Nocturnal Animals - Kritik

Nocturnal Animals

US · 2016 · Laufzeit 117 Minuten · FSK 16 · Thriller, Kriminalfilm, Drama · Kinostart
Du
  • 8 .5

    [...] Die Sogwirkung des Films offenbart sich dann auch gleich in mehreren Ebenen. Jede noch so heruntergekommene Hütte in den unendlichen Weiten von Texas sieht aus, als könnte sie für ein Shooting der Vogue hergerichtet worden sein. Unter unnachgiebigem Himmel spielt sich die Geschichte des Romans ab, und niemand gibt sich dort Mühe, das Unvermeidbare irgendwie schön zu reden. Nein, die perfekten Kulissen werden zum Schauplatz ekelerregender Gräueltaten, Kälte macht sich unter der strahlenden Sonne breit, die Schweißperlen rinnen wie kleine Falschaussagen über verzerrte Gesichter. Die Perfektion auf der stilistischen Ebene verhindert effektiv, dass sich zu sehr in die Geschichte eingefühlt werden kann. Der Zuschauer wird so zum Voyeur degradiert, dem schrecklich schönen Terror kann er nicht entkommen. Nach und nach werden die Verbindungen zu Susans Geschichte deutlich und sie kulminieren in einem Finale, welches Stoff zum Diskutieren liefert. Rollenbilder, Erfüllungsgehilfen, Schuld und Sühne werden von Ford mit dicken Pinselstrichen aufgetragen und sie verschmelzen zu einer schrecklich schönen Einheit.[...]

    7
    • 5

      "Mit einem Rachethriller als Metapher widmet sich Tom Ford einem überwältigenden Trennungsschmerz – und ist dabei auf hinterhältige Weise parteiisch." [Michael Kienzl ]

      • 3

        Susan ist als Expertin und Einkäuferin für ein großes Kunstmuseum am Ziel ihrer Träume angekommen. Wenig überraschend: Sie ist unglücklich – ihr attraktiver Mann betrügt sie und dann bekommt sie auch noch Post vom Ex-Mann. Die Kunstwelt ist – wenig überraschend- kühl, die Dialoge hölzern. Dann fängt Susan an das Manuskript ihres Ex-Manns zu lesen – hier in der zweiten Ebene des Films geraten die Romanfiguren in der texanischen Wüste in die Hände von mörderischen Hinterwäldlern. Ein Puzzle aus „Funny Games“ und Wannabe Tarantino. Beeindruckend: Michael Shannon als Ermittler Bobby Andes. Was ist Regisseur Tom Fords zweiter Film? Stilistisch perfekt oder überkonstruiert und überkonzeptioniert? Anspielungsreich oder so subtil wie ein Vorschlaghammer? Bei uns geht der Daumen nach unten.

        2
        • 7 .5

          [...] Schließlich bricht „Nocturnal Animals“ mit naheliegenden Erwartungen und lässt viele Fragezeichen im Raum stehen. Im ersten Moment mag der Film enttäuschen, doch aus dieser vordergründigen Enttäuschung geht seine Stärke hervor. Ford sorgt dafür, dass seine Geschichte hängen bleibt und interpretiert werden will, was man von Hollywoodstar-Kino nur noch selten behaupten kann. Man sollte sich länger mit „Nocturnal Animals“ beschäftigen, sich die zahlreichen Symbole vergegenwärtigen, denn ansonsten bliebe nur eine traurige, streckenweise langatmige Formspielerei mit Thriller-Elementen. Dabei wird beachtlich viel über Veränderungen, Befreiungen, Liebe und Schmerz erzählt.

          3
          • 7

            Wer hätte gedacht, dass bebende Fleischberge so ästhetisch perfekt in Szene gesetzt werden können? Der Regisseur/Modeschöpfer Tom Ford, der 2009 mit seinem Regiedebüt A Single Man großen Anklang unter den Kritikern fand, bringt dieses Jahr mit Nocturnal Animals seinen zweiten Film in die Kinos und gleich in der Eröffnungssequenz gibt der ehemalige Gucci-Chefdesigner die Marschrichtung des Filmes vor: Krankhaft übergewichtige, nackte Frauen bringen hier in Zeitlupe ihre Pfunde in Wallung – ein grotesker Anblick, der sich dem Zuschauer da bietet und doch entwickeln die Bilder einen hypnotischen Sog. Tom Ford sucht in seinem Drama-Thriller stets die Schönheit im Hässlichen, der Brutalität und der Hoffnungslosigkeit, womit er das stille, voyeuristische Verlangen eines jeden Kinogängers zumindest auf visueller Ebene perfekt zu befriedigen weiß. Das Ergebnis ist ein Film, an dem sich zwar das Auge nicht sattsehen kann, der seine Zuschauer trotzdem (oder vielleicht gerade deswegen) gefühlskalt zurücklässt, denn zu berechnend gestaltet Ford die Analogie zwischen seinen Erzählebenen, zu zweckmäßig werden die Figuren installiert und zu künstlich wirken die Hochglanzbilder in denen wir das Leid erfahren. [...]

            1
            • 7

              [...] Nur weil Tom Ford der Modewelt entsprungen ist, sollte man es nicht per se verteufeln, dass dem Ästhetischen und Schönen ein großer Stellenwert zugesprochen wird. Nocturnal Animals entpuppt sich schnell als optischer Leckerbissen, der brillant inszeniert und vor allem montiert wurde und allein dadurch als spannungsgeladener Thriller funktioniert. Darüber hinaus bietet der Film abgesehen von einigen plumpen Provokationen aber auch eine intelligente Auseinandersetzung mit dem Erzählen selbst, indem er bekannte Elemente auf ungewohnte Art in die Geschichte einbindet. Insofern ist die typische Rachegeschichte im abgelegenen Texas nicht bloß reines Genrediktat, sondern auch ein Spiegel für die Geschehnisse um Amy Adams. Dadurch zeigt Nocturnal Animals einen Weg, bekanntem und möglicherweise auch ausgelutschtem Material zusätzliche Tragweite zu verleihen und letztlich bestehendne Geschichten nicht durch ihren Inhalt, sondern durch die Art des Vortrags etwas Neuartiges zu verleihen. Ein Ansatz, der, obgleich nicht bis zum letzten konsequent umgesetzt wurde, dennoch eine interessante und auch wichtige Thematik im aktuellen Filmgeschehen anspricht. [...]

              6
              • 9 .5

                Die zweite Regiearbeit von Tom Ford ist eine in wunderschöne Filmkompositionen verpackte Film-im-Film-Rachetragödie, die die klassischen Erwartung an Jammer und Schaudern erfüllt und mit den gnadenlos guten Amy Adams, Jake Gyllenhaal und Michael Shannon berührt.

                • 7 .5

                  „Nocturnal Animals“ ist eine nächtliche Autofahrt ins Ungewisse, voller Traumgebilde am Straßenrand, die schon vorübergezogen sind ehe man den Kopf drehen konnte. Es geht um geplatzte Träume, die sich Jahre später wie Tentakel um die Leben der Protagonisten winden. Aber auch um Geborgenheit und Hoffnung, um gescheiterte Existenzen und unterschiedliche Lebensentwürfe. Um das Monstrum Liebe, das den Menschen überfällt, bis die Realität gnadenlos zuschlägt. Oder gesellschaftliche Zwänge. Oder die Erwartungen der Eltern. Oder ein bisschen was von allem. Die Träumer gehen unter, die Realisten fügen sich – ein Kreislauf, der keinem genügt.
                  [...]

                  6
                  • 8

                    Verzweifelter und souveräner als Amy Adams in der Rolle der schwerreichen Galeristin Susan Morrow kann man sich nicht in der Kälte des Komforts bewegen. [Katja Nicodemus]

                    • 8

                      Motivisch ist das Psycho- und Rache-Drama einfach gestrickt, aber mit der souverän verschachtelten Dramaturgie und den quälenden Fragen nach Schuld- und Vergangenheitsbewältigung fesselt Nocturnal Animals nachwirkend. [Christian Berndt]

                      • 9

                        Unter der stylishen Oberfläche steckt[...]ein cleverer und packender Neo-noir Thriller und so dürfen sich Freunde des intelligenten Kinos, passend zum Fest, über ein wundervolles cineastisches Weihnachtsgeschenk freuen. [Matthias Kastl]

                        • 8

                          [Man fragt sich] anlässlich des faszinierenden Gesamtkonstrukts, wieso Ford nicht öfter Filme macht. [Günter H. Jekubzik]

                          • 7

                            Das Drama verzichtet auf allzu dramaturgische Komplexität und gibt so ganz den Figuren, allen voran dem Hauptdarsteller, Raum für eine mitreißende Performance zwischen Empfindsamkeit und niederen Instinkten. [Diemuth Schmidt]

                            • 8

                              Nocturnal Animals ist unglaublich spannend. Tom Ford inszeniert in einer grell überzeichneten Ästhetik und in zum Teil pompösen Bildern (diese weite texanische Landschaft!) ein Spiegelkabinett aus Motiven und Verweisen, zwischen Kunst und Wirklichkeit, zwischen Traum, Erinnerung und Realität. [Christoph Schröder]

                              1
                              • 6

                                Im tiefsten Herzen ist Nocturnal Animals, der mal ein Thriller werden wollte, aber genauso gut eine Fotokampagne hätte werden können, in seiner Undynamik kinofeindlich. [Lukas Stern]

                                • 8

                                  Ein schmutziger Roman platzt mit verstörender Wirkung mitten ins perfekt gestylte High-Society-Leben von L. A. In seiner zweiten Regiearbeit baut Modeschöpfer Tom Ford ein raffiniertes Spannungsverhältnis zwischen zwei Erzählebenen auf, die auf geheimnisvolle Weise miteinander verbunden sind. [Anke Sterneborg]

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                                  • 7 .5

                                    Ein ätzend schöner Thriller-Cocktail. [Justin Chang]

                                    • 7

                                      Nocturnal Animals, Brutalität zwischen den Seiten und unter dem Fabelhaften. [Manohla Darvis]

                                      • 9 .5

                                        Tom Ford ist ein ungeheuer vielschichtiges und bis in jedes winzige Detail klug durchdachtes Stück Filmkunst gelungen, mit dem er den Film Noir nicht nur modernisiert, sondern im Grunde radikal neu erfindet. [Gaby Sikorski]

                                        • 8

                                          Der Stil ist bei Tom Fords zweitem Film die Substanz. Und anders als viele andere Puzzleteil-Filme, weiß Nocturnal Animals auf jeder Ebene zu begeistern. [Kevin Harley]

                                          • 8

                                            Tom Fords kunstvoll komponierter und emotional cleverer Noir-Film hat eine angenehme Geschwindigkeit und erschlafft, anders als das nackte Fleisch am Anfang des Films, nie. [Will Lawrence]

                                            • 7 .5
                                              HollywoodReporter 09.09.2016, 12:49 Geändert 09.09.2016, 17:29

                                              In Nocturnal Animals, einem sehr unterhaltsamen Noir-Melodrama, das von grausamen Kriminaldelikten und psychologischer Spannung nur so strotzt, treffen David Lynch, Alfred Hitchcock und Douglas Sirk aufeinander [...]. [David Rooney]

                                              • 7 .5

                                                Tom Fords erster Film seit A Single Man ist ein weiterer Gewinner - ein ambitionierter Hochspannungs-Noir-Thriller [...] als explosive Geschichte über Liebe, Gewalt und Rache. [Owen Gleiberman]

                                                • 9

                                                  Trotz komplexer Dramaturgie mit drei verschiedenen Erzählebenen gelingt es Ford, die Spannung permanent aufrecht zu erhalten. Getragen wird die Geschichte von einem intelligenten Skript und einem hochgradig besetzten Cast. [Gianluca Izzo]

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