Martha

Martha (1974), DE Laufzeit 116 Minuten, FSK 12, Drama, Thriller, Kinostart 17.11.1994

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8.0
Kritiker
7 Bewertungen
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6.9
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111 Bewertungen
5 Kommentare
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von Rainer Werner Fassbinder, mit Margit Carstensen und Karlheinz Böhm

Die 31-jährige Martha ist noch Jungfrau und arbeitet als Angestellte in einer Bibliothek. Als sie in Rom den Geschäftsmann Helmut kennen lernt, glaubt sie, das große Glück gefunden zu haben. Sie heiraten, doch die Ehe entwickelt sich bald zur Qual. Der dominante und herrschsüchtige Helmut unterdrückt die von Unsicherheit geplagte Frau und unterwirft sie seinen Bedürfnissen. Er unterbindet ihre Kontakte zur Außenwelt und drängt sie immer weiter in die Isolation. Als treue Gattin lässt Martha ihn gewähren. Als sie nach einem Unfall an den Rollstuhl gefesselt ist, ist sie Helmut schließlich völlig ausgeliefert.


Cast & Crew


Kritiken (1) — Film: Martha

Ulrich Behrens

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10.0Lieblingsfilm

Zieht man Fassbinders Gesamtwerk in Betracht, erhält diese (übrigens in Konstanz, Kreuzlingen, Ottobeuren und Rom gedrehte) Geschichte weit über eine Kritik bürgerlicher Geschlechterbeziehungen hinaus eine weitere Bedeutung. Wenn man Fassbinders Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte kennt, so stehen Helmut und Martha „nur” für Prototypen dieser Geschichte. Der Sadist Helmut hat sich im Griff; nur ein einziges Mal fährt er vor Martha aus der Haut – ausgerechnet, weil Martha „Lucia di Lammermoor” gefällt (eine „Rome und Julia” ähnliche Geschichte, in der sich eine Frau verzweifelt gegen die Konvenienz-Ehe mit einem ungeliebten Mann wehrt [1]). Nach außen ist Helmut freundlich, zuvorkommend – eben ein lächelnder Sadist, der skrupellos handelt. Martha leidet, weil sie leiden will, und sie empfindet jede auch noch so kleine Einmischung von außen als ungerechtfertigte Störung, begegnet dem mit Aggression und Selbstschutz.

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patcharisma

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Der Film ist selbst leider auch nur reiner Zweck, das macht ihn für mich so verwerflich.



Kommentare (4) — Film: Martha


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baser

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Bewertung10.0Herausragend

Liebe - Schmerz - Macht - das ist der Problemkreis, um den dieses Drama ständig kreist.
Fassbinder schafft durch die Künstlichkeit der Sprache, der Bildkomposition und der Beleuchtung eine treibhausartige Atmosphäre, aus der keine Gefühle entweichen können. Für Verstörung sorgt der Einsatz des - sonst in ganz anderen Rollen zu sehenden - Karlheinz Böhm als sadistischen Ehemann und der bitterböse, letztendlich aber nur zu Ende gedachte Schluss.

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spanky

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Bewertung7.5Sehenswert

Die typisch hölzerne Fassbinder-Frauengestalt inmitten eines alptraumhaften Strudels von (spieß-)bürgerlichen Abgründen. Auffällig dabei sind Vorkriegsmaske und -kostüm, die Ballhaus-Kamera und das an Manet-Gemälde erinnernde Szenenbild. Die Carstensen versteht es bravourös, in der Titelrolle das Prinzip Masochismus mit Mitleid zu erfüllen. Auch der Böhm überzeugt durch seine Zurückgenommenheit, in der Rückschau jedoch nimmt man ja diesem Gutmenschen solche Rollen gar nicht mehr ab.

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Markbln

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Fassbinders große Gabe hat bei allen Schauspielern das Beste herausgeholt: Carstensen, Mira, Valentin, Hermann, Volkmann, Sukova, Schygulla sowieso usw usw. Böhm ist geradezu teuflisch gut, nur in Peeping Tom je wieder so gut wie unter Fassbinder.


patcharisma

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Bewertung0.0Hassfilm

RTL2 in den 70ern für Intellektuelle: "Wir sind so entsetzt und das berechtigt uns zum Zuschauen".

Blind-brutaler, für sog. "Aufgeklärte" zugeschnittener Sadismus. Fassbinder und seine ganze koksende Clique waren ja selbst Frauenhasser & die "wertvolle" Message des Film eh reinste Makulatur.

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Jenny von T

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Frauenhasser? Oh je. Setzen, 6, Film nochmal schauen.


Markbln

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Naja, jemand der seine Schauspielerinnen auf den Strich schickt, hat schon ein sehr spezielles Verhältnis zu ihnen, das stimmt schon. Allerdings hat Fassbinder sie auf der anderen Seite auf Händen getragen, vergöttert und ihnen die Rollen ihres Lebens auf den Leib geschrieben. Von daher ein sehr ambivalentes Thema.


Nevenka

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Jede Szene ist überstilisiert, jeder Dialog pointiert überspitzt. Die Künstlichkeit befremdet zuerst und bringt das Gesagte umso mehr zur Geltung. Die Hölle, das ist die Ehe, wobei sie als Institution ebenso abgeprangert wird wie in ihrer Intimität. Die Rollen von Mann und Frau sind gesellschaftlich in den Charakterzügen der Geschlechter festgelegt. Aus diesem stereotypen Muster scheint kein Ausbrechen möglich. Widersetzt frau sich, erfüllt sie als alte Jungfer wiederum ein vorgegebenes Schema.
Übertreibt Faßbinder, wenn er die Hochzeit als das letzte Abendmahl visualisiert? Dieses symbolhafte Bild ist ohne Zweifel ein heftiger Gegensatz zum Realismus der Vergewaltigung, die Helmut der verbrannten Martha angedeihen lässt. Hier kommt der physische Schmerz direkt beim Zuschauer an. Der emotionale Missbrauch überträgt umso nachdrücklicher. Die Sprache ist bieder, die Hysterie der Martha erscheint trotz des Geschehenen übertrieben, ist Ausdruck ihrer absoluten Handlungsunfähigkeit. Zum Schluss ist ihr Körper ihrem Verhalten angepasst. Sie ist endgültig die passive, schöne und bewegungslose Ikone, als die wir sie bereits den Film über immer wieder bewundern durften.
Das für mich wirklich verstörende an diesem Film ist, dass ich das Opfer ob seiner Untätigkeit noch schütteln und anschreien möchte. Dennoch ist das Individuum in diesem Film annähernd machtlos. Bestimmt wird sein Handeln durch seine Zugehörigkeit zu einer Gruppe, nämlich dem gesellschaftlich bestimmten Geschlecht.

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