Paradies: Liebe - Kritik

Paradies: Liebe

AT/DE/FR · 2012 · Laufzeit 121 Minuten · FSK 16 · Drama · Kinostart
  • 5 .5

    Schräger Film! Aber auf ne gute Art. Was will er mir sagen? Die Jungs in Kenia sind alle käuflich? Oder gemein? Oder arm? Frauen sind die besseren Sextouristen? Alles? Kein Plan.

    Schlussendlich werde ich an diesen ungewöhnlichen Film wohl noch lange denken, auch wenn er mich inhaltlich nicht immer überzeugen kann.

    • "I have never looked so directly into hell.", sagte ein gewisser bajurarischer Filmemacher und Berufs-Verrückter nachdem er ein Werk seines österreichischen Nachbarn und Verbündeten im Geiste, Ulrich Seidl, sah. Das triffts, denn Seidl bemüht sich in seinen Dokus und Spielfilmen, die Abgründe des gemeinen Österreichers zu offenbaren. Leicht lässt sich daraus etwas über den Menschen an sich und nicht bloss den Alpenländler ziehen. Ein prosaischer Poet des Nihilismus! Üblicherweise schenkt uns Seidl einen direkten Blick auf das Wesen der Dinge und Paradies: Liebe (der Auftakt einer Trilogie) ist da nicht anders. Weisse Frauen mittleren Alters aus Österreich brechen auf in den Süden nach Afrika, um Sex mit jungen Männern zu kaufen. Teresa (Margarete Tiesel) besucht mit ihren verdorbenen Freundinnen Kenia, wo sie auf den schönen Munga (Peter Kazungu) trifft. Wohlbemerkt: Teresa selbst ist fast noch unschuldig, jedenfalls glaubt sie tatsächlich, die wahre Liebe gefunden zu haben. In einer grausam komischen Szene bringt sie ihrem schwarzen Liebhaber bei, wie man ihre nicht mehr ganz straffen Brüstel streichelt. Eine noch schrecklichere Sequenz zeigt eine Gruppe von "Damen" wie sie einen jungen Mann verspotten, weil er keine Erektion bekommt. Das Fazit von Seidls Geschichte: Hier wird ein jeder gedemütigt. Kann uns Seidls Film aber nun etwas erzählen, das wir noch nicht über Globalisierung und Sex-Tourismus wussten? Die Frage ist falsch gestellt und müsste lauten: Wann durften wir jemals so brutal erleben, was wir glaubten zu wissen? Seidl verfügt in seinem dritten Spielfilm (oder ists der vierte, da ich mir bei manchen Seidl "Dokus" nicht sicher bin, ob das tatsächlich wahr sein sollte!) über eine eindrucksvolle Technik und einen ausgeprägten Sinn für Dramaturgie. Das beweist allein sein Kniff, einfach die Rollen zu vertauschen und das Geschehen aus der Perspektive einer alleinstehenden Frau zu zeigen. Ich werde mir Paradies: Liebe garantiert nie wieder ansehen! (Dazu gibts als Film List eine Zusammenfassung des österreichischen Kinos auf der Empfehlungsseite unserer Videothek cinegeek.de

      • 7 .5

        Die Paradies Filme im einzelnen zu Bewerten finde ich ein bisschen schwer, da ich finde die 3 Streifen gehören einfach zusammen auch wenn jeder eine eigene Story und Handlung hat. Da die Filme aber dennoch ineinadergreifen bewerte ich hier die komplette Trilogie. Der österreichische Filmemacher Ulrich Seidl nimmt sich hier sensiblen Themen an die zu kontroversen Diskusionen führen können. Zum ersten geht es in "Liebe" um den Sextourismus in Kenia, allerdings aus der Sicht einer 50 jährigen Frau aus Wien. Sehr schonungslos und direkt zeigt Seidl die Höhen und Tiefen beider Seiten!
        Der zweite Teil "Glaube" beschäftigt sich mit Anna-Maria die nur für den Katholizismus lebt und Ihren Urlaub als Missionarin verbingt und mit einer Wandermuttergottes Statue die Nachbarschaft auf den rechten Pfad führen will. Um das sündige Leben in Wien zu ertragen, geiselt sie sich mit Lederpeitsche und Büßergurtel und rutscht auf den Knien rum und betet! Besonders dramatisch wird es, als Ihr querschnitt gelähmter ägytischer Ehemann nach Jahren wieder bei Ihr auftaucht und körperliche und seelische Zuneigung verlangt. Auch er lebt seinen starken Glauben aus und ein Kleinkrieg beginnt.
        Die Übergwichtige Melanie verleibt sich während dem Aufenthalt in einem Diätcamp in den behandelten Arzt und sucht immerwieder neue Gründe um bei Ihm in der Sprechstunde vorbei kommen zu können. Sowohl Melanie als auch der Arzt sind von Ihren Gefühlen hin und her gerissen und beide haben mit Gewissenbissen zu kämpfen. Dazu kommt noch das straffe Sportprogramm und die Einsamkeit, da sie Ihre Mutter die in Kenia (siehe Paradies Liebe)ist und Ihren Spaß hat, telefonisch nicht erreicht. Diese Situation drängt sie noch mehr zu dem Klinik Arzt, um diese Geschichte handelt es sich im dritten Teil"Hoffung"

        Seidl hat die Filme ganz ruhig inszeniert, es gibt keinerlei HIntergrund Musik, auch nicht wenn Anna Marie und Nabi auf dem Boden miteinander kämpfen, die Kamera hält einfach drauf, das hat mir in dem dänischen Film "Das Fest" schon gut gefallen, einfach die Szene spielen und nur die Geräusche hören die sich ergeben.Vor den gesamten Darstellern muss man den Hut ziehen, es gibt soviel peinliche und schamlose Szenen und Situationen, die bestimmt nicht leicht zu drehen waren. Für alle zartbesaiteten noch eine Info es gibt in dem Film ein paar explizite Sexszenen und viel Nackheit, wer damit oder mit solch einen relativ schweren Thema ein Problem hat, dem rate ich hier ab. Alle anderen die mal schwierige, unbequeme Filme sehen wollen wünsche ich viel Spaß mit dem österreichischen Beitrag.
        Ich bleibe dabei, die Österreichen machen wirklich gute Filme, ich hab noch keine einzigen gesehen der mir nicht gefallen hat!
        7,5/10 Pkt.

        • 4 .5

          Paradies: Liebe zeigt den Sextourismus mal von der ungewohnten anderen Seite, nämlich der der Frauen. Kennt man doch zu genüge Reportagen und Berichte über die männliche Seite des Sextourismus.
          Auch hier überwiegt neben dem Gefühl des Fremdschämens das des Mitleides, welches man mit den gezeigten Protagonistinnen hat.
          Allerdings wird mir das gezeigte zu wenig kritisch dargestellt, man hat zu viel Mitgefühl mit Teresa. Und es wird, im Gegensatz zu Filmen die sich mit Sextourismus männlicher Art beschäftigt, zu wenig der Fokus auf die andere Seite gelegt.

          • 8 .5

            Im ersten Film der Paradies-Trilogie wird man nach Kenia entführt. Man begleitet die 50-jährige Teresa aus Wien, die ihre Tochter vor Reiseantritt nach Kenia bei ihrer Schwester Anna Maria (großartig: Maria Hofstätter, aber das erst im zweiten Film) unterbringt.
            In Kenia angekommen, wird sie von anderen Touristinnen in ihrer Altersklasse aus Österreich in die Schönheit des Sextourismus reingestoßen.
            Was Seidl hier für Bilder und Dialoge (im derben Wiener-Slang) dem Zuschauer zumutet, ist a) so unglaublich realistisch und nah am Geschehen und b) wohl für ein größeres Publikum einfach zu deutlich und völlig ungeschönt dargestellt. Was Margarethe Tiesel hier abliefert, verdient höchsten Respekt. Aber auch die anderen Darsteller geizen nicht mit alter, schwammig-faltiger Elefantenhaut, die sie in voller Pracht in die Kamera stopfen. Bei manchen Szenen ("Gespräch" mit dem afrikanischen Barkeeper, Striptease zum Schluss im Hotelzimmer) hat mich die Wut und der Ekel (vor dem Menschen) von innen ganz fies aufgefressen. Das ist teilweise echt kaum zu ertragen, obwohl es so natürlich wie nur möglich ist und alles aus der unberührten Beobachtersicht noch lebensnaher dargestellt wird. Man hasst die weiblichen Darsteller wegen ihrem Verhalten und ihren Ansichten bis auf die Knochen, hat aber auch gleichzeitig etwas Mitleid.
            Ein extrem anstrengender Film der mich aber über die komplette Spielzeit an meine Couch gebondaged hat.

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            • 6
              inceptionfan 09.02.2016, 11:29 Geändert 09.02.2016, 11:31

              Der Auftakt der "Paradies"-Trilogie ist mein erster Film von Ulrich Seidl. Die Bewertung von "Liebe" fällt mir etwas schwer, weil ich in vielerlei Hinsischt einen etwas zwiegespaltenen Eindruck von diesem Film habe. Zunächst einmal muss man Margarete Tiesel für ihre brilliante schauspielerische Leistung loben, denn nach dem Film hat man physisch und psychisch von ihr gefühlt alles gesehen, weil es einem vor allem durch diesen halbdokumentarischen Stil sehr schwer fällt, hier noch zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden. Der Film hat kaum Inhalt und trotzdem muss man ihm positiv anrechnen, dass ihm nichtsdestotrotz eine wunderbar tiefgründige Charakterstudie gelingt, die mich überraschenderweise durchgängig unterhalten konnte, obwohl der Film anfangs nach einem ziemlichen Langeweilespektakel aussieht. Nur leider kann ich die häufige Begeisterung über "Liebe" nicht so ganz nachvollziehen, denn dieser Trilogieauftakt hat mir leider emotional nichts gegeben. Herr Seidl wollte unbedingt verschiedene Emotionen ansprechen und sich an einer Gratwanderung zwischen schwarzem Humor, emotionaler Tragik und Ekel versuchen, aber keiner dieser emotionalen Aspekte ist so wirklich auf mich übergesprungen. Seidl zeigt bewusst Personen, die (euphemistisch gesagt) nicht besonders schön sind und die seelisch und körperlich ihre Hässlichkeit zeigen dürfen, was den Schauspielern definitiv viel abverlangt, aber ist das eklig? Mich haben weder die Sexszenen geekelt (auch wenn ich auf einige Bilder gern verzichtet hätte), noch haben mich die Verhaltensweisen der Personen in irgendeiner Weise provoziert. Im Gegenteil! Mir persönlich hat die emotionale Bindung zu der Hauptfigur gefehlt und da hat sich Seidl selbst ins Bein geschossen. Auf der einen Seite soll Teresa als Sympathiträgerin fungieren, mit der der Zuschauer Mitleid haben soll, auf der anderen Seite ist sie aber auch der metaphorische Kritikpunkt an der Gesellschaft und diese Mischung hat für mich hier nicht funktioniert. Außerdem muss ich dann am Ende sagen, dass mir der Sextourismus als Metapher für die globale Ausbeutung doch eher zu schwammig ausgefallen ist und mehr sein will als der Inhalt dann letztendlich ist, denn Höhepunkte gibt es nicht und die Aussage des Films hat man schon nach der Hälfte der Zeit verstanden.
              Fazit: "Liebe" ist auf der einen Seite interessantes Arthaus-Kino, auf der anderen Seite hat mich der Film aber ziemlich kalt gelassen und mir fällt es schwer, eine Zielgruppe zu finden, der ich den Film so wirklich empfehlen würde. Mit der Bewertung möchte ich mich aber hier noch etwas zurückhalten, da ich erst einmal abwarten möchte, wie die Trilogie fortgesetzt wird und worauf Herr Seidl jetzt wirklich hinaus will.

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              • 8 .5
                Daggiolone 04.05.2015, 06:40 Geändert 04.05.2015, 06:43

                Ein Film mit derartiger Handlungsarmut und gleichzeitiger Vorhersehbarkeit müsste eigentlich zum Scheitern verurteilt sein, aber Paradies: Liebe funktioniert fabelhaft. Zunächst wären mal die fantastischen schauspielerischen Leistungen aller Beteiligten hervorzuheben, die so authentisch sind, dass man das Gefühl hat eine Dokumentation zu sehen. Und hier liegt auch der Reiz, denn jedem sollte klar sein, dass die dargestellte Geschichte in dieser und ähnlicher Form täglich vielerorts stattfindet. Der Film zwingt einen sich mit einer tabuisierten Thematik tiefer auseinanderzuseztzen, und erreicht dabei eine derart deprimierende Ebene, dass man nicht weiss, wen man am Ende mehr bemitleiden soll. Die ums Überleben kämpfenden männlichen Prostituierten, die neben der Überwindung und dem Ekel auch noch gedemütigt und entwertet werden, sowie rassistischem Gedankengut zum Opfer fallen? Oder die betagten Damen, denen das Alter als Idee Fixe die Psyche malträtiert, und die verzweifelt nach Liebe dursten, bis sie irgendwann resignieren, und ihnen bewusst wird, dass selbst Sex ohne Liebe nicht in der Form zu kaufen ist, wie sie es sich gerne wünschten.
                Ein wirklich trauriger Film. Aber ein guter.

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                • 6

                  Gedacht als filmische Studie über Verrohung in einer Welt globalisierter Ausbeutung, stolpert der Film über seine allzu liebensunwürdige Hauptfigur. [Silvia Hallensleben]

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                  • 9
                    The_Hitcher 17.03.2015, 19:50 Geändert 17.03.2015, 19:51

                    Ulrich Seidl zählt schon längst zu meinen Lieblingsregiesseuren, und das seit "Tierische Liebe"! Habe bis jetzt schon fast einen jeden Film von ihm gesehen und was er mit der Paradies:Trilogie schuf, war wirklich genial. Die Trilogie fängt an mit dem Kapitel "Liebe". Ein ernstes Thema, dass immer "populärer" wird. Margarete Tiesel spielt hier wirklich gut! Man glaubt oft, das es gar nicht geschauspielert ist! Ein echtes Meisterwerk, das aber dennoch ein sehr ernsten Hintergrund hat!

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                      JoeKramer 17.11.2014, 15:31 Geändert 12.02.2015, 16:10

                      Eigentlich hätte es 10 Punkte geben müssen, alleine schon wegen dem Mut von Margarete Tiesel sich hier vollkommen Nackt, sowohl physisch als auch psychisch zu zeigen.

                      Uli Seidl schafft es wieder einmal ein unbehagliches Klima für voyeuristischen Zuschauer zu schaffen bei dem er weder weg- noch abschalten kann.

                      Schwierig und unbequem anzusehen und dennoch jede Minute wert. Ich kann dennoch keine 10 Punkte geben, wer will schon freiwillig solche Erinnerungen in seiner Liste der Lieblingsfilme verewigt haben oder Empfehlungen auf Basis dieses Films bekommen. ;-)

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                      • 7

                        Sehr eindrücklicher Film. Der Zuschauer wird auf eine Achterbahn der Gefühle mitgenommen. Von Scham über Enttäuschung und Wut ist alles dabei. Dem Filmeteam ist es bei dieser Verfilmung gelungen die Situation der "Touristen" sowohl der Einheimischen Bevölkerung transparenter zu machen und auch die Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung beider Seiten dem Zuschauer zu transportieren. Sehr guter und eindrücklicher Film!

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                        • 8

                          Ein herausragend inszenierter Film mit herausragenden Darstellern - glaubwürdiger als jede Reality-TV-Soap!

                          Jeder, der schon mal in größeren Hotelanlagen Urlaub gemacht hat - sei's in Afrika, sei's in Asien - wird sofort bekannte Typen wiederfinden. Ein kleines Minus kann man für die weitgehend fehlende Dramatik des Films geben, der sich aber dennoch einprägt und hängen bleibt. Unbequem, teils zum fremdschämen und mit viel Stoff zum Nachdenken.

                          Großartig - allerdings gar nicht "witzig"!

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                          • 9

                            Puh. Nun sind zwei Stunden "Paradies:Liebe" vorbeigeplätschert. An den tatsächlich sehr hoch angesetzten Fremdschämpegel konnte ich mich schnell gewöhnen. Alsbald vergaß ich das wabbelnde Fleisch der weißen Ü45er und das beiderseitige konsequente Beuteschema, da sich viel zentralere Aussage dieser Filmperle recht schnell offenbarte: Der Mensch ist des Menschen Befriedigung.
                            Seidel gelingt es in "Paradies:Liebe" erstaunlich gut zu zweigen, dass hier die Abhängigkeit nicht nur vom kenianischem Call-Boy, der Geld für seine Familie braucht, ausgeht, sondern dass sich auch die weiße vermeintliche Wohlstandslady in die Abhängigkeit der Wertschätzung begibt. Beide Seiten vom Kapitalismus gezeichnet versuchen unter der Sonne Kenias das Beste aus ihrer Situation zu machen und scheitern ebenso schnell, wie sie es versucht haben.

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                            • 9

                              Verleiht dem Begriff "Fremdschämen" die sechste Dimension. Und dem Wort "Alleskleber" auch. Das ist ja furchtbar. Leider aber extrem realistisch. Jetzt weiß ich jedenfalls, wo mein nächster Urlaub NICHT hingeht. Denn vieles davon kann man auch an der nächsten Bushaltestelle haben. Hut ab vor den Darstellern. Mutig und super gespielt. Hakuna Munga Matata Money Boppa. Ich geh jetzt mal ne Runde ko ...

                              • 5 .5

                                Oh. Das war erstaunlich erträglich. Für einen Ulrich Seidl Film ist das unergiebig.Nach 'Hundstage' hab ich beschlossen meinen Filmmasochismus auf ein Minimum zu beschränken, und weitere Filme von dem Herren zu meiden.Was ist da in der Zwischenzeit passiert,ist das Altersmilde, oder ist Seidl einfach von der Zeit, mit all ihren demütigenden Doku-Soaps und dem allgegenwärtigen Voyeurismus,eingeholt worden? Zwar schafft Seidl immer noch den einen oder anderen Scham- oder Ekelmoment,aber zu alter Form fährt er nur in einer einzigen Szene auf.
                                Die Leistung von Margarete Tiesel als Terese ist allerdings beindruckend,aber der Gesamteindruck ist doch eher mau.
                                Da kann ich Seidl wohl weiterhin meiden,wenn auch aus anderen Gründen.

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                                • 8

                                  [...] Liebend gern würde man die frustrierte Dame und ihre respektlosen Urlaubsgenossinen anschreien, wachrütteln und für ihr Verhalten bestrafen. Für ihre Menschen-verachtende Art, die die Afrikaner zu willen- und rechtelosem Fleisch degradiert und auch in deren unmittelbarer Anwesenheit so abfällig wie nur möglich behandelt. Wie Tiere oder eben gekaufte, bezahlte Sex-Sklaven. Und immer wieder schlägt man, ausgelöst von Teresa’s überbordenden Naivität die Hände vor dem Gesicht zusammen und kann es nicht fassen, wie gutgläubig sie denkt, es wäre tatsächlich eine Chance auf echte Gefühle im Spiel. Trotz allem tut sie einem Leid. Ganz echt und ehrlich. Man fühlt ihre Verzweifelung und gönnt ihr, nur ein kleines Bißchen vom gesuchten Glück zu finden – so falsch der Weg dahin auch sein mag.

                                  Und auf der anderen Seite? Die logische Konsequenz aus dem schrecklichen Verhalten der Frauen, wäre Mitgefühl und tiefe Empathie für die male-Prostitutes, die gedemütigten Barmänner, usw. aus Kenia. Doch: So einfach ist auch das nicht. [...]

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                                  • 6 .5

                                    Interessanter Film, der das Thema Sex Tourismus mal aus der weiblichen Perspektive zeigt.

                                    Natürlich sind so manche Sachen erst mal komisch. Zb das die Frau den Männern erklärt, wie Sie sich zu verhalten haben. Die Männer präsentieren sich da eher wie Sex Maschinen.

                                    Nativ finde ich das nicht. Die Männer in Thailand wollen auch nicht nur reinen Sex. Viele Heiraten da auch bzw wollen es und denken an die große Liebe.

                                    Ich rede nun nicht von den Pädophilen.

                                    Paradies: Liebe ist also durchaus ein guter Beitrag. Weil es eben nicht in den Köpfen der Menschen ist, dass auch das weibliche Geschlecht dem Sex Tourismus frönt.

                                    Ich fand das Ganze auch sehr nachdenkenswert. Also warum das eigentlich so ist.
                                    Für reinen Sex braucht man weder nach Thailand noch nach Kenia. Also ist es doch so, das den Menschen mit zunehmenden Alter etwas fehlt, was Sie hier nicht mehr bekommen.

                                    Vielleicht liegt es auch an den Kommentaren, die es hier stellenweise gab. Und zwar Nackte Rentner wer will Sie sehen. Offenbar ist es im Schönheitswahn genau das Problem. Warum der Sex Tourismus floriert.

                                    Irgendwann wird es bei uns alle Hängen. Und die Sehnsucht wird bleiben.

                                    • 8 .5

                                      Diese Dummheit, diese Naivität. Ich bekam jede zweite Minute Tobsuchtsanfälle, herrlich!

                                      • 9 .5

                                        Ulrich Seidl gehört zu den erbarmungslosesten Regisseuren, die ich kenne. Schlimm sind seine Filme für mich aus zweierlei Hinsicht: 1. Sie zeigen die Wahrheit. 2. Sie geben keine Antworten.
                                        In Paradies: Liebe reist die Österreicherin Teresa, die um die 50 Jahre alt sein wird, nach Kenia. Das Präludium des Films zeigt sie vor dem Abflug als sie Tochter und Katze zur Aufsicht abgibt. Ihr Leben ist irgendwie trostlos gewöhnlich, verstärkt noch durch die fahle Farbgestaltung. Nach der Einblendung des Titels verändert sich die Szenerie: Bunte Farben des Hotels, schrille Sommerkleidchen der Hauptdarstellerin, Palmen, Sand, Ozean und natürlich die exotischen Einheimischen, in die man nur so reinbeißen möchte (laut Hotelgenossin). Die Affen kommen bis zum Balkon und die schönen, agilen “Neger” (das ist ein Zitat!), die “Jambo, Jambo” 200 Mal am Tag sagen und für die alles “Hakuna matata” ist, kommen auch fast an die Liegen der Touristen. “Das Fremde ist ja das Interessante” erklärt eine Bekannte Teresa im Hotel, die ihrem Moussa sogar ein Moped gekauft hat. Die molligen blassen Österreicherinnen sind hier um ein Liebesabenteuer zu erleben, eine paradiesische Affäre mit einem knackigen, muskulösen Schwarzen, die ihnen in ihrer tristen westeuropäischen Einöde verwehrt bleibt. Der Rassismus, der in dieser Faszination steckt, ist über weite Teile kaum noch erträglich. Mehrere Male zog sich mir die Kehle zusammen, weil ich so viel Verachtung einfach nicht ertragen kann.
                                        [...]
                                        Ich bin aus dem Kino gegangen und habe mich schuldig gefühlt. Weshalb genau weiß ich noch nicht… Aber dieser Film zeigt nicht das Paradies, sondern den status quo nach dem Sündenfall.
                                        (die ganze Review gibt's auf http://bit.ly/14GsqTI)

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                                        • 7

                                          Kaum zu ertragen.

                                          • 7 .5

                                            [...] Seidls (Pseudo)Doku ist ein Werk voller Traurigkeit, in dem die Bezeichnung „Paradies“ genauso unerreichbar bleibt wie reine, bedingungslose Liebe. Das hat nicht nur die entlarvende Reaktion, dass der Betrachter sich als Voyeur immer deutlicher selbstertappt und nicht selten vor (Fremd)Scham die Augen vor der Wahrheit verschließen will, es ist auch die radikale Konsequenz, die trotz ihrer Unmittelbarkeit, die Hauptfigur mit viel Ruhe ausleuchtet und dem Zuschauer den Spiegel entgegenhält. Ein schmerzhafter Urlaubstrip ins sonnige Afrika.

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                                              Vorsicht, ein sehr verstörender Film!
                                              Ich mag verstörende Filme :-)
                                              Es geht um Prostitution: diesmal sind die Geschlechterrollen verkehrt, ältere österreichische Frauen kaufen sich mehr oder weniger direkt junge kenianische Männer.
                                              Der Film zeigt das ganze Elend: die Armut und fehlende Bildung der Prostituierten, die Verklemmtheit, Liebesunfähigkeit und Komplexe der sexkaufenden Frauen.
                                              Der Film tut weh, schaut ganz genau hin, bleibt noch mehrere Tage im Kopf.
                                              Prostitution ist einfach armselig, wie unsensibel und gestört muss man sein, wenn man Sex sucht, bei dem der/die eine an Sex denkt und der/die andere an Geld??? Wer braucht denn sowas?

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                                                Die besten "deutschen Filme" machen nach wie vor die Ösis. Man weiß eigentlich nie, ob man über die Absurdität lachen, über das Leben der Figuren traurig oder über das Gesamtbild verstört sein soll. Alles pass(ier)t zusammen und entwirft eine ganz eigene Realität. Nie gibt einem Seidl auch nur den kleinsten Hinweis und bleibt bedingungslos wertungsfrei. Er lässt das Leben die Arbeit machen, denn das ist schon lustig, traurig und absurd genug. Die Betonkamera liefert meisterliche Bildkompositionen des Grotesken, das man mit einer Mischung aus Mitleid und Fremdscham teilweise einfach durchstehen muss. Wenn einem der Sinn danach steht. Diese Konsequenz ist anstrengend und man muss sie nicht mögen, aber in ihrer Gesamtwirkung ist sie auch irgendwie genial.

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                                                  Lange nicht mehr so gelacht im Kino. Es ist schön als Zuschauer die Tragik von Filmfiguren von anfang an zu begreifen und die Protagonisten des Films dann gnadenlos an ihren Wünschen scheitern zu sehen. Ästhetisch klar und einfach, was ich so am deutschsprachigen Film schätze und inhaltlich so konsequent wie ein koreanischer Thriller. Großes Kino im kleinen Urlaubsresort.

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                                                    Sextourismus mal von der anderen Seite. Wenn alte Männer sich für Geld junge Dinger gönnen, so ist das fast schon normal, die umgekehrte Variante wird von der Gesellschaft eigentlich nicht beachtet, deshalb hat der Film durchaus seine Existenzberechtigung. Teresa fährt aber nicht nach Kenia, um sich Sex zu kaufen, sondern die Liebe zu finden. Hier beginnen aber in meinen Augen die Probleme. Oke, man kann ja anfangs vielleicht noch sehr naiv sein und glauben, dass die Männer sich in Teresa verlieben, aber irgendwann beginnt die Verzweifelte völlig irrational und dumm zu handeln. Die Männer wollen ihr Geld und sagen ihr das völlig unverblümt ins Gesicht, und sie gibt es ihnen, auch ist das Zögern nur sehr kurz, als sie ständig mehr verlangen. Deswegen ist für mich die Rolle der Teresa total unsympathisch und ich will, dass es ihr schlecht geht. So blauäugig kann doch niemand sein in dem Alter. Man muß aber zugeben, dass Margarethe Tiesel diese Rolle hervorragend spielt. Sowas muß man erst mal bringen können! Die letzten beiden Szenen waren dann eher unangenehm und tragikomisch, vor allem die Geburtstagsparty hätte man in der Form nicht unbedingt zeigen müssen. Aber oke, Blick in die Seelen der Frauen und zeigen, wie es wirklich ist, schon klar. Kann man verkraften. Die Flut an Auszeichnungen kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Provokation und das Brechen von Sehgewohnheiten allein ist mir für einen Topfilm zu wenig. Seidls Hundstage gefiel mir da um Welten besser. Bin dennoch auf Glaube und Hoffnung gespannt, werd ich mir sicher ansehn.