Eine demanzipierte Frau

Plenty (1985),
Laufzeit 119 Minuten, FSK 16, Drama, Kinostart 12.06.1986

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mit Meryl Streep und Sting

Suzan hat während des Zweiten Weltkriegs eine abenteuerlich-romantische Zeit in der französischen Résistance verbracht: Unter anderem hatte sie dort eine Affäre mit einem britischen Geheimdienstoffizier. Nach dieser Erfahrung wird sie mit ihrem monotonen Dasein im Nachkriegsengland nicht fertig. Um ihr Leben aufregender zu gestalten, lässt sie sich erst auf Ausschweifungen mit einer Gruppe Draufgänger ein, versucht dann, mit einem von ihnen ein Kind zu bekommen und gibt schließlich dem Werben eines Diplomaten nach, der sie schon lange verehrt. Doch auch er kann Suzan nicht geben, was sie will. So versinkt die ehemalige Freiheitskämpferin immer tiefer in der Depression.


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8martin

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Bewertung7.0Sehenswert

Wenn demanzipiert das Gegenteil von emanzipiert ist, bedeutet es hier, dass einer Frau die Emanzipation ausgetrieben wurde bzw. sie ist ihr vergangen. Diese deprimierende Schlussfolgerung kann man durchaus ziehen, obwohl der Originaltitel ’Plenty’ ja so viel bedeutet wie etwas in Hülle und Fülle haben. Und das hat die zentrale Figur Susan (Meryl Streep) keineswegs - höchstens in bezug auf die Männer. Aber das ist nicht das Thema.
Eine Frau geht an der inneren Einstellung ihrer Landsleute (Charles Dance, Ian McKellan, Sting u.a.) zugrunde. Sie war ursprünglich lebenslustig und offen, knickt ein, wird tablettenmäßig stabilisiert, rastet in Selbsterkenntnis aus und kifft sich schier zu Tode. Dabei zeigte ihre äußere Lebenslinie doch steil nach oben: Widerstandskämpferin, Karrierefrau und Diplomatengattin. Aber die Unaufrichtigkeit, das Fehlen menschlicher Wärme und die Betonung von Takt und Haltung in der englischen Gesellschaft bringen sie um den Verstand. Vorübergehend provoziert sie und wird für geisteskrank gehalten, weil sie gegen die Ideale des englischen Gentlemans ’cool, calm and collected’ aufbegehrt.
Meryl Streep in ihrer wohl diffizilsten Rolle. Sie ist die femme fatale, die Managerin, vorübergehend ein Heimchen dann aber wieder eine Furie.
Die komplexe Inszenierung verwirrt durch lokale Sprünge und Brüche in Susans Verhaltensweise. Hierher gehören auch die zeitlichen Bezüge wie die Krönungsfeierlichkeiten der Queen oder die Suezkrise. Das macht den Film nicht unbedingt zum Publikumsmagneten. Eher etwas für Verständnissuchende für das angelsächsische Lebensgefühl.

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