Orly

Orly (2010), FR/DE
Laufzeit 84 Minuten, FSK 0, Drama, Kinostart 04.11.2010

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7.7 Kritiker
4 Bewertungen
Skala 0 bis 10
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von Angela Schanelec, mit Josse De Pauw und Maren Eggert

Orly ist ein Kaleidoskop verschiedener kleiner Szenen und Geschichten, die sich auf dem gleichnamigen Pariser Flughafen abspielen. Juliette (Natacha Régnier) und Vincent (Bruno Todeschini) lernen sich beim Check-In kennen und kommen sich in der kurzen Zeit näher, die sie auf ihre Überseeflüge warten müssen. Eine Mutter ist mit ihrem Sohn unterwegs zu der Beerdigung ihres Ehemanns. Im Laufe ihrer Unterhaltung in der Wartehalle von Orly kommen schließlich überraschende Details ans Tageslicht. Die allein reisende Sabine entscheidet sich nach langem Hin- und Her endlich den verzweifelten Brief ihres Freundes zu lesen, den sie vor Kurzem verlassen hat.

Die Regisseurin Angela Schanelec verwebt in ihrem Film Orly dokumentarische Aufnahmen des alltäglichen Trubels des Pariser Flughafens mit fiktiven Geschichten, die nur lose oder gar nicht zusammenhängen. Der Eindruck des Flüchtigen wird verstärkt durch Schanelecs häufigen Einsatz des Teleobjektivs, mit der die Protagonisten von Orly wie zufällig aus der undifferenzierten Masse der Wartenden herausgepickt werden. Auch die Tonspur ist geprägt von der in Orly herrschenden Akustik. Dieser Ansatz des Dokumentarischen wird nur gebrochen durch den Einsatz von Musik der US-amerikanischen Songwriterin Cat Power. (TM)

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Cast & Crew


Kritiken (3) — Film: Orly

Barbara Schweizerhof: der Freitag, Die Welt, epd ... Barbara Schweizerhof: der Freitag, Die Welt, epd ...

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7.5Sehenswert

Mit bestrickender Ruhe beobachtet Orly den hektischen Flughafenbetrieb, der keinerlei Stillstand kennt – außer man führt ihn, wie hier, durch eine Evakuierung künstlich herbei. Dieser Hang zum Artifiziellen, der auch die Dialoge prägt, verdirbt einem leider ein wenig den Geschmack an der ansonsten großartigen Beiläufigkeit dieses Filmes.

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H.P. Koll: film-dienst H.P. Koll: film-dienst

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8.0Ausgezeichnet

Die Kamera geht hier den gesamten Film über rigoros und konsequent auf Distanz, fotografiert die wenig handelnden, aber viel redenden Personen mit dem Teleobjektiv aus großer Ferne. Wobei die mit Bedacht gewählte Brennweite ein präzise komponiertes Verhältnis zur Umwelt schafft: Im kalkulierten Wechselspiel von Schärfe und Unschärfe bleiben die Protagonisten Teil ihrer (dokumentarischen) Umwelt, und doch kommen die vielen Passanten ihnen und ihren Geschichten nicht allzu sehr in die Quere. Die Kamera erweist sich als unaufdringlich-integrer „Voyeur“, der die kleinen Episoden durch vorsichtige Schwenks von einem Gesicht auf ein anderes oder auch nur durch die Andeutung eines Zooms dramatisiert, und der in Verbindung mit der Montage trotz aller Distanz große emotionale Wirkung erzielt. [...]
Solche impressionistisch in die „wirkliche“ Welt hinein getupften Szenen entwirft Angela Schanelec mit beeindruckender Stilsicherheit, poetisch, unaufdringlich, nur auf den ersten Blick spröde, in Wahrheit aber voller Anteilnahme für die Figuren. Im subtilen Wechselspiel zwischen anonymer Öffentlichkeit und respektvoll belauschter Intimität entwickelt sie eine vielfältige Reflexion über das menschliche Dasein zwischen Ankommen und Abschied, Aufbruch und Endpunkt, über Nähe und Distanz.

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Natalie Lettenewitsch: Schnitt Natalie Lettenewitsch: Schnitt

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8.0Ausgezeichnet

Die Figuren sprechen ihre mäandernden Dialoge inmitten der Wartenden, scheinbar sich selbst überlassen, Reinhold Vorschneiders digitale Kamera bleibt mit Teleobjektiv meist auf Abstand – keine kühle Teilnahmslosigkeit, eher respektvolles und neugieriges Interesse. [...] Eine bemerkenswerte Regieleistung, die Zufall und Kontrolle souverän ausbalanciert.

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Kommentare (2) — Film: Orly

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Kubrick_obscura

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Bewertung6.0Ganz gut

Schanelecs Versuch eines Episodenfilms krankt an der beinah schon manieristischen Obsession sogenannte "Berliner Schule" zu machen. Eine Autorin, die sich nicht traut die Grenzen ihrer Möglichkeiten zu erforschen und ständig nur bemüht ist in ein stilistisches Konzept zu passen, was man dann bei den Kritikern als Handschrift missversteht.
Dabei bietet Orly inhaltlich viel, Geschichten direkt aus dem Leben, sozusagen, denen es weder an Poesie noch an Naturalismus fehlt. Eine Frau verlässt ihren älteren Mann. Ein Sohn und seine Mutter sprechen Klartext. Eine Frau begegnet einem Fremden. Ein deutsches Pärchen in den noch unsichtbaren Ruinen ihrer Beziehung. Das ist alles toll geschrieben, fesselnd und auch berührend.
Im Gegensatz zu meinem Vorredner, empfand ich die deutschen Darsteller nicht unnätürlch, sondern vielleicht zu echt als das sie filmisch glaubhaft sein konnten. Wäre man französischer Muttersprachler, man könnte vielleicht das gleiche von den anderen Darstellern sagen.
"Orly" ist das Werk einer begabten Autorin und einer engstirnigen Regisseurin.

gesehen auf der Berlinale 2010

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Rogatti

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Bewertung1.0Ärgerlich

Angela Schanelec schafft es perfekt, die Langeweile, die einem beim Warten auf den Abflug umgibt, in dokumentarischem Stil ins Bild umzusetzen.
Und so geht es einem genau, wie den Protagonisten im Film: nach 84 Minuten muss man ohne jeden Höhenflug müde und frustriert über die sinnlos verbrachte Zeit wieder nach Hause.

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