Pferdewechsel in der Hochzeitsnacht

The Heartbreak Kid (1972), US Laufzeit 89 Minuten, FSK 16, Komödie, Drama, Kinostart 18.07.1974

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von Elaine May, mit Charles Grodin und Cybill Shepherd

Auf seiner Hochzeitsreise lernt Lenny die hübsche Kelly kennen – und stellt fest, daß er mit seiner Hochzeit einen schweren Fehler begangen hat, denn Kelly wäre ihm als Lebensgefährtin lieber, als seine frisch Angetraute. Lenny setzt alles daran, die Frau an seiner Seite auszutauschen, wobei Kellys Vater, ein stinkreicher Kerl, das größte Hindernis zu sein scheint.


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Sonse

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Bewertung7.0Sehenswert

Die deutsche Filmtitel-Mafia kennt keine Gnade!
Was hier wie die (zu meinem Bedauern fiktive) weibliche Antwort auf die dümmlich-albernen Sexklamotten der Siebziger klingt, ist eine bittere, rabenschwarze Tragikomödie mit dem Originaltitel "The Heartbreak Kid" (1972) aus der Feder Neil Simons. Während das grauenvolle Remake mit Ben Stiller (2007) im Original den alten Titel behielt, wollte man sich wohl hierzulande nicht lumpen lassen. Doch trotz großem Bemühen kann "Nach 7 Tagen - Ausgeflittert" die bodenlose Tiefe des deutschen "Original"titels "Pferdewechsel in der Hochzeitsnacht" nicht annähernd erreichen.

Auf seiner Hochzeitsreise lernt Lenny eine reiche, hübsche, blonde Eisprinzessin kennen, steigt ihr hinter her, löst seine kurzlebige Ehe, um wiederum seine vermeintliche Miss Perfect zu ehelichen...

"The Heartbreak Kid" ist ein außerordentlich unbequemer Film. Die Sorte, die ich für ihre Konsequenz bewundere, jedoch niemals richtig gern haben kann. Zu sagenhaft herzlos, oberflächlich und verantwortungslos in seinem narzisstischen Egoismus ist der eigentlich armselige Held (ganz hervorragend in dieser schwierigen Rolle: Charles Grodin), den wir in jeder Szene des Films begleiten. Das ist beabsichtigt und mutig. Welche Filme trauen sich das schon? Noch dazu solche die eigentlich unter dem Label "Romantische Komödie" allzu hastig einsortiert werden.

Elaine Mays Tochter, Jeannie Berlin, sorgt als einfache, sensible, jüdische Ehefrau mit reihenweise Ticks für die einfachsten Lacher, vor allem zu Beginn, und wird - da macht man es sich etwas zu leicht - zunehmend "unattraktiver" für Lenny. Dass diese beiden überhaupt je meinten sie würden zusammenpassen, ist leider so unglaubwürdig wie die Vorstellung, dass die lieblose Kelly (eine ganz junge Cybill Shepherd), "Shiksa-Göttin" von Lennys Träumen, jemals ihn ehelichen würde, außer vielleicht um ihren Vater (gut: Eddie Albert) zu ärgern.

Shiksa? Lenny heiratet zunächst in einer Synagoge, dann in einer Kirche. Neil Simon spielt hier offensichlich auch mit den Befindlichkeiten und Stereotypen im Verhältnis von Juden und WASPs in den USA Mitte des 20. Jahrhunderts.
Der daraus geschöpfte Humor gleicht die schmerzhaften und traurigen Momente für mich allerdings nicht aus.

Der Film wird von Minute zu Minute düsterer bis zu einem offenen Ende, das einem mit dem Gefühl zurücklässt, dass Lenny unglücklich bleiben wird, weil er sich selbst nicht kennt, nicht lernt, nicht versteht, weshalb er schon wieder unzufrieden ist und man ihm nur ein "Grow up, kid" zurufen möchte.

"The Heartbreak Kid" ist als unangenehmer, unbekannterer, kleiner Bruder von "The Graduate" durchaus sehenswert.

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