Mulholland Drive - Kritik

Mulholland Dr.

US/FR · 2001 · Laufzeit 146 Minuten · FSK 16 · Thriller, Drama, Erotikfilm · Kinostart
Du
  • 6 .5

    Lost Highway fand ich um einiges packender. Bessere Darsteller und ein unglaublicher Sog. Auch bleiben verschiedene Erklärungen / Deutungen / Schlüsse die man ziehen kann. Ich hanb ihn allerdings auch mehrmals gesehn. Allein im Kino 3x. Mulholland Drive ist ähnlich aber kommt nicht so flüssig rüber. Ich habe ihn vor längerem gesehen und zufällig gerade den Schluss auf Arte. Naomi Watts ist klasse. Aber er Film war mir etwas zuviel an Rückblenden, Durcheinander, etc.. Ich mag von Lynch aber am liebsten seine "einfacheren" Filme.
    "Wild at Heart" u "Blue Velvet" sind meine Hits von ihm.

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    • 5 .5

      Eines der seltsamsten Film der Kinogeschichte. Zwei Frauen und ihr Bezug zueinander, die mysteriöse Verstrickung und Liaison mit einem Regisseur, das abgekartete Spiel hinter Hoollywoods Filmkulissen, Eifersucht, tiefe Gefühle, Traumsequenzen, Horror, Sex. Das alles beinhaltet dieser Film.

      Der fast anhaltende Psycho-Score von Angelo Badalamenti (Arlington Road) – bestehend aus tiefen schweren Geigen und Synthesizer-Themen – ist als Dauerfolter nur schwer zu ertragen.

      Was kann man dem Werk ankreiden ? Was nicht ?

      Die nahen Gesichtsaufnahmen der wunderschönen Protagonistinnen (bildhübsch: Naomi Watts / Vollblutweib Laura Harring) sind ebenso stilvoll und edel in Szene gesetzt wie die wenigen lesbischen Szenen. Regisseur Lynch erreicht hier eine wunderschöne Ebene, inszeniert mit einem enorm tiefen Verständnis für Eleganz und Sex-Appeal. Er setzt eindeutig der Schönheit der Frau ein Denkmal.

      Allerdings braucht er über satte zwei Stunden für seinen surrealistischen Thriller, und verlangt von einem schon extrem viel Zusehbereitschaft. Denn seine endlosen Einstellungen, in denen nichts passiert, fordern schon sehr viel Aufmerksamkeit ab.

      Die traumsequenzartige Erzählstruktur aus verschiedenen Perspektiven ohne stringente Logik mag vielen als Meisterwerk vorkommen. Man könnte aber auch diagnostizieren, dass hier ein Wahnsinniger seine sexuellen Phantasien und sein Frauenbild verfilmte.

      Man kann daher durchaus die Frage stellen, ob Kino reines Verwirrspiel sein darf ?

      Erstklassig photografiert, keine Frage. Tolle Darstellerinnen, keine Frage. Wunderschöne Nahaufnahmen von unglaublich betörenden Frauen. Aber auch kurze Shots in den Blick ihrer Hässlichkeit. Doch egal, wie oft ich mir den Film schon angesehen habe, noch nie habe ich es nahtlos an einem Stück geschafft. Noch nie bin ich zu einer schlüssigen Interpretation durchgedrungen.

      Fazit: Rätselhaft, schön, schrecklich. Aber leider undurchdringlich. Das allein ist für mich noch kein Beweis für hohe Kunst. Erinnert mich irgendwie an Werke von Joseph Beuys. Aber ist ein Eimer, den ich an die Wand oder in eine Vitrine stelle, bereits Kunst ? Egal wie lange ich darauf starre ? Als verstörender Traum ist der Film sehr gut gelungen. Als Thriller eher misslungen. Vielleicht aber verstehen den Film nur Frauen, die die Welt aus einer tiefen Emotion begreifen. Ich jedenfalls nicht. Halbe Punktzahl.

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      • 6

        ... hin- & hergerissen ...

        • ?

          Aus dem problematischen Leben einer ElsaWaltz:

          Verdammtes arte. Seit ihr gestern den Film gezeigt habt (was ich aber leider nicht wahrnehmen konne) geht er mir einfach nicht mehr aus dem Kopf. Ich habe fast Entzugserscheinungen :D
          Ich muss diesen Film nochmal sehen!! Und zwar bald!!

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          • 4

            Lynch mal wieder - lyncht mich (ha ha ha) aber ich kann dem Film - wie eigentlich den meisten Filmen des Regisseurs - nichts abgewinnen.
            Die Story ist verworren und offenbar nach einer Runde Klebstoff schnüffeln geschrieben worden, die Dialoge wirken gestelzt und das Schauspiel oft überzogen und wenig authentisch. Es mag sein, dass wir in den Augen der meisten User einen Meilenstein der Filmgeschichte vor uns haben - mich hat er verwirrt, gelangweilt bzw. ermüdet. Und wenn ein Film das schafft, dann kann er nunmal keine Bestnoten erhalten. Nennt mich Banause aber auch solche Geschmäcker muss es geben.
            Fazit: Nicht mein Fall!

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            • 7 .5

              Gestern das Finale der zweiten Staffel TWIN PEAKS, heute der Film und nun LOST HIGHWAY.
              ...
              Na super, da werd ich heute Nacht von roten Vorhängen träumen...

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              • 10
                Amarawish 14.05.2017, 15:26 Geändert 15.05.2017, 20:38

                Im Schein des blauroten Lichtes ist es ein mit Regentropfen geschmücktes Spinnennetz, welches seine schaurig schöne, aber auch bedrohliche Seite zeigt und uns kaum einen mysteriöseren, vielleicht sogar metaphorischeren Einstieg mit ihrer extravaganten Anmut gewähren hätte können. Willkommen in der Straße der Finsternis.
                
…

                Wenn du die Realität nicht mehr ertragen kannst, weil sie dich nur noch quält, dir jeden erdenklichen Frohsinn raubt und den Boden unter den Füßen wegzieht, dann bleibt dir nur die Flucht. Die nur spärlich beleuchtete Straße führt in die Surrealität, in den Traum, wo deine Wünsche und Begehren nach deinem Ermessen ihre Erfüllung finden.

                Und auch wenn in Träumen vieles leichter erreicht werden kann, so begegnen dir darin ebenso, vielleicht unerwartet, deine Ängste, unterdrückten Gefühle und unverarbeitete Ereignisse aus deinem Leben, ob vergangen oder gegenwärtig. Zuvor konnten sie vielleicht keine Aufmerksamkeit von dir erhalten, aber dafür sind sie nun umso bedrohlicher in ihrer Erscheinung. Verschlüsselt serviert sie dir dein Unterbewusstsein auf einem Silbertablett, wo sich dein Selbst nur unklar spiegelt, dir melodisch neckisch ins Gesicht lacht und dich auffordert den Schlüssel zum Schloss zu finden. 


                Und, weißt du was ich meine, wo ich mich gerade wegen dir befinde?

                Ich liege inmitten von Scherben, von meinen Gedanken erschlagen am Boden, drohe ganz in ihm zu versinken, im Treibsand meiner unerwiderten Gefühle für dich.
                


                Selbst, wenn ich wollte könnte ich nicht nein zu dir sagen.
 Du brauchst nur deine Lippen zu bewegen und selbst, wenn mich deine Worte noch nicht erreicht haben, bin ich dir abermals verfallen. Ich folge dir, wohin du willst.

                Was treibst du bloß für ein Spiel mit mir?
                
Ich ertrage den Anblick deiner Glückseligkeit nicht.
 

                Nicht mit ihm, oder mit jemand anders.


                Rette mein Herz, meinen Verstand, rette mich aus diesem bodenlosen Abgrund. 
Ich ertrage diese erschlagenden Gedanken nicht mehr.

                Wenn der Vorhang fällt, dann schweigen sie, du und ich für immer. 
 

                Welch ein befreiender, letzter Gedanke.


                Silencio.
                
…

                Den Namen David Lynch habe ich zu allererst von einem meiner damaligen Typografie/Grafik-Lehrer mit einem großen Hang zur Psychoanalyse als einen mehr als sehenswerten Aspekt der Filmwelt empfohlen bekommen. Zu dieser Zeit habe ich nicht recht verstanden, was seine Filme mit letzterer Materie zu tun haben sollten und so geriet sein Name zwar nicht gänzlich in Vergessenheit, aber in den Hintergrund. Die Zeit war für mich wohl noch nicht reif gewesen. Nun gut, mit 16/17 hat man anderes im Kopf, nicht?



                Die Zeit verging und nun ist dieser Lehrer, der mich nachhaltig geprägt und sichtlich auch seine besonderen Eigenarten hatte bereits verstorben. Er trug nur schwarze Anzüge, die aufgrund seiner Unfähigkeit diese abzulegen meist mit Kreidestaub übersät waren, wenn er leidenschaftlich versuchte uns über dies und jenes aufzuklären. Später erfuhr ich, dass er im himmelblauen Anzug nochmals geheiratet hatte, - welch überraschende Farbentdeckung!

 Er verabscheute das Wort „interessant“ und liebte es seine Reden und Lehrvorträge mit der Fragestellung „Und, schlüssig?“ zu beenden. Es kam nicht selten vor, dass wir verdutzt in seine Richtung blickten.

                Als Grafiker legte er uns immer nahe, dass man seinen Job hassen müsste, um gut zu sein. Niemand wusste je genau, was er bei einer Aufgabenstellung wollte. Und doch gab es diese seltenen Fenster der kreativen Welle in einem jeden von uns, wo man doch unerwartet das Ergebnis brachte, was erwünscht war. Fast wie von Zauberhand.



                Es waren nur die Anfänge, die ich aus dieser Zeit von der Psychoanalyse erfuhr und jetzt ist es vielleicht nicht unerheblich, dass ich damals genau diesen Lehrer haben durfte. Umso interessanter ist es nun (ja, ich benutze dieses Wort bewusst), dass ich den Weg zu David Lynch zurück gefunden habe, wenn auch nicht ganz ohne andere Einflüsse. Aber wann ist es je anders?

                
...

                David Lynchs Filme, sind wie auch MULHOLLAND DRIVE, etwas Besonderes, denn sie folgen keinen bekannten Konventionen, sind immer intelligent inszeniert und ein geistlicher Erguss aus u.a. prägenden Eindrücken und Erlebnissen Lynchs. Ich nenne sie bewusst „Traumkino“, denn wenn man eines mit Sicherheit sagen kann, dann das, dass Lynch es meisterhaft schafft uns zwischen Traum und Realität in die Irre zu führen. In dieser räumlichen, bodenlosen Fusion sind wir eine ganze Weile auf uns selbst gestellt und es ist an uns auch ohne seine Hilfe wieder einen Weg nach draußen finden.
                


                Gut, dass Lynch kaum etwas über die Entstehung seiner Geschichten und die genauen Hintergründe preis gibt. Vieles bleibt im Unklaren und so wird auch vermieden den Inhalten voreingenommen zu folgen. Man muss sich selbst darin entdecken und seine eigene Bedeutung finden. Weg vom Verstand, hin zur Abstraktion des Traumes und den Tücken des menschlichen Traumas.

                Es ist noch eine relativ frische Faszination, die sich sich ihren Weg bahnt und die sicherlich mit dieser glaublichen Mischung aus Mystery-Thriller und Hollywood-Satire noch gewachsen ist.

                Danke für dieses Meisterwerk, Herr Lynch.

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                • 10

                  einfach ein meilenstein

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                  • 10
                    diana.schmidt 27.04.2017, 00:54 Geändert 27.04.2017, 00:59

                    Wahrscheinlich mein Lieblingsfilm. Als ich ihn zum ersten mal sah, war ich einfach nur begeistert (ähnlich wie bei Shutter Island). Natürlich kannte ich schon Hitchcock und Brian de Palma, sowie auch ältere Lynch Filme, aber Mulholland Drive ist eindeutig sein bester! Schade, dass man die Art der Filme kennen sollte, damit man ihn gleich versteht und nicht dumm vor der Glotze sitzt und nur den Kopf schüttelt (so erging es meinen Eltern:)). Aber eigentlich setzt Lynch seinen Stil konsequent durch, wodurch der Film dem Kenner sofort klar wird und eigentlich recht einfach zu lesen ist. Wenn man also Lost Highway oder Twin Peaks gesehen hat, ist Mulholland Drive einfach eine Fortsetzung und Höhepunkt Lynch's Vision seiner Regiearbeit (Bilder als Gefühlsabbild und Schauspielerwechsel als unaufhaltsame Charakterveränderung, wonach es keine Rückkehr gibt). Lustig fand ich meine Mom und Dad, als sie bei der Szene zum Schluß - das alte Paar kommt aus der Mülltüte - sich nur ekelten und sagten, was das für ein Käse ist:) Natürlich haben sie gar nicht verstanden, dass diese Szene nur ein filmisches Abbild der Gefühlswelt der Hauptdarstellerin ist - als sie sozusagen ihre eigenen Hassgefühle (Tüte im Dreck) erkennt und sich daraufhin erschießt. Das Gegenteil sieht man am Anfang des Films, als sie in die große Stadt kommt und begeisternd von dem Paar empfangen wird. Auch diese Szene ist natürlich nur ein Abbild ihrer Selbst - sie ist glücklich und freut sich auf die Zukunft und Chancen.
                    Fazit: Hammer!

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                    • 9
                      TommyBarin 25.03.2017, 01:57 Geändert 26.03.2017, 05:24

                      'Mulholland Drive' von David Lynch ist ein Film, dessen metaphorische Bildsprache, die eigentliche Handlung, im Bezug auf die Essenz des Films, übertrifft. Denn dem Zuseher wird es in keiner Minute des Films vergönnt, unaufmerksam zu sein oder gedanklich abzuschweifen, ohne die Bedeutung eines jeden flüchtigen Moments zu verlieren.
                      Eine Frau soll in einer Limousine auf dem Mulholland Drive ermordet werden. Der Anschlag scheitert und die Frau schafft es, körperlich gesund, aber verwirrt, den Wagen zu verlassen und streift durch die Hügel Hollywoods, bis sie sich im Garten einer Wohnsiedlung niederlegt.
                      David Lynch gelingt mit Mulholland Drive ein alptraumhafter, surrealistischer Abstieg in die menschliche Psyche. Mittels verschwommener Aufnahmen, die stets wie der Beginn eines Traumes anmuten, wird dies umso intensiver verdeutlicht. Das dies als Stilmittel genutzt wird, um die Filmmetropole als illusionäres mitleidloses Puppentheater zu entlarven, ist jedenfalls wesentlich gewisser, als die eigentliche Handlung selbst. Hier wird dem Zuseher ein, durch zwei hervorragende Schauspielerinnen vorgetragendes, romantisches und zugleich schauderhaftes, Meisterwerk präsentiert. Dieses ist jedoch dadurch noch wesentlich mehr von Bitterkeit geprägt, da einem in den letzten Minuten des Films gewahr wird, wie die Stadt der Engel, der Liebe, die Luft zum Atmen genommen hat.
                      Fazit: Das Grauen, ist die Abwesenheit menschlichen Mitgefühls. Das verdeutlicht Lynch mit jeder Sekunde des Films.

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                      • 8 .5

                        < It's all an illusion. >

                        MULHOLLAND DRIVE ist einer dieser ganz unbehaglichen Filme. So merkwürdig, so beklemmend. Und doch so betörend wie der Gesang der Sirenen. Die Wahrheit, die tiefe Einsicht in Lynchs Tour de Force ist die Unwissenheit des Zuschauers.
                        Der 'Mulholland Dr.' führt ganz tief in die Psyche, windungsreich und zwielichtig. Was ist Traum? Was ist Wirklichkeit? Es geht tiefer und tiefer in die leuchtende Metropole L.A. , ein klares Ziel ist nicht in Sicht. Die Traumfabrik Hollywood wird überschattet mit schrecklichen Visionen, Korruption und Betrug. It's all an illusion. SILENCIO.

                        https://youtu.be/sCNo8SeaFt0

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                          Ollum666 04.03.2017, 13:06 Geändert 04.03.2017, 13:10

                          Ich spoiler jetzt den ganzen Film, deshalb nur lesen, wenn schon gesehen. Das mag einfältig klingen, mir egal. Es gibt aber doch sehr viele Aussagen über das undefinierbare Mulholland Drive´s, dass es schon erschreckend ist. Deshalb mach ich mal den Angeber.

                          SPOILER SPOILER SPOILER

                          Wenn man den Film in verschiedenen "Lebensabschnitten" (Lol) immer mal wieder guckt, wird einiges klarer. Genaugenommen ist doch eigentlich wirklich seltsam, warum Menschen immer wieder behaupten, Mulholland Drive wäre ein Rätsel, das nicht aufdröselbar ist. Man kann den Film entweder mit Notizen (Lol) bzgl. der Charaktere aufzeichnen. Wie steht wer zu wem? Oder man nimmt einfach die Story und versucht immer wieder zu verstehen. So bleibt natürlich am Ende hier und da ein kleines Rätsel zu den Personen, aber genau das soll der Film. Den Zuschauer mitfühlen lassen, wie eine Amnesie wirkt. Das schafft Mulholland Drive hervorragend. Was sollte es besser schaffen, sich zu vergessen, wenn nicht ein gerade ankommender Neuling, Hollywoods? Naomi Watts in den ersten beiden Dritteln des Films zu sehen, übertrieben neugierig, euphorisch, gierig. Sie ist motiviert, hat Power, will Schauspielerin werden. Durch die Beziehung ihrer Tante, bei der sie wohnen darf, während sie sich in L.A. als Schauspielerin vorstellen will. Es fällt kaum auf, dass sie sich gar nicht richtig um ihr Vorhaben kümmert. Auch, wo sie zum ersten Mal auf einen Regisseur trifft, nimmt sie ihre Chance nicht wahr. Jedoch tut dies eine andere bald. Und dann sieht man, wie Naomi Watts in ihr wahres Ich hineinfällt. Panik, Ekel vor dem normalen Dasein, dem Alter. Sie sieht, wie sich eine andere vor ihren Augen wegschnappt, was sie sich wünscht. Und dann bricht ihre ganze Hauptrolle, nämlich ihr positives Wesen in sich zusammen und übrig bleibt, wovor sie alle Angst haben. Zu scheitern. Und was ist das schlimmste, was einem Möchtegernaufsteiger in Hollywood passieren kann? Man verendet genauso öde wie der Penner an der Ecke, wie das grauslige, langweilige alte Ehepaar, nur allein. Diese Schatulle war die Erinnerung der braunhaarigen (ich lass mal die Namen weg, zu kompliziert), das, worum Naomi die ganze Zeit kämpfte und sich selbst aus den Augen verlor, ihre Ziele zumindest. Sie machte ihre braunhaarige zu sich selbst, doch als diese in die Schatulle sah, fiel ihr alles wieder ein.Ist Euch aufgefallen, dass die braunhaarige nicht einmal auch nur einen Charakterzug zeigte? Nicht einmal innerhalb ihrer Amnesie. Es gibt Situationen, die ich überaus lustig fand. Da hatte sie ihr Bewustsein wieder und saß mit dem Regisseur an einem Tisch. Da blubbert sie etwas italienisches. Aber wie? Die braunhaarige war einfach eine arrogante Schönheit mit Realitätsverlust, wie alle warscheinlich es dort erleben. In der Schönheitsfabrik.
                          Ich halte Mulholland Drive für ein geniales Abkotzen und Abrechnen mit Hollywood. Selbstmord Hollywood.
                          Im Grunde offensichtlich, man muß es nur sehen wollen, das, was in der leeren Schatulle zu finden sein wird. Die Wahrheit.
                          Und wenn Du diese Wahrheit nicht einfach annimmst, räumt es dir das Konto ratzekahl leer. Ob es das Finanz-Konto ist, oder die Chance, die Du dir selbst gibst. Bester Film von Lynch.

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                          • 8 .5
                            cobaltstring 03.03.2017, 15:55 Geändert 04.03.2017, 11:27

                            So, ich hab mir den mal eben bei Amazon ausgeliehen und werde ihn wohl heute Abend schauen. Wird mein erster Lynch, aber ich freue mich extrem drauf, obwohl ich nur erahnen kann, was mich da erwartet. Der Trailer ist vielversprechend und aus den Kommentaren und dem, was über Lynch (bzw. diesen Streifen) gesagt wird, entnehme ich, dass das hier ne ganz besondere Filmerfahrung wird.

                            EDIT:
                            Habe den Film dann jetzt gesehen. Das war... wow. die ersten 90 Minuten lassen sich noch irgendwie greifen und irgendwie verstehen. Aber dann wirds immer abstrakter und verwirrender, befremdlicher und... wow. Und gegen Ende dachte ich dann, dass ich erleuchtet bin und wieder nen Sinn sehe und die Bedeutung des Ganzen ertasten kann, aber plötzlich dann doch nicht mehr.
                            Aber Wahnsinn, was Lynch da fabriziert hat. Allein dieser unterschwellige, wirklich subtile Horror. Irgendwie ist da diese beklemmende Atmosphäre und man erwartet die ganze zeit, dass irgendetwas Schlimmes passiert und dich aus der Bahn wirft.
                            Das einzige, was ich sicher (glaube ich) aufgreifen konnte: Alles ist eine Illusion. Und Hollywood ist düster, die Menschen dort ebenso.
                            Den Streifen muss ich mir irgendwann nochmal ansehen, und dann nochmal. Aber jetzt muss ich das erst einmal auf mich wirken lassen. Und ein schlauer Mann sagte mal, dass es reicht, solche Dinge zu erahnen, dass sie gar nicht verstanden werden müssten. Trifft hier wohl perfekt zu.
                            Naomi Watts ist übrigens eine Wucht. Großartig, immer wieder. Laura Harring hat aber auch einiges drauf. Das ist gerade das einzige, was ich mit absoluter Sicherheit sagen kann.
                            Und, dass ich mir auch andere Filme von David Lynch anschauen muss. "Mulholland Drive" empfehle ich jedenfalls sofort weiter. Ist sicher nichts für Jeden, aber eine ganz besondere Filmerfahrung, die Kopf und Geist (über)anstrengt. Muss man wirklich sacken und auf sich wirken lassen.

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                              AndrewLaeddis 26.02.2017, 20:10 Geändert 27.02.2017, 02:06

                              Ich würde sagen die Kernaussage vom Film ist mit ein bisschen Nachdenken ersichtlich. Aber warum muss der Film alle Fragen beantworten? Ich finde beispielsweise Filme mit offenem Ende immer interessanter als Filme in denen alles breit erklärt wird. Wo bleibt da der Reiz?

                              Natürlich ist Mulholland Drive ein Extrem. Es lässt sich diskutieren ob er noch ein Film ist, was einen Film ausmacht. Für mich kommt es darauf an was man sich von diesen Filmen erwartet. Erwartet man einen schlüssigen Unterhaltungsfilm ist man bei Lynch fehl am Platz. Erwartet man ein Kunstwerk, ist bereit nicht alles zu verstehen und setzt auf eigene fantasievolle Interpretationen wird man diesen Film lieben.

                              Ich finde auch die Versuche in diversen Foren den Film zu erklären ziemlich unspannend und werde mich daran nie beteiligen. Ich will meine eigenen Eindrücke die mir an dem Film gefallen für mich haben. Ist doch wie bei der bildenden Kunst. Jeder sieht etwas anderes, warum sollte man sich dann von jemand anderen seine Eindrücke zerstören lassen. Der Mensch wird davon getrieben immer alles erklären zu können. Lasst es doch bleiben. In unsere Welt gibt es viele Dinge die sich nicht erklären lassen. Genauso ist es mit der Kunst. Versucht euch lieber an der Stringtheorie oder Ähnlichem ;-)

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                                Kann sein, dass eine Zweitsichtung einiges erhellendes zu Tage fördert, bin mir aber sicher, dass es niemals auf alle Fragen eine Antwort geben kann. Für mich ist Lynch hier übers Ziel hinaus geschossen oder ich hatte einen schlechten Tag.

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                                  Linch ist einfach ein Genie. Mit jeder weiteren Sichtung verändert sich die Anschauungsweise auf die Handlung und die Figuren nochmals anders und rückt damit den gesamten Plot wieder in ein anderes Licht. Genialer Film.

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                                    Was war das??? Ich find ihn einfach nur schlecht und langweilig. Glaub man findet den Film einfach Weltklasse oder so wie ich Müll.

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                                      kurz gesagt, ....der Film ist nach meinem Empfinden echter Müll, weggeworfene Zeit. Du kannst alles andere tun, es wird sinnvoller sein, als diesen Scheiß anzusehen. Zu Anfang dachte ich noch, hmm, das könnte was werden, aber leider wurde ich sehr enttäuscht.

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                                        BossMarco 05.01.2017, 00:23 Geändert 05.01.2017, 13:08

                                        David Lynch ist der grösste Hollywood Mind Fucker,der Film regte mich dazumal auf ..Was? Was soll das? Wo ist der Film überhaupt? Habe ich ein Film überhaupt geschaut?: Ganz klares ja .. der Film muss Minimum drei bis viermal gesichtet werden das, dass Publikum einen Einblick in den Film bekommt.

                                        In den meisten Filme die kompliziert sind sage ich immer, " denkt nicht so weit" aber bei diesem Film muss man weit und zwar sehr weit überlegen, dan hat man Anhaltspunkte aber ganz sicher ist man nicht. Ich auf jedenfall nicht.

                                        Der Film ist sehr spannend aber auch genau so verrückt. Der geht ein an die Nerven sogar schlaflose Nächte musste ich in Kauf nehmen. Ich will bei jeden Film wissen um was er geht aber eben ich musste schon ein welchen überlegen. Beim zweitenmal sass ich vor dem Fernseher mit Schreibmaterial und Block, klingt schräg aber ich wollte den Film einfach knacken. Ich will aber nichts über den Film verraten für die, die den Film noch nicht gesehen hatten. Und Spoiler mache ich ungern, ich möchte mein Text für alle schreiben, nicht das einer nicht kann fertig lesen wäre schade.

                                        Der Film hat seine Längen das muss ich zugeben
                                        Und er ist sehr langsam erzählt aber so muss es sein sorgt dafür das der Film eine außergewöhnliche Atmosphäre bekommt.
                                        Für mich ist der Film ein kleines Meisterwerk wie fast alle Filme von David Lynch.
                                        Ich bin ein großer Fan von Lynch, die Art und weisse wie er Filme macht gefällt mir sehr, weit weg vom Mainstream. Für ein Publikum die nicht so leicht zufrieden stellend sind.Die gewisse Anforderungen an einem Film haben, gut ich schaue mir auch nicht jeden Tag solche Filme an, aber sind schon was besonderes.

                                        Naomi Watts, spielt ihre Rolle sehr gut. Für mich
                                        war sie noch nie so gut wie bei diesem Film,mit Abstand ihre beste Leistung in ihrer Karriere bisher.
                                        Ihr Charakter hat sehr Tiefgang aber auch verwirrend dargestellt mit verschiedene Charakterzüge.Eine Oscarreife Performance in diesem Film von ihr....Ganz klar.

                                        Den Film muss man gesehen haben.
                                        Eine Hollywood Geschichte die schwer verdaulich ist aber trotzdem sehr packend ist.
                                        Ein Film an den man noch lange denken wird wen man in geschaut hat. Und natürlich viele ???? hat.

                                        viel Vergnügen beim Film.

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                                          Sunlight 04.12.2016, 12:52 Geändert 04.12.2016, 18:03

                                          Auf Wikipedia beschäftigt sich eine hochqualifizierte Diskussionsgruppe seit langer Zeit mit der richtigen Interpretation. Aber auch dort erkennt man nicht die eigentliche Aussage. Tatsächlich beschreibt David Lynch mit diesem Film sein Gesamtwerk, Hollywood, die Kunst, die Kunstkenner und den Zeitgeist. Leider fehlt in seinen Hinweisen zum Filmverständnis ein außerordentlich wichtiger Anhaltspunkt, nämlich der auf das Kennzeichen des grünen Autos!

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                                            Popcorn_Pfoetchen 03.12.2016, 03:24 Geändert 03.12.2016, 03:27

                                            Wirr, wirrer, Mulholland Drive

                                            Die ersten 2/3 des Films verlaufen einwenig verstrickt, man hat jedoch das Gefühl, dass alles am Ende einen Sinn ergeben wird. Pustekuchen!!! Im letzten Drittel beginnt dann der wahre "Mindfuck"! Denn alles entwickelt sich anderes als man es erwartet hat. Das komplett selbst aufgebaute Konstrukt bricht plötzlich zusammen und man fängt von neuem an alle Puzzelteilchen mühsam zusammenzusetzten. So war es zumindest bei mir. Zum Ende hin, hat man dann ein halb fertiges Bild vor Augen. Ich persönlich habe mir die fehlenden Puzzelteilchen dann zusammen-gegoogelt. Dabei hilfreich sind die von Lynch gegebenen (Interpretations-)Hinweise. Ein klare Erklärung gibt es nicht! Mit anderen Worten: Die Auslegung wird dem Zuschauer überlassen.

                                            Sehr fordernd mit ganz viel: "???" :)

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                                              Rocket Man 27.10.2016, 18:39 Geändert 31.10.2016, 09:30

                                              Heute ist Donnerstag. Da hab ich Berufsschule und danach immer genug Zeit einen guten Film zu schauen und mich zu belohnen. Mein Kino-Donnerstag, wie ich ihn gerne nenne. Heute war 'Mulholland Drive' dran. Ich werde mich mit meinem Kommentar heute sehr zurückhalten, weil der Film so viele Menschen erreicht und fasziniert hat.

                                              Naomi Watts ist über jeden Zweifel erhaben. Das war sie schon immer.
                                              Die letzten 30-40 Minuten sind in ihrer Konsequenz und ihren Wendungen gewohnt meisterhaft von Lynch inszeniert.
                                              Der Rest, so empfinde ich es, taumelt etwas umher, wirkt zuweilen zwar ruhig und erweckt Interesse, bringt in den ersten 80 Minuten aber nicht die gewohnte Spannung eines Lynch's auf. Ich hab mich schon während des Films selbst über mich aufgeregt, weil im Film viele Elemente vorzufinden sind, die ich sehr schätze.
                                              Die Gewohnte Extravaganz des David Lynch zum Beispiel. Seine Handschrift ist klar zu erkennen. Trotzdem komme ich nicht über den Eindruck hinweg, dass sehr viel nicht wichtig und nötig gewesen wäre und etwas Tempo dem Film ebenfalls sehr gut gestanden hätte. Der fade Beigeschmack, der Film hätte 100 Minuten dauern können, mit etwas Tempo und weniger Ruhe, lässt mich nicht los. Die ruhige Kamera überzeugt an vielen Stellen, der Farbenreichtum ist auffällig und die Schauspieler top. Über Naomi Watts kommt eh keiner hinaus. Sie ist einfach nur grandios. Und die Story wird ab Minute 90-100 langsam facettenreich. Die Story, die sich am End erschließt ist genial. Alles in allem ein spezieller Film, wie ich es eigentlich mag, aber trotzdem kein Film, den ich mir ein weiteres Mal anschauen werde. Ich bin über mich selbst verblüfft, dass das mal von mir kommt. Leider erreichen uns nicht immer alle Filme. Dabei war ich so angeheizt von all den Kritiken hier.
                                              Ich danke trotzdem jedem, der in dem Film mehr sieht, für seine Worte. Ich hab hier die Kommentare verschlungen und war begeistert !

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                                                Mekridi 19.10.2016, 12:13 Geändert 22.10.2016, 11:56

                                                https://www.youtube.com/watch?v=pJlm_ON1_Mo

                                                Gestern nahm ich nach sehr langer Zeit mal wieder ein Bad à la Menti. Das liebte ich schon als Kind. Ich kippte eine halbe Flasche Vanilleschaum in die Badewanne und füllte diese mit heißem Wasser auf. Voller Vorfreude riss ich mir die Kleider vom Leib. Reinlegen, eintauchen, untertauchen. Das warme Wasser schmiegt sich an mich wie ein schwerer, flauschigweicher Bademantel an eiskalten, grauen Winterabenden. Der dichte Wolkenteppich aus Schaum über mir versperrt mir den Blick auf alle störenden Außeneinflüsse. Ich schloss dennoch meine Augen um noch tiefer abzutauchen. Ich war ganz für mich und schaltete mental runter. Komplett. Geräusche drangen nur noch sehr gedämpft zu mir durch, ich hatte das Gefühl ich wäre auf dem Mond. Großartig. Wie lange hatte ich das schon nicht mehr getan. Eine geschlagene Dreiviertelstunde schwebte ich so unter Wasser vor mich hin, Puls auf 15 Schläge die Minute heruntergedrosselt, Entspannung pur.

                                                Doch recht früh hatte ich dieses Mal ein eigenartiges beklemmendes Gefühl. Ich konnte es nicht näher definieren, ich wußte nur irgendetwas war diesmal anders. Ich zählte meine Pulsschläge, es waren bereits deutlich mehr als 15 die Minute. Eine unsichtbare Schnur um meinen Hals schien sich enger und enger zu ziehen, mich beinahe zu lynchen. Und dieses Gefühl wurde stetig intensiver. Das Beklemmungsgefühl hatte mich so fest in seinen Klauen, dass es schmerzte. Ich schaute mich um. Doch alles war ruhig, nichts schien anders als vorher. Bis ich bemerkte, dass sich der Schaum über mir langsam aber unaufhörlich grau färbte und schließlich in ein sattes, beängstigendes Schwarz überging und mich aufzusaugen drohte. Jetzt kroch die Panik in mir hoch, mein Puls begann durchzudrehen. Erste Wellen waberten über mir von links nach rechts. Ich wollte mich bewegen, auftauchen, doch es klappte nicht. Ich war gefangen.

                                                Während meine Panik sich unaufhörlich steigerte, schlugen die Wellen höher und höher. Die Wolken über mir wurden schwärzer und schwärzer. Aber noch immer konnte ich nicht auftauchen. Die Schaumwand schien zu Stein geworden zu sein. Mit aller Kraft versuchte ich mich zu konzentrieren und nach dem Stöpsel der Badewanne zu greifen, ich musste sofort das Wasser ablassen. Doch da war kein Stöpsel mehr. Ich hatte keine Zeit lange darüber nachzudenken, denn der Sturm in der Badewanne hatte sich inzwischen zu einem tosenden Orkan gesteigert. Bäume flogen mir um die Ohren, Autos krachten zusammen, riesige blaue Kisten und undefinierbare Dinge füllten die Wanne. Von irgendwoher hörte ich hysterisches Gelächter, kleine Menschen schwammen plötzlich neben mir herum. Während ich überschnappte, tobte und stürmte es, sowas hatte ich noch nie erlebt. Schon gar nicht im Bad. Doch jeder Versuch aus diesem Irrsinn zu entkommen scheiterte. Es toste und dröhnte, die Wellen inzwischen haushoch. Meine Sinne krempelten sich von links auf rechts, mein Hirn verknotete sich, mein Puls raste wie verrückt und würde wohl bald meinen Körper zerreissen. Immer mehr seltsam blaue Gegenstände flogen in die Wanne, Äste von Bäumen zerkratzten mir meinen ganzen Körper, ein Föhn knallte mir mit voller Wucht an den Kopf. Ich zuckte und strampelte wie wild herum, Speichel rann mir aus meinen weit aufgerissenen Augen. Ich trat panisch um mich, schaffte es schließlich unter unmenschlichen Anstrengungen meinen Mund zu öffnen und schrie so laut ich konnte:

                                                SILENCIO!

                                                Schweißgebadet kam ich zu mir. Mein Puls normalisierte sich. Ich schaute mich um. Ich war gar nicht in der Wanne. Ich lag auf dem Bett. Ich schaute einen Film.

                                                Mulholland Drive

                                                11 von 10/ ♥

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                                                  (VincentVega) 19.10.2016, 02:24 Geändert 19.10.2016, 03:13

                                                  Wer bin ich?
                                                  Wo bin ich?
                                                  Warum bin ich?
                                                  Was für ein Abgrund, den ich nicht verstehe.
                                                  Wunderschön und grässlich.
                                                  Ich weine, ich schaudere, ich weiß gar nichts.
                                                  David, was tust du mir an?
                                                  Wie soll ich denn jetzt noch ruhig schlafen?

                                                  "Silencio"

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                                                    Laut einer BBC-Umfrage ist es MULHOLLAND DRIVE. Der bisher beste Film dieses 16 Jahre jungen Jahrhunderts. Gestern wollte ich meiner Erinnerung auf den Zahn fühlen und kann am Tag darauf mit neuer Gewissheit sagen: Zwar sollte Kunst eigentlich kein Wettbewerb sein, aber der Mensch erstellt nun einmal gerne Listen und die Wahl geht in Ordnung.

                                                    [Spoiler]

                                                    Kino, Ort der Verführung. Über mehr als zwei Drittel der Laufzeit tischt David Lynch uns eine zutiefst anrührende Romanze zweier Frauen auf, die gemeinsam einem Geheimnis auf die Spur kommen möchten. Die vorsichtige, allerdings umso intensivere Chemie zwischen den beiden zu beschreiben, wäre ein heilloses Unterfangen. Mich brachte vor dem Bildschirm schon so manches zum Weinen, aber noch keine Sexszene. Es ist ein bisschen so, als würden Sterne vom Himmel fallen. Danke, MD.
                                                    Dann jedoch stürzt ein ganzes Schauder-Paradies in wenigen Minuten ein. Denn das düsterschöne Wunder entpuppt sich als entweder reines Märchen oder – der Zuschauer mag selbst entscheiden - lediglich Teil der Wahrheit, und somit gleichsam als Lüge. Die Krux dabei: Man kann dem Film also kaum zu Füßen liegen ohne auch besagte Lüge mit Genuss zu schlucken. Ja, vielleicht bettelt man sogar um mehr davon. Selbstverständlich hat der Regisseur dies bereits verhandelt - Rebekah Del Rio singt "Llorando" nur Playback, das anwesende Publikum wird darüber vorab informiert. Spätestens, als die Sängerin mitten auf der Bühne zusammenbricht, die Musik hingegen weiterläuft, lässt es sich gar nicht mehr leugnen. Trotzdem herrscht Ergriffenheit im Saal, vor allem bei Betty und Rita. Nicht zu vergessen der Cowboy, der einer Toten befiehlt, wieder aufzustehen. Verführung ist Betrug, den man genießt – und Tränen sind echt.

                                                    Imposant, wie hier außerdem das Schicksalhafte erfahrbar gemacht wird. Schließlich erfolgt mit der späten Wendung ein buchstäblicher Rollentausch. Zuerst erleidet die Brünette einen Autounfall und verliert ihr Gedächtnis, der 2. Teil des Films zeigt sie sodann als Filmstar. Die blonde Frau hingegen absolviert eingangs ein (mutmaßlich) erfolgreiches Vorsprechen, bevor sie am Ende an Demütigungen und Liebesentzug zugrunde geht. Das eine scheint bei wertender Betrachtung nicht weniger plausibel als das andere, man hört praktisch einen Schmetterling die Flügel spannen. Auch, wenn MULHOLLAND DRIVE insbesondere das scheinheilige Hollywood zur Rechenschaft zieht (gewissermaßen ist dort letztlich jeder ein tragischer Verlierer), reichen die Gedanken weit darüber hinaus direkt in unsere Wohnzimmer. Was, wenn Betty am Set eben nicht vor Adam die Flucht ergriffen hätte?

                                                    Der Film macht mit mir, was er will. Quälend langsam fährt die Kamera durch den Hinterhof des Winkie's. Obwohl man die ominöse Gestalt bereits kennen lernen durfte, kaut man schon wieder nervös Fingernägel (die vermutlich einzige Bewegung, die man in dem Moment zustande bringt). Dieses Mal pausierte ich übrigens todesmutig die Aufnahme und stellte fest, dass dieses "Monster" ziemlich traurig-friedvolle Augen hat und vielleicht bloß deshalb so viel Schrecken verbreitet, weil es erstens eben sehr schmutzig ist und zweitens niemand wagt, näher hinzuschauen. Am Schluss gehört ihm jedenfalls die blaue Box und irgendetwas sagt mir, dass hier David Lynch, der Humanist, am Steuer sitzt.

                                                    Was ist real, was ist möglich? Die Fahrt auf der Straße der Finsternis schüttelt mich gewaltig durcheinander, aber vielleicht liegt genau darin eine Aufgabe des Kinos: Die Abgründe benennen und erst durch deren Akzeptanz Unverstelltes, Grenzenloses, Menschliches schaffen. Mich Dinge verstehen lassen, die ich nicht verstehe. Danke, MD.

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