Min Dît: Die Kinder von Diyarbakir - Kritik

DE/TR 2009 Laufzeit 102 Minuten, FSK 12, Drama, Kinostart 22.04.2010

Kommentare zu Min Dît: Die Kinder von Diyarbakir

  • 6 .5
    VisitorQ 06.12.2013, 21:05

    Was man auf mubi so alles entdeckt. Ein kleiner, feiner und rührender Film über zwei Kinder, die nach einem Schicksalsschlag auf der Straße überleben müssen. Der Film hat mich phasenweise an den grandiosen "Nobody knows" erinnert. Es gab Passagen, die mir sehr, sehr gut gefallen haben aber vor allem gegen Ende hin hat der Film meiner Meinung nach abgebaut. Dennoch absolut sehenswert.

    10
    • 5 .5
      TinaCocaine 14.02.2013, 07:14

      Ein recht interessanter Film mit brisanter Thematik. Mir fehlt allerdings das türkisch-kurdische Hintergrundwissen, weshalb ich nicht alles an der Film verstanden habe (dies ist allerdings mein Problem, nicht das des Films). Hin und wieder fehlten mir allerdings die Gefühle und es lief so nebenher, dass die Eltern und das Baby sterben, was ich schade finde. Für einen Low-Budget-Movie ist "Min Dit" allerdings sehr gut gemacht und hat eine angenehme Atmosphäre. Ein gelungenes Kinderdrama, bei welchem ich aber empfehlen würde, dass man sich vorher mit dem behandelten Thema auseinandersetzt.

      1
      • 9
        pellekraut007 08.08.2011, 14:10

        Die Kinder von Diyarbakir sind für mich deshalb herausragend, weil sie es geschafft haben, mich für anderthalb Stunden behutsam und nahezu wortlos, an den Abgrund einer türkischen Müllhalde zu führen, auf der gefolterte Menschen beseitigt werden, die einer Minderheit angehören und einer Mehrheit lästige Steinchen in den nationalen Badelatschen sind. Mit dem Mädchen Gülistan, sie ist die Tochter der Melancholie, und ihrem Bruder Firrat streune ich durch eine Stadt in Südostanatolien. Ich begleite die beiden bei der Trauer um ihre verlorene Familie, bei ihrem Kampf um das tägliche Brot, beobachte eine junge Frau, die Liebe verkauft und bin Gast im friedvollen, kleinbürgerlichen Hause eines Folterers. Und wie man am Ende Rache erzählen kann, mit einem unvergesslichen Blick, fast ohne Worte, ohne Gewaltexzess und martialischen Augenkrawall, ... auch das macht diesen Film zu einer Perle des Tigirs! Grünz!

        4
        • 7 .5

          Bezar ist Absolvent der Berliner Filmhochschule dffb. Im Presseheft zum Film berichtet er, dass er nach seinem Studium einige Jahre lang vergeblich versuchte, einen Spielfilm in Deutschland zu produzieren und erst aus Frustration darüber, dass seine Vorstellung von Kino hier nicht realisierbar war, in die Türkei ging.

          • 8
            enijo25 28.05.2010, 12:51

            Ein sehr bemerkenswerter Film.
            Ein bisschen schade fand ich nur, dass man bei der deutschen Untertitelung nicht in irgendeiner Weise kenntlich gemacht hat (z. B. durch verschiedene Schriftfarben), ob die Originaldialoge jeweils in kurdischer oder türkischer Sprache waren. Ich hatte das Gefühl, dass mir, der ich beider Sprachen unkundig bin und sie auch nicht sicher zu unterscheiden weiß, auf diese Weise einiges an subtiler Information entgangen ist,.

            • 7
              dbeutner 09.05.2010, 23:46

              Ein mutiger Low-Budget Film, wobei "Mut" relativ ist - beachtenswert ist eher, dass der Film der erste kurdischsprachige Beitrag auf dem Filmfest in Antalya war. Politisch hält sich der Film nämlich ansonsten auf das Äußerste zurück. Ein politisches Statement sucht man vergebens - was aber unschädlich ist, da in erster Linie ein Kinderdrama erzählt wird.

              Dabei sind die beiden HauptdarstellerInnen beide außergewöhnlich gut, und durch sie und den unaufwändigen Stil bekommt der Film eine höchst authentische Note. Diese wird allerdings konterkariert von einer Handlung, die sich auf Zufallskonstruktionen stützt. Möchte man letzteres verteidigen, müsste man den Film als Märchen oder Parabel interpretieren - dafür ist er dann aber schon wieder zu bodenständig.

              Alles in allem zumindest zeitgeschichtlich interessantes Kino, karg und gerade dadurch authentisch lebendig, mit einigen Schwächen in der erzählten Geschichte selbst.

              • 7
                Bernd Buder: film-dienst 22.04.2010, 14:30

                „Min Dît“ spricht viele Themen an, ohne zum Kompilationsfilm zu verkommen. Bezar bringt fast etwas Berliner Schule nach Diyarbakir, allerdings verfeinert mit melodramatischer Essenz, womit der spröde Minimalismus gekonnt um die notwendige Restwärme ergänzt wird. Schematische Interpretationsmuster bleiben außen vor, was den Weg zu den unerforschten Hohlräumen der kollektiven Psyche öffnet, die hinter notdürftig versiegelten Fassaden ruhen. [...] Der Film ist nicht nur ein wichtiger Beitrag zum türkisch-kurdischen Dialog, sondern wegen seiner atmosphärischen Dichte auch ein sehenswerter Film.

                • 8

                  "Min Dît- Die Kinder von Diyarbakir" ist einer der ersten Filme über den jahrelangen Konflikt zwischen Türken und Kurden. Bei seiner Weltpremiere auf dem "Golden Orange"-Festival in Antalya 2009 schlugen die Wellen hoch: Noch immer zeigen sich viele Türken sehr gespalten in der Frage, wieviel Freiheit den kurdischen Mitbürgern gewährt werden sollte. Mit dem liberaleren Kurs ihres Ministerpräsidenten Erdogan, der den Konflikt in jüngerer Zeit vorsichtig zu entschärfen sucht, sind nicht alle einverstanden. Regisseur Miraz Bezar, selbst Sohn einer kurdischen Emigrantenfamilie, ist es hoch anzurechnen, dass er sich nicht einschüchtern ließ, schonungslos die Verbrechen aufzudecken. Noch bis 2007 herrschten nahezu bürgerkriegsähnliche Zustände zwischen türkischer Armee und den Rebellen der ethnischen Minderheit. Rund 18.000 politisch aktive Kurden und Türken wurden Berichten nach gefoltert, ermordet oder spurlos verschleppt. Es waren Verbrechen reinster Willkür, angezettelt von einer Clique aus Militär, Polizei und anderen Teilen des Staatsapparats.

                  Grandiose Laiendarsteller bewegen zutiefst

                  Erzählt aus der Perspektive von Gülîstan, der zehnjährigen, starken Heldin, die tapfer ums Überleben kämpft und sich verantwortungsvoll um den Bruder kümmert, entwickelt Bezar mit großem Feingefühl sein beklemmendes soziales Drama. Dass man oft tief bewegt ist, verdankt der Film seinen wunderbaren Kinderdarstellern, die Bezar unter Laien rekrutierte. Sie füllen ihre Rollen, als handle es sich um ihr eigenes Leben. Gülîstans unendlich trauriger Blick, er hängt einem noch lange nach.

                  • 7
                    Thomas Engel: programmkino.de 08.04.2010, 16:07

                    Ein ruhig, diskret, fast zeitlos, parabelhaft für Vieles stehender Film, in dem auch – ohne Betonung – der Hinweis auf die Verbrechen an den Armeniern nicht fehlt. Das schmerzliche und gefährdete Leben der Kurden in Diyarbakir und überhaupt der Region wird stellvertretend eindrucksvoll geschildert. Ein leidvolles Gesellschaftsbild von einigem Rang.
                    Die Auswahl der beiden Kinderdarsteller Senay Orak (Gulistan) und Muhammed Al (Firat) war ein Glücksfall. Gulistans melancholischer Blick bleibt in Erinnerung. Eine Leistung, dass Regisseur Miraz Bezar (mit Hilfe von Fatih Akin und Klaus Maeck) diesen Film mit verhältnismäßig geringen Mitteln auf die Beine stellen konnte.

                    • 6 .5
                      Michael Meyns: programmkino.de 26.03.2010, 11:31

                      Immer wieder durchbricht Bezar diese Perspektive, verlässt den Blick der Kinder und wechselt mal zur in Istanbul verhafteten Tante, dann zum Polizisten und seinem angenehmen Leben. Es waren wohl die gefühlte Notwendigkeit der Geschichte, das Verlangen, ein umfassenderes Bild der kurdischen Situation zu entwerfen, die Bezar zu dieser Entscheidung führte. Die Folge ist allerdings, dass die starken, impressionistischen Szenen vom Leben der Kinder auf der Straße immer wieder von stark narrativ geprägten Momenten unterbrochen werden, die weniger gelungen sind. Immer dann aber, wenn die Hauptdarstellerin Senay Orak im Mittelpunkt steht, vor allem ihre eindringlichen braunen Augen, die schon viel zu viel gesehen haben, dann ist „Min Dit“ das subtile, eindringliche Portrait eines Teils der Gesellschaft, die nicht nur in der Türkei zu finden ist.