Mulholland Drive - Kritik

Mulholland Dr.

FR/US · 2001 · Laufzeit 146 Minuten · FSK 16 · Thriller, Drama, Erotikfilm · Kinostart
  • 9
    TheRambostar007 24.04.2016, 11:49 Geändert 24.04.2016, 12:01

    "Mulholland Drive" ist der vielleicht emotionalste Film von David Lynch, denn er erzählt, ohne zuviel zu spoilern, eine zutiefst tragische Liebesgeschichte, nur eben auf seine weirde, unkonventionelle Art. Er ist in meinen Augen ein Meisterwerk, welches durch seine kompliziert Erzählweise, tiefe Einblicke in seine Figuren gewährt, selbst wenn oder grade weil er zuletzt alles auf den Kopf stellt.
    In diesem gewollten Chaos gehen zwar einige Fragen verloren bzw. bleiben unbeantwortet, aber man sollte sich als Zuschauer selbst die Frage stellen: Braucht man auf alles eine Antwort oder gibt einem die Verweigerung dieser nicht viel mehr zu denken? Im Grunde ist "Mulholland Drive" gar nicht so kompliziert und erzählt von grundsätzlichen Themen wie Liebe, Treue und Eifersucht, welche sich erst gegen Ende wirklich offenbaren. Der letzte Akt ist geradezu Herzzerreißend.
    Lynch verbindet hier brillante Charakterzeichnung mit seiner, wie üblich, überragenden Bildsprache. Sie orientiert sich deutlich am Film Noir und kreiert eine traumhafte und rätselhafte Atmosphäre.
    Trotz seiner ziemlich enormen Laufzeit und einer Erzählweise entgegen jeglicher Konventionen, ist es diesem erzählerischen Puzzle gelungen, mich wirklich an die Figuren zu fesseln und emotional mitzureißen. Abseits dessen könnte man den Film noch als Showbiz-Satire sehen, doch primär ist er an seinen Figuren und ihrem Schicksal interessiert und dabei ist er meisterhaft. Er verlangt dem Zuschauer viel ab, aber es lohnt sich allemal.

    Fazit: Lynchs surreale, kafkaeske Mischung aus Mystery-Thriller und Drama, ein emotionaler Sog in erzählerische Eigenarten, welche aber alle einen Zweck verfolgen und letztlich die Figuren allein als Ziel haben. Grandiose Bildsprache und tolle Schauspieler fügen sich perfekt in Lynchs Wahnsinn ein und ergeben ein absolutes Meisterstück, welches einen eiskalt erwischen und viel zu denken geben wird.

    3
    • 10
      Wasabitapir 12.04.2016, 12:46 Geändert 12.04.2016, 12:49

      Die Schattenseiten der Traumfabrik im Noir, das Schwarz und Weiß zu Grau verwischt. Den Übergang von Schein zu Wirklichkeit und wieder zurück kann man bei David Lynch am besten nachvollziehen, wenn man sich nur auf das einlässt, was einem unmittelbar präsentiert wird. Sicherlich gibt es Analogien - alles ist hier Symbol und wieder nicht, dadurch, dass man es hinterfragt, verliert es seine Bedeutung. Das Verstehen impliziert dabei kein Richtig oder Falsch. Man ist ein Somnabuler, der staunend durch Welten streift, die es gibt - denn sie werden uns hier ja gezeigt. Das Schockierende: Alles ist sogar sehr einleuchtend, aber man will es einfach nicht wahr haben, denn alles ist Fassade, deshalb kann es, wenn man direkt auf den Horror schaut, zerfallen. "Mulholland Drive" zeigt so eindringlich wie kein vergleichbarer, mir in den Sinn kommender Streifen, dass der Schein über das Medium Film weit hinausgeht, sich direkt auf uns überträgt. Nicht nur das, was uns vorgeführt wird, ist Traum und Wirklichkeit zugleich, sondern auch unsere Realität ist so unsicher - aber in ihrer Ambiguität festverankert.
      Ein Film, der einen wachrüttelt, in seiner Deutlichkeit immer auch verschleiert, wie "Prinz Friedrich von Homburg" von Kleist - düster, kafkaesk, scharfsinnig.

      4
      • 10

        Der Film hat eine Top Atmosphäre, eine (in meinen Augen) interessante Symbolik und ich hätte sehr gerne die Serie gesehen.
        Besonders sticht meiner Meinung nach Naomi Watts heraus, die hier einfach nur genial abliefert.

        • 8 .5
          Ray_Pacino 08.04.2016, 23:22 Geändert 08.04.2016, 23:23

          Selten hat mich ein Film so unwissend und verwirrt zurück gelassen. Als ich ihn vor gut drei Jahren das erste Mal gesehen habe war ich einfach nur baff. Alleine die Anfangssequenz mit diesem unglaublich guten Soundtrack hat mich gleich in seinen Bann gezogen. Habe viel über die einzelnen Interpretationen gegoogelt und mich viel über den Film an sich informiert. So etwas muss ein Film meiner Meinung nach schaffen, dass man sich noch lange danach mit ihm beschäftigt. Lynch hat hier etwas einzigartiges geschaffen. Von meiner Seite aus der wohl atmosphärischste Mindfuckstreifen aller Zeiten.

          Ihr solltet beim ersten Mal schauen keine Logik suchen, sondern die Erkenntnis gewinnen das ein Film auch ohne strikten Plan funktionieren und unterhalten kann.

          1
          • 7

            Wenn ich mir einen Film von David Lynch ansehe, dann weiß ich eigentlich, worauf ich mich einlasse.
            Doch "Mulholland Drive" hat mich noch mehr als erwartet verwirrt und gleichermaßen beeindruckt.
            Man muss sagen, dass man der Story und Erzählweise gerade in der ersten Filmhälfte deutlich anmerkt, dass dieser Film ursprünglich als Pilot für eine TV-Serie gedacht war. Es werden so viele Punkte im Verlauf der Handlung angerissen und ebenso viele Fragen gestellt, die am Ende leider offen gelassen werden bzw. unbeantwortet bleiben. Das macht den Film nicht schlecht, lässt den Zuschauer aber eben doch unbefriedigt zurück.

            1
            • 10
              dustyOn3 03.04.2016, 12:34 Geändert 03.04.2016, 12:41

              Ungefähr drei Jahre nach meiner persönlichen Premiere von diesem überaus polarisierenden Film, gab es nun gestern Abend eine zweite Sichtung, allerdings ist für mich dann viel mehr ein richtiges Samstagnacht-Projekt mit reichlich Nachforschung daraus geworden. Meinen ersten Kommentar habe ich gelöscht weil er in seiner Aussage nicht mehr aktuell war.

              "Mulholland Drive" ist für viele Cineasten ein Markenzeichen. Ein Markenzeichen für einen Regisseur und Produzenten, dessen oft unerklärliche Ideen und Kreationen reichlich Raum für die unterschiedlichsten Interpretationen bieten. Und gerade dieses Werk wirkt durch seine unlogische Komplexität und desorganisatorisch wirkende Darstellung so anziehend, aber auch unvergleichlich abstrus.

              Es existiert lediglich eine von David Lynch persönlich herausgegebene "Hilfestellung", die bei der Dechiffrierung des konfusen Ablaufs helfen soll. Allerdings handelt es sich dabei lediglich um zehn obskure Anhaltspunkte:

              - Schenken Sie dem Anfang des Films besondere Aufmerksamkeit: Zwei wichtige Hinweise finden sich bereits vor dem Vorspann.

              - Beobachten Sie, wann und wo rote Lampenschirme eine Rolle spielen.

              - Achten Sie darauf, wie der Titel des Films heißt, für den die Schauspielerinnen bei Adam Kesher vorsprechen. Wird dieser Titel an einer anderen Stelle wiederholt?

              - Ein Unfall ist ein schreckliches Ereignis … Beachten Sie genau den Ort des Unfalls.

              - Wer gibt wem einen Schlüssel – und warum?

              - Achten Sie auf den Bademantel, den Aschenbecher, die Kaffeetasse.

              - Was wird im Club Silencio gefühlt, erkannt und mitgenommen?

              - Half Camilla allein ihr Talent?

              - Beobachten Sie genau die Vorkommnisse im Umfeld des Mannes hinter Winkie’s.

              - Wo ist "Tante Ruth"?

              Und gerade weil kein 100%ig offizieller Grundgedanke als Referenz existiert, sind im Laufe der Jahre diverse Interpretationen entstanden - darunter zwei bis drei wenige, die sich etablieren konnten aber immer noch in Foren debattiert werden. Die wohl häufigste Deutung ist eine Paraphrase, die prononciert, dass David Lynch mit "Mulholland Drive" anhand mehrerer Schichten, in verschiedenen Handlungssträngen die Tagträume einer erfolglosen Schauspielaspirantin aus der Provinz wiedergibt. Als Synonym impliziert der Mulholland Dr. ansich, der sich über die Berge, dann durch die langen Serpentinen, bis in die tieferliegende Metropole von Los Angeles schlängelt, die tiefere Erkundung der Psyche Hollywoods. Peu à peu, bis zu dem dramatischen Ende, erschafft Lynch somit seine eigene Desillusionierung der Traumfabrik, sprich eine täuschende, extreme Erschütterung von Hollywood ansich - der sogenannten Dream-factory.

              Nachdem ich mehrere Interpretationen versucht habe zu ergründen und mir die entsprechenden Szenen immer wieder angeguckt habe, erscheint mir diese Darlegung am passendsten. Für mich persönlich ergibt das so einfach ein schönes Gesamtbild eines unfassbaren Films, den ich vor so langer Zeit zum ersten Mal gesehen habe und nie wirklich einordnen konnte.

              Hier auf Moviepilot sieht man immer wieder 10er Ratings und dazu keinerlei Schilderungen, wie diese Wertung eigentlich zustande kam. Viele dieser Wichtigtuer scheinen wohl der Meinung zu sein, dass eine besonders hohe Wertung für "Mulholland Drive" einen als extrem intelligenten und anspruchsvollen Cineasten wirken lässt. Natürlich haben diese Personen den Film in keiner Weise versucht zu reflektieren, möchten den anderen Moviepiloten aber unbedingt ihre imitierte Auffassungsgabe darlegen, jedoch ihre geheime Patentlösung offenbar niemals posten. Jeder, der sich jetzt angesprochen fühlt oder einfach nur an seinen Kommentar denkt, sollte sich vielleicht noch einmal überlegen, wieso er überhaupt Filme guckt und, dass durchaus extrem unterschiedliche Arten der Filmkunst existieren. Gerade David Lynch ist jemand, der den Zuschauer immer extrem einbindet - als "Statussymbol" eignen sich solche Filme absolut nicht, denn wenn dich jemand dazu befragt, der sich wirklich damit auseinandergesetzt hat, dann stehst du schnell lächerlich da. Wenn man keine Ahnung von Autos hat, sollte man seinem Schwarm auch nicht unbedingt sagen, dass man KFZ-Mechatroniker ist, nur weil ihre Karre nicht mehr anspringt.

              Die Wertung steigt von 7 auf 10 Punkte (Lieblingsfilm) an. Wieso? Falls der Text das noch nicht impliziert hat, hat mich zuvor wohl noch kein Film so in seinen Bann gezogen. Es hat dermaßen viel Spaß gemacht zu versuchen in Lynchs Kopf zu blicken und sich zu wagen, zu erahnen, was er sich wohl bei der oder der Sache gedacht haben könnte. Alles reine Spekulation, aber unfassbar aufregend. Bei meinen Recherchen zu den Hintergründen dieses Meisterwerks war ich viel in einem englischen Lynch-Fanforum und einem englischen Filmforum, welches sich nur mit "Mulholland Drive" beschäftigt, unterwegs. Außerdem habe ich mich durch ein paar kurze deutsche Artikel gelesen und dann meine eigene Interpretation mit den Erfahrungen des zuvor gesehenen Films vermischt.

              Deus ex machina.

              *?*

              8
              • 5
                RoboMaus 19.03.2016, 08:30 Geändert 22.03.2016, 17:38

                Wenn die geneigten Filmkenner in Cannes schon zehn Hinweise von Lynch zum Verständnis von 'Mulholland Drive' bekommen mussten, darf man die eigene Position im Heimkino wohl als hoffnungslos betrachten. Ich würde ihm zutrauen, dass er neun davon frei erfunden hat, nur um den verwirrten Kritikern ein paar Brocken vor die Füsse zu werfen und sich im stillen Kämmerlein einen abzulachen :)

                Sicherlich trat ich hier nicht an, um in einem Lynch-Film den tieferen Sinn zu erkennen - etliche seiner Werke leben für mein Empfinden überwiegend aus den einzelnen Situationen, die von abstossend, bizarr, skurril, über erotisch, interessant bis witzig reichen und nur von einer losen Alibi-Story zusammengehalten werden. So kommt mir das auch bei 'Mulholland Drive' vor.

                Einige der Situationen und Dialoge sind recht interessant, mitunter sogar witzig, und bei Laura Harring könnte ich schwach werden, wenigsten solange sie keine blonde Perücke trägt :) Ihr Verhältnis mit Naomi Watts ist auf jeden Fall interessanter als das von Gyllenhaal & Ledger in 'Brokeback Mountain' (2005).

                Leider ist die Inszenierung recht langatmig, machmal wie in Zeitlupe, so dass das ohnehin schon schwierige Folgen noch schwerer wird. Das soll vielleicht die geheimnisvolle Aura betonen, die etliche der Szenen umgibt - eine davon versinnbildlicht für mein Empfinden das Wesentliche an Lynch-Filmen wie kaum eine andere:
                Harring hat einen mysteriösen dreikantigen Schlüssel und entdeckt den dazugehörigen Würfel. Gaaaanz langsam steckt sie ihn hinein, dreht ihn herum und zieht laaangsam den Deckel hoch, während die Kamera von oben den Inhalt preisgibt - ein dunkles Nichts...... Alles andere wäre doch eine Enttäuschung :)

                15
                • 2

                  Der Film wurde mir gestern empfohlen, ich habe ihn gerade gesehen, und ich bin enttäuscht. Anfangs war er nicht schlecht, aber dann war er nur noch sinnlos und ein Durcheinander. So verwirrend das man gar nicht mehr mitbekommt worum es überhaupt geht.

                  1
                  • 9
                    Mr. Miguwa 05.02.2016, 23:00 Geändert 05.02.2016, 23:09

                    Die Realität: unbedeutend, ernüchternd, seelenlos, eiskalt und inhaltslos wie eine kleine blaue Schachtel. Der Traum: hypnotisierend, wunderschön, magisch; eine Flucht aus eben jener Realitat und die Erschaffung eines perfekten Lebens, in dem alles möglich ist. Der Traum ist eine Verarbeitung, eine Verdrängung all seiner schlimmsten Taten und Erlebnisse. Doch irgendwann hat auch der allerschönste und friedvollste Traum ein Ende und entpuppt sich als reinste Illusion. Man wird zurückgelassen in der Dunkelheit, die einen nach und nach eingeholt hat...

                    Mit "Mulholand Drive" nimmt der Meister und Alleskönner David Lynch die Traumfabrik komplett auseinander. David Lynch präsentiert uns die Stadt der Engel mit all ihrer Reizüberflutung, den aufgesetzten Fratzen und scheinheiligen Freudentänzen und grenzt sich mit seiner Filmperle deutlich von dem guten alten Hollywood ab. Ein Filmstudie wird regiert von einem kleinen Mongo hinter einer Glasscheibe; Schauspieler werden für ein Filmprojekt geradezu willkürlich besetzt; der nicht perfekte Espresso für einen Filmstudio-Boss wird von diesem angewidert ausgespuckt; der Kreativitat eines Regisseurs sind klare Grenzen gesetzt. Diese Missbilligung Hollywoods bekommt der Zuschauer in einem mysteriösen und spannenden Thriller serviert, wie es im Buche steht. Wie kein anderer schafft es David Lynch eine atemberaubende und mystische Atmosphäre aufzubauen, die ihresgleichen sucht. Die Straße der Finsternis, bestückt mit faszinierenden Lichtern und unendlich hohen Palmen, endet in einem hochpolierten Vorhof. Der Zuschauer lässt sich von dieser magischen Atmosphäre und schließlich der spannenden Detektivgeschichte rund um zwei Frauen (großartig gespielt von Laura Harring und Naomi Watts), die versuchen ein Geheimnis zu lüften, berieseln. Am Ende wird der Zuschauer wohl mit mehr als einem Fragezeichen zurückgelassen, sodass man geradezu dazu angehalten wird, sich den Film noch ein weiteres Mal anzusehen. Trotz der wirren Groteske scheint ,"Mulholland Drive" im Gegensatz zu Lynch' "Lost Higway" in seinen Grundzügen jedoch durchsichtig(er) bzw. greifbar(er), sodass man am Ende nicht komplett in der Dunkelheit stehen bleibt.

                    David Lynch kam mit "Mulholland Drive" aus meiner Sicht auf dem vorläufigen Höhepunkt seines Schaffens an. Ein Film, der sein ganzes Potential wohl erst bei wiederholten Sichtungen offenbart und sicherlich nie an Reiz und Magie verlieren wird. Großartig! Meisterhaft! Unbeschreiblich!

                    16
                    • 10
                      Copacabanasun 20.01.2016, 13:58 Geändert 20.01.2016, 13:59

                      "Mullholland Drive", ist ein filmisches Orgasmus-Juwel, der Extraklasse!!!
                      .
                      Guter Zeitpunkt heute, mein Herz, diesem Meisterwerk zu schenken, war schon lange überfällig. (Von 9.5 zu 10 mit ♥ ). Hach ja, manche Dinge schleife ich elendig ewig hinter mir her...
                      ...wünschte mir, ich wäre was dies angeht ordentlicher, und keine Schl...umpfine. :D
                      .
                      Thank you Mr. Lynch for this awesome Picture Movie and Happy Birthday!!!
                      .
                      Eine Runde auf dem Mullholland Drive, und du willst anschliessend, noch ein paar Extrarunden drehen. :D
                      .
                      ^.^/"
                      .
                      LoVe iT!!!

                      30
                      • 8 .5
                        Mafioso 05.01.2016, 15:41 Geändert 05.01.2016, 15:41

                        Lynchs "Mulholland Drive" ist ein Film, bei dem man gerne mal ein kurze Pause einlegen darf, um mit seinen Filmfreunden das gerade Geschehene mal kurz zu rekapitulieren.
                        Doch immer dann, wenn man denkt, man käme der Lösung näher und eine Frage beantwortet hat, wirft die nächste Szene drei weitere auf.
                        Dies steigert sich, bis man das gesamte Geschehen einfach nur noch hinnimmt, sich aber gleichzeitig denkt: "Wow, ist das ein toller Streifen, das macht einfach Spaß, auch wenn ich es (noch) nicht verstehe."
                        Und gerade dann, wenn sich der Film wirklich gänzlich in wirrer Sinnlosigkeit zu verlieren scheint, liefert Lynch endlich Antworten.
                        Als der Abspann lief, kam ich aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, am liebsten hätte ich das Ganze direkt noch mal von vorne geguckt.

                        Lynchs Abrechnung mit Hollywood ist einerseits ein kleines cineastisches Meisterwerk und andererseits wie ein Puzzle, das man nach und nach zusammenfügen will, bis man aufgibt, alle Teile in die Luft wirft und sich so plötzlich ein ganz anderes Bild ergibt als gedacht.
                        Für diesen Spaß und das wirklich besondere Filmerlebnis gibts von mir die Erstsichtungs-Höchstwertung.
                        Man will sich ja bei der ausstehenden Zweitsichtung noch steigern können.

                        3
                        • 3 .5
                          allroundt 29.12.2015, 22:43 Geändert 30.12.2015, 20:51

                          Die Filme von Lynch sind aneinandergereihte Kurzgeschichten.Sie enthalten mysteriöse,mafiöse Figuren ,Frauen,einen oder mehrere Tote ,spielen in reichen Gegenden und man erkennt keinen Sinn(seine eigene Aussage).Ich mag seine Film nicht aber dieser hat mich ausnahmsweise gut unterhalten.
                          P.s. mich hat gewundert,dass es in diesem Film auch einige lustige Momente gab in denen ich heftig lachen musste.

                          Den Kommentar oben hatte ich geschrieben,nachdem ich 80 min des Films gesehen hatte.Inzwischen habe ich ihn ganz gesehen und ich muss meine Bewertung von 7,5 revidieren.Ich dachte dieser Film wäre anders als Lost Highway,über den ich mich sehr geärgert hatte.Ich dachte,diesmal wird es eine sinnvolle Auflösung geben,aber das war wohl nix.Ich verstehe nicht was Lynch durch den Kopf geht.

                          2
                          • 9

                            Einer meiner absoluten Lieblingsthriller. Er ist sehr schwer zu beschreiben, Lynch erschafft hier ein surreales, kafkaeskes Universum, das seinen eigenen Regeln folgt.

                            Trotz diesem surrealen Aspekt wird die Spannung schön hochgehalten, wie das bei einem Thriller sein sollte, die Spannung wird nicht mittels Holzhammer erzeugt, sondern ist eher subtiler Natur. Am Ende geht dann alles sehr schnell und der Payoff ist mysteriös und nicht offensichtlich. Man kann diesen Film ohne Probleme viele Male sehen, seine surreale Natur und die mysteriöse Auflösung ermöglichen es, sich jedes Mal auf andere Aspekte zu konzentrieren.
                            Großartiger Film.

                            • 9

                              Schonungslos geniales Kino. Nichts für Adam Sandler und Kevin James Fans ,
                              aber auch nichts für möchtegern Philosophen .
                              Ansehen , wirken lassen - reflektieren.
                              Entweder er gefällt , oder eben nicht.
                              Es wird nicht alles vorgekaut , die Handlung nicht plakativ dargestellt.
                              Kurzum , ein Film den man sich ausgeschlafen ansehen sollte ....
                              Wenn es denn nur mehr solche Filme geben würde.....

                              • 8 .5
                                TheBirdman 26.08.2015, 23:55 Geändert 27.08.2015, 00:05

                                "Mulholland Drive" ist und bleibt ein Film, an dem man sich die Zähne ausbeißen kann, Interpretationen gibt es zuhauf und eine Zweitsichtung steht definitiv auf dem Pflichtprogramm, zu viele Fragen sind und bleiben noch offen. Dabei verwebt Lynch verschiedene Genres und Motive zu einem hochspannenden, wenn auch verwirrenden Thriller. Der Film strotzt dabei nur so vor Details und versteckten Botschaften, vermischt mit einer deftigen Kritk an der Traumfabrik Hollywood und dem Streben nach Erfolg und Perfektion. Nach den knapp zweieinhalb Stunden sitzt man erst einmal ratlos vor der Flimmerkiste. Was hat man da gerade gesehen, auf was für einen Trip wurde ich da mitgenommen? Die Leistung der Schauspieler, die Komposition der Farb- und Bildgestaltung und der am Ende wirklich umwerfende Plot erzeugen ein Filmerlebnis, das seinesgleichen sucht. Zum Schluss ergibt im Grunde alles Sinn, die einzelnen Puzzleteile setzen sich zu einem Ganzen zusammen und man bekommt Licht ins Dunkel. Denn ähnlich wie in einem Traum, folgt "Mulholland Drive" keinem linearen Handlungsstrang, wir bewegen uns sprunghaft zwischen den Schauplätzen und Charakteren hin und her und nehmen es für selbstverständlich hin, das plötzliche Auftauchen von Gegenständen oder Personen wird am Ende ebenfalls nicht hinterfragt, sondern lediglich zur Kenntnis genommen, sowohl vom Zuschauer, als auch von den Akteuren selbst.
                                Großes Kino und ein Muss für alle Fans von Plot-Twist Filmen!

                                5
                                • 9

                                  Spoiler

                                  Um MULHOLLAND DRIVE zu verstehen (falls man das überhaupt so nennen kann) sollte man sich erst mit der Entstehungsgeschichte des Filmes befassen.
                                  Eigentlich plante David Lynch eine neue Fernsehserie und drehte die ersten zwei Drittel des Filmes als Pilot, welcher aber, trotz einiger Änderungen, die David Lynch bereit war durchzuführen, abgelehnt wurde. Lynch aber drehte noch ein letztes Drittel und machte aus MULHOLLAND DRIVE einen neuen Kinofilm. Diese schwierigen Bedingungen merkt man dem Film tatsächlich an. Lynch führt wahnsinnig viele Handlungsstränge ein, von denen aber keiner zu Ende geführt wird. Stadtessen mündet der Film in ein verschwommenes Meer aus Hollywood-Glanz und Hollywood-Satire, aus traumwandlerischen Bildern, Referenzen und viel Terror.
                                  Man merkt dem Film auch Lynchs Verbitterung gegenüber den Studio-Bossen an. Sein Hollywood wird von mysteriösen Männern hinter Glaswänden regiert, die scheinbar willkürlich entscheiden wer Erfolg hat und wer nicht, für die jeder Espresso stimmen muss und die jeden zerstören können, der nicht auf sie hört.
                                  Im Gründe aber lässt sich die Handlung von MULHOLLAND DRIVE nur durch Interpretationen erschließen. Darüberhinaus aber erschafft Lynch durch seine Inszenierung erneut verstörend, faszinierende, alptraumhafte Bilder und unter den Schauspielern sei Naomi Watts wahnsinnig lobend hervorgehoben die hier wahnsinnig facettenreich agiert.
                                  Die Geschichte hinter MULHOLLAND DRIVE lässt sich, wie gesagt, beliebig interpretieren. Meine Interpretation hält sich nicht wirklich an die gängige Interpretation, nach welcher der erste Teil des Filmes (vor dem Auffinden der blauen Box) ein Traum und eine Idealisierung des zweiten Teils darstellt, welcher die bittere Realität repräsentiert. Ich glaube man sollte MULHOLLAND DRIVE nicht in Traum und Realität aufteilen sondern eher als Zwischenwelt.
                                  Teil 1 zeigt das schöne Hollywood : Betty ist fasziniert von Los Angeles, sie kann das Casting für sich gewinnen und wohnt in einer schönen Wohnung. Auch ihre homosexuelle Liebe zu Rita ist leidenschaftlich. Doch auch hier gibt es Risse in der Fassade : Ein Monster lauert hinter den Mauern, einem Regisseur wird die Kontrolle über dessen Film entzogen und ein Auftragskiller ermordet mehrere Leute.
                                  In Teil 2 bricht nun das hässliche Hollywood über uns herein : Aus der naiven Betty wird die verbitterte Diane, welche es in Hollywood nicht weit bringt und die ihre Homosexualität unterdrücken muss.
                                  Ich glaube das Lynch Betty und Diane, als auch Rita und Camilla von denselben Schauspielerinnen spielen lässt ist eine Form von Ausdruck, wie nahe beide Welten in Hollywood beeinander liegen. Hollywood als ein Ort, der Träume erschafft, sie aber auch zerstören kann. Und in den alles eine Illusion ist, während im Publikum Stille herrscht.

                                  42
                                  • 9
                                    StereoCyclops 18.08.2015, 21:35 Geändert 18.08.2015, 21:36

                                    "Ideas are like fish. If you want to catch little fish, you can stay in the shallow water. But if you want to catch the big fish, you’ve got to go deeper."

                                    Der Versuch, Mulholland Drive zusammenhängend durchdringen zu wollen, kann nur scheitern. Vergegenwärtigt man sich aber Lynch`s Aussage, er möge die "Logik von Träumen", führt dies nicht zu einem tieferen Verständnis des Films, aber es lässt einen wohlwollender mit der eigenen Verwirrung umgehen.
                                    Mulholland Drive ist assoziativ, intuitiv und wirkt auf einer höchst emotionalen Ebene.

                                    • 2 .5

                                      So unnötig kompliziert und durcheinander

                                      • 10
                                        Mr_Phil 09.07.2015, 14:37 Geändert 09.07.2015, 16:04

                                        Ich glaube es ist soweit.
                                        Ich bin bereit dafür.

                                        Es ist dunkel und ich laufe eine enge Gasse entlang, bis ich zu einem Eingang gelange, über dem ein Schild mit dem Namen 'Silencio' angebracht ist. Ich trete hinein und alles um mich herum wird still.
                                        Ich lausche der dargebotenen Vorstellung. Ich höre zwar zu, aber ich verstehe nicht. Ist das alles nur ein Traum?
                                        Die Vorstellung geht immer weiter und weiter und meine Gedanken sortieren sich langsam. Ich bin nicht alleine hier. Doch wer ist die Person, die mich begleitet hat? Ich fange an zu zittern und mir wird bewusst, dass ich endlich einsehen muss, dass es kein Entkommen gibt. Ich bin gefangen in meinen eigenen Träumen und habe den Sinn für die Realität verloren.
                                        Die Band auf der Bühne spielt unaufhörlich weiter - aber spielt sie denn auch wirklich? Oder bilde ich mir das alles bloß ein?
                                        Mir wird kalt. Ich sehne mich nach Nähe, nach Zuneigung. Mir wird klar, dass ich ein Geheimnis bewahre, welches mich langsam aber sicher von innen heraus auffrisst. Wieso habe ich das getan? Wieso habe ich es soweit kommen lassen?
                                        Inzwischen ist es still geworden. Die Vorstellung ist zu Ende. Ich sitze immer noch auf meinem Platz. Ich bin wieder alleine. Oder war ich das vielleicht schon die ganze Zeit? Die Lichter gehen aus. Alles um mich herum wird schwarz. Ich bin verloren. Verloren in der Dunkelheit. Verloren in meinen eigenen Gedanken, die keinen Sinn ergeben möchten. Leere. Stille. Einsamkeit. Nichts hat sich verändert.

                                        Ich glaube es ist einfach noch nicht soweit.
                                        Ich bin noch nicht bereit dafür.
                                        Aber werde ich es denn jemals sein?

                                        Tiefste Verbeugung vor meinem persönlichen Lieblingsfilm. Ich kann einfach immer wieder aufs Neue, jede Sekunde genießen. Kino, wie geschaffen für mich. Mein Herz auf moviepilot gebührt einzig und allein diesem Film. Danke David Lynch.

                                        37
                                        • Nachdem ich mir gestern mal wieder MD angesehen habe und mir jetzt mal so die anderen Meinungen dazu durchgelesen habe,die wie erwartet von sch... bis Meisterwerk reichen, möchte ich doch auch mal bisschen was dazu schreiben.Ich denke das Problem das viele mit Lynch Filmen haben ist die Symbolik.Wie oft haben wir Träume bei denen wir am nöchsten morgen aufwachen und denken;Was hab ich da für einen Mist geträumt!! Das gesehene einfach nicht so wahrnehmen wie man es sieht. Gutes Bsp hierfür ist glaube die Diner Szene,wo ich auch beim ersten mal sehen auch dachte;Was soll das ,wie passt das rein? Hab dann auch viel Interpretationen nachgelesen und drüber nachgedacht und so ist für mich z.b der Mann der Angst vor dem schwarzen Mann einfach das Gewissen von Diane dar ,der schwarze Mann Verlust-Versagens-Kontrollverlustangst(auch vielleicht das Böse in uns). Sie wird in dem Diner in dem sie den Mordauftrag gibt einfach mit ihrem Gewissen konfrontiert, was ja auch letztendlich die Kontrolle verliert,Sie sogar zum Selbstmord treibt Wenn man den Film nun so ansieht kann man eigentlich schon sagen. Genial Gemacht.Ich kann aber auch verstehen das es vielen zuviel ist sich so mit nem Film auseinanderzustzen. So wird z.b die Frau mit den blauen Haaren wie ich in Interpretionen nachgelsen habe als der Tod gesehen(dem ich auch so zustimmen kann).Mein Fazit zu dem Film. Je öfter man ihn sieht und sich damit beschäftigt desto genialer ist er.

                                          • 9 .5
                                            Detective Fingerling 03.07.2015, 07:11 Geändert 03.07.2015, 07:11

                                            Mulholland Drive, Nr. 18 (Stand 1.7.): (Spoilers oder whatever)
                                            Ein wahrer TRAUM von einem Film (amirite? anyone?). Spaß beiseite, ich glaube, dieser Film ist Be-all-end-all David Lynch. Ich war sehr kurz davor, an diese Stelle Eraserhead zu stellen, da dieser wahrscheinlich eher als MD den Test of Time bestehen wird, da er bereits einige andere Filme inspiriert hat, zum Beispiel Possession, The Shining, oder Boy Meets Girl. Mulholland Drive spricht mich persönlich etwas mehr an, ich sehe ihn als die Perfektion eines Stils, der in Blue Velvet seine Genesis hatte und in Wild At Heart (heute zum ersten Mal gesehen, klasse Film) und Lost Highway weitergeführt wurde. Diesen Stil würde ich beschreiben als romantisch, zeitlos, düster, makaber und, vielleicht am wichtigsten, selbsterkennend. Jeden der aufgezählten Filme kann man betrachten als einen Kommentar auf die Kunstform Film als solche, oder auf das eigene Dasein als Film. Wahrscheinlich spricht mich diese Thematik einfach mehr an, und von allen Lynchfilmen ist sie in my ever so humble opinion in Mulholland Drive am besten dargestellt. Aber egal, time to get specific!
                                            Wie bei vielen Filmen auf dieser Liste (Lieblingsfilme, Stand 1.7.15) funktioniert dieser auf vielen narrativen Ebenen, besser noch, er hat einen eventuell einen größeren Effekt auf den Zuschauer, wenn dieser nicht versteht, worauf alle Metaphern, alle Sinnbilder und jede versteckte Symbolik anspielen, also was genau dieser Film eigentlich "bedeutet". Denn solange diese Dinge nicht gegeben sind, funktioniert der Film als eine rein emotionale Erfahrung, und als solche unglaublich effizient und treffend. Das Sound Design, die Musik und die Atmosphäre funktionieren allein, und diese verschiedenen Arten der Filmerfahrung sorgen bei jeder Sichtung quasi für einen neuen Film. Das emotionale und wörtliche Verständnis dieses Werks sind jeweils vollkommen für sich allein gestellt, und das ist in dieser Kunstform, oder in der Kunst insgesamt, fast einmalig.
                                            Dabei steckt im Herzen dieses Films eine so simple Geschichte, wie man sie (in abgeänderter Form) häufiger antreffen könnte, allerdings wird sie von Lynch auf ein solches Level gestellt, dass sie diesen Kern transzendiert.
                                            Ich weiß, dass ich hier kaum wirkliche Details genannt habe, was daran liegt, dass die Erfahrung auf sich allein gestellt bleiben sollte, auf jeden Fall für das erste Schauen dieses Films. Das muss zählen. Zum Abschluss möchte ich nur noch festhalten, dass mir der Coen-Ton einiger Szenen sehr zusagt. Reinste Subjektivität. Aber geiler Film.

                                            4
                                            • 9 .5

                                              Hi Leute,

                                              gerade eben gesehen. Der Meister der Sinnes-Täuschung mal wieder at his best.
                                              Vom Grundaufbau ähnlich wie Lost Highway.

                                              #leichte Spoiler#
                                              Eine Person begibt sich in ihre eigene Fantasie-Welt um der Tristesse und dem eigenen Scheitern oder Misserfolg zu entfliehen.
                                              Ab dem Theaterbesuch endet dieser Spuk für Zuschauer und die Hauptprotagonisten. Die leider am eigenen Leib mit erfahren muss. Wer sich nicht gefügig macht im Hollywood-Sex-Kessel der bleibt halt auf der Strecke. Egal ob nun talentiert oder auch nicht.

                                              Mein Fazit: Für etwas Glamour und Ruhm gibt es immer einen Preis. Umsonst machen die niemandem zum Star.

                                              20
                                              • 4

                                                Achtung!
                                                Bevor irgendjemand diesen Film anschaut, sollte er kurz recherchieren wie er diesen film anzuschauen hat. Der nette Herr Lynch hat diesbezüglich sogar eine kleine vermerkliste angefertigt.
                                                Ansonsten endet man in maßloser Verwirrung und ein guter film wirkt schnell absurd und sinnlos.

                                                • 0

                                                  146 Minuten Zeitverschwendung!

                                                  3
                                                  • 10
                                                    ju.ku.750 17.04.2015, 23:50 Geändert 19.04.2015, 12:50

                                                    "Mulholland Drive" muss man einfach auf sich wirken lassen, damit er seine volle Wirkung entfalten kann.
                                                    Das Schöne an Lynchs Filmen ist, dass jeder Zuschauer seine eigene Interpretation hat. Das macht den Regisseur so besonders und faszienierend. Jeder seiner Filme ist wie ein abstraktes Gemälde...einfach nur Kunst!

                                                    Übrigens:
                                                    Der Titel des Films ist auch eine Anspielung auf Billy Wilders Klassiker „Sunset Boulevard – Boulevard der Dämmerung“, der als ein Lieblingsfilm von Lynch gilt.

                                                    7