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Narbengesicht
Scarface (1932), US Laufzeit 93 Minuten, FSK 16, Actionfilm, Kriminalfilm, Drama, Kinostart 20.02.1981
6.7
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von Howard Hawks, mit Paul Muni und Ann Dvorak
Nach der Ermordung des Gangsterbosses Big Louie Castillo durch seinen Leibwächetr Tony Camonte, genannt “Scarface”, droht in Chicago ein neuer Bandenkrieg. Johnny Lovo, in dessen Auftrag Scarface Big Louie getötet hat, will aber keine Konfrontation zwischen seinem Teil der Stadt und dem Süden, der von O’Haras Gang beherrscht wird. Trotzdem kommt es bald zu Gefechten, weil O’Hara erschossen wird, und seine Anhänger den Schudigen in Johnny Lovo sehen.
Cast & Crew
Drehbuch
Filmdetails Narbengesicht
- Genre
- Actionfilm, Mafiafilm, Drama
- Zeit
- 1920er Jahre, Prohibition
- Ort
- Chicago
- Handlung
- Alkohol, Antiheld, Bandenkrieg, Bruder-Schwester Beziehung, Ehrgeiz, Gangster, Gewalt, Klassiker, Macht
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Kommentare (10) — Film: Narbengesicht
TheDrPepperPower Mon, 22 Apr 2013 12:48:56 -0000
Kommentar löschenMit "Scarface" (1932) ist es wie mit so vielen dieser alten Klassiker: Betrachtet man sie im Kontext ihrer Zeit, sind sie wirklich beeindruckend aufgrund ihrer für das Kino wegweisenden Bedeutung. Schaut man auf sie allerdings mit subjektiveren, aus heutiger Sicht begründeten Maßstäben wie z. B. der Qualität des Actings, so kommen sie nicht über das akzeptable Mittelmaß hinaus. Es gibt definitiv gewisse Exemplare dieser uralten Filme, die es selbst heute noch vermögen, den Zuschauer in ihren Bann zu ziehen (wie z. B. "Metropolis"). Dennoch ist ihr Genuss immer mit gewissen Abstrichen verbunden. Es gab damals nun einmal noch nicht die technischen Möglichkeiten des modernen Kinos, was oft dafür sorgt, dass viele Werke recht unspektakulär anzusehen sind, ja manchmal gar staubtrocken wirken. Ebenfalls war das Schauspiel noch zu sehr beim Stile des Theaters verhaftet und wirkt daher selten realistisch. Ich kann mir die Liebe mancher Cineasten für diese ungeheuer alten Filme eigentlich nur durch ein reines Geschmacksurteil erklären. Wie manche eben B-Filme lieben, oder andere gerne ihre Zeit mit den belanglosesten Horror-Filmen verbringen, oder wieder andere - wie ich selber - liebend gerne einem Arnold Schwarzenegger beim Scheitern in der Aussprache der englischen Sprache zuschauen, so muss man wohl einen Soft Spot für das klassische Kino haben, um Werke wie das vorliegende wirklich gerne schauen zu können (und sie nicht "nur" für das was sie sind zu respektieren).
Mich erinnert das Schauen von Filmen aus der Wiege des Kinos an einen Museumsbesuch, bei dem man alte Werkzeuge bestaunt und sich so in eine vergangene Zeit versetzt. Es ist zwar immer noch bemerkenswert, was früher mit begrenzten Mitteln geleistet wurde, aber dennoch sind die damals brauchbaren Objekte inzwischen einfach obsolet. Niemand würde heute z. B. mit einem mittelalterlichen Pflug arbeiten wollen, so brauchbar er in der damaligen Zeit auch gewesen sein mag. Es gibt heutzutage einfach technisch überlegene Maschinen. Analog dazu muss man festhalten, dass Brian De Palmas gleichnamiges Remake des vorliegenden Werkes aus dem Jahr 1983 schlichtweg in jeder Hinsicht der bessere Film ist. Ob er es in filmhistorischer Hinsicht ist, darüber lässt sich streiten, aber wenn es darum geht, das Writing, das Acting, das Pacing, die Action und v. a. das aus diesen Faktoren resultierende "Viewing Pleasure" des Betrachters zu beurteilen, dann kann der alte "Scarface" leider nur verlieren.
bedenklich? 5 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 16 Antworten
nerdkiller Tue, 23 Apr 2013 20:00:26 -0000
Antwort löschenHm, etwas seltsame Argumentation. Film ist doch nicht nur Technik, denn nach der Logik muss das geplante Remake des De Palma Films ja automatisch besser sein.
TheDrPepperPower Tue, 23 Apr 2013 20:13:29 -0000
Antwort löschenGanz so einfach ist es natürlich nicht, aber verstehst du wirklich nicht, was ich meine?
nerdkiller Tue, 23 Apr 2013 20:20:40 -0000
Antwort löschenDoch, doch. Du sagst ja, man müsse "alte Filme" lieben, um sie schauen zu können. Ist das nicht generell Grundvoraussetzung? Ich finde, man muss jeden Film im Kontext seiner Zeit sehen. Auch der De Palma Scarface ist so gesehen total veraltet. Ich meine, mehr 80er Jahre kann ein Film kaum sein! Trotzdem ist er gut und hat seine Qualitäten.
TheDrPepperPower Tue, 23 Apr 2013 20:30:30 -0000
Antwort löschenDas sehe ich nicht ganz so. Man sieht dem De Palma natürlich absolut die 80er an, aber das ist ja in keiner Weise in Makel, sondern das Setting des Films. Würde man den Film heute nochmals drehen, könnte man ihn nicht die Bohne besser machen, was ich beim alten Scarface bestreiten würde. Da erkennt man eben nicht nur, dass der Film aus den 30ern stammt, sondern man erkennt die filmischen Fehler, die eben damals noch gemacht wurden. Heutzutage könnte man das ganze Acting verbessern, die Shots, die Action usw. könnten viel mehr gesteigert werden. De Palmas Film ist anders, er hat keinen Fehler, der in seiner Entstehungszeit begründet ist. Für mich persönlich hat er m Grunde überhaupt keine Fehler, aber all das, was die Kritiker ihm vorwerfen, ist eine völlig andere Kritik als die, die ich dem Original entgegenbringe.
nerdkiller Tue, 23 Apr 2013 20:44:24 -0000
Antwort löschenDas stimmt natürlich, aber das geht schon in die Richtung: Hätte. Könnte. Wenn. Aber. usw..
Kein Film ist wirklich perfekt (was soll das überhaupt sein?), man kann es immer anders oder besser machen. Und natürlich ist ein Film aus den 30ern nicht mehr zeitgemäß, doch ich finde, man sollte, wenn man einen "alten Film" (so vor 1950) schaut bzw. bei jedem Film, den man schaut, sich bemühen, ihm auf Augenhöhe zu begegnen, also die Sehgewohnheiten und die Erwartungshaltung anpassen. Alles andere ist imho irgendwo unfair. Ob man es mag, ist dann eine andere Sache. (geht mir jetzt auch nicht primär um deine Bewertung, kenne den Film selber nicht)
Bei De Palmas Scarface mach ich das auch - ich mag den Film auch, bin keiner von denen, die auf ihm rumtrampeln, auch wenn ich innerhalb des Genres einige Filme stärker finde -, denn würde ich ihn nach heutigen Maßstäben ansehen, wäre er allenfalls als Eighties Trash akzeptabel. Und technisch ist auch De Palmas Film längst überholt, aber für mich kein Schwachpunkt des Films.
TheDrPepperPower Tue, 23 Apr 2013 22:14:58 -0000
Antwort löschenWie man einen Film "fair" bewertet ist wirklich eine schwierige Frage. Gefallen oder Missfallen ist in letzter Instanz immer nur auf dem persönlichen Geschmack begründet. Ich bin aber der Meinung, dass man zumindest gewisse annähernd objektive Kriterien zur Bewertung heranziehen kann, z. B. die Qualität des Actings. Viele diese ganz alten Filme sind einfach schlecht gespielt, das kann man meiner Ansicht nach nicht anders formulieren. Mit "schlecht" meine ich hier, dass die Performance der Lines in Dialogen steif, unrealistisch oder unglaubwürdig wirkt. Natürlich wird man selbst hier Leute finden, die behaupten, dass Al Pacino schlechter spielen würde als die Darsteller im Original, aber solchen Aussagen gebieten die Grenzen des gesunden Menschenverstands Einhalt. Man kann nicht einfach jedes Acting auf eine Stufe stellen und behaupten, es ginge NUR um Geschmack. Tommy Wiseau in "The Room" spielt einfach grottenschlecht. Das ist kein Geschmacksurteil, sondern eine Tatsache. Schauspiel ist schließlich eine Fähigkeit, die man zumindest in gewisser Weise messen kann. Ich kürze das jetzt hier ab, weil dieser Kommentar sonst zu sehr in eine philosohische Richtung gehen würde.
Was hälst du an De Palmas Scarface in technischer Hinsicht für überholt? Wenn ich mit magischen Kräften Scarface irgendwie beeinflussen könnte, würde mir nichts einfallen, was ich am Film ändern würde. Da sieht nichts billig oder fake aus (mit Ausnahme der Dialoge, die während der Fahrt im Auto gedreht wurden, deren Look allerdings nahezu egal ist). Bei "Matrix Revolutions" im Gegensatz sieht man z.B. heutzutage, dass die Animationen überholt sind. Diese könnte man heutzutage besser, d. h. weniger steril und damit realistischer aussehen lassen. Scarface ist genau wie z. B. "Seven" einfach perfekt (meinetwegen zu 99% perfekt), ohne Makel in irgendeiner (nennenswerten) Hinsicht. Solche Filme könnten auch in 50 Jahren nicht besser gemacht werden, weil sie in Sachen Acting, Story, Message, Kameraarbeit usw. in der für sie angemessenen weise nahezu fehlerfrei konzipiert sind.
Du hast Recht, dass man bei der Einordnung von Filmen ihren Kontext nicht vernachlässigen darf. Wenn es mir als Zuschauer aber nur darum geht, durch einen Film Viewing Pleasure zu bekommen, dann helfen mir da auch keine Entschuldigungen für seine Fehler, nur weil man es damals eben noch nicht besser konnte. Der Film bleibt für mich damit genauso fehlerhaft wie zuvor, nur macht es keinen Sinn, seinen Machern deswegen einen Vorwurf zu machen. Für mich persönlich kann ich nur festhalten, dass ich mit vielen dieser alten Klassiker aufgrund ihrer filmischen Fehlerhaftigkeit wenig anfangen kann.
Bob Loblaw Wed, 24 Apr 2013 16:50:17 -0000
Antwort löschenEine schöne Diskussion. Ich will noch ein paar Dinge einwerfen:
Ich bin mir aber nicht sicher, aber vielleicht haben die Leute bei dem Scarface in den 30ern vielleicht auch gedacht, dass der in Sachen Acting, Story, Message und Kameraarbeit perfekt ist.
Und vielleicht denken die Leute in 50 Jahren ja auch, dass "Seven" total antiquiert ist. Du bist dir da ein bisschen zu sicher, Dr. Pepper ;)
So etwas ist immer schwierig zu sagen. Es gibt ja so viele Dinge, die sich ändern. Nicht nur die Technik oder die Art, wie geschauspielert wird. Auch die Zuschauer haben sich verändert. Auch so Dinge wie die Message, die Auffassung von Männer- und Frauenrollen, von Pflicht, von Politik, von Religion, von Moral, von Sexualität von Gut und Böse usw. usw...
Und ich glaube auch, dass diese Dinge immer noch in Bewegung sind, und sich z.B. in 50 Jahren auch wieder vollkommen ändern können.
Deshalb ist es ja auch so schwierig, einen alten Film "objektiv" zu bewerten.
Bei ganz alten Filmen gefällt mir persönlich irgendwie die Tatsache, dass man sich bewusst wird, dass es sich um einen "Film" handelt, also um projeziertes Licht.... Aber das ist wohl eher eine nostalgisches und subjektive Sichtweise.
Oft merkt man alten Filmen aber eine gewisse Kreativität und Experimentierfreudigkeit an, die sowohl aus dem Umgang mit den Einschränkungen der jeweiligen Zeit kommt (in einem Stummfilm ist man zum Beispiel gezwungen, bestimmte Dinge anders auszudrücken, als in einem Tonfilm) oder aus Neugierde gegenüber neuen Möglichkeiten (zum Beispiel der Umgang mit Farbe in den ersten Farbfilmen)... Da gibt es in jeder Zeit andere Besonderheiten, die die Filme einzigartig machen... (heute natürlich auch noch).
Auch Einschränkungen bei der Freizügigkeit von Filmen ändern sich...
Und noch ein interessanter Punkt:
Kritiker moderner Filme sagen ja zum Beispiel, dass die Kinofilme heute zu sehr an das Fernsehen angepasst sind... Also so, dass alles, was man im Film sieht auch noch auf dem kleinen Bildschirm funktionieren muss, und das man dadurch ein enormes Potenzial verschenkt.
TheDrPepperPower Wed, 24 Apr 2013 22:55:16 -0000
Antwort löschenDas hat alles Hand und Fuß was du schreibst. Tja, im Grunde ist es wie in meinem Philosophiestudium: Egal welche Aussage man auch trifft, egal welche Position man vertritt, es gibt im Grunde immer eine genau so schlüssige Gegenposition. Vielleicht bin ich wirklich zu sehr in meiner subjektiven, zeitgenössischen Sicht auf Filme gefangen, um den alten Klassikern genug abgewinnen zu können. Vermutlich bin ich mir was ihre vermeintlich objektive Fehlerhaftigkeit angeht wirklich etwas zu sicher.
cpt. chaos Sun, 28 Apr 2013 17:30:23 -0000
Antwort löschenWow, eine wirklich interessante Diskussion, denn ich muss mir - möglicherweise auch zu Recht - ab und an vorwerfen lassen, dass vor allem die sogenannten Klassiker bei mir zu schlecht wegkommen würden.
Letztendlich liegt es im Auge des Betrachters, aber da geht es mir ziemlich ähnlich, wie dem Auslöser dieser Diskussionsrunde. So habe ich gerade kürzlich "Kampf der Welten" bewertungsmäßig "abgestraft". Dass man dafür in diesem Forum keinen Beifall erntet, ist mir inzwischen bestens bekannt, aber damit kann ich leben, schließlich bewerte ich nicht, um mit der Strömung zu schwimmen, sondern so wie ich Filme erlebe.
Ohne jemandem etwas unterstellen zu wollen, aber oftmals habe ich den Eindruck, dass es sich allgemein nicht ziemt, ältere Filme etwas weniger gut zu bewerten, zumal es dafür was auf die Mütze gibt, und wer will das schon? ;o)
Tricktechnisch können ältere Filme nunmal nicht mit heutigen Produktionen mithalten, aber dafür ist häufig ein spezieller Charme vorhanden und schauspielerische Qualität ist auch nicht immer eine Frage des Alters - na gut, Produktionen aus den 30ern und früher, sind womöglich etwas häufiger davon ausgenommen.
Aber ist natürlich alles reine Ansichtssache!
Bob Loblaw Sun, 28 Apr 2013 18:11:34 -0000
Antwort löschen@cpt. chaos: Der alte Kampf der Welten ist tatsächlich ein bisschen arm. (Vor allem wenn man den grossartigen neuen Film von Spielberg gesehen hat)
Aber zum Beispiel die Zeitmaschine von 1960 finde ich super... Da passt irgendwie alles. Auch die Zeitraffereffekte sind wunderschön kreativ... das würde man heute bestimmt anders machen (aber nicht unbedingt besser ?!)
Ich denke halt, dass das mal so und mal so ist. "Metropolis" zum Beispiel, den Dr.Pepper hier als gutes Beispiel anführt, finde ich gar nicht so toll.
Aber natürlich stimmt vieles ihr da schreibt (vor allem bei Filmen, die mit Spezieleffekten arbeiten ist das so)... Aber fast alle mögen die alten Star Wars Filme lieber als die neuen... und ich glaube, das ist nicht nur Nostalgie.
Aber nur so zum Beispiel... was mir bei den Filmen, die ich gerne mag in der Zeit so auffällt (das ist natürlich sehr grob vereinfacht und pauschalisiert)
die 60er Jahre Filme sind oft schick und modisch (Godard, Antonioni), elegant gefilmt, experientierfreudig und intellektuell.
die 70er Jahre Filme sind eher realistisch gefilmt und rauh, auch vom Schauspiel her. Auch sind sie oft textlastig (Cassavetes, Woody Allen, Altman, eigentlich auch Scorsese) .
die 80er Jahre Filme sind vom Bild wieder mehr gesättigt und kontrastreich, die Geschichten sind geradliniger.
Die 90er Jahre Filme sind sehr postmodern (Burton, Tarantino) und zum Teil auch stark von MTV beeinflusst.
Die heutigen Filme sind auch wieder anders, die Handlungsstränge sind zum Beispiel oft komplizierter als in den geradlinigen 80ern.
Aus all diesen Jahrzehnten gibt es Filme, die (meiner Meinung nach) später nicht mehr übertroffen wurden, weil sich die Zeiten eben ändern.
Hmm... Die "Planet der Affen Filme" (von 1968, 2001 und 2011) sind noch ein schönes Beispiel. Die finde ich alle ganz toll, sie sind aber jeweils typisch für ihre Zeit.
jacker Sat, 11 May 2013 14:48:50 -0000
Antwort löschenSehgewohnheiten, Erwartungshaltung, persönliche Schwerpunkte bei der Filmrezeption.
Alles Faktoren, die schon jeder für sich unheimlich individuell gefärbt sind. Ich z.B. merke, dass ich ältere bis sehr alte Filme (das ist für mich 50er aufwärts) auf jeden Fall anders sehe und rezipiere. Das von Bob angesprochene Filmhafte nehme ich immer als klassischen Charme war und mag das an sich sehr gerne. Heute hingegen finde ich nichts schlimmer als einen Film offensichtlich als Film, bzw. als 'gespielt' zu entlarven. Realismus ist ein sehr moderner Anspruch an Film, daher ist es auch ganz klar, dass aufgrund kultureller Prägung 'modern denkende' Filmkonsumenten (Generation 80er/90er) den Realismus als das Nonplusultra ansehen. Interessant ist es jedoch, dass man immer wieder Filme findet, die aus den gängigen Schemata ihrer Zeit völlig ausbrechen. Beispielsweise Welles' PROZESS. Ist über 50 Jahre alt, aber visuell, atmosphärisch und vor allem schauspielerisch sehr gelöst von der damaligen Zeit.
Was für mich aber gar nicht funktioniert: Filme die mir überhaupt nicht gefallen (und die ich auch handwerklich nicht als besonders gelungen erachte) aufgrund ihres Einflusses trotzdem zu feiern / loben. Bestes Beispiel: Goddard's AUSSER ATEM. Ein nerviger Film für mich. Mehr nicht. Und da ist es mir dann ganz egal, dass Goddard prägend war und ich habe auch keine Lust mich bewusst in die Zeit zu versetzen.
@ Dr. Pepper: Ich weiß nicht wie oft / seit wann / wie ausgiebig du es mit so alten Filmen probierst, aber ich musste es ein wenig lernen und sehe die nun ein wenig anders. Lasse mich mehr von diesem unperfekten Charme einlullen..
TheDrPepperPower Sat, 11 May 2013 15:46:31 -0000
Antwort löschenIch schaue eher selten so richtig alte Werke. Es gibt aber definitiv einige, die mir zumindest recht gut gefallen haben wie z. B. "Witness for the Prosecution", "M - Eine Stadt sucht einen Mörder", "The Third Man", "Citizen Kane", "All Quiet on the Western Front" oder eben der oben genannte "Metropolis". Die sind für mich alle im 7-8 Punkte Bereich. Ich bin definitiv kein Spezialist in der Hinsicht und werde wohl auch nicht mehr der große Fan des klassischen Kinos werden, aber ich versuche schon hin und wieder, meinen Horizont zu erweitern.
TheDrPepperPower Sat, 11 May 2013 15:49:39 -0000
Antwort löschenUnd "Twelve Angry Men" ist natürlich ebenfalls großartig! Habe ich schändlicherweise vergessen aufzuzählen.
Uli Kunkel Sun, 12 May 2013 18:58:24 -0000
Antwort löschenVerdammt interessante Diskussion, die ihr hier am laufen habt, Leute. Dem bereits Gesagten ist kaum etwas hinzuzufügen. Ab und zu versuche ich mich ebenfalls an der filmhistorischen Horizonterweiterung und achte dabei natürlich darauf, den Kontext des jeweiligen Entstehungshintergrunds in der Betrachtung miteinzubeziehen. Klar, daß einem manche Eigenheiten schon mal den Zugang erschweren oder gar verwehren. Bei mir war das zuletzt beispielsweise das hemmungslos overactete Schaupiel in "Rashomon" oder die cineastische Entwicklung der letzten 35 Jahre bei "Halloween", die dieses Werk selbst mitangeschoben hat. Durch den Filter der heutigen Standards betrachtet wirkt Carpenters Werk lahm und klischeehaft. Da konnte ich meine filmische Sozialisierung nicht beiseite schieben und das hat die verspätete Sichtung für mich entwertet.
Buster Keatons "Der General" etwa, um mal ein Positivbeispiel zu nennen, bietet sowohl ein faszinierendes Zeitfenster als auch nach wie vor spannend anzusehende Zug-Action und ist allgemein richtig gut inszeniert. Solche teils halsbrecherischen Stunts wie hier würde außerdem heute wohl keiner mehr wagen. Wenn Keaton eine Brücke sprengt und eine Dampflok in den Fluß rauschen läßt, dann ist alleine das atemberaubender als alles, was man bei den Star Wars-Prequels an Schauwerten aus dem Computer gezaubert hat. Okay, ich weiß, dieser Vergleich ist so unfair wie er bequem ist. Konnte nicht widerstehen. ;)
Oder natürlich gutes altes menschliches Drama. Das verwittert nie. "The Lost Weekend" etwa wird vor allem von Ray Millands grandios-intensiver oscargekrönter Darstellung getragen und reißt einen auch heute noch mit in den ziellos-selbstzerstörerischen Strudel der Suchtkrankheit. Da bildet der Zeitkolorit allenfalls einen netten und durchaus willkommenen Bonus.
Jep, alles ist dem steten Fluß der Veränderung unterworfen und wir können allenfalls darüber spekulieren, welche Sichtweise in 50 Jahren unseren geschätzten zeitgenössischen Filmen zuteil werden wird und ob sie für kommende Generationen noch genauso viel wirkmächtige und funkelnde Kinomagie ausstrahlen wie für uns.
Letzten Endes kommt es darauf an, inwiefern das subjektive Erlebnis für jeden einzelnen Zuschauer in der jeweiligen Gegenwart funktioniert.
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jp@movies Mon, 13 May 2013 09:13:53 -0000
Antwort löschenOk, das Schauspiel mag aus heutiger Sicht ein wenig theatralisch anmuten, und man kann sich auch schenken, dass der Film in den 30er Jahren wegen seiner Gewaltdarstellung mit der Zensur zu kämpfen hatte, wie heutzutage Quentin T. - na ja, also eher Mitte/Ende der 90er - trotzdem fühle ich mich davon besser unterhalten, als von einer beliebigen Staffel BOARDWALK EMPIRE. Letzteres müsste/sollte dann ja "besser" sein. In Sachen Ausstattung und Bühnenbau finde ich dann aber Hawks deutlich überzeugender für die 20er Jahre - Film ist und bleibt halt immer eine subjektive Angelegenheit für jeden einzelnen Zuschauer :)
jacker Mon, 13 May 2013 13:07:24 -0000
Antwort löschen@ Dr. Pepper: Aber siehts du, genau diese genannten Filme entstammen ja den selben Umständen und sind somit ähnlich, oder sogar mehr in die Zeit gekommen. Trotzdem reißen sie dich mit. Daraus würde ich ableiten: Entweder die genannten Filme sind ganz außergewöhnlich für ihre Zeit und haben die damaligen Konventionen mit Füßen getreten (oder revolutioniert). Oder es ist eben doch nicht nur die objektive Sicht auf die 'Probleme' der damaligen Darstellung sondern eigentlich genau wie heute: Von Film zu Film verschieden und nicht vorhersehbar.
Ich gebe dir ja recht, dass ältere Filme oft etwas naiver wirken, aber eben nicht alle :)
@ Kunkel: Wie wir mit viel Abstand auf heutige Top-Filme sehen werden, darauf bin ich jetzt schon gespannt
hollygolightly1 Fri, 23 Mar 2012 18:32:56 -0000
Kommentar löschen"The world is yours."
Howard Hawks' "Scarface" aus dem Jahre 1932 ist ohne Frage ein Meilenstein des Gangsterfilms und ein nennenswerter Beitrag zur Filmgeschichte.
Mit Paul Muni in der Hauptrolle drehte einer der wichtigsten Regisseure der Vergangenheit diesen Film, der später als Vorlage für kein geringeres Werk als Brian De Palmas "Scarface" aus 1983 dienen sollte.
Interessant ist, dass es zwischen den beiden Filmen keine so großen Unterschiede gibt, wie man vielleicht vermuten könnte.
Selbstverständlich ist das Original eines Remakes (fast) immer mindestens sehenwert, obwohl ich hier zugeben muss, dass mir die Neuverfilmung von De Palma besser gefällt. Ein Grund dafür ist Al Pacino. Ein weiterer die Atmosphäre der 80er.
Aber ich will die beiden Filme hier gar nicht miteinander vergleichen, sondern nur klarstellen, dass Hawks' Version ebenfalls sehenswert ist. Man berücksichtige einmal das Jahr.
Der Film ist nicht ganz so spannend, wenn man vorher das Remake gesehen hat. Trotzdem ist er vor allem gegen Ende sehr dramatisch und packend.
Die Schauspieler machen ihre Arbeit hervorragend - ob nun Muni als "Scarface", Ann Dvorak als Cesca Camonte oder Osgood Perkins als John Lovo - sie überzeugen in ihren Rollen.
Insgesamt ist "Scarface" ein wichtiger und für Fans des Gangsterfilms empfehlenswerter Film, der den Aufstieg und Fall des Gangsters Tony, dessen Charakter an Al Capone angelehnt ist, schildert.
Ich persönlich bevorzuge die Version mit Al Pacino, da De Palmas Werk eine mehr als würdige Neuverfilmung des kleinen Klassikers ist.
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Filmkenner77 Fri, 23 Mar 2012 19:43:48 -0000
Antwort löschenSehr schöner Kommentar, wenngleich ich deine Meinung nicht ganz teile: Ich sehe schon erhebliche Unterschiede zwischen beiden Versionen. Aber auch ich bevorzuge die 83er Version.
hollygolightly1 Fri, 23 Mar 2012 22:18:23 -0000
Antwort löschenDanke.
Klar, du hast natürlich recht. Die Hintergründe, die Figuren usw. sind anders. Die Unterschiede sollten sich aber vielmehr auf den Inhalt beziehen, also den Aufbau. Oder siehst du da auch große Unterschiede?
Filmkenner77 Sat, 24 Mar 2012 07:10:42 -0000
Antwort löschenIch muss zugeben, dass ich mich nur noch rudimentär an die Altverfilmung erinnern kann. Wie du schon gesagt hast, es sind mehr die Hintergründe und Figuren, die vollkommen andere sind. Und natürlich die Zeit. Aber das ist ja dann schon einiges. Es gibt sicherlich Remakes, die viel näher am Original sind und deshalb ist es auch schwer, die Filme miteinander zu vergleichen.
hollygolightly1 Sat, 24 Mar 2012 16:53:35 -0000
Antwort löschenIn der Hinsicht hätte ich nicht erwartet, dass beide so ähnlich sind, z.B. vor allem am Ende. Ohne die Altverfilmung würde es die "neue" ja gar nicht geben, von daher hat erstere schon mal einen Bonus.
Es gibt sogar welche, die identisch sind wie "Psycho". Da ist das Remake aber einfach nur grottenschlecht.
Filmkenner77 Sat, 24 Mar 2012 19:55:17 -0000
Antwort löschenDas Remake von "Psycho" ist deswegen so schlecht, weil es als 1:1 Kopie vollkommen unnütz ist. Der Film hat schlichtweg keine Daseinsberechtigung.
hollygolightly1 Sat, 24 Mar 2012 21:23:55 -0000
Antwort löschenRighty right!
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Filmkenner77 Sat, 24 Mar 2012 21:39:04 -0000
Antwort löschenKubrick-Fan, wie ich lese. ;-)
hollygolightly1 Sun, 25 Mar 2012 01:58:59 -0000
Antwort löschenjep :)
Keky Tue, 17 Jan 2012 17:07:57 -0000
Kommentar löschen"Narbengesicht (Scarface)" aus dem Jahre 1932 ist ohne Zweifel der Urvater aller Mafia Epen. Ohne diesen Film, der ein ganzes Genre begründet hat, gäbe es viele andere Perlen der Filmgeschichte wohl nicht.
Der Regisseur Howard Hawks hat an die Lebensgeschichte von Al Capone angelehnt. Obwohl der Film bereits zu Beginn der 30er Jahre entstanden ist, kann dieses Konzept nach wie vor überzeugen.
Spannung ist garantiert, auch die Action-Szenen sorgen durchaus für eine gewisse Faszination. Paul Muni ist der unbestrittene Star des Films, was für ein Vollblut-Schauspieler! Nach meinem Dafürhalten ist seine Verkörperung des Gangsterbosses Tony Camonte bis heute unübertroffen, und das will bei einer solch einer Konkurrenz wie De Niro, Pacino, Cagney, Robinson u.a. ja nun einiges heißen. :D
Was den Film zu einem Klassiker macht, ist schließlich auch die Tatsache, dass er eben nicht in der effekthascherischen Schilderung der organisierten Kriminalität verharrt, sondern die gesellschaftlichen Umstände, die das Verbrechen begünstigen. ;)
Ein Meisterwerk der Filmgeschichte!
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Cellmorbasg Tue, 20 Dec 2011 16:53:44 -0000
Kommentar löschenEin Gangsterfilm dem man sein Alter insgesamt ein bisschen anmerkt, doch bietet Paul Muni ein sehr ansehnliche Performance als sarkastischer Bösewicht vor dem niemand sicher ist. Genau daraus erwächst die dramatische Beschleunigung zum Ende hin in der Scarface doch noch seine menschenfreundliche Seite zeigt und dem Film eine durchaus tragische Wendung gibt.
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Lismechir Mon, 05 Sep 2011 20:28:08 -0000
Kommentar löschenEs waren einige gute Momente in dem Film, allgemein konnte er mich allerdings nicht überzeugen. Zu leer insgesamt.
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nmrd Sat, 25 Jun 2011 12:02:32 -0000
Kommentar löschenGroßartig! Paul Muni liefert eine geniale Show, angemessene Härte und ein gehöriger Schuss Ironie machen Scarface zu einem echten Kracher.
Insbesondere wer DePalmas Scarface mag, sollte sich das Original anschauen - es macht großen Spass, die vielen großen und kleinen Parallelen zwischen diesen beiden fantastischen Gangster-Klassikern zu entdecken.
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lynch86 Fri, 25 Feb 2011 19:23:38 -0000
Kommentar löschenWenn man die Zeit bedenkt einfach genial !!
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Conan Doyle Mon, 10 Jan 2011 10:04:22 -0000
Kommentar löschenNeben "Little Cäsar" und "Public Enemy" ein Klassiker des Gangsterfilms. Gefällt mir noch besser als die beiden anderen, da er flotter und auch eine Spur brutaler inszeniert ist. Auch der für Howard Hawks typische Witz findet hier bereits seinen Platz. Am besten gefallen hat mir aber Paul Munis Darstellung. Er spielt Tony Montana auf genial-abstoßende aber auch humorvolle Art.
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Heiderditte Thu, 22 Oct 2009 07:10:30 -0000
Kommentar löschenDer Klassiker des Gangstergenres (neben Der kleine Caesar und public enemy) und Vorlage für das wohl beste Remake der Filmgeschichte!!!
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JupiterOne Wed, 19 Mar 2008 13:01:49 -0000
Kommentar löschenKlasse, aber wenn ihr mit Paul Muni Jagd auf James A. gesehen habt, wisst ihr, was wirklich genial ist.
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