die meint, sie hätte besser auf ihr Kind aufpassen müssen?!
Atmosphärisch, beklemmend, genial gespielt und gefilmt,und auf seine Weise ein wenig unheimlich.Mir fallen noch viele Atribute ein, für einen Film, den ich mit 14 zum ersten mal sah und der mich damals schon begeisterte.Insbesondere, die eingebettete Milleu-Studie, sowie, die aktualität des Themas, machen "M" fast zeitlos und zu einer Art, Krimi-Doku-Drama.Paranoia, auf den Straßen,von den Medien geschürt, beinahe, wird ein gefasster Schwarzfahrer im Buss, von den herumstehenden gelyncht, weil man ihn irrtümlich für den Kindermörder hält.Peter Lorres Darstellung, ist atemberaubend und man schwankt hin und her, zwischen Abscheu und Mitleid.Oft, lässt Fritz Lang, überflüssige Dialoge weg und spielt gekonnt, mit der Macht der Bilder, der Schatten des Mörders, auf seinem eigenem Fahndungsplakat, während er ein Kind anspricht, der aus dem Busch herauskullernde Ball, der Balon, den er dem Kind kaufte der sich in den Stromkabeln verfängt und symbolisch-hilflos vor sich hinflattert.Eine düstere Ruhe, macht sich breit, wenn man die langen Kamera-einstellungen, bewusst aufnimmt und das ist nicht so leicht, weil wir durch rasante Schnitte, wie wir es gewohnt sind, vielleicht schon ein Stück weit....verlernt haben, das so etwas nicht nur typisch für damalige Filme war, sondern auch bis heute wirkt!!
"M" ist ein Meilenstein, des Deutschen Films, aus einer Zeit, in der Deutscher Film, weltweit führend war!!Aber diese Qualität, ist wenigstens manchmal....wieder zu erkennen!!"M" ist ein Muss, für jeden Filmfan!!
M - Eine Stadt sucht einen Mörder - Kritik
DE 1931 Laufzeit 117 Minuten, FSK 16, Drama, Thriller, Kriminalfilm, Kinostart 11.05.1931
Kritiken (5) — Film: M - Eine Stadt sucht einen Mörder
Stephan Eicke: www.film-rezensionen.de
Kommentar löschenEin spannungsgeladener Thriller über die Verfolgung eines Wahnsinnigen, ein einfühlsames Porträt über das innere Drama eines Unzurechnungsfähigen, der jeden Tag mit sich selber kämpft, eine detaillierte Schilderung über den Polizeiapparat in quasi-dokumentarischen Szenen, die kunstvoll und technisch brillant ineinander verschmolzen werden. Eines der großen Meisterwerke des deutschen Tonfilms, das mit Peter Lorres Darstellung eine der besten schauspielerischen Leistungen der Vor- und Nachkriegszeit aufzuweisen hat.
Kritik im Original 3 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
SiameseMax: SiameseMovies
Kommentar löschenNach 80 Jahren ist Fritz Langs Meilenstein des deutschen Kinos besonders in den ersten 90 Minuten kaum mit Spannung zu verfolgen, ähnlich wie ein Besuch in einem Museum, der trotz der zeitgeschichtlichen Bedeutung der ausgestellten Stücke auf Dauer ermüdend wirken kann. Die letzten 20 Minuten sind jedoch faszinierend und in ihrer Thematik hochaktuell, die Darstellung Peter Lorres ist schlicht genial.
Ich habe nicht das Gefühl, gerade einen fantastischen Film gesehen zu haben, eher jenes, um ein Stück Film -und Zeitgeschichte bereichert worden zu sein.
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SamHook 2011/04/09 03:20:08
Antwort löschenendlich mal eine ehrliche Kritik bei einem Klassiker! Viele geben vor mehr als begeistert zu sein von Dingen die man heute eben durchaus moderner sieht.... auch wenn es im Klassiker eben das erste mal war ändert das ja nichts an Abnutzungseffekten und dem gesehenem heutigen Standart..Denke viele wollen das dann einfach auch mehr mögen aus Egozentrischen Gründen...Natürlich gibt es auch zeitlose Filme die wirklich auch heute noch frisch wirken (denke da z.B. an die 12 Geschworenen oder Hitchcock Filme) meist sind dies doch aber Story/Inszenierungsbetonte Filme..... Aber genau wie du habe ich auch schon bei vielen Filmen gefühlt!!! Von vielen Dingen ist man einfach historisch begeistert aber mal ehrlich, wenn man Metropolis ansieht denkt man doch nicht, wow solche Bilder habe ich noch nie gesehen das wird mein Lieblingsfilm...Man denkt eher, wow für die damalige Zeit einfach super gemacht und ein Stück Filmgeschichte mit einer tollen Story, und einem wird bewusst wieviele heutige Filme das beeinflusst..Ansonsten müsste man schon 80 Jahre Filme verpasst haben...Alles wird irgendwann neu inszeniert...
Hitmanski: Reihe Sieben / MehrFilm / I...
Kommentar löschen"Er ist ja kein Mensch" -
Man sollte es amtlich machen: Fritz Lang hat es tatsächlich geschafft, sich selber zu übertreffen, und sein "Metropolis" zu überbieten.
Wenngleich jenes Mammutwerk aus cineastischer Sicht eine ungeheuer wichtige Produktion war, so macht die darin vorgenommene kompromisslose Fokusierung auf die technischen Aspekte des Mediums eine heutige Sichtung doch eher anstrengend, denn zum wirklichen Genuss.
"M - Eine Stadt sucht einen Mörder" kann und will einen anderen Weg gehen, verlagert Lang doch sein Augenmerk von der wuchtigen Inszenierung und der technokratischen Ästhetik nun voll auf die Vorzüge der neuen Tonfilm-Technik und den daraus resultierenden Möglichkeiten zum Erzählen von Geschichten und zur Anlage von Charakteren.
Neben seiner vorzüglichen Inszenierung, die durch Parallellmontagen und geschickte Symbolik eine nicht für möglich gehaltenen Dynamik ausstrahlt, überzeugt "M" vorallem…
/p>Kritik im Original 26 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 15 Antworten
Hitmanski 2010/10/27 17:25:53
Antwort löschenDa aus mir nicht erfindlichen Gründen ein "vorgemerkt" anstelle einer Punktewertung angezeigt wird: 9.5
Billmaik 2010/10/27 17:28:13
Antwort löschenWoher die plötzliche Scheu vor Absolutismen,Herr Hitmanski? Jedenfalls eine würdige Rezension für einen großen Film. Sofern man die gleiche Meinung vertritt, ist es immer eine Freude deine Kritiken zu lesen. Falls nicht, wie im Falle deiner Ignoranz gegenüber dem asiatischen Kino, treibt mich dein Geschreibsel ad infinitum zur Weißglut ;)
horro 2010/10/27 17:39:37
Antwort löschenJa Hitmanski polarisiert halt, denke mal das muss man auch, wenn man sich Kritiker nennen will .... und der Kommentar macht Sinn und liest sich gut
Hitmanski 2010/10/27 17:42:11
Antwort löschenDanke für das Lob ;)
Nunja, solche Absolutismen kann man halt nie komplett objektiv aufrecht erhalten. Viele sehen in "Metropolis" das tendeziell bedeutsamere Werk; dem würde ich nicht widersprechen wollen, obgleich ich es aus subjektiver Sicht für stark überschätzt halte, vorallem hinsichtlich der narrativen Ebene.
Beim Asia-Kino sehe ich mich als der - in diesem Fall sehr subjektiv argumentierende - Gegenpol zu all den Anhängern. Es ist nicht so, dass ich Fernost-Filme per se ablehne (Kurosawa finde ich zumindest interessant), aber insbesondere die neueren Sachen, wie die Park-Trilogie empfinde ich komplett übersymbolisiert und pseudo-stylisch. Und warum Hollywood am laufenden Band Ideenarmut vorgeworfen wird, während die immergleichen Racheplots aus Asien als große Kinokunst zelebriert werden, erschließt sich mir auch nur sehr bedingt. Aber so hat halt jeder seine Vorlieben - und Diskurs belebt das Geschäft;)
horro 2010/10/27 17:48:10
Antwort löschenBetreffend Asia-Kino ist es umso tragischer, dass viele Filme, mit sehr unterschiedlicher Ausgangslage, von Hollywood kopiert werden. Ich denke den Reiz der asiatischen Filme, machen vor allem die kulturellen Unterschiede, die sich in den Verhaltensmustern der Darsteller zeigen, aus. Uns erscheint doch einiges noch sehr exotisch und wird deshalb als Kult betrachtet, derweil wir bei einheimischen Produktionen sehr viel kritischer sind. Vor zehn oder vielleicht zwanzig Jahren war dies zwischen US- und europäischen Filmen so, jetzt halt mit den Asiatischen. Aber wahrscheinlich sehe ich dies zu einfach und einseitig.
janissl 2010/10/28 00:03:01
Antwort löschenSehr gut und sehr richtig das alles!
Aber Absolutheit hin oder her, der ist so was von der beste deutsche Film bisher, da soll mir erstmal einer das Gegenteil beweisen! ;)
Hitmanski 2010/10/28 00:05:55
Antwort löschenMal nicht so pessimistisch: Til Schweiger dreht doch gerade am Abschluss der Keinohr-Schmusetiere-Trilogie :)
horro 2010/10/28 00:07:46
Antwort löschenoje ... ich als Schweizer?
janissl 2010/10/28 00:16:07
Antwort löschenDu meinst also, dass da mit der Ohren-Anzahl auch die Qualität steigt? Dann könnte vielleicht der hundertste Teil ansatzweise mit M mithalten. :)
Hitmanski 2010/10/28 00:18:06
Antwort löschenSozusagen - wobei das eine sehr optimistische Einschätzung ist, dass da 100 Aufgüsse reichen :D
janissl 2010/10/28 00:26:46
Antwort löschen100 Aufgüsse gibt die Geschichte auch in Til Schweigers Welt nicht her, hoffe ich zumindest. Siebenundneunzigohr-Elch? Ne!!
fabel 2010/10/28 14:09:14
Antwort löschenAch, ihr vergesst alle "Es geschah am hellichten Tag". Der ist ebenfalls ziemlich stark. ;)
Hitmanski 2010/10/28 14:19:37
Antwort löschen@fabel
Der ist ganz nett, hat aber im Vergleich zu "M" deutlich Staub angesetzt, und ist in Gesamtheit von Technik und Geschichte auch der schwächere Film. Aber das wirst du selber merken, wenn du "M" gesehen hast ;)
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fabel 2010/10/28 14:25:48
Antwort löschenhierfür hab ich ja noch 0.5 Punkte Platz gelassen ;) ^^
alanger 2012/01/15 11:16:19
Antwort löschenklasse!
Batzman: moviepilot / Fünf Filmfreunde
Kommentar löschenZurecht ein Klassiker mit einer im wahrsten Sinne des WortesKiller-Performance von Lorre!
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MartinSchwarz: zitty MartinSchwarz: zitty
Kommentar löschenDie restaurierte Fassung auf der Berlinale gesehen: Beklemmung pur, der beste deutsche Film aller Zeiten.
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Kommentare (53) — Film: M - Eine Stadt sucht einen Mörder
Kommentar schreibenKonTaicho 2012/02/03 21:13:15
Kommentar löschenWas war denn da los?
Vorhersage 9,5 und dann sowas?
Also es gab bisher nicht viele Filme, die ich vor Ende abgebrochen habe, aber dieser hier gehört nun leider auch dazu.
Ich frage mich die ganze Zeit, ob ich den falschen Film gesehen habe, denn, nach 45 Minuten der mirada keimte in mir kaum mehr Spannung als beim 10. Mal "Dinner for One".
Es wird geredet und geredet und verdächtigt und verleumdet, aber in einer Art und Weise, dass ich nach besagter Zeit aufgestanden bin und angefangen habe, mein Zimmer neu zu dekorieren.
Das ganze Schauspiel kam mir vor wie ein Bühnenstück unserer Theater-AG, wobei ich sagen muss, dass ich zu dem angeblich genialen Schauspiel des Mörders mit seinen irren Augen gar nicht mehr gekommen bin, da ich vorher abbrechen musste.
Ich bin normal kein Banause und es lag weder am Alter des Films noch an der Schwarz-Weiß-Inszenierung ( Ich liebe S/W Filme ).
Auf harsche Kritik bin ich gefasst, vielleicht werde ich mir "M-Eine Stadt sucht einen Mörder" irgendwann nochmal zu Gemüte führen, doch erstmal ist er ad acta gelegt.
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David "Noodles" Aaronson 2012/02/03 22:05:01
Antwort löschenHm, kenne keinen Film der so gut gealtert ist (über 80 Jahre). Der Film funktioniert auch am besten als Sittenbild und nicht als Krimi (wobei, spannend ist er doch auch - vlt. hast du wirklich einen anderen Film gesehehn.;.;.) Alleine für Lorres genialen Schlussmonolog, muss man schon 5 Punkte geben - dafür musst du ihn natürlich auch zu Ende sehen ;-)
alanger 2012/01/15 11:13:22
Kommentar löschenendlich die restaurierte fassung gesehen.
ganz und gar und unbedingt einer DER wichtigen filme!!
was hier, erstmalig so perfekt, an parallelmontage (und noch viel mehr für alle filmstudenten: musterbeispiel, die close ups) passiert, dass ist auch in (referenzmodell) "der pate" nicht viel besser.
und wie lang schon 1931 den natzi-terror heraufdämmern sah, macht atemlos.
die diskussion um "unwertes leben", ein charismatischer krimineller der sich zum führer aufjazzt, die von der kriese gebeutelten kleinen leute ...kassandra, baby!
wichtig, spannend, zeitlos!
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sikkmeidack 2012/01/15 11:51:27
Antwort löschen!
Filmkenner77 2012/01/15 13:23:30
Antwort löschenEiner der ganz wenigen deutschen Filme von Weltformat. Sicherlich ein Meilenstein der Filmgeschichte.
Le Samourai 2012/01/15 13:23:37
Antwort löschenDer wichtigste deutsche Film überhaupt!
alanger 2012/01/15 17:58:43
Antwort löschenlieber Filmkenner77
da gibzs schon noch einiges, leider nix aus jüngster zeit.
Filmkenner77 2012/01/15 19:36:07
Antwort löschenEine Handvoll. Fritz Langs Filme, Nosferatu, Das Boot und dann muss ich schon überlegen. Das Leben der Anderen...Mmh... ich spreche jetzt nicht von sehr guten Filmen, sondern wirklich weltweit anerkannten Meisterwerken.
Le Samourai 2012/01/15 19:46:26
Antwort löschenCaligari, Fitzcarraldo, Der Himmel über Berlin, Aguirre.
alanger 2012/01/15 22:13:35
Antwort löschendie brücke, die katze...
Filmkenner77 2012/01/16 16:19:23
Antwort löschenCaligari okay, Fitzcarraldo gut, Himmel über Berlin naja, Aguirre-Kinski ist klasse, aber der Film steht für mich nicht auf einer Stufe mit den anderen genannten Meisterwerken, Die Brücke auf jeden Fall, Die Katze - der guter Thriller mit George, aber kein international angesehenes Meisterwerk, wie ich finde....
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baser 2012/01/28 12:44:24
Antwort löschenDer Verlorene, Alice in den Städten, Utopia, Yella, Ich war neunzehn, Der junge Törless, Der Händler der vier Jahreszeiten, Ordnung... trotzdem, an den Rang von "M" kommt keiner ran ;-)
Filmkenner77 2012/01/28 15:03:37
Antwort löschenAlles gute Filme, aber waren sie auch weltweit erfolgreich und wegweisend? Ich denke, da gibts nur eine Handvoll deutsche Filme.
dbeutner 2012/01/12 18:55:47
Kommentar löschen"M" ist schon inhaltlich ein sehr prophetisches Stück. Dass ausgerechnet Gründgens den Schränker spielt, ist dabei von zynischer Ironie. Das Thema der Massenhysterie und der Neigung zur Lynchjustiz, insbesondere, wenn der "Feind" nur ausreichend Projektionsfläche für Wut und Hass bietet - "Kindermörder" - ist auch heute noch in gewisser Weise seiner Zeit voraus, denn zum Allgemeingut haben sich die Ausführungen für die Rechte des Angeklagten noch lange nicht entwickelt; wie sehr muss dies erst 1931 gegolten haben...
Schon vor dem historischen Hintergrund also ultraspannend, und dann kommt das Filmische noch hinzu. Der partielle Verzicht auf Ton im neuen Tonfilm entwickelt eine ganz eigene Wirkung. Darstellerisch gibt es einige Glanzlichter, dann Peter Lorre in seinem abschließenden Monolog, das kann man kaum beschreiben, und dann gibt es allerdings auch einige DarstellerInnen, die am Rande des Unaushaltbaren spielen.
Die Inszenierung erinnert mitunter extrem an Theater, was für die Zeit nicht so überraschend ist, aber hier doch noch einmal besonders markant ins Auge sticht; insbesondere einige Dialoge sind in ihrer Länge und Art sehr künstlich; da entwickeln sich Antworten in Telefonaten in Umfang und Diktion zu einer Art Politikeransprache. Solche Momente - wie auch etwa die Ausführung des Graphologen - entwickeln dabei eine gewisse unfreiwillige Komik, wo ich mich zwar köstlich amüsiert habe, wo aber auch klar ist, das Fritz Lang mein breites Grinsen nicht beabsichtigt hatte.
Alles in allem: Gehört definitiv zum Filmkanon, ein Must-Must-Must-See, beeindruckt mich auch nachhaltig, haut mich aber rein filmisch nicht komplett aus den Socken.
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Pyro 91 2012/01/08 15:26:26
Kommentar löschenLangs Inszenierung hat fast einen dokumentarischen Stil an sich und während meist leere Straßen oder verlassene Gegenden das Bild dominieren, schafft er es denoch durch abwechslungsreiche Kamerführung wie z.B. durch einen "Cross-Cut" bei der Besprechung von Polzei und Verbrechern, Bewegung in die triste Szenarie zu bringen.
Auch zu Beginn als wir das erste Mal die Begegnung von Mörder und Opfer sehen, lässt Lang die Bilder für sich sprechen und wir verstehen sofort was geschehen wird/ist.
Echte Sympathieträger gibt es in "M" nicht. Die Polizei als auch die Verbecher sind darauf bedacht ihr Ziel durchzusetzen und den Mörder zu fangen. Die Gesetzeshüter sind abgearbeitet, launisch und verlieren den Glauben in das Volk und in sich selbst. Die Verbrecher haben - so scheint es - einen Anführer für sich gewählt und wollen den Kindermörder durch Selbstjustiz für seine Verbrechen bestrafen.
Und dann wäre noch Peter Lorre in der Hauptrolle des Hans Beckert. Sein "Problem" deutet sich immer wieder im Verlauf des Films an, findet aber im Finale seinen Höhepunkt mit einer unglaublich intensiven Darstellung eines paranoiden, gebrochenen Charakters.
Auf dem Blatt wirkt dessen Schlussmonlog schon schwer zu spielen, doch Lorre schafft es Overacting zu vermeiden und so finden seine Worte Mitleid, Unglaube, Verständnis und Wut - d.h. eine große Bandbreite an Emotionen- als Antwort.
Das "Ersatz"-Gericht heizt die Thematik über die Todesstrafe erst richtig an und entlässt den Zuschauer mit reichlich Diskussionsstoff. Sogar das Ende ist nicht eindeutig und erlaubt es jeden selbständig seine Schlüsse zu ziehen.
Obwohl ich von "M" beeindruckt war, fielen mir doch ein paar Stellen auf, die sich gezogen haben wie z.B. die Hausdurchsuchung bei Beckert oder die Ermittlungsarbeit der Polizei. Dies sind allerdings nur Kleinigkeiten, schließlich wird "M" dieses Jahr 81 Jahre alt und für die damalige Zeit waren diese Sache natürlich noch relativ neu.
Das Ende bügelt diese Schwachstellen wieder aus und macht sie vergessen.
Es war außerdem ein mutiges Unterfangen zur damaligen Zeit einen Film über einen Kindermörder und Selbstjustiz zu machen. Thematiken, die auch heute noch aktuell und kontrovers sind.
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Wurfmaul 2012/01/05 17:15:07
Kommentar löschen"Kann nicht, MUSS!" So verteidigt sich der Kindermörder vor einer Stadt.
Peter Lorre spielt ihn wie kein anderer. Er und Klaus Kinski bekämen von mir einen Preis für die verrücktesten Augen, wenn es einen gäbe.
„Immer muss ich durch Straßen gehen, und immer spür ich, es ist einer hinter mir her. Das bin ich selber! (…) Manchmal ist mir, als ob ich selbst hinter mir herliefe! Ich will davon, vor mir selber davonlaufen, aber ich kann nicht! Kann mir nicht entkommen! (…) Wenn ich’s tue, dann weiß ich von nichts mehr… Dann stehe ich vor einem Plakat und lese, was ich getan habe, und lese. Das habe ich getan?“
Dieses Meisterwerk lebt von seinem grandiosen Hauptdarsteller und der spannenden Inszenierung.
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Cellmorbasg 2011/12/22 23:05:24
Kommentar löschenGestern überraschte uns der Dozent zur Vorlesung über die Weimarer Republik mit "guter, alter Geschichtslehrertradition" und brachte uns diesen Spielfilm mit. Keiner verließ den Saal, was ich schon mal sehr beachtlich fand, auch ich blieb erfreut sitzen und sah zum zweiten Mal dieses Meisterwerk. Denn obwohl man dem Film sein Alter deutlich anmerkt und er nicht die Geschmeidigkeit von Metropolis hat, durch die fehlende Musik die mangelnden Toneffekte umso mehr zu Buche schlagen und so manche Szene etwas hölzern wirkt, beeindruckt die Geschichte mit ihrer Moral. Die wird einem nicht um die Ohren gehauen und mit einem guten Helden verkauft, sondern entsteht im Zusammenspiel der verschiedenen Akteure mit ihren guten und dunklen Seiten. Die Psychologie des Einzelnen spielt ebenso eine Rolle wie die Psychologie der Massen und so wie das Böse im Einzelnen wohnt und zum Vorschein kommen kann, kann es sich auch auf die Masse übertragen und zu Jagd und Urteil führen. Kein Zweifel, dass der Kindermörder gefangen werden muss, aber ebenso wenig Zweifel, dass er Mensch ist und eine Entmenschlichung der Tat nicht gerecht wird, denn erst durch das Menschsein des Täters wird die Tat so schrecklich. So schreckt das Mitgefühl auch vor dem großartig spielenden Peter Lorre nicht zurück und das Statement gegen die Todesstrafe ist am Ende überdeutlich, es ist ein Plädoyer für die Menschlichkeit, auch und gerade gegenüber jenen die sich falsch verhalten haben. Die Todesstrafe ist ein Akt der Rache, sie nimmt dem Täter das Leben, doch macht die Tat nicht ungeschehen, nicht erträglicher und verhindert sie nicht für die Zukunft. Wir sehen im Fall des Norwegers Breveik, dass keine Strafe angemessen sein kann für einen mehrfachen Mord. Fassungslos lässt uns die Tat zurück und es bleibt ein Gefühl der Ohnmacht. Diese Ohnmacht wird im Film durch eine gemeinsame Kraftanstrengung überwunden, in der anschließenden Vergeltungssucht schlägt sie ins Gegenteil um. Durch einen stürmischen Akt der Reaktion soll die zurückgewonnene Handlungsfähigkeit demonstriert werden, doch löst sich so die eigentlich erfolgreiche Gemeinschaft wieder auf und die alte Blindheit kehrt zurück. Ein hochaktueller Film der nichts von seiner Wirkung verloren hat.
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baser 2011/12/08 01:05:33
Kommentar löschenEin Film, über den man nicht mehr viel sagen muss. Einer der ganz wenigen deutschen Filme mit wirklichem Weltrang, seiner Zeit weit voraus. Die Parallelszene der Versammlung der Polizisten und Gangster mit angeglichenen Tonspuren und die "Lynchtribunal"- Szene setzten damals Maßstäbe und beeindrucken auch noch heute. Man merkt dem Film einfach an, dass sich der Regisseur zu jeder Szene Gedanken gemacht und innovativ Ideen verarbeitet hat. Wim Wenders bezeichnete den Film als Deutschlands reichsten Film - ein Urteil, dem ich mich anschließe, denn selbst nach mehrfachem Ansehen entdeckt man immer neue Einzelheiten.
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J!GS4W 2011/09/09 20:33:52
Kommentar löschen"Wenn ich's tue, dann weiß ich von nichts mehr… Dann stehe ich vor einem Plakat und lese, was ich getan habe, und lese. Das habe ich getan?"
Fritz Lang zeigt in seinem ersten Tonfilm den Wahnsinn und die Hilflosigkeit die von einem Triebtäter ausgeht, aber ebenso die Extremsituation, die durch die Reihe von Morden in der Stadt ausgelöst wird. Die Darstellung ist hierbei absolut glaubwürdig und sehr fesselnd. Auch die Verzweiflung der Mütter, allen voran der von der kleinen Elsie ist unglaublich bedrückend und stark gespielt, auch wenn sie nur einen sehr sehr kleinen Platz im Film findet.
Grandios und kaum beschreibbar ist aber die Art mit der Lorre den Mörder mimt, denn in seinen Augen kreischt der Wahnsinn danach herausgelassen zu werden und schon in den ersten Minuten lief mir ein Schauer über den Rücken bei den Worten "Du hast aber einen schönen Ball". Deswegen ist es etwas schade, dass er erst am Ende so richtig zeigen kann, was in ihm steckt, da wäre ein weiterer etwas detaillierter gestalteter Mord vielleicht gut gewesen um ihn genauer zu portraitieren, was zudem die Länge der Stadtszenen etwas vermindert hätte.
Das ist aber mein einziger Kritikpunkt an diesem unheimlich intensiven Film.
Langs Berlin ist hierbei nämlich ein sehr deutlich dargestellter Schauplatz, welcher 1931 noch von den Nazis unbefleckt ist, aber deutlich den Zeitgeist einfängt, gerade am Ende bei der Gerichtsszene. So sind Handlungsabsichten der Figuren aber stets nachvollziehbar, was die Moral des Werkes glücklicherweise auch offensichtlich macht.
Doch was lässt sich schon abschließend sagen zu diesem unheimlich starken, mörderisch guten Film?
"Davon werden unsere Kinder nicht wieder lebendig, man muss eben noch besser auf die Kinder Acht geben."
Einfach schaurig.
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tomgo92 2011/08/09 14:19:19
Kommentar löschenLange habe ich auf diesen Film gewartet und ihn nun endlich gesehen. Rückblickend ist zu sagen, dass er der Inbegriff der schauspielerischen Klasse und der annähernden Perfektion der 1920-1940er Jahre ist, als sich das deutsche Kino auf dem Höhepunkt seines Schaffens befand.
Fritz Langs typische Akribie zeigt sich deutlich: Er besuchte mehrere Psychatrien und Mörder, arbeitete zahlreiche Fälle durch (Der Einfluss der legendären Kriminalfälle von Kürten, Haarmann und Großmann ist deutlich erkennbar.) und bemüht sich jede Einzelszene zu perfektionieren.
Besonders beeindruckt haben mich die Szenen, als Lorres Schatten zu sehen ist, während das Kind den Ball gegen die Litfaßsäule wirft - die Szene, als sich die Unterwelt und die Polizei gleicher Maßen und im Wechsel dargestellt Gedanken macht, wie man den Mörder fassen kann - die Szene, wo Lohmann die Razzia in der Kneipe durchführt, sowie der geniale Schauprozess vor den Verbrechern der Stadt Berlin mit einem überragenden Lorre Auftritt, welcher für mich zu den besten Einzelauftritten der Filmgeschichte gehört. Die Darstellung Berlins ist nach meiner Auffassung authentisch - die Gesellschaft wird im typischen Dialekt und in einer gewissen Leidensgenossenschaft gezeigt.
Das gesamte Schauspielensemble liefert überragende Charaktere: Besonders Lorre brilliert in der Darstellung eines psychotischen Mörders, Gründgens überzeugt als kalter, berechnender und intelligenter Schränker, während Wernicke den faszinierenden, volksnahen und genialen Berliner Kommissar verkörpert, welcher dem erfolgreichsten deutschen Kriminalbeamten Ernst Gennat nachempfunden wurde.
Besonders beeindruckend war ferner das Grieg Motiv des Bergkönigs, welches in perfekter Manier eingesetzt wurde. Auch Kameraführung, Tontechnik, Präzision des Drehbuchs und der Schnitt waren maßstabsetzend. Kritisch anzumerken sind meiner Ansicht nach z.B. die Szenen, in welcher kein Ton verwendet wurde. Natürlich lässt sich das auch als Langs gezielt eingesetzte Stummfilmszenerie werten, aber mir persönlich waren diese Szenen zu zahlreich und zu langgezogen. Außerdem bleibt die Spannung nicht zu hundert Prozent aufrechterhalten. Das Ende hat mich besonders geärgert, da es zu abrupt erfolgte und keinerlei runden Abschluss darstellt.
Die Botschaft des Films bleibt nach meiner Auffassung die Streitfrage, wie Gerechtigkeit zu erreichen ist: einerseits könnte die Todesstrafe im Sinne der Bevölkerung und des erlittenen Leides der Eltern durchaus gerechtfertigt sein - andererseits lernt der Zuschauer die Persönlichkeit des Mörders kennen, der angibt, aufgrund von psychischem Zwang, so handeln zu müssen. Welcher Interpretation man sich anschließen mag, bleibt jedem selbst überlassen - nach meiner persönlichen Meinung sind der Film bzw. die u.a. von Harmann begangenen 24 Kindermorde ein klares Plädoyer für eine härtere Justiz, die mit eiserner Hand durchgreifen muss - die Weimarer Republik handelte hier mit ihrem seltenen, aber gezielten Einsatz der Todesstrafe nach meinem Rechtsempfinden genau richtig.
Insgesamt erscheinen 9 Punkte angemessen für einen der größten deutschen Filme, den jeder einmal gekuckt haben muss.
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noway 2011/08/03 01:50:06
Kommentar löschenEindrucksvolle Diskussion zum Thema Umgang mit Kindermördern die auch nach ziemlich genau 80 Jahren an Aktualität nicht verloren hat. Das Plädoyer des Verteidigers hat mich wirklich wirklich wirklich ein wenig aus den Socken gehauen und war seiner Zeit vermutlich weit voraus. Ich würde auch mehr als 10 Punkte vergeben wenn ich könnte. :)
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Fricke28 2011/07/19 19:18:30
Kommentar löschenDa der Film 1931 gedreht wurde und der Tonfilm gerade das Licht der Welt erblickt hatte, muss ich den Film zwangsläufig anders betrachtet als jeden X-beliebigen Film.
Denn ich muss einerseits loben, wie man den Film ohne Musik, dafür nur mit Dialogen so lebhaft und spannend gestaltet hat. Andererseits muss ich einiges kritisieren, was ich ich durch den "Ton-Aspekt" nicht entschuldigen kann, denn der Film ist nicht optimal gealtert:
Anspielungen auf den Nazionalsozialismus usw. werden dem Zuschauer nicht so deutlich, wie es 1931 vielleicht der Fall gewesen sein mag, auch wenn man geschichlich nicht ungebildet ist. Weiterhin hat dieser Krimi/Thriller einige ewiglich lange Dialoge, die der Handlung nicht beitragen und die Szenen mit dem außergewöhnlich guten Peter Lorre ausbremsen.
Eigentlich ist auch Peter Lorre - neben der Regiearbeit - der Juwel, der diesen Film so zum strahlen bringt. Er spielt den Kindermörder so exzellent und bringt die Zwigespaltenheit unnachahmlich zum Ausdruck. Allein der Monolog am Ende des Films zeigt dies.
Zusammenfassend ist "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" etwas für Film-geschichtlich Interessierte, aber weniger für Personen die sich einfach einen netten Filmabend machen wollen.
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peppermind 2011/07/05 00:51:26
Kommentar löschenEin wahres Meisterwerk - moralisch ohne die Keule zu schwingen, spannend, ohne die Story zu vernachlässigen sowie ausdrucksstark, ohne pathetisch zu wirken (exzellent: Peter Lorre). Auch heute noch technisch ausgefeilt und dramaturgisch absolut State of the Art. Vor dem zeitlichen Hintergrund auch noch voller Gesellschaftskritik - die auch jetzt noch aktuell ist (man bedenke nur die dargestellte mediale Hysterie).
Man muss Lang keine Fehler verzeihen - er macht keine. Solche Filme sind ganz selten; und jeder sollte diesen zumindest einmal gesehen haben.
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Galaxysinger 2011/06/21 11:51:57
Kommentar löschenÜber diesen Film wurde einfach alles schon gesagt, er wurde in all seinen Facetten ausführlich gelobt, seine Bedeutsamkeit und Eindringlichkeit immer wieder klar herausgestellt. Ohne dem etwas hinzufügen zu können schließe ich mich der kollektiven, überraschend geschlossenen Meinung an: ein Meisterwerk filmischer Kunst und Pflichtprogramm, für jeden der... ach... einfach für jeden!
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ash-williams 2011/06/15 13:23:49
Kommentar löschenFritz Langs Film war technisch damals auf sehr hohem Niveau. Die Art und Weise wie Fritz Lang mit dem Medium des Tonfilms spielt ist einfach herrlich und erstaunlich, wenn man sich daran erinnert wie jung der Tonfilm damals noch war. Die Erzählungen aus dem Off über die Montagen der Ermittlungen gelegt sind sehr geschickt inszeniert und vermitteln viel Information in kurzer Zeit und tragen so einiges zur gerafften und dichten Erzählweise des Films bei. Peter Lorre spielt den Kindermörder erschreckend gut und sein Gepfeife (aus Edvard Griegs Peer Gynt) als Motiv der nahenden Bedrohung liegt mir seit der erste Sichtung vor einigen Jahren immer wieder im Ohr. Auch die restlichen Darsteller, die allesamt mit wunderbarer Berliner Schnauze ausgestattet sind fügen sich herrlich in diesen Film. So ist Fritz Langs M - Eine Stadt sucht einen Mörder ein filmgeschichtlich sehr wichtiges Werk und ein spannender Kriminalfilm. Einziger Kritikpunkt: Das Ende ist etwas holprig geraten und hätte durchaus runder inszeniert werden können. Ansonsten toller Film!
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doctorgonzo 2011/06/14 17:51:00
Kommentar löschen„Aber ich kann doch nichts dafür!!“
80 Jahre! Ja, dieser Film ist mittlerweile 80 Jahre alt, was nicht nur im Vergleich mit dem gemutmaßten Durchschnittsalter dieser community eine ganz schöne Hausnummer ist. Nein, auch gemessen daran, dass das deutsche Kino mittlerweile 80 Jahre Zeit hatte, an dieses Werk anzuknüpfen, ohne die ganz große Vollendung noch mal wirklich in dieser Perfektion zu erreichen.
Und doch hat es nicht mit vielerorts beklagter Qualität „neuer“ deutscher Filme zu tun, dass man hier nicht mehr herankommt. Es gibt durch die nachfolgenden Dekaden immer wieder Glanzlichter, die wie Rosen auf der Müllhalde aus den Massen an Ausschuss herausstrahlen: Von „Es geschah am hellichten Tag“ bis „Lola rennt“, das deutschsprachige Kino hat seine Momente und wird sie immer haben. Aber dieser Film ist nicht nur das opus magnum von Fritz Lang, und das trotz „Metropolis“ oder „Frau im Mond“, sondern für mich das opus magnum deutscher Filmkunst.
Als zur Entstehungszeit nicht nur der Tonfilm in den Kinderschuhen steckte, sondern Theater- und Filmschauspiel noch merklich mehr Gemeinsamkeiten aufwiesen als heute, gelang dem Regisseur ein bahnbrechender Brückenschlag. Die neue Tontechnik reizt er nicht mit plärrenden Musik- und Toneffekten aus, sondern nimmt sich bedächtig zurück. Anders als heutzutage, wo jede neue Technik sofort in einem Maße ausgequetscht und auf die pulende Mehrheit losgelassen wird, als gäbe es kein morgen, lässt Lang die Möglichkeiten des Tonfilms ganz sanft durch Griegs Thema „In der Halle des Bergkönigs“ auf den Zuschauer wirken und dann durch die stark platzierten und ausformulierten Dialoge.
Zusätzlich arbeitet er auf optischer Ebene mit sehr gelungenen Schnitten, markanten Perspektiven und macht einen entscheidenden Vorteil des Mediums Film gegenüber dem klassischen Theater deutlich: die Möglichkeit, durch so genannte Close Ups den großartigen Mimikfähigkeiten großer Darsteller Rechnung zu tragen. Ob nun die kalte und Gänsehaut generierende Art, wie Gustav Gründgens sich äußert, das verstörte, gehetzte Starren von Peter Lorre oder das jovial - berechnende Augenzwinkern von Otto Wernicke, all das ginge durch die vorgegebene räumliche Distanz im Theater zu weiten Teilen verloren…
Die drei bereits erwähnten Darsteller liefern unisono eine großartige Leistung ab. Leider gehen bei allen berechtigten Lobeshymnen auf Lorre die Kraft von Gründgens und Wernicke oft ein wenig unter. Auch wenn Lorres Erklärungsrede wirklich für ein kaltes Kribbeln im Nacken sorgt.
Eine Meilenstein an darstellerischer Kraft.
In einer Nebenrolle ist übrigens auch Theo Lingen zu sehen, fast 40 Jahre bevor er sich als Oberstudiendirektor Taft das Leben schwermachen ließ.
Die Mördergeschichte hier dreht sich nicht primär um das mordende Individuum oder um die bedauernswerten Opfer. Es ist vielmehr ein Blick auf die Fassungslosigkeit einer Gesellschaft, die, wie so oft, erst handelt, wenn es schon zu spät ist.
Zeitlos auch die Bebilderung des blinden Aktionismus zu dem man sich, auch angefeuert von den Medien, treiben lässt. Erst unternimmt man gar nichts, aber wenn einmal genug Panik gemacht wurde, ist plötzlich alles und jeder verdächtig. Man könnte fast meinen, es habe sich nichts verändert.
Der Plot selbst ist trotz der Tiefe, die Lang der Geschichte implantiert, recht spartanisch. Ein Kindermörder treibt sein Unwesen und im Zuge des öffentlichen und politischen Drucks neigt auch die Polizei zu Aktionismus und so raubt eine Razzia nach der anderen der Berliner Unterwelt den Nerv. Demzufolge sieht sich die „ehrenwerte“ Gangsterschaft gezwungen, dem Mörder schon aus purem Eigennutz das Handwerk zu legen und nimmt ihrerseits die Spur auf, wenn auch nicht mit denselben Mitteln wie die Polizei…
Was allerdings dann daraus gemacht wird, ist wahres Jahrhundertkino: Nicht nur die filmtechnischen Mittel setzt Lang gekonnt ein, sondern gibt auch Einblicke in die Arbeit der Polizei, die, 60 Jahre vor den ersten praktikablen DNA Analysen, auf Schriftproben und Fingerabdrücke, sowie Krankenakten angewiesen ist.
Dazu kommt ein gelungener Schuss Lokalkolorit, der die Bevölkerung mitsamt Dialekt erst richtig lebendig macht.
Zudem behält Lang das „Bergkönig“ Thema akustisch durchgehend bei, es ist quasi das exklusive Stück Musik überhaupt, wenn man von kurzen Leierkastenauftritten absieht. Das entspannte Pfeifen des Mörders, das dann in einem Crescendo auch die sich zusammenziehende Schlinge verdeutlicht, nachdem die Ganoven einmal auf seiner Spur sind.
Das Gegeneinander von Verbrecher und Verbrecher zum Finale ist schon vom rein filmischen Aspekt absolut denkwürdig, in seiner prophetischen Wirkung aber dann beinahe verstörend. Sie gerät auf hochgradig kunstfertige Weise zu einer vorgezogenen Abrechnung mit dem Naziregime. Gründgens als Anführer und Demagoge der tumb nach Vergeltung schreienden Masse, einer Masse, in der keine Unschuldigen sitzen. Zudem ist er gleichermaßen Ankläger und Richter, während das Urteil schon feststeht. Sein Aufzug und seine Gestik tun ihr übriges.
Noch markanter ist allerdings in dieser Szene die Konfrontation mit dem Luftballonverkäufer, die stilistisch meisterhaft ist. Der jüdischstämmige Lorre weicht erschrocken vor einer Luftballonfigur zurück, die (entweder durch Schatten oder durch tatsächliche Gestaltung des Kopfes in dieser Form) einen unverkennbaren Hitlerbart aufweist.
Pure menschliche Abgründigkeit in vielerlei Erscheinungsformen, großartig eingefangen und ebenso verkörpert.
Trotz markanter Ausflüge in die Psychologie weniger ein Ausflug in die Seele eines kranken Killers als vielmehr eine Parabel auf eine nicht wirklich gesunde Gesellschaft, die viel von ihrer kritischen Kraft behalten hat, trotz dem Ende des Naziregimes.
Persönlich sagt mir die 2002er Schnittversion des Endes sogar eine Spur mehr zu, nicht zuletzt dank des zeitlosen Schlussspruches.
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shadowhunting 2011/06/14 19:04:27
Antwort löschen''Metropolis'' & ''M - Eine Stadt sucht einen Mörder'' von Fritz Lang und natürlich Murnaus ''Nosferatu'' sind die Grundpfeiler des internationalen Kinos und Wegbereiter in der Geschichte von Film und Fernsehen und das auch noch aus Deutschland. Ein extravaganter Beitrag zur Kultur, der viel zu selten erwähnt wird. Eine wirklich sehr gelungene Kritik!
Kreischling 2011/11/24 22:11:43
Antwort löschen"Zeitlos auch die Bebilderung des blinden Aktionismus zu dem man sich, auch angefeuert von den Medien, treiben lässt." - Ist ja auch verständlich, wenn ein Serienmörder sein Unwesen treibt, der seine Opfer ohne Motiv wählt.
Übrigens war die Thematik des Films zeitgenössisch hochaktuell. Kurz zuvor wurden spektakuläre Fälle von Serienmördern in mehreren deutschen Großstädten bekannt. Darauf bezieht sich auch das Kinderlied zu beginn des Films.
http://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Haarmann
filmschauer 2011/06/03 17:24:00
Kommentar löschen[Trotz 80. Geburtstag des Films gibt es an dieser Stelle sicherheitshalber eine Spoilerwarnung]
Peter Lorre war erst 26 Jahre alt, als er in Fritz Langs "M" die Rolle desjenigen bekam, den dieser eine Buchstabe im Titel andeuten will: Die eines Mörders. Doch nicht nur irgendeinen Mörder, sondern einen, der es auf Kinder abgesehen hat. Einer, der sich nicht mit seinen Taten blümen kann und die Karriere eines glorreichen Schwerverbrechers anvisiert, denn für ihn sind diese Morde ein unaufhaltsamer Zwang, eine Krankheit womöglich. Genau so bricht es ihm in den finalen Szenen vor allerlei Personen, die ihm an den Kragen wollen, heraus. Ein denkwürdiger Monolog voller Verzweiflung und Scham, der selbst beim zehnten Mal wiederholt den Atem stocken lässt. Anno 1931 waren es aber keine lauten Jubelschreie, die ihm danach zuriefen, sondern kurioserweise die Angst, dass er auch in Wirklichkeit ein Mörder sei. Manchmal kann auch die größte schauspielerische Leistung zur Belastung werden.
Diese Szene im Keller stellt den dramatischen Höhepunkt des Films dar. Es ist die Folge der großen Hysterie einer ganzen Stadt. Ob es die Polizei, Mordkommission, ehemalige Gaunerbanden, Familien oder einfache Bettler sind, das Berlin der 30er Jahre ist in Aufruhr. Dabei kommen allerlei Interessen zum Vorschein, und die 10.000 Mark an Belohnung sind lediglich der erste Stein, der die Jagd ins Rollen bringt. Fritz Lang zeigt akribisch die Vorgehensweise der unterschiedlichen Gruppierungen auf und porträtiert damit nicht nur die ersten Gehversuche einer Rasterfahndung oder anderen kriminologischen Mitteln, sondern porträtiert auch die schwierigen Lebensverhältnisse in dieser Zeit. Fast dokumentarisch inszeniert er die Polizeiarbeit oder die Planungen der Unterwelt von Berlin, die jeweils selbst diesen Mörder zur Strecke bringen wollen, vergisst aber nicht den Spannungseffekt, der sich aus der Suche ergibt.
Diese Spannung generiert Lang allerdings ganz ungewöhnlich. Genau jene vermeintliche Sensationslust, die diese Straftaten auslösen können, begegnet Lang mit subtilen Schatteneffekten oder dem gewollten Nichtzeigen des Offensichtlichen. Da reicht es schon, wenn ein Ball einsam aus der Hecke rollt. Besonders das Tonkonzept ist interessant, denn obwohl wir es hier nicht mit einem Stummfilm zu tun haben, sind viele Impressionen komplett still gehalten und verstärken umso mehr den Effekt, wenn dem Zuschauer ein Geräusch bewusst entgegenkommen soll. Es wird einiges an Spielraum gelassen, um selbst die Szenen zu reflektieren, was schließlich in der besagten Kellerszene mündet mit der heiklen moralischen Frage über den Umgang mit Lorres Figur. Selbst 80 Jahre später ist genau diese Frage noch nicht 'gelöst', denn manches gesellschaftliche Schema von damals lässt sich noch immer beobachten.
"M" ist ein wichtiger und prägender Film, der tief in der deutschen Film- und Zeitgeschichte verwurzelt ist und seine Brisanz und Wirkung nicht verloren hat, da das Thema auch einen universellen Charakter besitzt. Handwerklich ist "M" unglaublich vielschichtig, was sich nach mehreren Sichtungen erst so richtig verdeutlicht. Neben Lorres phänomenaler Darbietung sind es noch zwei weitere Schauspieler, Gustav Gründgens als Schränker oder auch Otto Wernicke in der Rolle des Kommissar Lohmann, die in ihrer individuellen Präsenz und mitreißendem Einsatz unvergesslich geblieben sind und den Film auch zu dem machen, was er bis heute ist: einem Meisterwerk cineastischer Pionierkunst.
80th Anniversary Edition:
Man kommt nicht umhin, noch ein paar Sätze zu neuen Edition von 2011 zu verlieren. Diese erneute Restaurierung von "M" ist erstaunlicherweise noch einmal ein riesiger Schritt. Das Bild ist nun deutlich sauberer geworden und in der Bildlage viel ruhiger im Vergleich zu vorher. Auch beim Ton konnte die ursprüngliche Idee von Lang endlich umgesetzt werden. Die stummen Momente sind entsprechend wirklich stumm, da man nicht mehr das stets begleitende Projektorrauschen hört. Bis auf vereinzelte Schnipsel, die leider noch immer fehlen (u.a. ganz am Ende), ist diese Fassung höchstwahrscheinlich als 'endgültig' zu bezeichnen.
Die Extras sind ebenso umfangreich wie informativ. Neben einem Audiokommentar über die geschichtlichen Hintergründe, bei denen besonders die Verbindung zum Serienmörder Peter Kürten zur Sprache kommt, was aber auch separat in einem Making-of behandelt wird, sind die Entwicklungen zwischen den unterschiedlichen "M"-Fassungen interessant (und gerade im direkten Vergleich verblüfft die Leistung der Restauratoren). Highlight ist auch ein altes Interview von 1968 mit Lang selbst, der u.a. auch über seine folgenschwere Bekanntschaft mit Joseph Goebbels erzählt. Das muss man mal gehört haben! Vollendet wird die Edition durch ein liebevolles Booklet, das sogar das originale Presseheft zu bieten hat. Eine tolle Edition, bei der man sich schon fast fragt, warum nicht jeder Klassiker so eine würdige Präsentation spendiert bekommt.
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ElMagico 2011/06/03 17:29:12
Antwort löschendas lief vor einiger Zeit auf Arte und hat meinen Blick auf paar Dinge gebracht, die ich zuvor in "M" so sehr gar nicht sah. Und letztendlich meinen positive Meinung über den Film nur verstärkt!
http://www.youtube.com/watch?v=w2-lHiV_7c4
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filmschauer 2011/06/03 18:43:30
Antwort löschenDer Ausschnitt ist aus der Doku "Auge in Auge - eine deutsche Filmgeschichte", wenn ich mich nicht irre. Ja, man könnte so viele Szenen erwähnen, die sich hervorheben und besonders sind. Wenders' Worten kann man nur zustimmen. Übrigens wurde die gezeigte Parellelmontage in früheren Synchro-Fassungen (französisch?) total übersehen/missachtet, da man die Beamten mit anderen Darstellern besetzt hatte, die zudem auch noch komplett andere Gestiken vollführten. Ist sehr gut im Bonus-Material gezeigt worden.
ElMagico 2011/06/03 18:51:53
Antwort löschenHab (leider) die alte DVD...ohne viel Bonus :( war einer meiner Gedanken beim Lesen: da steht wohl ein Neukauf an ;)
Marti DiBergi 2011/05/07 12:12:57
Kommentar löschenEin ganz besonderer Film.
"M" Scheint in sich in einer Schwebe zwischen Ton- und Stummfilm zu befinden. Einige Szenen sind üppig vertont, andere sind komplett lautlos. Zudem ist die Erzählweise ungewöhnlich, denn für lange Zeit gibt es keinen klaren Handlungsträger, dem man folgt. Die Angst und die Wut sind die Hauptdarsteller. Fritz Lang schafft es, dem Zuschauher zu vermitteln, wie der Triebtäter langsam eingekreist wird in einer ihm gänzlich feindlichen Umgebung. Und wenn die "Bestie" sich am Ende für seine Verbrechen verteidigt, dann läuft es einem kalt den Rücken runter.
Über Peter Lorre muss man keine Worte mehr verlieren, und die anderen Schauspieler machen ihre Arbeit ebenfalls ordentlich. Die Regie ist grandios, solche Kamerafahrten und Zooms hätte ich von einem Film dieser Epoche nicht erwartet. Auch der Ton wird auf clevere Art und Weise genutzt, um Atmosphäre und Spannung aufzubauen.
Alles in allem ein beeindruckendes Werk, dessen Bilder sich ins Gedächtnis brennen.
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Filmkenner77 2011/05/07 12:27:58
Antwort löschenInteressant ist, dass die Grenzen zwischen Gut und Böse am Ende verschwimmen und der Film keine einfachen, populistischen Lösungen anbietet. Sicherlich einer besten Filme der 30er Jahre und einer der besten deutschen Filme aller Zeiten.
Marti DiBergi 2011/05/07 13:05:41
Antwort löschenDefinitiv, die "Gerichtsverhandlung" nimmt der Meute doch arg den Wind aus den Segeln und stellt sie fast schon auf eine Stufe mit dem Mörder.
SamHook 2011/04/09 03:11:52
Kommentar löschenVorhersage 8,5......Ich kann mir irgendwie so garnicht vorstellen, dass mich ein deutscher Film aus dem Jahr 1931 so wirklich begeistert (Irgendwie verbinde ich alte deutsche Filme auch mit Peter Alexander muss ich zugeben;)...Vielleicht auf einer voyeuristischen, historisch interessierten Ebene...was ja auch faszinierend sein kann....Jedoch hat der Film wirklich einige tolle Dialoge und Zitate hervorgebracht und viele hier scheinen ja auch sehr überzeugt und man lässt sich ja gerne mal vom Gegenteil überzeugen..Also mal Vorgemerkt....Da bin ich ja mal gespannt:)
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annaberlin 2011/04/04 11:02:29
Kommentar löschenDass M - Eine Stadt sucht einen Mörder ein großartiges Werk aus der deutschen Filmgeschichte ist, steht ausser Frage. Peter Lorres grandiose Performance lässt mich immer wieder erzaudern - wenn er auf den Knien sitzend beide Hände zusammenballt und schreit, er könne doch nicht anders. Großartiger Monolog! Fritz Langs Dramaturgie ist so modern, wie man es sich bei einem Film der frühen 30er-Jahre kaum vorzustellen vermag. Kamerafahrten und Zooms sind wegweisend und äußerst interessant anzusehen aus heutiger Sicht. Was ich überhaupt nicht mag an M - Eine Stadt sucht einen Mörder ist das Ende: Was soll uns diese abrupte moralische Keule bitte sagen? Dass man als Elternteil schuld ist, weil nicht gut genug aufgepasst wurde? Also bitte. Selbst für 1930 ist das eine ziemlich unverschämte Aussage.
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Ripley1 2011/04/04 14:36:04
Antwort löschenDas Ende ist doch völlig offen. Das mit dem "Aufpassen" ist doch nur die hilflose Aussage einer verzweifelten Mutter. Es geht eben nicht darum, einen Mörder zu finden und zu verurteilen, sondern um Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen, z.B. wenn Gauner und Polizei die gleichen Ziele verfolgen...
annaberlin 2011/04/05 15:01:24
Antwort löschenDas sehe ich anders. Es geht für mich darum zu zeigen, dass ein Kinderschänder auch ein Mensch ist und wie schwer man als Mensch einen Verbrecher pauschal verurteilen kann. Das Ende hätte die Verurteilung sein sollen - am besten noch ein verzweifelter Blick von M - oder eben die Einweisung in die geschlossene Psychiatrie, aber doch nicht das Klagen einer Mutter, die meint, sie hätte besser auf ihr Kind aufpassen müssen?!
Northernlights 2011/03/05 17:38:07
Kommentar löschenAtmosphärisch, beklemmend, genial gespielt und gefilmt,und auf seine Weise ein wenig unheimlich.Mir fallen noch viele Atribute ein, für einen Film, den ich mit 14 zum ersten mal sah und der mich damals schon begeisterte.Insbesondere, die eingebettete Milleu-Studie, sowie, die aktualität des Themas, machen "M" fast zeitlos und zu einer Art, Krimi-Doku-Drama.Paranoia, auf den Straßen,von den Medien geschürt, beinahe, wird ein gefasster Schwarzfahrer im Buss, von den herumstehenden gelyncht, weil man ihn irrtümlich für den Kindermörder hält.Peter Lorres Darstellung, ist atemberaubend und man schwankt hin und her, zwischen Abscheu und Mitleid.Oft, lässt Fritz Lang, überflüssige Dialoge weg und spielt gekonnt, mit der Macht der Bilder, der Schatten des Mörders, auf seinem eigenem Fahndungsplakat, während er ein Kind anspricht, der aus dem Busch herauskullernde Ball, der Balon, den er dem Kind kaufte der sich in den Stromkabeln verfängt und symbolisch-hilflos vor sich hinflattert.Eine düstere Ruhe, macht sich breit, wenn man die langen Kamera-einstellungen, bewusst aufnimmt und das ist nicht so leicht, weil wir durch rasante Schnitte, wie wir es gewohnt sind, vielleicht schon ein Stück weit....verlernt haben, das so etwas nicht nur typisch für damalige Filme war, sondern auch bis heute wirkt!!
"M" ist ein Meilenstein, des Deutschen Films, aus einer Zeit, in der Deutscher Film, weltweit führend war!!Aber diese Qualität, ist wenigstens manchmal....wieder zu erkennen!!"M" ist ein Muss, für jeden Filmfan!!
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