Mulholland Drive - Kritik

FR/US 2001 Laufzeit 146 Minuten, FSK 16, Thriller, Drama, Kinostart 03.01.2002

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Kritiken (6) — Film: Mulholland Drive

Timo K.: Blockbuster Entertainment

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7.0Sehenswert

Die Straße der Finsternis wird von dem Begehren gesäumt, das Provinzielle gegen das Üppige auszutauschen. "Mulholland Drive" ist die Fantasie der traurigen Engel in der Abstellkammer des Himmels, ein Hollywood der desillusionierten Fratzen und lieblosen Küsse offener Augen. In seiner Hommage und Fülle selbstreferentieller Archetypen bewegt sich Lynch kulturübergreifend in einem deterministischen Traum-Essay über die bloße Ideologie einer stichprobenartigen Kino-Sezierung hinweg, in dem die Ebenen des Wach- und Tagtraumzustandes durch das Einschlafen und Wecken in zwei formal voneinander abgegrenzte Hälften unterbewusst miteinander verknüpft werden. Indem Lynch die Haltestellen der Chronologie überfährt, sortiert er die Stimmungen der Farben und Objekte zur Illusion über die Logik. Frauen und Identitäten und Scheinidentitäten und Wunschidentitäten. Ein Traum der Wärme in der Dunkelheit.

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SoulReaver: CinemaForever, D3M

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8.0Ausgezeichnet

[...] Die Traumfabrik wird auseinandergenommen, die Odyssee aus Sex, Charme, Wahnsinn, Andeutungen und undurchsichtiger Dunkelheit endet in einem verstörenden Fassadensturz, der keine Antworten geben will und sich auch nicht wie ein Reißverschluss zusammenfindet, sondern im einsamsten, schmerzhaftesten und ausweglosesten Moment konsequent die Augen schließt und nicht mehr öffnen wird. [...]

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10.0Lieblingsfilm

Dieser Film ist ein Muss. Zumindest für alle, die den mysteriösen Nervenkitzel lieben, sich gerne auf parapsychologische Pfade begeben und schon immer auf einen anspruchsvollen film noir mit lesbischer Liebeshandlung gewartet haben. Zwar gibt es in Mulholland Drive viele Parallelen zu Lost Highway, dennoch hat David Lynchs jüngstes Meisterwerk, das noch rätselhafter und undurchsichtiger wirkt, einen völlig neuen Charakter.

Kritik im Original 6 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Evie: www.inderzange.de

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1.0Ärgerlich

David Lynch muss man lieben oder hassen.
Ich hasse ihn!

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philopee

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Also, 2 Jahre später ist Lynch jetzt mein ziemlich Favorit und Mulholland Drive einer meiner absoluten Lieblingsfilme


sebastianxxx

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Wie kann man diesen Film bloß hassen - ich finde ihn einfach genial und habe mich schon mehrfach vor D. Lynch verneigt :-)) Masterpiece ... "Mulholland Drive" ist meiner Meinung nach zugleich ein raffinierter Abgesang auf Hollywood, zelebriert dessen Dekonstruktion abgrundtief und - jetzt kommt das eigentliche unglaubliche Kunststück - D. Lynch erschafft und mystifiziert es auf fantastische Weise neu ... Triumpf auf der ganzen Linie ... ich habe auch in keiner Weise den Eindruck, als ginge es D. Lynch ums profane "Geldscheffeln" wie oben beschrieben ... da gibts doch wirklich ne ganze Latte von US-amerikanischen Regisseure/Produzenten die unter Extrem-Verdacht stehen ... aber D. Lynch wohl zuletzt ... und selbst wenn er damit Geld verdient - hat er es doch im wahrsten Sinne des Wortes verdient :-)


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10.0Lieblingsfilm

MULHOLLAND DRIVE spielt mit Kameraeinstellungen, Schauspielerinszenierungen, Genreverweisen und Musik verschiedener Epochen; der Film strotzt vor Einfällen und wunderbaren kleinen Szenen, die für sich selbst stehen. Eine Feier des Kinos.

Kritik im Original 4 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

alviesinger: bummelkino

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5.5Geht so

Atmosphärisch dichtes Verwirrspiel: Drehe einen Streifen chronologisch, zerfetze ihn am Schneidetisch und lass die Zuschauer im Dunklen.

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sebastianxxx

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... wenn es so einfach wäre ... nein nein ist es nicht ...


J4KOB

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Der mit Abstand dümmste Kommentar zu MD, den ich je lesen musste.



Kommentare (237) — Film: Mulholland Drive


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maetti

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Wtf...was für ein Trip, den Grundstein des Films denk ich hab ich Verstanden, ansonsten schwebt über mein Kopf immer noch ein kleines Fragezeichen, wobei man ja David Lynch's Filme nicht wirklich interpretieren sollte, hat mir jemand mal gesagt...

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TH3.BUG

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Bewertung6.5Ganz gut

Der Film beginnt sehr vielversprechend und baut über die ersten 2h der Laufzeit eine große Spannung auf. Statt der erhofften genialen Auflösung folgt in den nachfolgenden 30min jedoch ein Trip, der mir scheinbar eine Nummer zu hoch ist. Der Film endet mit riesiger Verwirrung.

Es mag Zuschauer geben, die Gefallen an Filmen haben, die einen weit über das eigentliche Filmende hinaus fordern und scheinbar nur mit Tipps des Machers selbst aufzulösen sind. Ich persönliche bevorzuge jedoch geschlossene Werke, demnach kann ich mit diesem Film eher wenig anfangen.

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Ener

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Bewertung5.0Geht so

Ich tue mich schwer mit David Lynch. Ein großer Teil der Einzelszenen ist wirklich großartig. Aber das Gesamte will mir nicht ausnehmend gefallen, während der kompletten Laufzeit hab ich kaum Interesse an den Figuren oder deren Geschichte entwickelt. Wahrscheinlich einer dieser Filme, die man mehrmals sehen sollte. Womöglich ist mir auch etwas entgangen. Sicher, den Film lückenlos verstanden zu haben, bin ich mir nicht.

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THE_DREAM

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Bewertung9.0Herausragend

Aufgrund der hohen Nachfrage nach diesem Text hier die Auflösung von Mulholland Drive:

(ACHTUNG ...---S*P*O*I*L*E*R---... ACHTUNG)

MULHOLLAND DRIVE
Sie strafte die Welt damit, ihr eigenes Schicksal zu durchleben (trotz guten Willens nicht geliebt zu werden) – und das nur, um von ihrer eigenen falschen Antwort darauf abzulenken.

Der Film zeigt die Geschichte einer einsamen, lesbischen, erfolglosen, recht attraktiven, blonden Schauspielerin (Diane), die sich bis über beide Ohren in eine umworbene, bisexuelle, übermäßig erfolgreiche, außerordentlich attraktive, schwarzhaarige (auch wenn im Film „brünett“ gesagt wird), andere Schauspielerin (Camilla Rhodes) verliebt. Zur selben Zeit, in der sich letztere von ersterer abwendet, muss diese auch noch eine zweite zerbrochene Beziehung verdauen. Sie beauftragt einen Killer, um ihre große Liebe Camilla umzubringen (vor allem da diese sie auch noch ständig demütigt), erträgt darauf folgend ihre eigene Schuld nicht und bringt sich selbst auch noch um. Bevor die letzte Ruhe (Silenzio) in ihr kaltes Hirn dringt, träumt sie sich noch einen schönen Gegenentwurf zusammen, in dem sie die Souveränität ihrer Angebeteten übernimmt und diese wiederum alle ihre Ängste durchleben muss. Während sie sich in diesem Gegenentwurf (die ersten 2/3 des Films) als sozial-bemutternde Heldin, als alleskönnende immerfreundliche Superfrau ausleben kann, kann sie die ermordete Angebetete durch die eigene Hölle schicken: Die Blaue Box=Der Auftragsmord, die Amnesie=die hereinrufende, grausame Realität, die mühsam ausgeblendet wird, die verfaulte Leiche=sie selbst, alles wird im Gegenentwurf Schicksal der Angebeteten. Freilich dürfen auch andere Personen an ihrer Stelle leben: Etwa der Regisseur, der versucht, seinen Idealen treu zu bleiben, und der auch den beiden Enttäuschungen (Betrug der Frau, Mafia will Hauptdarstellerin bestimmen = Camilla Rhodes wird ungerechterweise der Vorzug gegeben) ehrlich begegnet, aber es ist eben nicht so, dass die Haltung eines Menschen über seinen Lebensweg entscheidet (der Cowboy ist nichts weiter als ein tumber Mafiakiller, der seine Drohungen auch noch als Lebensweisheiten verkaufen will, in der Realität ist er ein Bekannter von Diane, der zum Filmteam gehört, und wie angekündigt noch zweimal im Film auftaucht), und das muss diese Schauspielerin erst mal verdauen, deshalb kommt es auch in ihrem Gegenentwurf vor. Sie hat es doch so gut gemeint... ...wie der Regisseur in ihrem Gegenentwurf.
Am interessantesten ist der Film da, wo der Traum eine Lücke schließen muß, aus der einem die Realität entgegen stiert. Z.B. das Entdecken der Leiche. Ein weiteres Beispiel: Aus dem Auszug der zweiten Geliebten wird ein „Appartmenttausch“ – aha? Aus der Kellnerin Betty wird die Kellnerin Diane, aus Diane wird Betty.
Die ganze Zeit über rufen die Elemente des Gegenentwurfs nach der Realität – das Geld für den Killer (der Alptraumpart im Cafe ist ein Teil des Gegenentwurfs, da hier die Chiffren des Gegenentwurfs gebraucht werden: Der Auftragsmörder, der ja im selben Cafe den Auftrag entgegennimmt, als archaische Bestie, und der furchtsame Mann dort, wo er in seinem erzählten Alptraum seinen Gesprächspartner sieht), der blaue Schlüssel, die Leiche, die Perücke (der Dunkelhaarigen wird im Gegenentwurf von der Blonden angedichtet, erstere wolle wie letztere sein – obwohl in der Realität das Gegenteil der Fall ist) – aber sie ist zu störrisch, um von der Suche nach einer verkrampften heilen Welt abzulassen.

Weitere Anmerkungen:

- der Gegenentwurf ist stets unwirklich stilisiert. Z.B. kann man den stilisierten dreieckigen blauen Schlüssel im Gegensatz zu seiner realen Vorlage nicht im Schloß drehen (was in einer Szene trotzdem gezeigt wird)
- die Szene mit dem massenmordenden, tölpelhaften Killer scheint der Realität zu entstammen; anscheinend macht dieser seinen Job auch nicht so ganz professionell, andernfalls würden die Detectives nicht ständig hinter Diane herrennen (diese sind auch im Gegenentwurf immer wieder präsent)
- ein echtes Rätsel: der Anfang (den man am Ende auch wieder vergessen hat): Was sollen diese ineinandergehäuften Rock’n’Roll-Szenen? Die einzige für mich plausible Erklärung: Hier soll ein möglichst großer Kontrast zur nächsten Szene hergestellt werden, damit die nächtliche Fahrt über den einsamen Mulholland Drive auch richtig gruselig wirkt.
- ich bin noch unschlüssig, in wie weit das alte Ehepaar, mit dem die Blonde im Gegenentwurf anreist, der Wirklichkeit entspricht. Da die Beiden Letztere am Schluß als Vertreter der Realität, die durch jede kleine Ritze in ihre Phantasie hereinrinnt, jagen, kommt ihnen wohl eine Schlüsselrolle zu. Unklar ist aber, was dem Ehepaar in der Realität entspricht. Vielleicht ist das alte Ehepaar auch das einzige Unverfälschte an ihrem Gegenentwurf. Aber Diane’s Tante ist in der Realität ja tot, wie kann sie diese dann besuchen kommen?
- der Theaterbesuch ist ein Hämmern der Realität an der Tür des Gegenentwurfes: „Es ist alles nur Illusion“
- der Mullholland Dr ist für die Geschichte weniger wichtig. In der Realität ist er der Ort der Demütigung der Blonden durch die Dunkelhaarige, im Gegenentwurf rächt sich das dann.
Sowieso ist das zentrale Thema des Filmes meiner Meinung nach Sehnsucht, Enttäuschung, Rache, und erst danach, und dadurch in eine Form gegossen – Wahnsinn.

(ACHTUNG ...---S*P*O*I*L*E*R---... ACHTUNG)

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hanitschi

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Der Anfang stellt den Jitterbug-Wettbewerb dar, den Diane in ihrer Heimatstadt gewonnen hat ( Jubel, Diane im Rampenlicht).
Der Erfolg könnte der Anreiz dazu gewesen sein, nach Hollywood zu gehen und eine Schauspielkarriere zu starten, wo sie dann Camilla kennen lernt.
Diane erzählt davon auf der Poolparty.


Kingston

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Bewertung2.0Ärgerlich

viel zu langatmig, langweilig, skuril und unverständlich.
Die Darstellerinnen habe super gespielt aber der Film war wohl echt nix für mich...

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Daniel92

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Mulholland Drive ist mein 1000. auf moviepilot bewerteter Film - ein anerkennendes Selbst-auf-die-Schulter-Klopfen sei mir gegönnt - und ein ganz schönes Brett.
Wie, nun, eigentlich alle Lynch-Filme begeistert Mulholland Drive mit berauschenden, verstörenden, hypnotischen und speziell in diesem Falle durchaus auch stimulierenden Bildern, die mit einer durchgängigen Intensität auf die Netzhaut treffen, dass man mitunter weinen möchte. Spätestens wenn wir einen äußerst charismatischen und wortkargen Herrn in einem durch Vorhänge verhüllten Raum erblicken und die schauehaft mystischen Klänge des Sountracks von Angelo Badalamenti hören, wissen wir zwar noch lange nicht, WAS uns erwarten wird, aber doch, DASS uns etwas erwarten wird, was noch tief im Verborgenen der Schatten von Hollywood liegt.
Lynch versteht es, sogar den Blick um die Ecke und das Öffnen einer Handtasche derart spannend zu inszenieren, dass man nicht einmal blinzeln KANN. Dass man am Ende des abgedrehten Psychotrips dann kaum noch durchblickt und die Synapsen auf Hochtouren arbeiten müssen, ist da nur konsequent.
Vielleicht beruhigt es einen, wenn man sich die Aussage, die im "Silencio" gebracht wird, ins Gedächtnis ruft und wie Balsam auf die qualmenden und geschundenen Nervenstränge schmiert: Es ist alles Illusion.

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juls.muller.3

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Bewertung6.5Ganz gut

Wow...da hab ich ja sogar bei Memento mehr verstanden...

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J4KOB

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made my day


Milano90

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Bewertung9.0Herausragend

Eine Mischung aus Erstaunen und Verwunderung machte sich nach der letzten Szene des Films in meinen Körper breit. Was für ein Mind Fuck der besten Sorte. David Lynch hat hier schlichtweg ein grandioser Mystery Thriller abgeliefert. Realität und Illusion wird hier gekonnt vermischt oder doch nicht? Ist am Ende alles tatsächlich so passiert?

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Milano90

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Dachte am Anfang auch:" Wasn das fürn Mist?" Zum Ende war ich ziemlich verblüfft. Wenn du nicht so auf Mindfuck Filme stehst dahmer dann rate ich dir davon ab und besoffen sollte man sich sowas nicht ansehen,lieber Hangover. :D :D :D :D


Dahmer

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-g-


Oehli

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Bewertung10.0Herausragend

David Lynch fängt hier das an, was er in Inland Empire beendet: Er wendet sich von Hollywood ab und zeigt dem Zuschauer die schlechten Seiten.
Die Verbindung Traum und Realität - die gleichzeitig selber ein Alptraum ist - ist hier überragend umgesetzt. Mit was für einer Symbolik er hier arbeitet, ist nicht zu glauben. Was man in der Realität sieht, erscheint auch im Traum, nur anders verpackt und zum Teil in anderen Rollen - oder man erstellt sich im Traum seine eigene, gewünschte Realität, in der man am liebsten bis zu seinem Lebensende bleiben will. Und genau das geschieht Mulholland Drive. Auf der einen Seite eine verkomme, in einer schmutzigen Wohnung und unerträglichem Liebeskummer lebenden Frau, auf der anderen Seite eine strahlende, einfühlsame und offene Frau. Wie auch in Lynchs anderen Filmen zeigt er hier seine Liebe zum Surrealismus, wenn auch nicht so stark wie in Lost Highway, Eraserhead und Inland Empire. Er deutet darauf hin, was mit den Schauspielern passiert, die in Hollywood nicht die großen Erfolge feiern können. Sie leben im Selbsthass und bringen sich letztendlich selber um, Natürlich eine sehr übertriebene Darstellung der Tatsachen. Die Gefühle und Ängste des Zuschauers werden in seinem Film mal wieder wie in keinem anderen angesprochen. Ich erinnere mich an den Herren im Winkie's - man konnte ich seine Angs verstehen.
Nicht oft saß ich nach einem Film so sprachlos und gerührt von einem so unfassbar traurigem Ende vor dem Fernseher.

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stefan!!!

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Kranker Film, Fragen über Fragen!! Noch nie hab ich so wenig gecheckt, wie bei diesem Film. Danach viel Interpretier-Freiheit und Diskussions-Bedarf.
Jedoch sehr fesselnd und vorher noch nie sowas in der Art gesehen, wie diesen Film.

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FranklinFlyer

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Einer der seltenen Fälle in denen ein Film nach wiederholter Betrachtung immer besser wird.
Dies wird als Lynchs Meisterstück die Zeit überdauern.
Man kann von Lynch halten was man will, und oh ja, es ist Schrott dabei, aber dieser Film hat das Zeug zum Klassiker.
Das war meine 5. Sichtung und es schmeckt immer besser.
Überraschend. Geht mir mit Lost Highway und Blue Velvet genau anders herum.

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Mr.GOLD

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Bewertung10.0Herausragend

Los Angeles erhebt sich in seiner prachtvollen (Noir) Schönheit.
Alles geschaffen durch den Traum einer jungen Frau nach Anerkennung.
Ein letztes Aufschreien, ein letztes Resumée, ein letzter Blick in die Psyche einer gescheiterten Existenz.
Das ist Mulholland Drive.
Der Traum vom großen Glück wandelt sich in einen Fiebertraum in dem Diane verzweifelt versucht alles zu zerstören was Camilla je erreicht hat und gleichzeitig alle Beweise ihres eigenen Scheiterns zu verschleiern.
(Spoiler)
Angetrieben und unterdrückt von ihren Eltern, versucht Diane sich in der harten Welt von Hollywood zu beweisen, wo sie schließlich auf Camilla trifft und die beiden sich leidenschaftlich verlieben.
Der Film, die große Rolle, DIE Chance für Diane. Nur geht Camilla weiter, sie fängt ein Verhältnis mit dem Regisseur an und bekommt damit die Rolle. Diane ist zu schwach für Hollywood. Camilla spielt sie schamlos aus.
Vom Neid getrieben setzt Diane einen grausamen Schlussstrich. Sie kann die Pein nicht mehr ertragen. Sie lässt Camilla ermorden. Der blaue Schlüssel als Zeichen für die Vollendung des Plans. Der blaue Schlüssel als Erkenntnis. Der blaue Schlüssel als Symbol für ihre fatale Entscheidung.
Mit dieser Last kann sie nicht leben und somit setzt sie auch für ihren Leidensweg einen Schlusssstrich. Selbstmord.
Hier setzt der Film ein.
In den letzten Sekunden hagelt es alle Entscheidungen, alle Konsequenzen auf sie ein und sie konzipiert diese schließlich in einer art Nahtoderfahrung.
Der Traum hat begonnen.
Alles geschieht nach ihrer Vorstellung, Camilla, jetzt Rita, ist schwach, verletzlich und braucht Diane, jetzt Betty. Zusammen stürzen sie sich in eine art Detektivgeschichte wie es wohl der Film Noir der 40er gezeigt hätte.
Der mysteriöse, rote Raum symbolisiert ihr Unterbewusstsein, von hier werden alle Fäden gezogen, von hier wird alles dafür getan dass nicht, wie im realen Leben, Camilla die Rolle bekommt.
Ein fieberhafter Trip, Liebe, Spannung, Mysterien und es geht immer weiter, ohne Halt. Immer weiter nach unten. Bis ihr dann im Club Silencio das Trugbild des Traums vorgehalten wird, jetzt erkennt sie und bricht in Tränen aus, die Welt fällt zusammen und sie bemerkt die blaue Kiste. Das Portal zur Wahrheit, zur Realität.

Es ist immer noch so viel unklar in Lynch's Mulholland Drive. Immer noch versteh ich wahrscheinlich nur ein Drittel von dem was sich vor mir aufbaut. Aber ich weiß dass es mich jedesmal wieder hineinziehen wird und mich Tage, oder Wochen später erst wieder ausspucken wird, denn jedesmal sehe ich mehr. Ein filmisches Rätsel, das wird es immer bleiben. Aber rätseln macht spaß und ich freue mich schon auf die nächsten zig Anläufe bei denen meine Lösung wahrscheinlich um einiges anders aussehen wird.

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Boogers666

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Bewertung9.0Herausragend

Eine Straße die sich um den Berg windet wie eine Schlange, eine Traumstraße die ein Geheimnis birgt. Ein Unfall und eine verstörte Frau, die davor flieht. Sie taucht ab in die Untiefen Hollywoods, erlebt was andere träumen, tritt ihren Ängsten entgegen, verliebt sich, und verfällt dem Schleier der Traumfabrik.
Ein Anwesen in dem sie sich versteckt wird zu ihrem Zuhause, doch sie weiß nicht mal wer sie ist.
Das "Winkies", in ihm liegt der Schlüssel zur Traumwelt, ein Ungeheuer das sich dort verbirgt und Alpträume wahr werden lässt.
Ein Projekt, ein Vorsprechen, ein Espresso, ist es Traum oder Realität? Ist es die Scheinwelt oder das echte Leben? Das ist Hollywood.
Verloren in den Geheimnissen, den Ungereimtheiten die sich hinter all dem verstecken, dort irgendwo findet sich eine zweite Frau wieder, nachdem sich ihr Leben für immer geändert hat.
Ein abendlicher Spaziergang führt zur Erkenntnis. "Its just an Illusion", Wir schauen, doch wir sehen nicht. Eine hübsche Sängerin die sich als Lügnerin entpuppt. Alles entpuppt sich als falsch, man hat sich geirrt, ist doch alles anders als gedacht? Existiert es überhaupt? Wer ist hier real? Was ist hier real?
Wie kann jemand sterben ohne gelebt zu haben, oder hat er es doch?
Mulholland Drive, das ist der Name der Straße mit der alles beginnt und mit der alles endet, sie ist Fiktion, eine Lüge, die ins nichts führt.
Es gibt nichts zu verstehen und dennoch alles zu interpretieren.
Lass dich fallen und verliere dich in diesem Film, versuche etwas zu begreifen, das nicht da ist.
Fahre selbst diese Traumstraße entlang,doch es ist sinnlos, sie ist nicht real! Oder?

"Silencio"

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FilmFan92

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Ist schon etwas her, dass ich den Film gesehen habe, aber damals kam ich mit dem Surrealismus und den Traumsequenzen nicht zu Recht, das war mir zu konfus. War aber auch mein erster Lynch (war wahrscheinlich einfach ein bisschen überfordert und überrumpelt), Versuch Nr. 2 folgt demnächst :)


jacker

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Ja mach mal :)
Man muss sich davon lösen alles bis ins kleinste Detail verstehen zu wollen, einfach mal fallen lassen und vom Film mitnehmen.. Dann ist das einfach großartig!


Gewitter.Kind

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Wie,wo & womit soll ich beginnen....
Lasst mich mit den Worten von Moritz Bleibtreu aus Lambock beginnen, die da waren "ein absolutes Gehirnzellenmassaker"! Ja diese Aussage trifft meine Haltung nach & während des Films sehr gut. Ich kannte vorher nur Dune vom großartigen David Lynch der die Geschmäcker spaltet in einer surrealen Form, vergleichbar mit der Intensität von LvT. Zum Film kann ich nur eine kurze Rezession geben, da ich mir ihn sowieso mindestens noch 2-3 mal anschauen werden und/aber muss um mich in dieser vewirrend, abstrusen jedoch überaus faszinierenden Welt von Hollywood zurecht zufinden. Dieser Film verkörpert Hollywood wofür es steht - Sehnsucht,Träume,Erfolg,Geld aber auch die Seite von Gier,Hass,Sex,Machtspielerrei. Lynch zaubert mit seiner ja beinahe willkürlich gesetzten Cut´s und der abstrusen Handlungsabfolge bzw. eher Handlungsfragmente im Zusammenspiel mit einer großartigen, wirklich unverkennbarer Musik den Zuschauer. Man wird von der ersten bis zur letzten Minuten in seinem Werk "gefangen" genommen und er versteht es wie kein zweiter den Zuschauer in seinen Bann zunehmen und in die Welt der Straßen und Geschäfte von Holllywood einzunehmen. Was ist Phantasie, was Wirklichkeit? Was ist gestellt, was ist gespielt? Dies ist wohl uns überlassen. Sieh ihn dir an und erfahre selbst was mit dir geschieht, kaum zu beschreiben, wie sehr dieser Film einen mitnimmt. Groß ganz Groß... wundertoll!

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Jakob Wasserhoevel

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Silencio! Der letzte Satz des Films ist als Anweisung beim Sehen zu verstehen. Schweigen und Nachdenken sollte man bei diesem Film, da man sonst die größte Mühe hat, der verwirrenden Story, die chronologisch ungeordnet und mit unklaren Figurenpositionen arbeitet, nicht folgen kann. Ich muss zugeben, dass ich auch so nicht genau durchgeblickt habe und am Ende über die Geheimnisse der Geschichte ungefähr so viel wusste, wie am Anfang. Allerdings hat mich der Film beeindruckt. Ein extrem gut gemachter aussergewöhnlicher "Mindfuck"-Krimi in der Tradition des Neo-Noir von der Art L.A. Confidential einerseits, ein surrealistisches Filmpuzzle á la Memento andererseits und auf eine angenehme Weise unentschlossen.

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Hartigan85

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Bewertung7.0Sehenswert

Der David Lynch ist schon einer. Seine Filme fordern den Zuschauer stets ungemein und das ist auch gut so. Sie lassen einen tagelang nicht los. So war es vor ein paar Tagen mit dem überragenden „Lost Highway“ und so war es auch gestern Abend mit „Mulholland Drive“. Ich bin mir sicher, dass der mir auch noch ein paar Tage im Kopf herumspuken wird. Ich kann jedenfalls schon mal sagen, dass mir „Lost Highway“ eindeutig besser gefallen hat. Dennoch ist auch „Mulholland Drive“ ein mehr als gelungener Streifen.
Permanent rätselt man auch hier, was denn nun Realität und was (Alp)Traum ist. Im Film tummeln sich jede Menge geheimnisvolle Charaktere (Cowboy, Mann im Rollstuhl, usw.), zu denen kaum Informationen und Hintergründe geliefert werden. Die Darsteller liefern dabei tolle Leistungen ab, besonders hervorzuheben ist hier Naomi Watts, die ich eh sehr gerne sehe. Für mich ist sie eine der talentiertesten und sympathischsten Darstellerinnen ihrer Generation. Mit ihrer eindringlichen Darbietung zeigt sie wohl eine ihrer besten Leistungen überhaupt, neben ihren starken Auftritten in Cronenbergs hervorragendem Gangster-Thriller „Eastern Promises“ und Inarritus tragischem Meisterwerk „21 Grams“.
Interpretationsmöglichkeiten gibt es bei diesem Mindfuck wieder zur genüge. Der Streifen ist darstellerisch (vor allem die beiden weiblichen Hauptdarstellerinnen) erstklassig und liefert neben der verwirrenden Story einige tolle Bilder.
Mit „Mulholland Drive“ ist es Lynch einmal mehr gelungen, dem Zuschauer schwere Kost vor den Latz zu knallen. Der kann dann mal schön schauen, wie er damit klar kommt. Es ist immer gut, wenn Filme einen länger beschäftigen, auch hier wird wohl definitiv in Zukunft noch eine Zweit- und Drittsichtung von Nöten sein. Mal sehen wann es soweit ist, jetzt brauche ich erst mal leichtere Kost, um meine Hirnwindungen wieder zu schonen. :) Werde mir dann gleich wohl mal endlich „The Great Gatsby“ (Der von Luhrmann mit DiCaprio!) reinziehen...
Bis dahin verbleibe ich mal bei 7 Punkten, denn sehenswert ist dieser surreale Rausch allemal, auch wenn er mich nicht im Ansatz so umhauen konnte wie „Lost Highway“.

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Argus

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Für mich persönlich ein absoluter Kultfilm.


vanilla

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Ich mag Naomi auch. "Stay", "Dream House" und "The Impossible" sind auch klasse mit ihrer Beteiligung;-)


Absurda.

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Ich liebe 'Mulholland Drive'. So schwammig und oberflächlich diese Formulierung auch klingt: Ich liebe 'Mulholland Drive', einfach, weil er so anders ist; weil er mir das Gefühl gibt, etwas völlig außergewöhnliches zu sehen, dabei ist 'Mulholland Drive' doch eine Lüge oder etwa nicht? "No hay banda", sagt der Magier. Wir glauben, eine Band zu hören, aber wir hören nur ein Tonbandgerät. Ich glaube, mit dieser Szene fängt 'Mulholland Drive' auch die Essenz des Kinos ein: Wir glauben, wir sehen etwas, nur ist das, was wir sehen, nur unsere Projektion. Wir sehen das, was wir sehen wollen. 'Mulholland Drive' ist ein perfektes Beispiel hierfür. Es wird interpretiert, was das Zeug hält, aber in Wirklichkeit versuchen wir nur das aufzufassen, was wir gesehen haben bzw. was wir glauben gesehen zu haben, denn 'Mulholland Drive' ist eine subjektive Erfahrung, ein Film, den wir erschaffen. Wir erschaffen unseren persönlichen Mulholland Drive. Ich kenne nämlich keinen anderen Film, in dem selbst der schreibfaulste Community-User so viel entdeckt und hineininterpretiert, dabei vergessen wir allerdings (oder ignorieren wir es doch einfach nur?), dass 'Mulholland Drive' ein Film ist, der durch uns entsteht, durch das, was wir fühlen und erleben. Ich habe es in keinem anderen Film erlebt, dass die Gefühle, die der Film in mir auslöst, so vielfältig und so unterschiedlich sind.
Wohl merkend, dass ich gerade um den heißen Brei herumrede, will ich einfach nur sagen: Schaut euch 'Mulholland Drive' an, so oft es geht, denn letztendlich seid ihr es, die die Geschichte des Films schreibt, nicht (nur) David Lynch. 'Mulholland Drive' - das sind wir, das ist das, was wir erleben und durchleiden.
Ich will jetzt nicht sagen, dass 'Mulholland Drive' wirklich mein absoluter Lieblingsfilm ist (dafür gibt es viele, viele andere Offenbarungen), aber wenn man mich unter vorgehaltener Waffe fragen würde, welchen Film ich mir für den Rest meines Lebens ansehen würde, ich würde ohne zu zögern 'Mulholland Drive' nennen, denn in 'Mulholland Drive' fühle ich mich glücklich, in 'Mulholland Drive' fühle ich mich aufgehoben, in 'Mulholland Drive' fühle ich mich frei. Frei, wie in keinem anderen Film.
Danke dafür, David!

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Pyro 91

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Oh man, hab deine Liebeserklärung an Lynchs Meisterwerk erst jetzt gesehen - verdammt gut geschrieben!:)
Bin ich auch immer wieder überrascht wie verschieden ich "MH" interpretiere, wenn ich ihn mal wieder einlege. Eine echte Blue Box der Film.


Absurda.

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Auf jeden Fall! Mal erweitert er deinen intellektuellen Horizont, mal stößt er dich auf emotionale Höhen, aber dieses Gefühl von Erfüllung hab ich am Ende immer wieder.


Dasprofil

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Bewertung9.5Herausragend

MULHOLLAND DRIVE ist eindeutig eine Entmystifizierung von Hollywood. In der Vorstellung vieler Leute ist Hollywood ja ein paradiesischer Ort, an dem jeden Tag die Sonne scheint, nur interessante und gebildete Leute rumlaufen, die was zu sagen haben, weil sie viel erlebenman ständig bekannte Gesichter - vielleicht sogar die eigenen Idole - trifft , es die weltlichen Probleme nicht gibt, wo man Not und Elend nicht kennt, sondern alles perfekt ist, also im Grunde der perfekte Ort zum leben. Eine Oase in der grauen, monotonen, von Problemen und Krieg geprägten Welt, eine Flucht aus dem grauen Alltag.
Zudem ist Hollywood natürlich der Mittelpunkt der Filmindustrie. jeder kennt die Produkte, die dort herkommen, jeder kennt die Leute, die dort arbeiten -sprich: Hollywood hat einen enromen Einfluss auf unsere Kultur, aber auch auf unseren Charakter, weil wir uns an unseren Vorbildern (Lieblingsschauspielern, Filmchakteren, etc.) orientieren - Hollywood prägt uns alle von Kindesbeinen an, es gehört zu unserem Leben es macht uns zumindest teilweise zu dem, was wir sind und dadurch ist es nichtmehr wegzudenken. Zudem ist es ein Ort der selbstverwirklichung, hier kann man seine eigenen Ideen, die Phantasien, die einem im Kopf herumschwirren zu Papier bringen und zu etwas greifbarem, zu etwas "realem" machen, man verwirklich sich selbst in der Kunst und gibt seinen Gedanken sozusagen Materie und das geht an kaum einem Ort so, wie in Hollywood. DSoch hier sieht Lynch meiner Meinung nach das erste Problem, denn Hollywoods produkte sind nichts reales, nichts, was wirklich mit der Welt zu tun hat und somit lebt es in einer anderen, irrealen Welt, die unserer weit entfernt ist. An einem solchen Ort, wie Hollywood kann es eigentlich keine Realität geben, weil man sich nicht mit hier befasst. Dazu kommt noch die Vielzahl der produkte aus Hollywood, also die Vielzahl der Irrealitäten (oder von mir aus "eigenen Realitäten"), die hier geschaffen werden. Die Menschen die hier arbeiten wechseln ständig zwischen diesen hin und her, befinden sich in ihrem Leben also in unzähligen realitäten, die alle nebeneinener existieren, doch in keiner können sie verharren, wenn die ine verschwindet (also wenn die produktion abgeschlossen ist) kommt direkt die nächste und somit befinden sie aber auch der ganze Ort Hollywood in einem Chaos, in einem Wust aus tausenden von Wirklichkeiten, die sich miteinander vermengen, und zu einem unlösbaren Knoten werden, aber keine davon ist die, die wir kennen. An einem solchen Ort kann es ein Mensch eigentlich garnicht aushalten, das Leben dort fällt schwer auf die Psyche. Hollywood ist kein Paradies, sondern ein höchst lebenschädlicher und vor allen Dingen gefährlicher Ort.
Sehr große Probleme kommen auch auf die Schauspieler zu, die ständig jemand anderes sein müssen, als sie selbst sind, sie waren in ihrem Leben schon so viele andere personen, dass sie garnicht mehr wissen, wer sie sind, oder noch schlimmer es gibt garkein "sie selbst", also keine einzelne Person, kein "Ich" mehr. Sie haben isch selbst verloren und in unzählige Charaktere (also die, die sie schon alle in ihrem bisherigen Leben gespielt haben) aufgelöst und etwas schlimmer es kann einem Menschen denke ich nicht passieren. Was von ihnen selbst nurnoch übrig geblieben ist, ist eine Fassade, die tiefere Charakterzüge garnicht mehr zulässt. Eine Fassade, die aus Dauergrinsen, Make-Up und aufgesetzter Höflichkeit besteht und dessen Leben sich nurnoch in der Öffentlichkeit abspielt, jeder weiß alles über ihn, ein richtiges Leben, wie es "normale" Menschen (also du und ich) führen ist garnicht mehr möglich. Die Schauspieler entfernen sich so sehr von sich selbst, dass sie sich irgendwann verlieren und garnicht mehr sie selbst sind.

Außerdem finde ich, dass aus dem Film auch die Oben beschriebene Manipulation sehr gut herausgearbeitet ist (durch die italienischen Film-prodzuenten etc. Hollywood wirkt in dem Film finde ich, wie eine Mafia). Hollywood ist im Grunde ein abgründiges, System, dass die Macht hat, alle Bewohner dieser Erde zu manipulieren und zu kontrollieren, denn jeder konsumiert ihre Produkte. Hollywoodd macht unsere Vorbilder, Hollywood macht unsere Idealvorstellungen von uns selbst, Hollywood macht unsere Helden, Hollywood macht unsere Träume, Wünsche und Sehnsüchte, es schwingt sich also selbst und bei voller Absicht zum idealen Platz auf erden auf, mehr Manipulation geht glaube ich kaum. Das System Hollywoods hat also fast diktatorische Züge, doch hier geht es nicht von einer person aus, sondern von hunderten und och dazu viel weniger offensichtlich. Aber andererseits ist Hollywood natürlich, wie oben beschrieben ein Opfer von sich selbst, da es den Bezug zur Realität verloren hat, seidem zwischen den Realitäten wandert und die iegenen Leute kaputt macht. Hollywood ist also ein unglaublich gefährlicher Ort und zwar für jeden, für die die seine Produkte konsumieren aber ebenso für die, die dort leben und arbeiten. Und vor allen Dingen ist es eine Macht, die man nicht aufhalten kann, da sie uns schon viel zu sehr umklammert hat.
Mir läuft es jetzt noch eiskalt den Rücken runter, wenn ich an diesen unglaublich gruseligen Film denken muss.

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SKURRIL

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Super gut! Jetzt weiß ich nur nicht, wo ich dir antworten soll: hier oder in deinem GB? :D Ich denke, ich mache es hier: Vorneweg Dankeschön für deine ausführliche Beschreibung. Ich muss sagen, dass du mir mit deinen Gedanken einen neuen Pfad in Bezug auf den Film geschenkt hast. Da bin ich selbst noch nie draufgekommen, dass "Mulholland Drive" durch seine wechselnden Identitäten eine Art Metapher für Hollywood-FILME sind. Das finde ich höchst interessant und stimme dir zu. Da könnte man auch noch ein Stück weitergehen und die blaue Box als eine Metonymie für Hollywood halten, sehr interessant. Ich persönlich habe die Handlung eher weniger auf Hollywood bezogen, sondern auf die Psyche von den beiden Hauptdarstellerinnen. Alles ist in Rätseln und Zweideutigkeiten gepackt, und die Grenzen verschwimmen so krass, dass man nicht eindeutig sagen kann, ob das alles nur ein Traum ist oder nicht. Für mich ist es aber eigentlich egal, ob Naomi Watts Charakter ab einem bestimmten Zeitpunkt träumt und die Welt zu einem Alptraum wird - oder andersrum (Naomi Watts wacht aus ihrem schönen Hollywood-Traum auf) -, da beides aufs selbe hinausläuft, im Sinne deiner Intention: Hollywood ist ein Alptraum und muss entmystifiziert werden. Jetzt kommt bei mir noch folgendes hinzu: Lynch ist doch so vielschichtig, dass es in meinen Augen nicht nur um jene Kritik an Hollywood geht, da mich seine filmische Hypnose in Trance schickt (Badalamenti trägt noch wahnsinnig viel zu bei) . Man ist in einer Welt, die einen fürchtet, die einen fasziniert, die einem die Welt erklärt. Die Sequenz im Club Silencio ist für mich das ABSOLUT HERAUSRAGENDSTE, was ich je gesehen habe. Die Illusion, die praktische Manipulation, die Irrealität unseres Lebens. Ich beziehe den Film gern auf ALLES und nicht nur auf Hollywood!


Dasprofil

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Natürlich ist der Film insgesamt ein Film über Manipulation (das ist ja sowieso ein Thema, mit dem sich Lynch sehr häufig beschäftigt, z.B. auch in BOAT oder RABBITS), aber das, was ich oben beschrieben habe findet man denke ich nur in Hollywood in der Form wieder, deshalb finde ich, dass er sich schon ziemlich auf Hollywood konzentriert (obwohl natürlich alles extrem von Hollywood beeinflusst ist, weshalb man in allem Hollywood wiederfindet).

Es gibt natürlich überall Filmproduktionsstätten, aber ich glaube nur selten einen solchen Stadtteil, wie eben Hollywood. Und ich kann mir zudem um ehrlich zu sein nicht wirklich vorstellen, dass viele Leute die Bavaria Filmstadt oder die Trollhättan Filmstudios als Paradies und Erfüllung ihrer Träume ansehen ;).


Petunientopf42

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

"Now I'm in this dream place."

Geilster Film überhaupt. Ich habe nie gedacht, dass ich mal nach einem Film das Bedürfnis haben werde, laut rumzuschreien, wie geil dieser Film ist. Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht der emotionalste Mensch bin. Aber dieser Film raubt mir alle Worte. Er ist einfach der Wahnsinn, er hat mein Leben verändert und meine Sicht auf sämtliche Filme, die ich danach und davor gesehen habe. Ehrlich.

(Und das aus dem Mund von jemandem, der nach dem Kino sagt: "Der Film war gut." und dann eine Bewertung von 9.5 gibt.)

Ich kann immer noch nicht ganz glauben, dass ich, nachdem ich den Film das erste Mal (auf einer großen Leinwand in der Uni) gesehen habe, rausgegangen bin, gesagt habe: "Ich glaube, ich liebe diesen Film." und mich beherrschen musste, nicht laut zu lachen - einfach weil er so gut ist.

(Ich frage mich, was es über meinen Geisteszustand aussagt, wenn ich schon beim ersten Ansehen das Gefühl hatte, diesen Film zu verstehen, und ich ihn mit jedem Ansehen noch besser verstehe - ohne je einen Widerspruch zu finden.)

Einfach genial, ein Meisterwerk, man führe 15 Punkte als Wertung ein, damit ich dem Film in der Wertung gerecht werden kann, oh-mein-Gott-ist-der-geil-ich-halte-nicht-aus-wie-geil-der-ist, man gebe mir meine Eloquenz wieder.
Und nun Silencio.
Ich denke, aus mir ist keine rein rationale Kritik herauszuholen, deswegen werde ich schlafen gehen und davon träumen, wie ich alle mit einem brillanten Vortrag umhaue.

"It'll be just like in the movies. We'll pretend to be someone else."

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SKURRIL

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Bei uns hats schon angefangen, bin auch im 3. :)

Kennst du einen der Schmutzlerls?


Petunientopf42

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Sagt mir nichts...


WZRDOnTheMoon

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Bewertung7.0Sehenswert

An erster Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass ich in dieser Kritik mit voller Absicht kein Wort über den Inhalt von "Mulholland Drive" verlieren werde - dies ist nämlich so gut wie gar nicht möglich, ohne ihn im gleichen Atemzug zu interpretieren und zu deuten, was nun mal eines der interessantesten und auch spaßigsten Elemente eines David Lynch Films ist. Was hätte es also für einen Wert, sich die (womögliche) Bedeutung des Films von jemandem anderen vorkauen zu lassen, wenn es doch umso interessanter ist, sich seine eigenen Gedanken zu machen, seine eigenen Assoziationen zu knüpfen und sich selbst einen Reim auf die Handlung zu machen - außerdem bin ich der Meinung, das man den Film aus etlichen, ganz verschiedenen Sichtweisen betrachten kann - was der Zuschauer in diesem Film sieht, liegt zu einem nicht unwesentlichen Teil an ihm selbst und gerade das macht "Mulholland Drive" so faszinierend - anschauen, Kopf verdrehen lassen, staunen und interpretieren - Hirnfick der feinsten Art.

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Copacabanasun

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schön geschrieben. :)



Deine Meinung zum Film Mulholland Drive