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Martin
Martin (1977), US Laufzeit 90 Minuten, FSK 16, Drama, Horrorfilm
6.2
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von George A. Romero, mit John Amplas und Lincoln Maazel
Pittsburgh: Martin, ein junger aus Europa stammender Mann, lebt ruhig und zurückgezogen. Dennoch verbirgt er ein dunkles Geheimnis: Den Drang nach Blut. Er betäubt Frauen, schneidet ihnen mit einer Rasierklinge die Pulsader auf und trinkt ihr Blut. Während sein Vetter überzeugt ist, daß Martin ein Vampir ist und als einzigen Ausweg den Exorzismus sieht, streitet Martin jede Besessenheit ab.
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Kritiken (1) — Film: Martin
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Kommentar löschenGeorge Romero bezeichnet "Martin" als seinen persönlichen Lieblingsfilm. Ich würde ihn gern als seinen meistunterschätzten bezeichnen wollen. Weil er belegt, wie vielfältig und mehrdeutig der Pittsburgher Regisseur den Horrorfilm ausschöpft, ihn bereichert und erweitert, und weil er von all seinen Arbeiten die authentischste, die kraftvollste, die intimste ist. "Martin" ist ein schleppend inszenierter, ruhiger Film über einen jungen Mann, der sich anders fühlt, anders als die anderen, anders als sein Umfeld. Vom eigenen Cousin ketzerisch als Nosferatu prophezeit, durchlebt der in sich gekehrte Junge eine qualvolle Sinnsuche, getrieben von sexueller Sehnsucht, und gleichzeitig im Kampf gegen den Trieb. Die hinlängliche Metapher des Vampirseins für sexuelle Sublimierung belässt Romero als uneindeutige Note, die die traumähnlichen Bilder des Films immer wieder anstimmt und in Bewegung versetzt. Dem unausgespielten Problem, das Martin letztendlich zum rastlosen Außenseiter macht, lässt der Film keine Erklärung folgen, vielmehr erweist er sich als sensible Paraphrase über Verdrängen und Selbstfindung, im Vampir- ebenso wie im coming of age-Film gut aufgehoben und unbedingt empfehlenswert.
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Kommentare (6) — Film: Martin
Intergalactic Ape-Man Fri, 19 Apr 2013 00:07:22 -0000
Kommentar löschenGeorge A. Romero beschäftigt sich in seinem Film Martin mit dem Vampirismus. Sein urig-eigenwilliger Trip sehnt sich jedoch nach der Moderne. So stellt er seine Hauptfigur Martin in einem Konflikt sexuell motivierter, pathologischer Obsession dar, gegenübergestellt streng abergläubischen Vorstellungen in einer klar kontemporären Welt. So begibt sich Romero auf eine weltliche Recherche der Vampirlegende, nicht ohne die ihm eigene gesellschaftskritische Note. Martin ist ein faszinierender Film, den man jedoch unbedingt in der originalen Schnitt- und Sprachfassung genießen sollte.
bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
ElMagico Fri, 18 Jan 2013 08:17:47 -0000
Kommentar löschen"Martin" haftete als sehr spröde Erfahrung in meiner Erinnerung, als ein Film der sich durchgängig auf einem dünnen Grat zwischen Ambition und fast völligem Nichts bewegt. Und auch wenn das blöd klingt: Bei der zweiten Sichtung gestern fand ich ihn leichter konsumierbar, auch wenn sich neue Zwiespälte auftaten.
Trotzdem bleibt "Martin" eine fast apathische Betrachtung dieses Jungens, der selbst glaubt er sei ein Vampir. Unterstützt vom religiösen Fanatismus seines Cousins, gräbt sich diese Vorstellung in ihm fest und er gewinnt fast so etwas wie Selbstvertrauen in dieser Rolle. Diese gestörte Seele öffnet sich der Welt, lernt zwar nicht die Liebe kennen, aber Dinge die dieser Nähe sind. Es fällt einem jedoch schwer die Figur Martin gänzlich zu definieren, zu undeutbar bleibt seine Vergangenheit, zu sehr verzerrt die Außenwelt was Martin wirklich ist oder sein will. Doch nicht nur bei diesem Charakter bleibt "Martin" sehr verdeckt. Prinzipiell gibt er kaum Informationen preis, verweilt in einer meist skurril angehauchten Atmosphäre und rettet sich dadurch immer wieder davor ins Belanglose abzurutschen.
Ich konnte bei all dem aber nur neutraler Beobachter bleiben, Empathier konnte und wollte ich hier für niemanden aufbringen. Denn egal was Martin angetan wurde, was zu seiner Krankheit führte, eines bleibt eben auch Fakt: Er vergewaltigt Frauen und tötet Menschen (zumindest nimmt er dies in Kauf). Diese Szenen werden recht weich dargestellt, aber glücklicherweise nicht romantisiert. Es sind Ausbrüche seines Irrsinns, aber durchaus auch Machtdemonstrationen gegenüber dem was er hasst und nicht versteht: den Menschen. Es ist bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehbar was da passiert, weil es eben ein völlig kranker Mensch ist. Ich bin aber sehr froh, dass "Martin" keine Verständnis dafür einfordert, dass er es nicht gutreden will, sondern selbst sehr auf Abstand bleibt, kaum wertend auf seine Figuren einwirkt, sondern selbst auch nur stiller Zuschauer bleibt.
Ein wirklich absonderlicher Film, bei dem ich auch wirklich verstehe wenn man ihn völlig ablehnt. Selbst Vergleiche hinken da, am ehesten könnte ich ihn noch als zarte Version von "Henry: Potrait of a Serial Killer" betrachten. Anonsten verweigert er sich kommerziellen Konventionen eigentlich gänzlich, ist ein wirklich zähes Stück Film das man erst für sich aktiv entdecken muss. Hinzu kommt, dass er seinen No-Budget-Charakter auch nie gänzlich verbergen kann. Den Laiendarstellern merkt man ihre Herkunft an und es gibt doch ein paar Szenen, die einfach nicht sonderlich gut gemacht sind.
Trotzdem: Kann man sich darauf einlassen, versprücht "Martin" eine völlig eigene und seltsame Faszination und gewinnt durch seine irgendwie autistische, gefühlsfremde, aber eben nicht emotionslose Art, einiges an ganz spezieller Qualität.
bedenklich? 16 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 4 Antworten
jacker Fri, 18 Jan 2013 10:41:50 -0000
Antwort löschenKlingt irgendwie auf abstrakte Weise interessant :)
Und schöner Kommentar!
ElMagico Fri, 18 Jan 2013 14:27:46 -0000
Antwort löschenDanke! Ja, pendelt irgendwo zwischen interessant und absoluter Geschmacksfrage ;)
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jacker Mon, 21 Jan 2013 09:37:17 -0000
Antwort löschenIch kenne von Romero bis jetzt nur seinen Genre-Meilenstein "Nacht der lebenden Toten". Werde mir den einen oder anderen von ihm mal zu Gemüte führen. Vielleicht direkt den hier?!
ElMagico Mon, 21 Jan 2013 18:47:44 -0000
Antwort löschenWürde dir da erst "Dawn of the dead" und "Day of the dead" empfehlen! Hauptsache du machst nen großen Bogen um "Bruiser"!!!
hoffman587 Sun, 09 Dec 2012 12:58:28 -0000
Kommentar löschen... das Advents-Türchen geht auf und raus kommt eine versteckte Film-Perle (für mehr Romero und Gerechtigkeit in der Welt, so oder so ähnlich): Martin
»Things only seem to be magic. There is no real magic. There's no real magic ever.« - Häufig oder naja an sich überhaupt assoziert man den Namen des Regisseurs George A. Romero eigentlich nur mit seinen legendären Zombies von »Night« bis zu »Survival of the Dead«. Das mag berechtigt sein, da diese nun mal Romeros größtenteils bekannteste Werke widerspiegeln und Romero ja allzu vernarrt seine Liebe zu diesen Ungetümern repräsentiert. Jedoch unterschätzt wie reduziert man Romero auch gleichzeitig damit. Denn so fest Romero auch im Zombiefilm verankert ist, so entpuppen sich auch - bei etwaiger Entdeckung - andere seiner (Früh)-Werke als besondere Perlen des Horrorgenres, auch bei »Martin« aus dem Jahre 1977 - so dem letzten Film seitens Romero vor Opus magnum »Dawn of the Dead« - bewies Romero wieder seine geschichte Viruosität in Hinsicht des Genres. Sogar ganz ohne Zombie, dafür mit jungem Vampir, dessen Mystik Romero selbstredend direkt wieder unter die Lupe nahm und insofern auch dieses Subgenre neudefinierte. Dem Mann macht das scheinbar Spaß.
Obgleich sich Romero dabei gar nicht allzu sehr von dem symbolischen Prinzip »seines« Zombies entfernt. Romero überträgt das Motiv des Außenseiters - welches er bekanntlich schon in »Night« einsetzte - insofern nun auf den Vampir, passend natürlich. Ein innerlich zerissener Junge, der seinen Platz in der Gesellschaft sucht - das ist Romeros Martin. Der Comig of Age im Horrorfilm - ich vermute erstmals bei Romero zu finden. Und selbst heute findet dieses definierte Motiv noch Einklang in Genre - Paradebeispiel: Tomas Alfredsons Romanverfilmung »So finster die Nacht« aus dem Jahre 2008.
So verbindet Romero aber auch eine mystische Legendenbildung und das ist die Differenz bei Romero, wie auch bei seinen Zombies weckt bei Romero der Mensch und die Fassade dahinter mehr das Interesse als der Grusel, anders als man es bei den alten Hammerstudios tat, um ein Beispiel zu nennen, er entmystifiziert sozusagen seinen Vampir, es prägt diesen keine Abnormalität, nur die Qual seiner Seele und die Peinigung seines Umfeldes, weder Übernatürlichkeit noch die typische Attribution eines Vampires. Romero wagt einiges an Experimentierfreude. Transferiert den Stoff faszinierend in die Moderne und weiß doch respektvoll die Vorbilder zu referieren und Reminiszenz zu erweisen, in Schwarzweiß-Bildern, die wiederum für den Zuschauer eine Vielzahl an Interpretationen beherbergen. Als Rückblenden. Als die Vergangenheits Martins? Als Nächte der Erinnerung also.
Romero lässt spekulieren und lässt so manches im Dunkeln. Amerken sollte man dabei aber auch, dass Romeros Film mit der thematischen Annäherung des Coming-of-Age für mich dadurch aber auch wie ein Gegenentwurf zu Brian De Palmas King-Verfilmung »Carrie« (1976) wirkte, wobei es hierbei wiederum das männliche Individum, das mit den Problemen seines Umfeldes zu kämpfen hat. Zeitlich passend als filmischer Nachzügler der sexuellen Revolution, die spätestens mit David Cronenberg und seinen »Shivers« (1975) sich einer großen Beliebtheit erfreute.
Und Romero liebte ja schon immer seine Metaphern. Die Figur des Martin selbst zeichnet Romero ambivalent und fragt, ist er nun ein Vampir oder nicht? Nur Psychopath? Ein Unzurechnungsfähiger? Ein Fantast? Es lässt sich nur spekulieren. Andererseits greift er anderswo auch in Hinsicht des Charakters Motive von De Palmas »Carrie« auf des zurückgezogenen und schüchternden Jungen (glaubwürdig-bedrückt: John Amplas), der nichtdestotrotz unter der Repression seines Umfeldes leidet. Auch insofern scheint Romero das Prinzip von De Palma aufzugreifen, in dem er religiösen Fanatismus, bei De Palma durch die Mutter symbolisiert, attackiert. In diesem Fall mit drastsisch älteren Cousin, der Martin als »Nosferatu« verteufelt. Sogar Friedkin findet mit seiner Gesellschaftsanalyse »Der Exorzist« Erwähnung.
Zwischendrin wird mit der Vorstadtidylle abgerechnet, obgleich Romeros Gesellschafskritik einfach konzipiert ist, aber doch effektvoll. So bekämpft hierbei die Gesellschaft den Außenseiter, statt ihn zu unterstützen oder ihn überhaupt versuchen zu integrieren, man hält an dem reaktionären Bild des Glaubens fest und das führt zum tragischen Scheitern und zur Eskalation. Wieder einmal definiert Romero die Genrekonventionen. Überraschend subtil dabei aber sein Einfühlungsvermögen in den Charakter des unscheinbaren Martin, Romero beansprucht den Zuschauer. Erzählt gediegen, minimalisiert von Beginn an das Tempo. Langsam schreitet sein Film. Sogar äußerst langsam. Jedoch ist dies in erster Linie keinesfalls kritisch zu sehen, denn so erzeugt er eine gewisse Initimität und Bindung zu seinen Protagonisten. So agiert auch die Kamera mit zurückhaltenden Blick. Nüchtern. Meist so auch unspektuakulär.
Doch die Eskalation folgt. Keine Scheu. Manchmal auch etwas melancholisch, wie man es nur aus Romeros Spätwerken (»Survival of the Dead«) kennt und zusammengefasst sehr detailverliebt, auch mit seinen präzisen Metaphern. Natürlich spielt Romero auch hier wieder mit so manchem Klischee und betont oftmals neben der Tragik des Protagonisten, die ironische Seite seines Film. Ganz ohne Ironie, oftmals bittere, kommt er eben doch nicht aus, ob Martin gerade die Frau als eines seiner »Blutopfer« auserkort, die wiederum ihren Mann mit einem anderen betrügt - und Martin selbst die Überraschung erlebt oder ob es ein spottender Radiomoderator ist, dem Martin seine tiefen Wünsche getarnt als »Count« enthüllt oder Romero selbst als Pater - mit persönlichen Bezug zur eigenen Vergangenheit, er besuchte eine katholische Schule. Und mag es nur ein Hirngespinst meiner Gedanken sein oder synonymisiert Romero etwa seinen damaligen Heimatsort Pittsburgh, Pennsylvania als Transsilvanien Amerikas? Spekulation.
Dabei beginnt Romero anfangs noch so unvermittelt. Es will Blut gesaugt werden. Es erinnert an Hitchcock und dessen Idee des »Fremden im Zug«. Die klinisch gesäuberte Spritze wird präpariert. Und letzte Interaktion des Opfers findet statt. So ist für Romero der Mord und Liebesakt gleichauf bei Martin ein weiterer Versuch der Integration durch Liebe in die Gesellschaft vorzudringen, er kompensiert damit die Furcht vor den eigenen Gefühlen. Es ist für ihn letztlich nichts anderes als eine Identitätssuche, die stets von der Sehnsucht begleitet wird wie auch seiner aufkeimenden sexuellen Begierde, die er nicht kontrollieren kann und so sucht er die Nähe seiner Opfer, kein Verführer wie das Genreklischee spricht. Sondern eine geplage Seele. Verzerrter Klang und Ton nehmen dazu passende Gestalt an. »It´s the Kiss of Death«. Urplötzlich wieder aus dem Nichts. Wie aus dem Schlaf gerissen. Genauso schlagartig die bitteren Töne des Abschluss. Eine zutiefst zynische und tragische Pointe. Irgendwie musste man ja gekonnten Anschluss finden an die Originale, während in den letzten Minuten Schillers »Ode an die Freude« durch das Szenario tönt. Fast schon wieder spirituell.
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lieber_tee Sun, 09 Dec 2012 20:32:14 -0000
Antwort löschenAch ja, der Adventssonntag ermöglicht dir den "Martin" uns vorzustellen. Schön.
hoffman587 Mon, 10 Dec 2012 13:33:06 -0000
Antwort löschenWurde ja auch mal Zeit, dass meine Worte zu ihm auch hier hin mal den Weg finden, da passt die Aktion wirklich gut und ich hoffe doch, dass du dich nochmal irgendwann an dem versuchen wirst um ein positives Fazit abgeben zu können. Verdient hätte er es zumindest. ; )
lieber_tee Mon, 10 Dec 2012 14:04:04 -0000
Antwort löschenIrgendwann schaue ich mir den nochmals an, klaro.
dustyOn3 Tue, 11 Dec 2012 23:08:12 -0000
Antwort löschenWie immer top! ;-)
hoffman587 Wed, 12 Dec 2012 19:37:34 -0000
Antwort löschen@dusty: Danke sehr. :)
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DonChris Tue, 18 Dec 2012 12:12:13 -0000
Antwort löschenKlasse Kommentar!
hoffman587 Tue, 18 Dec 2012 14:55:54 -0000
Antwort löschen@Don: Danke. :)
the assassin 666 Sat, 25 Aug 2012 20:16:58 -0000
Kommentar löschenGeorge Romero´s Beitrag zum Vampirfilmgenre ist ein zwar seltsamer und für den Zombiemeister völlig untypischer Horrofilm der aber trotz oder gerade deswegen bei mir einen guten Stand hat. Martin ist ein Mix ausVampirfilm und Familien & Gesellschaftsdrama.
Der Film ist wie geagt sehr ungewöhnlich ja fast experimentiell aber durch diese Machart und die guten Darsteller kann der zwar nicht allzu spannende Film dennoch gefallen.
Ich finde Martin ist eine neuere Version von Bram Stokers Dracula und der Schauplatz Pittsburg mit Industrie, Großstadtlärm und den vielen Menschen gibt dem ganzen einen irgednwie urbanen Touch und weil ja Martin nicht so offensichtlich ein Vampir ist errinnert er ein bisschen an den Serienkiller Fritz Harrmann.
Ich habe im Vorfeld wenig bis nichts über den Film gewusst aber ich würde den Mix aus klassischen und moderen Motiven & Genres (Serienkiller / Vampirfilm) nicht jedem weiterempfehlen aber sein Publikum wird dieser Film schon finden aber wer einen 08/15 Horrorfilm erwartet wo viel gesplattet wird und man die atemlose Spannung nicht erträgt der sollte einen Bogen um diesen Film machen der aber etwas andere Genrefan sollte zugreifen :)
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mikkean Thu, 29 Jul 2010 21:07:52 -0000
Kommentar löschenEin hinterhältiger Mord in den ersten Minuten, George A. Romero beginnt seinen vieleicht interessantesten Film mit einem fiesem Knall-Effekt. Und dann wandelt sich dieses Milchbubi-Gesicht und zeigt sich als stillen, unterwürfigen Schoßhund seines Großonkels. Als Nosferatu, den schändlichen Dämon der Familie fristet Martin von da an sein Leben in einer heruntergekommenen Vorstadt. Aufgehenkte Kreuze und Knoblauch sollen den Verdammten in seine Schranken weisen. So langsam beschleicht den Zuschauer das Gefühl, Martins grobkörnige, farbentleerte Visionen aus einem Vampir-Leben in einer anderen Zeit sind womöglich echte Erinnerungen. Von ihm bekommen wir jedenfalls keine Antworten geschenkt, und das macht dieses große Mysterium des Films aus. Seiner verdutzten Cousine verrät er sein Alter von rund 83 Jahren, doch die schreibt diese Aussage der ebenso religiös-fanatischen Erziehung des Großonkels. Bald entzieht sie sich dieser Lage durch den totalen Bruch. Martin hingegen übt sich in Unscheinbarkeit, redet wenig und hält sich von den Leuten fern. Seinen Hunger kompensiert er durch nächtliche Anrufe bei einem Radiosender. Dort legt er seine Hülle ab und berichtet als echter Graf Dracula vom Wesen des Vampirs. Einmal schafft es eine Nachbarin, auch am Tage diesen Jungen aus sich rauszuholen. Aber auch das wird tragisch enden. Ganz richtig, "Martin" ist kein normaler Blutsauger-Film. Keine nächtelangen Stalker-Gräueltaten, keine erotisch aufgeladenen Opfer-Verführungen und erst recht kein aufgesetzter Splatter, auch wenn Tom Savini hier einen seiner ersten beeindruckenden Einsätze absolvierte (auch vor der Kamera). George A. Romero nutzt die Geschichte viel mehr als Portrait eines Jugendlichen, der seine wahre Natur nicht nach außen tragen kann. Und sich in einer sterbenden Stadt-Umgebung der radikalen Glaubens-Besessenheit seines Vormunds gegenübersieht. Welche der beiden Seiten sich jetzt letztlich in einen Wahn reinsteigert, bleibt dem Urteil des Zuschauers überlassen. Zur Abwechslung wird dieser mal sehr gefordert, bloßes Zuschauen ist bei "Martin" nicht drin. Ist dieser unscheinbare Jüngling, der sich schließlich doch noch auf die Jagd begeben will, nun geistig krank oder ist er nun wirklich ein Süchtiger? Jedenfalls gelang es Romero, mit hagerem Budget einen einzigartigen Sog aus Bildern zu schaffen, der in den Weiten des Genres noch keinen annähernd so eindringlichen Nachfolger gefunden hat. Nur eines vorab: Schnelles Tempo und Spannungs-Hetze finden sich gar nicht in diesem Film, für den das Etikett Horror eine bloße Herabwürdigung darstellt. Wen das nicht abschreckt, sollte ruhig mal einen Blick auf diesen Film werfen, der eigentlich als Klassiker angesehen werden müsste.
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stuforcedyou Fri, 30 Jul 2010 14:47:29 -0000
Antwort löschenWird vorgemerkt. Gott, bei dieser tollen Kritik wird der Film so was von vorgemerkt. Besten Dank für den Tipp.
mikkean Fri, 30 Jul 2010 15:08:25 -0000
Antwort löschenImmer wieder gern. Leider wird "Martin" sehr selten die Chance einer Fernseh-Ausstrahlung gegeben. Aber dafür gibt es da die DVD.
patcharisma Sat, 16 Aug 2008 23:51:59 -0000
Kommentar löschenEine einzigartige Zumutung!
So undefiniert, dass er, siehe oben bei Leuten wie Mr. Vega, schier unglaubliche Interpretationsmöglichkeiten zulässt. Falls man dabei zuvor nicht eingenickt ist...
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