Mein Herz tanzt - Kritik

Dancing Arabs

IL · 2014 · Laufzeit 105 Minuten · FSK 6 · Drama · Kinostart
Du
  • 7 .5

    Das Drama “Mein Herz tanzt” (engl. Titel: “Dancing Arabs”, IL, 2014) des israelischen Regisseurs Eran Riklis (*1954) zeigt mit viel Gespür und mit leichtem Witz die Zerrissenheit seines Landes. [...]

    • 6 .5

      [...] Eyad geht später als Araber auf eine Elite-Schule in Jerusalem, Israel, er lebt quasi den Traum - und ist auf einmal das Opfer einer Gesellschaft. Weil die Israelis Vorurteile haben, hassen sie Eyad, weil seinem Volk (und damit selbstredend auch ihm persönlich) Hass aus Vorurteil gegenüber der israelischen Bevölkerung vorgeworfen wird. Ein saftiger Teufelskreis, in dem Unwissen Hass schürt. Ein Hass, der all die Elemente des Verbrennungsdreiecks in sich vereint und sich selbst am Leben erhält. Eyad wird für seine Identität gehasst, aber das stellt der Regisseur israelische Regisseur Eran Riklis schon vor Beginn des Films in einen weiteren Kontext. Identität sei etwas, was der Mensch selbst erschaffen hat, um sich selbst einen Wert zuzuschreiben. Ein Gedankenkonstrukt, um das eigene Ego anzufeuern. Kurz darauf erscheint auf dem Bildschirm in Schriftform der Hinweis, dass jeder fünfte Mensch in Israel Araber ist. Jeder fünfte Bewohner wird quasi als unpassend angesehen, als dreckig, notgeil und böse. Riklis räumt über die Laufzeit von gut 100 Minuten ordentlich mit Vorurteilen auf - an allen Ecken und Enden. Nicht immer ist das frei von kleineren Unebenheiten oder einer etwas zu schematischen Coming-of-Age-Geschichte. Und nicht immer dürften sich die tieferen Wahrheiten des Films dem westlichen Publikum in all ihrem Glanz erschließen, aber gänzlich ausgegrenzt wird der Zuschauer hier nicht. Im Gegenteil, „Mein Herz tanzt“ ist ein durchaus informativer und politisch aktiver und offener Film, der sich keine Grenzen auferlegen lässt und sich furchtlos in die unsicheren Gefilde des politisierten Kinos wagt - letztendlich mit Erfolg. Es ist einfach angenehm, Eyad dabei zuzuschauen, wie er fürchtet, lebt, liebt und lacht, wie er größer wird, sich der jugendlichen Verrücktheit hingibt und in den Weiten der adoleszenten Melancholie verweilt. Ganz ohne Pathos oder falsche Überdramatisierung kommt der Film aus, was einer Wohltat gleicht, nimmt man sich einmal die beeindruckende Lebensgeschichte vor Augen, die der Film nun einmal letztendlich erzählt. Ein derart nüchterner Film aus Hollywood? Undenkbar! [...]

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      • 7

        Der Blick des Yonatans: Eine (politische) Reflexion über Identität.

        Deutsche Publisher können furchtbare Opportunisten sein. Lassen Sie sich bitte nicht vom Titel und Plakat des Films “Mein Herz tanzt” täuschen, die nur zur Sicherung eines an seichten Liebesgeschichten interessierten Publikums konzipiert scheint. Dieser Film ist zwar sicherlich ein Film über eine verbotene Liebe, aber das ist nur eine Nuance dieses sehenswerten israelischen Films. Der Konflikt zwischen Juden und Arabern, Israelis und Palästinensern ist nicht nur der Aufhänger für eine Herzschmerz-Geschichte, sondern eher andersrum: Der Liebeskonflikt das Vehikel, um detailliert und gefühlvoll von einem der größten politischen Herausforderungen unserer Zeit im Speziellen und den scheinbar unüberwindbaren Hürden des Rassismuses und Religionwahns im Allgemeinen zu erzählen. Vor allem handelt dieser Film aber von Identität und seiner politischen Konnotation. Dazu verwendet Eran Riklis’ (“Lemon Tree”) neuer Film eine komplexe metaphorische Verflechtung. [...]

        • 7 .5

          Mit seinem neuen Film „Mein Herz tanzt“ widmet sich Regisseur Eran Riklis den Arabern, die in Israel leben.
          Mit seinem neuen Film „Mein Herz tanzt“ widmet sich Regisseur Eran Riklis den Arabern, die in Israel leben.Dies ist ein schönes, manchmal nervenzerrendes, immer aber komplexes Kunstwerk, Entwurf für die Zukunft inklusive: Sie ist offen, lose, brüchig.

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          • 7 .5

            Gibt es für Eyad – und ebenso für junge Palästinenser in Israel – eine Möglichkeit, nicht als Araber oder Jude, sondern einfach als israelischer Bürger angesehen zu werden? Schön wäre es, wenn Eran Riklis mit „Mein Herz tanzt“ wirklich einen Beitrag dazu, sowie zur Neubestimmung von Heimat leisten könnte. Sein Film zeichnet jedenfalls ein glaubwürdiges Porträts eines jungen Menschen in einer schwierigen Situation auf der Suche nach der eigenen Identität.

            • 7

              Eran Riklis hat mit Mein Herz tanzt nicht nur einen vorzüglichen Adoleszenzfilm über eine scheiternde erste Liebe und das Bewusstwerden der Endlichkeit des Lebens gedreht. Sondern er hat darüber hinaus auch ein dichtes Zeitbild geschaffen, das sich aus kurzen, zugespitzten Alltagserfahrungen des Helden zusammensetzt.

              • 7

                Mit der Zeit wird der Ton in dieser Tragikomödie schwermütiger. Denn die traurige Wahrheit ist ja: Es gibt in Israel kein wirkliches Miteinander der Volksgruppen. Wenn Saddam Hussein einen Luftangriff auf die Hauptstadt startet, stürmt Eyads Familie begeistert aufs Hausdach, um ihn lautstark anzufeuern.

                • 8

                  Ein pralles Kaleidoskop an Geschichten, Erlebnissen und Gefühlen bündelt Eran Riklis in dem exzellent erzählten und montierten, gleichzeitig leichten und politischen, erschreckenden und spaßigen Mein Herz tanzt.

                  • 7 .5

                    Mein Herz tanzt ist in seinen Beobachtungen der gesellschaftlichen Verhältnisse deutlich vielschichtiger, so dass Riklis’ Plädoyer für eine kulturelle Verständigung fast zwangsläufig nüchtern ausfällt.

                    • 8

                      Mein Hez tanzt setzt nicht auf harte Konfrontationen, sondern auf Diplomatie. Ein Weg, der nicht ganz ungefährlich ist, sich in diesem massentauglichem Wohlfühlfilm aber auf eine sanfte Weise vollzieht, der trotzdem seine Überraschungsmomente birgt.

                      • 7

                        Mein Herz tanzt, der auch mit einem stimmigen Schauspieler-Ensemble überzeugt, ist ein utopisch anmutendes Plädoyer für Toleranz und gegenseitige Akzeptanz.

                        • 8

                          Ein junger Palästinenser muss sich in einer jüdischen Eliteschule mit seiner Identität auseinandersetzen: Hervorragend gespielt und sensibel inszeniert, besticht der Film als politisches Statement ebenso wie als berührende Jugendgeschichte. [Kai Mihm]

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