Manderlay
Manderlay (2005), DK/NL/SE Laufzeit 139 Minuten, FSK 12, Drama, Kinostart 10.11.2005
17 Bewertungen
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444 Bewertungen
25 Kommentare
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von Lars von Trier, mit Bryce Dallas Howard und Isaach de Bankolé
Gerade eben dem Martyrium in Dogville entkommen, stößt Grace im amerikanischen Süden der 30er Jahre auf die Plantage Manderlay. Hier scheint die Zeit stehengeblieben: Als hätte es den Bürgerkrieg nie gegeben, werden auf dem Anwesen immer noch Schwarze als Sklaven gehalten. Mit den Gangstern ihres Vaters und deren großkalibrigen Argumenten im Rücken beschließt Grace die Befreiung von Manderlay. Kurzerhand entmachtet sie den Besitzer, stürzt das unmenschliche System und errichtet eine freie Gemeinschaft der ehemaligen Sklaven. Mühsam müssen die einst Unterdrückten lernen, eigene Entscheidungen zu treffen. Als eine Hungersnot die Plantage überrollt, zeigen sich erste Risse in der vermeintlichen Idylle – und nur kurze Zeit später muss Grace entsetzt mitansehen, wie ihre gerade errichtete neue Welt in einer Explosion aus Habgier, Misstrauen Blut und Gewalt unterzugehen droht. Lars von Trier schuf hier nach “Dogville” den zweiten Teil seiner USA-Trilogie – ein wütendes, wuchtiges Meisterwerk inmitten der kargen Strenge einer gigantischen Bühne. “Manderlay” ist ein Aufschrei gegen Stolz und Unterdrückung und nebenbei ein Epos, in dem Schauspiel mehr zählt als alle äußerlichen Werte.
Cast & Crew
-
Lars von Trier
-
Bryce Dallas Howard
-
Isaach de Bankolé
-
Willem Dafoe
Fan werden!Du bist Fan! (löschen) Grace' Vater
-
Danny Glover
-
Jeremy Davies
-
Udo Kier
Fan werden!Du bist Fan! (löschen) Mr. Kirspe
Regie
Schauspieler
-
Chloë Sevigny
Fan werden!Du bist Fan! (löschen) Philomena
-
John Hurt
Fan werden!Du bist Fan! (löschen) Erzähler
-
Lauren Bacall
-
Lars von Trier
- Genre
- Sozialdrama, Schicksalsdrama, Politdrama
- Zeit
- 1933
- Ort
- Alabama, Denver, Parallelwelt, Südstaaten
- Handlung
- Anwesen, Ausbeutung, Autorität, Bedrohung, Befreiung, Buch, Demokratie, Ernte, Erotische Anziehung, Flucht, Fluchtversuch, Freiheit, Gangster, Glücksspiel, Hungersnot, Irrtum, Kontrolle, Ku-Klux-Klan, Lebensstil, Misshandlung, Mord, Peitsche, Plantage, Rassismus, Sandsturm, Sarkasmus, Scheitern, Scheitern, Schusswaffe, Selbstständigkeit, Sklaverei, Todesstrafe, Umzug, Unterricht, Unterwerfung, Urteil
- Stimmung
- Eigenwillig, Ernst, Verstörend
- Mitmachen
- Wie gut passen diese Schlagworte? Stimm ab und hilf uns sie neu zu gewichten!
Drehbuch
Filmdetails Manderlay
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Kritiken (3) — Film: Manderlay
fko: filmsprung.ch fko: filmsprung.ch
Kommentar löschenMesserscharf zeichnet von Trier das Bild einer Gesellschaft, die nicht einmal nach ihren eigenen moralischen Richtlinien leben kann.
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Bernd Haasis: Stuttgarter Nachrichten Bernd Haasis: Stuttgarter Nachrichten
Kommentar löschenAlan Parker hat den Rassismus der Südstaaten in "Mississippi Burning" präzise vorgeführt, Paul Haggis hat jüngst in "L. A. Crash" gezeigt, dass das Verhältnis von Schwarz und Weiß heute schwieriger ist denn je: Beide Seiten setzen Rassismus bewusst ein, die Gräben vertiefen sich. Wie Lars von Trier das Grundsätzliche betrachtet und am Schluss explizit das weiße Amerika anklagt, wirkt dagegen merkwürdig undifferenziert, wie eine weitere eurozentristische Anmaßung. Die Angst wird durch diesen Film nicht abnehmen, ob vorm schwarzen Mann oder vorm weißen.
Kritik im Original 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
D. Kamalzadeh: Der Standard D. Kamalzadeh: Der Standard
Kommentar löschenGerne wird von Trier als Amerikakritiker missverstanden. Dabei ist die Logik dieses Spiels der Unterdrückung, der der Film wie auf einem noch nicht gemusterten Schachbrett nachspürt, keinesfalls auf amerikanische Verhältnisse beschränkt. Der Däne macht seit jeher ein Konzeptkino, das sich einem bestimmten liberalen Konsens zu widersetzen versucht. Für jedes Stereotyp ist ein anderes vorhanden, das es wieder entkräftet, zumindest in Frage stellt.
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Kommentare (22) — Film: Manderlay
Kommentar schreibenLynchFan1706 2012/02/04 12:10:57
Kommentar löschen"Manderlay", die Fortsetzung von "Dogville" hat mich leider ein bisschen enttäuscht... Der Film ist gut -keine Frage- kann aber gegen den herausragenden "Dogville" nicht wirklich bestehen. Und diesem Vergleich muss er sich nun einmal stellen, denn der Film knüpft da an, wo "Dogville" endet... Die Geschichte hat eindeutig ihre Längen... Es fehlt die Intensität der Darstellung, daher ließ mich das Schicksal dieser Gemeinschaft erstaunlich kalt... Wo "Dogville" wie im Fluge verging, da man mitlitt und berührt war, muss man bei "Manderlay" teilweise kämpfen, um dranzubleiben... Das liegt allerdings zu großen Teilen an den Darstellern, allen voran Bryce Dallas Howard [Tochter von Regisseur Ron Howard ;-)], die der großen Last, den Film allein tragen zu müssen, nicht gewachsen ist... Sie bleibt zu ausdruckslos... Sie ist einfach nicht die Grace, die man in "Dogville" kennenlernte... Der ambivalente, starke Charakter Grace wird ersetzt durch eine unsichere oft konfuse Grace... Das Erbe der Nicole Kidman, die in "Dogville" eine Glanzleistung vollbracht hat, war einfach mehrere Nummern zu groß... Auch Danny Glover und William Dafoe sind leider keine tragenden Kräfte und bleiben bestenfalls Stichwortgeber... Ich bin gespannt auf "Wasington", wenn er denn vollendet wird und dann hoffentlich wieder mit einer brillanten Nicole Kidman...
(Der Eintrag bei moviepilot sollte vielleicht überarbeitet werden: "Wasington" (2009) DK von Lars von Trier, mit Udo Kier... "Dritter und letzter Teil der USA-Trilogie von Lars von Trier. Soll im Herbst 2007 in den Kinos anlaufen.")
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JimiHendrix 2011/11/23 17:52:57
Kommentar löschenNach "Dogville" ein weiterer wuchtig-sozialkritischer Meilenstein des schnörkellosen Kinos, in welchem sich Dänemarks "Enfant formidable" mit den psychologischen Tiefen des Freiheitsgefühls auseinander setzt, am Beispiel der Fronschaft in den Vereinigten Staaten.
Ich muss mich immer wieder in tiefer Bewunderung vor Lars von Trier verneigen, ob seines großen Mutes, Filmbauwerke auf ihre personellen Trägerteile herunter zu brechen. Er verzichtet hier abermals auf reizüberflutendes und effekthascherisches Unterhaltungsgeschmeiß und siehe da, das Konstrukt Film hält dieser gebäudetechnischen Entkleidung statisch stand.
Doch wie es bei einem alten Fachwerkhaus der Fall ist, wenn man die Trägerteile - hier in Figur der Schauspieler - frei legt, müssen sie ohne kaschierende Hilfsmittel zeigen, was sie wert sind. Und ja von Triers Auswahl an fantastischen Trägern von Emotionen und Konflikten ist in der Tat sehr gelungen.
In "Manderlay" thematisiert der Däne das interessante Thema der Strukturauflösung der kolonialzeitlichen Leibeigenschaft in kritischen Sichtweisen und liefert damit auch die Gründe der Problematik des jetzigen Afrikas.
Denn die Geschehnisse im Film, in welchem die idealistische Grace versucht einem "herrenlosen" Dorf von Baumwollpflücker-Sklaven beizubringen, wie man "frei Sein" ausleben kann, ist auch als Parabel zum heutigen Zustands vieler afrikanischer Staatsstrukturen zu sehen.
Denn wie die über Generationen bevormundeten Sklaven aus dem Dorf Manderlay, die sich kopflos und verunsichert fühlten, ob des plötzlichen Fehlens ihrer Herrschaften, haben es auch die großen Kolonialmächte wie Frankreich, England, Spanien und Portugal zu verantworten, dass die meisten schwarzafrikanischen Regierungen auch jetzt noch unfähig sind, sich selbst in eine wirtschaftlich wie sozialpolitisch lebenswerte Zukunft zu steuern.
Die andere Thematik, welcher sich Lars von Trier näherte, waren die innergrüpplichen Zusammenhänge und die Einteilung der Individuen in Verhaltensmuster, die im Zusammenspiel optimaler weise eine Gruppenstabilisation zur Folge haben sollte. Darauf verstand er sich - wie auch schon im Trilogievorgänger "Dogville" - exzellent, wenn auch nicht in dieser Tiefe und Schärfe.
Von Trier hat immer schon ein hellseherisches Händchen für seine Darstellerauswahl an den Tag gelegt und auch dieser Film bildet da keine Ausnahme.
Bryce Dallas Howard als Nachfolgerin für Nicole Kidman in der Rolle der Grace nominiert zu haben, fand ich nicht weiter schlimm. Ich kann die Reaktionen gegenüber ihrem Schauspiel nicht so ganz verstehen. Sie verkörperte die Figur Grace zwar etwas divergenter, dennoch hauchte Howard ihrer Rolle viel Lebendigkeit in Form von unermüdlicher Energie ein, sowie eine gewisse Stoigkeit und einem großen, vielleicht zu großen Haufen Idealismus, der sich teilweise als Starrköpfigkeit niederschlug.
Schon in zahlreichen Filmen von Jim Jarmusch, konnte man sehen, dass mit dem Ivorer Isaac de Bankolé in Zukunft zu rechnen sein musste und er machte abermals eine gute Figur als undurchsichtiger Schläuling und skeptischer Beobachter von Grace.
Der alte Filmhaudegen Danny Glover sollte Grace als Zugangsperson zur Gruppe an die Seite gestellt werden und es freute mich, ihn hinter seinen weißen Barthaaren wieder mal in einem Film erspäht haben zu können, klasse Mann.
Der Film bietet insgesamt eindrucksvolle Momente, in welchen moralische Fragen aufgeworfen werden, welche aber durch unmoralische Handlungen zu Nichte gemacht werden, eine genialer Schachzug von Triers, bei welchem er sich den gerade erhobenen Zeigefinger selbst amputiert.
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loveissuicide 2011/11/09 22:22:47
Kommentar löschenNachdem mich Dogville begeistert hat, konnte dieser Film eigentlich nur verlieren (im direkten Vergleich). Es ist zwar durchaus nett, noch einen Film in diesem reduzierten Stil zu machen, aber Dogville hat mich mitgerissen, war beklemmender, spannender; die Aussage von Manderlay ist höchst sozialkritisch und politisch, aber mich hat die Thematik nicht wirklich berührt, außerdem ist Nicole Kidman als Grace doch ein paar Nummern über Bryce Dallas Howard zu stellen, Kidman hat einfach viel mehr Ausstrahlung.
Dennoch ist Manderlay ein guter Film, der mich durchaus unterhalten hat und trotz seiner Länge nie langweilig war.
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Breadfan 2011/10/18 00:25:34
Kommentar löschenWahrscheinlich der beste Film, der die Thematik so gekonnt filmisch aufgreift! Ein Vergleich mit Dogville oder zwischen beiden Protagonistinnen beider Teile finde ich wenig ergiebig, da für mich, wenn auch prinzipiell möglich, eher irrelevant im Rahmen der Bewertung. Ein Film dieses Kalibers ist meines Erachtens vor allem die Summe seiner Teile, das Gesamtkonzept muss stimmig sein und, im Besten Fall, Begeisterung wecken. Und die Summe war stimmig, ganz nach meinem Geschmack! In dem Moment, in dem man gerade auf dem Weg ist einer Einstellung der Protagonistin oder eines anderen Charakters beizupflichten, wird man moralisch unweigerlich eines Besseren belehrt und es kommt prompt zur Kehrtwende. Quasi ein kleiner Grundkurs in Sachen menschlichen Handelns gekonnt in Szene gesetzt. Die vielen Moralkeulen heben sich, verliert man den Grundtenor Rassismus nicht aus den Augen, letztlich gegenseitig auf, sodaß die Message dieses Films für mich lautet: Es gibt keine finale Moral, wohl aber Standpunkte sowie auch immer die Macht, diese mittels verschiedenster Formen von Gewalt durchzusetzen -oder eben nicht. Wie in vielen Filmen von Triers sind diese Keulen recht heftig/direkt, jedoch gewiss nie endgültig. Das hat nicht nur seinen Reiz, sondern ist durch seinen eher radikaleren Minimalismus (bezogen auf das TV-Format) auch technisch sehr mutig, da es den Blick auf eine von vielen möglichen Aussagen zwingt und somit nicht, wie heute in großen Teilen des Mainstreamkino üblich, jede Form geistiger Aktivität während des Filmkonsums von vorne herein mittels Effekthascherei, rountinierter Dramaturgie oder platter Moral lahmlegt. Gerne mehr davon...
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peppermind 2011/10/07 00:58:22
Kommentar löschenMit einigen Längen und allein aufgrund der Spieldauer und dem Bühnenbild ist "Manderlay" gewissermaßen anstrengend. Aber die interessante Geschichte und der unterschwellige Sarkasmus entschädigen einiges - nicht zuletzt aufgrund des Erzählers, der für den ein oder anderen Schmunzler sorgt, jedoch leider oft viel zu erklärend wirkt. Von Trier scheint sich nicht zu trauen, dem Zuschauer neben einer Optik, die wahrlich nicht jedermanns Geschmack trifft, auch noch die Last des Selberdenkens auflasten zu wollen.
Wenn man gewillt ist, über 2 Stunden Film in Theatergewand und (teils pseudokünstlerischem) Arthousestil über sich ergehen zu lassen, bekommt einen durchaus guten Film geboten. Mir persönlich hat er gefallen, es gibt aber deutlich bessere. Sogar von Lars von Trier.
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cannibal83 2011/07/22 11:41:14
Kommentar löschenDen Erwartungen die Dogville aufgebracht hat konnte ein zweiter Teil eigentlich niemals gerecht werden. Dennoch erzählt "Manderlay" die Geschichte um Grace stimmig weiter: Auch hier funktioniert von Trier's dunkle Theaterinszenierung und das Fehlen von Nicole Kidman stellt sich, dank Bryce Dallas Howard, als nicht so schlimm wie gedacht heraus.
Macht somit durchaus Lust auf den dritten Teil "Wasington" auch wenn keiner so richtig weiss ob der nun überhaupt noch kommt...
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veseria 2011/05/16 23:55:24
Kommentar löschenPuhhh!!! Hart.....
Kein leichter Stoff, den ich auch noch nicht 100%ig verstanden habe. Aber was ich verstanden habe und gesehen habe ist einfach wieder so messerscharf und krass von von Trier... GENIAL!!! Tolles Schauspiel von HOWARD. Meiner Meinung nach ist der Film noch schwerer als Dogville, auch wenn es um ein anderes Thema geht. Ich weiß gar nicht was ich sagen soll...
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Mr. Pink 2011/04/17 18:53:26
Kommentar löschenDie Kulissen des Films sind, wie schon bei Dogville auf ein Minimum reduziert. Die abermals extrem böse, provokative, kritische und trotzdem äußerst interessante Story vermag dennoch zu fesseln. Trotzdem kann Manderlay seinem Vorgänger leider nicht das Wasser reichen. Allein schon, weil Bryce Dallas Howard zwar gut spielt, aber leider nicht an die großartige Leistung von Nicole Kidman anknüpfen kann. Und auch sonst kommt Manderlay nicht so ganz an Dogville ran, da der Film einfach weit weniger intensiv, weniger mitreißend und weniger spannend als sein Vorgänger daherkommt. Nichtsdestominder empfinde ich auch den zweiten Teil der Amerikatrilogie von Lars von Trier als gelungen und sehr sehenswert.
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momopipi 2011/03/14 00:20:05
Kommentar löschenManderlay ist zwar nicht so gut wie sein Vorgänger Dogville, aber trotzdem ist der Film nicht von schlechten Eltern! Wie man sieht, funktioniert Manderlay ohne Nicole Kidman auch ganz gut. Die Story war diesmal nicht so fesselnd wie beim Vorgänger, aber das Ende war zum Glück gelungen. Im Prinzip ist Manderlay eine Light-Version von Dogville, also wird Manderlay nur für die Leute interessant sein, die Dogville so genial finden. Schade nur, dass eher wenige Menschen mit diesen Filmen etwas anfangen können.
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dbeutner 2011/02/14 14:46:51
Kommentar löschenNachdem ich mich lange vor Dogville gedrückt hatte (der inzwischen zu meinen extrem besonderen Lieblingsfilmen zählt), nun mit einer Verzögerung von einigen Mondaten Manderlay. Die Erwartungshaltung war umgekehrt: Hatte ich vor Dogville Befürchtungen, das könnte zu gestelzt daherkommen (und war dann überwältigt), hatte ich nunmehr recht hohe Erwartungen. Nun zu sagen, die wären enttäuscht worden, ginge sicherlich etwas zu weit. Aber in Teilen.
Der eine Teil sind die SchauspielerInnen. Nicht, dass wir hier Durchschnittsware sehen würden, aber Dogville hat eine Marke gesetzt, über die man erstmal springen muss. Manderlay reißt die Latte nichtmal, sondern läuft drunter durch. Wie gesagt: Überdurchschnittliche Leistung am Ende, aber der extreme Zauber, den Dogville auf dieser Ebene versprüht hatte, der fehlt. Insbesondere Kidman war einfach unersetzbar.
Die Story ist auch sehr viel fragmentierter als in Dogville. Zwar gibt es schon einen Handlungsstrang, dieser wird aber am Ende sehr stark "nur" dazu benutzt, das eine oder andere moralische Dilemma aufzustellen und ein paar (wirklich nette) Lustigkeiten über zu schlichtes Verständnis von "Demokratie" zu verbreiten. Das wirkt sehr sympathisch, hat aber nicht die Schwere und Tiefe von Dogville. (Nichts ist wohl falscher allerdings als die Interpretation, dass hier "eine Rechtfertigung für die Sklaverei Amerikas aufgezeigt" würde - aber Lars, so böse fehlinterpretiert zu werden muss schon schmerzen).
Guter Film mit besonderer Note, aber durch die selbst gesetzte Referenzvorlage spürt man zu viel, dass es besser geht. Achja: Sollte nicht gesehen werden, ohne dass man Dogville zuvor gesehen hat, da doch immer wieder Bezüge hergestellt werden.
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Jack_Torrance 2011/02/12 10:42:02
Kommentar löschen"Ich glaube, dass sich der Ku-Klux-Klan und die Farbigen vereinen werden, da beide mich nach diesem Film töten wollen." (Lars von Trier)
Wenn das keine zynische Kampfansage ist, dann weiß ich selbst nicht weiter ! Dementsprechend ist auch der Film eine Kampfansage.
Während "Dogville" eine brilliante Parabel über Unterdrückung, Machtgier und Konformismus ist, ist "Manderlay" eine Parodie. Ganz recht ! Eine Parodie auf den Kommunismus und deren Denkweise.
Als Grace in Manderlay eintrifft, sieht sie ein faschistisches Regime, in dem die Schwarzen unterdrückt werden. Das will sie beenden und macht die Farbigen somit mit der "Demokratie" vertraut. Eine Demokratie ist aber nicht vorhanden. Die Weißen sind nämlich plötzlich eine unterdrückte Gruppe, die als Strafe auf einmal ihr Gesicht schwarz einschmieren muss. Demütigend !
Somit schenkt Grace als den Schwarzen die Macht á la "Proletarier,vereinigt euch !" Eine eindeutig kommunistische Denkweise. Die spätere Armut und Not ist damit eine Anspielung auf die kommunistische Sowjetunion, in der die Bauern in ständiger Armut leben mussten und hinterrücks erschossen wurden.
Für mich ist Lars von Trier damit endgültig der "Meister der Genickbrüche". Wie er in "Idioten" der Bourgeoisie, so hat er auch in "Manderlay" dem Kommunismus einen Genickbruch verpasst. Er ist eben ein verfluchtes Genie !
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suicidefantasy 2011/12/22 17:40:08
Antwort löschenIch glaube eher, es handelt sich um eine Parodie der amerikanischen "Mission" die Welt zu demokratisieren. Es sind demokratische grundprinzipien die scheitern. und die er lächerlich macht. deshalb fand ich diesen film besonders provokant, weil er die westlichen Werte unübertrabar auf derartige Systeme darstellt.
Shorty06 2010/06/21 21:05:32
Kommentar löschenManderlay von Lars Von Trier. Manderlay ist ein sehr guter Film. Doch leider ist der Film ein Sequel. Ein Sequel zum meisterhaften "Dogville". Und als solches versagt Manderlay. Manderlay beschäftigt sich mit dem Problem der ungewohnten Freiheit, die den Sklaven nach der Abschaffung der Sklaverei zustand. Wie soll man damit umgehen, sein eigener Herr zu sein, nachdem man zu einem Abhängigen gemacht wurde? Wie schwer ist es, für sein Handeln verantwortlich zu sein und die Konsequenzen zu tragen? Manderlay ist kein Film für einen netten Nachmittag, ist in Sachen Härte aber einige Stufen unter Dogville anzusiedeln. Auch die Originalität der Inszenierung ist beim zweiten Mal eben nicht mehr vorhanden. Bryce Dallas Howard macht ihre Rolle gut, ist aber eben keine Nicole Kidman. Doch der größte Kritikpunkt, den Manderlay einstecken muss, ist der Charakter der Grace. Sie wirkt im Vergleich zu Dogville wie ein völlig anderer Mensch. Man sollte meinen die Erlebnisse prägen, doch dem ist hier nicht der Fall. Grace wirkt wie ein naives junges Mädchen, was unpassender nicht sein könnte.
Wäre Manderlay der erste Film der Reihe, könnte das verständlich sein. Aber so ist Manderlay ein guter Film, jedoch eine schlechte Fortsetzung eines Meisterwerks.
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BigDi 2010/01/19 21:59:51
Kommentar löschenManipulation. Das ist so das erste Wort, welches mir nun zu "Manderlay" einfällt, nachdem ich den Film vor zwei Tagen geschaut habe. Das zweite ist "verdammt" und sorgt bei mir für ein schlechtes Gewissen, denn beim Schauen empfand ich die Endcredits als unpassend, doof und botschaftszerstörend. Wie kann man mir nach einem so wundervoll bösartigen Film über den Missbrauch der Begriffe "Freiheit" und "Demokratie", nach diesem nahezu erfüllenden Schlag ins Gehirn und in die moralische Vorstellung etwas so kitschiges und plakatives kommen? Wie kann man ein Filmende nur so zerstören? Darum ging es doch gar nicht! Da war doch etwas weitaus Böseres, oder? Nun ja, die Vorahnung hat gestimmt: Es war wirklich etwas Böseres - nur auf einer anderen Ebene.
Und jetzt fühle ich mich so gar nicht gut. Auch ich empfand die Ideen des Films zunächst als gut - was nützt schon die Freiheit, wenn man mit dieser nicht umgehen kann? Und auch Grace hat mit ihrer leicht naiven idealistischen Art diesen Eindruck bestätigt - nahezu hilflos erlebt sie manche Situationen und weiß sich und den anderen nicht zu helfen, ihre Regelbrüche zerbrechen oftmals die Lage des ganzen Dorfes. Nicht alles ist gut, was sich "Demokratie" nennt - nicht alles ist schlecht, was der finsteren Vergangenheit entstammt. Doch wer hat diese finstere Vergangenheit verursacht? Und da liegt auch der Hund begraben. Und genau an diese Stelle ärgert man sich nicht mehr über die letzten Bilder des Films, sondern fühlt sich von ihnen nahezu angeklagt. Gut, ich bin kein Amerikaner - aber erstens ist die Aussage durchaus auch auf universellerer Ebene vorhaneden und zweitens hätte ich auch die Geschehnisse des Films gut gefunden - weil sie so gottverdammt logisch und rational klangen, ganz im Gegensatz zu Graces plakativen Parolen. Und auch wenn diese noch sehr unausgereift sind - wenn ich schon meine eigene Freiheit so sehr schätze, wie kann ich denn behaupten, dass sie andere lieber nicht verdienen? Verdammt, bin ich ein schlechter und leicht manipulierbarer Mensch. Aber wenn es schon eine Satire sein soll, dann kann ich doch auch darüber lachen - und auch über mich lachen, gewiss. Und mir Gedanken machen, ob ich doch nicht etwas anders manipuliert wurde, als ich jetzt den Eindruck habe. Verdammt.
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Kubrick_obscura 2010/01/19 22:07:50
Antwort löschenDas gleiche habe ich auch durch gemacht :)
Der Trier ist schon ein freundlicher Arsch!
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BigDi 2010/01/19 22:21:28
Antwort löschenSo ein ähnliches Wort wollte ich auch erst schreiben - aber dann wollte ich doch nicht beleidigend werden dem guten Mann gegenüber. ;)
Kubrick_obscura 2010/01/19 22:53:20
Antwort löschenRespekt vor dem Alter, richtig so!
spanky 2010/01/10 19:43:03
Kommentar löschenVon Triers zweitem, brechtigem Versuch der Sozialkritik fehlt eindeutig der Aha-Effekt, den Dogville noch innehatte. Und die Kidman. Und der Bettany.
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KlapTrap 2009/10/07 21:36:42
Kommentar löschenHach, die Welt ist einfach nicht fair :
Schon seit mehreren Tagen grübel ich über einen möglichen Reviewtext zu MANDERLAY, und der damit zugrundeliegenden Frage ob die 9.5-Wertung gerechtfertigt, oder sogar in eine Höchstnote umgewandelt werden müsste ?
Denn eine weitere Frage hängt im Raum :
Hätte ich MANDERLAY zuerst gesehen, hätte dieser Streifen dann die Höchstnote kassiert, und DOGVILLE wäre mit "nur" 9.5 Punkten über die Ziellinie gekrabbelt ?
Ich weiß es ehrlich gesagt bis heute nicht !
Natürlich kann man die Ratio zu Rate ziehen, kann sich einreden, das die Protagonistin in MANDERLAY der Kidman zu keiner Sekunde das Wasser reichen kann, daß das zugrundeliegende Dilemma in DOGVILLE um einiges fundermentaler war, und sogar das die Bühne in DOGVILLE um einiges besser genutzt wurde als bei seinem Nachfolger - indess - das dumme Bauchgefühl der Lüge bleibt.
Was muss der gute von Trier auch zweimal den gleichen Ansatz verwenden ?
Und bei dieser Frage dann, liegt der eigentliche Hund begraben.
Zwar ist MANDERLAY kein billiger Rehash, keine den Regeln folgende Fortsetzung, aber eben dennoch einem Muster folgend, das den Verheißungen des ersten Mals zwangsweise unterliegen muss.
Ha - Und damit ist endlich eine Argumentationslücke gefunden !
Das dumpfe Gefühl im Magen bleibt zwar, aber so kann ich dem Review wenigstens eine Quintessent hinzufügen, die dem zornigen Lars durchaus gefallen könnte :
Die Welt ist eben einfach nicht fair !
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janissl 2009/10/07 21:44:46
Antwort löschen...und sie funktioniert leider häufig auch nicht nach den simplen Moralvorstellungen amerikanischer Gutmenschen!
KlapTrap 2009/10/07 21:49:20
Antwort löschenJo - obwohl man bei dieser Feststellung durchaus auch das "amerikanisch" wegstreichen könnte !
janissl 2009/10/07 21:56:08
Antwort löschen... das könnte man wohl, aber ich glaube LvT ging es bei Dogville und Manderlay schon speziel um das ,mittlerweile in der westlichen Welt sehr verbreitete, naive Weltbild der Amerikaner, die es ja lieben alles in gut und böse zu unterteilen.
KlapTrap 2009/10/07 22:03:35
Antwort löschenPunktlandung für dich ! Aber wären die Filme alleine auf diese Feststellung beschränkt, man würde ihnen ein viel zu kleinen Wirkungskreis anhängen.
KlapTrap 2009/10/07 22:04:59
Antwort löschenBei Manderlay mag das ob der Thematik noch funktionieren, DOGVILLE zielt definitiv auf größere, universellere Ziele !
Alle 7 Antworten zeigen
Sonse 2009/10/08 00:19:44
Antwort löschen"Dogville" ist deutlich besser, warum hast du hier gut begründet.
9.5 ist viel zu hoch gegriffen, aber in der "Lieblingsfilm-Zone" ist man ohnehin nicht mehr zurechnungsfähig...
KlapTrap 2009/10/08 09:23:58
Antwort löschenJa, wahrscheinlich ist es zu hoch gegriffen, ich bin mir da bis heute nicht ganz schlüssig, und es wäre nicht der erste Film den ich nach einem heftigen Rausch mit Katergefühlen wieder herabsetze, doch selbst jetzt - nachdem ich mir selbst erklärt habe warum DOGVILLE zwangsweise die höhere Wertung verdient - trau ich mir dabei nicht so ganz über den Weg.
harperpitt 2009/09/17 03:26:37
Kommentar löschenHab' die Aussage schon kapiert - aber ich steh einfach nicht auf dieses verschwurbelte selbstquälerische depressive Gehampel von Herrn von.
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endlesssporadic 2009/07/17 00:04:40
Kommentar löschenManderlay ist als Fortsetztung für Dogville nicht so der Knüller, aber man freut sich dass das Feeling vom Vorgänger aufkommt.
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Pelle 2009/03/20 09:50:59
Kommentar löschenKommt leider in keiner Hinsicht an Dogville ran. Vor allem der Kidman Ersatz taugt wenig.
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Kubrick_obscura 2008/06/11 12:33:11
Kommentar löschenBösartige Fortsetzung von "Dogville". Wieder einmal wird man vor ein moralisches/kulturelles/politisches Dilemma gestellt und wieder einmal zeigt uns Herr Trier, wie wir zu entscheiden haben.
Den einen freuts, den anderen nervts.
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"Leon" 2008/05/22 11:36:13
Kommentar löschenDieser Film kann sowohl hinsichtlich der schauspielerischen Leistung als auch im Sinne der Kritik nicht mit Dogville mithalten. Er wirkt überfrachtet mit der skurrilen Kritik, die Lars von Trier ausmacht und wirkt dadurch viel zusehr Platt, um einen Aha- Effekt hervorzurufen. Ein bisschen weniger, währe hier eventuell mehr gewesen.
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