Vieles an der Thematik dieses Films erinnert mich an Claude Chabrol. Dabei inszeniert Catherine Corsini ihren Streifen unaufdringlich, manchmal schon fast nüchtern. Corsinis Helden sind immer Heldinnen. Jene Frauen, die an einem bestimmten Punkt entschlossen und entschieden an einem Weg, einem Ziel festhalten, wovon niemand sie mehr abbringen kann. Es ist auch diese Konsequenz, die Suzanne treibt. Der deutsche Titel des Films – "Die Affäre" – erweckt den Anschein von etwas Flüchtigem, Vorübergehenden. Das täuscht. Die Beziehung Suzannes zu Ivan mag anfangs diesen Eindruck vermitteln. Doch Suzanne geht es nicht um etwas Flüchtiges.
Kristin Scott Thomas spielt eine Frau, die bereit ist, ihre bisherige sozial gehobene Position als Frau eines vermögenden Arztes aufzugeben. Sie weiß darum, dass auch ihre Kinder das irgendwann verkraften werden – zumal zumindest ihr Sohn uneingeschränkt zu ihr hält. Doch nicht nur das. Suzanne ist bereit, jede Mühsal auf sich…
Vieles an der Thematik dieses Films erinnert mich an Claude Chabrol. Dabei inszeniert Catherine Corsini ihren Streifen unaufdringlich, manchmal schon fast nüchtern. Corsinis Helden sind immer Heldinnen. Jene Frauen, die an einem bestimmten Punkt entschlossen und entschieden an einem Weg, einem Ziel festhalten, wovon niemand sie mehr abbringen kann. Es ist auch diese Konsequenz, die Suzanne treibt. Der deutsche Titel des Films – "Die Affäre" – erweckt den Anschein von etwas Flüchtigem, Vorübergehenden. Das täuscht. Die Beziehung Suzannes zu Ivan mag anfangs diesen Eindruck vermitteln. Doch Suzanne geht es nicht um etwas Flüchtiges.
Kristin Scott Thomas spielt eine Frau, die bereit ist, ihre bisherige sozial gehobene Position als Frau eines vermögenden Arztes aufzugeben. Sie weiß darum, dass auch ihre Kinder das irgendwann verkraften werden – zumal zumindest ihr Sohn uneingeschränkt zu ihr hält. Doch nicht nur das. Suzanne ist bereit, jede Mühsal auf sich zu nehmen, um der Ehe mit Samuel zu entkommen und mit Ivan neu anzufangen. Beide nehmen schlecht bezahlte Jobs an. Suzanne ist es gleichgültig, dass Ivan einer anderen sozialen Schicht angehört, in einer miesen Wohnung haust. Suzanne ist bedingungslos, sogar dazu bereit, Samuel zu bestehlen, als der sich einige Tage nicht in Nîmes aufhält, um seiner Strategie, ihr die finanzielle Basis zu entziehen, entgegenzuwirken.
Die Leidenschaft, das Begehren, die Solidarität zwischen ihr und Ivan sind konsequent, unverbrüchlich. Dagegen steht die gesamte gesellschaftliche Einbindung beider. Samuel spielt alle Karten dieser Machtposition, in der er sich befindet, aus, um sein "Eigentum" zurückzubekommen: Geld, Erpressung, Verrat ...
Der Schuss zu Anfang des Films, der das Ende verkündet, ob nun Mord oder Selbstmord, ist angesichts dessen, was Suzanne empfindet, ebenso konsequent. Er deutet vom Scheitern, nicht von Rache, er deutet von Übermacht, nicht von der Konsequenz der Gefühle Suzannes, nicht einmal so sehr von Ohnmacht.
Eine moderne Chabrol-Geschichte? Vielleicht. Aber ich habe da meine Zweifel. Chabrols "Helden" können aus ihrer Haut kaum heraus. Sie sind verstrickt in ihre soziale Herkunft und dementsprechende bürgerliche Mentalität. Auch bei ihm ist der Tod, auch der gewaltsame Tod eine Folge dieser Verstrickung, nie eine Folge unvorhersehbarer Ereignisse. Das "Schicksal" bei Chabrol hat weder etwas Transzendentes, noch Mechanisches. Das Tun seiner Figuren ist soziales Tun und nur in diesem Sinne Schicksal. Corsinis Suzanne ist in ihrem Tun weit weniger sozial bestimmt. Ihre Konsequenz ist die der Liebe und daher des Ausbruchs, des Verlassens (partir), einer Sphäre, in der sie nie mehr glücklich werden könnte. Sie scheitert weniger an dieser Konsequenz als daran, dieses Verlassen zu einem Ankommen zu gestalten. Dass dies in Nîmes nicht möglich sein kann, macht der Film – gewollt oder ungewollt – mehr als deutlich. Das Verlassen Suzannes ist gekoppelt mit der (durchaus nachvollziehbaren) Überzeugung, in Nîmes den Kampf gegen Samuel gewinnen zu können, d.h. auch einen Teil des Geldes, das ihr bei einer Scheidung zustehen würde.
Ivan spürt an einer Stelle des Films, dass das nicht funktionieren wird. Für Suzanne legt der Film – eigentlich von vornherein – nur eine Lösung parat: Scheitern auf ganzer Linie. Was bleibt ihr? Erstens, sich der Erpressung Samuels zu beugen. Zweitens: Sich umzubringen. Drittens: Samuel zu töten. Alle drei Möglichkeiten sind nur eine – die des Scheiterns.
Dreht sich Die Affäre schon durch seine nicht-lineare Erzählung wortwörtlich im Kreis, so gebiert sich der Film auch darüber hinaus als Drama der expliziten Verweise, der beim Wort genommenen Metaphern. Subtil ist hier wenig, weshalb die Geschichte der frustrierten Hausfrau, die ihren Gemahl mit einem bulligen Schwarzarbeiter betrügt, auch vom Betrogenen selbst auf die Formel gebracht wird: »la bourgeoise et le prolo«.
Sehenswert ist "Partir" vor allem aber aufgrund seiner wunderbaren Hauptdarstellerin Kristin Scott Thomas, in deren herb-apartem, kantig-feinem Gesicht sich so Vieles ablesen lässt, sich so Vieles spiegelt, und die auch hier wieder vollkommen unprätentiös erscheint.
Wie so oft hängt viel von den Hauptdarstellern ab. Kristin Scott Thomas, die man öfter sehen möchte, läuft hier als Susanne zur Hochform auf. Sergi Lopez (Ivan) ebenfalls. Die undankbarste Rolle als unsympathischer, herrschsüchtiger Ehemann, der ja seine Strafe erhält, hat Ivan Attal zu spielen. Eine leidenschaftliche Kinotragödie, ganz schön wirklichkeitsnah und fast glaubwürdig abgehandelt.
Die Fokussierung auf den Genreplot verdeckt in Partir das darunter durchscheinende Frauenporträt, das den eigentlichen Reiz des Films ausmacht. Die Elemente für eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Motiv des Kampfes um persönliche Freiheit in der Mitte des Lebens sind in Corsinis Film durchaus angelegt, werden aber durch eine übertrieben dramatische Inszenierung weitgehend verschüttet.
Eine Treppe. Ein Bett. Er und sie. Er schläft. Sie nicht. Sie steht auf. Sie verlässt das Zimmer. Das Haus. Ein Schuss.
Dies ist der großartige Beginn eines ansonsten nicht gerade großartigen Filmes: Die Affäre.
Während man zu Beginn darauf brennt zu wissen, was sechs Monate zuvor passiert ist, ist man am Ende enttäuscht: enttäuscht über ein überkonstruiertes Ende einer überkonstruierten Story. Allzu oberflächlich wird auf das Thema die Ehe als Fessel eingegagen, was man an der übertriebenen Verteufelung des Ehemannes erkennen kann.
Prädikat: Nicht besonders wertvoll.
Einer der Filme aus der endlos langen Reihe der Ehedramen. Hier ist es wieder einmal die wohlsituierte Mutter von zwei Kindern (Kristin Scott Thomas), die sich in den Bauarbeiter Sergi Lopez verliebt. Auch wenn es kein echter Kriegsfilm ist, so kann man den Ehekrieg doch in die Kiste „Im Westen nichts Neues“ stecken. Das einzige Unterscheidungsmerkmal zu der übrigen Masse ist, der finanzielle Überlebenskampf der Frau, nachdem ihr der verlassene Ehemann (Yvan Attal) den Geldhahn zugedreht hat. Das wird breit ausgewalzt. Dabei reichen ihre Versuche an Geld zu kommen von sinnlos bis albern. Und der einzige Unterschied zwischen Ehemann und Lover scheinen doch wohl die Aktivitäten auf der Matratze zu sein. Als dann noch die Lösung von Truffauts ’Die süße Haut’ gleich zweimal daherkommt, ist die Luft vollends raus. Kann die Lösung wirklich ein Schuss sein? Höchstens der in den Ofen. K-V.
Kristin Scott Thomas war mir bisher kein so großer Begriff, aber jetzt sind erstmal ihre Filme vorgemerkt, Sergi López liebe ich seit "Harry meint es gut mir dir " ein Klassiker !
Habe gerade "Die Affäre" gesehen. Beeindruckend was das Schauspiel, vor allem von Kristin Scott Thomas. Die Story...na ja, eben eine amour fou, wie man sie aus dem Kino kennt, nicht aus dem Leben.
Intensiv ist Kristin Scott Thomas Adjektiv. Sie filtert die Essenz relativ dünner Geschichten mit Leichtigkeit hervor und trägt sie mit Stolz und Perfektion auf dem Silbertablett ihrer Kunst.
Die Affäre - Kritik
FR 2009 Laufzeit 86 Minuten, FSK 12, Drama, Kinostart 28.01.2010
Kritiken (5) — Film: Die Affäre
Ulrich Behrens
Kommentar löschenVieles an der Thematik dieses Films erinnert mich an Claude Chabrol. Dabei inszeniert Catherine Corsini ihren Streifen unaufdringlich, manchmal schon fast nüchtern. Corsinis Helden sind immer Heldinnen. Jene Frauen, die an einem bestimmten Punkt entschlossen und entschieden an einem Weg, einem Ziel festhalten, wovon niemand sie mehr abbringen kann. Es ist auch diese Konsequenz, die Suzanne treibt. Der deutsche Titel des Films – "Die Affäre" – erweckt den Anschein von etwas Flüchtigem, Vorübergehenden. Das täuscht. Die Beziehung Suzannes zu Ivan mag anfangs diesen Eindruck vermitteln. Doch Suzanne geht es nicht um etwas Flüchtiges.
Kristin Scott Thomas spielt eine Frau, die bereit ist, ihre bisherige sozial gehobene Position als Frau eines vermögenden Arztes aufzugeben. Sie weiß darum, dass auch ihre Kinder das irgendwann verkraften werden – zumal zumindest ihr Sohn uneingeschränkt zu ihr hält. Doch nicht nur das. Suzanne ist bereit, jede Mühsal auf sich…
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M. Wannhoff: Schnitt M. Wannhoff: Schnitt
Kommentar löschenDreht sich Die Affäre schon durch seine nicht-lineare Erzählung wortwörtlich im Kreis, so gebiert sich der Film auch darüber hinaus als Drama der expliziten Verweise, der beim Wort genommenen Metaphern. Subtil ist hier wenig, weshalb die Geschichte der frustrierten Hausfrau, die ihren Gemahl mit einem bulligen Schwarzarbeiter betrügt, auch vom Betrogenen selbst auf die Formel gebracht wird: »la bourgeoise et le prolo«.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 1 Antworten
Richardlöwenherz 2011/07/27 01:26:26
Antwort löschenWie Bitte ?
Thilo Wydra : br-online Thilo Wydra : br-online
Kommentar löschenSehenswert ist "Partir" vor allem aber aufgrund seiner wunderbaren Hauptdarstellerin Kristin Scott Thomas, in deren herb-apartem, kantig-feinem Gesicht sich so Vieles ablesen lässt, sich so Vieles spiegelt, und die auch hier wieder vollkommen unprätentiös erscheint.
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Thomas Engel: programmkino.de Thomas Engel: programmkino.de
Kommentar löschenWie so oft hängt viel von den Hauptdarstellern ab. Kristin Scott Thomas, die man öfter sehen möchte, läuft hier als Susanne zur Hochform auf. Sergi Lopez (Ivan) ebenfalls. Die undankbarste Rolle als unsympathischer, herrschsüchtiger Ehemann, der ja seine Strafe erhält, hat Ivan Attal zu spielen. Eine leidenschaftliche Kinotragödie, ganz schön wirklichkeitsnah und fast glaubwürdig abgehandelt.
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Anna M. Tekampe: critic.de
Kommentar löschenDie Fokussierung auf den Genreplot verdeckt in Partir das darunter durchscheinende Frauenporträt, das den eigentlichen Reiz des Films ausmacht. Die Elemente für eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Motiv des Kampfes um persönliche Freiheit in der Mitte des Lebens sind in Corsinis Film durchaus angelegt, werden aber durch eine übertrieben dramatische Inszenierung weitgehend verschüttet.
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Kommentare (5) — Film: Die Affäre
Kommentar schreibenJack_Torrance 2012/01/15 09:59:10
Kommentar löschenEine Treppe. Ein Bett. Er und sie. Er schläft. Sie nicht. Sie steht auf. Sie verlässt das Zimmer. Das Haus. Ein Schuss.
Dies ist der großartige Beginn eines ansonsten nicht gerade großartigen Filmes: Die Affäre.
Während man zu Beginn darauf brennt zu wissen, was sechs Monate zuvor passiert ist, ist man am Ende enttäuscht: enttäuscht über ein überkonstruiertes Ende einer überkonstruierten Story. Allzu oberflächlich wird auf das Thema die Ehe als Fessel eingegagen, was man an der übertriebenen Verteufelung des Ehemannes erkennen kann.
Prädikat: Nicht besonders wertvoll.
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Janus Winter 2011/07/27 18:38:00
Kommentar löschenGute Darsteller, highlightfreies Drehbuch.
Bunnyfaktor: 0
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8martin 2011/07/26 17:44:47
Kommentar löschenEiner der Filme aus der endlos langen Reihe der Ehedramen. Hier ist es wieder einmal die wohlsituierte Mutter von zwei Kindern (Kristin Scott Thomas), die sich in den Bauarbeiter Sergi Lopez verliebt. Auch wenn es kein echter Kriegsfilm ist, so kann man den Ehekrieg doch in die Kiste „Im Westen nichts Neues“ stecken. Das einzige Unterscheidungsmerkmal zu der übrigen Masse ist, der finanzielle Überlebenskampf der Frau, nachdem ihr der verlassene Ehemann (Yvan Attal) den Geldhahn zugedreht hat. Das wird breit ausgewalzt. Dabei reichen ihre Versuche an Geld zu kommen von sinnlos bis albern. Und der einzige Unterschied zwischen Ehemann und Lover scheinen doch wohl die Aktivitäten auf der Matratze zu sein. Als dann noch die Lösung von Truffauts ’Die süße Haut’ gleich zweimal daherkommt, ist die Luft vollends raus. Kann die Lösung wirklich ein Schuss sein? Höchstens der in den Ofen. K-V.
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Der Franzose 2011/03/20 13:38:50
Kommentar löschenHabe selten so eine gut gespielte Leidenschaft zwischen Darstellern gesehen, hervorragender Film !
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Oceanic6 2011/03/20 13:50:21
Antwort löschenSo gut? Bin ich ja mal gespannt, wird gleich vorgemerkt. Sind vor allem tolle Hauptdarsteller :)
Der Franzose 2011/03/20 14:04:58
Antwort löschenKristin Scott Thomas war mir bisher kein so großer Begriff, aber jetzt sind erstmal ihre Filme vorgemerkt, Sergi López liebe ich seit "Harry meint es gut mir dir " ein Klassiker !
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Ripley1 2011/03/20 14:22:20
Antwort löschenOkay, habe mir "Die Affäre" bestellt.
Ripley1 2011/04/09 22:37:14
Antwort löschenHabe gerade "Die Affäre" gesehen. Beeindruckend was das Schauspiel, vor allem von Kristin Scott Thomas. Die Story...na ja, eben eine amour fou, wie man sie aus dem Kino kennt, nicht aus dem Leben.
spanky 2010/05/17 10:43:22
Kommentar löschenIntensiv ist Kristin Scott Thomas Adjektiv. Sie filtert die Essenz relativ dünner Geschichten mit Leichtigkeit hervor und trägt sie mit Stolz und Perfektion auf dem Silbertablett ihrer Kunst.
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