Mulholland Drive - Kritik

Mulholland Dr.

FR/US · 2001 · Laufzeit 146 Minuten · FSK 16 · Thriller, Drama, Erotikfilm · Kinostart
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    Sunlight 04.12.2016, 12:52 Geändert 04.12.2016, 18:03

    Auf Wikipedia beschäftigt sich eine hochqualifizierte Diskussionsgruppe seit langer Zeit mit der richtigen Interpretation. Aber auch dort erkennt man nicht die eigentliche Aussage. Tatsächlich beschreibt David Lynch mit diesem Film sein Gesamtwerk, Hollywood, die Kunst, die Kunstkenner und den Zeitgeist. Leider fehlt in seinen Hinweisen zum Filmverständnis ein außerordentlich wichtiger Anhaltspunkt, nämlich der auf das Kennzeichen des grünen Autos!

    • 7
      Popcorn_Pfoetchen 03.12.2016, 03:24 Geändert 03.12.2016, 03:27

      Wirr, wirrer, Mulholland Drive

      Die ersten 2/3 des Films verlaufen einwenig verstrickt, man hat jedoch das Gefühl, dass alles am Ende einen Sinn ergeben wird. Pustekuchen!!! Im letzten Drittel beginnt dann der wahre "Mindfuck"! Denn alles entwickelt sich anderes als man es erwartet hat. Das komplett selbst aufgebaute Konstrukt bricht plötzlich zusammen und man fängt von neuem an alle Puzzelteilchen mühsam zusammenzusetzten. So war es zumindest bei mir. Zum Ende hin, hat man dann ein halb fertiges Bild vor Augen. Ich persönlich habe mir die fehlenden Puzzelteilchen dann zusammen-gegoogelt. Dabei hilfreich sind die von Lynch gegebenen (Interpretations-)Hinweise. Ein klare Erklärung gibt es nicht! Mit anderen Worten: Die Auslegung wird dem Zuschauer überlassen.

      Sehr fordernd mit ganz viel: "???" :)

      • 6
        Rocket Man 27.10.2016, 18:39 Geändert 31.10.2016, 09:30

        Heute ist Donnerstag. Da hab ich Berufsschule und danach immer genug Zeit einen guten Film zu schauen und mich zu belohnen. Mein Kino-Donnerstag, wie ich ihn gerne nenne. Heute war 'Mulholland Drive' dran. Ich werde mich mit meinem Kommentar heute sehr zurückhalten, weil der Film so viele Menschen erreicht und fasziniert hat.

        Naomi Watts ist über jeden Zweifel erhaben. Das war sie schon immer.
        Die letzten 30-40 Minuten sind in ihrer Konsequenz und ihren Wendungen gewohnt meisterhaft von Lynch inszeniert.
        Der Rest, so empfinde ich es, taumelt etwas umher, wirkt zuweilen zwar ruhig und erweckt Interesse, bringt in den ersten 80 Minuten aber nicht die gewohnte Spannung eines Lynch's auf. Ich hab mich schon während des Films selbst über mich aufgeregt, weil im Film viele Elemente vorzufinden sind, die ich sehr schätze.
        Die Gewohnte Extravaganz des David Lynch zum Beispiel. Seine Handschrift ist klar zu erkennen. Trotzdem komme ich nicht über den Eindruck hinweg, dass sehr viel nicht wichtig und nötig gewesen wäre und etwas Tempo dem Film ebenfalls sehr gut gestanden hätte. Der fade Beigeschmack, der Film hätte 100 Minuten dauern können, mit etwas Tempo und weniger Ruhe, lässt mich nicht los. Die ruhige Kamera überzeugt an vielen Stellen, der Farbenreichtum ist auffällig und die Schauspieler top. Über Naomi Watts kommt eh keiner hinaus. Sie ist einfach nur grandios. Und die Story wird ab Minute 90-100 langsam facettenreich. Die Story, die sich am End erschließt ist genial. Alles in allem ein spezieller Film, wie ich es eigentlich mag, aber trotzdem kein Film, den ich mir ein weiteres Mal anschauen werde. Ich bin über mich selbst verblüfft, dass das mal von mir kommt. Leider erreichen uns nicht immer alle Filme. Dabei war ich so angeheizt von all den Kritiken hier.
        Ich danke trotzdem jedem, der in dem Film mehr sieht, für seine Worte. Ich hab hier die Kommentare verschlungen und war begeistert !

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        • 10
          Mekridi 19.10.2016, 12:13 Geändert 22.10.2016, 11:56

          https://www.youtube.com/watch?v=pJlm_ON1_Mo

          Gestern nahm ich nach sehr langer Zeit mal wieder ein Bad à la Menti. Das liebte ich schon als Kind. Ich kippte eine halbe Flasche Vanilleschaum in die Badewanne und füllte diese mit heißem Wasser auf. Voller Vorfreude riss ich mir die Kleider vom Leib. Reinlegen, eintauchen, untertauchen. Das warme Wasser schmiegt sich an mich wie ein schwerer, flauschigweicher Bademantel an eiskalten, grauen Winterabenden. Der dichte Wolkenteppich aus Schaum über mir versperrt mir den Blick auf alle störenden Außeneinflüsse. Ich schloss dennoch meine Augen um noch tiefer abzutauchen. Ich war ganz für mich und schaltete mental runter. Komplett. Geräusche drangen nur noch sehr gedämpft zu mir durch, ich hatte das Gefühl ich wäre auf dem Mond. Großartig. Wie lange hatte ich das schon nicht mehr getan. Eine geschlagene Dreiviertelstunde schwebte ich so unter Wasser vor mich hin, Puls auf 15 Schläge die Minute heruntergedrosselt, Entspannung pur.

          Doch recht früh hatte ich dieses Mal ein eigenartiges beklemmendes Gefühl. Ich konnte es nicht näher definieren, ich wußte nur irgendetwas war diesmal anders. Ich zählte meine Pulsschläge, es waren bereits deutlich mehr als 15 die Minute. Eine unsichtbare Schnur um meinen Hals schien sich enger und enger zu ziehen, mich beinahe zu lynchen. Und dieses Gefühl wurde stetig intensiver. Das Beklemmungsgefühl hatte mich so fest in seinen Klauen, dass es schmerzte. Ich schaute mich um. Doch alles war ruhig, nichts schien anders als vorher. Bis ich bemerkte, dass sich der Schaum über mir langsam aber unaufhörlich grau färbte und schließlich in ein sattes, beängstigendes Schwarz überging und mich aufzusaugen drohte. Jetzt kroch die Panik in mir hoch, mein Puls begann durchzudrehen. Erste Wellen waberten über mir von links nach rechts. Ich wollte mich bewegen, auftauchen, doch es klappte nicht. Ich war gefangen.

          Während meine Panik sich unaufhörlich steigerte, schlugen die Wellen höher und höher. Die Wolken über mir wurden schwärzer und schwärzer. Aber noch immer konnte ich nicht auftauchen. Die Schaumwand schien zu Stein geworden zu sein. Mit aller Kraft versuchte ich mich zu konzentrieren und nach dem Stöpsel der Badewanne zu greifen, ich musste sofort das Wasser ablassen. Doch da war kein Stöpsel mehr. Ich hatte keine Zeit lange darüber nachzudenken, denn der Sturm in der Badewanne hatte sich inzwischen zu einem tosenden Orkan gesteigert. Bäume flogen mir um die Ohren, Autos krachten zusammen, riesige blaue Kisten und undefinierbare Dinge füllten die Wanne. Von irgendwoher hörte ich hysterisches Gelächter, kleine Menschen schwammen plötzlich neben mir herum. Während ich überschnappte, tobte und stürmte es, sowas hatte ich noch nie erlebt. Schon gar nicht im Bad. Doch jeder Versuch aus diesem Irrsinn zu entkommen scheiterte. Es toste und dröhnte, die Wellen inzwischen haushoch. Meine Sinne krempelten sich von links auf rechts, mein Hirn verknotete sich, mein Puls raste wie verrückt und würde wohl bald meinen Körper zerreissen. Immer mehr seltsam blaue Gegenstände flogen in die Wanne, Äste von Bäumen zerkratzten mir meinen ganzen Körper, ein Föhn knallte mir mit voller Wucht an den Kopf. Ich zuckte und strampelte wie wild herum, Speichel rann mir aus meinen weit aufgerissenen Augen. Ich trat panisch um mich, schaffte es schließlich unter unmenschlichen Anstrengungen meinen Mund zu öffnen und schrie so laut ich konnte:

          SILENCIO!

          Schweißgebadet kam ich zu mir. Mein Puls normalisierte sich. Ich schaute mich um. Ich war gar nicht in der Wanne. Ich lag auf dem Bett. Ich schaute einen Film.

          Mulholland Drive

          11 von 10/ ♥

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          • 10
            (VincentVega) 19.10.2016, 02:24 Geändert 19.10.2016, 03:13

            Wer bin ich?
            Wo bin ich?
            Warum bin ich?
            Was für ein Abgrund, den ich nicht verstehe.
            Wunderschön und grässlich.
            Ich weine, ich schaudere, ich weiß gar nichts.
            David, was tust du mir an?
            Wie soll ich denn jetzt noch ruhig schlafen?

            "Silencio"

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            • 10

              Laut einer BBC-Umfrage ist es MULHOLLAND DRIVE. Der bisher beste Film dieses 16 Jahre jungen Jahrhunderts. Gestern wollte ich meiner Erinnerung auf den Zahn fühlen und kann am Tag darauf mit neuer Gewissheit sagen: Zwar sollte Kunst eigentlich kein Wettbewerb sein, aber der Mensch erstellt nun einmal gerne Listen und die Wahl geht in Ordnung.

              [Spoiler]

              Kino, Ort der Verführung. Über mehr als zwei Drittel der Laufzeit tischt David Lynch uns eine zutiefst anrührende Romanze zweier Frauen auf, die gemeinsam einem Geheimnis auf die Spur kommen möchten. Die vorsichtige, allerdings umso intensivere Chemie zwischen den beiden zu beschreiben, wäre ein heilloses Unterfangen. Mich brachte vor dem Bildschirm schon so manches zum Weinen, aber noch keine Sexszene. Es ist ein bisschen so, als würden Sterne vom Himmel fallen. Danke, MD.
              Dann jedoch stürzt ein ganzes Schauder-Paradies in wenigen Minuten ein. Denn das düsterschöne Wunder entpuppt sich als entweder reines Märchen oder – der Zuschauer mag selbst entscheiden - lediglich Teil der Wahrheit, und somit gleichsam als Lüge. Die Krux dabei: Man kann dem Film also kaum zu Füßen liegen ohne auch besagte Lüge mit Genuss zu schlucken. Ja, vielleicht bettelt man sogar um mehr davon. Selbstverständlich hat der Regisseur dies bereits verhandelt - Rebekah Del Rio singt "Llorando" nur Playback, das anwesende Publikum wird darüber vorab informiert. Spätestens, als die Sängerin mitten auf der Bühne zusammenbricht, die Musik hingegen weiterläuft, lässt es sich gar nicht mehr leugnen. Trotzdem herrscht Ergriffenheit im Saal, vor allem bei Betty und Rita. Nicht zu vergessen der Cowboy, der einer Toten befiehlt, wieder aufzustehen. Verführung ist Betrug, den man genießt – und Tränen sind echt.

              Imposant, wie hier außerdem das Schicksalhafte erfahrbar gemacht wird. Schließlich erfolgt mit der späten Wendung ein buchstäblicher Rollentausch. Zuerst erleidet die Brünette einen Autounfall und verliert ihr Gedächtnis, der 2. Teil des Films zeigt sie sodann als Filmstar. Die blonde Frau hingegen absolviert eingangs ein (mutmaßlich) erfolgreiches Vorsprechen, bevor sie am Ende an Demütigungen und Liebesentzug zugrunde geht. Das eine scheint bei wertender Betrachtung nicht weniger plausibel als das andere, man hört praktisch einen Schmetterling die Flügel spannen. Auch, wenn MULHOLLAND DRIVE insbesondere das scheinheilige Hollywood zur Rechenschaft zieht (gewissermaßen ist dort letztlich jeder ein tragischer Verlierer), reichen die Gedanken weit darüber hinaus direkt in unsere Wohnzimmer. Was, wenn Betty am Set eben nicht vor Adam die Flucht ergriffen hätte?

              Der Film macht mit mir, was er will. Quälend langsam fährt die Kamera durch den Hinterhof des Winkie's. Obwohl man die ominöse Gestalt bereits kennen lernen durfte, kaut man schon wieder nervös Fingernägel (die vermutlich einzige Bewegung, die man in dem Moment zustande bringt). Dieses Mal pausierte ich übrigens todesmutig die Aufnahme und stellte fest, dass dieses "Monster" ziemlich traurig-friedvolle Augen hat und vielleicht bloß deshalb so viel Schrecken verbreitet, weil es erstens eben sehr schmutzig ist und zweitens niemand wagt, näher hinzuschauen. Am Schluss gehört ihm jedenfalls die blaue Box und irgendetwas sagt mir, dass hier David Lynch, der Humanist, am Steuer sitzt.

              Was ist real, was ist möglich? Die Fahrt auf der Straße der Finsternis schüttelt mich gewaltig durcheinander, aber vielleicht liegt genau darin eine Aufgabe des Kinos: Die Abgründe benennen und erst durch deren Akzeptanz Unverstelltes, Grenzenloses, Menschliches schaffen. Mich Dinge verstehen lassen, die ich nicht verstehe. Danke, MD.

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              • 8

                Was hab ich da bloß gerade geguckt?
                Als ob euch jemand die genialste Geschichte aller Zeiten erzählt und ihr simultan euren Kopf die ganze Zeit gegen einen Backstein rammt.
                Bewertung folgt. Im Moment bin ich erst mal außer Gefecht gesetzt.

                8
                • 4

                  Und noch ein Film auf meiner Liste, dessen gute Bewertungen ich nicht nachvollziehen kann. Mit den Charakteren konnte ich nicht warm werden, die Handlung war größtenteils langweilig, irgendwann einfach nur noch unnötig verwirrend und insgesamt nicht wirklich fesselnd. Hatte mir von einem Film, der in so vielen Charts genannt wird, mehr versprochen, und wurde letztlich ziemlich enttäuscht.

                  • 9
                    JordanBelfort 03.10.2016, 11:26 Geändert 03.10.2016, 13:44

                    Was kann man zu diesem Film nicht alles schreiben. Hollywoods sonnengetränkte Straßen werden zum Schauplatz eines Albtraums. Atmosphäre, die man schneiden kann, tolle Schauspieler, immer wieder die Frage: Was soll das jetzt alles? Dann der Mindfuck, Twist, Krampf im Hirnstamm. Rückblickend fragt man sich sofort: Was habe ich die letzten 2 Stunden gesehen? Die Lynch-Werke sind keine Nolan-Mindfuck-Filme, die geradezu formelhaft ein immer verständlicheres Konstrukt aufbauen. Hier werden definitiv mehr Fragen aufgeworfen, als beantwortet. Hier wird mehr gefordert, als erbracht. Was soll dir Zuschauer auch erklärt werden? Du guckst doch die ganze Zeit hin. Aber als Zuschauer, für den die Aktionen von Leinwandhelden immer absolut sind, lässt man sich gerne vom Film die Realität vorgaukeln. Hier ist das nicht ganz so einfach. Bei Lynch ist Film nunmal Film und kein Medium, um eine bestimmte Geschichte so detail- und aufschlussreich wie möglich zu erzählen. So etwas sollte es öfter geben.

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                      MoreThanMeetsTheEye 06.09.2016, 11:12 Geändert 06.09.2016, 15:58

                      Als Miniserie ausgelegt, bevor CANAL+ nach Sichtung des Piloten kalten Füße bekam, schneidet Lynch das vorhandene Material um, dreht und schreibt Szenen nach und kommt am Ende mit dem wahrscheinlich schönsten ausgestreckten Mittelfinger daher, den Hollywood seit SUNSET BLVD. gesehen hat.
                      Nicht von ungefähr einer von Davids selbstgenannten Lieblingsfilmen.
                      Schon der Titel, der ebenfalls nach einer langgezogenen Panoramastraße in Los Angeles benannt wurde , ist Hommage an Bily Wilders zynischen Abgesang auf Sein und Schein der Traumfabrik, und die Knochenmühle als die sich Hollywood im wesentlichen gebiert.
                      Ist es in Wilders Film noch eine endgültig von der Realität entkoppelte Darstellerin, die den Plot trägt, so geht MULHOLLAND DRIVE allerdings noch zwei Schritte weiter, erklärt nicht nur seine Darsteller für "dellusional" sondern gleichmal sich selbst und im Grunde auch seine Zuschauer, die an die Lüge "Film" glauben wollen. Nicht Norma Desmond, die Protagonistin aus SUNSET BLVD. hat hier die Bindung zur Realität verloren, gleich das ganze Medium ist in MULHOLLAND DRIVE so "full of itself" , von seiner eigenen Omnipotenz so berauscht, das es den Stock der Überheblichkeit bis zum Anschlag im Hinterteil stecken hat.
                      Schon der Einstieg in Lynchs Werk, Bettys Ankunft in Los Angeles, ist mit Overdubs ausgestattet. Naomi Watts synchronisiert Naomi Watts, gewollt sekundenlang Lippenunsychron. Dazu verzerren Renter ihr Lächeln bis zur Karnevalsgrimasse. Der lichtüberflutete Einstieg als Fake, als die Kinolüge die seit dem goldenen Zeitalter Hollywoods über allem schwebt, alles durchdringt.
                      Betty kommt aus "Deep River, Ontario" dem Namen des Gebäudekomplexes aus BLUE VELVET. Rita stiehlt sich ihren Namen von einem GILDA-Filmposter,die Beziehung der beiden Frauen referenziert Bergmans PERSONA, der Plotkickstarter erinnert nicht von ungefähr an den Autounfall in Herk Harveys CARNIVAL (dessen Plottwist sich ebenfalls hier spiegelt) und alles endet im Club Silencio, wo Lynch den Film quasi erneut overdubbt, bis Rebbekah Del Rio einfach während ihrer Nummer zusammenbricht und endgültig den stillschweigenden Vertrag zwischen Film und Zuschauer aufkündigt. It´s all fake.
                      "It´s all a tape recording" wie der Host dämonisch das Publikum anblafft.
                      Das hat immernoch nicht verstanden, hofft immernoch auf ein Happy-End, einen sinnstiftenden Nachklapp. Ganz im Gegensatz zu den beiden Hauptdarstellerinnen, die diese Sätze buchstäblich ins MArk treffen, sich zitternd an ihre Sitze klammernd. Es gibt kein Zweifel, sie sind eine Lüge. Es hat sie nie gegeben. Der Schlüssel fällt ins Schloß und sie verschwinden dahin, wo sie hergekommen sind. Auf Drehbuchseiten.
                      Ins Nichts.
                      Ist der Plot, der sich durch MULHOLLAND DRIVE schlängelt bei genauerer Hinsicht eher einfacher Natur, der THE WIZARD OF OZ ins Showgeschäft verlegt, diesen einen Fiebertaum von Freundschaft, Erfolg und Ruhm zulässt, bevor die Realität alles zerfrisst und als Traum demaskieren darf, so ist für den Film viel entscheidender welche Stilmittel Lynch nutzt, um diesen beißenden Abgesang auf ein Medium, und die Leichen die es hinterlässt, zu inszenieren.
                      Neben Overdubs und Filmzitaten, den üblichen Doppelungen, die hier wie in kaum einem anderen Film mehr Sinn machen (Film als Heimat der Body-Doubles, wandelnde Imposter, der "Doppelgänger" aus TWIN PEAKS) ist vor allem interessant wie Lynch Fiktion und Realität, die wiederum Fiktion ist, gegenüberstellt.
                      In der naturalistischten Szene des ganzen Filmes, in der Lynch auf jeglichen audiovisuellen Schnickschnack verzichtet, der Castingszene mit Betty, wird aus einer Abziehfigur, das naive Blondchen, das Watts bis dahin darstellte, eine scheinbar tiefgründige, denkende Person.
                      Wir hängen an jedem ihrer Worte, ihrer Bewegungen, im glasklaren Wissen doch nur einer Performance zuzusehen.
                      Wohlgemerkt : der Performance einer Performance einer Performance.
                      Eine Schauspielerin, die eine Schauspielerin spielt, die bei einem Casting schauspielt.
                      Augerechnet hier, in der effektlosesten aller Szenen aus MULHOLLAND DRIVE sind die doppelten Böden plötzlich endlos.
                      Die Castingszene ist die Szene im Club Silencio ist die Szene in jedem beliebigen Film, an jeder beliebigen Stelle.
                      Sie alle erzählen nur die Geschichte einer Lüge.
                      Wer nach ihrem Abspann noch nach tieferen, psychoanalytischen Andeutungen und sexuellen Untertönen sucht, ist ihr ebenso aufs Glatteis gefolgt, wie Betty, die in der Traumfabrik mehr sehen wollte, als die schnöde Wirklichkeit.
                      Dabei macht Lynch keinen Hehl daraus, worum es im eigentlichen geht.
                      Fressen, Ficken, Drogen, Ego.
                      Unsere Träume, getrieben von einem Wunsch nach "larger than life, nach einem Leben das Sinn macht, wenn nicht in der Realität, so doch wenigstens auf der Leinwand, gespiegelt von der Kehrseite, den Manufakteuren dieser Träume.
                      Den Wünschen der Zuschauer erntgegenkommend, überhöht Lynch sogar den Manufakturprozess, lässt Filmgeschäft selbst zu einer mystischen Abwicklung aus Hintertürdeals und Mafiamethoden überhöhen, lässt den Zuschauer sich selbst zufrieden auf die Schulter klopfen ("Ich habs schon immer gewusst") lässt in der Castingszene schmierige alte Männer und beißwütige Sekretärinnen als Personal auflaufen, nur um auch diese Hollywoodblase am Ende zu zerstören.
                      Eine recht triste Starparty am Ende wird zu einem schnöden "wer kennt wen".
                      Am Tisch lauter Schauspieler, die uns der Film vorher in leicht anderen Rollen, mit anderen Backstorys präsentiert hat.
                      Der ominöse Cowboy läuft durchs Bild.
                      Von Niemandem beachtet, hat Nichts mehr zu sagen.
                      Nur die Zuschauererwartungen hängen noch an ihm, an dem Wunsch nach der Mystik, die MULHOLLAND DRIVE ständig refernziert, aber hier nicht mehr bedient. Alles ist Koks und Ego.
                      In INLAND EMPIRE geht Lynch noch einen Schritt weiter, lässt mitten in einer Szene den "Cut" ausrufen und den Kamerakran zurückfahren, in MULHOLLAND DRIVE wartet nur der Abspann.
                      Der lässt den Zuschauer mit seinen Erwartungen und Träumen alleine zurück, bedient sie alle, entwertet sie alle, und verlässt doch nie den offensichtlichen Rahmen der Lüge, über die sich der Film während der gesamten Laufzeit lustig macht.
                      Wir wollen wissen, was in der blauen Box ist, obwohl da Nichts ist, nie etwas war, außer unseren eigenen Erwartungen.
                      Wir wissen um die Künstilchkeit der Filmwelt und sind doch rüde angepisst, wenn der Kaiser selbst erklärt, das er gar keine Kleider trage.
                      Wir haben sie gesehen, weil wir sie sehen wollten.Wir brauchen Niemand, der uns eines besseren belehrt.
                      Nicht nur ein Abgesang auf den Starkult, einen Abgesang auf Starsein, wie es eben in SUNSET BLVD. vorgeführt wurde, das Kind mit dem Bade gleich mit, schüttet Lynch hier jeglichen Traum von Narration als sinnstiftendes Bindemittel aus dem Fenster und gibt die Schuld daran dem Zuschauer gleich mit an die Hand.
                      Film funktioniert, weil wir glauben wollen.
                      Selbst bei dem ANDALUSISCHEN HUND sucht unser Gehirn noch nach Querverweisen, nach Subtext, wider besseren Wissens, ja sogar gegen die Regieanweisung , um für unser Gehirn verknüpfbar zu machen, was sich jeder Intertextualität entzieht.
                      Wir sehen ein Gesicht, ein Schauspieler in zwanzig verschiedenen Rollen, zwanzig verschiedenen Filmen, und nehmen ihm doch jede einzelne Rolle, ist sie denn gut gespielt, dankend ab. Ein Konzept das in der Realität undenkbar wäre.
                      (Dein Busfahrer ist plötzlich dein Zahnarzt, er muss es nur gut genug spielen.)
                      Sobald der Vorhang, die Bühne sich öffnet, Rebekkha del Rio anfängt zu singen, sind wir bereit uns auf diese Lüge einzulassen.
                      Und sie zieht ihre Nummer besser durch.
                      Sonst erkennen wir, was wirklich in dem blauen Kästchen steckt, was hinter allem steckt. Das alles im Nichts endet, und alles eine Bühnenshow ist.
                      Am Ende von MULHOLLAND DRIVE steht keine wahnhafte Schauspielerin, bereit für ihr großes Comeback, es steht der verdatterte Zuschauer, nicht bereit für die Erkenntnis, das alles auf ihn zurückfällt, alles bei ihm beginnt und endet, und der letzte Abspann, im Film wie im Leben, keine große Epiphanie, keinen sinnstiftenden Epilog bringt.
                      There is no band ! It´s all a tape recording !
                      Und doch machen wir weiter. Und doch sehen wir weiter.
                      Wir sind Norma Desmond.
                      "All right, Mr. DeMille, I'm ready for my close-up."

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                      • 6 .5

                        ziemlich wirr. Insider film? Naomi Watts ist aber super.

                        • 10
                          FilmSkeptiker 24.08.2016, 18:13 Geändert 24.08.2016, 18:13

                          masterpiece !!!

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                          • 7 .5

                            Der Traum, das Unbewusste, das Verweben mehrerer Bewusstseinsebenen, die durch die Bilder erzeugte Gefühlswelt, die vom Soundtrack kontrastiert wird – kurz das Mysteriöse ist die inhärente Unterschrift von Lynch. Bezeichnend für die Verwirrungen, die mit Mulholland Drive einhergehen, sind sicherlich die Stapel-dicken Diskussionen, die sich um den Film tummeln. Wie bei einer Reise auf einen Fremden Planet – wo einem neue Phänomene begegnen, für die man erstmal mit der Machete einen Pfad durch den Neuronendschungel schlagen muss, um überhaupt was darüber sagen zu können - führt Lynch seine Regie so fern ab von konventionellen Denkmustern, dass man bereits nach dem ersten Satz des Plots (Es passiert ein Unfall auf dem Mulholland Drive) ins Wanken gerät. Dieses Schicksal ist auch zentral für die Hauptfigur(en), die ähnlich wie der Zuschauer in dem Gefühl zurückgelassen werden, dass doch die Illusion im Grunde das Übriggebliebene ist. Darüberhinaus kann man wenig sagen. Die Heile Welt der einen löst sich auf, während aus dem Nichts der Anderen in kürzester Zeit ein etwas wird und am Ende scheinen die beiden nur einzelne Abspaltungen ein und derselben Person zu sein. Und überhaupt: Sind die anderen Figuren nicht auch nur fragmentarische Teil-Bewusstheiten desselben kollektiven Illusionsbreis? Ein Film zum Staunen, Gruseln und bestens geeignet für steile Thesen! Danke Mr. Lynch!

                            • 10

                              Ich kenne keinen vergleichbaren Film, der so eine unheimliche/surreale Atmosphäre schafft wie Mulholland Drive, obwohl der Film völlig ohne große Aufmachung daherkommt. Es ist einer dieser Streifen, den man sich 100 mal anschauen kann und immer wieder ein neues Detail entdeckt. Über das Technische & Schauspielerische braucht man kein Wort zu verlieren... das geht kaum mehr besser.

                              Ich schließe mich meinem Vorredner an: Es sollte mehr Filme dieser Art geben... statt dieser kurzlebigen und lustlosen CGI Flut, die man in den letzten Jahren immer mehr in den Kinos serviert bekommt.

                              Ich kann jedem, der Mulholland Drive mochte, zwei ähnlich atmosphärische Filme empfehlen: Stay (Marc Forster) und The Jacket (John Maybury)

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                              • 10

                                Der beste Film den ich je gesehen haben. habe ich damals zum ersten Mal im Kino und war sofort beeindruckt von dem Film. Zuerst hab ich die einzelnen Szenen für sich betrachtet, und fand diese unendlich genial. Z.B. Die Szene mit dem Casting. Oder die mit dem Regisseur Adam und dem Kaffee ... oder die mit dem Cowboy. Ich möchte hier nicht die ganzen Zitate wiedergeben. Den Film an sich zu verstehen finde ich gar nicht wichtig. Die Szenen einzeln betrachtet sind unendlich genial und das sollte eigentlich jeder merken.
                                Schade, dass ich noch keine vergleichbar guten Film gefunden habe. Das LSD unter den Filmen.

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                                  Die letzte Sichtung ist jetzt schon ein paar Jahre her, aber jedes - wirklich jedes Mal, bin ich ein paar Tage wie berrauscht & verliebe mich auf ein neues in Mrs. Watts.

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                                    Seductive Barry 21.05.2016, 19:18 Geändert 09.06.2016, 15:31

                                    "Als ich zum ersten Mal diesen Film gesehen habe, war ich sprachlos. Was war das? Was sollte das? Wozu das ganze? Was jetzt? Fakt ist: Nach dieser Erfahrung war mein Blick auf das Medium Film, sogar auf das Leben an sich, nicht mehr der Selbe.Film war für mich nicht mehr Analyse und Interpretation, nein, es war Erfahrung und Verarbeitung und wie jede andere Kunstform eine Auseinandersetzung mit sich selbst."

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                                      TheRambostar007 24.04.2016, 11:49 Geändert 15.07.2016, 10:16

                                      "Mulholland Drive" ist der vielleicht emotionalste Film von David Lynch, denn er erzählt, ohne zuviel zu spoilern, eine zutiefst tragische Liebesgeschichte, nur eben auf seine weirde, unkonventionelle Art. Der Film ist in meinen Augen ein Meisterwerk, welches durch seine kompliziert Erzählweise, tiefe Einblicke in seine Figuren gewährt, selbst wenn oder grade weil er zuletzt alles auf den Kopf stellt.
                                      In diesem gewollten Chaos gehen zwar einige Fragen verloren bzw. bleiben unbeantwortet, aber man sollte sich als Zuschauer selbst die Frage stellen: Braucht man auf alles eine Antwort oder gibt einem die Verweigerung dieser nicht viel mehr zu denken? Im Grunde ist "Mulholland Drive" gar nicht so kompliziert und erzählt von grundsätzlichen Themen wie Liebe, Treue und Eifersucht, welche sich erst gegen Ende wirklich offenbaren. Der letzte Akt ist geradezu Herzzerreißend.
                                      Lynch verbindet hier brillante Charakterzeichnung mit seiner, wie üblich, überragenden Bildsprache. Sie orientiert sich deutlich am Film Noir und kreiert eine traumhafte und rätselhafte Atmosphäre.
                                      Trotz seiner ziemlich enormen Laufzeit und einer Erzählweise entgegen jeglicher Konventionen, ist es diesem erzählerischen Puzzle gelungen, mich wirklich an die Figuren zu fesseln und emotional mitzureißen. Abseits dessen könnte man den Film noch als Showbiz-Satire sehen, doch primär ist er an seinen Figuren und ihrem Schicksal interessiert und dabei ist er meisterhaft. Er verlangt dem Zuschauer viel ab, aber es lohnt sich allemal.

                                      Fazit: Lynchs surreale, kafkaeske Mischung aus Mystery-Thriller und Drama, ein emotionaler Sog in erzählerische Eigenarten, welche aber alle einen Zweck verfolgen und letztlich die Figuren allein als Ziel haben. Grandiose Bildsprache und tolle Schauspieler fügen sich perfekt in Lynchs Wahnsinn ein und ergeben ein absolutes Meisterstück, welches einen eiskalt erwischen und viel zu denken geben wird.

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                                        Wasabitapir 12.04.2016, 12:46 Geändert 12.04.2016, 12:49

                                        Die Schattenseiten der Traumfabrik im Noir, das Schwarz und Weiß zu Grau verwischt. Den Übergang von Schein zu Wirklichkeit und wieder zurück kann man bei David Lynch am besten nachvollziehen, wenn man sich nur auf das einlässt, was einem unmittelbar präsentiert wird. Sicherlich gibt es Analogien - alles ist hier Symbol und wieder nicht, dadurch, dass man es hinterfragt, verliert es seine Bedeutung. Das Verstehen impliziert dabei kein Richtig oder Falsch. Man ist ein Somnabuler, der staunend durch Welten streift, die es gibt - denn sie werden uns hier ja gezeigt. Das Schockierende: Alles ist sogar sehr einleuchtend, aber man will es einfach nicht wahr haben, denn alles ist Fassade, deshalb kann es, wenn man direkt auf den Horror schaut, zerfallen. "Mulholland Drive" zeigt so eindringlich wie kein vergleichbarer, mir in den Sinn kommender Streifen, dass der Schein über das Medium Film weit hinausgeht, sich direkt auf uns überträgt. Nicht nur das, was uns vorgeführt wird, ist Traum und Wirklichkeit zugleich, sondern auch unsere Realität ist so unsicher - aber in ihrer Ambiguität festverankert.
                                        Ein Film, der einen wachrüttelt, in seiner Deutlichkeit immer auch verschleiert, wie "Prinz Friedrich von Homburg" von Kleist - düster, kafkaesk, scharfsinnig.

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                                          Der Film hat eine Top Atmosphäre, eine (in meinen Augen) interessante Symbolik und ich hätte sehr gerne die Serie gesehen.
                                          Besonders sticht meiner Meinung nach Naomi Watts heraus, die hier einfach nur genial abliefert.

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                                            Ray_Pacino 08.04.2016, 23:22 Geändert 08.04.2016, 23:23

                                            Selten hat mich ein Film so unwissend und verwirrt zurück gelassen. Als ich ihn vor gut drei Jahren das erste Mal gesehen habe war ich einfach nur baff. Alleine die Anfangssequenz mit diesem unglaublich guten Soundtrack hat mich gleich in seinen Bann gezogen. Habe viel über die einzelnen Interpretationen gegoogelt und mich viel über den Film an sich informiert. So etwas muss ein Film meiner Meinung nach schaffen, dass man sich noch lange danach mit ihm beschäftigt. Lynch hat hier etwas einzigartiges geschaffen. Von meiner Seite aus der wohl atmosphärischste Mindfuckstreifen aller Zeiten.

                                            Ihr solltet beim ersten Mal schauen keine Logik suchen, sondern die Erkenntnis gewinnen das ein Film auch ohne strikten Plan funktionieren und unterhalten kann.

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                                              Wenn ich mir einen Film von David Lynch ansehe, dann weiß ich eigentlich, worauf ich mich einlasse.
                                              Doch "Mulholland Drive" hat mich noch mehr als erwartet verwirrt und gleichermaßen beeindruckt.
                                              Man muss sagen, dass man der Story und Erzählweise gerade in der ersten Filmhälfte deutlich anmerkt, dass dieser Film ursprünglich als Pilot für eine TV-Serie gedacht war. Es werden so viele Punkte im Verlauf der Handlung angerissen und ebenso viele Fragen gestellt, die am Ende leider offen gelassen werden bzw. unbeantwortet bleiben. Das macht den Film nicht schlecht, lässt den Zuschauer aber eben doch unbefriedigt zurück.

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                                                Ungefähr drei Jahre nach meiner persönlichen Premiere von diesem überaus polarisierenden Film, gab es nun gestern Abend eine zweite Sichtung, allerdings ist für mich dann viel mehr ein richtiges Samstagnacht-Projekt mit reichlich Nachforschung daraus geworden. Meinen ersten Kommentar habe ich gelöscht weil er in seiner Aussage nicht mehr aktuell war.

                                                "Mulholland Drive" ist für viele Cineasten ein Markenzeichen. Ein Markenzeichen für einen Regisseur und Produzenten, dessen oft unerklärliche Ideen und Kreationen reichlich Raum für die unterschiedlichsten Interpretationen bieten. Und gerade dieses Werk wirkt durch seine unlogische Komplexität und desorganisatorisch wirkende Darstellung so anziehend, aber auch unvergleichlich abstrus.

                                                Es existiert lediglich eine von David Lynch persönlich herausgegebene "Hilfestellung", die bei der Dechiffrierung des konfusen Ablaufs helfen soll. Allerdings handelt es sich dabei lediglich um zehn obskure Anhaltspunkte:

                                                - Schenken Sie dem Anfang des Films besondere Aufmerksamkeit: Zwei wichtige Hinweise finden sich bereits vor dem Vorspann.

                                                - Beobachten Sie, wann und wo rote Lampenschirme eine Rolle spielen.

                                                - Achten Sie darauf, wie der Titel des Films heißt, für den die Schauspielerinnen bei Adam Kesher vorsprechen. Wird dieser Titel an einer anderen Stelle wiederholt?

                                                - Ein Unfall ist ein schreckliches Ereignis … Beachten Sie genau den Ort des Unfalls.

                                                - Wer gibt wem einen Schlüssel – und warum?

                                                - Achten Sie auf den Bademantel, den Aschenbecher, die Kaffeetasse.

                                                - Was wird im Club Silencio gefühlt, erkannt und mitgenommen?

                                                - Half Camilla allein ihr Talent?

                                                - Beobachten Sie genau die Vorkommnisse im Umfeld des Mannes hinter Winkie’s.

                                                - Wo ist "Tante Ruth"?

                                                Und gerade weil kein 100%ig offizieller Grundgedanke als Referenz existiert, sind im Laufe der Jahre diverse Interpretationen entstanden - darunter zwei bis drei wenige, die sich etablieren konnten aber immer noch in Foren debattiert werden. Die wohl häufigste Deutung ist eine Paraphrase, die prononciert, dass David Lynch mit "Mulholland Drive" anhand mehrerer Schichten, in verschiedenen Handlungssträngen die Tagträume einer erfolglosen Schauspielaspirantin aus der Provinz wiedergibt. Als Synonym impliziert der Mulholland Dr. ansich, der sich über die Berge, dann durch die langen Serpentinen, bis in die tieferliegende Metropole von Los Angeles schlängelt, die tiefere Erkundung der Psyche Hollywoods. Peu à peu, bis zu dem dramatischen Ende, erschafft Lynch somit seine eigene Desillusionierung der Traumfabrik, sprich eine täuschende, extreme Erschütterung von Hollywood ansich - der sogenannten Dream-factory.

                                                Nachdem ich mehrere Interpretationen versucht habe zu ergründen und mir die entsprechenden Szenen immer wieder angeguckt habe, erscheint mir diese Darlegung am passendsten. Für mich persönlich ergibt das so einfach ein schönes Gesamtbild eines unfassbaren Films, den ich vor so langer Zeit zum ersten Mal gesehen habe und nie wirklich einordnen konnte.

                                                Hier auf Moviepilot sieht man immer wieder 10er Ratings und dazu keinerlei Schilderungen, wie diese Wertung eigentlich zustande kam. Viele dieser Wichtigtuer scheinen wohl der Meinung zu sein, dass eine besonders hohe Wertung für "Mulholland Drive" einen als extrem intelligenten und anspruchsvollen Cineasten wirken lässt. Natürlich haben diese Personen den Film in keiner Weise versucht zu reflektieren, möchten den anderen Moviepiloten aber unbedingt ihre imitierte Auffassungsgabe darlegen, jedoch ihre geheime Patentlösung offenbar niemals posten. Jeder, der sich jetzt angesprochen fühlt oder einfach nur an seinen Kommentar denkt, sollte sich vielleicht noch einmal überlegen, wieso er überhaupt Filme guckt und, dass durchaus extrem unterschiedliche Arten der Filmkunst existieren. Gerade David Lynch ist jemand, der den Zuschauer immer extrem einbindet - als "Statussymbol" eignen sich solche Filme absolut nicht, denn wenn dich jemand dazu befragt, der sich wirklich damit auseinandergesetzt hat, dann stehst du schnell lächerlich da. Wenn man keine Ahnung von Autos hat, sollte man seinem Schwarm auch nicht unbedingt sagen, dass man KFZ-Mechatroniker ist, nur weil ihre Karre nicht mehr anspringt.

                                                Die Wertung steigt von 7 auf 10 Punkte (Lieblingsfilm) an. Wieso? Falls der Text das noch nicht impliziert hat, hat mich zuvor wohl noch kein Film so in seinen Bann gezogen. Es hat dermaßen viel Spaß gemacht zu versuchen in Lynchs Kopf zu blicken und sich zu wagen, zu erahnen, was er sich wohl bei der oder der Sache gedacht haben könnte. Alles reine Spekulation, aber unfassbar aufregend. Bei meinen Recherchen zu den Hintergründen dieses Meisterwerks war ich viel in einem englischen Lynch-Fanforum und einem englischen Filmforum, welches sich nur mit "Mulholland Drive" beschäftigt, unterwegs. Außerdem habe ich mich durch ein paar kurze deutsche Artikel gelesen und dann meine eigene Interpretation mit den Erfahrungen des zuvor gesehenen Films vermischt.

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                                                  RoboMaus 19.03.2016, 08:30 Geändert 22.03.2016, 17:38

                                                  Wenn die geneigten Filmkenner in Cannes schon zehn Hinweise von Lynch zum Verständnis von 'Mulholland Drive' bekommen mussten, darf man die eigene Position im Heimkino wohl als hoffnungslos betrachten. Ich würde ihm zutrauen, dass er neun davon frei erfunden hat, nur um den verwirrten Kritikern ein paar Brocken vor die Füsse zu werfen und sich im stillen Kämmerlein einen abzulachen :)

                                                  Sicherlich trat ich hier nicht an, um in einem Lynch-Film den tieferen Sinn zu erkennen - etliche seiner Werke leben für mein Empfinden überwiegend aus den einzelnen Situationen, die von abstossend, bizarr, skurril, über erotisch, interessant bis witzig reichen und nur von einer losen Alibi-Story zusammengehalten werden. So kommt mir das auch bei 'Mulholland Drive' vor.

                                                  Einige der Situationen und Dialoge sind recht interessant, mitunter sogar witzig, und bei Laura Harring könnte ich schwach werden, wenigsten solange sie keine blonde Perücke trägt :) Ihr Verhältnis mit Naomi Watts ist auf jeden Fall interessanter als das von Gyllenhaal & Ledger in 'Brokeback Mountain' (2005).

                                                  Leider ist die Inszenierung recht langatmig, machmal wie in Zeitlupe, so dass das ohnehin schon schwierige Folgen noch schwerer wird. Das soll vielleicht die geheimnisvolle Aura betonen, die etliche der Szenen umgibt - eine davon versinnbildlicht für mein Empfinden das Wesentliche an Lynch-Filmen wie kaum eine andere:
                                                  Harring hat einen mysteriösen dreikantigen Schlüssel und entdeckt den dazugehörigen Würfel. Gaaaanz langsam steckt sie ihn hinein, dreht ihn herum und zieht laaangsam den Deckel hoch, während die Kamera von oben den Inhalt preisgibt - ein dunkles Nichts...... Alles andere wäre doch eine Enttäuschung :)

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                                                    Der Film wurde mir gestern empfohlen, ich habe ihn gerade gesehen, und ich bin enttäuscht. Anfangs war er nicht schlecht, aber dann war er nur noch sinnlos und ein Durcheinander. So verwirrend das man gar nicht mehr mitbekommt worum es überhaupt geht.

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